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neuauflage

Höllennacht

Erstellt von Michael Drewniok am Sonntag 20. Mai 2012

Stephen Leather
Höllennacht

Originaltitel: Nightfall (London : Hodder & Stoughton 2010)
Übersetzung: Barbara Ostrop
Deutsche Erstausgabe: November 2011 (Blanvalet Verlag/TB Nr. 37814)
446 S.
ISBN-13: 978-3-442-37814-2
Als Kindle eBook: November 2011 (Blanvalet Verlag)
ISBN-13: 978-3-641-06153-1

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Das geschieht:

Jack Nightingale war Mitglied einer Elite-Einsatztruppe der Polizei, bis er in einem Anfall von Selbstjustiz einen besonders üblen Strolch richtete. Er musste seinen Abschied nehmen und schlägt sich nun als Privatdetektiv in London durch. Das Geschäft läuft genretypisch schlecht, weshalb Nightingale zwar misstrauisch aber auch erfreut ist, als sich ein Anwalt bei ihm meldet: Sein Vater habe ihm Gosling Manor, einen Landsitz in der Grafschaft Surrey, hinterlassen.

In der Tat war der nach einem selbst abgefeuerten Schrotschuss in den Schädel verstorbene Ainsley Gosling Nightingales leiblicher aber miserabler Vater. Dass er adoptiert war, wusste der Detektiv bisher nicht. Dafür hatte Gosling Sorge getragen, wie er in einer Videoaufnahme gesteht, denn für Geld und Macht habe er nicht seine, sondern die Seele seines Sohnes an einen Teufel verkauft. Drei Jahrzehnte konnte Gosling schwelgen, doch im Alter begann ihn die Reue zu plagen. Der Teufel gedenkt allerdings nicht von dem Geschäft zurückzutreten. An seinem 33. Geburtstag werde er ihn holen, warnt Gosling Jack vor. Bis dahin sind es nur noch drei Wochen.

Der rational denkende Nightingale hält seinen Vater für verrückt. Allerdings stellt er bei der Besichtigung von Gosling Manor fest, dass Gosling ein Satanist gewesen sein muss. Im Keller des Anwesens lagern sowohl verbotene Bücher als auch hässliche Artefakte, die darauf hindeuten, dass auf Gosling Manor manche Teufelsbeschwörung stattfand.

Je weiter sich sein Geburtstag nähert, desto stärker beunruhigen Nightingale seltsame Vor- und ‚Zufälle‘. Mehrfach weisen ihn wie hypnotisiert wirkende Zeitgenossen auf die bevorstehende Höllenfahrt hin. Schlimmer ist jedoch eine Kette von Todesfällen, die Jacks ohnehin kleinen Freundeskreis stetig schrumpfen lässt. Der Detektiv beginnt sich zu fragen, ob an der Sache mit dem Seelenverkauf doch etwas dran ist, denn in diesem Fall gälte es allmählich Gegenmaßnahmen zu treffen …

Noch ein „Urban-Fantasy“-Detektiv

Oh ja, es dauert, bis Jack Nightingale endlich dämmert, was jeder Leser längst weiß. Das Publikum wird sogar ein wenig ungeduldig, weil Autor Leather seine Geschichte sichtlich zieht; schließlich ist er ein Profi, der jährlich mindestens zwei volumenstarke Romane auf den Buchmarkt wirft! Da geht Länge allemal vor Handlungsdichte.

Außerdem denkt Leather an die Zukunft. Auf seiner bemerkenswerten, weil über Leben und Werk nicht nur ungewöhnlich ausführlich Auskunft gebenden, sondern auch sehr aktuellen Website (s. u.) macht der Autor keinen Hehl daraus, dass er „Höllennacht“ wie die meisten seiner Werke mit dem Start einer lukrativen Serie im Hinterkopf kreierte. Dieser Plan ist aufgegangen; Leather produziert seit 2010 mindestens einen Jack-Nighingale-Roman pro Jahr, wie er nicht nur angekündigt sondern bisher auch durchgehalten hat.

Die Weichen für einen Erfolg standen günstig, weil Leather zu den Autoren gehört, die gezielt für einen möglichst großen Markt schreiben. Seine Geschichten sind stromlinienförmig, eingängig und flott; sie bieten, was die Leser in ihrer Mehrheit erwarten. Dies bekommen sie, mehr aber nicht: routinierte Unterhaltung, die nicht grundlos vor dem geistigen Auge Bilder flimmern lässt – Leather arbeitet auch für das Fernsehen.

Die Kraft des gut Bekannten

Das über Autor und Werk Gesagte sollte man übrigens neutral gestimmt zur Kenntnis nehmen: Auch für den schnellen Konsum gedachte Unterhaltung darf gern spannend sein. Dass Leather sich zeitsparend an die Konventionen & Klischees des Genres hält, ist kein Grund, sich den Lektürespaß verderben zu lassen. Nimmt die Handlung erst einmal Fahrt auf, lässt man sich gern in ihren Bann ziehen, auch wenn die dabei eingesetzten Tricks oft allzu deutlich als solche zu erkennen sind.

Leather weiß, wie man die Begegnung zwischen Detektiv und Teufel wirkungsvoll inszeniert. Der eine ist quasi die Verkörperung der professionellen Ratio, während der andere tief im menschlichen Unterbewusstsein wurzelt und dort für Unbehagen sorgt. Im 21. Jahrhundert ist der Glaube an ‚echte‘ Teufel, der in der Hölle hocken und bei Ausflügen in die Menschenwelt nach Seelen fischen, unter einer Schicht aus ‚wissenschaftlich‘ begründeter Sicherheit begraben. Darunter lauern weiter Aberglauben und alten Ängste, die nicht nur Stephen Leather, sondern ganzen Legionen von Schriftstellern und Drehbuchautoren ihr Auskommen sichern.

Unglaube schützt vor Teufelsspuk nicht

Die reizvolle Kombination von Detektiv und Geisterwelt geht nicht auf Leather zurück. Auch hier greift er routiniert auf, was sich – Stichwort „Harry Dresden“ – an anderer Stelle auf dem Buchmarkt bewährt hat. Leather setzt dabei früher ein; vor der Konfrontation mit den Bewohnern des Jenseits‘ steht bei ihm das Ringen um die Akzeptanz ihrer Realität. Jack Nightingale muss vom Saulus zum Paulus werden. Leather zögert die Konfrontation zwischen Jack und dem (übrigens weiblichen) Dämon, der den Schuldschein über seine Seele in den Klauen hält, so weit wie möglich hinaus. „Höllennacht“ ist trotz des martialischen deutschen Titels vor allem die Geschichte einer Spurensuche.

Ein gewisses Problem stellt Leathers Figurenzeichnung dar. Jack Nightingale bleibt flach. Ständig stolpert er über übel zugerichtete Leichen, aber Schrecken und Trauer bleiben reine Behauptungen und werden geschwind abgeschüttelt. Auch der Griff in die Profilkiste bringt nur Beliebiges zutage: Aufgrund deprimierender Erfahrungen, die aus seinen Jahren als Unterhändler und Scharfschütze resultieren, ist Nightingale zum religiös Ungläubigen sowie zum Zyniker geworden, der für das Böse in der Welt allein die Menschen verantwortlich macht.

Als wenig erfolgreicher Detektiv – ein Zustand, der für diesen Berufsstand längst eher Vorschrift als Klischee ist – hat sich Nightingale eine Nische etwas abseits des kollektivgesellschaftlichen Erfolgsstrebens eingerichtet, bis ihn – auch dies folgt dem üblichen Schema – ein unerhörtes Geschehen aus dem Alltagstrott reißt. Nightingale besinnt sich in der Krise alter Berufstugenden, die ihm auch im Umgang mit höllischen Dämonen nützlich werden, denn Leather postuliert ein Universum, in dem sogar die ewige Verdammnis zur Verhandlungssache wird.

