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neuauflage

Archiv für November, 2009

Die Legenden der Drachenlanze 1 – Die Brüder

Erstellt von Günther Lietz am 23. November 2009

Bei Buch24.deMargaret Weis, Tracy Hickman, Andrew Dabb
Die Brüder

(sfbentry)

Die Legenden der Drachenlanze 1
Panini Comics, Softcover, 6/2009, 144 Seiten
Dragonlance Legends, Vol. 1: Time of the Twins, USA, 2008
Text: Andrew Dabb
Titelbild und Zeichnungen: David Cole, Farben: Adam Chong
Aus dem Amerikanischen: Oliver Hofmann und Astrid Mosler
ISBN 9783866077393

www.paninicomics.de

Zwei Jahre nach dem Sieg über die dunkle Göttin Takhisis ist die alte Gemeinschaft der Helden zerfallen. Ein jeder ging seinen eigenen Weg, ein jeder führt sein eigenes Leben. Doch einer von ihnen, Raistlin, hat Pläne, die das Schicksal Krynns verändern könnten. Obwohl er nun die schwarze Robe trägt, folgt er seinen eigenen Regeln. Ihm zur Seite steht der Dunkelelf Dalamar, der den Magier überwachen soll. Doch Raistlin ist ein Meister der Manipulation. Ebenso wie Dalamar, zieht der Erzmagier auch die schöne Crysania – eine Klerikerin des Paladins – in seinen Bann.

Eines Tages ist Raistlin jedoch plötzlich verschwunden und Crysania beginnt nach ihm zu suchen. Die Spur führt durch durch Zeit, zurück in die Vergangenheit. Einzig Caramon, Raistlins Bruder, vermag seinen machtgierigen Verwandten noch aufzuhalten. Doch Caramon ist in die Jahre gekommen, fett, ein Alkoholiker – und Raistlin intellektuell weit unterlegen …

Das Comic basiert auf der Romanvorlage von Margaret Weis und Tracy Hickman. Die Geschichten der Drachenlanze und all ihre unzähligen Reihen gehören zum Kult dieser Fantasy-Serie. Bei Panini erscheinen nun die passenden Comics in Übersetzung. Dabei handelt es sich stets um eine Adaption des Stoffs, die aber nah an der Vorlage bleibt. Vor allem die Schwerpunkte sind anders gewichtet, was an den unterschiedlichen Medien liegt.

In „Die Brüder“ dreht sich nun alles um Raistlin und Caramon. Beide gingen ihren eigenen Weg. Raistlin, der stets kränkelnde Magier, und Caramon, der seinen Bruder mehr als sein eigenes Leben liebt. Es ist ein ungleiches Paar, dass dennoch so viele Gemeinsamkeiten besitzt. Und beide Charaktere polarisieren, da ihre Leben in Extremen ablaufen.

So hat sich Raistlin vollkommen der Magie und der Macht verschrieben. Ein Leben hat für ihn keine Bedeutung, selbst Caramon würde er opfern. Dieser Umstand setzt Caramon zu. Obwohl er Tika heiratete, eine Heldin des letzten Krieges, ist die Verbindung zu Raistlin so stark, dass er unter den Taten seines Bruders leidet. Dadurch wird er zu einem anderen Menschen, zu einem Menschen, der er niemals sein wollte.

Im Roman wird dieser Konflikt ausführlich behandelt, stehen die Charakterzeichnungen im Mittelpunkt, ebenso der emotionale Konflikt der Hauptpersonen. Und darum dreht sich die Handlung auch, um ganz persönliche Konflikte, um die Sache nach dem eigenen Platz im Universum. Andrew Dabb hat sich an den Stoff gewagt und ein Script für das Comic geschrieben. Leider misslingt ihm der Versuch, die emotionale Tiefe der Figuren auszuloten und er beschränkt sich weitgehend auf ausgiebige und starke Actionsequenzen. Mit einem guten Zeichner an seiner Seite kann so eine maue Handlung kaschiert werden – aber leider versagt David Cole auf ganzer Linie.

Coles Figuren besitzen einen geringen Wiedererkennungswert, sind oft schlicht gezeichnet und manchmal gar überzeichnet. Er findet keinen Mittelweg, verliert sich in Klischees und falschem Verständnis der Charaktere. So gibt er den kränkelnden Raistlin als alten Mann wieder, den starken Caramon als Conan-Verschnitt und versucht die weiblichen Charaktere betont jung und gutaussehend darzustellen. Das ist einfach überzogen und wirkt gekünstelt. Und sobald ein Panel in die Nahaufnahme geht, wechseln die Details der Zeichnungen von einem Panel ins Nächste. So wird aus einer eher runden Nase plötzlich eine etwas kantige Nase. Schade, hier hätte Cole einiges herausholen können.

Auch die Farben von Adam Chong wirken lieblos. Dabei hätten sie wiederum die Zeichnungen von Cole in einem etwas besseren Licht erscheinen lassen können. So macht das ganze Comic den Eindruck einer lieblosen Auftragsarbeit, bei der sich niemand der Beteiligten für seine Kollegen verantwortlich fühlte. Damit ist „Die Brüder“ der bisher schwächste Teil der Drachenlanze-Comics. Einzig die deutsche Ausgabe rettet die Qualität ein wenig. An der Übersetzung gibt es keine Meckerei, das Lektorat hat gute Arbeit geleistet, als Bonusmaterial gibt es Abdrucke der US-Cover und einen Charakter-Glossar.

