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neuauflage

Planetenwanderer

Erstellt von Werner Karl am Mittwoch 19. Juni 2013

George R. R. Martin
Planetenwanderer

(sfbentry)
Originaltitel: Tuf Voyaging (1986)
Deutsche Übersetzung von Berit Neumann
München: W. Heyne Verlag 2013
Heyne Taschenbuch 31494
Science-Fiction
ISBN 978-3-453-31494-8
511 Seiten
Umschlaggestaltung: Nele Schütz Design, München

www.heyne.de

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Titel erhältlich bei ebook.de

Mit der Fantasyserie “Game of Thrones” kam George R. R. Martin zu Bestsellerehren und wurde, auch dank der erfolgreichen Verfilmung, einem größeren Publikum bekannt.

Doch bevor Martin der Durchbruch bei der breiten Lesermasse gelang, schrieb er wunderbar traurig-melancholische Kurzgeschichten und sehr innovative Romane (wie z. B. Fevre Dream, eine Geschichte unter Vampiren, die zur Zeit des us-amerikanischen Bürgerkriegs und der berühmten Mississippi-Dampfboote spielt), die sich oft durch ihre kreativen Einfälle und die bunten Sujets auszeichneten. So auch sein Erstling The Dying of the Flame (dt. als Die Flamme erlischt), der mit dem vorliegende Episodenroman vor allem gemein hat, dass ein fremdartig wirkender Kosmos mit viel Verve vorgestellt und glaubhaft beschrieben wird. Erzählt wird in Planetenwanderer die Geschichte des Weltraumhändlers Haviland Tuf, eines steifen Stutzers par excellence, der in seiner Maniriertheit stark an eine der wunderbaren Figuren des gerade verstorbenen Phantastik- und Krimiautors Jack Vance erinnert (so z. B. an den wunderbaren Apollon Zamp aus Showbootwelt).

Tuf, den nichts so leicht aus der Ruhe bringen kann, und der sich vor einem heranstürmenden Tyrannosaurus rex auch schon einmal unter einer fest verschraubten Arbeitsplatte versteckt, ist ein wahrlich liebenswert-schräger Charakter, dessen Abenteuer der Leser gerne verfolgt. Angeworben wurde Tuf ursprünglich, um ein gigantisches Relikt im Weltraum aufzustöbern und in Besitz zu nehmen, begleitet von einer Gruppe Abenteurer, die sich bald gegenseitig an die Gurgel gehen und auch Tufs Leben bedrohen…

Bald findet sich der Händler wieder auf einem Jahrtausende alten Saatschiff, welches die Geschicke vieler Planeten zu beeinflussen in der Lage ist und mit dessen Besitz er gewaltige Begehrlichkeiten bei ganzen Planetenregierungen weckt…

Das vorliegende Werk, welches in dieser Form gesammelt in den USA erstmals 1986 (!) veröffentlicht wurde, zeichnet sich, neben der abenteuerlichen Atmosphäre, den glaubhaften Charakteren (vor allem in der ersten Episode) und den bizarren Sujets vor allem durch hervorragende Ideen aus. Egal ob es um die Kampfspiele auf dem Planeten Lyronica geht (“Bestien für Norn”), oder um das Bevölkerungsproblem auf S´uthlam, mit dem Tuf gleich mehrfach konfrontiert wird (hier zeigt Martin, welch verheerenden Einfluss religiöse Ideologien auf die Vernunft und damit auf das Wohl einer ganzen Planetenbevölkerung haben können), dem Autor gelingen frappierende Blicke in fremde Kulturen und Glaubenssysteme.

Dabei ist sowohl der Unterhaltungswert der einzelnen Novellen als auch der Schauwert der von Martin beim phantasiebegabten Leser geschaffenen Bilder (z. B. die Reise Tufs über und durch die Megalopolis, die S´uthlam komplett bedeckt) enorm. Der Episodencharakter ist dabei eine Herausforderung für den Ideenreichtum des Autors, welche dieser mit Bravour meistert. Zwar sind alle Episoden der hier veröffentlichten Gesamtausgabe bereits einzeln in diversen Anthologien in Deutschland erschienen, dies aber verstreut über so viele Verlage (u. a. bei Knaur, Heyne, Moewig; bei “Alien Contakt” erschienen dann die letzten, bis dato noch nicht in Deutschland veröffentlichten Geschichten), dass selbst die meisten Kenner des Genres den Überblick verloren haben dürften.

Dank des Heyne Verlags und Martins Status als Bestsellerautor darf sich der Leser hier überzeugen, dass der Autor wirklich ein genialer und einfallsreicher Geschichtenerfinder und -erzähler ist. Der vorliegende Episodenroman gehört zweifellos zu den besten Werken des George R. R. Martin.

Copyright © 2013 by Gunther Barnewald

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Das Meer, in dem ich schwimmen lernte

Erstellt von Iris Gasper am Mittwoch 19. Juni 2013

Franziska Fischer
Das Meer, in dem ich schwimmen lernte

(sfbentry)
Amelie
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH
ISBN 978-3-86265-255-6
Belletristik / Liebe & Romantik
Erschienen: Mai 2013
Illustrationen: Ebru Agca
Titelfoto: © Plush Studios / gettyimages.com
Autorinnenfoto: © Stefanie Brandenburg
Taschenbuch, 269 Seiten

www.schwarzkopf-schwarzkopf.de

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Die Autorin:

Franziska Fischer wurde 1983 in Berlin geboren. Sie studierte Spanische Philologie und Germanistik an der Universität Potsdam und arbeitet als freie Lektorin und Autorin. Einige Reisen nach Mittelamerika und Mexiko haben sie zu ihrem Debütroman „Das Meer, in dem ich schwimmen lernte“ inspiriert. Derzeit lebt sie in Berlin.

Das Buch:

Ronja ist als Backpackerin in Mexico unterwegs. Dieses Land hat sie nicht bewusst gewählt, es ist eine Zufallsentscheidung, die sie dorthin geführt hat. Zunächst ist Mexico ihr absolut fremd. Sie findet kaum einen Bezug zu den Menschen, deren Leben, der Sprache dort, dem landestypischen Essen, den Gewohnheiten der Einheimischen und auch zu deren Armut. Ronja lernt vor Ort Julia kennen und verbringt mit ihr einige gemeinsame Reisetage. Diese Tage und die gemeinsamen Erfahrungen geben der jungen Frau Zuversicht für die weitere Reise.

Die junge, als Backpackerin noch unerfahrene Ronja ist ein besonderer Mensch. Sie wirkt auf den Leser von Anfang an sehr sensibel und zurückgezogen und auch ein wenig unnahbar. Sie hütet ein Geheimnis und scheint von großer Trauer umgeben. Auf ihrer weiteren Reise lernt sie Ismael kennen, der selbst Schmuck herstellt und mit einem VW-Bus durch das Land fährt um seinen Schmuck zu verkaufen. Zu Ismael fühlt sich Ronja von Anfang hingezogen. Sie verbringt mit ihm wundervolle Tage in dem kleinen Ort Ocelotlán und fährt auch mit ihm durchs Land.

„Das Meer, in dem ich schwimmen lernte“ ist eine Geschichte über eine junge Frau, die ihren Weg im Leben noch nicht gefunden hat. Ronja ist aus der Bahn geworfen worden, hat das „Schwimmen“ entweder nie gelernt oder es verlernt und muss es nun (wieder) erlernen. Diese Reise durch Mexico hilft ihr dabei fortan besser durchs Leben zu schwimmen.

Franziska Fischer ist es in ihrem Buch sehr gut gelungen die Gefühle eines jungen Menschen auf der Suche nach seinem eigenen Ich einzufangen. Die Geschichte ist ein Abriss einzelner Episoden der Reise. Mit der Reise verbunden ist für Ronja vor allen Dingen eine Vielzahl von Sinneseindrücken. Hierbei stehen geschmackliche und musikalische Eindrücke im Vordergrund. Mit ihnen erlebt Ronja das fremde Mexico und wird zu einem Teil dieses Landes.

Wir alle müssen irgendwie durch unser Leben schwimmen. Wer einen anderen Menschen bei seinen ersten Schwimmversuchen begleiten möchte, der sollte dieses Buch zur Hand nehmen und Ronja auf eine Reise begleiten, die so außergewöhnlich ist wie sie selbst und hier so poetisch erzählt wird, dass man das Buch erst nach der letzten Seite fasziniert wieder zuklappen wird.