Dämon zu sein ist die Hölle!

Zum kantenfreien Tenor passt ein simples Höllenbild. Da gibt es Satan selbst, der in der höllischen Hierarchie so weit oben thront, dass er sich in die Geschicke der Menschen nicht einmischt. Er überlässt dies seinen 66 Höllenfürsten, die wiederum über 666 Legionen gebieten, in denen jeweils 666 Soldaten-Teufel dienen. Dieses Konzept macht es möglich, dass sich Mensch und Dämon fast auf Augenhöhe begegnen.

Bis dies geschieht, reiht Leather seltsame Ereignisse episodisch aneinander. Hier könnte er eindeutig raffen, denn die Story tritt auf der Stelle bzw. ergeht sich in Wiederholungen. Von höllischer Allmacht ist wenig zu spüren, als im Finale tatsächlich eine Teufelin erscheint, um Nightingales Seele zu kassieren. Theaterdonner und große Worte erzeugen nur das Abbild einer gnadenlosen Gegnerin, die sich kurz darauf auf einen Deal mit dem Menschlein einlässt: Die Teufelsfrau hat sich an einer anderen Baustelle hereinlegen lassen, weshalb die Höllen-Kollegen sich nun über sie lustig machen und ihr der Chef womöglich seine Gunst entzieht.

Solche jede Raffinesse vermeidenden Einfälle verraten wohl am besten, mit welcher Art von Phantastik wir es hier zu tun haben. Auf diesen kurvenlosen, gut geschmierten Schienen dürfte die Jack-Nightingale-Serie problemfrei von Station zu Station rollen. Die nächste Haltestelle steht bereits fest: Schließlich hat Jack herausgefunden, dass er eine Schwester hat, deren Seele der Senior einem anderen Teufel verkauft hat. Die muss er nun finden und ebenfalls retten, was unter dem Titel „Midnight“ in England bereits 2011 geschah und sicherlich auch in Deutschland nachgeholt wird, falls dieses erste Abenteuer hierzulande genug Leser findet.

Autor

Bevor Stephen Leather, geboren 1956 im britischen Manchester, Schriftsteller wurde, arbeitete er als Journalist und schrieb für Zeitungen im In- und Ausland. Ende der 1980er Jahre verlegte sich Leather auf das Schreiben actionbetonter, das Schwergewicht auf Unterhaltung legender Thriller, die u. a. in den USA, in Irland sowie im Fernen Osten spielten – Länder und Regionen, die Leather nicht nur ausgiebig bereiste, sondern in denen er sich zeitweise ansiedelte, um seine Geschichten in ein möglichst real wirkendes Umfeld einzubetten.

Zu seinen Erfolgen zählt die 2004 gestartete Serie um den Special-Air-Service-Trooper und Undercover-Agenten Dan ‚Spider‘ Shepherd. Verfilmt wurden die Leather-Thriller „The Stretch“ und „The Bombmaker“. 2010 startete Leather die Serie um den Privatdetektiv Jack Nightingale, der sich mit diversen Kreaturen der Hölle u. a. übernatürlichen Unerfreulichkeiten auseinandersetzen muss. Leather schrieb außerdem direkt für das Fernsehen und hier für Infotainment-Serien wie „The Knock“, „London‘s Burning“ oder „Murder in Mind“.

Autoren-Homepage

[md]

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Cool as You 2

Erstellt von Werner Karl am Sonntag 20. Mai 2012

Kae Maruya
Cool as You 2

(sfbentry)
Toshishita no Ryugi vol. 2, Japan, 2010
Carlsen Manga, Hamburg, 02/2012
TB, Manga, Boys Love, Romance
ISBN 978-3-551-74022-9
Aus dem Japanischen von Monika Klinger-Hammond
2 Farbseiten

www.carlsenmanga.de

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Yusuke ist in seinen jüngeren Stiefbruder Atsushi verliebt, kann sich ihm aber nicht offenbaren – schließlich sind sie trotz allem Brüder, wenn auch von verschiedenen Eltern. Er ahnt nicht, dass Atsushi für ihn dasselbe empfindet. Die wenigen Male, die sie sich schon näher kamen, verliefen eher peinlich, da Yusuke stets schwach wurde, während Atsushi sich unberührt gab.

Um für klare Verhältnisse zu sorgen, geht Yusuke auf das Angebot eines guten Freundes ein, den er als seinen neuen Partner ausgibt, nicht ahnend, dass Ito ihn liebt und hofft, Yusuke für sich gewinnen zu können. Atsushi reagiert prompt und zieht aus, lässt jedoch den Austauschstudenten Michael in der gemeinsamen Wohnung zurück, der sich über die Begriffsstutzigkeit der beiden bloß wundern kann. Als Yusuke klar wird, dass Ito ihn so liebt wie er Atsushi, steckt er in einer Zwickmühle …

Wurde im ersten Band von „Cool as You“ noch regelmäßig das Setting bemüht, um die Handlung voranzutreiben, so spürt man diesmal kaum noch etwas vom Glamour der Models, dem Charme der Kellner oder dem Siegeswille der Sportler. Die Handlung konzentriert sich auf Yusuke, der seine Gefühle sortiert hat, aber aus falscher Rücksichtnahme genau das Falsche tut. Man kann ihm jedoch nicht die alleinige Schuld anlasten, da Atsushi schweigt, statt sich zu seiner Liebe zu bekennen.

Einfluss auf die beiden nehmen Ito, der hofft, dass sich Yusuke ihm zuwenden wird, und Michael, der im Moment ein neutraler Beobachter ist und gewissermaßen in seinen Kommentaren die Gedanken der Leser zum Ausdruck bringt, die ebenfalls nur mit dem Kopf schütteln, weil die Hauptfiguren ‚absolut auf der Leitung stehen‘. Prompt kommt es zum Bruch zwischen Yusuke und Atsushi, die künftig nur noch beruflich miteinander zu tun haben wollen, obwohl sie einander vermissen. Vermutlich wird der dritte Band verraten, ob die beiden alles noch in die richtigen Bahnen lenken können – denn sehr viel mehr an Verwicklung gibt der Plot nur schwerlich her.

Die Illustrationen sind hübsch und unterstützen das romantische Hin und Her, das sich an Leserinnen wendet, die Boys Love abseits der überstrapazierten Schüler-Milieus wünschen und denen eine nachvollziehbare Handlung um sympathische Charaktere wichtiger ist als explizite Szenen.

Copyright © 2012 by Irene Salzmann (IS)

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Olympia – Archäologie eines Heiligtums

Erstellt von Werner Karl am Sonntag 20. Mai 2012

Helmut Kyrieleis
Olympia – Archäologie eines Heiligtums

Zaberns Bildbände zur Archäologie – Sonderbände der antiken Welt
Verlag Philipp von Zabern, Darmstadt/Mainz, 10/2011
HC mit Schutzumschlag
Archäologie, Geschichte, Kunst, Architektur
ISBN 978-3-8053-3421-1
Titelgestaltung von Melanie Jungels, scancomp GmbH, Wiesbaden unter
Verwendung von Fotos aus verschiedenen Quellen
109 Farb- und 30 SW-Abbildungen im Innenteil aus verschiedenen Quellen

www.zabern.de
www.antikewelt.de

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Olympia in Griechenland war der Austragungsort der antiken Olympischen Spiele, die alle vier Jahre zu Ehren Zeus‘ abgehalten wurden. An ihnen durften ausschließlich griechische Athleten teilnehmen, und es herrschte Waffenruhe selbst zwischen verfeindeten Stadtstaaten. Funde aus frühester Zeit belegen, dass es schon zuvor Siedlungen auf dem Gebiet des Heiligtums gegeben hat. Die Kultstätte selber wird auf etwa das 11. Jh. v. Chr. datiert, den Beginn regelmäßiger Spiele vermutet man um das 7. Jh. v. Chr. Der monumentale Ausbau erfolgte im 4. Jh. v. Chr. Danach fanden weitere Aus- und Umbauten unter den Römern statt, bis der oströmische Kaiser Theodosius II die Spiele verbieten ließ, da er die heidnischen Riten als Beleidigung des Christentums erachtete. Vermutlich konnte das Verbot nicht strikt durchgesetzt werden, doch nahmen die Spiele 551 n. Chr. nach einem Erdbeben und der Zerstörung Olympias ein Ende.

