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neuauflage

Archiv für April, 2009

Der letzte Tempel des Asklepios

Erstellt von Detlef Hedderich am 21. April 2009

Mathieu Gabella & Anthony Jean
Der letzte Tempel des Asklepios

Das Einhorn 1
La licorne: Le dernier temple d’Asclépios, Frankreich, 2006
Splitter Verlag, Bielefeld, 10/2007
HC-Album, Comic, Dark Fantasy, Geschichte, 978-3-939823-75-9, 50/1280
Aus dem Französischen von Tanja Krämling
Titelgestaltung von Dirk Schulz

www.splitter-verlag.de

http://anthonyjean.canalblog.com/

Europa, Mitte des 16. Jahrhunderts: Die Menschen der Renaissance sind in zwei Lager gespalten. Während die einen sich für den Fortschritt einsetzen, halten die anderen an den Traditionen fest. Das führt beispielsweise dazu, dass die neuen Methoden der Mediziner kritisch betrachtet, wenn nicht gar geächtet und verfolgt werden – vor allem von Seiten der Kirche und jenen Kollegen, die an den überlieferten Vorgehensweisen festhalten und um ihre Reputation fürchten. Oder geht es ihnen um mehr?

Seit einer geraumen Weile werden immer wieder Mediziner tot aufgefunden – ermordet. Aber von wem? Der königliche Chirurg Ambosius Paré, eigentlich ein Außenseiter in seinem Gewerbe, doch dank seiner Erfolge ein Günstling des Adels, wird in einen Konflikt hinein gezogen, dessen ganzes Ausmaß noch nicht ersichtlich ist. Plötzlich ist auch Paré ein Gejagter.

Obwohl er nichts von der Sekte der Asklepiaden hält, hat er keine andere Wahl, als ihren Mitgliedern zu vertrauen. Man bringt ihn zu dem mysteriösen ‚Erben’, der ihm Näheres verrät und ihn über die Natur der seltsamen Kreaturen, die ‚Primordialen’ genannt werden, aufklärt. Der weitere Weg führt sie zum „letzten Tempel des Asklepios“, doch dort werden sie von ihren Verfolgern angegriffen und können ihr Vorhaben nicht zu Ende bringen…

Das Team Gabella & Jean greift in „Das Einhorn“ auf historische Fakten und Persönlichkeiten zurück und mischt dies munter mit vielen Dark-Fantasy-Elementen.
So tut sich vor dem Leser eine faszinierend-bizarre Welt auf, die zwischen Tradition und Moderne, Wissenschaft und Aberglaube, Vernunft und Gewalt schwankt.

Die Story beginnt mitten in der Handlung und mit einem kleinen Reißer: Ein Mann soll getötet werden, und eine seltsame Kreatur mischt sich ein, kann den Mord jedoch nicht verhindern. Wer die ‚Guten’ und die ‚Bösen’ sind, wird erst nach und nach enthüllt – und noch kann man nicht sicher sein, ob die Rollenverteilung wirklich so einfach ist.

Ambrosius Paré, eine ebenso reale Person wie Nostradamus und Andreas Vesalius, wird aus seinem Alltag gerissen und mit Geheimnissen konfrontiert, die alles übertreffen, was er auch nur vermutet hat. Plötzlich ist er umgeben von Chimären und Medizinern, die etwas entdeckt haben, was alle bisherigen Erkenntnisse auf den Kopf stellt: die Quintessenz – und die Primordialen sind der Schlüssel dazu. Wer nun die Widersacher sind, bleibt vorerst im Dunkeln, aber die Kirche scheint wieder einmal die Finger im Spiel zu haben.

Interessant sind in dem Zusammenhang die Erklärungen, die am Ende des Bandes gegeben werden sowohl zu den Personen wie auch dem damaligen Stand der Medizin. Verschiedene Behandlungsmethoden, die gezeigt werden und schon sehr grausig wirken, hat es tatsächlich gegeben.

Die Zeichnungen sind realistisch, detailreich und sehr schön – auch wenn auf freizügig gekleidete Frauen verzichtet wurde und der Künstler Mut zur Hässlichkeit beweist. Man hat große Freude daran, die wunderbar komponierten Seiten, in denen die Panels hin und wieder aufgelöst werden, zu betrachten.

„Der letzte Tempel des Asklepios“ ist ein spannender Auftaktband zu einer neuen Dark Fantasy-Serie, der viel, aber längst nicht alles verrät, interessante Charaktere bietet, trotz der vielen morbiden Szenen einen makaberen Humor nicht missen lässt und durch the sense of wonder in den Bann zieht. Auf die Fortsetzung darf man wirklich sehr gespannt sein! (IS)

Titel bei Amazon.de
Einhorn 01 – Der letzte Tempel des Asklepios: BD 1

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Die Stadt der verkauften Träume

Erstellt von Wolfgang Wieser am 21. April 2009

David Whitley
Die Stadt der verkauften Träume

OT: The Midnight Charter
aus dem Englischen von Gerald Jung
Goldmann
Erscheinungsdatum: März 2009
Taschenbuch
382 Seiten
ISBN 9783442466917

Der fast zwölfjährige Mark wächst in einem jener Viertel der Stadt Agora auf, wo die Armen und Elenden leben. Gerade hat eine schwere Krankheit, die nur die Armen trifft, seine Mutter und die Geschwister getötet und Marks Vater entschließt sich, den Jungen an den Arzt Doktor Theophilus zu verkaufen, da dieser verspricht, den Buben mit einem neuen, von ihm selbst entwickelten Mittel zu heilen. So kommt Mark in den reichen Haushalt des alten Grafen Stelli, der im größten Turm der Stadt residiert und von dort aus Sternbeobachtungen anstellt. Der alte Graf ist der Großvater von Doktor Theophilus, jedoch mit dessen Forschungen gar nicht einverstanden. Als er herausfindet, dass sein Enkel den kranken Jungen ins Haus gebracht hat, setzt er den Arzt vor die Tür.

Mark, der sich mit der kaum älteren Hausangestellten Lilly, die aus dem Waisenhaus stammt, angefreundet hat, darf bleiben, da er inzwischen gesund ist. Lilly folgt dagegen dem Doktor, hat sie doch die Idee, mit dessen Barmherzigkeit eine Art Armenasyl zu gründen, wo den Notleidenden geholfen werden soll. Denn Agora ist zwar eine reiche Stadt, jedoch besitzen hier wenige viel, und viele wenig. Mitleid ist ein Luxus, dem sich die Reichen nicht gerne hingeben. Ganz im Gegenteil: Wer arm ist, kann seine Gefühle verkaufen, die mit einer Maschine aus ihm heraus destilliert werden, die sich die Reichen dann wiederum einverleiben. Nur dank der Armen funktioniert dieses System. Deshalb wird Lillys Engagement von gewissen mächtigen Kreisen nur sehr ungern gesehen und kaum geduldet.