Copyright © 2013 by Iris Gasper

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Mandalas für alle Gelegenheiten

Erstellt von Werner Karl am Mittwoch 19. Juni 2013

Mandalas für alle Gelegenheiten

Kohl-Verlag
ISBN 978-3-86632-468-8
Bildung, Kinder & Jugend, Malen & Zeichnen
Erschienen 2011
Umschlaggestaltung Kohl-Verlag
Umfang 100 Seiten

www.kohlverlag.de

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Inhalt & Fazit

In dem Kopierband “Mandalas für alle Gelegenheiten” finden sich hundert verschiedene Mandalamalvorlagen zu unterschiedlichen Themenbereichen. Zusätzlich zu jedem Ausmalbild gibt es immer noch eine kleine Zusatzaufgabe passend zur Thematik des jeweiligen Mandalas. Der Band umfasst die Themenbereiche einfache Mandalas, Tiere, Märchen, Jahreszeiten, Indianer und Weihnachten. Die Vorlagen sind hierbei von einfach bis recht kompliziert gehalten. Besonders die filigran gehaltenen Tierbilder dürften für Schulanfänger noch zu schwierig sein, da sie motorisch doch sehr herausfordernd sind. Ab Klasse 2 sollten aber alle Mandalas kein Problem mehr für die motorischen Fähigkeiten sein. Für Kinder mit motorischen Defiziten sollte man jedoch auf andere Mandalamalvorlagen zurückgreifen.

Die hundert verschiedenen Motive passen, dank der verschiedenen Themenbereiche, gut zu den Rahmenplänen der Grundschule und können auch fächerübergreifend eingesetzt werden. Als besonders gelungen fand ich die Zusatzaufgaben zu den Mandalas, die sehr vielfältig waren. Vom Muster vollenden, übers Ausschneiden bis hin zum Finden von Reimwörtern und Anlauten war für den Bereich Deutsch alles vertreten. Auch die Mathematik wurde nicht vernachlässigt, da Anzahlen bestimmt, Dinge aufgeteilt oder aber ihrer Entfernung bestimmt werden sollten. Auch die für die Schreibschrift essentiellen Schwungübungen kamen hierbei nicht zu kurz und waren in lebensnahe Kontexte eingebettet. So findet Lernen spielerisch statt und macht den Kindern wirklich Spaß. Optisch war der gesamte Band sehr gelungen und für Jungen und Mädchen waren gleichermaßen viele Motive zu finden.

Ein gelungener Kopierband, mit dem sich im eigenen Unterricht wunderbar differenzieren lässt.

Copyright © 2013 by Yvonne Rheinganz

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The Walking Dead 2

Erstellt von Michael Drewniok am Dienstag 18. Juni 2013

Robert Kirkman/Jay Bonansinga
The Walking Dead 2

(sfbentry)
Originaltitel: The Walking Dead: The Road to Woodbury (New York : Pan Macmillan 2012)
Übersetzung: Wally Anker
Deutsche Erstveröffentlichung: Mai 2013 (Heyne Verlag/TB Nr. 52953)
409 S.
ISBN-13: 978-3-453-52953-3
eBook: Mai 2013 (Heyne Verlag)
513 KB
ISBN-13: 978-3-641-09531-4
Hörbuch-Download: Mai 2013 (Random House Audio)
Gelesen von Michael Hansonis
Laufzeit: 654 Minuten (ungekürzt)
ISBN-13: 978-3-8371-2214-5

Titel bei Buch24.de
Titel bei eBook.de
Titel bei Booklooker.de (Autorenname „Bonansinga“ eintragen)


Das geschieht:

Eine Seuche hat die USA und wohl auch die übrige Welt heimgesucht: Wer stirbt, kehrt als intelligenzloser aber gieriger Zombie zurück, um die noch Lebenden zu verfolgen und zu fressen. Wird jemand gebissen, fällt er oder sie ebenfalls dem Untod zum Opfer. Vor der Übermacht der wandernden Toten, die nur durch einen gezielten Kopfschuss außer Gefecht gesetzt werden können, mussten Staatsmacht und Militär kapitulieren. Sämtliche nationalen Verwaltungsstrukturen sind zusammengebrochen. Die wenigen Überlebenden ziehen in wilder Flucht durch die verheerten US-Staaten oder haben sich verbarrikadiert. Demokratische Strukturen wurden durch wilden Anarchismus oder totalitäres Bandentum ersetzt.

Im US-Staat Georgia gehört Lilly Caul zu denen, die nach einem sicheren Winkel suchen. Die junge Frau hat sich einer Gruppe angeschlossen, die ein altes Zirkuszelt als Bleibe organisieren konnte: Der Winter steht vor der Tür; die Menschen müssen ihm ohne die Hilfsmittel der untergegangenen Zivilisation trotzen. Lilly hat sich mit der neuen Realität arrangiert. Sie hält sich an den kräftigen Josh Lee Hamilton, der sich in sie verliebt hat und sie schützt. Deshalb geht Lilly mit ihm, als Josh, der einen geilen Strolch erschlug, von der Gruppe ausgeschlossen wird. Zwei weitere Männer und eine Frau schließen sich ihnen gerade noch rechtzeitig an, denn die Gruppe wird von einer Zombie-Herde überfallen und ausgelöscht.

Das Quintett schlägt sich mühsam durch. Gerade hat man in einer verlassenen Tankstelle ein provisorisches Quartier aufgeschlagen, als andere Überlebenskünstler ihnen ein verlockendes Angebot unterbreiten: Kommt mit uns nach Woodbury, eine kleine Stadt, die sich gegen die Untoten abschotten konnte. Verschwiegen wird allerdings, dass hier der wahnsinnige und psychopathische „Governor“ buchstäblich über Leben und Tod herrscht …

Der (Un-) Tod als multimediales Spektakel

Mit „The Walking Dead“ gelang dem Comic-Autor Robert Kirkman 2003 der Coup seines Lebens. Zwar hatte er bereits zuvor einige Achtungserfolge erzielt. Nun schuf er in Zusammenarbeit mit dem Zeichner Tony Moore seine Version einer Menschheit in der Dauerkrise. Geschickt verwendete Kirkman eingängige Klischees, die er mit rabiaten Zombie-Ekeleien kombinierte. Hinzu kamen Motive der alten aber bewährten „New-Frontiers“- und Pionier-Mentalität, mit der sich die US-Bevölkerung noch heute identifiziert, sowie die üblichen „family values“. So fand die Serie ein zahlenstarkes Publikum und musste deshalb irgendwann auch die Aufmerksamkeit anderer Unterhaltungsmedien erregen.

„The Walking Dead“ gewann nicht nur aufgrund der erzählerischen Struktur, sondern auch wegen seiner monatlichen Erscheinungsweise rasch Epos-Charakter. Deshalb wurde die Serie nicht als Spielfilm, sondern als TV-Serie umgesetzt. Da dies für das Bezahl-Fernsehen geschah, musste man sich nicht der üblichen Zensur beugen, sondern konnte die Horror-Effekte in einer Drastik realisieren, die sogar im Kino selten so dagewesen war. „The Walking Dead“ war spannend und aufwändig inszeniert und trat auch als Fernseh-Serie einen Triumphzug an.

Um die Kuh zu melken, solange sie Milch hergab, beschloss Robert Kirkman, seinem Comic eine Nebenhandlung zu schaffen, die neben dem Hauptstrang herlief, um sich irgendwann wieder mit ihm zu vereinen. Dieses „Walking-Dead“-Bonus-Abenteuer sollte nicht gezeichnet, sondern in Romanform niedergeschrieben werden. Da Kirkman als Buch-Autor unerfahren war, tat er sich mit dem schreibenden Profi Jay Bonansinga zusammen. Ursprünglich geplant war ein Zweiteiler, der schließlich zu einer Trilogie ausgebaut wurde.

Alles bekannt und trotzdem anders

Vor der Lektüre gilt es zu differenzieren: „The Walking Dead“, der Comic, ist mit der gleichnamigen TV-Serie nicht identisch. Zwar tragen die Figuren die gleichen Namen, aber sie weichen von ihren Vorbildern ab und erleiden manchmal auch andere, meist traurigere Schicksale.

Die Buch-Trilogie folgt Kirkmans Intentionen. Es fällt zumindest in den beiden ersten Bänden nicht allzu stark auf, weil das Verfasserduo personale Überschneidungen mit der Fernseh-Version weitgehend meidet. Während der „Governor“ in Woodbury sein Schreckensregiment etabliert, richten sich nicht weit entfernt Rick Grimes und seine Gefährten in jener verlassenen Gefängnisanlage ein, die in der dritten TV-Staffel eine der Hauptkulissen darstellen wird. „The Walking Dead 2“ fällt zeitlich demnach in die Lücke zwischen den Staffeln 2 und 3.