Im 18. Jh. begannen die Archäologen, sich für Olympia zu interessieren. Seit dem 19. Jh. arbeiten die Forscher an der systematischen Freilegung der Stätte, die noch nicht abgeschlossen ist. Seit 1894 finden die Olympischen Spiele weltweit an wechselnden Austragungsorten statt.

In „Olympia – Archäologie eines Heiligtums“ dokumentiert Helmut Kyrieleis anhand der Funde, wie das antike Olympia einst ausgesehen haben mochte, welche Bedeutung den einzelnen Bauten und Großplastiken zukam, welche Kulthandlungen vorgenommen wurden, wie die Athleten lebten und nach den Wettkämpfen geehrt wurden, welche Schlussfolgerungen die Wissenschaft aus allem aktuell zieht. Die sachlichen Texte werden durch zahlreiche Fotos und Abbildungen in Farbe und Schwarz-Weiß aufgelockert, die wenigstens die Größe eines Dias haben, mitunter auch eine Doppelseite belegen, so dass das Buch fast Bildbandqualität erreicht. Die solide Gestaltung – Hardcover in Alben-Format mit Schutzumschlag, Kunstdruckpapier – unterstützt den positiven optischen Eindruck.

„Olympia – Archäologie eines Heiligtums“ wendet sich an einen Personenkreis, der sich nicht nur für die Kultur des antiken Griechenlands interessiert, sondern auch für seine Architektur. Die Ausführungen des Autors gehen über das hinaus, was Laien wissen möchten, und setzen Grundkenntnisse voraus. Dem Rucksack-Tourist, der sich Olympia anschauen und nach Erfüllung des kulturellen Pflichtteils entspannt an den Strand legen will, dürfte das Buch zu theoretisch sein, doch Bildungsreisende werden viele interessante Details erfahren, die sie vor Ort überprüfen können. Auch für Studenten der Archäologie und der Altertumskunde bzw. der Architektur ist das Sachbuch eine nützliche Lektüre.

Copyright © 2012 by Irene Salzmann (IS)

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Judge 3

Erstellt von Werner Karl am Samstag 19. Mai 2012

Yoshiki Tonogai
Judge 3

(sfbentry)
Japan, 2011
Carlsen Manga, Hamburg, 04/2012
TB, Manga, Psycho-Thriller, Drama, Mystery
ISBN 978-3-551-74704-4
Aus dem Japanischen von John Schmitt-Weigand
2 Farbseiten
Altersempfehlung: Ab 16 Jahre!

www.carlsenmanga.de
http://blog.livedoor.jp/nejiusagi/

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Drei Mädchen und sechs Jungen wurden von einem Unbekannten entführt und in einem verlassenen Gerichtsgebäude eingesperrt. Jeder von ihnen hat eine Untat begangen, für die er mit dem Tode bezahlen soll. Die Gefangenen haben es selbst in der Hand, alle zwölf Stunden einen der ihren auszuwählen, und wer die meisten Stimmen erhält, stirbt. Zwei von ihnen haben bereits ihr Leben verloren, und ein dritter muss bangen. Vergeblich bemüht sich Hiro, die anderen davon zu überzeugen, dass sie gegen den Unbekannten zusammenhalten müssen, um weitere Morde zu verhindern und einen Weg zu finden, der in die Freiheit führt, denn es ist nicht sicher, ob die letzten Vier wirklich gehen dürfen, wie ihnen versprochen wurde.

Hiros Anstrengungen finden nicht nur Zustimmung. Asami, Hayato und Ryuhei haben bloß ihr eigenes Überleben im Sinn und sind bereit, die anderen dafür zu opfern. Ihr Verhalten und listige Aktionen lassen das Misstrauen untereinander weiter wachsen, und Hiro muss befürchten, dass er der nächste sein könnte, weil er diese drei gegen sich aufgebracht hat. Zufällig entdecken die Jugendlichen einen weiteren Gefangenen, der offenbar gefoltert wurde …

Die Parallelen zu „Doubt“, dem Prequel von „Judge“, sind deutlich: In beiden Serien werden einige Jugendliche von dem mysteriösen Initiator eines perversen, tödlichen Spiels entführt und in einem abgelegenen Gebäude eingesperrt. Einer nach dem anderen verliert sein Leben bei dem Versuch herauszufinden, was das Ganze soll, wer dahintersteckt und wie man sich und die Kameraden retten kann. Dabei begehen die Beteiligten den großen Fehler, einander statt den wahren Feind zu bekämpfen. Dieser nutzt die Ängste seiner Opfer geschickt aus, so dass sie ihm in die Hände spielen, beispielsweise indem sie einen Todeskandidaten allein lassen, statt ihn als Gruppe zu beschützen. Obendrein sind einige von ihnen bestrebt, das Misstrauen weiter zu schüren und so einen Keil zwischen jene zu treiben, die noch immer Skrupel haben, einen der ihren in den Tod zu schicken.

Tatsächlich erringt die Gruppe, die sich dazu bekennt, nur das eigene Überleben als Ziel zu haben, einen Vorteil. Ob und wie sie diesen nutzen, bleibt abzuwarten. Auch stellt das Auftauchen des gefolterten Mannes ein weiteres Rätsel dar, dessen Auflösung vielleicht wichtige Hinweise gibt, wie das grausame Spiel zu beenden ist, ohne dass noch mehr Jugendliche sterben müssen. Jetzt sind es nur noch sechs! „Judge“ ist realistisch gezeichnet und inszeniert. Auf Effekthascherei wird verzichtet, da die Geschichte ihre Spannung aus sich selbst bezieht.

Gefallen Titel wie „Redrum“, „Tsumitsuki“ oder „Hiki“, wird man auch von „Doubt“ und „Judge“ sehr angetan sein. Allerdings darf der Künstler nicht den Fehler begehen, das Sequel zu sehr an der ersten Tetralogie zu orientieren, da die analogen Strukturen eine eigenständige Story unterdrücken könnten.

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Judge 2

Erstellt von Werner Karl am Samstag 19. Mai 2012

Yoshiki Tonogai
Judge 2

(sfbentry)
Japan, 2010
Carlsen Manga, Hamburg, 02/2012
TB, Manga, Psycho-Thriller, Drama, Mystery
ISBN 978-3-551-74703-7
Aus dem Japanischen von John Schmitt-Weigand
4 Farbseiten
Altersempfehlung: Ab 16 Jahre!

www.carlsenmanga.de
http://blog.livedoor.jp/nejiusagi/

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Neun Jugendliche erwachen in einem verlassen Gerichtsgebäude. Jeder von ihnen hat eine Sünde begangen, für die er mit seinem Leben bezahlen soll. Vier von ihnen will der unbekannte Drahtzieher gehen lassen, wenn sie unter ihren Leidensgenossen wählen und diese durch eine Abstimmung zum Tode verurteilen. Dass es ihm ernst ist, gibt er den Gefangenen deutlich zu verstehen: Einer von ihnen wurde getötet, weil er seine Tiermaske zu früh abgesetzt hatte. Hiro ist davon überzeugt, dass niemand sterben muss, wenn alle zusammenhalten und sich jeder selbst zum Todeskandidaten bestimmt. Allerdings gibt wenig später eine Anzeige bekannt, dass sich nicht alle an die Abmachung hielten – und ein weiterer Jugendlicher wird tot aufgefunden.