Fans werden sicherlich gefallen an der Umsetzung finden. Immerhin ist das Comic nahe an der Geschichte. Sammler werden keine Lücke in ihrem Regal haben wollen und Gelegenheitsleser sollten sich lieber einem andere Comic der Reihe zuwenden.

Copyright © 2009 by Günther Lietz

“Die Brüder” bei Buch24.de

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Träume von Pallahaxi

Erstellt von Michael Drewniok am 22. November 2009

coney-pallahaxi-coverMichael Coney
Träume von Pallahaxi

Originaltitel: Hello Summer, Goodbye (London : Victor Gollancz 1975) u. I Remember Pallahaxi (Hornsea : PS Publishing 2007)
Deutsche Erstveröffentlichung dieser Gesamtausgabe: November 2009 (Wilhelm Heyne Verlag/TB Nr. 52543)
Übersetzung: Bernhard Kempen
Cover: Lee Gibbons (Karten: Iris Daub)
607 S.
ISBN 13: 978-3-453-52543-6

Das geschieht:

Erstes Buch: „Der Sommer geht“ (S. 9-258): Der Planet der Stilk umkreist die Sonne Phu und beschert seinen menschenähnlichen Bewohnern ein mildes Klima. Den Umgang mit der Kälte beherrschen die Stilk nicht; sie ist zu einem gefürchteten Phänomen geworden.

Seit Jahren führen Erto und Asta, die beiden Großmächte des Planeten, erbittert Krieg. Noch wissen nur die Regierungen vom bevorstehenden Verhängnis: Phu bildet mit ihrem Riesenplaneten Rax ein komplexes Binärsystem. Kommen die beiden sich zu nahe, kann es geschehen, dass Rax der Sonne den Planeten der Stilk quasi entreißt und mit sich nimmt. Die Umlaufbahn von Rax ist überwiegend sonnenfern, sodass dieses Ereignis, dass nun wieder einmal bevorsteht, dem unfreiwilligen Begleiter einen vierzigjährigen Winter beschert.

Der hohe Regierungsbeamte Burt tritt mit seiner Familie den jährlichen Sommerurlaub in der Hafenstadt Pallahaxi an. Sohn Druv steckt tief in der Pubertät und rebelliert permanent gegen die konservativen und auf ihre gesellschaftliche Stellung pochenden Eltern. In Pallahaxi erneuert Druv die Freundschaft zur schönen Gastwirtstochter Braunauge und gerät zwischen die Fronten einer Rebellion empörter Bürger, die sich von ihrer Regierung verraten & verkauft fühlen …

Zweites Buch: „Erinnerungen an Pallahaxi“ (S. 259-607): Der lange Winter ist nur noch sagenhafte Vergangenheit. Vor acht Generationen haben Besucher von der Erde den Planeten der Stilk entdeckt. 600 Menschen ließen sich in Devon-Station nieder. Als ihr Vertreter fungiert Mr. McNeil, der außerdem versucht, zwischen den beiden nur mühsam Frieden haltenden Städten Yam und Noss zu vermitteln.

Hardy ist der Neffe des Yam-Hauptmanns Borst, den aktuell große Ernteausfälle beunruhigen. Sogar in Noss, musste man vorstellig werden, um Fisch zu kaufen; eine Aufgabe, die Borst klugerweise seinem diplomatisch deutlich begabteren Bruder Bruno überließ. Hardy begleitet ihn und verliebt sich in Noss prompt in Talis, die Tochter der Hauptfrau.

Als Bruno einem Mord zum Opfer fällt und Hardy schwere Vorwürfe erhebt, muss er Noss und Talis verlassen. In Yam werden mehrere Anschläge auf Hardy verübt. Nur knapp kommt er mit dem Leben davon. Er entkommt nach Noss, wo man ihm Asyl gewährt. Hardy beginnt in eigener Sache zu ermitteln. Er kommt einer uralten Intrige auf die Spur und löst außerdem das Rätsel der mysteriösen Lorin, die mit den Stilk den Planeten bewohnen …

Fremde Welt mit bekannten Fehlern

„Träume von Pallahaxi“ vereint zwei Romane des britischen Schriftstellers Michael G. Coney. Sie ranken sich um ein exotisches Sonnensystem, dessen intelligente Bewohner vom Verfasser nach menschlichem Vorbild geformt wurden. Die Stilk haben sich ‚ihren‘ Planeten untertan gemacht und könnten ein geruhsames Leben führen. Stattdessen pflegt man interne Querelen. Obwohl der Grund nur den jeweiligen Führungsspitzen bekannt ist, liegen im ersten Band die beiden Machtblöcke Erto und Asta, in der Fortsetzung die Städte Noss und Yam im Streit. Die Gesellschaft des Planeten ist streng hierarchisch strukturiert. Die ‚höheren‘ Klassen achten auf ihre Privilegien, während der sprichwörtliche ‚kleine Mann‘ zu spuren hat, wobei kriegsbedingt vorgeschobene Zwangsmaßnahmen hilfreich sind.

In diese mit sich selbst beschäftigte Welt platzt die Bombe einer seltenen Naturerscheinung. Die Stilk könnten sich anpassen, aber die Mächtigen sorgen sich stattdessen ängstlich um ihre Vorrechte. Nur die Jugend ist, sofern noch nicht im Räderwerk des Establishments gefangen, willens und in der Lage, den radikalen Weg zu gehen, der ein Überleben des 40-jährigen Winters ermöglicht.

