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Archiv für Februar, 2009

Biien der Schatten 4: Rächer der Enterbten

Erstellt von Detlef Hedderich am 27. Februar 2009

biien-der-schatten-4Guido Neukamm (Story/Art) & Anja Rudlaff, Daniel Gramsch, Jörg Pitschmann (Vorkolorierung)
Biien der Schatten 4: Rächer der Enterbten

Comicwerk, Berlin, 3/2006
Comic-Heft, Dark Fantasy, Action, 32/300
Titelillustration von Guido Neukamm

www.comicwerk.de
www.comicdesign.de
www.namtram.de

Der Dieb, den man „Biien der Schatten“ nennt, lernt während eines Handgemenges Tekla, die Tochter des kürzlich verstorbenen Fürsten, kennen. Sie heuert ihn, Tayree und einige Freunde von Biien an, ihr zu helfen, ihre Herrschafts- und Besitzansprüche durchzusetzen, denn ein Onkel hat die Macht an sich gerissen.

Obwohl die Söldner befürchten, dass Tekla nicht zu trauen ist, nehmen sie den Job an und hecken einen listigen Plan aus. Sie wissen nicht, dass der neue Fürst einen Spion entsandt hat, der bereits in Teklas Bett liegt…

„Rächer der Enterbten“ ist das bislang aufwändigste und atmosphärisch dichteste Abenteuer von „Biien der Schatten“. Man merkt, dass Guido Neukamm und sein Team in den vergangenen Jahren reichliche Erfahrungen sammelten, so dass sie nicht nur kurze, übersichtliche Episoden-Storys konzipieren, sondern auch lange und komplexe Geschichten auf hohem Niveau durchziehen können. Die cool-deftigen Sprüche sind, wenn auch nicht ganz verschwunden, subtiler geworden.

Es gibt sogar ein Wiedersehen mit einer Figur, die schon einmal an Biiens Seite stand und ihm aus der Patsche half. Man muss die vorherigen Comichefte jedoch nicht kennen, um der Handlung folgen und sich über die pfiffige Erzählung amüsieren zu können. Die Protagonisten parodieren so manche Genre-Klischees und beweisen, dass Sword & Sorcery nicht nur aus Gemetzel bestehen muss, wenn man seinen Verstand zu gebrauchen weiß.

Der Stil der Illustrationen hat sich gefestigt, und die Kolorierung kann auch diesmal überzeugen. Abgerundet wird mit einer kleinen Galerie.

Interessiert man sich für die Werke einheimischer Künstler, dann sollte man „Biien der Schatten“ eine Chance geben. Die Serie ist keine Eintagsfliege und bietet spannend-witzige Fantasy-Abenteuer. Auch die Gestaltung des Bandes steht den Heften der ‚großen’ Verlage in nichts nach. (IS)

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Schal & Stola: Maschentrends selber stricken

Erstellt von Detlef Hedderich am 27. Februar 2009

Angelika Klein
Schal & Stola: Maschentrends selber stricken

OZ-Verlags-GmbH, Rheinfelden, 6/2008
HC, Sachbuch, Handarbeiten, 978-3-86673-051-9, 46/895
Titelgestaltung von Aurélie Lambrecht
Innenillustrationen und -fotos aus verschiedenen Quellen

www.oz-verlag.de

Schals und Stolen lassen sich zu vielen Gelegenheiten tragen, nicht nur im Winter. Das vorliegende Buch stellt einen Querschnitt aktueller Modelle vor, die sich in ihren Mustern und den benutzten Garnen unterscheiden.
Einige Schals bestehen auch nur aus Pompons oder geflochtenen Zöpfen.

Ein kurzer Technik-Teil erklärt die Grundbegriffe des Strickens, außerdem werden verschiedene Methoden zur Drapierung von Schals oder Stolen dargestellt.

Viele der vorgestellten Modelle weisen einfache, aber dennoch interessante Muster auf, die auch Anfänger bewältigen können und die ein entspanntes Stricken – ohne aufwendiges Maschenzählen – garantieren.

Fortgeschrittene können sich an komplizierteren Mustern mit umfangreichen Strickschriften versuchen.

Der Technik-Teil ist sehr kurz gehalten – Anfänger würden sich sicherlich ein wenig ausführlichere Anleitungen wünschen. Fortgeschrittene können sich anhand der Bilder und knappen Beschreibungen aber rasch über die hier benutzten Techniken und Fachbegriffe informieren.

Einige der Drapierungsmethoden zeichnen sich durch raffinierte Techniken aus und sind sicherlich nicht jedem bekannt.

Das Buch bietet Anfängern und Fortgeschrittenen einige interessante Modelle unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades.

Durch die Kombination verschiedener Ideen können auch Anfänger eigene Modelle entwickeln. (AT)

Titel bei Amazon.de
Schal & Stola: Maschentrends selber stricken

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Lexikon Buch Druck Papier

Erstellt von Detlef Hedderich am 27. Februar 2009

Joachim Elias Zender
Lexikon Buch Druck Papier

Haupt Verlag, Bern (CH)/Stuttgart/Wien (A), 1. Auflage: 9/2008
HC mit Lesebändchen, Sachbuch, Lexikon, Buch & Druck & Papier, Kunst & Handwerk, 978-3-258-07370-5, 320/4990
Titelgestaltung von Atelier Mühlberg, CH-Basel
Abbildungen aus verschiedenen Quellen

www.haupt.ch

Praktisch jeder liebt Bücher und hat mehr oder weniger viele in seinen Regalen stehen, aber kaum jemand macht sich Gedanken darüber, welche Geschichte das Papier hat, wie ein Buch entsteht, wie der Druck funktioniert – sofern er nicht vom Fach ist.