Dem Fernsehen wird oft und zu Recht eine allzu intensive Trivialisierung literarischer Vorlagen vorgeworfen. Dieses Mal ist es umgekehrt: Die TV-Version von „The Walking Dead“ ist wesentlich sorgfältiger ausgestaltet als die Buch-Trilogie. (Der Comic sei hier ausgeklammert.) Jay Bonansinga, der Kirkman zur Seite stand, ist ein Schriftsteller, der eher die grobe Machart schätzt bzw. zu einer feinfühligen Charakterisierung nicht in der Lage ist, wie er in seinem Solo-Werk immer wieder unter Beweis gestellt hat.

Killen & irre mit den Augen rollen

Dies kennzeichnet vor allem und ausgerechnet die Figur des „Governors“. Ihm verleiht im TV David Morressey eine echte Persönlichkeit, sodass die Nero-ähnliche Witzfigur, die Kirkman/Bonansinga aus ihm machen, noch peinlicher wirkt. Ihr Philip Blake ist ein eindimensionaler, schmieriger Irrer, den die Autoren deshalb über möglichst geist- und willensschwache Untertanen herrschen lassen, um dies nicht gar zu deutlich werden zu lassen. Während über dem TV-Woodbury ein dünner aber deutlicher Schatten ständiger Bedrohung schwebt, ist das Buch-Woodbury ein Lumpen-Heerlager, das besser in einen „Mad-Max“-Film passen würde.

Zweite Hauptfigur des Buches ist Lilly Caul, die in den Comics ein kurzes aber wirkungsstarkes Intermezzo gab. Kirkman/Bonansinga versuchen nachzuzeichnen, wie sie zum erbitterten Feind des „Governors“ wurde. Leider ist diese Entwicklung denkbar schlicht. Lilly ist gut und nach den Gesetzen der Trivial-Unterhaltung dazu verurteilt, gegen das Böse – den „Governor“ – zu kämpfen, der natürlich allgegenwärtig und paranoid ist, was zu den üblichen Intrigenspielchen führt.

Diese folgen ebenfalls einschlägigen Vorgaben und bieten folgerichtig keine Überraschungen. Sie versucht das Autorenduo zu generieren, indem in den Täuschungspausen die Zombies angreifen. Obwohl die Buch-Trilogie wie Comic und Fernsehserie den Titel „The Walking Dead“ tragen, hatten uns Kirkman & Bonansinga die Untoten beinahe vergessen lassen. Wenn sie auftauchen, lassen sie uns kalt, obwohl die Autoren Blut und Fleischfetzen höher und weiter denn je spritzen lassen. Zombies sind keine besonders interessanten Unholde. Ihnen fehlt die Intelligenz, die sie durch Scheußlichkeit in Gestalt und Benehmen ersetzen müssen. Dies funktioniert jedoch nur bedingt, weshalb auch im Milieu der Untoten paradoxerweise die Lebenden stets im Mittelpunkt stehen.

Aufstieg, Herrschaft … was kommt dann?

Die Geschichte selbst ist routiniert bis beliebig. Bis wir nach Woodbury gelangen, verfolgen wir die Irrfahrt der erwähnten Lilly Caul. Ihre Story unterscheidet sich nicht von den Erlebnissen anderer Flüchtlinge. Vor allem gelingt es den Autoren nie, uns zu verdeutlichen, wieso gerade Lilly zu einer starken Gegnerin des „Governors“ wird. In der TV-Serie ist dies mit der sehr ähnlich angelegten Figur der Andrea wesentlich überzeugender gelungen.

Lilly wird von einigen Gefährten begleitet, die in ausführlichen Biografien vorgestellt werden. Der erfahrene Leser weiß schon deshalb, dass es diese Pechvögel garantiert erwischen wird. Ihr Ende soll tragischer wirken, weil wir sie ‚kennen‘. Das Prinzip ist alt und durchaus funktionstüchtig, aber es verfehlt seine Wirkung, wenn sich besagte Biografien auf bloße Klischees beschränken.

Dem Thema angemessen – also leblos – rollt die Handlung bis zu ihrem notgedrungen offenen Ende ab: Das Mittelstück einer Trilogie kann nicht anders ausgehen; es bereitet das eigentliche Finale vor. Dieses kennen wir dummerweise bereits; selbst Kirkman & Bonansinga machen daraus keinen Hehl, wenn sie dem dritten Band den Titel „Fall of the Governor“ geben. So ist es keine schwierige Prognose, dass auch „The Walking Dead 3“ vor allem die Popularität der Comic- und Fernseh-Vorlage (aus-) nutzen und sich ansonsten ebenfalls in Routine-Horror erschöpfen wird.

Autoren

Robert Kirkman (geb. 1978) ist (bisher) weniger als Schriftsteller, sondern als Autor für Comics bekannt geworden. Schon 2000 brachte er in Zusammenarbeit mit dem Zeichner Tony Moore die Superhelden-Parodie „Battle Pope“ heraus. Nach einigen anderen Projekten verwirklichten Kirkman und Moore ab 2003 „The Walking Dead“. Aufgrund ständiger Terminschwierigkeiten stieg Moore aus und wurde von Charlie Adlard ersetzt. „The Walking Dead“ wird weiterhin fortgesetzt. Zwischenzeitlich arbeitete Kirkman für „Marvel Comics“, wo er u. a. für Serien wie „Avengers Disassembled“, „Marvel Knights“ oder „Fantastic Four“ schrieb.

2008 wechselte Kirkman zu „Image Comics“; 2010 gründete er das Imprint „Skybound“. Parallel dazu wurde er einer der Produzenten und Autoren der Fernsehserie „The Walking Dead“, die unter der Leitung von Frank Darabont zu einem TV-Ereignis wurde. Ab 2011 veröffentlichte Kirkman mit Ray Bonansinga die Roman-Trilogie „Rise of the Governor“, die ebenfalls im „Walking-Dead“-Universum spielt. Mit seiner Familie lebe Robert Kirkman lange in Kentucky. Um ‚seiner‘ TV-Serie näher zu sein, ist er nach Los Angeles umgezogen.

Jay R. Bonansinga (geb. 1959) verfasst seit 1994 auf Unterhaltung getrimmte Krimi- und Horror-Thriller der unterhaltsamen aber rasch wieder vergessenen Art. Der in Sachen Eigenwerbung (s. Website) sehr kreative Autor lebt mit seiner Familie in Evanston, US-Staat Illinois, wo er als Gastprofessor für kreatives Schreiben an der Northwestern University lehrt.

In Deutschland ist Bonansinga erschienen Mitte der 1990er Jahre die Thriller „Black Mariah“ („The Black Mariah“, 1994) und „Sick“ („Sick“, 1995). Kurz darauf versuchte es der Goldmann-Verlag mit den Bonansinga-Krimis „Killer-Parade“ („The Killer’s Game“, 1997) und Kopf an Kopf („Head Case“, 1998), wobei sich der Erfolg ebenfalls in Grenzen hielt. Ende 2005 nahm Rowohlt mit einer Serie um den mit dem Übersinnlichen konfrontierten Ermittler Ulysses Grove einen neuen Anlauf.

Website des Verfassers

Kurzkritik für Ungeduldige: Nachdem die Welt von Zombies überrannt wurde, landet eine kleine Gruppe Überlebender im untotenfreien Städtchen Woodbury, über das allerdings der wahnsinnige aber geniale „Governor“ herrscht … – Mittelteil einer Trilogie, die Aufstieg und Fall einer zentralen Figur des Comic- und TV-Erfolgs „The Walking Dead“ schildert: Die Story bietet simple Horror-Unterhaltung, d. h. erschöpft sich in ausführlichen Metzeleien sowie pseudo-dramatischen „Was-würdest-du-tun?“-Klischees.