Unter den anderen wächst die Angst, und es bilden sich zwei Gruppen, die einander belauern. Die einen geben zu, dass sie nur ihr eigenes Überleben zum Ziel haben und dafür zu allem bereit sind, während die anderen Skrupel haben, einen aus ihrer Mitte zum Tode zu verurteilen. Doch auch innerhalb der Gruppen grassiert das Misstrauen, da keiner mit offenen Karten spielt.

Noch immer wissen die Jugendlichen nicht, wer sich das grausame Spiel ausgedacht hat, bei dem ein Unbekannter die Ängste und den Egoismus/Selbsterhaltungstrieb der einzelnen benutzt, um Misstrauen und Zweifel zu säen, so dass die acht bzw. sieben Teilnehmer keine geschlossene Gruppe bilden, sondern sich gegenseitig beobachten, verdächtigen, verfolgen …, bis wenigstens einer die Nerven verliert und somit die Erwartungen des Initiators erfüllt. Nach wie vor mag keiner verraten, was er getan hat, um bestraft zu werden. Weshalb wurden gerade diese drei Mädchen und sechs Jungen ausgesucht? Gibt es eine Verbindung zwischen jedem von ihnen und dem Unbekannten? Tatsächlich wird gerätselt, ob einige von ihnen vielleicht Informationen zurückhalten, möglicherweise mit dem Entführer unter einer Decke stecken oder gar mit diesem identisch sind.

Geschickt spielt Yoshiki Tonogai mit den kreatürlichen Ängsten, denen sich auch der Leser nicht verschließen kann. Er leidet mit den Protagonisten, entwickelt Sympathien und Antipathien, überlegt, wen er am ehesten in den Tod schicken würde … Dabei weiß er nur wenig mehr als die Beteiligten, die in Rückblenden oder vertrauten Gesprächen etwas über ihr bisheriges Leben verraten bzw. indem er Dinge sieht, die den Jugendlichen verborgen bleiben oder die bloß von einigen von ihnen entdeckt werden. Allerdings reicht das noch lange nicht, um spekulieren zu können, wohin das Ganze führen wird. Sicher ist nur, die Gruppe wird wie die „Zehn kleinen Negerlein“ ein Mitglied nach dem anderen verlieren – und ob wirklich die letzten Vier in die Freiheit entlassen werden? In Japan liegen derzeit vier Tankobons vor, und die Serie ist noch nicht abgeschlossen; es wird also noch eine Menge passieren.

Die Zeichnungen sind realistisch und gefallen vor allem durch die Hintergrunddetails, während die Figuren mitunter doch recht comichaft anmuten. Der Künstler führt den Betrachter durch die Räume, erlaubt im Wechsel eine Gesamtansicht oder eine Detailaufnahme. Die Dialoge gestaltet er abwechslungsreich und überzeugend, so dass keine Langeweile aufkommt, obwohl Actionszenen fehlen. Diese hat der Psycho-Thriller auch nicht nötig, denn er setzt auf das subtile Grauen.

Verspürte man bereits wohliges Grauen bei dem Prequel „Doubt“, wird man auch „Judge“ gerne lesen und der Fortsetzung entgegen fiebern.

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Judge

Erstellt von Werner Karl am Freitag 18. Mai 2012

Yoshiki Tonogai
Judge 1

(sfbentry)
Japan, 2010
Carlsen Manga, Hamburg, 12/2011
TB, Manga, Psycho-Thriller, Drama, Mystery
ISBN 978-3-551-74702-0
Aus dem Japanischen von John Schmitt-Weigand
4 Farbseiten
Altersempfehlung: Ab 16 Jahre!

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Sechs Jungen und drei Mädchen werden von einem Unbekannten entführt und in einem ehemaligen Gerichtsgebäude ausgesetzt. Als sie zu sich kommen, tragen sie Tiermasken, die sie erst nach einem Befehl absetzen dürfen – derjenige, der dem zuwider handelte, musste sterben. Die Jugendlichen kennen einander nicht. Ihnen gemein ist, dass sie eine schwere Schuld auf sich luden und dafür büßen sollen. Alle zwölf Stunden findet eine Abstimmung statt, und wer die meisten Stimmen erhält, stirbt. Allein vier von ihnen soll am Ende die Freiheit geschenkt werden.

Hiro glaubt, dass sie alle überleben werden, wenn jeder sich selbst als Todeskandidaten wählt, doch Furcht und Misstrauen sind so groß, dass sich womöglich nicht alle an die Vereinbarung halten. Ein Jugendlicher ist schon tot, und was weiter geschieht, schürt die Ängste und sorgt für zusätzliche Konflikte.

Wie schon für das vierteilige Prequel „Doubt“ entwarf Yoshiki Tonogai ein Szenario der Verzweiflung und des Schreckens. War es in der anderen Serie eine aufgegebenen Psychiatrische Einrichtung, in der sechs Jugendliche das Game ‚Rabbit Doubt‘ live austragen mussten und es ebenfalls um Schuld und Rache ging, so sind diesmal neun Delinquenten in einem alten Gerichtsgebäude versammelt. Die Rahmenbedingungen sind identisch: Das Haus ist verschlossen; es gibt kein Entkommen. Handys erhalten keine Verbindung nach draußen. Ab und zu lassen sich neue Türen öffnen. Es finden sich mysteriöse Botschaften und Hinweise. Mindestens einer von ihnen weiß mehr, als er verrät, und dient dem unbekannten Drahtzieher als Handlanger, ist vielleicht sogar der Initiator des grausamen Spiels um Leben und Tod.

Statt zusammenzuarbeiten, denkt jedes Opfer nur an sich und hofft, einer der Vier zu sein, denen das Überleben versprochen wurde, nachdem sie die anderen durch die Abstimmung zum Tode verurteilt haben. Hiro, der sich die Schuld am Tod seines Bruders gibt, möchte alle um jeden Preis retten, doch schon bald muss er die schmerzliche Erfahrung machen, dass er niemandem wirklich vertrauen darf, dass er immer wieder getäuscht wird und in den Augen einiger durch sein Bemühen als nächster Todeskandidat infrage kommt.

Über die anderen Delinquenten erfährt man in diesem Zusammenhang nur wenig. Einer wurde schon zu Beginn getötet, so dass sein Geheimnis gewahrt wurde. Die übrigen schweigen vorerst. Sie alle sind sehr individuell gezeichnet, nicht nur optisch, sondern auch vom Verhalten und der Sprache her. Die Zeichnungen wirken realistisch, auch wenn die Gesichter oft etwas comichaft ausgeführt wurden. Bei den Hintergründen kann der Mangaka punkten. Außerdem ist ihm das Kunststück gelungen, eine Handlung, die keine Action-Szenen sondern fast nur Dialoge aufweist, abwechslungsreich darzustellen und den Leser wie durch einen Film zu führen, indem er Detail- und Totalansichten sowie Rückblenden geschickt nutzt.

In Folge wird „Judge“ keinen Moment langweilig. Die bedrückende Atmosphäre zieht in den Bann und macht neugierig auf die Fortsetzung. Wer wird das nächste der „Zehn kleinen Negerlein“ sein?