Wie interessant das Thema „Buch Druck Papier“ ist und wie viel Wissenswertes es darüber zu lesen gibt, möchte Joachim Elias Zender aufzeigen, der mit dem vorliegenden Lexikon ein gelungenes Nachschlagewerk mit rund 4000 Stichworten und zahlreichen Abbildungen geschaffen hat.
Dieses wendet sich gleichermaßen an den Laien, der seinen Horizont erweitern möchte, wie auch an den Fachmann, der schnell mal den einen oder anderen Begriff nachschlagen will. Da ständig neue Erfindungen und Entwicklungen Einfluss auf das Buch als Medium, das Papier als Trägermaterial und den Druck nehmen, entdeckt jeder gewiss Details, die er noch nicht kannte.

Natürlich ist ein Lexikon kein unterhaltsames Lesebuch, das man ruckzuck herunter liest. Vielmehr lädt der Band zum Blättern ein, wenn man nicht gerade gezielt etwas recherchieren möchte. Man liest hier ein wenig, da ein bisschen, folgt den Querverweisen, betrachtet die Fotos und Illustrationen und taucht auf diese Weise in eine abwechslungsreiche Thematik ein, die eng mit den Bereichen Geschichte, historische Persönlichkeiten, Naturwissenschaften & Technik, Schrift & Kunst verknüpft ist.

Das Buch ist alphabetisch nach Stichworten geordnet, und farbige Markierungen am Blattrand erleichtern das Auffinden des Buchstabens und damit des gesuchten Begriffs. Erklärt werden Termini wie z. B. „Abfallpapier“, „Durchdruckverfahren“, „Glanzweiß“, „Jaspisschnitt“, „Mottling“, „Psalter“. „Selective Bindung“, „Vierbruchfalz“, Zellulose“ u. v. m.

Leicht verständlich wird beschrieben, wie das Papier vor über 2000 Jahren in China erfunden wurde, wie die mittelalterlichen Papiermühlen Europas arbeiteten, welchen Einfluss die vorhandenen Rohstoffe und der Umweltgedanke auf das Papier nahmen, welche Papierqualitäten und weitere Besonderheiten man kennt.

Auch was ein Buch von einer Broschur unterscheidet, wie die einzelnen Teile eines Buchs genannt werden, welche Formate es gibt, welche Einbandmaterialien genutzt werden, wird erläutert. Ebenfalls berücksichtigt wurden die verschiedenen Drucktechniken – und damit sind die Themen noch lange nicht erschöpft.

Farbige und schwarz-weiße Fotos, Tafeln und Tabellen lockern nicht nur die zweispaltigen Texte auf, sondern veranschaulichen gelungen viele der Erklärungen: schöne, alte Bücher, Buchmalereien, Marmorpapiere, die Gegenüberstellung einer historischen und industriellen Büttenanlage etc. zeigen, wofür Worte allein nicht ganz ausreichen.

Alles in allem ist das „Lexikon Buch Druck Papier“ ein großartiges, vielfältiges, sehr informatives und leicht verständliches Nachschlagewerk für Fachleute und Bücherfreunde, das in keinem Regal fehlen sollte. Das Thema ist so breit gefächert, dass man viel Interessantes entdecken und lernen kann. Ein wirklich großartiges Buch, das außerdem ansprechend und seriös gestaltet und in einem angenehmen Stil geschrieben ist! (IS)

Titel bei Amazon.de
Lexikon Buch, Druck, Papier

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Handbuch der Schmuck- und Edelsteine

Erstellt von Detlef Hedderich am 27. Februar 2009

Judith Crowe & Cally Oldershaw
Handbuch der Schmuck- und Edelsteine

The Jeweller’s Directory of Gemstones, GB, 2006
Haupt Verlag, Bern (CH)/Stuttgart/Wien (A), 9/2008
HC, Kunsthandwerk, 978-3-258-07298-2, 176/3990
Aus dem Englischen von Birgit Lamertz-Beckschäfer
Titelbild und Fotos von Paul Forester & Juliet Sheath
Innenillustrationen von Kuo Kang Chen

www.haupt.ch

Funkelnde Juwelen, in deren Facetten sich das Licht mannigfach bricht, sind seit Menschengedenken der Inbegriff von Reichtum und Macht. Doch die wenigsten Menschen bringen die schimmernden Kleinodien mit den stumpfen Mineralien und Steinen in Verbindung, die an ihren Fundorten aus der Erde geholt werden. Und manch ein Stein wird erst durch seine Verarbeitung zu einem Kunstwerk, das die Menschen in ihren Bann schlägt.

„Das Handbuch der Schmuck- und Edelsteine“ von Judit Crowe und Cally Oldershaw beschäftigt sich deshalb nicht nur mit den verschiedenen Juwelenarten, sondern holt noch ein wenig weiter aus. Deshalb ist auch der erste Teil des Buches sehr allgemeinen Themen gewidmet:

Wie sind Edelsteine überhaupt entstanden, wo kommen sie normalerweise vor, und wie kann man über sie verfügen – in der Vergangenheit und heute?

Das Buch erzählt von den verschiedenen Arten der Gewinnung und den Lagerstätten rund um die Welt, von der Verwendung und dem Vertrieb – denn nicht alle Steine sind eine Wertanlage, sondern gehen aufgrund ihrer geringen Größe oder Unsauberkeit gleich als Werkzeugkomponenten in die Industrie, vor allem Diamanten.

Dann wendet sie sich den allgemeinen Eigenschaften der Steine zu. Besonders die so genannte ‚Moshärte’ bestimmt ihre Zuordnung. Einschlüsse und optische Phänomene können ebenfalls eine Auswirkung auf den Wert des Steins haben.

Weitere Abschnitte sind den verschiedenen Formen des Edelsteinschliffs gewidmet, der einem Juwel erst seinen besonderen Zauber oder Wert verlehnt.
Am gebräuchlichsten sind dabei wohl die verschiedenen facettierten Schliffe, egal ob rund oder eckig. Manchmal werden aber auch spezielle Edelsteinschliffe angewandt, Perlen hergestellt oder die Steine weitestgehend naturbelassen verkauft.