[md]

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Das Dominion – Fall der Götter

Erstellt von Werner Karl am Dienstag 18. Juni 2013

David R. George III
Das Dominion – Fall der Götter
Die Welten von Star Trek: Deep Space Nine 6

Worlds of Star Trek: Deep Space Nine Vol. 3 (Ferenginar/Dominion)
Cross Cult, Ludwigsburg, 01/2013
TB, Science-Fiction
ISBN 978-3-8642-5142-9
Aus dem Amerikanischen von Christian Humberg
Titelgestaltung von Martin Frei

www.cross-cult.de/
www.startrekromane.de/

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Odo kehrt von seiner kurzen Stippvisite nach Deep Space Nine und zu Kira Nerys in den Gamma-Quadranten zum Dominion zurück. Immer noch sind viele Fragen bezüglich der Gründer offen, insbesondere warum die hundert Formwandler, zu denen auch Odo gehörte, wirklich in die Galaxis geschickt wurden. Laas gehörte ebenfalls einst zu den Hundert und kreuzte Odos Weg bereits während des Krieges und seiner Zeit auf der bajoranischen Raumstation. Obwohl sich ihrer beider Ansichten bezüglich der Solids, der Einförmigen, unterscheidet, fühlen sie sich immer noch als Außenseiter. Da bemerkt Odo eine sonderbare Nova, und beschließt, sie näher zu untersuchen, nachdem einer der anderen Gründern ihm erschütternde Informationen gegeben hat. Informationen, die Odos Bild von seinem Volk völlig über den Haufen werfen. Währenddessen besucht Taran’atar, einer der wenigen Jem’Hadar-Krieger, die nicht von Ketracel White abhängig sind, in Begleitung von Captain Kira jene Gründerin, die im Alpha-Quadranten ihre Haftstrafe als Kriegsverbrecherin absitzt. Eine folgenschwere Begegnung für den Jem’Hadar – und die Bewohner von Deep Space Nine …

Mit diesem Band endet die sechsbändige Mini-Serie um „Die Welten von Star Trek: Deep Space Nine“ mit einer Geschichte über eines der faszinierendsten Völker der Serie: die Formwandler. Natürlich spielt der ehemalige Sicherheitschef von Deep Space Nine, Odo, die Hauptrolle in der Geschichte, obwohl auch zwei weitere bekannte Wechselbälger agieren. Da wäre zum einen Laas, den Kenner der TV-Serie aus der Episode „Hirngespinst“ (Staffel 7, Folge 14) kennen. Zum anderen spielt natürlich auch die Gründerin eine wichtige Rolle, die während des Krieges die Aktivitäten des Dominions im Alpha-Quadranten koordinierte.  Außerdem dürfte es nicht wenige Fans geben, die sich über die erneute Rückkehr des Vortas Weyoun freuen werden. Offenbar ist es Odo gelungen, das Transkorder-Implantat des letzten Klones zu bergen und einen neuen Weyoun-Klon zu schaffen. Diese Entscheidung ist nur logisch, denn immerhin war bereits ein Weyoun-Klon abtrünnig geworden, jedoch nur mit der Absicht, das Dominion vor sich selbst und ihrer eigenen Destruktivität zu beschützen.

Weniger nachvollziehbar ist dagegen der Umstand, dass Odo erst nach über einem Jahr von seinem Volk Antworten auf so existentielle Fragen wie Fortpflanzung, Alter und Tod seiner Spezies erhält. Da wundert man sich unweigerlich, was Odo die Monate zuvor getrieben hat, immerhin dürfte die Heilung von der Krankheit, mit der Sektion 31 die Gründer infiziert hat, nicht so viel Zeit in Anspruch genommen haben.

Allerdings hat der Roman trotz seiner knapp 200 Seiten Umfang einige Längen, da die Szenen mit Odo und den Gründern fast nur aus Gesprächen und Gedanken bestehen. Dafür ist das Finale umso erschütternder. Natürlich spielen auch die Jem’Hadar eine Rolle, zumindest Taran’atar, der einzige Jem’Hadar im Alpha-Quadranten, der auf DS9 stationiert ist. In Begleitung von Kira kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung mit der inhaftierten Gründerin. Schade, dass sich die einzige Action-Szene mit weitreichenden Konsequenzen für den gesamten Quadranten als Seifenblase entpuppt. Nichtsdestotrotz endet der Roman mit gleich zwei fiesen Cliffhangern, die den Beginn der neunten Staffel mit Ungeduld erwarten lassen. Am Ende des Buches findet der Leser übrigens eine Zeitlinie nach dem alten Kalender, der ihm hilft, die sechs Bände der Serie chronologisch einzuordnen.

Das Cover des Taschenbuchs ziert Odos Antlitz über dem riesigen Meer der Gründer. Ein sehr eindrucksvolles Titelbild mit hohem Nostalgie-Faktor. Im letzten Band der Mini-Serie werden wichtige Fragen über das Volk der Formwandler beantwortet, und große Ereignisse werfen ihre Schatten auf die neunte Staffel voraus. Trotz wenig Action spannend und aufschlussreich von der ersten bis zur letzten Seite!

Copyright © 2013 by Florian Hilleberg (FH)

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Marathonduell

Erstellt von Iris Gasper am Dienstag 18. Juni 2013

Sabina Naber
Marathonduell
Erster Fall für Mayer & Katz

Gmeiner Verlag
ISBN 978-3-8392-1379-7
Krimi
Erschienen Februar 2013
Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgart
unter Verwendung eines Fotos von © Photosani – Fotolia.com
Paperback, 370 Seiten

www.gmeiner-verlag.de
www.sabinanaber.at

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Die Autorin:

Sabina Naber, geboren 1965 in Niederösterreich, studierte in Wien Theaterwissenschaften sowie Germanistik, Geschichte und Philosophie. Sie arbeitete als Schauspielerin, Regisseurin, Drehbuchautorin und als Journalistin, unter anderem beim ORF. 2002 startete sie ihre erste Krimiserie rund um die Wiener Kriminalkommissarin Maria Kouba. Außerdem  schreibt sie Kurzgeschichten und ist Herausgeberin von Anthologien. Für ihre Story „Peter in St. Paul“ wurde Sabina Naber 2007 mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet. Sie ist Mitbegründerin und Leiterin der österreichischen Plattform www.krimiautoren.at.

Das Buch:

Elisabeth Zwirn, eine Frau aus gutem Hause, wird während des bekannten Marathon in Wien von ihrem Verlobten in der eigenen Wohnung getötet. So beginnt diese kriminelle Geschichte der Autorin Sabina Naber mit der Tat und dem Täter. Der Leser weiß also bereits auf den ersten Seiten relativ viel. Aber mit diesem Wissen ist es natürlich nicht weit her, denn die Ermittler Mayer und Katz wissen nicht wer der Täter ist, sie vermuten es nur. Allerdings wird es gar nicht so leicht dem Verlobten, Andreas Niederle, diese Tat auch nachzuweisen, denn dieser hat offensichtlich am Marathonlauf teilgenommen und wie will er dabei die Zeit gefunden haben noch ganz nebenbei einen Mord zu begehen? Die Ermittler stehen vor einem großen Rätsel und vor allem Katz, der selbst am Marathon teilgenommen hat, fragt sich was hier tatsächlich geschehen ist.

Ein Marathonlauf ist eine Herausforderung für jeden Teilnehmer, ein großer Kraftakt, der viele Menschen an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit bringt. Dieses Gefühl fängt die Autorin hier sehr deutlich ein, denn sie lässt den Leser teilhaben an den Emotionen und Gedanken einiger Läufer. Man erfährt von einem Glatzkopf, einem Kiwi-Mann und noch weiteren Teilnehmern und fragt sich mehr als einmal wer hinter diesen Personen steckt. Kleine Andeutungen zeigen aber schon bald wer hier wer ist.

Die Ermittler Katz und Mayer sind zwei ausgefallene Charaktere. Gruppeninspektorin Daniela Mayer gerät eher zufällig in die Ermittlungen hinein, denn während des Marathonlaufs ist sie mit ihrem Kollegen Oppitz unterwegs und dabei auch in anderen Bereichen im Einsatz als normalerweise. Als dann ein Notruf  eingeht, werden Mayer und Oppitz zur Wohnung von Elisabeth Zwirn geschickt und finden dort die Tote. Für die weitere Bearbeitung des Falles ist das LKA zuständig und Mayer, lustlos wie immer, schon froh die Ermittlungen abgeben zu können. Aber der bekannte Karl Maria Katz vom LKA möchte sie an seiner Seite wissen.

Dieser Krimi spielt in Wien und natürlich kommt hier auch der lokale Gesichtspunkt nicht zu kurz. Dennoch kann die Geschichte problemlos auch von Nichtkennern der Örtlichkeit gelesen werden. Besonders solche Leser, die kauzige und verschrobene Ermittler mögen und sich an kleinen aber feinen Wortgefechten und versteckten Andeutungen erfreuen können, sind hier genau richtig. Es ist einfach herrlich Katz und Mayer bei ihren Ermittlungen und ihren privaten Angelegenheiten zu begleiten. Liebhaber von Marathonläufen werden hier auch auf ihre Kosten kommen und sich vermutlich an der einen oder anderen Stelle wiederfinden.