Während Lilly mit viel Geschick beginnt ihr Armenhaus aufzubauen, nimmt Graf Stelli Mark unter seine Fittiche und baut ihn zu einem bedeutenden Wahrsager auf, obwohl der Junge ursprünglich als Bauernopfer dienen sollte. Vermittels eines treuen Dieners entgeht Mark jedoch dieser Intrige. Stattdessen fällt der Graf seinem eigenen Ränkespiel zum Opfer und Mark erbt dessen ganzen Besitz, da Doktor Theophilus enterbt worden war und die seltsamen Gesetze der Stadt dies als Kompensation in Marks Fall vorsehen. Durch seine Helfer und seinen frisch erworbenen Ruhm gelingt es Mark zunächst, seinen Reichtum zu mehren und bald hat er völlig verdrängt, aus welchem Elend er selbst stammt. Schließlich wird er sogar zum erbitterten Antagonisten seiner Freundin Lilly, und als eine junge Frau getötet wird erweist sich, dass das Schicksal der Stadt möglicherweise mit dem der beiden Protagonisten auf nicht absehbare Art und Weise verknüpft ist…

„Die Stadt der verkauften Träume” ist ein wunderbarer, leicht und locker erzählter Fantasyroman, der sich ins Herz der Leser schleicht. Geschickt vermeidet der Autor grobe Klischees, die glaubhaften und sehr ausgefeilt entwickelten Charaktere laden den Leser zur Identifikation ein, die dichte Atmosphäre der geheimnisvollen Stadt fesselt. Die wohl dosiert eingesetzten phantastischen Elemente heben den Roman über das Niveau der sonst üblichen Genrewerke.

Mit dem vorliegenden Roman gelingt dem jungen Autor (Jahrgang 1984) auf Anhieb ein spannendes Werk, welches in vielerlei Hinsicht überzeugt. Sicherlich kein absolutes Meisterwerk, denn ein gewisser Spannungsabfall in der zweiten Hälfte der Geschichte muss leider diagnostiziert werden. Für ein Erstlingswerk stellt das Buch aber eine reife Leistung dar. Eine runde und vergnüglich zu lesende Erzählung, auf deren mögliche Fortsetzung man gespannt sein und sich freuen darf. (gb)

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Die Stadt der verkauften Träume

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Das Letzte Einhorn und Zwei Herzen

Erstellt von Wolfgang Wieser am 21. April 2009

Peter S. Beagle
Das Letzte Einhorn und Zwei Herzen

OT: The Last Unicorn (1961) und Two Hearts (2005)
übersetzt von Jürgen Schweier (The Last Unicorn) und Cornelia Holfelder-von der Tann (Two Hearts)
Klett-Cotta
Erscheinungsdatum: März 2009
304 Seiten
ISBN 978-3-608-93872-2

Der Roman „The Last Unicorn” („Das letzte Einhorn”) von 1961 und vor allem dessen wunderbare Verfilmung als Zeichentrickabenteuer mit der herrlichen Musik der Band America (geschrieben von Jimmy Webb) verhalfen dem Autor Peter S. Beagle dereinst zu Weltruhm. Nichts wäre naheliegender gewesen, als die abenteuerliche Geschichte fortzusetzen, über eine Trilogie zu einem Zyklus zu kommen und später weitere Zyklen folgen zu lassen, wie dies derzeit in der Fantasy so üblich ist. Doch die gnadenlose Auswalzung und Vermarktung seiner Produkte, die gnadenlose Trivialisierung, scheint nicht Beagles „Stärke” zu sein. Stattdessen gibt es bis heute nur eine „kleine” Novelle von etwas mehr als 50 Seiten, in welcher der Autor in seinen Kosmos zurückkehrt.

In „Zwei Herzen” sind die Protagonisten alt geworden. Molly Grew hat graues Haar, lebt jedoch noch immer mit dem Zauberer Schmendrick zusammen, obwohl sie angeblich nicht „mit ihm zusammen” ist. Aus der Sicht des fast 10jährigen Dorfmädchens Sooz wird erzählt, dass sich ein mächtiger Greif in der Nähe des Dorfs des Mädchens niedergelassen hat. Zwar frisst dieser zuerst nur die Ziegen und Schafe der Bauern, doch bald vergreift er sich auch an den Kindern der Dorfbewohner. So schickt man einen Boten zu König Lír, der einen Ritter entsendet, welcher dem Spuk ein Ende machen soll. Dieser Kämpfer verschwindet jedoch genauso wie die später ausgeschickten fünf Ritter und eine noch später entsandte Armee von Rittern. Als die Dorfbewohner bereits alle Hoffnung aufgegeben haben, macht sich die beherzte Sooz allein auf zum König, um erneute Hilfe zu erbitten, da der blutrünstige Greif inzwischen auch ihre beste Freundin gefressen hat. Auf dem Weg zum König trifft sie ausgerechnet Schmendrick und Molly Grew, die das Mädchen dann zum König geleiten.

Doch Lír ist alt geworden und die Zeit nagt an seinem Geist. Vieles hat er vergessen, oft scheinen seine Gedanken im Nichts zu verschwinden und nur die Erwähnung von Lady Amalthea, seiner einstigen Geliebten, die Schmendrick von einem Einhorn kurzzeitig in einen Menschen verwandelt hatte, damit sie den bösen König Haggard und seinen mächtigen Gehilfen, den Roten Stier, besiegen konnte, bringt ihn wieder zurück in die Gegenwart. Ohne zu zögern entschließt sich Lír jedoch, den Dorfbewohnern zu helfen, und macht sich in Begleitung von Molly, Schmendrick und Sooz auf, das Untier zu töten…

„Zwei Herzen” ist ein wunderbar melancholischer Abgesang auf die bekannten Helden, die alt und müde geworden ihrem letzten großen heroischen Abenteuer entgegen streben. Für alle Fans von „Das letzte Einhorn” ist die Novelle ein ebenso freudiges wie trauriges Wiedersehen mit ihren Lieblingshelden. Die tragische kleine Geschichte trifft noch einmal jene einzigartige Atmosphäre, die das wunderbare Buch Beagles auszeichnet und ist somit ein würdiger und ehrenvoller Abgesang auf die Helden.