Stilk am Scheideweg

„Der Sommer geht“ beschreibt einen Kampf zwischen Widerstand und Anpassung. Michael Coney gibt ihm Gesichter; auf der einen Seite sind die Konservativen wie Burt und Fayer, Druvs Eltern, aber auch Wolff, als Repräsentant einer schon indoktrinierten Folgegeneration. Ihnen stehen Druv und Braunauge gegenüber, die das System zunehmend kritisch betrachten, seine Schwachstellen erkennen und notwendigen Veränderungen gegenüber aufgeschlossen sind.

Vor allem Druv muss sich entscheiden und seinen eigenen Weg finden, was „Der Sommer geht“ zu einem Science-Fiction-Entwicklungsroman macht. Als prominentester Schriftsteller dieses Subgenres galt lange Robert A. Heinlein (1908-1988), der zahlreiche SF-Romane schrieb, in denen Jugendliche das Abenteuer Leben zu meistern begannen und in mindestens eine dramaturgisch geschickt arrangierte Krise gerieten, in der sie anwenden mussten, was sie gelernt hatten.

Heinlein (aber nicht nur er) schilderte diesen Prozess als Fluss von Erfahrungen, der von den Älteren auf die Jüngeren überging. Diese Jugend war – den zeitgenössischen Systemstrukturen der 1940er und 50er Jahre entsprechend – formbar bis unkritisch unterwürfig, diszipliniert und bienenfleißig bzw. in allen Details das gespiegelte Idealbild der (konservativen) Elterngeneration. Widerspruch war möglich, stellte sich jedoch stets als Fehler heraus, da die Alten tatsächlich alles besser wussten.

Nach rechts oder nach links?

Coney steht für jenen Aufbruch, der in den späten 1960er und 70er Jahren diese Vormacht sowie ihre Vertreter in Frage stellte. Auch oder gerade der junge Bürger ließ sich nicht mehr alles als Notwendigkeit diktieren, sondern hinterfragte Entscheidungen und leistete ihnen notfalls keine Folge. Die alten Methoden griffen ohnehin nicht mehr, aber Gewalt und Willkür sollten sie trotzdem konservieren. Das misslang, und für eine Weile schien ein Neuanfang möglich. Zwar ging die Geschichte über diese ‚Tauperiode‘ hinweg, doch konnten ‚Real-Politiker‘ und Global-Konzerne (bisher) nicht alle Errungenschaften dieser Ära wieder abschaffen.

In diesem Zeitfenster entstand „Der Sommer geht“. Der Umbruch auf dem Planeten der Stilk orientiert sich an den realen Unruhen der 1970er Jahre. Coney transponierte die irdischen Parteien und ihre Argumente in eine SF-Handlung. Obwohl er dabei keine Seite von Kritik aussparte, ist doch klar, für wen sein Herz schlägt.

Die Charakterisierung gerät klar aber simpel – zu simpel womöglich, denn Figuren wie Druvs Vater Burt oder vor allem Mutter Fayer sind Karikaturen. Sie stehen für das starre bzw. dumme und insgesamt ungerechte Establishment. Umgekehrt sind auch die ‚Guten‘ auf ihre Weise überzeichnet. Ausgerechnet hier tradiert Coney das Konzept des Jugendromans, der ‚einfach‘ strukturiert sein soll, weil seine Leser die Subtilität einer nicht schwarzweißen, sondern grauen Welt angeblich noch nicht begreifen.

Für besonderes Augenverdrehen sorgt dabei das scheue Aufkeimen der ersten Liebe; was im (wie üblich mit Vorsicht zu genießenden) Covertext als „bezaubernde Liebesgeschichte“ hochgejubelt wird, ist albern mit einschlägigen Klischees durchsetzt, bevor Coney zumindest in „Der Sommer geht“ mit einem unerwarteten Finale zwischen bittersüßer Tragödie und beißender Ironie überrascht.

Vom Abenteuer zur Routine

Mehr als drei Jahrzehnte nach „Der Sommer geht“ wirkt Coney in „Erinnerungen an Pallahaxi“ müde. Die Sozialkritik schimmert zwar noch durch, aber die Rückkehr auf die Welt der Stilk ist vor allem ein farbenfrohes Planetenabenteuer, das die grundsätzliche Plot-Konstellation des Vorgängerbandes aufgreift bzw. ein wenig zu offensichtlich imitiert. Wie nicht nur in der Science Fiction heute üblich, geht der Verfasser vor allem in die Breite. Coney lässt sich Zeit, seinen Lesern den Planeten der Stilk vorzustellen – noch einmal. Dessen Gesellschaftsstruktur hat sich nur scheinbar verändert. Die bekannten Konfliktherde prasseln munter weiter. Erneut haben jene, die es eigentlich nicht verdienen, das Sagen. Sie werden als Widerlinge, Feiglinge und Dummköpfe inszeniert, doch der warnende Unterton ist verschwunden. Der grobe Borst ist beispielsweise ebenso eine Witzfigur wie die zänkischen Hauptfrauen (oder besser Weiber) Lonessa oder Wanda.

Zwischen allen Stühlen stehen wieder junge Menschen. Hardy und Talis sind recht profilarme Inkarnationen von Druv und Braunauge sowie mit vergleichbar holzköpfigen Eltern und anderen Autoritätspersonen geschlagen. Einzig Yams Vater Bruno gibt den gealterten Idealisten, der sich wider besseres Wissen in den Dienst der Tradition stellt und (dafür) ein schlimmes Ende nimmt.