„Marathonduell“ ist die Geschichte eines gut durchdachten Mordes, eine Herausforderung an Körper und Geist des Mörders und der Ermittler und eine spannende Geschichte für den Leser, die sicherlich für Verwirrung sorgen wird.

Copyright © 2013 by Iris Gasper

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Natur entdecken mit der Maus – Unsere Tier- und Pflanzenwelt

Erstellt von Werner Karl am Dienstag 18. Juni 2013

Sabine Dahm und Wolfgang Funke
Natur entdecken mit der Maus – Unsere Tier- und Pflanzenwelt

cbj-Verlag
ISBN 978-3-570-13857-1
Bildung, Kinder & Jugend, Sachbuch
Erschienen 2010
Umschlaggestaltung: schwecke.mueller Werbeagentur GmbH, München
Illustrationen Julie Sodré
Mausillustrationen: Ina Mertens
Umfang 224 Seiten

www.cbj-verlag.de

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Autorenporträt

Dr. Sabine Dahm, 1964 in Münster geboren, ist promovierte Biologin. Seit 2001 ist sie freie Mitarbeiterin beim WDR und arbeitet für die Redaktion der »Sendung mit der Maus«. Sie bietet an Ganztagsschulen unter dem Motto »Natur pur« naturwissenschaftliche Experimente aus den Bereichen Biologie, Chemie und Physik an und ist Autorin von mehreren Experimentierbüchern für Kinder. Wolfgang Funke ist Diplombiologe und war lange Zeit als Sachbuchlektor bei unterschiedlichen Verlagen tätig, bevor er sich als freier Autor und Redakteur in Augsburg selbstständig machte. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf den Themen Natur und Biologie.

Illustratorin

Julie Sodré verbrachte die ersten 24 Jahre ihres Lebens in Brasilien. Nachdem sie an der Universität in Rio de Janeiro Visuelle Kommunikation studiert hatte, suchte sie nach weiteren Ausbildungsmöglichkeiten und landete schließlich in Hamburg. 2006 beendete sie ihr Studium der Sachillustration und arbeitet seitdem sehr erfolgreich als freie Illustratorin für verschiedene europäische Verlage.

Inhalt & Fazit

Mit diesem Buch erhält man einen Naturführer, der sich wirklich lohnt. Gut strukturiert werden hier die unterschiedlichsten Lebensräume präsentiert in denen einem Tiere und Pflanzen begegnen können. Als Lebensräume werden der Wald, Fluss und See, das Gebirge, Strand und Meer, Wiese und Acker, Stadt und Garten aufgegriffen. In jedem dieser Großkapitel findet man Sachtexte, Tier- und Pflanzensteckbriefe sowie Antworten auf spannende Kinderfragen und allerlei Experimentieren zum eigenständigen Erforschen der Natur. Hierbei gefiel mir besonders, dass jedes Tier illustriert und so für die Kinder plastisch gemacht wurde. Wichtige Begriffe wurden rot, Kernaussagen im satten Fettdruck und neue Fachbegriffe in Grün hervorgehoben. So lernten die Kinder sogar den Umgang mit einem reduzierten Lexikon, da alle grünen Begriffe hinten im Mauslexikon nachgeschlagen werden konnten. Die Texte waren dabei besonders einfach gehalten und durch und durch kindgerecht. Hinzu kamen immer interessante Fakten, die in kleinen abgehobenen Kreisen neben dem eigentlichen Text präsentiert wurden. Der gleiche Aufbau der Steckbriefe führte bei noch nicht ganz sicheren Lesern zu Routinen, die sie beim Lesen unterstützten.

So behandelte jeder Tiersteckbrief die Bereiche Aussehen, Lebensraum und Lebensweise, jeder Pflanzensteckbrief die Merkmale, das Vorkommen und Wissenswertes. Die lateinischen Fachbegriffe der einzelnen Tier- und Pflanzenarten wurden jeweils in Klammern mit eingeführt und bereiteten die Kinder so auf die Sprache des Faches Biologie vor. Die einzelnen Experimente, die sich an die Großkapitel anschlossen, waren ebenfalls sehr gut strukturiert und für Kinderhände aufbereitet. Man erhielt hier eine Liste mit den Materialien, eine detailgenaue Anleitung, einen festen Experimentierzeitpunkt sowie eine Beobachtungsbeschreibung. Das Angebot wurde mit zusätzlichen Tipps und Beobachtungshilfen bei Experimenten und Kinderfragen abgerundet. Gut war auch das Inhaltsverzeichnis, mit dem man alle Inhalte schnell erfassen konnte. Im angefügten Register können die Kinder eigenständig nach Tieren und Pflanzen innerhalb des Bandes suchen und können so erneut mit der Lexikonstruktur arbeiten.

Kurz um: Ein gelungener Naturführer für Kinderhände, Eltern, Pädagogen und die Schulbibliothek, den ich keinesfalls mehr missen möchte.

Copyright © 2013 by Yvonne Rheinganz

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Horror 1

Erstellt von Michael Drewniok am Montag 17. Juni 2013

Kurt Singer (Hg.)
Horror 1
Klassische und moderne Geschichten aus dem Reich der Dämonen

(sfbentry)
Originaltitel: Ghost Omnibus (London : W. H. Allan & Co. 1965)/Weird Tales of the Supernatural (London : W. H. Allan & Co. 1966)/Gothic Reader (New York : Ace Books 1966)/Horror Omnibus (London : W. H. Allan 1965)
Übersetzung: Joachim A. Frank
Deutsche Erstausgabe (geb.): 1969 (Goverts Krüger Stahlberg Verlag)
256 S.
[keine ISBN]
Als Taschenbuch: 1972 (Wilhelm Heyne Verlag/Allgemeine Reihe Nr. 01/00824)
190 Seiten
[keine ISBN]

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Inhalt:

14 Gruselgeschichten aus guter, alter Zeit. Es wird lustvoll handfest und ohne psychologische Sperenzchen gespukt, gerächt & gemordet, denn hier werden vor allem Storys aus der großen Zeit der US-amerikanischen Pulp-Magazine präsentiert:

- Edward Lucas White: Lakandu (Lukundoo, 1925), S. 7-18: Auch als weißer Herr von eigenen Gnaden lege man sich nicht ausgerechnet im afrikanischen Dschungel mit einem rachsüchtigen Zaubermeister an.

- Frank Belknap Long: Der Mann mit den tausend Beinen (The Man with a Thousand Legs, 1927), S. 19-37: Krankhafter Ehrgeiz lässt das junge Genie die grundlegenden Gesetze des Lebens erkunden; sein Triumph bringt ihm und der entsetzten Welt wenig Freude.

- Charles Allston Collins/Charles Dickens: Der Mordprozess (To Be Taken with a Grain of Salt/The Trial for Murder, 1865), S. 38-46: Der Geist eines grausam zu Tode gekommenen Mannes hilft tatkräftig mit, seinen Mörder an den Galgen zu bringen.

- August Derleth: Mrs. Lannisfree (Mrs. Lannisfree, 1945), S. 47-53: Wahrlich furchtbar ist bekanntlich der Zorn einer betrogenen Frau; dies gilt umso mehr, wenn man sie zusätzlich umgebracht hat.

- Robert Bloch: Die Männchen des Grauens (Mannikins of Horror, 1939), S. 54-63: Man treibe niemals seinen Spott mit einem verrückten Wissenschaftler, auch wenn sich dessen Gabe auf die Erschaffung mörderischer Gartenzwerge beschränkt.

- H. G. Wells: Das unerfahrene Gespenst (The Story of the Inexperienced Ghost/The Inexperienced Ghost, 1902), S. 64-74: Auch die Toten sind manchmal froh über praktische Anleitungen beim Spuken; der freundliche Helfer lernt freilich mehr dabei als er verkraften kann.

- Roger M. Thomas: James Bradleys Vampir (The Bradley Vampire, 1951), S. 75-84: Dem einfachen amerikanischen Provinzfarmer erscheint des Nachts eine seltsam aufdringliche Frau. Glücklicherweise weiß sein ungarischer Freund, was zu tun ist.

- Laurence Manning: Die Höhlen des Schreckens (Caverns of Horror, 1934), S. 85-107: Tief unter der Erde erstreckt sich ein riesiges, düsteres Reich, bewohnt von gewaltigen Untieren, die sich prächtig jagen ließen, wenn da nicht auch diese garstigen Dämonen wären.