Copyright © 2012 by Irene Salzmann (IS)

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Die Höhle des Ungezieferkönigs

Erstellt von Günther Lietz am Freitag 18. Mai 2012

Paul “Wiggy” Wade-Williams
Die Höhle des Ungezieferkönigs
Hellfrost Abenteuer (Savage Worlds)

(sfbentry)

Prometheus Games Verlag Softcover (2012)
Brandredakteur: Christian Loewenthal
Übersetzung: Gunnar Liepins
Lektorat: Henrike Buhr, Michael Mingers
Layout: Marina Fahrenbach, Christian Loewenthal
DIN-A5, Graustufen, 48 Seiten, ISBN 978-3-941077-33-1

www.prometheusgames.de
www.savageworlds.de
www.marinafahrenbach.de

Titel bei Buch24.de

Lange nach Veröffentlichung vom “Hellfrost – Spielerhandbuch” im Jahre 2010, hat auch das erste dazugehörige Abenteuer seinen Weg auf den deutschen Markt gefunden. Das lässt die Hoffnung zu, dass der Verlag Prometheus Games auch die anderen Hellfrost-Titel veröffentlicht. Zumindest das Bestiarium und der Weltenatlas wären eine feines Sache, um überhaupt den gesamten Grundstock der Hellfrost-Settingregeln, in der Übersetzung, vorliegen zu haben.

Glücklicherweise beinhaltet “Die Höhle des Ungezieferkönigs” die wichtigsten Informationen, die, neben dem Spielerhandbuch und den Savage-Worlds-Grundregeln, nötig sind. Im Gegensatz zur englischen PDF-Originalausgabe, gibt es leider keine Faltfiguren im Anhang. Das ist Schade, denn zumindest eine kleine Auswahl – auch in Graustufen – wäre schön gewesen.

Das Abenteuer stammt aus der Feder von Paul Wade-Williams. Startpunkt ist an sich die Stadt Aslov, tatsächlich setzt das Abenteuer erst in dem kleinen Dorf Dalsetter ein, das weiter hinten im Abenteuer beschrieben wird. Dafür gibt es vorne einen Informationskasten, der einige Hinweise zu Aslov enthält. An dieser Stelle muss bereits etwas zur Übersetzung, dem Lektorat und dem Layout gesagt werden: Es ist Mist!

Das Abenteuer folgt hier nämlich treu dem Spielerhandbuch. Als Beispiel mag jetzt einfach mal der Infoblock zu Aslov gelten. Der ist erst einmal über zwei Seiten verteilt, was doof aussieht und zu unnötigem Umblättern führt. Das Layout könnte sich nun damit herauszureden versuchen, dass der Text so lang ist – alleine schon wegen der sperrigen Übersetzungen und den merkwürdigen Stilblüten. Anstatt die Übersetzung sinnig zu gestalten und den Text an die deutsche Grammatik anzupassen, wurde wohl versucht so nahe wie möglich am Original zu bleiben. Schlussendlich hätte hier das Lektorat rettend einschreiten können, das aber wohl auch keine Ahnung von der Welt hat. Sonst wäre sicherlich aufgefallen, dass der Übersetzer “south of Hellfrost Pass” mit “nördlich des Weltenfrostpasses” übersetzt hat.

Weder im Original des Abenteuers noch im “Hellfrost: Gazetteer” steht etwas von “nördlich”. Das wäre bei Kenntnis der Karte – und somit des Settings – wohl aufgefallen. Fraglich, ob das Setting von den Verantwortlichen je bespielt wurde. In diesem Falle empfiehlt es sich für den Verlag, zukünftige Titel im Vorfeld von Fans auf solche Fehler abklopfen zu lassen. Schlussendlich haben fünf Leute am Abenteuer gearbeitet und eine ordentliche Übersetzung und Aufmachung schlichtweg versemmelt. Soviel zum Schock im Vorfeld und erst einmal zurück zum eigentlichen Abenteuer.

Die Helden, und somit die Charaktere der Spieler, werden von einem Bauern angeheuert, sein Mehl im Dorf Dunross abzuholen, das über eine Wassermühle verfügt. Die Zeiten sind schwer, Orks und Banditen könnten lauern. Das klingt ziemlich klassisch und nach einem simplen Abenteuer für Anfänger-Charaktere. Doch spätestens am Ziel angekommen, wird die Sache komplizierter. Denn Dunross hat ein Rattenproblem von epischem Ausmaß. Und es liegt natürlich an den Helden, dieser Rattenplage Herr zu werden.

Leider offenbart sich an dieser Stelle ein Problem im Design des Abenteuers, denn Wade-Williams neigt zu profanem Railroading. Hier will es der Autor, dass Dunross schlussendlich brennt. Dabei ist es liebevoller gestaltet und ausgearbeitet, als der Start- und schlussendlich Zielpunkt der Helden (Dalsetter). Und nach dem großen Brand ist es die Aufgabe des Spielleiters, seine Spieler eben nach Dalsetter zurückzubringen. Es werden zwar weitere mögliche Reiseziele genannt (Aslov, die Zitadelle), aber eigentlich soll da niemand hin. Zudem ist das Dorf Dunross zwar abgebrannt, aber das hat gar keine Bedeutung. Es ist für Spielleiter also sinnvoll im Vorfeld das Abenteuer genau zu lesen und zu entscheiden, ob eine Änderung der vorgegebenen Marschrichtung nicht sinnvoll ist. Aber weiter.

Kaum zurück bei ihrem Auftraggeber, enthüllen die Helden eine Verschwörung. Jemand steckt hinter der Rattenplage, die schlussendlich ein ganzes Dorf auslöschte – falls es nach dem Willen des Autoren geht. Die Helden machen sich also auf den Weg, um diesen Jemand zu stellen. Der Spielleiter weiß natürlich, dass es sich um einen Paladin des Vali handelt.

Der Abschnitt in Dalsetter ist ein wenig kurz geraten und kommt ohne großartige Glanzlichter oder Bedrohungen aus, wie dagegen der Aufenthalt in Dunross. Die Spieler müssen nur herausfinden, was es mit dem Mehl auf sich hat. Für länger angelegte Kampagnen ist der Umstand aber wichtig, dass es in Dalsetter zu einem Giftanschlag kommt. Scheitert dieser, wird das im Winter zu einer kleinen Hungersnot in der Gegend führen. Die Nachforschungen kommen jedenfalls etwas kurz, was sehr Schade ist.

Von Dalsetter aus geht das Abenteuer in einen typischen, sogenannten Dungeon-Crawl über. Aber immerhin heißt das Abenteuer ja auch “Die Höhle des Ungezieferkönigs”. Da ist eine Höhle sozusagen Pflicht.

Sämtliche wichtigen Basisinformationen zur Höhle werden Anfangs aufgeführt. Dazu gehören Lichtverhältnisse, das Knacken und Aufbrechen von Türen, Alarm auslösen und auch Verstärkung. Denn lassen sich die Helden zu viel Zeit – aus was für Gründen auch immer – schließen sich weitere Monster dem Bösewicht an. Der kann sich, neben den Monstern, auch noch auf die Unterstützung eines ganz besonderen Kumpanen verlassen, nämlich auf den Rattenkönig. Um die Bedrohung in der Gegend auszumerzen, müssen die Helden schon fleißig schnetzeln. Zumindest im Finale, denn Bösewicht und Kompagnon werden keinesfalls zu den guten Jungs überlaufen.

Das Versteck des Ungezieferkönigs ist ein alter Tempel, der in eine natürliche Höhle hineingeschlagen wurde. Das spiegelt sich im Design wieder und es ist erkennbar, dass der Tempel gegenwärtig entweiht und zweckentfremdet wurde. Dadurch wirkt das Versteck des Bösewichts glaubhaft und ist mehr als eine räumliche Beschäftigungstherapie.

In den Höhlen gibt es für die Helden allerhand zu entdecken. Neben Begegnungen mit den Monstern des Ungezieferkönigs, kommen auch Wächterkreaturen, Fallen und Rätsel vor. Manches auch in Verbindung. Die Helden können allerdings auch wertvolle und nützliche Gegenstände entdecken.