Im zweiten Teil wendet sich die Autorin den Steinvarietäten zu.
Nach einem kurzen Überblick über die Methoden zur Behandlung und Schönung, wie z. B. Bestrahlung oder Polierung, stellt sie die verschiedenen Edelsteinfamilien vor. So erfährt man, dass Rubine und Saphire eigentlich nur verschiedenfarbige Variationen ein und desselben Steines sind und zur Familie der Korunde gehören.

Die einzelnen Kapitel gliedern sich in eine kurze Vorstellung der Familie, ihre Bedeutung und ihr Einsatz in der Schmuckherstellung, die klassische Spezifizierung (Härte, Dichte, Lichtbrechung, Kristallform) oder das natürliche Vorkommen.

Die Autorin macht aber auch auf Gefahren und Fallen beim Edelsteinkauf aufmerksam, die in der heutigen Zeit nicht in den Wind zu schlagen sind. Ein weiterer Abschnitt ist den organischen Rohstoffen gewidmet, zu denen in erster Linie Perlen, Bernstein, Korallen und Perlmutt gehören.

Der dritte und letzte Teil ist dem Gestalten mit Edelsteinen gewidmet. Die Autorin beschreibt aus ihrer Erfahrung, welche Fassungen sich für welche Art von Steinen als geeignet erwiesen haben, wie man ausgefallene Formen nutzt und so fort.

Man merkt sehr wohl, dass das „Handbuch der Edelsteine“ an diejenigen gerichtet ist, die sich beruflich mit Edelsteinen beschäftigen müssen, wie zum Beispiel Goldschmiede und Juweliere, da nicht alles bis ins Detail erklärt wird. Vor allem Auszubildende erhalten hier ein Buch, das ihnen eine komprimierte und klare Übersicht über die wichtigsten Bereiche gibt, die sie auf jeden Fall kennen müssen.

Das Buch ist jedoch nicht so kompliziert geschrieben, dass man als Laie von Fachbegriffen erschlagen wird. Die meisten erklären sich bereits aus dem Kontext oder sind in einem speziellen Register nachschlagbar, so dass man nicht lange suchen muss.

Man erfährt eine Menge wissenswerter Dinge, die einem sonst vorenthalten werden – so wie die umstrittene und mittlerweile immer seltener angewandte Praxis, Edelsteine radioaktiv zu bestrahlen, um deren Farbe zu intensivieren. Durch die vielen Bilder kann man die Erklärungen sehr leicht nachvollziehen und Unterschiede bei verschiedenen Schliffen erkennen.

Tatsächlich beginnt man Juwelen nach der Lektüre dieses Buches mit ganz anderen Augen zu sehen, und bewundert die Handwerker vielleicht noch mehr – nachdem man nun weiß, wie viel Arbeit es eigentlich macht, einem Edelstein – egal ob Mineral oder organischer Natur – seine verborgene Schönheit zu entlocken.

Das macht das „Handbuch der Edelsteine“ zu einem interessanten und vielseitigen Nachschlagewerk, das nicht nur für angehende Fachleute interessant ist, die sich einen ersten Überblick verschaffen wollen, sondern auch für den Schmuck interessierten Laien, der mehr über die Kunst rund um die Edelsteine erfahren möchten. (CS)

Titel bei Amazon.de
Handbuch Schmuck- und Edelsteine: Beurteilung und Verwendung, Farbe und Form, Schliff und Fassung

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Atlas des Vogelzugs – Die Wanderung der Vögel auf unserer Erde

Erstellt von Detlef Hedderich am 27. Februar 2009

Jonathan Elphick
Atlas des Vogelzugs – Die Wanderung der Vögel auf unserer Erde

Atlas of Bird Migration; GB, 2007
Haupt Verlag, Bern (CH)/Stuttgart/Wien (A), 9/2008
Vollfarbiges HC im Großformat, Sachbuch, Natur & Tier, Ornithologie, Bildband, 978-3-258-07288-3, 176/3990
Aus dem Englischen von Coralie Wink und Monika Niehaus
Titelgestaltung von pooldesign.ch
Fotos, Illustrationen und Karten aus verschiedenen Quellen

www.haupt.ch
www.birdsandpeople.org/

Es gehört zwar zum Allgemeinwissen, dass viele Vogelarten nicht unbedingt nur an dem Ort verweilen, an dem sie nisten und damit auch ihre ersten Lebensmonate verbringen, sondern dann in andere Gegenden abwandern, wenn das Klima sich jahreszeitlich so verändern, dass ihre Nahrungsquellen geringer ausfallen oder fehlen. Viele hier beheimatete Singvogelarten überwintern im Mittelmeerraum oder sogar im Herzen Afrikas, während sich bei uns Gäste aus nordischen Gefilden einfinden.

Doch wer beschäftigt sich schon genau damit, wohin welche Vogelarten abwandern und welche erstaunlichen Leistungen sie dabei vollbringen. Diesem Missstand will nun der „Atlas des Vogelzugs“ abhelfen.

Jonathan Elphick gibt deshalb einen vielleicht nicht in die Tiefe gehenden, aber doch recht umfassenden Überblick über die Wanderungen der bekanntesten Vogelarten und den Besonderheiten dabei, die Forscher mittlerweile heraus gefunden haben.

Im ersten Teil beschäftigt er sich mit den allgemeinen Fragen:
Wie hat sich der Vogelzug entwickelt und warum? Welche Zugmuster gibt es, und haben sich diese im Verlauf der Jahrmillionen überhaupt sehr verändert? Wann sind die meisten Vögeln unterwegs? Gibt es Vorteile, nachts zu fliegen – oder ist es doch besser am Tage?