Auch wenn die Liebhaber des Meisterwerks von 1961 bedauern werden, dass der Autor keinen mehrtausendseitigen Zyklus aus seinem Meilenstein der Fantasyliteratur gemacht und somit alle Einzigartigkeit zerwalzt und vernichtet hat, die wahren Fans werden Peter S. Beagle dafür danken, dass er bisher keine Verwässerung und Trivialisierung zugelassen hat und eventuellen monetären Verführungen widerstanden hat. Möge es so bleiben und mögen auch eventuelle Erben des Autors dereinst die Finger lassen von schundigen Fortsetzungen, denn etwas so Einzigartiges wie „Das letzte Einhorn” sollte für immer ein Unikat bleiben dürfen! (gb)

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Das letzte Einhorn und Zwei Herzen

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Der Dieb der Zeit

Erstellt von Detlef Hedderich am 21. April 2009

Clive Barker
Der Dieb der Zeit

Clive Barker’s Thief of Always, USA, 1992
Egmont Ehapa, Köln, 1/2007
HC, Ehapa Comic Collection, vollfarbige Graphic Novel im Comic-Format, Mystery, 978-3-7704-3058-1, 144/1900
Adaption von Kris Oprisko
Aus dem Amerikanischen von Frank Neubauer
Titel- und Zeichnungen im Innenteil von Gabriel Hernandez

www.ehapa-comic-collection.de
www.clivebarker.info/
www.clivebarkerimaginer.com/

Der zehnjährige Harvey Swick langweilt sich in der Schule und daheim. Wenn er doch nur den öden Alltag hinter sich lassen und spannende Abenteuer erleben könnte! Eines Tages taucht der bizarre Rictus auf und lädt Harvey ein, ihm an einen Ort zu folgen, an dem Kinder immer Ferien haben, nach Herzenslust spielen und Abenteuer erleben können, jeder Tag die vier Jahreszeiten durchmacht und man am Abend immer Weihnachten feiert.

Der Junge gibt der Verlockung nach und gelangt in ein großes Haus, wo er freundlich von der alten Haushälterin Mrs. Griffin begrüßt wird. Sie stellt ihm auch die anderen Kinder, Wendell und Lulu, vor, mit denen er sich sogleich anfreundet. Sie sind allerdings nicht die einzigen Bewohner – aber das findet Harvey erst später heraus.

Zunächst ist alles wunderbar, doch nach einiger Zeit wird selbst das Paradies langweilig. Außerdem verschwindet Lulu spurlos. Harvey und Wendell wollen aus ihrem goldenen Käfig ausbrechen, sie suchen die verborgene Tür, und tatsächlich gelingt ihnen ganz knapp die Flucht.

Doch in ihrer eigenen Welt ist nichts mehr, wie es einmal war: Ihre Eltern sind alt oder sogar schon gestorben. Die beiden Jungen wollen die ihnen gestohlene Zeit zurück – aber wie?

Clive Barker ist den Freunden des Horror-Genres bestens bekannt u. a. durch „Die Bücher des Blutes“ und die „Hellraiser“-Filme.

Die vorliegende Graphic Novel beruht auf seinem gleichnamigen Roman „Der Dieb der Zeit“ und schildert, wie mehrere Kinder auf die Versprechen eines düsteren Wesens und seiner Handlanger hereinfallen, aber statt des Idylls einen goldenen Käfig vorfinden, aus dem es kein Entkommen gibt. Während sie im Haus von Mr. Hood leben, vergeht die Zeit in der Menschenwelt sehr viel schneller – ein Motiv, das man aus zahlreichen Märchen kennt.

Anders als die bisherigen Kinder gibt Harvey nicht auf, sondern sucht nach dem Weg in die Freiheit. Dabei werden er und Wendell von einer gefährlichen Kreatur verfolgt, der sie im letzten Moment entkommen können. Allerdings sind sie noch immer nicht gerettet, denn Jahre sind seither vergangen, die sie zurück fordern müssen. Folglich haben sie keine andere Wahl, als erneut das Haus von Mr. Hood aufzusuchen.

Harvey kommt dem Geheimnis dieses Wesens auf die Spur und weiß, was er tun muss, um es in Bedrängnis zu bringen und die anderen Kinder zu befreien. Es ist kein physischer Kampf, der sich nun anbahnt, sondern einer des Verstandes und des Willens.

Das wird von Gabriel Hernandez in recht einfachen, kantigen, fast aquarellhaft anmutenden Bildern erzählt. Sie unterstützen die Geschichte gelungen, auch wenn sie vielleicht nicht den Geschmack von jedem Leser treffen; dafür sind sie vielleicht schon zu übertrieben und bizarr, gerade was den mysteriösen Mr. Hood und seine Helfer betrifft.

Obwohl die Graphic Novel eine märchenhafte, spannende Story erzählt und an junge Leser adressiert zu sein scheint, ist sie doch eher ein Comic für das reifere Publikum, das das subtile Grauen zu schätzen weiß. „Der Dieb der Zeit“ wird Lesern gefallen, die Spaß an Titeln wie „Stoneheart“ oder „Die Bücher der Magie“ haben. (IS)

Titel bei Amazon.de
Clive Barker’s Der Dieb der Zeit

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Die geheime Geschichte Moskaus

Erstellt von Wolfgang Wieser am 21. April 2009

Ekaterina Sedia
Die geheime Geschichte Moskaus

OT: The Secret History of Moscow
übersetzt von Olaf Schenk
Klett-Cotta
Erscheinungsdatum März 2009
Hardcover
328 Seiten
ISBN 978-3-608-93873-9

Durch den Erfolg der „Wächter”-Trilogie von Sergej Lukianenko boomt in Deutschland derzeit russische Phantastik. Da ist es nur folgerichtig, dass auch Klett-Cotta mit dem vorliegenden Roman an diesem Erfolg teilhaben will, auch wenn die Autorin in den USA lebt und das Buch im Original auch in der dort üblichen Landessprache erschienen ist.

Inhaltlich ist „Die geheime Geschichte Moskaus” jedoch wirklich eigenständige Russische Phantastik, spielt die Autorin doch geschickt mit den dortigen Mythen und Märchen. Auch wenn Sedias Erstling nicht mit dem genialen Debüt „Metro 2033″ von Dmitry Glukhovsky (erschienen als Paperback bei Heyne) mithalten kann, so gelingt ihr doch ein äußerst unterhaltsames und anregendes Werk, welches sich inhaltlich gar nicht mit Glukhovskys Werk vergleichen lässt.