Eine neue Partei im Planetenspiel

Als quasi übergeordnete Instanz haben sich inzwischen die Menschen auf Stilks Planet etabliert. In Coneys Entwurf einer möglichen Zukunft sind sie Repräsentanten einer Art Föderation, deren (auch nichtmenschliche) Mitglieder auf der Suche nach Wissen und Bodenschätzen durch das All reisen. Treffen sie dabei auf intelligente aber technisch ‚unterentwickelte‘ Planetenbewohner, nehmen die Menschen zwar Kontakt mit ihnen auf, halten sich dabei jedoch an eine Nichteinmischungs-Klausel, die eine Weitergabe von Hightech aber auch Nothilfe verbietet.

Die Menschen sind freilich keineswegs aus Erfahrung klug geworden. Zwar enthalten sie ihren ‚Gastgebern‘ jene Supertechnik, die ohne das Wissen um eventuell mit dem Einsatz verbundene Nachteile zum Einsatz kommend die Stilk ins Verderben stürzen könnte, umsichtig vor. Doch als die ‚kanalisierte‘ Ausbeutung ins Stocken gerät, soll das Problem mit Gewalt gelöst werden.

Dieser Subplot gehört zu den Hauptschwächen der ohnehin recht orientierungslos zwischen Abenteuer, Liebesgeschichte und Krimi mäandrierenden Story. Die düsteren Beweggründe der Menschen sind aufgesetzt und können nicht überzeugen. Später lösen sie sich in Luft auf bzw. werden vom Verfasser mit einem Nebensatz abgetan. Offensichtlich möchte Coney unbedingt für Tempo und Dramatik sorgen, als das Finale naht. Man kann ihn verstehen, denn die bisher aufgeworfenen und gelösten Rätsel konnten den Leser nicht in atemloses Staunen versetzen. Obwohl viel gereist, verfolgt und intrigiert wird, fehlt dem Geschehen echte Spannung.

Letztlich bringt vor allem die Neuauflage von „Der Sommer geht“ dem Leser Freude. „Erinnerungen an Pallahaxi“ zeigt den ‚späten‘ Coney, der den Biss früherer Werke vermissen lässt. Dafür mag sein Gesundheitszustand mitverantwortlich sein. „I Remember Pallahaxi“ gehört zu den letzten, im Buch zu Coneys Lebzeiten nicht mehr veröffentlichten Romanen; der sterbenskranke Autor stellte sie im Wissen um den nahen Tod auf seine Website. Coney hat noch immer sein Talent zur Schilderung fremdartiger Ökosysteme, die er mit erstaunlichen Kreaturen bevölkert. Das nützt jedoch wenig, wenn in diesen Kulissen nichts wirklich Spannendes geschieht. Deshalb überwiegt die Enttäuschung über diesen Doppelband, der in seinem zweiten Teil nur aufwärmt, was im Auftakt noch heiß war.

Autor

Michael Greatrex Coney wurde am 28. September 1932 im englischen Birmingham geboren. Nach der Schule wurde er Wirtschaftsprüfer; ein Beruf, in dem er herzlich unglücklich war. Er versuchte sich deshalb später u. a. als Manager eines Campingplatzes und arbeitete für eine Brauerei. 1969 verließ Coney, inzwischen verheiratet und Vater einer Tochter, England. Die Familie siedelte sich auf Antigua, eine der Westindischen Inseln, an, wo Coney ein Hotel leitete.

Ebenfalls 1969 erschien eine erste SF-Story im britischen Magazin „Vision of Tomorrow“; weitere Kurzgeschichten folgten und wurden auch in den USA gedruckt. Der Durchbruch gelang Coney jedoch erst als Verfasser von Romanen, die spannende Plots mit exzellenten Beschreibungen fremdartiger Welten verbanden sowie eine intensive aber unaufdringliche Prise Sozialkritik beinhalteten. „Mirror Image“ (1972, dt. „Planet der Angst“), „Winter‘s Children“ (1974, dt. „Eiskinder“) und vor allem Hello Summer, Goodbye (1975, dt. „Der Sommer geht“) fanden sowohl den Beifall des Publikums als auch der Kritikerschaft.

1972 verließen die Coneys Antigua und zogen nach Kanada um. Auf Vancouver Island nahm Coney einen Job im Finanzwesen der Forstverwaltung an, den er bis zu seiner Pensionierung Ende der 1980er Jahre ausübte und der ihm die Zeit für weitere Bücher und Storys ließ. Nach Ansicht der Kritik lässt der ‚kanadische Coney‘ die Originalität der frühen Jahre vermissen. Ein letzter Erfolg wurde 1976 “Brontomek!” (1976, dt. „Brontomek!“), für den Coney 1977 mit einem „British Science Fiction Association Award“ ausgezeichnet wurde. In den 1990er Jahren schrieb er verstärkt und erfolgreich Sachbücher über lokalhistorische Themen.

Coney erkrankte um die Jahrtausendwende an einer Asbestose, die zum Lungenkrebs führte. Als klar wurde, dass er der Krankheit erliegen würde, stellte Coney vier noch unveröffentlichte Bücher ins Internet, wo sie frei verfügbar waren. Michael Coney starb am 4. November 2005 in British Columbia.