Wie sieht es mit den Flugtechniken aus? Wie können Vögel Energie sparen, und wirkt sich das auf die Fluggeschwindigkeit aus? Das Buch verrät, wie effektiv manche Vögeln dabei ihre Kräfte einsetzen und welche Rekorde sie dabei mühelos brechen – nicht nur in der Dauer, die manche von ihnen in der Luft bleiben können, sondern auch in Hinblick auf die Strecken, die sie Non-Stop zurückzulegen im Stande sind, sowie auch die Flughöhe. So gibt es einige Arten, die die höchsten Gipfel des Himalaya überqueren können, während andere in wenigen Tagen von Mitteleuropa bis nach Südafrika gelangen.

Doch wie bereiten sich die Vögel auf den Flug vor? Treffen sie immer den richtigen Zeitpunkt, und liegt es bereits in ihren Genen, dass sie bestimmte Routen fliegen? Experimente haben Letzteres inzwischen wohl bewiesen.

Gibt es für Vogelarten auch natürliche Barrieren wie Meere und Gebirge, die sie einfach nicht überwinden können? Und wo rasten sie eigentlich? Welche Bedeutung haben Wetter und Klima auf die Vogelzüge, und wie schadet ihnen der Mensch?

Letztendlich wird auch erklärt, wie man die Vogelzüge eigentlich untersucht und seine Erkenntnisse aus den Beobachtungen zieht. Das Radar kommt ebenso zum Einsatz, wie kleine ins Gefieder gesetzte Sender oder eine einfache Beringung.

In den weiteren Kapiteln geht der Autor nun spezieller auf einzelne Regionen und Arten ein.

Auf dem amerikanischen Doppelkontinent bestimmen natürliche Barrieren die drei dominanten Routen, auf denen Vögel wie Enten, Greifvögel, Kraniche, Schwalben oder gar Kolibris wandern. Je nachdem, ob sie auch weitere Strecken über das Meer zurücklegen können, nutzen sie die Route über den mexikanischen Golf oder nehmen doch lieber die Landbrücke von Panama. Auffällig ist hier die Dominanz der reinen Nord-Süd-Wanderungen.

In Europa erweisen sich sowohl die Pyrenäen als auch die Alpen und das Mittelmeer als natürliche Barrieren. Anders als in Amerika gibt es durch die mit Asien zusammenhängende Landmasse auch Ost-West-Wanderungen.
Wintergäste aus dem hohen Norden finden sich in Zentral und Südeuropa ein.
Aber auch auf der Südhalbkugel gibt es einiges an Vogelbewegungen in Südamerika, Afrika und dem australasiatischen Raum, ja, sogar um die Arktis und Antarktis herum. Selbst Seevögel wie Pinguine und Möwen, Albatrosse und Sturmtaucher sind jährlich unterwegs.

Und schließlich gibt es auch noch die unregelmäßigen Wanderungen – nämlich dann, wenn in einer Region die Nahrungsgrundlagen aufgrund der Witterung nicht vorhanden oder zu gering sind.

Der „Atlas des Vogelzugs“ weiß nicht nur durch die allgemeinen sondern auch ganz speziellen Informationen zu überzeugen. Man beginnt die teilweise sehr vertrauten Vogelarten durch die interessant und übersichtlich gestalteten Doppelseiten mit ganz anderen Augen zu sehen.

Man erfährt nicht nur durch eine Karte und kurze Erläuterungen, wann sie wohin ziehen, wo sich ihre Hauptverbreitungs- und Brutgebiete befinden oder wie sie aussehen und am Himmel als Silhouette wieder zu erkennen sind, sondern auch wie sie unterwegs sind und welche Besonderheiten es dabei gibt.

Der Autor benutzt dabei einen lockeren und leicht humorvollen Stil, der die Informationen lebendig vermittelt und niemals Langeweile oder fachliche Trockenheit aufkommen lässt. Er verzichtet weitestgehend auf Fachbegriffe, so dass auch schon jüngere Leser die Texte gut verstehen können.

Interessant sind auch die Methoden, die die Forscher eingesetzt haben, um die Geheimnisse des Vogelzuges zu ergründen, seien es nun Kreuzungen von Tieren aus getrennten Regionen oder die Simulation einer künstlichen Umwelt, um Vögel dazu zu bringen, einen schnelleren Lebenszyklus durchzumachen.

Und auch wenn die Wissenschaftler damit schon weit gekommen sind, so macht das Buch deutlich, dass noch lange nicht alles enthüllt worden ist.

Das alles macht den „Atlas des Vogelzugs“ zu einem ebenso unterhaltsamen wie informativen Fachbuch für alle Freunde der gefiederten Mitbewohner auf dieser Welt. Der Autor kann jedenfalls junge wie alte Leser durch seinen lebendigen Stil mit seiner Begeisterung anstecken und verzaubern. (CS)

Titel bei Amazon.de
Atlas des Vogelzugs: Die Wanderung der Vögel auf unserer Erde

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Vampire! Vampire! – Alles über Blutsauger

Erstellt von Detlef Hedderich am 27. Februar 2009

Markus Heitz
Vampire! Vampire! – Alles über Blutsauger

Piper Verlag, München, 11/2008
TB, Sachbuch, Horror, Fantasy, 978-3-492-29181-1, 220/795
Titelillustration von Anne Stokes

www.piper.de
www.mahet.de

Markus Heitz hat sich eigentlich durch Romane und Erzählungen einen Namen gemacht – nun auch noch ein Sachbuch von ihm vorzufinden zeigt, wie vielseitig er sein kann, wenn er nur will. In „Vampire! Vampire! – Alles über Blutsauger“ nimmt er sich jedenfalls eines der derzeitigen Modethemen an, das in den Programmen der Verlage überaus stark vertreten ist.

Auf den etwas mehr als 200 Seiten seines Werkes folgt er in erster Linie den Spuren der Vampire in Ost- und Südosteuropa seit der frühen Neuzeit, die das Bild des Vampirs in der phantastischen Literatur geprägt haben. Er erwähnt zwar Blutsauger aus anderen Kulturkreisen, geht aber nicht weiter auf deren Mythologie ein. Anhand von Quellen, Beschreibungen und Fällen aus Russland, Rumänien und anderen Ländern geht er der Frage nach, was einen verstorbenen Menschen überhaupt erst zum Vampir macht, wie er dann aussieht und sich normalerweise verhält oder gar welche Fähigkeiten er als Untoter entwickelt.