Alles beginnt damit, dass die junge Moskauerin Galina Zeugin wird, wie ihre jüngere Schwester nach der abrupten Geburt eines Kindes scheinbar spurlos aus dem verschlossenen Badezimmer der häuslichen Wohnung verschwindet. Auch vor und unterhalb des Badezimmerfensters befindet sich niemand, nur ein einsamer Vogel kreist vor dem Fenster. Da Galina als verrückt gilt und auch schon einige Zeit wegen ihrer merkwürdigen Wahrnehmungen in der Psychiatrie weilte, würde ihr niemand glauben, dass sie in der kreisenden Dohle ihre Schwester wiederzuerkennen glaubt. Doch bald darauf verwandeln sich immer mehr Moskauer in Vögel und Galina und der Polizist Jakov machen sich auf die Suche nach des Rätsels Lösung. Aber erst der häufig angetrunkene Maler Fjodor, der als eine Art Stadtstreicher in Moskau lebt, zeigt den beiden den Weg in eine jenseitige Welt unterhalb der Stadt. Durch von der Realität abweichende Spiegelbilder in Pfützen oder auf Fensterscheiben fahrender Züge kann man eindringen in die phantastische Welt unterhalb der Stadt. Hierhin haben sich die meisten russischen Mythen- und Legendenwesen zurückgezogen, so die Kuh Zemun, die dereinst die Milchstraße erschaffen hat, der unsterbliche Kaschtschei, der seinen eigenen Tod gebannt hat, und viele andere Sagenwesen. Aber auch viele dereinst verfolgte oder verzweifelte Menschen finden sich in der jenseitigen Welt, in der man nicht mehr zu altern scheint. Neben einer vom Pogrom dereinst bedrohten jüdischen Familie findet Jakov auch seinen Großvater wieder, der vor dem Geheimdienst floh und hier eine Bar betreibt, in der alle zu verkehren scheinen.

Galina, Jakov und Fjodor verbünden sich mit den Sagengestalten und den geflohenen Menschen, denn hinter der massenhaften Verwandlung von Bewohnern Moskaus scheint ein finsterer Plan zu stecken, bei dem sich die kriminelle Moskauer Unterwelt mit jemand Mächtigem aus der jenseitigen Welt verbündet zu haben scheint, um die Grenze zwischen den beiden Welten aufzuheben und die Macht zu ergreifen. Während Galina verzweifelt versucht, ihre Schwester wieder zu finden und von ihrem Fluch zu befreien, gelingt es Kaschtschei einen ermordeten Kleinganoven wiederzuerwecken, der einem mächtigen örtlichen Schutzgelderpresser unterstand und getötet wurde, weil er zu viel wusste. Immer mehr verdichtet sich das Bild einer Existenz bedrohenden Verschwörung, deren Rädelsführer sogar über die Fähigkeit zu verfügen scheinen, menschliche Seelen in Edelsteine zu bannen und so für ewig gefangennehmen zu können. Eine gewaltige Bedrohung für alle Menschen, vor allem für die Moskaus, sollte der Gefahr nicht bald Einhalt geboten werden…

Neben der dichten Atmosphäre muss vor allem die stilistische Fähigkeit der Autorin hervor gehoben werden, die dermaßen unauffällig und unspektakulär schreibt, dass es schon fast wieder als genial bezeichnet werden muss.

Auch wenn der westliche Leser die russischen Mythologien kaum kennen dürfte (neben Väterchen Frost, der hier einen Gastauftritt hat, fehlt leider die berühmte Baba Jaga, die Hexe, die in dem Haus auf den Hühnerbeinen lebt; beide dürften so ziemlich die einzigen sein, die der westliche Leser kennt), so macht doch der bunte Kosmos der russischen Sagen und Märchen großen Spaß.

„Die geheime Geschichte Moskaus” ist einfach Lesespaß pur, garniert mit interessanten und gut ausgearbeiteten Charakteren (so sind viele einzelne Kapitel bestimmten Personen gewidmet und erzählen die Geschichte und oft auch die Vorgeschichte dieser Protagonisten aus deren Sicht) und einer packenden Handlung.  Ein unbedingt empfehlenswertes Buch! (gb)

bei amazon.de:
Die geheime Geschichte Moskaus

BEENDETES BÜCHERPREISRÄTSEL:
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www.buchrezicenter.de veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels am Telefon* gestellt haben, die richtig beantwortet werden mussten.
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Die jeweiligen Gewinne wurden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt!
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Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Und bedanken uns auch bei unseren Mitspielern für Ihr reges Interesse!
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Die Gewinner der Preisrätseltitel:
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1. Salvatore Bruno
2. Hugo Wendelin
3. Ilona Bootz
4. Martin Steller
5. Micha Gretschmar
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Der Rechtsweg war wie immer ausgeschlossen!
* Telefongebühren des Anrufers gehen immer zu Lasten des Anrufers. Bitte informieren Sie sich über die ortsüblichen aktuellen Kosten bei Ihrem Telekommunikationsanbieter!

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Der Dämon erwacht

Erstellt von Detlef Hedderich am 21. April 2009

R. A. Salvatore & Andrew Dabb
Der Dämon erwacht

Dämonendämmerung 1
R. A. Salvatore: Demon Wars Vol. 1 – The Demon Awakens, USA, 2007
Panini Comics, Stuttgart, 11/2007
PB mit Klappbroschur, vollfarbige Graphic Novel im Comic-Format, Fantasy, 978-3-86607-481-1, 144/1695
Aus dem Amerikanischen von Helga Parmiter
Titelillustration und Zeichnungen von Tim Seeley

www.paninicomics.de
www.rasalvatore.com
www.timseeley.com

Elbryan und Jill, die er liebevoll ‚Pony’ nennt, sind noch halbe Kinder, als ihr Dorf von marodierenden Goblins zerstört wird. Die beiden sind die einzigen Überlebenden und werden voneinander getrennt: Jill verschlägt es in ein gut gehendes Gasthaus, wo sie von den Inhabern quasi adoptiert wird, Elbryan dagegen wird von den letzten verbliebenen Elfen zu einem Hüter ausgebildet. Denn die Elfen wissen, da lauert noch immer eine Gefahr hoch im Norden – eine tödliche Gefahr für alle freien Wesen Koronas: der Dämon. Und der ist bereits erwacht und ruft seine Truppen zusammen.

Werden Elbryan und Jill gemeinsam mit ihren wenigen tapferen Gefährten, die drohende Gefahr abwenden können? Und was hat es mit diesen eigenartigen, magisch aufgeladenen Kristallen auf sich?

Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass ein Roman von R. A. Salvatore in einen Comic umgesetzt wird. Der „Dämonendämmerung“-Zyklus gehört bereits zu seinen älteren Werken und stellt auf seine Art vielleicht eine Art Hommage Salvatores an den Urvater der modernen Fantasy J. R. R. Tolkien dar – zumindest der Comic bezieht sich stellenweise mit einem ziemlichen Vorschlaghammer auf die berühmte Trilogie.

Der Vorteil eines Comics ist definitiv die Möglichkeit, langwierige und langweilige Erklärungen und Beschreibungen in bunten Bildern umzusetzen. Im Falle Salvatores ist das sicher in gewissen Maßen Nerven schonender für seine Leser, als wenn sie sich seine Romane erlesen müssten. Der Nachteil ist klar: Durch die vorgegeben Bilder hat der Leser selbstverständlich ein fest gefügtes Bild der jeweiligen Figur im Kopf.