“Die Höhle des Ungezieferkönigs” ist ein ziemlich lineares Abenteuer. Das liegt auch daran, dass es weitgehend statisch ist. NSC befinden sich genau dort, wo es der Autor will. Zudem sind die kämpferischen Herausforderungen ziemlich knackig. Vor allem, wenn die Spieler ihre Charaktere frontal in den Kampf schicken. Mit Absprache und ein wenig Gewitztheit kann das Abenteuer etwas entschärft werden. Empfohlen ist es für vier Anfänger-Charaktere, beginnend mit 0 Erfahrungspunkten. Der Spielleiter sollte trotz dieser Empfehlung aber ein Auge auf seine Pappenheimer haben. Ansonsten springt die gesamte Spielgruppe schnell über die Klinge.

Insgesamt gliedert sich das Abenteuer in drei Abschnitte und kann an drei bis vier Abenden durchgespielt werden, was im Schnitt einen Erfahrungsgewinn von acht Punkten macht, also einen Aufstieg. “Die Höhle des Ungezieferkönigs” eignet sich aber auch, um das Abenteuer ein wenig auszubauen und anzupassen, um es ein wenig zu verlängern. “Die Höhle des Ungezieferkönigs” wäre nämlich ein guter Startpunkt für eine ganze Kampagne, kann aber auch gut als einzelnes Abenteuer eingesetzt werden.

Die wichtigsten Karten und Handouts sind enthalten, sogar mehr als nötig. Das Original bietet eine Karte von Dunross, eine Karte des Tempels und den Brief des toten Botenreiters. In der deutschen Ausgabe gibt es zusätzlich noch eine Karte des Tempels für Spieler. Und zwar einmal etwas kleiner im Abenteuer und dann, etwas größer, nochmals hinten im Anhang. Das ist unnötig und es gibt dafür keinen nachvollziehbaren Grund.

Die deutsche Ausgabe kommt als DIN-A5-Softcover mit Klebebindung daher. Die Bindung ist ganz passabel, aber bei mehreren Abenteuerdurchgängen gelangt sie an ihre Grenzen. Vom Format her liegt das Heft gut in der Hand und die Graustufen sind ganz ordentlich. Das Layout ist zweispaltig. Es gibt stimmige Vorlesetexte, die zur Abgrenzung kursiv gesetzt wurden. Die deutsche Ausgabe ist weitgehend wie das Original aufgebaut. Es gibt leider kein Zusatzmaterial der deutschen Redaktion.

Wer sich mit der schlechten Arbeit der deutschen Redaktion abfinden kann, wird mit einem guten Hellfrost-Abenteuer bedient, das kampflastig und spannend ist. Zumal “Die Höhle des Ungezieferkönigs” darauf schließen lässt, dass es mit dem deutschen Hellfrost doch noch weitergeht. Dann hoffentlich in einer besseren Bearbeitung.

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Himmel der Sünde

Erstellt von Werner Karl am Freitag 18. Mai 2012

Riccarda Blake
Himmel der Sünde
Gefallene Engel 2

MIRA Taschenbücher im CORA Verlag, Hamburg, Originalausgabe: 05/2012
TB mit Schutzumschlag, Romantic Mystery, Urban Fantasy, Erotik
ISBN 978-3-89941-974-0
Titelgestaltung von fredebold&partner Köln/pecher und soiron, Köln unter Verwendung
einer Abbildung von iStock; Thinkstock/Getty Images, München
Altersempfehlung: Ab 18 Jahre!

www.mira-taschenbuch.de

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Die Ukrainerin Anya ist die BDSM-Spezialistin eines Londoner Edel-Bordells und in ihren Bodyguard Sergej verliebt. Die beiden können knapp aus dem Haus eines dubiosen Kunden entkommen, der an Anya ein Ritual durchführen wollte, um den Schlüssel zu bekommen, dessen Hüterin sie ist. Weder weiß die junge Frau, was man von ihr will, noch was das für Wesen sind, die fortan Jagd auf sie machen. Sicher ist nur: Normale Menschen sind das nicht.

Sie flieht mit Sergej nach Russland, weil sie hofft, dort etwas über ihre Herkunft zu erfahren. Die wenigen Erinnerungen, die sie an früher besitzt, geben ihr keine Antwort auf die Frage, warum sich diese Wesen für sie interessieren. Der geheimnisvolle Man’el, der die Flüchtlinge rettet, als sie angegriffen werden, will Anya die Wahrheit, die sie angeblich vergessen hat, offenbaren, aber sein Gerede über Engel, das auch sie einer ist, Ani’El heißt und einst seine Gefährtin war, will sie nicht hören, da es einfach zu verrückt klingt. Schließlich geraten alle drei in die Gewalt mächtiger Engel, die die Himmel, aus denen sie einst verstoßen wurden, zurückerobern wollen – und Ani’El besitzt den Schlüssel. Da sie sich immer noch nicht erinnern kann, ist es ihr jedoch unmöglich, das Objekt herauszugeben oder sich und ihre Gefährten zu befreien. Folter und Tod drohen ihnen …

„Himmel der Sünde“ ist nach „Schwingen der Lust“ der zweite in sich abgeschlossene erotische Roman aus Riccarda Blakes Serie um die „Gefallenen Engel“. Im ersten Band lernten sich Maggie und Axel kennen, eine junge Frau, der eine bedeutende Rolle zukommt, und ein Engel, der verhindern will, dass sie unwissentlich Unheil über die Menschheit bringt. Axel verliebt sich in Maggie und möchte ihr die Unsterblichkeit schenken, doch diese kann nur einer der Elohim gewähren. Allerdings lehnen, jene, die Axel einen Gefallen schulden, die Bitte ab, und andere, denen er nichts schulden will, sind bereit, ihm die Gefälligkeit zu erweisen. Das ist jedoch die Nebenhandlung des vorliegenden Buchs.

Die Main-Story konzentriert sich auf die Prostituierte Anya sowie ihren Beschützer und Liebhaber Sergej, die in die Gefangenschaft von Engeln geraten, die einen neuen Krieg beginnen wollen, um in ihre alte Heimat zurückkehren und dort herrschen zu können. Welche Folgen das für die Menschen und andere uralte Wesen hat, interessiert sie nicht. Zwar finden Anya und Sergej Verbündete, als sie es am wenigsten erwarten, doch der tödliche Kampf ist unvermeidbar und kann bloß gewonnen werden, wenn sich die junge Frau bewusst wird, der Engel Ani’El zu sein.

Die Geschichte ist tatsächlich so dünn, wie die Zusammenfassung erahnen lässt. Die Autorin schwimmt vorgeblich auf der Paranormal Romance-Welle mit, indem sie sich der gegenwärtig sehr beliebten Engel bedient, doch die Geschehnisse dienen lediglich als Gerüst für die ausführlich geschilderten Sex-Szenen. Zwar ist Riccarda Blake um ein wenig Spannung bemüht, indem sie die Hauptfiguren ansatzweise auf eine Flucht im Roadmovie-Stil schickt und die Identitäten der Anführer der kriegerisch gesinnten Engel verschleiert, aber man ahnt früh, was passieren wird und zählt auch beim freudigen Wiedersehen von alten Kameraden Eins und Eins sofort zusammen.