Aber auch die Abwehr- und Schutzmaßnahmen, die die Menschen daraufhin ergriffen haben, wenn sie glaubten, es mit Vampiren zu tun zu haben, kommen zur Sprache.

Erst im letzten Viertel kommt er darauf zu sprechen, welche Spuren die Vampire auf dem Papier hinterließen. Er nennt Aufzeichnungen und Quellen dokumentierten Vampirismus oder der frevelhaften Taten der Bevölkerung, die auf gewisse Anzeichen folgten, und macht deutlich, welche davon später in den Romanen der Autoren des 19. Jahrhunderts Widerhall fanden.

Auch wenn das Buch vielleicht nicht „Alles über Blutsauger“ verrät, da es sich auf ein zu abgegrenztes und spezielles Gebiet beschränkt, so macht es doch deutlich, dass man eigentlich keine genaue Definition des historisch belegten Vampirs geben kann.

Nur wenige Quellen decken sich in ihren Beschreibungen mit anderen, und viele der klassischen Vorstellungen – etwa die vor dem Vampir, der vor Knoblauch, Weihwasser oder dem Kreuz zurückschreckt – haben nichts mit Überlieferung zu tun, sondern eher mit der regen Fantasie der Autoren aus zwei Jahrhunderten.

Vampire können bedauernswerte Geschöpfe sein, die keine Ruhe finden, aber auch mächtige Geister der Nacht. Die wenigsten von ihnen haben mehr Macht als in ihrem eigentlichen Leben.

Letztendlich verrät Markus Heitz nicht mehr, als man bereits durch eigenes Quellenstudium wusste; er nennt nur einige konkrete Fälle, von denen man bisher nicht viel gehört hat, so dass der Informationsgehalt eher gering ist, wenn man mehr nach exotischen Hintergründen sucht. Leider lässt er auch die antiken Mythen und Sagen außer Acht, die sich teilweise bis in die frühneuzeitlichen Vorstellungen hinüber gerettet haben.

Immerhin ist das Buch unterhaltsam und kurzweilig geschrieben. Durch den lockeren Plauderton kommt keine Langeweile auf, hin und wieder verleitet eine all zu flapsige Bemerkung auch zum Schmunzeln.

„Vampire! Vampire! – Alles über Blutsauger” wird damit seinem Titel zwar nicht unbedingt gerecht, bietet aber einen guten Einstieg in das Thema, wenn man selbst noch nicht viel über die klassischen Quellen und die mythische Herkunft der Blutsauger aus dem europäischen Kulturkreis weiß. Allerdings ist es auch nicht mehr als das. (CS)

Titel bei Amazon.de
Vampire! Vampire!: Alles über Blutsauger

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Sherlock Holmes im Reich des Cthulhu

Erstellt von Detlef Hedderich am 27. Februar 2009

Klaus-Peter Walter
Sherlock Holmes im Reich des Cthulhu

Blitz-Verlag, Windeck, 1/2008
HC, Krimi, Horror, Fantasy, 978-3-89840-274-3, 252/1795
Titelillustration von Mark Freier

www.BLITZ-verlag.de
www.freierstein.de

Seit das Copyright des Autors erloschen ist, taucht der berühmte Detektiv aus der Baker-Street immer wieder in Romanen und Kurzgeschichten auf, die nicht mehr viel mit den Originalerzählungen zu tun haben müssen.

Aber da einige seiner Romane durchaus das eine oder andere gruselige Element beinhalteten und in einer Zeit angesiedelt sind, in der Autoren besonders gerne Horror-Romane spielen lassen, bleibt es nicht aus, dass aus der Ikone des Krimi-Genres nun auch ein Held wird, der sich mit den übernatürlichen Schrecken der Unterwelt und des Bösen auseinander setzen muss.

Alles fängt damit an, dass ein Toter vor der Tür des Hauses, dass Sherlock Holmes noch immer bewohnt, gefunden wird und der auf seltsame Weise entstellt ist. Ein Journalist verfällt dem Wahnsinn, nachdem er eine Streichholzschachtel geöffnet hat, in dem angeblich ein abgetrenntes Fingerglied lag. Hängt es mit dem eingefrorenen Monster zusammen, das die Russen in einem abgelegenen Landstrich ihres Reiches gefunden haben?

Ein sechsbeiniger Laufapparat versetzt die Menschen in Sussex in Angst, und schließlich meldet sich bei dem Meisterdetektiv sogar ein Mann, der bis dahin für tot gehalten wurde. Nur um sich seinem Erzfeind Moriarty noch einmal zu stellen, nimmt Holmes den Auftrag an; er will herausfinden, was hinter der ganzen Sache steckt.

Schon bald erfährt er, dass ganz offensichtlich auch in anderen Ländern seltsame Dinge geschehen, die mit den Vorkommnissen in Verbindung stehen.
So ist der Forschungsreisende James Philimore verschwunden, hat aber in seinen Unterlagen das Foto eines grausigen Wesens hinterlassen, das nicht von dieser Welt stammt. Unbekannte versuchen, Marie Curie und ihrem Mann, die gerade erst den Nobelpreis erhalten haben, die Geheimnisse der Radioaktivität zu entreißen.

Hinter all dem scheint ein wahnsinniger Araber zu stecken, der die finsteren Götter aus ferner Vergangenheit wieder erwecken will, um die Erde zu zerstören. Und das ist etwas, das selbst ein zynischer Sherlock Holmes nicht zulassen kann und will. Deshalb nimmt er den Kampf gegen die uralten Schrecken auf.