Gerade bei Comics kann das fatal sein, vor allem da ja jeder Held Muskel bepackt und jede Heldin schön, volllippig und -busig und natürlich blond sein muss.

Ein Schönheitsfehler allerdings, wenn man bereits die „Dunkelelf“-Comics gelesen hat und sich nun also diesem neuen Zyklus zuwendet. Tim Seeley, der Zeichner dieses Bandes und auch Teile der „Dunkelelf“-Comics, wiederholt sich nämlich, sehr zum Leidwesen der Leser, gerade mit seinen weiblichen Figuren sehr.

Jill wirkt wie eine Figur aus einem der Drizzt-Bände.

Wobei man dann auch gleich beim Hauptproblem der gesamten Geschichte angekommen ist. Schön, dass es wieder einmal ein Underdog sein darf, der die Welt rettet, ebenfalls schön, dass Männlein und Weiblein zusammen kämpfen. Weniger schön, wenn erst die Behauptung aufgestellt wird, dass sich in Jill die geborene Kriegerin verbirgt, sie dann aber über weite Teile des Comics eben diesen Kampfgeist vollkommen aus ihrem Hirn gestrichen hat. Sie lässt sich einfangen, foltern, ihrer Rüstung berauben, dann mutiert sie gar noch komplett zum Weiblein am Herd und schmachtet ihren Schatz an – nicht sehr glaubhaft, bedenkt man, wie sie als Kriegerin eingeführt wurde.

Die Qualität der Zeichnungen schwankt ebenso wie die Geschichte es tut, was sehr schade ist, kennt man doch deutlich Besseres aus der Feder von Seeley. Dennoch aber gibt dieser Auftaktband wenig, was einen Leser bindet, ob man nun den dazugehörenden Roman kennt oder nicht. Da wurde eindeutig von allen Seiten zu dick aufgetragen und zuviel vorausgesetzt.

Alles in allem bleibt am Ende eher ein schaler Geschmack, wenn man an den doch recht stattlichen Preis des Bandes denkt. Schade. (RSch)

Titel bei Amazon.de
Dämonendämmerung, Bd. 1: Der Dämon erwacht

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Batman 26

Erstellt von Detlef Hedderich am 21. April 2009

batman2628neuab200729_897Grant Morrison, Ryan Benjamin, Saleem Crawford, Guy Major u. a.
Batman 26

Batman 675 + 676, DC, USA, 2008
Panini Comics, DC Deutschland, Stuttgart, 3/2009
Comic-Heft, Superhelden, Action, SF, Mystery, 48/495
Aus dem Amerikanischen von Steve Kups
Titelillustration von Tony Daniel
Extra: 1 großformatiges Poster

www.paninicomics.de
www.grantmorrison.com/

Wer „Batman“ bloß unregelmäßig liest, wird bei der Lektüre dieses Hefts, das den Auftakt zu einer neuen Storyline – „Batman R. I. P.“ – darstellt, etwas ratlos sein, und daran können auch das Vor- und Nachwort der Panini-Redaktion nicht viel ändern.

Man erfährt, dass sich Bruce Wayne alias Batman einem mysteriösen Ritual unterzogen hat, bei dem er für vier Minuten tot war. Seither wirkt er aggressiver und unberechenbarer denn je. Mit Jezebel Jet befindet sich eine neue Frau an seiner Seite, die sogar seine Geheimidentität kennt. Dann scheint er einen Sohn namens Damian (ob das ein „Omen“ ist?) mit Talia, der Tochter seines Erzfeindes Ras al-Ghul, zu haben. Robin alias Tim Drake, seit geraumer Weile ein Waise, ist von Bruce Wayne adoptiert worden und trifft sich mit seinem Vorgänger Dick Grayson, nun Nightwing, zum Team-up.

Vor diesem Hintergrund bahnt sich neues Unheil an, denn die mysteriöse Organisation Black Glove will Batman tot sehen und holt den psychopathischen Joker an Bord…

Der ständige Wechsel zwischen verschiedenen Handlungsebenen mit zahlreichen Protagonisten (die man nicht unbedingt kennt), Rückblenden und hektische Kämpfe, deren Hintergründ nicht näher ausgeführt werden, das Fehlen konkreter Motive von Seiten Batmans machen es dem Leser nicht leicht, sich in der Story zurechtzufinden. Es wird vorausgesetzt, dass man mit den jüngsten Ereignissen vertraut ist und weiß, was zu der aktuellen Situation führte. Darüber hinaus werden einem lediglich ein paar Puzzlestücke hingeworfen, man rätselt mit Robin, der ebenfalls eine Menge Fragen hat – und Fortsetzung folgt.

Das mag in Ordnung gehen für Sammler, die den großen Überblick haben und die nächsten Nummern kaufen werden, nicht aber für Gelegenheitsleser, die sich durch den interessanten Titel, das viel versprechende Cover und das Extra in Form eines sehr ansehnlichen Posters zum Kauf verleiten lassen. Aus den einzelnen Hinweisen lässt sich kein halbwegs klares Bild rekonstruieren, so dass das Heft wirr wirkt und eher enttäuscht, als dass es die Neugierde weckt.

Wenn man nicht ohnehin schon alle „Batman“-Ausgaben sammelt, dann ist es ratsam, den Einstiegspunkt in die laufende Serie sehr sorgfältig zu wählen. Nun ist Bd. 26 zwar der Start eines neuen Story-Arcs sein, aber man wird schon die nächsten zwei, drei Hefte abwarten müssen, um die Geschichte beurteilen zu können – und sich am besten auch kundig machen, was vorher passierte. Zum Glück gibt es das Internet… (IS)

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All Star Superman 6

Erstellt von Detlef Hedderich am 21. April 2009

allstarsuperman6_859Grant Morrison, Frank Quitely, Jamie Grant, Lucia Truccone u. a.
All Star Superman 6

All Star Superman 11 + 12, DC, USA, 2008
Panini Comics, DC Deutschland, 3/2009
Comic-Heft mit kartoniertem Umschlag, Superhelden, SF, 48/595
Aus dem Amerikanischen von Christian Heiss
Titelillustration von Frank Quitely

www.paninicomics.de
www.grantmorrison.com

Nach einer Überdosis Sonnenstrahlen liegt Superman im Sterben. Einige Angelegenheiten muss er noch regeln und sich dem Kampf gegen die Tyrannensonne Solaris stellen, um die Erde zu retten.