- Tigrina: Letzter Akt: Oktober (Last Act: October, 1964), S. 108-120: Vor Jahrhunderten hat der feiste Junker Pilkington eine angebliche Hexe verbrennen lassen. Leider war diese echt und rachsüchtig, was sich zukünftig ungünstig auf die Geschicke der Pilkingtons auswirkt.

- Enid Bagnold: Der verliebte Geist (The Amorous Ghost, 1926), S. 121-125: Besagter Geist möchte nicht Angst verbreiten, sondern in das Ehebett des Schlossherrn, der darauf verständlicherweise arg verschreckt reagiert.

- Arlton Eadie: Das Wolfmädchen von Josselin (The Wolf Girl of Josselin, 1938), S. 126-149: Der verliebte Künstler freit eine schöne Maid, die eine ganz besondere Mitgift in diese Ehe bringt.

- Seabury Quinn: Die Herren des Geisterlandes (Repayment, 1943), S. 150-169: Dieser Fall ist auch für den „okkulten Detektiv“ Jules de Grandin neu – eine wieder erstandene Mumie ist es, die nicht vernichtet, sondern selbst vor bösen Geistern bewahrt werden muss.

- Gans T. Field: Ein halbes Spukhaus (Voice in a Veteran‘s Ear, 1939), S. 170-182: Das Gespenst eines hessischen Söldners geht in einer alten Mühle um und widersetzt sich entschieden jeder Austreibung, bis sich seine Mörder den Geisterjägern hilfreich zur Seite stellen.

- Frank Lillie Pollock: Die letzte Morgenröte (World-Wreckers, 1908), S. 183-190: Die endlich eintreffenden Strahlen einer fremden Sonne leiten den Untergang der Erde ein.

Prolog: Die ewige Flucht vor dem Mülleimer

Ein kleiner, lange verschollener Schatz der Phantastik soll hier gehoben werden. Vor allem erfreut die Wiederkehr vieler längst verschwundener Storys, die in den 1920er bis 50er Jahren für die „Pulps“ geschrieben wurden: Groschenhefte, in denen viel Mist erschien, die inzwischen von den Mäusen gefressen wurde, in unzähligen Abfalleimern landeten oder anderweitig in Vergessenheit gerieten. Gleichzeitig boten die Pulps ein ideales Übungsfeld für Autoren, die ihr Handwerk wirklich verstanden und nicht selten Geschichten vorlegten, die es wert sind, gerettet zu werden.

Kurt Singer trieb sicher nicht der Plan um, dem Pulp-Horror ein Denkmal zu setzen, als er in den 1960er Jahren damit begann, Geschichten aus den alten Magazinen (flüchtig) thematisch zu ordnen und in Buchform gesammelt herauszugeben. Er erkannte jedoch ihren weiterhin bestehenden Unterhaltungswert, und die Rechte waren kostengünstig zu erstehen. Auf diese Weise entstand eine lange Reihe schaurig-schöner Bände, die Singer oft durch kundige Vorworte einleitete.

Diese Sammlungen fanden im englischsprachigen Raum viele erfreute Leser, weshalb sie mehrfach neu aufgelegt wurden. Das deutsche Publikum wurde eher lieblos abgespeist: Zwischen 1969 und 1971 brachte der Frankfurter Krüger-Verlag drei Bände heraus, die denkbar einfallsarm „Horror I“, „Horror II“ und „Horror III“ betitelt wurden. Zwar stammen die hier gesammelten Storys aus Singer-Editionen, die jedoch nicht übernommen, sondern aus vier Kollektionen zusammengeklaubt wurden. Zwischen 1972 und 1975 veröffentlichte der Heyne-Verlag diese drei Bände als Taschenbücher und ergänzte die Reihe um „Horror 4“ und „Horror 5“.

Schnell und spannend

Der eigentliche Sinn der von Kurt Singer gesammelten Geschichten liegt in der Unterhaltung ihrer Leser. Besonders tief im Psychologischen schürfen die Autoren sicher nicht, worüber der literarische Schöngeist die Nase rümpfen mag. Diese Geschichten entstanden, um Geld mit ihnen zu verdienen; hart verdientes Geld, denn die Magazine zahlten nie üppig. Das hätten auch Charles Allston Collins (1828-1873), sein Schwiegervater Charles Dickens (1812-1870), Herbert George Wells (1866-1946) oder Frank Lillie Pollock (1876-1957) bestätigt. Sie gehörten zwar einer anderen Ära an und schrieben nicht für Pulps, sondern für frühere Magazine und Zeitschriften, die sie jedoch mit ähnlicher Ware bedienten.

In diesem Umfeld blieb wenig Raum für persönlichen schriftstellerischen Ehrgeiz. Umso deutlicher wird, dass es ihn trotzdem gab und er sich entfalten konnte. Handfester Grusel mag das Schmuddel-Kind der Phantastik sein, doch lässt sich nicht leugnen, dass er großartig unterhält, wenn man ihn zu entfesseln weiß. Auf die 14 hier versammelten Autoren trifft dies zu.

Aberwitz ohne Rücksicht auf die Logik

Typisch ist die Geschichte von Seabury Quinn (1889-1969). Purer Fleiß und ein Geistesblitz, der ihn den beliebten „okkulten Detektiv“ Jules de Grandin erfinden ließ, sicherten ihm über Jahrzehnte seine Präsenz und sein Einkommen. „Das Muttermal“ interessiert durch seine stimmungsvolle Atmosphäre und das gut getroffene Lokalkolorit, irritiert aber durch seinen Plot bzw. dessen ‚Begründung‘, die indes vor dem Zeitalter der modernen Genetik dem Publikum nicht gar so hanebüchenen vorgekommen sein mag.

Die Suche nach der schon vor Frankenstein gern thematisierten „Essenz des Lebens“ treibt Frank Belknap Long (1903-1994) geradezu irrwitzig auf eine Spitze, die 1927 erst recht für Erstaunen gesorgt (und die Tugendwächter bestürzt) haben dürfte. Einmal mehr zeigt sich, dass die Pulp-Autoren ihre Fantasie nicht zügeln wollten oder mussten. Dem schloss sich 1934 Laurence Manning (1899-1972) mit einer Hohlwelt-Fabel an, die ebenfalls die meisten Naturgesetze ignorierte und stattdessen lieber dem Grusel-Affen Zucker gab.

In den Pulps konnte ein absurder Einfall wie der eines ‚halben‘ Spukhauses wurzeln und unterhaltsam gedeihen. Gans T. Field ist ein schriftstellerisches Phantom, hinter dem sich Manly Wade Wellman (1903-1986) verbarg. Viele Pulp-Autoren legten sich gleich mehrere Pseudonyme zu. Die Magazine zahlten schlecht, ihre Lieferanten schrieben schnell. Mancher hätte mit seinen Geschichten eine Ausgabe im Alleingang füllen können. Die Pseudonyme zerstreuten den Eindruck einer trivialliterarischen Monokultur.

Auf Nummer Sicher gegangen

Selbstverständlich boten die Magazine auch schmackhafte Kost für Leser, die ihre Lektüre nicht gar zu verrückt schätzten. Profis wie August Derleth (1909-1971) und Robert Bloch (1917-1994) garantierten immer für schwungvolle Routine, wenn sie alte Grusel-Motive abstaubten. Wieso man ihre Geschichten noch immer schätzt, während Autoren wie Roger M. Thomas (geb. 1930) und Arlton Eadie (d. i. Leopold Eady, 1886-1935) in Vergessenheit gerieten, erschließt sich auch dem heutigen Leser schnell: Auch Trivial-Horror will gekonnt sein!

Eine gewisse Präsenz können in dieser Sammlung die Altmeister des klassischen Horrors beanspruchen. Schon die Herausgeber der Pulps griffen gern auf ältere Storys zurück. Die Rechte waren oft preisgünstig. Als angenehmer Begleiteffekt bot sich die Möglichkeit, mit Namen wie Charles Dickens oder H. G. Wells Eindruck auch außerhalb des Magazin-Gettos zu hinterlassen. Zudem waren alte Geschichten nicht zwangsläufig altmodisch, wie in dieser Sammlung Frank Lillie Pollock, Enid Bagnold (1889-1981) oder Tigrina (d. i. Edith/Edythe Eyde, geb. 1921) belegen. Edward Lucas White (1866-1934) beweist außerdem, dass auch die ‚Literaten‘ vor drastischen Effekten nicht zurückschreckten.