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Tödliche Gedanken

Erstellt von Werner Karl am 22. November 2009

todliche-gedankenJohn Vornholt
Tödliche Gedanken
Babylon 5 Band 1

(sfbentry)
Goldmann (Buch-Nr. 25013)
Science Fiction, Taschenbuch
ISBN 9783442250134
Originaltitel: Voices (1994)
Erschienen: 1996
Uebersetzer: Torsten Dewi
Titelbild: Design Team nach Fotos von Warner Brothers
Umfang: 285 Seiten

www.randomhouse.de

Wir schreiben das Jahr 2259. Es ist elf Jahre her, seit ein fürchterlicher Krieg zwischen der Erde und den Minbari tobte. Um den wackeligen Frieden aufrecht zu erhalten, erschafft man riesige Stationen im All, in denen die verschiedenen außerirdischen Völker mit der Menschheit – sozusagen auf neutralem Boden – zusammentreffen können. Babylon 5 ist eine dieser Stationen.

So weit die Ausgangsposition der zur Fernsehserie Babylon 5 erschienenen Taschenbuchreihe. In Tödliche Gedanken von John Vornholt sieht sich der neue Kommander der Station, John Sheridan (im TV: Bruce Boxleitner) und die ständige Telepathin von Babylon 5, Talia Winter, einer vierhundert Mann starken Abordnung des PSI-Corps ausgesetzt, die auf der Station eine Tagung abhalten wollen. Der ursprüngliche Tagungsort – ein Luxushotel auf dem Mars – fiel einem Bombenattentat zum Opfer und auch auf der Raumstation geschieht ein verheerender Anschlag. Als schließlich Talia Winter unter Verdacht gerät, beginnt ein Wettlauf zwischen den Mitgliedern des PSI-Corps und Garibaldi, dem Sicherheitschef der Station.

Bei der ersten Staffel der Fernsehserie schien es dem Zuschauer manchmal so, als wüssten die Macher nicht, ob sie den Filmen einen ernsthaften oder leicht humorvollen Charakter geben sollen, aber schließlich hat sich die TV-Serie doch noch gemausert. Hoch anzurechnen ist der Serie jedenfalls, das es endlich Außerirdische (die Schatten, die Vorlonen usw.) gibt, die nicht humanoid sind. Tricktechnisch sowieso keine Problem mehr, da können sich sogar von der Story her bessere Serien wie Star Trek – Next Generation eine Scheibe abschneiden.

Leider war schon vorher abzusehen, dass die Taschenbuchreihe von Babylon 5 nur die – schwache – Wiederholung der TV-Serie auf Papier bleibt, ohne sich nach dem Ende der Fernsehfolgen mit eigenen neuen Geschichten eine echte Existenzberechtigung erkämpfen zu können.

Copyright (C) 2008 by Werner Karl

Titel bei Amazon.de:
Babylon 5 Band 1: Tödliche Gedanken
Babylon 5 Band 2: Im Kreuzfeuer
Babylon 5 Band 3: Blutschwur

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Tödlicher Abgrund

Erstellt von Werner Karl am 22. November 2009

todlicher-abgrundJohn Vornholt
Tödlicher Abgrund
Earth 2  Band 3

(sfbentry)
Heyne (Buch-Nr. 10136)
Science Fiction, Taschenbuch
Allgemeine Reihe
ISBN 9783453119277
Umfang: 237 Seiten
Originaltitel: Earth 2: Leather Wings (1995)
Erschienen: 1996
Uebersetzer: Hans Sommer

www.heyne.de

Steven Spielberg ist längst zu einem Begriff geworden für spannende Unterhaltung, Abenteuer und phantastische Kinofilme. Aber allein auch sein Name genügt nicht, um eine Fernsehserie wie „EARTH 2“ am Leben zu erhalten, die nur eingefleischte Science-Fiction-Fans erwärmen konnte. Der Normalverbraucher – wenn er sich schon für utopische Geschichten interessiert – ist doch eher an Raumschlachten, Gemetzel mit irgendwelchen Aliens oder Märchen á la Krieg der Sterne gewöhnt.

Da tut es sich eine Serie schwer, die eine kleine Gruppe von Kolonisten als Protagonisten hat, die sich auf einem zwar erdähnlichen, aber von fremdartigen Lebewesen bevölkerten Planeten mit dem nackten Überleben herumschlägt. Feinfühlige Szenen, in denen die wortwörtliche „Erdverbundenheit“ dieser Wesen deutlich wird oder Folgen, in denen die zaghafte Annäherung der Handvoll Menschen an die fremde Spezies und deren Kultur und Lebensgewohnheiten gezeigt wurden, sind leider wohl für viele Action-verseuchte Endkonsumenten zu langweilig.

Sang- und klanglos wurde die Fernsehserie abgesetzt, dazu gerade noch zu einem Zeitpunkt der Geschichte, an dem die von Anfang an erfolgte Manipulation und der Missbrauch der Kolonisten durch die Regierung als Versuchskaninchen klarer wurde.

Mein Urteil zu „EARTH 2“: Im Fernsehen unterschätzt, als Taschenbuch ein Lichtstreif am Horizont für alle die wissen wollen, ob die Anführerin Devon, ihr Sohn Uly, der Pilot Alonzo, der Cyborg Yale, Danziger und all die anderen es schaffen, den vielen Gefahren – von der Erde, von den Einheimischen und dem Planeten – entrinnen und eine menschenwürdige Kolonie aufzubauen.