Unterdessen sitzt Lex Luthor auf dem elektrischen Stuhl und wartet auf die Vollstreckung des Urteils. Aber natürlich lässt sich der Verbrecher nicht so leicht töten. Ein Spezialdrink rettet ihm das Leben und stattet ihn sogar mit Superkräften aus. Nun will er sich die Erde untertan machen…

„All Star Superman 6“ ist der Abschlussband der Mini-Serie, der noch einige Antworten auf offene Fragen gibt, aber mit einem Ende aufwartet, das eine Fortsetzung möglich macht.

Das Finale bietet einige Überraschungen, die jedoch etwas überzogen wirken wie der ‚Super-Lex’, der Dank eines speziellen Getränks seine Hinrichtung überlebt und plötzlich über phantastische Kräfte verfügt, die er für seine finsteren Pläne missbrauchen will. Superman als sein Gegenpol wird immer schwächer und bricht zu seinem letzten Kampf gegen eine lebendige Sonne auf, die mit markigen Sprüchen ankündigt, dass sie ihn und die Menschheit auslöschen will. Und dann geschieht ein Wunder…

Was spektakulär sein soll, wirkt eher lächerlich, und auch die Illustrationen können die Story nicht retten. Angesichts der reichlichen Vorschuss-Lorbeeren, die die Serie erhielt, ist man ziemlich enttäuscht.

Sechs Bände sind überschaubar, und der eingefleischte Sammler wird sie seiner Collection hinzufügen wollen – wie auch andere schwächere Hefte. Wer nicht alles haben muss, sollte einen Blick in „All Star Superman“ werfen, um zu prüfen, ob der Inhalt gefällt. Man muss diese Reihe nicht kennen, zumal sie keine Bezüge zu den Haupt-Serien knüpft. (IS)

Titel bei Amazon.de

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Ganz nach unserem Geschmack – Das Begleitbuch zur „Servicezeit: Essen & Trinken“

Erstellt von Detlef Hedderich am 21. April 2009

Martina Meuth & Bernd Neuner-Duttenhofer
Ganz nach unserem Geschmack – Das Begleitbuch zur „Servicezeit: Essen & Trinken“

Egmont VGS Verlagsgesellschaft, Köln, 2/2009
„Servicezeit: Essen und Trinken“, Redaktion: Rainer Nohn, WDR, Köln
HC, Sachbuch, Essen & Trinken, 978-3-8025-3662-5, 206/2200
Umschlaggestaltung und Layout von Metzgerei Strzelecki, Köln
Titelfoto von Luca Siermann
Foto auf dem Backcover und alle weiteren Bilder von Martina Meuth
Videograbs von Imhoff Realisation, hergestellt von openedit

www.vgs.de
www.wdr.de
www.wdr.de/tv/servicezeit/essen_trinken/
www.apfelgut.de

„Ganz nach unserem Geschmack“ soll das Essen sein, aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Das wissen auch die Fernseh-Köche Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer. Die beiden verraten, dass sie immer Rezepte vorstellen, die ihnen selber schmecken und dass sie dabei auch auf die persönlichen Vorlieben Rücksicht nehmen. Dabei hat sich herausgestellt, dass Zutaten, die man nicht mag, sehr wohl großen Anklang finden können, wenn sie frisch sind und richtig zubereitet wurden.

Beispielsweise soll eine Rote Bete-Knolle vom Markt sehr viel schmackhafter sein, als die eingelegte im Glas, und mit den passenden Zutaten kann eine gebratene Leber auch jene überzeugen, die Innereien ablehnen. Das Duo rät darum, frische und natürliche Produkte sowie Fleisch aus artgerechter Tierhaltung zu verwenden, die Speisen schonend zu garen und ihre Textur zu erhalten. Außerdem ist der Blick aufs Etikett, z. B. bei Essig, notwendig, will man etwas über die Qualität des Produkts erfahren und ausschließen, dass man etwas kauft, in dem Geschmacksverstärker oder andere unerwünschte Substanzen enthalten sind.

Das Buch ist in mehrere Kapitel gegliedert: „Mitternachtssuppen“, „Dampfnudeln & Krapfen“, Ingwer & Co“, „Kochen und Würzen mit Balsamico“, Gefüllte Pfannkuchen“, „Kochen & Backen mit Frischkäse“, „Köstliches Geflügel“, „Frühlingsrollen & Wan Tans“, „Fingerfood: Häppchen aus der Hand“, „Backen für den Sommer“, „Zucchini“, „Ossobuco und gefüllte Kalbsbrust“, „Kochen mit Kindern“, „Kürbis – groß in Mode“, „Geschenke aus der Küche“, „Weihnachtsbäckerei“ und „Weihnachtsmenü“.

Daran kann man bereits ersehen, wie abwechslungsreich die Rezepte sind, wie viele Bereiche sie abdecken – und zusätzlich gibt es nützliche Produktinformationen und Extra-Tipps. Praktisch für jeden Geschmack ist etwas dabei, und vom Schwierigkeitsgrad her sind die Anleitungen durchaus auch für weniger geübte Köche nachvollziehbar.

Meist wird auf jeder Seite ein Rezept vorgestellt. Es gibt eine Zutatenliste mit dem Hinweis, für wie viele Personen das Gericht gedacht ist. Daneben befindet sich die Schritt für Schritt-Anleitung. Ergänzt wird mit einem oder mehreren kleinen Farbfotos, die die Zutaten, das fertige Gericht oder die Köche bei der Arbeit zeigen. Nicht vergessen wurden außerdem Empfehlungen für passende Beilagen und Getränke sowie zusätzliche Zubereitungs- und Servier-Tipps.

Zwischen die Rezepte werden, kenntlich durch eine andere Farbe der Seiten, Warenkunde, Produktinformation und weitere Hinweise eingestreut.

Rezepte für „Russische Soljanka“, „Gefüllte Roastbeefröllchen“, „Pfannkuchen mit Quarkfüllung“, „Indonesische Frühlingsrollen“, „Mohn-Himbeer-Torte“, „Lina Maries Eiersalat“, „Schoko-Chili-Würfel“ und „Lauch-Kartoffel-Gratin“ machen deutlich, dass nicht nur traditionelle Gerichte variiert werden, sondern auch tief in internationale Töpfe geblickt wurde. Anregungen aus allen Ecken der Welt hat man dem hiesigen Geschmack angepasst und bereichert damit den Speiseplan.

Man darf auch die eigene Phantasie spielen lassen. Nimmt man z. B. das „Grundrezept Pfannkuchen“ kann man es nach Belieben ergänzen:

Für 4 – 6 Personen rührt man 3 Eier und 120 g Mehl glatt, fügt 1 Pr. Salz hinzu und gießt langsam unter ständigem Rühren 300 ml Milch (oder Wasser) an. Die Teigmasse wird zugedeckt und ruht 30 min. Eine beschichtete Pfanne erhitzen und mit etwas Fett ausstreichen. Den flüssigen Teig mit einer Kelle hinein geben, ihn durch Drehen der Pfanne dünn über ihren Boden verteilen. Backen, bis sich der Rand kräuselt, wenden, die andere Seite ebenfalls backen. So fortfahren, bis der Teig aufgebraucht ist.