Selbst aus dem Zusammenhang ihrer ursprünglichen Sammlungen gerissen, funktioniert die Mischung aus Klassischem und Trivialem außerordentlich gut. „Horror 1“ und die vier Anschlussbände enthalten viele Kurzgeschichten, die in diesem unseren Lande selten oder noch nie und seitdem nicht mehr aufgelegt wurden. Ungeachtet der lieblosen Präsentation sollten diese Bücher deshalb dem gruselhistorisch interessiertem Leser eine antiquarische Suchexpedition wert sein!

Nachwort: Odyssee eines Gruselschatz-Schürfers

Der Mann, dem wir die fünf „Horror“-Bände verdanken, ist Kurt Singer, ein wahrer Zeuge des (20.) Jahrhunderts. Als Kurt Deutsch wurde er am 10. August 1911 in Wien geboren, war Buchhändler und Journalist und gehörte dem linksgerichteten Leninbund an. Zudem gaben er und seine Ehefrau Hilde heimlich eine Zeitung heraus, die über diverse Nazi-Verbrechen und hier schon sehr früh über die Konzentrationslager informierte. Solche Zeitgenossen wollten die Nazis nicht dulden und belegten Singer mit einem Berufsverbot. Als Deutsch – der den Mädchennamen seiner Mutter angenommen hatte – mit seiner Gruppe 1934 aufflog, musste er flüchten. Bis 1945 starben mehr als 60 Familienmitglieder und Verwandte in deutschen Lagern.

Über Prag, Wien und Danzig ging Singer nach Schweden, wo Journalist und Schriftsteller, aber ab 1936 auch für schwedische, norwegische und britische Geheimdienste tätig wurde. Besonders verhasst machte sich Singer den Nazis, als er sich für den verfolgten Schriftstellerkollegen Carl von Ossietzky engagierte und zwei Bücher über ihn schrieb, was mit dazu führte, dass der KZ-inhaftierte Ossietzky freigelassen und für 1935 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.

1940 kam Singer in die USA. Er stellte sein Wissen dem Geheimdienst zur Verfügung und arbeitete wieder als Journalist, wobei er sich die fremde Sprache bald aneignete. Nach Ende des II. Weltkriegs blieb Singer als Schriftsteller und Biograf aktiv und baute zudem eine eigene Literatur  und Presseagentur auf, vermarktete internationale Zeitungstexte und handelte Bücherrechte. Der politisch aktive Autor wuchs in eine Karriere als Vermittler leichter Unterhaltung hinein und verfasste selbst Bücher über Volkssagen und das Übernatürliche, „True Crime“-Stories und Geistergeschichten. Trotz seines hohen Alters und diverser Krankheiten blieb Singer, in Kalifornien lebend, bis zu seinem Tod am 14. Dezember 2005 aktiv.

Website

Kurzkritik für Ungeduldige: 14 Gruselgeschichten aus guter, alter Zeit. Es wird lustvoll handfest und ohne psychologische Sperenzchen gespukt, gerächt & gemordet, denn hier werden vor allem Storys aus der großen Zeit der US-amerikanischen Pulp-Magazine präsentiert. Echte Klassiker mischen sich unter vergessene Kleinodien des Genres, dazwischen muss man sich durch (wenig) Mittelmaß kämpfen.

[md]

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Angst über London

Erstellt von Werner Karl am Montag 17. Juni 2013

Jason Dark, Dennis Ehrhardt
Angst über London/Dark Symphonies
John Sinclair Edition 2000 Sonderedition 3

Lübbe Audio, Köln, 09/2012
1 Audio- + 1 Musik-CD im Jewel-Case
Horror
ISBN 978-3-78574-595-3
Laufzeit: ca. 62 + 79 Min.
Sprecher: Uli Krohm, Xavier Naidoo, Helmut Rellergerd, Henning Wehland, Katharina von Keller u. a.
Musik von Tocotronic, Nena, H-Blockx, Kreator, Die Söhne Mannheims, Marianne Rosenberg, Cain u. a.
Titelillustration von Timo Würz

www.luebbe-audio.de/
www.sinclair-hoerspiele.de/cms/hoerspiele
www.jason-dark.de
www.timowuerz.de 

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Als die medial veranlagte Miriam di Carlo eines Nachts erwacht, sieht sie am Firmament eine vermummte Gestalt mit dämonischen Augen, die durch die Löcher einer roten Henkerskapuze auf die Millionenstadt blicken. Wenige Stunden später liegt London in Trümmern. Flugzeuge stürzen ab, der Verkehrt kommt zum Erliegen, sämtliche Brücken sind eingebrochen. Miriams Weg führt sie in die ‚Atomic Bar‘, wo sie plötzlich von Zombies attackiert wird. Mit einem silbernen Dolch, der wie aus heiterem Himmel materialisiert, kann sie sich einen Untoten vom Hals halten, doch erst das Erscheinen eines blonden Mannes rettet ihr das Leben. Es handelt sich um keinen Geringeren als John Sinclair, der ebenfalls allein durch das Inferno irrt. Im Gegensatz zu Miriam ist der Geisterjäger aber alles andere als wehrlos, denn der Dolch ist ebenso schnell wieder verschwunden, wie er auftauchte. John Sinclair ist fieberhaft auf der Suche nach einem Dämon namens Destero, der sich für das anhaltende Chaos verantwortlich zeichnet. Seine Freunde Suko, Shao und Glenda Perkins erkennen John Sinclair plötzlich nicht wieder, und außer Plünderern und Untoten scheint es auch ansonsten keine Überlebenden in der Metropole mehr zu geben. Für John Sinclair und Miriam di Carlo beginnt eine Odyssee durch ein postapokalyptisches London …

Endlich ist die dritte Sonderedition da! Und natürlich haben die Hörer und Fans etwas ähnlich Bahnbrechendes erwartet, wie es seinerzeit „Der Anfang“ und „Der Pfähler“ für die Hörspielbranche darstellten. Eine extralange Laufzeit, bekannte Stimmen hochkarätiger Hollywood-Stars und eine Bonus-CD mit Soundtrack allein reichen da nicht mehr aus. So entschied man sich für ein ähnliches Projekt wie man es schon für die leider eingestellte Hörspielserie „Edgar Allan Poe“ unter dem Titel „Visionen“ ins Leben gerufen hatte. Und auch für „John Sinclair“ wurden namhafte deutsche Musiker und Bands gefunden, die bereit waren, dem Geisterjäger ihren Tribut zu zollen. Der doppeldeutige Titel „Dark Symphonies“ passt dazu wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge, denn er erinnert nicht nur an das düstere Setting der Abenteuer von „John Sinclair“, sondern auch an das bekannte Pseudonym ihres Autors Helmut Rellergerd alias Jason Dark. Zudem stellte sich die Frage, welche Storys sich „Sinclair“-Fans wohl sehnsüchtig als Vertonung wünschten. Die Wahl fiel letztendlich auf das erste Taschenbuch „Angst über London“, das mit seiner postapokalpytischen Story und den Zombies dem aktuellen Trend folgt. Allerdings bleibt sich Dennis Ehrhardt treu und hat auch bei dieser Produktion den Rotstift wirbeln lassen.

Als erstes wurde der Part von Asmodina gestrichen und durch Destero ersetzt, dessen Auftritte in der eigentlichen Serie bislang konsequent vermieden wurden. Offenbar war man der Ansicht, dass die Fans sich über einen etwas verspäteten Auftritt des Dämonenhenkers freuen würden. Allerdings wirft das die Frage auf, warum überhaupt diese Änderung vorgenommen wurde, denn die Sondereditionen folgen bekannter weise nicht der Chronologie. Man hätte die Geschichte also auch zu einer Zeit spielen lassen können, in der Asmodina noch existierte, oder aber man hätte Wikka als neue Despotin einsetzen können, denn leider bleibt Destero im vorliegenden Hörspiel recht blass und farblos, obwohl sich Uli Krohm jede Menge Mühe gibt, den Henker so bösartig und perfide darzustellen wie seine längst vernichtete Herrin. So ganz mag es ihm dann aber doch nicht gelingen, vielleicht hätte man seine Stimme ein wenig elektronisch verzerren sollen.