Klaus-Peter Walter lässt es sich nicht nehmen, immer wieder Zeitgenossen von Sherlock Holmes zu nennen und auf andere Werke von Sir Arthur Conan Doyle oder der aus der phantastischen Weltliteratur zu verweisen. Selbst Edgar Wallace findet – wenn auch eher augenzwinkernd – Erwähnung.

Zunächst bewegt er sich in einem Rahmen, den viele andere Holmes-Erzählungen bereits abgesteckt haben – der Meisterdetektiv analysiert und kombiniert, wie man es gewohnt ist, danach gleitet das Werk allerdings immer mehr in phantastische Gefilde ab.

Die Charaktere sind immer weniger so, wie man sie kennt und werden für die Geschichte mehr oder minder zurecht gebogen; sie haben nicht mehr viel mit den Doyle’schen Figuren zu tun, was vor allem Fans des Meisterdetektivs übel aufstoßen dürfte. Trotz allen Schwächen in diesem Bereich ist der Roman leidlich spannend, actionreich und blutig, wie man es von Horror gewohnt ist.

Heraus kommt ein Roman, der sich leider nicht ganz entscheiden kann, was er sein will – eine Hommage an Sherlock Holmes oder eine an die Werke von H. P. Lovecraft. Denn beide Elemente kommen nicht ganz so zur Geltung, wie man es als Fan erwarten mag. Die Geschichte selbst bietet aber zumindest kurzweilige Unterhaltung, da die Fans von Action und Horror nicht zu kurz kommen. (CS)

Titel bei Amazon.de
Sherlock Holmes im Reich des Cthulhu

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Lindenköngin

Erstellt von Detlef Hedderich am 27. Februar 2009

Heike Reiter
Lindenköngin

Mörderisches Franken – Theresa Vincenzos 2. Fall
DüsselART-Verlag, Düsseldorf, 12/2008
TB, Krimi, 978-3-9809938-5-5, 164/1480
Titelfotos und Farbtafeln mit Fotos von Artur Kittlitz jr.
31 Seiten mit Farbfotos von den Schauplätzen

www.duesselart-verlag.de
www.heike-reiter.de

Mit „Madame Juliette” begründete die 1969 geborene Autorin Heike Reiter ihre Serie „Mörderisches Franken“, in der Theresa Vincenzo den Mord an ihrer Vermieterin im beschaulichen Örtchen Endersdorf aufklärte. Wie sich nun zeigt, sollte das nicht die erste Begegnung mit dem Tod und Verbrechen bleiben. Mit „Lindenkönigin“ ist nun der zweite Band der Reihe erschienen.

Aufregung herrscht kurz auf dem Lindenfest am Kolbenhof bei Alfershausen (in der Nähe von Thalmässing), denn die Wahl der Lindenkönigin, die im kommenden Jahr bei allen Festen rund um den Baum auftreten soll, steht kurz bevor. Wie immer haben sich einige Frauen – ungeachtet ihres Alters oder Aussehens – zur Wahl gestellt, denn das Amt ist heiß begehrt und die Wahl allein von der Kraft der persönlichen Ausstrahlung abhängig.

Die Menschen sind guter Laune und feiern ausgelassen bei Speis und Trank, Tanz und Musik, bis spielende Kinder an dem Ort, an dem eigentlich das goldene Lindenblatt enthüllt werden sollte, einen Toten entdecken. Damit findet das muntere Treiben ein jähes Ende, denn der leblose Mann ist ausgerechnet einer der Angehörigen des Festkomitees.

Theresa Vincenzo, die ihrem Mann gerade erst gebeichtet hat, dass sie die Künstler-Stiftung von Madame Juliette übernehmen will, ist zwar neugierig und beobachtet die weiteren Geschehnisse sehr genau, will aber zunächst nichts weiter tun, bis sie in der Nacht nach dem Fest von einem Einbrecher überrascht und überfallen wird.

Schon auf dem Fest ist ihr eine sehr männliche wirkende und schroffe Frau aufgefallen, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Da sie von ihrer redefreudigen Nachbarin nun auch noch erfährt, dass diese Frau – eine gewisse Magdalena Rurik – nicht nur über Jahre als Mörderin im Gefängnis gesessen hat, sondern sich vor Jahren einerseits auch schon einmal als Lindenkönigin beworben hatte und andererseits auch ein Stipendium von Madame Juliette haben wollte, wird Theresa hellhörig. Kann es sein, dass die Vorkommnisse enger zusammen hängen als es im ersten Moment scheint?

Sie beschließt, der Sache nachzugehen. Unterstützt wird sie dabei einerseits von ihrer Nachbarin und ihren Freundinnen, die nun auch neugierig geworden sind, andererseits von ihren Schwager Maurizio, der ein wenig auf sie aufpassen soll, damit sie nicht wieder fast ums Leben kommt.

Das ist leichter gesagt, als getan, denn Theresa gerät mehrfach in buchstäblich brenzlige Situationen. Jemand sabotiert die Bremsleitungen der Wagen, in die sie steigt, zündet ihr die Dächer über dem Kopf an oder versucht, sie zu vergiften. Und all diese Attentate tragen die Handschrift von Magdalena Rurik, als wolle sie nun Rache für das Unrecht nehmen, das man ihr angeblich angetan hat. Doch Theresa weiß auch, dass die Wahrheit oft komplizierter ist, als sie auf den ersten Blick scheint.

„Lindenkönigin“ hat alles, was einen guten Regionalkrimi ausmacht: lebendige und gut vorstellbare Beschreibungen der Handlungsschauplätze, liebenswerte Nebenfiguren und kauzige Typen, die die Menschen dieses Landstrichs charakterisieren, eine Hauptfigur, die sich weiter entwickelt, und nicht zuletzt eine so spannende wie dynamische Geschichte.