Den Teig kann man nach Geschmack mit Curry, Sojasauce oder Kurkuma würzen, ihm fein gehackte Kräuter, Spinat oder geriebene Möhren hinzufügen. Speck, Zwiebelringe und Champignonscheiben sind ebenfalls lecker. Natürlich gibt es auch süße Varianten mit Apfel- und Birnenscheiben oder gerösteten Mandelblättchen. Bestimmt kommen jedem schon beim Lesen noch mehr Ideen…

„Ganz nach unserem Geschmack“ ist ein sehr schön gestaltetes Buch, das nützliche Informationen und erprobte Rezepte für viele Gelegenheiten enthält. Wie bereits die anderen Titel zur „Servicezeit: Essen & Trinken“ ist auch dieser Band rundum gelungen und macht Appetit auf die vielfältigen Ideen, die übersichtlich und ansprechend präsentiert werden. Zum Behalten und Verschenken ist das Buch ideal! (IS)

Titel bei Amazon.de
Ganz nach unserem Geschmack: Das Begleitbuch zur WDR Servicezeit: Essen & Trinken

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Malleus Montrorum

Erstellt von Detlef Hedderich am 21. April 2009

Frank Heller (Redaktion 2. Edition)
Malleus Montrorum

Call of Cthulhu – Rollenspielsystem Hintergrundband
Pegasus Spiele, Friedberg, 10/2008
HC, Rollenspiel-Hintergrund- & Quellenband 42031G, Horror, Fantasy, 978-3-939794-65-3, 502/3995
Texte von Scott David Aniolowski, Sandy Petersen, Lynn Willis, Shannon Appel, Frank Heller, Peter Schott, Thomas M. Weghofer, Rainer Nagel, Andre Wiesler, Andreas Gruber, Christoph Maser u. a.
Übersetzung der englischen Texte von Jens Kaufmann, Frank Heller, Holger Göttmann und Peter Schott
Titelbildgestaltung von Manfred Escher
Illustrationen und Pläne von Manfred Escher, Chris Schlicht, Pascal D. Bohr, Konstanteyn Debus, Oliver Ende, Thomas Erntmann, Samar Ertsey, Mark Herrmann, Annegret Lindder, Björn Lensing, Anette & Uwe Matthes u. a.
Fotos aus diversen historischen Quellen

www.pegasus.de
www.chaosium.com

„Malleus Monstrorum“ ist durch seine Größe und Dicke wuchtig – das mit 504 Seiten bisher schwerste und dickste Quellenbuch zu „Call of Cthulhu“. Versammelt in ihm sind die unheimlichen Wesen und die Schrecken des Mythos’, die Menschen, die ihnen begegnen, nach und nach in den Irrsinn treiben können, wenn diese hinter die Masken schauen, die viele der Kreaturen tragen.

Das Rollenspiel „Call of Cthulhu“ basiert auf dem Kosmos, den H. P. Lovecraft in seinen Erzählungen schuf und in dem er unsere Erde eine uralte und düstere Geschichte gab. Die Erde, wie er sie beschreibt, ist nur ein Nachhall des schrecklichen Zeitalters, in dem die ‚Großen Alten’ herrschten und den Planeten bereits einmal pervertierten. Wer auch immer ihnen damals Einhalt gebot – vernichten konnte er sie nicht, sondern nur in einen langen und tiefen Schlaf versetzen.

Und so hängt Wohl und Wehe der heutigen Welt von dem Vermögen einiger weniger Menschen ab zu verhindern, dass das, was tief in der Erde ruht, jemals wieder erwacht. Denn es gibt Kräfte – Sklaven, Untertanen und Diener -, die immer wieder Menschen mit falschen Versprechungen von Macht und Ruhm davon zu überzeugen versuchen, ihnen zu helfen. Letztendlich lassen sie viele Dinge, die auf der Erde falsch laufen und die Sterblichen in den Abgrund reißen, auf das Wirken dieser dunklen wie uralten Kräfte zurückführen.

Da Lovecraft auch andere Schriftsteller wie Robert E. Howard, die er durch das Magazin „Weird Tales“ kannte, dazu einlud, ihre Geschichte mit dem Mythos zu verknüpfen, wurde er facettenreicher, als wenn ihn nur eine Person entwickelt hätte, und bietet für das Pen und Paper-Rollenspiel ungeahnte Möglichkeiten der Entfaltung. Keine Kampagne muss dadurch wie die andere verlaufen.

Das „Malleus Monstrorum“ zeigt eindrucksvoll, dass deutsche Rollenspieler nicht immer nur dazu verdammt sind, das amerikanische oder englische Material zu übernehmen, sondern dass der Prozess auch einmal umgekehrt verlaufen kann. So erschien die erste Edition des Bandes 2003 zunächst als rein deutsches Projekt und wurde mit einigen Veränderungen und vielen Kürzungen vom Mutterhaus übernommen.

Die zweite Edition stammt nun zwar aus den USA. Hier in Deutschland wurden allerdings wieder Einführungen und Kurzgeschichten beigefügt und weitere Bearbeitungen vorgenommen, die den Gestalten, Monstern und Göttern mehr Leben und Farbe geben und vielleicht eher zu eigenen Spielideen verführen als nur die reine Information.

Im Gegensatz zu anderen Rollenspielen wie etwa „Dungeons & Dragons“ erhält man hier nicht unbedingt nur Werte und Regeln zum Umgang mit den Kreaturen, stattdessen überwiegt der Anteil der Beschreibung, des Ursprungs und des Wirkens.

Gerade weil das eine oder andere Monster auch Kurzgeschichten und Romanen entnommen wurde, konnten die Autoren aus dem Vollen schöpfen. Im Vordergrund stehen die stimmungsvollen Beschreibungen, denn hier sind die Kreaturen nicht nur dazu da, um Erfahrungspunkte oder Gold zu verschaffen, sondern sie sind überwiegend ernst zu nehmende Gegner, deren Anwesenheit und Nähe bereits den Geist zerrütten kann. Dementsprechend werden dem Spielleiter Tagebuchauszüge und andere Beschreibungen zur Hand gegeben, die er an die Spieler weiter reichen kann, ohne dass er die Wesen selbst inflationär auftauchen lassen muss.