Die erotischen Szenen sind nicht romantisch, da gerade im Fall von Anya Dominanz, Gewalt und Schmerz ins Spiel kommen. Die junge Frau genießt die entsprechenden Praktiken, die weit über Vanilla-Sex hinausgehen, sowohl mit ihren Kunden, mit Sergej und schließlich auch mit Man’el als flotten Dreier. Nicht ganz so extrem ist die Beziehung von Maggie und Axel, doch auch sie geben sich zu allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten dem Liebesspiel hin. Es bleiben noch die gefallenen Engel, die sich mit Orgien jeglicher Art den langweiligen Alltag versüßen. Die Wortwahl der Autorin ist derb und deftig, was man mögen sollte, andernfalls hat man ziemlich bald die Nase voll von den ewig gleichen grafischen Beschreibungen, die mehr Platz einnehmen als die ‚richtige‘ Handlung. Man hätte durchaus auf das Engels-Ambiente verzichten und die Story im Milieu der Prostituierten und der Russen-Mafia ansiedeln können – das Resultat wäre dasselbe gewesen.

„Himmel der Sünde“ wendet sich an ein erwachsenes weibliches Publikum, das mehr an deftigen Sex-Szenen und unnötiger Gewalt als an einer nachvollziehbaren Handlung und interessanten Charakteren interessiert ist. Schätzt man Romantic Mystery im Stil von Lara Adrian, J. R. Ward oder Kresley Cole, dürfte man auch die Romane von Riccarda Blake mögen.

Copyright © 2012 by Irene Salzmann (IS)

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Sub Terra

Erstellt von Michael Drewniok am Donnerstag 17. Mai 2012

James Rollins
Sub Terra

(sfbentry)
Originaltitel: Subterranean (Armonk, New York : Baror International, Inc. 1999)
Übersetzung: Rudolf Krahm
Deutsche Erstausgabe: 2002 (Ullstein Verlag/TB Nr. 25292)
512 S.
ISBN-10: 3-548-25292-3
Neuausgabe: Juni 2012 (Blanvalet Verlag/TB Nr. 37824)
512 S.
ISBN-13: 978-3-442-37824-1
eBook: Juni 2012 (Blanvalet Verlag)
ISBN-13: 978-3-641-07432-6

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Das geschieht:

McMurdo Base ist eine Forschungsstation der US-Navy, gelegen auf Ron Island und unweit des Mount Erebus an der Antarktisküste – oder eigentlich darunter, ganze drei Kilometer sogar. Hier wurde ein gigantisches System unterirdischer Kavernen entdeckt; allein die Haupthöhle weist einen Durchmesser von 8 km auf. Es kommt noch toller: Die Spähtrupps der Navy stießen auf Artefakte, die zwar primitiv aber eindeutig einer Zivilisation zuzuordnen sind. Datiert wurden sie auf ein Alter von 5,2 Mio. Jahre, und das ist unheimlich, weil sich der Mensch bekanntlich erst viel später zu entwickeln begann.

Wissenschaftliche Hilfe wird angefordert. Das chronische Misstrauen der Militärs – vielleicht findet sich da unten ja etwas, mit dem sich die Feinde Amerikas in Schach halten lassen – bringt den Geologen Dr. Andrew Blakely ins Spiel. Er arbeitet ohnehin für die Navy und soll eine Expedition mit anerkannten Fachleuten besetzen.

Die Archäologin Ashley Carter sagt zu, bringt aber ihren elfjährigen Sohn Jason mit. Der Australier Benjamin Brust, Ex-Soldat und Höhlenforscher, organisiert die Kletterei. Zum Team stoßen außerdem die Biologin Linda Furstenberg aus Kanada, der ägyptische Geologe Khalid Najmon sowie Major Dennis Michaelson und zwei kernige Marines, die für den Schutz der Wissenschaftler zuständig sind.

Der recht zwielichtige Blakely hat seinen Forschern eine kleine, aber wichtige Tatsache verschwiegen: Sie sind nicht das erste Team, das sich in die Tiefe wagt. Alle Vorgänger sind allerdings spurlos verschwunden – und dazu viele Soldaten, die sich ins Unbekannte gewagt hatten. Die Menschen sind ganz sicher nicht allein sub terra, und man wird sie keineswegs gastfreundlich empfangen. Als ob dies nicht bedrohlich genug ist, entpuppt sich einer der Forscher als fanatischer Terrorist, der sicherstellen will, dass sich die verhassten USA nicht auch noch unter der Erdoberfläche breitmachen …

Wir basteln uns einen Bestseller

Dreimal geraten, liebe Leser, wer das wohl sein könnte aus unserer Runde! Nun ja, einmal wird wohl reichen (dazu unten mehr), und damit wissen wir schon, wessen Geistes (Findel-) Kind der Roman „Sub Terra“ ist. Der Doktor und das liebe Leservieh … James Rollins alias James Clemens, geboren 1961 in Chicago, Illinois, als James Czajkowski, Doktor der Veterinärmedizin, vulgo Tierarzt, im kalifornischen Sacramento, dazu Reisender und Geschichtenerzähler – ein Lebenslauf, wie ihn die Werbung liebt, suggeriert er doch Weltläufigkeit & dass jedermann berühmt und reich werden kann, wenn er (oder sie) sich nur recht eifrig darum bemüht.

Die Qualität dessen, was dabei das Licht der Welt erblickt, ist von sekundärer Bedeutung. In unserem Fall ist das einleuchtend, wenn wir Dr. Czajkowski lauschen, wie er in Erinnerungen schwelgt an die schöne Zeit, als er mit der Linken hustende Dobermänner kurierte und mit der Rechten „Subterranean“, seinen Romanerstling, niederschrieb: drei Seiten an jedem schönen Tag, den der Herr werden ließ, nicht mehr, nicht weniger, bis das Werk getan.

Diese ungewöhnliche Art der Schriftstellerei bedingt natürlich gewisse, der Arbeitsökonomie geschuldete Einschränkungen. Um den Tagesdurchschnitt von drei Seiten nicht zu gefährden, galt es beispielsweise jeglichen Ehrgeiz zu unterdrücken, das Werk um den Faktor Originalität zu bereichern. Wozu denn auch, steckt doch die Welt des Abenteuerthrillers voller erprobter und bewährter Szenen und Figuren, die förmlich danach schreien, dass sich ein fix und ökonomisch arbeitender Schreiberling ihrer bedient.

(Dumme) Gutmenschen & (noch dümmere) Schurken

Oder wollen wir männlichen Leser etwa behaupten, wir verfolgten nicht gern – in allen Ehren selbstverständlich – die Abenteuer der x-ten schönen Frau, die auf den Spuren Lara Crofts die Unterwelt der Antarktis erobert? Wir müssen uns da keine Vorwürfe machen, ist Ashley Carter doch nicht nur hübsch, sondern auch schlau und eine gute Mutter obendrein, sodass sie politisch völlig korrekt bewundert werden darf. Sicher, das Treiben ihres Sprösslings – einer nervensägenden Heimsuchung, die das Disney-Studio geschickt haben könnte – lässt insgeheim den Wunsch aufkommen, ein gütiges Schicksal – vielleicht in Gestalt eines hungrigen Höhlenbären? – möge ihn aus dem Geschehen reißen, aber schließlich muss Autor Rollins schon eine zukünftige Verfilmung bedenken, und da ist eine Identifikationsfigur für die eintrittskartenkaufende US-Teenagerschaft unbedingt erforderlich.

Aber keine Sorge: Guter, altmodischer Abenteuer-Machismo manifestiert sich in der Figur des Australiers Benjamin Brust, der eine Art Stalaktite Dundee gibt und noch in lebensbedrohlicher Notlage die Muße findet, die unbemannte Ashley ordentlich zu bebalzen, was sich auch die moderne Frau des 21. Jahrhunderts ganz gern gefallen lässt, wie Rollins mit einem Augenzwinkern deutlich macht. In Reserve hält sich Frau Nr. 2, Linda Furstenberg, der aber die Rolle der schwarzhaarigen Verderbnis zugedacht wurde, die ein übles Ende nimmt: In dieser Geschichte ist nur Platz für eine Heldin.