Wahrscheinlich kann es sich nur ein Verlag wie Heyne erlauben, nach einem Fernseh-Flop die Serie noch als Taschenbuchserie zu veröffentlichen. Spielberg, dem Verlag und uns (SF-Fans) hätte ein Erfolg der Serie sicher gefallen, aber nach läppischen 3 Taschenbüchern (Band 1 „Das Eden-Projekt“ 3453119266, Band 2 „Das unterirdische Labyrinth“ 3453119282, Band 3 „Tödlicher Abgrund“ 3453119274) war hier noch eher Schluss als im TV. In diesem Sinne: Ad Astra – Auf zu den Sternen…

Copyright (C) 2008 by Werner Karl

Titel bei Amazon.de:
Earth 2 Band 1: Das Eden-Projekt
Earth 2 Band 2: Das unterirdische Labyrinth
Earth 2 Band 3: Tödlicher Abgrund

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Tangenten

Erstellt von Werner Karl am 22. November 2009

tangentenGreg Bear
Tangenten

(sfbentry)
Heyne (Buch-Nr. 06/5663)
ISBN 9783453119512 
Science Fiction, Erzählungen, Taschenbuch
Originaltitel: Tangents
übersetzt von Andreas Irle und Peter Robert
Erscheinungsjahr 1997
Umfang: 301 Seiten

www.heyne.de

Jede Kunstgattung hat ihre eigenen Preise, und was für die Filmbranche der „Oscar“, ist für die Science-Fiction-Literatur der jährlich verliehene „Hugo“, eigentlich „Science-Fiction Achievement Award“, benannt nach dem Verleger und gebürtigen Luxemburger Hugo Gernsback, der 1926 in den USA das erste reine SF-Magazin herausbrachte. Solch einen Preis zu gewinnen, ist selbstverständlich für jeden SF-Autor ein Höhepunkt in seiner Karriere.

Einer, der es geschafft und auch verdient hat, ist der Amerikaner Greg Bear. Den „Hugo“ erhielt er für die Titelstory „Tangenten“ und den „Nebula Award“ für „Musik des Blutes“, beide Erzählungen in diesem Taschenbuch des Heyne-Verlages enthalten. Viele Kritiker halten die Story „Musik des Blutes“ überhaupt für die beste SF-Story der achtziger Jahre.

Doch auch die anderen Geschichten des Sammelbandes sind nicht ohne:
- Die Story von der vereinsamten Frau, die sich ihren Traummann zur Realität erträumt („Webster“).
- Die Story von den beiden Nazis, die sich in den Schlingen der Zeit verirren („Die Straße ins Nirgendwo“).
- Die Story von einer seltsamen Seuche, die innerhalb kürzester Zeit die Menschheit hinwegraffen könnte („Schrödingers Seuche“).

Diese und 5 weitere Geschichten stellen eine Unterhaltungsform dar, die viele Leser, den – manchmal überlangen – Romanen vorziehen. Vielleicht ist es auch der schnelle Wechsel von immer neuen Situationen, Gesellschaften und Welten, die Kurzgeschichten für viele so reizvoll machen. Doch auch im Romanbereich gibt Greg Bear Beispiele seines Könnens: „Äon“ Heyne 06/4433 und „Der Amboß der Sterne“ Heyne 06/5510 zählen zu den besten Romanen, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.

Copyright (C) 2008 by Werner Karl

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Tangenten

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Munchkin Quest

Erstellt von Günther Lietz am 22. November 2009

Bei Buch24.deMunchkin Quest
Das Munchkin-Brettspiel

(sfbentry)

Brettspiel von Pegasus Spiele
Spieldesign: Steve Jackson; Illustrationen: John Kovalic
Anzahl: 2-4 Personen
Alter: ab 12 Jahre
Dauer: ca. 180 min
Inhalt: Dungeonplättchen und ganz viel anderer Krimskrams
ISBN 978-3-939794-68-4

http://www.pegasus.de

Bereits die Munchkin-Kartenspiele erfreuen sich großer Beliebtheit, vor allem unter den Rollenspielern. Dort ist auch das Brettspiel „Hero Quest“ gut bekannt und mancherorts sogar Kult. „Munchkin-Quest“ verbindet nun die positiven Eigenschaften beider Spiele zu einem bunten Ganzen. Anstatt sich mittels Karten gegenseitig schlimme Dinge anzutun, geschieht dies nun mit Karten und Spielfiguren. Da kommt echte Freude auf.

Das Gewicht der quadratischen Packung ist enorm und bereits der Inhalt zeigt, was auf den stolzen Besitzer des Spiels zukommt: Bastelarbeit. Da müssen Marker aus der Pappe gedrückt, da wollen Stufenzählerscheibendinger zusammengesetzt, Monster befreit und schlussendlich niedliche Munchkin-Plastikfiguren liebevoll bewundert werden. Es gibt einen Haufen Krimskrams in der Schachtel, so das schnell der Überblick verloren geht. Es gibt zwar keine einzelnen Fächer oder Schachteln, aber Pegasus hat viele Zippobeutel beigelegt. Darin kann der ganze Krimskrams verstaut werden. Wer es schnell mag, der wirft einfach alles in die Schachtel und sortiert den ganzen Tag vor der abendlichen Partie. Es ist wirklich sehr viel Krimskrams in der Box!

So ein Spiel kann ganz schön lange dauern. Die Packung gibt einen Durchschnitt von drei Stunden für eine Partie an. Es kann schneller gehen. Bei voller Spieleranzahl – „Munchkin-Quest“ ist für zwei bis vier Leute ab zwölf Jahren ausgelegt – kann es aber auch länger dauern. Sind Neulinge dabei oder das Spiel ist noch unbekannt, kann es sehr viel länger dauern, bis eine Partie beendet wird. Das liegt vor allem an der etwas konfusen Anleitung.