Dem Katalog der Wesen und Götter vorangestellt ist eine ausführliche Einführung.
Man erfährt, dass man drei Grundtypen bei den Kreaturen unterscheiden kann. Da sind einmal die unabhängigen Rassen wie die Mi-Go der Ghoule, die ihre eigenen Interessen verfolgen und denen die Großen Alten ziemlich egal sind, dann existieren Dienerrassen wie die dunklen Jungen von Shub-Niggurath, die ohne ihren Gott keine Daseinsberechtigung zu haben scheinen, und nicht zuletzt die einzigartigen Wesen, die sich jeder Klassifizierung verweigern und als Einzelgänger existieren.

Bei den Gottheiten gibt es die ‚Älteren Götter’, die mit der Menschheit nur selten in Berührung kommen, wenngleich sie auch die ‚Äußeren Götter’ misstrauisch beobachten. Diese herrschen über das Universum und bringen den Sterblichen nur Leid, Zerstörung und Wahnsinn. Ihnen ordnen sich durchaus auch viele der ‚Alten’ unter, die nichts anderes als die Götter der Traumlande der Erde sind und auch Kontakt mit dem Menschen pflegen, ja, sogar Kinder mit ihnen zeugen können. Sie werden oft auch noch angebetet und verehrt, weil sie zu Vorbildern für die Götter vieler irdischer Mythen wurden. ‚Avatare’ schließlich sind die Manifestationen aller Gottheiten unter den Menschen, wenngleich sie dadurch auch schwächer werden und nicht ihre ganze Macht ausüben können.

Jedes Wesen – ob nun Monster oder Gott – wird nach einem bestimmten Schema vorgestellt. Der Abschnitt beginnt mit einem stimmungsvollen Intro, durch das Spieler und Spielleiter eine Ahnung von der Wirkung und dem Auftreten des Wesens bekommen. Dann erst folgen die weiterführenden Informationen zu Herkunft, Zugehörigkeit, Interessen und Zielen und die Art ihrer Angriffe (oder Art der Kommunikation mit den Helden). Abschließend gibt es hin und wieder einen Ausklang, in dem man erfahren kann, welche Spuren sie nach einer Attacke hinterlassen. Bei den Göttern kommt noch ein Abschnitt über Kulte und Religionen hinzu, in denen sie verehrt werden.

In einem grau unterlegten Kasten findet man die spieltechnisch relevanten Daten, so weit nötig, von den Attributen, Bewegungswerten, Schadensboni bis hin zu den Fertigkeiten und Zaubern und die Auswirkung auf die geistige Stabilität der Spielerfiguren. Diese ist eine der wichtigen Charaktereigenschaften im Spiel, da man anders als in anderen Spielen bei Begegnungen mit der dunklen Welt immer einen Preis zahlen muss und letztendlich dem Wahnsinn verfällt, wenn man nicht rechtzeitig aufhört.

Stammen die Informationen aus einem literarischen Text, so wird dieser ebenfalls erwähnt und stellenweise sogar zitiert.

Die immer wieder zu einzelnen Wesen und Göttern eingestreuten, handschriftlichen Texte aus den ‚Tagebüchern des Sir Hansen Poplan’ können ausgezeichnet als Handouts für die Spieler dienen, bieten die Essays und Ausführungen doch einerseits interessante Informationen, sind aber andererseits spekulativ genug, um die Gruppe aufs Glatteis oder eine falsche Spur zu führen.

Auch wenn man sich als Spielleiter genau überlegen muss, welche der Kreaturen man einsetzen will, um seine Gruppe damit zu konfrontieren, ohne die Figuren innerhalb von kürzester Zeit in den Wahnsinn zu treiben, ist „Malleus Monstrorum“ doch eine Anschaffung wert. Die Beschreibungen gehen weit über das hinaus, was man sonst von einem Monsterhandbuch erwartet, und bieten stellenweise neben den Informationen auch stimmungsvolle Handouts.

All das wird mit einer ganzen Reihe von ansprechenden Fotos und Zeichnungen versehen – teilweise stammen diese sogar aus der Zeit zwischen 1850 und 1930 oder sind etwas abgewandelt worden, um sie dem Zweck anzupassen.

Dabei hat man sich bewusst an Lovecrafts Leitlinie gehalten, viele Wesen nur indirekt oder verschwommen abzubilden, damit der namenlose Schrecken, den Kreaturen und Götter verbreiten, auch weiterhin ‚unbeschreibbar und unvorstellbar’ bleibt. Trotzdem läuft es einem bereits bei einigen der verwendeten Bilder kalt den Rücken herunter, wenn man den entsprechenden Text dazu gelesen hat.

Es ist interessant, wie geschickt die Autoren Auswüchse oder Strömungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts mit dem Mythos verbunden haben, und wie nahe sie dabei auch H. P. Lovecraft bleiben. Sorgfältig werden historische Realität – Filme, die wirklich gedreht wurden und in den 1920er Jahren in die Kinos kamen – und Fiktion miteinander verbunden und erweitert. Einiges davon geschieht sogar schon vorausschauend, da bereits auch die Wesen der Traumlande aufgenommen wurden, zu denen im Laufe des Jahres 2009 noch ein Quellenband erscheinen soll.

Zu keiner Zeit wirken die Texte und Beschreibungen trocken und langweilig. Gerade weil sie in einem eher erzählenden und sehr atmosphärischen Stil abgefasst wurden, macht es Spaß, in dem Buch auch einfach nur zu schmökern und es mehr oder weniger als Bestiarium zu betrachten. Viele der wichtigen Informationen sind sehr stimmungsvoll verpackt, und auch Abenteuerideen finden sich reichlich.

Manchmal gibt es direkte Hinweise und Anregungen, dann wieder kann man sich von den Einführungen und Ausklängen inspirieren lassen, so dass es einfach wird, gute Ansätze für eigene Abenteuer und Kampagnen zu entdecken, so dass die Mission des Buches mehr als erfüllt ist. Es bleibt zwar offen, ob man jemals alle der vorgestellten Wesen verwenden können wird – aber was zählt, ist die Auswahl, die damit sehr individuelle Spielrunden ermöglicht und vielleicht auch mit der entsprechenden Bearbeitung für andere oder eigene Systeme interessant ist.

Damit bietet das „Malleus Monstrorum“ eine erschöpfende Auswahl von Kreaturen und Göttern, deren Geheimnisse und Wirken zu vielen interessanten Abenteuern und Kampagnen führen können, ohne dass es langweilig wird.

Neben den übersichtlich aufbereiteten Informationen, wie sie in ein Bestiarum gehören, lädt der Band aber auch noch durch die ausführlichen und bewusst atmosphärisch gestalteten Beschreibung der Wesen des lovecraftschen Mythos zum Schmökern ein, denn vieles beruht auf sorgfältigen Recherchen der dazugehörigen Geschichten und Romane. (CS)

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Malleus Monstrorum. Quellenbuch: Kreaturen, Götter und verbotenens Wissen

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