Klassisch auch die Schurkenrollen: Mit falschem Lächeln zieht Dr. Blakely – intrigant, egoistisch, ehrgeizig, eben kein vom Wissensdurst beseelter Forscher, sondern ein Politiker – feige hinter den Kulissen die Fäden. Fürs grobe Tücken vor Ort (Belügen & Bedrohen der Helden, Bestehlen & Umbringen der Eingeborenen, Versündigen gegen Mutter Erde etc.) ist Khalid Najmon zuständig, dessen Namen im Ohr des wachsamen Durchschnittsamerikaners ohnehin verdächtig nach Ausland und Nahem Osten klingt. (Ägypten? Ist das nicht die Hauptstadt des Iran?)

Bleiben noch der stramme Major Michaelson und seine beiden Mannen, harter Kern in stählerner Schale, mutig und dringend erforderlich, um die gar zu sorglosen Wissenschaftler zu ihrem eigenen Besten vor den Gefahren der Finsternis zu schützen. Außerdem gilt es uramerikanische Interessen zu vertreten: Wo kämen wir denn dahin, wenn am Mittelpunkt der Erde ein anderes als das Sternenbanner wehte? Hei, da kommt patriotischer Stolz auf, wenn tapfere Marines den Polar-Morlocks tüchtig in die Ärsche treten! Ach, wenn das mit den Taliban (Nordkoreanern, Kubanern u. a. Strolchen) doch auch nur so einfach wäre!

Ein Loch im Boden oder im Kopf?

Die Handlung spiegelt indes wider, dass mit den oben beschriebenen Protagonisten genau die richtigen Personen „Sub Terra“ gegangen sind. Klaftertief geht es in die antarktische Tiefe, doch trotzdem läuft die Geschichte nie die Gefahr, irgendwo dort unten ihren Niveaubogen zu erreichen. In diesem Zusammenhang Jules Vernes wunderbare „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ (1864) als Vorbild zu nennen, zeugt entweder von einem gut ausgebildeten Selbstbewusstsein oder kündet vom dreisten Versuch, den zögerlichen Buchladen-Besucher zum Kauf des Bandes zu überrumpeln.

Parallelen mag es geben: Auch Vernes Forscher sind Papier gewordene Klischees. Allerdings fand ihre Reise vor anderthalb Jahrhunderten statt. Inzwischen hat sich in Sachen Figurenzeichnung und -entwicklung viel getan – oder eben nicht, wie Rollins deutlich macht. Es reicht nicht, sich populärwissenschaftlich auf den aktuellen Stand zu bringen. Auch schadet ein gewisser naiver Charme in Form und Inhalt nicht, zumal in einem Genre, dessen Autoren kaum um den Nobelpreis für Literatur buhlen. Doch Rollins übertreibt es bzw. versucht erst gar nicht, Bekanntes wenigstens zu variieren, Das Ergebnis ist spannend höchstens dort, wo reine Aktion die Szene bestimmt. Rollins Darstellung einer exotischen Höhlenwelt tief unter der Erde hat ihre Reize. Doch sobald seine Protagonisten auf der Bildfläche erscheinen und womöglich den Mund aufmachen, ist jeder Zauber augenblicklich verflogen.

„Sub Terra“ ist ein Debütwerk und sollte deshalb mit einer gewissen Nachsicht beurteilt werden. Allerdings lassen Rollins Nachfolgewerke nicht die geringste Tendenz erkennen, die beschriebenen Probleme in den Griff zu bekommen. Dem steht zum einen das Ziel des Verfassers im Weg, die lesende Welt mit mindestens einem neuen Werk pro Jahr zu beglücken, während der Erfolg ihm gleichzeitig Recht gibt: Wieso sollte Rollins versuchen, besser schreiben, wenn ihm das Publikum seine nach Schema F montierten Magerquark-Thriller auch so aus den Händen reißt? An diesem Punkt muss jedes sachliche Urteil freilich ins Leere gehen – gut für Rollins, der deshalb hoffen darf, sich dem chronischen Undank seiner tierischen Patienten auch weiterhin zu entziehen, solange ein menschliches Publikum seine Bücher kauft.

Autorenwebsite

[md]

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Glanz der Sterne

Erstellt von Werner Karl am Donnerstag 17. Mai 2012

Rei Toma & Takuyo
Glanz der Sterne

(sfbentry)
Hoshiiro no Okurimono, Japan, 2008
Carlsen Manga, Hamburg, 05/2012
TB, Manga, Romance, Drama
ISBN 978-3-551-77472-9
Aus dem Japanischen von Sakura Ilgert

www.carlsenmanga.de

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Rei Toma wurde an einem 11. März in der Präfektur Chiba geboren. Die Künstlerin debütierte 2005 mit „Help Me Denstist“ und veröffentlichte seither gut ein halbes Dutzend Tankobons, deren Inhalte sich mit der ersten großen Liebe befassen und an junge Leserinnen adressiert sind. In Deutschland kennt man Rei Toma bereits durch den Oneshot „Einfach nur S und absolut M!“.

In „Glanz der Sterne“ finden sich drei Geschichten und zwei kurze Side-Stories. In ihnen geht es um Jugendliche, die bemüht sind, im Leben ihren Platz zu finden und die Zukunft mit dem Menschen zu planen, dem sie ihr Herz geschenkt haben. Ai gehört zu den wenigen Schülern einer abgelegenen Ortschaft, die von jeher alles gemeinsam gemacht haben. Nun neigt sich die Schulzeit dem Ende entgegen, und ihre Wege werden sich trennen. Aber Ai möchte, dass alles so bleibt, wie es ist, und kränkt dadurch den Jungen, der sie schon seit langem liebt. Ihrer eigenen Gefühle wird sie sich erst bewusst, als er aus ihrem Leben zu verschwinden droht.

Spontan küsst Minori einen schlafenden Jungen – weil er so hübsch ist. Erst beim zweiten Hinsehen erkennt sie in ihm den griesgrämigen Mitschüler Chiharu, der nun darauf besteht, dass sie sich um ihn kümmert, bis seine von ihr zertretene Brille repariert ist. Als dummes Gerede über das Paar aufkommt, ist das Minori sehr peinlich, und sie sagt etwas, das ihr sofort leid tut. Nishima beobachtet Hajima, als dieser sich völlig allein glaubt. Sie sieht den sonst so abweisend wirkenden jungen Mann daraufhin in einem völlig neuen Licht und möchte ihm nahe sein. Darum beginnt sie, im ‚Antique Wish‘ zu kellnern. Als Chef ist Hajima jedoch unerbittlich, und Nishima hat eine schwere Zeit.

Die Titel-Story „Glanz der Sterne“ ist nach einem Dating-Game gezeichnet. Ai wird umringt von mehreren hübschen Jungen, die alle in sie verliebt sind. Je nachdem, wen sie (die Spielerin) wählt, ändert sich der Verlauf der Handlung, so dass man die Geschichte in mehreren Varianten genießen kann. Hier ist natürlich nur eine Version zu lesen. Die beiden anderen Erzählungen, „Dornröschen kann nicht schlafen“ und „Willkommen im ‚Antique Wish‘“, werden von je einer Side-Story ergänzt. Auch diese Inhalte könnten einem Dating-Game entlehnt worden sein, haben jedoch den gängigen Hintergrund, dass ein unterhaltsamer Oneshot vom Verlag gewünscht wurde. Die Geschichten sind nicht ungewöhnlich; Ähnliches hat man schon oft in Shojo-Mangas gelesen. Die Zeichnungen sind nett und gefällig.

„Glanz der Sterne“ ist kein Manga, den man unbedingt in der Sammlung haben muss, doch wem das Thema und die ansprechenden Illustrationen gefallen, der wird sehr gut unterhalten.

Copyright © 2012 by Irene Salzmann (IS)

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