Die Anleitung hat es nämlich in sich. Sie ist so groß wie die Schachtel und umfasst ganze vierundzwanzig Seiten. Schick illustriert und witzig aufbereitet, mit ebenso witzigen Sprüchen wie das Kartenspiel. Ironie ist Trumpf! Das Problem an der Sache ist leider, dass die Spielanleitung keine echte Struktur besitzt. Sich darin zurechtzufinden ist ein Kampf, nein, es ist ein Krampf. Bis die Spieler herausfinden wie das mit den Türen genau funktioniert oder wie genau ein Monsterzug abläuft, kann einiges an Zeit vergehen. Es kommt auch vor, dass der Spieler den passenden Regeltext findet, dieser aber auf eine andere Stelle in der Anleitung verweist. Und schon ist die ganze Truppe erneut am suchen. Das ist vor allem für Anfänger und Gelegenheitsspieler frustrierend.

Haben erst einmal alle verstanden wie das Spiel funktioniert, dann wird es etwas rasanter und auch spaßiger. Reihum agieren die Spieler. Sie ziehen Karten, decken Stück für Stück den Dungeon auf, rüsten ihren Munchkin mit aberwitzigen Dingen aus, bekämpfen böse Monster, spielen den anderen Leuten gemeine Streiche oder lassen sich gut dafür bezahlen, dass sie einem anderen Munchkin beistehen – oder ihm eins auf den Helm donnern. Das ist verdammt witzig, wobei der Witz vor allem auf ironischen und satirischen Elementen, sowie Schadenfreude basiert. Dadurch wird das Spiel vor allem für Rollenspieler oder Liebhaber der Munchkin-Kartenspiele unterhaltsam. Alle anderen Leute dürften die meisten der Späße kaum oder gar nicht verstehen. Und ohne den typischen Munchkin-Humor, macht das Spiel nur wenig Spaß.

Unter anderem liegt das auch an der Zufälligkeit des Spiels. Ziel ist es Stufe 10 zu erreichen. Die Stufe ist wichtig, um Monster zu bekämpfen. Diese werden ebenfalls zufällig ermittelt, da sie Bestandteil der unterschiedlichen Kartenstapel sind. Hat ein Spieler nun eine niedrige Stufe oder zu wenig passende Ausrüstung – die ebenfalls zufallsabhängig ist – vermöbelt ihn das Monster. Das kann vor allem zu Anfang des Spiel frustrieren. Ein wenig Abhilfe schafft es, im Vorfeld die Monster nach Stufen oder Stufengruppen zu sortieren, anstatt es vollkommen Fortuna zu überlassen, wann ein Monster auftaucht.

Im Gegensatz zu den Munchkins, wurden die Monster auf dicke Pappe gedruckt und werden in farbige Plastikständer gedrückt. Die Farben haben ebenfalls Auswirkungen auf das Spiel. Da nach jedem Spielerzug eine Monsterbewegung kommt und sich die Monster zu einem Mob zusammenschließe können, gibt es oft heftige Situationen und Kämpfe. Immerhin kann es nur einen Sieger geben.

Die Illustrationen der Karten und des Spiels wurden von John Kovalic angefertigt und sind im üblichen Munchkin-Stil gehalten. Dadurch wirkt das Spiel aus einem Guss und passt sich perfekt den Kartenspielen an. Vor allem der in den Motiven enthaltene Humor ist sehr gelungen, das gilt auch für die entsprechenden Kartentexte und Räumlichkeiten. Diese weisen nämlich meistens lustige Sonderregeln auf, die es zu beachten gilt.

Ohne den großen Zufallsfaktor im Spiel wäre mehr Taktik möglich und würde „Munchkin Quest“ weitere Bonuspunkte einfahren. So bleibt es ein lustiges Spiel, das sein spezielles Publikum braucht. Doch wer sich von der Thematik und dem Humor angesprochen fühlt, der ist mit dem Spiel genau richtig bedient. Also los und ran an die Schätze!

Copyright © 2009 by Günther Lietz

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Vortex – Zone der Verräter

Erstellt von Werner Karl am 22. November 2009

zone-der-verraterChris Bunch, Allan Cole
Vortex – Zone der Verräter
Die Sten-Chroniken  Band 7

(sfbentry)
Goldmann (Buch-Nr. 25006)
Science Fiction, Taschenbuch
ISBN 9783442250066
Originaltitel: Vortex (1992)
Erschienen: 1997
Uebersetzer: Gerlad Jung
Titelbild: Schlück/Harris/Arena
Umfang: 537 Seiten

www.randomhouse.de

Wie groß darf ein Reich oder ein Imperium sein, dass es noch effektiv am Leben erhalten werden kann? Je größer es ist, desto schwerer wird es, die Grenzen zu sichern, Nachschub an allen lebenswichtigen Gütern im Reich gerecht zu verteilen und Nachrichten in vertretbarer Zeit zu übermitteln. Wie schwierig oder ab einer gewissen Größe – wie unmöglich – es tatsächlich ist, haben wir in der Geschichte über das Römische Weltreich gelernt und in der Neuzeit durch den andauernden Zerfall der Sowjetunion hautnah miterlebt. Dass auch die militärische Knute nur einen Aufschub des unausweichlichen Unterganges bedeutet, dürfte ebenso aktuell zu beobachten sein.