In einer anderen Szene wird dies schließlich auch getan, obwohl es da recht übertrieben wirkt. Über Destero erfährt man leider nur wenig, und vor allem im Finale wurde sehr viel Potenzial verschenkt. Man wundert sich ja schon, dass man während Asmodinas Amtszeit nie etwas von Destero hörte, immerhin scheint er ja über eine immens starke Magie zu verfügen. Bis auf die Rahmenhandlung hat das Hörspiel nicht mehr viel mit dem Taschenbuch gemein, was schade ist, denn dadurch verliert die Geschichte viel an Atmosphäre. So macht sich John keinerlei Gedanken über die Conollys, und der Part von Myxin fiel komplett der Schere zum Opfer. Miriams sonderbare Fähigkeit, Gegenstände verschwinden oder materialisieren zu lassen, wirkt auch sehr bemüht und wie deus ex machina. Genauso wird sie dann auch eingesetzt und hinterlässt einen bitteren Beigeschmack, zumal am Ende nicht mal alle offenen Fragen geklärt werden.

Doch so schlecht wie es sich hier anhören mag, ist das Hörspiel dann doch nicht. Neben einem tollen Soundtrack und den gewohnt filmreifen Effekten, besitzt es unheimlich viel Tempo und Action. Außerdem haben viele der Musiker, die an „Dark Symphonies“ mitgewirkt haben, eine Gastrolle bekommen. Xaiver Naidoo beispielsweise ist als Börsenhai zu hören und macht seine Sache ebenso gut wie Marianne Rosenberg als Stewardess oder Henning Wehland von H-Blockx in der Rolle als Hugh Townsend. Miriam di Carlo wird sehr leidenschaftlich von Katharina von Keller gesprochen und vielleicht wird sie in Zukunft noch das eine oder andere Mal mit von der Partie sein. Nur ihr ständiges „meine Fresse“ geht einem irgendwann auf die Nerven. Für die Serienchronologie ist das Hörspiel nicht wirklich wichtig, so dass der Fan selber entscheiden darf, ob er die Sonderedition in seine Sammlung aufnehmen möchte oder nicht.

Die Musik-CD „Dark Symphonies“ vereint die Tribute von insgesamt 20 Musikern und Bands, die dem berühmten Geisterjäger in dieser Sonderedition ihre Aufwartung machen. Dabei sind so klangvolle Namen wie Tocotronic, Nena, H-Blockx, Kreator, Die Söhne Mannheims, Marianne Rosenberg und natürlich Cain, die bereits für die erste Staffel den genialen Bonus-Song „Age of Darkness“ beisteuerten. Selbst Autor Jason Dark ist mit der musikalisch unterlegten Rezitierung des Gedichtes „Der Vampir“ zu hören, und entgegen seiner eher schwachen Leistung als Sprecher macht er seine Sache ziemlich gut. Auch der neue Titelsong findet sich als Instrumentalversion auf der CD. Das, was „Dark Symphonies“ so besonders macht, ist jedoch zugleich auch ihr größtes Manko, denn Namen wie Marianne Rosenberg und Nena dürften die Hörer von H-Blockx, Motorjesus oder Kreator kaum zu Begeisterungsstürmen hinreißen und umgekehrt. Wirklich großartig ist der Song von Betontod, obwohl sich der gesungenen Text deutlich von dem im Booklet unterscheidet. Tatsächlich beinhaltet „Dark Symphonies“ einige gelungene Ohrwürmer, wobei man sich bei anderen Beiträgen unweigerlich fragt, was sie eigentlich mit „John Sinclair“ zu tun haben. 

Auch die dritte Sonderedition präsentiert sich im schmucken Pappschuber mit Prägung des Titelschriftzugs. Im umfangreichen Booklet finden sich neben einem ausführlichen Vorwort, Fotos der Interpreten und Künstler, sowie die Texte zu den einzelnen Songs. Auf der Hörspiel-CD ist außerdem eine stimmungsvolle Illustration von Timo Würz verewigt. Die dritte Sonderedition hat viele gute Ideen und immens viel Potenzial, das leider nur unzureichend genutzt wurde. Ein wenig mehr Nähe zum literarischen Original und mehr Laufzeit hätten dem Hörspiel gutgetan. Die Musik-CD „Dark Symphonies“ hat einige Ohrwürmer zu bieten, doch die vielen unterschiedlichen Musikrichtungen machen die Kompilation zu einem Nischenprodukt.

Copyright © 2013 by Florian Hilleberg (FH)

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Das kleine Buch vom Gehirn

Erstellt von Werner Karl am Montag 17. Juni 2013

Michael Madeja
Das kleine Buch vom Gehirn

dtv-Verlag, München, 03/2012
TB, Sachbuch, Medizin
ISBN 978-3-423-34705-1
Titelgestaltung von Dwight Eschliman, Balk & Brumshagen
Innenillustrationen von Reinhard Blumenstein

www.dtv.de/
http://eschlimanphoto.com

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Das menschliche Gehirn und dessen Erforschung stellt die Wissenschaft weiterhin vor Rätsel, und für den Otto-Normal-Verbraucher ist seine Funktionsweise immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Fachliteratur ist in der Regel kompliziert geschrieben und erfordert aufgrund der vielen Fachbegriffe ein entsprechendes Vorwissen. Populärwissenschaftliche Bücher zu dem Thema sind rar gesät. Der Hirnforscher Michael Madeja schildert in seinem Buch Aufbau, Funktionsweise, Entwicklung, Leistung, Erkrankungen und Untersuchungsmethoden des menschlichen Gehirns. Und das ganz ohne Fachchinesisch und komplizierte Beschreibungen. Einfache Skizzen sollen das Verständnis für die Lage bestimmter Sinneszentren erleichtern. Ein umfangreiches Glossar nebst Index der Fachbegriffe runden das Buch ab.  

Populärwissenschaftliche Bücher sind beliebt wie nie zuvor. Wissen unterhaltsam zu vermitteln ist nicht zuletzt auch das Erfolgsrezept für Shows wie „Wer wird Millionär?“. Nach den erschreckenden Ergebnissen der letzten Pisa-Studie und damit einhergehenden Weltuntergangsszenarien ist jeder Versuch, die breite Masse unterhaltsam und nachhaltig zu bilden, unbedingt zu begrüßen. Michael Madeja hat sich das menschliche Gehirn vorgenommen und ein Buch herausgebracht, das alle Erwartungen des durchschnittlichen Lesers erfüllen dürfte. Mit 223 Seiten, inklusive Danksagung, Glossar und Index, ist es nicht nur schmal und handlich, sondern auch ansprechend dünn. Wie Madeja bereits in seinem Vorwort erwähnt, kann man es sich bequem an einem Wochenende zu Gemüte führen.

Es werden keinerlei Fachbegriffe im Fließtext verwendet; durch entsprechende Querverweise kann der geneigte Leser sie jedoch im Glossar nachschlagen. An dieser Stelle findet sich auch der einzige negative Aspekt des Buches, sollte man nämlich den Anspruch haben, sich mit diesem Band fortzubilden und die Fachbegriffe zu erlernen, muss man immer wieder im Lesefluss innehalten, um hinten im Glossar/Index nachzuschlagen. Sicherlich wurde die Möglichkeit die Fachbegriffe in Klammern in den Text einzufügen hinreichend geprüft, doch optimal ist die aktuelle Lösung leider nicht. Am besten liest man das Buch zweimal. Einmal ohne nachzuschlagen, gewissermaßen zur Vorbildung und Unterhaltung, und ein zweites Mal, um sich die Fachbegriffe einzuprägen und in einen Zusammenhang mit dem großen Ganzen zu bringen. So erhält man ein umfangreiches Gesamtbild über den aktuellen Forschungsstand des menschlichen Gehirns und dessen wichtigste Erkrankungen und Untersuchungsmethoden.

Für alle, die endlich wissen wollen, was sich hinter Parkinson, Multiple Sklerose, Epilepsie und Schlaganfall eigentlich verbirgt; und das einfach und anschaulich beschrieben. Auch kryptische Abkürzungen wie EEG, MRT und CT verlieren für den Laien, dank Madejas flüssigem Schreibstil, ihre Bedrohlichkeit.  Die Kapitel sind ihrerseits in kurze Abschnitte eingeteilt und machen das Buch außerdem zu einem unverzichtbaren Nachschlagewerk. Anschauliche und einfache Illustrationen erleichtern die Entschlüsselung des Gehirns zusätzlich. Für interessierte Laien und Berufsgruppen des medizinischen Randgebiets eine unverzichtbare Lektüre. 

Anschaulich, unterhaltsam, kurz und bündig – ein leichter verständliches Buch über das menschliche Gehirn wird man so schnell nicht finden. Ein wichtiger Beitrag zur Bildung, der hoffentlich kein Einzelfall bleibt!

Copyright © 2013 by Florian Hilleberg (FH)

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