Im Gegensatz zu „Madame Juliette“ besitzt „Lindenkönigin“ wesentlich mehr Action, ohne dabei aber das vermissen zu lassen, was schon den ersten Fall von Theresa Vincenzo so unverwechselbar machte. Die Personen und Alltäglichkeiten wirken auch diesmal wieder, wie aus dem Leben gegriffen. Man hat durchaus immer wieder das Gefühl, dass hier von der Autorin das eine oder andere Erlebnis oder eine entsprechende Begegnung im Roman verarbeitet wurde.

Diesmal kann sich Theresa nicht ganz so viel Zeit nehmen, mit den Leuten zu sprechen und ihre Schlüsse zu ziehen. Sie wird stellenweise auch ganz gut von ihrer Umgebung beeinflusst. Es sind hier wieder die kleinen, aber feinen Details, die nicht nur die Heldin stutzig machen, sondern sich nach und nach zu der Wahrheit zusammenfügen, die am Ende sogar Theresa Vincenzo überrascht.

Die Figurenzeichnung ist wie immer gelungen, man kann Protagonisten wie Maurizio, der weitaus munterer und neugieriger als sein Bruder ist, oder die vom Leben verbitterte Magdalena Rurik regelrecht sprechen hören. Und diese kraftvolle Art der Darstellung wirkt sich auch auf kleinere Nebencharaktere aus, die nur einmal auftauchen, wie zum Beispiel die anderen Kandidatinnen für das Amt der Lindenkönigin.

Heike Reiter beweist damit, dass sie auch in einer dynamischeren Handlung die Fäden sicher in der Hand und den Spannungsbogen bis zum Ende aufrechterhält. Sie wagt wesentlich mehr als im ersten Roman, um den Leser auf falsche Fährten zu locken, und kann dabei problemlos überzeugen, so dass man gespannt auf weitere Krimis aus ihrer Feder sein darf. (CS)

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Blutrot

Erstellt von Detlef Hedderich am 27. Februar 2009

Jack Ketchum
Blutrot

Red, USA, 1995
Heyne-Verlag, München, 12/2008
TB, Heyne Hardcore, Thriller, 978-3-453-67556-8, dt. Erstausgabe: 271/895
Aus dem Amerikanischen von Joannis Stefanidis
Titelgestaltung von Hauptmann und Kompanie, München-Zürich

www.randomhouse.de
www.randomhouse.de/dynamicspecials/heyne_hardcore.home.html
www.jackketchum.net/

Für Avery Allan Ludlow bricht eine Welt zusammen, als drei Jugendliche aus Bosheit und Gewaltbereitschaft seinen alten Hund Red erschießen. Ludlow möchte nichts anderes als Gerechtigkeit und muss feststellen, dass er gegen starre Gesetze, bürokratische Behäbigkeit und dem Einfluss eines mächtigen Geschäftsmannes machtlos ist. Erst seine Stellungnahme vor laufender Kamera scheint Erfolg zu zeigen, doch da reagieren die Jugendlichen und ihr reicher Vater mit Gewalt und zwingen den alten Mann zum Äußersten…

Hier in Deutschland wurde Jack Ketchum bekannt mit seinen Romanen „Evil“ („The Girl Next Door“) und „Beutezeit“ („Off Season“) und steht für harten, realistischen Horror mit drastischen Gewaltdarstellungen. Obwohl „Blutrot“ („Red“) ebenfalls in der Reihe Heyne Hardcore erschienen ist, unterscheidet sich das Buch sowohl im Plot, als auch in der Umsetzung deutlich von Ketchums früheren Werken.

Die Spannung ist weitaus subtiler, obwohl das Buch bereits unerträglich spannend beginnt und mit dem kaltschnäuzigen Mord an Ludlows Hund auch recht brutal ausgefallen ist. Was folgt, ist eine logisch nachvollziehbare Kette von Interventionen seitens Ludlow, der nichts anderes möchte, als dass die jugendlichen Straftäter einer gerechten Strafe zugeführt werden und einsehen, dass ihr Handeln falsch war.

Eindrucksvoll beschreibt Ketchum, wie verbohrt und eingefahren die bürokratischen Konstrukte zivilisierter Rechtsprechung bisweilen sind, vor allem wenn es um das Recht von Tieren geht. Avery Allan Ludlow ist kein alter Sonderling, der mit roher Gewalt das Gesetz in seine eigenen Hände nimmt. Er ist ein friedliebender Mensch, der zuvorkommend und höflich seine Anliegen an allen möglichen Stellen vorträgt, nur um festzustellen, dass der Einfluss von Geld schwerer wiegt als ein Tierleben.

Der reißerische Titel, der mit dem Originaltitel „Red“ nicht das Mindeste zu tun hat, impliziert einen blutigen Rachefeldzug, den man nach den Romanen „Beutezeit“ und „Amokjagd“ auch durchaus erwarten darf.

Doch wirklich blutig oder brutal geht es lediglich auf den letzten Seiten zu und da auch nur im angemessenen und nachvollziehbaren Stil.

„Blutrot“ entpuppt sich als temporeicher, brillant geschriebener und anspruchsvoller Pageturner, den man in einem Rutsch lesen kann. Die Handlung weist keinerlei Längen auf, sieht man einmal von der Szene ab, in der Ludlow der Reporterin Carrie von seinem ersten Sohn erzählt, der im Affekt seine Mutter und seinen kleinen Bruder tötete. Die Geschichte mutet im ersten Augenblick sehr melodramatisch an und man ist gewillt entnervt die Augen zu verdrehen, weil der Protagonist mal wieder ein äußerst tragisches Erlebnis hat, über das er eigentlich nie spricht.

Doch bei genauerer Betrachtung ist diese Geschichte sehr wichtig für die Charakterdarstellung Ludlows, denn dadurch werden seine Handlungen glaubwürdiger und wirken nicht so belehrend. Ludlow konnte seinen eigenen Sohn nicht davor bewahren auf die schiefe Bahn zu geraten, womit der Besuch bei dem Vater des Jungen, der seinen Hund erschossen hat, den vorwurfsvollen Charakter verliert. Worauf es Ludlow ankommt, ist, dass der Junge sich zu seinen Taten bekennt, die Verantwortung übernimmt und sein einflussreicher Vater ihm eine angemessene Bestrafung zukommen lässt.

Ketchum hat es wieder einmal verstanden, einen allzu realistischen Alptraum zu entwerfen, der nicht an den Haaren herbeigezogen ist und sich fast wie ein Erfahrungsbericht liest. Nur weshalb die deutsche Ausgabe in der Reihe Heyne Hardcore herausgekommen ist, bleibt unverständlich.

Die Aufmachung ist schlicht reißerisch und unangemessen. Der plakative Titel und die einfache, aber wirkungsvolle Covergestaltung werden sicherlich viele Leser abschrecken, denen dadurch ein exzellent geschriebener, authentischer Thriller entgeht, wie man ihn selten findet.
Die Papierqualität und der Satzspiegel sind dagegen von allererster Güte.
Wieder einmal ein Volltreffer von Ketchum!

„Blutrot“ ist ein anspruchsvoller und dennoch kurzweiliger Thriller mit einer mitreißenden Handlung. Gewaltdarstellungen wurden weitaus dosierter eingesetzt, so dass die Vermarktung unter dem Label Heyne Hardcore nicht gerechtfertigt erscheint. (FH)

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Blutrot

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Fahrstuhl zur Hölle

Erstellt von Detlef Hedderich am 27. Februar 2009

A. F. Morland, Thomas Birker & Christian Daber
Fahrstuhl zur Hölle

Tony Ballard 4
Dreamland Productions, Rüsselsheim, 10/2008
1 CD, Grusel-/Mystery-Hörspiel, 978-3-939066-23-0, Laufzeit: ca. 61 Min., gesehen 11/08 für EUR 8.00
Sprecher: Klaus Dieter Klebsch, Tosten Sense, Dorette Hugo, Thilo Schmitz, Simon Jäger, Udo Schenk, Wolfgang Strauss, Marie Biersedt und andere
Musik: Rom Steinbrecher
Cover von Ugurcan Yüce

www.TS-Dreamland.de
www.Romantruhe.de
www.realhomepage.de/members/morland/index.html
www.ugurcanyuce.net/

„Tony Ballard“ war neben „John Sinclair“ und „Professor Zamorra“ der dritte Dämonenjäger, der in den Heftromanserien des Bastei-Verlags sein Unwesen trieb. Im Gegensatz zu den Kollegen war er lange Zeit kein Auserwählter mit besonderen Kräften, auch wenn sich seine Abenteuer schon bald als rundum phantastisch erwiesen. Die vor gut einem Jahr ins Leben gerufene Hörspielreihe führt nun zu den Anfängen des Helden zurück.

Es ist noch nicht lange her, da war Tony Ballard nur ein einfacher Polizeiinspektor in einem kleinen Dorf in England. Doch dann holte ihn die Vergangenheit seiner eigenen Familie ein. Finstere Hexen, die durch die Hand seines Urahnen gestorben waren, wollten Rache an ihm nehmen. Dem jungen Mann gelang es, sie zu besiegen.

Doch erst, als er mit seiner Freundin Vicky auf Bitten eines alten Freundes nach Spanien reiste, um dort herauszufinden, was mit dessen verschwundener Frau geschehen war, erkannte er seine wahre Bestimmung. Durch das Geld des reichen Millionärs unabhängig geworden, wurde er zum Dämonenjäger.

Und so folgt er einem Hilferuf seines Freundes Frank Esslin nach New York, der ihm von seltsamen Geschehnissen erzählt: Schon seit einiger Zeit verschwinden Menschen für einige Tage. Wenn sie dann zurückkehren, scheinen sie geistig verwirrt zu sein und töten mit Äxten aus dem 12. Jahrhundert den ersten Menschen, der ihnen über den Weg läuft. Später dann beginnen sie rapide zu altern und zerfallen quasi unter den Händen der Ärzte zu Staub.
Zusätzlich ist allen gemein, dass sie Wunden wie durch eine Folter an ihrem Körper tragen.

Schon bald findet Tony Ballard heraus, dass die Männer und Frauen einen ganz bestimmten Fahrstuhl benutzt haben. Als er diesen selbst ausprobiert, erfährt er, wohin es die anderen Opfer verschlagen und was sie dort erwartet hat. Doch kann er selbst der Todesfalle und den beiden dämonischen Brüdern, die sich seiner annehmen, entkommen? Es sieht schlecht aus.

„Fahrstuhl zur Hölle“ erzählt wieder eine der wichtigen Geschichten aus dem „Tony Ballard“-Kosmos, lernt der Dämonenjäger doch im Kerker der Vergangenheit einen seiner treusten und mächtigsten Mitstreiter kennen.

Wie auch schon die ersten beiden Folgen so weiß auch diese Episode durch ihre fast filmische Erzählweise zu überzeugen. Die Geschichte ist so gestaltet, dass man beim Hören nicht den Faden verliert und wunderbar dabei entspannen kann. Da stört es auch nicht, dass man eigentlich nur die Klischees der Gruselfilme, wie sie die Hammer Studios drehten, vorgesetzt bekommt, inklusive der sadistischen bis größenwahnsinnigen Gegenspieler, denn das Ambiente gleich die stellenweise auftretende Vorhersehbarkeit aus.

Die Sprecher sind wieder einmal gut gelaunt und übertreiben ihre Rollen nur so weit, wie es dazu passt, Musik und Soundeffekte vertiefen die Atmosphäre noch und erhöhen die ohnehin vorhandene Spannung um einiges.

Auch „Fahrstuhl zur Hölle“ schafft wie schon die anderen Episoden der „Tony Ballard“-Reihe eine gelungene Verbindung zwischen der alten Vorlage und modernem Erzählstil. Sie besitzt nicht nur nostalgischen Charme sondern bietet auch dem Hörer von heute angenehme Unterhaltung. (CS)

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