Somit liegt es in der Natur eines Imperiums, eine Entwicklung zu durchlaufen, die es fraglich macht, ein Imperium überhaupt erst aufzubauen. Ein guter Satz in einem SF-Film über (moderne) Kriege lautete: „Die einzige Möglichkeit das Spiel (Atomkrieg) zu gewinnen, ist, es überhaupt nicht zu beginnen!“ Auch der Ewige Imperator – mit einem Alter von über 1.000 Jahren -, hat mit solchen Problemen in seinem gigantischen Planetenreich zu ringen. Trotz unglaublicher Hochtechnologie,

riesiger Raumflotten und den fürchterlichsten Waffen kann er nicht gegen die Zeit, die Entfernung und mangelnde Ressourcen ankämpfen. Und so bleibt es auch in Zukunft dabei: Ein Mann des Vertrauens – ein Held wie Sten – wird mit der Aufgabe betraut, in einem abfallenden Cluster des Reiches nach dem Rechten zu sehen und wenn möglich, das Unheil abzuwenden.

Doch Sten, gerade erst vom Imperator zum Botschafter der Sternengruppe ernannt, fasst langsam den Verdacht, dass es im Altaischen Sektor um ganz andere Dinge geht. Und im Hintergrund lauert eine Macht, die ihre eigenen Ziele verfolgt. Eines dieser Ziele ist der Tod Stens…

Die Folgen 1 bis 6 der Sten-Chroniken sind ebenfalls bei Goldmann als Taschenbücher unter den Nummern 25000 bis 25005 erschienen. Ein galaktisches Lesefutter nicht nur für den Urlaub.

Copyright (C) 2008 by Werner Karl

Titel bei Amazon.de:
Die Sten-Chroniken Band 1: Stern der Rebellen
Die Sten-Chroniken Band 2: Kreuzfeuer
Die Sten-Chroniken Band 3: Das Tahn-Kommando
Die Sten-Chroniken Band 4: Division der Verlorenen
Die Sten-Chroniken Band 5: Feindgebiet
Die Sten-Chroniken Band 6: Morituri, Die Todgeweihten
Die Sten-Chroniken Band 7: Vortex – Zone der Verräter

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Treueschwur

Erstellt von Werner Karl am 22. November 2009

treueschwur1Timothy Zahn
Treueschwur
Star Wars

(sfbentry)
Blanvalet Taschenbuch (Buch-Nr. 36980)
Science Fiction, Taschenbuch
ISBN 9783442369805
Originaltitel: Star Wars: Allegiance (2007)
Erschienen: 2008
Uebersetzer: Andreas Kasprzak
Titelbild: John Van Vleet
Umfang: 459 Seiten

www.blanvalet.de

Es sind nur wenige Wochen oder Monate vergangen, seit Luke Skywalker mit einem Robin-Hood-Schuss den ersten Todesstern des Imperiums zerstört hat, denn sein Freund Han Solo hat sich noch nicht entschlossen, sich wie Luke der Rebellion anzuschließen. Doch für die Rebellion wäre er ein idealer Zugewinn, denn für den Aufbau und die Sicherung der Nachschubwege gegen alle Feinde ist ein Schmuggler genau der Richtige. Und nicht nur das Imperium zählt zu den Feinden der Rebellen. Währenddessen gärt es innerhalb verschiedener Einheiten der Imperialen Sturmtruppen. Sie haben nicht nur dem Imperator Palpatin den Treueschwur geleistet, sondern vor allem auch den Bürgern des Imperiums.

Nach der Vernichtung des friedlichen Planeten Alderaan und mehreren Massakern an unschuldigen Zivilisten, welche die Militärführung jedoch als Rebellen bezeichnet hat, werden die Zweifel einiger Sturmtruppler übergroß. Als Daric LaRone und seine Kameraden dann auch noch von einem Agenten des ISB, des Imperialen Sicherheitsbüros, schikaniert werden, bringt dies das Fass zum Überlaufen. LaRone tötet den Agenten und flieht mit seinen 4 Kameraden durch ein Täuschungsmanöver an Bord eines ISB-Schiffes vom Sternenzerstörerer Reprisal. Die Deserteure fühlen sich aber immer noch an ihren Treueschwur gegenüber dem Imperium gebunden. Als sie auf einem abgelegenen Planeten Proviant und Treibstoff aufnehmen wollen, geraten sie in einen Überfall auf einen Trupp Farmer, welche sich ebenfalls frisch mit Ausrüstung versehen hatten. Doch die Farmer sind in Wahrheit getarnte Rebellen auf einer ihrer Nachschubmissionen. Kurzerhand ergreifen die Sturmtruppler Partei für die angeblichen Farmer und vernichten die angreifende Piratengang.

Auf einem weiteren Randplaneten befreien die Deserteure die örtliche Bevölkerung und die entmachteten regulären Polizeikräfte von korrupten Politikern und erneut Piraten der berüchtigten BloodScars. All diese Aktionen bleiben weder der Piratenführung, noch den Rebellen verborgen. Und auch das Imperium sucht nach den Deserteuren. Die „Hand des Imperators“, eine blutjunge Agentin, untersucht eigentlich das Erstarken der BloodScar-Piraten in diesem Raumsektor. Aber sie stößt auch auf Verbindungen zum Regierungspalast der Sektorverwaltung. Ist aus diesem Grund auch der Sith-Lord Darth Vader hier? Und wie hängt das alles mit den Rebellen und den Deserteuren zusammen?

Timothy Zahn knüpft hier gekonnt und souverän die Verbindungen zu vielen Passagen der bekannten Star-Wars-Filmreihe, in denen aus Gutem Böses entsteht und manchmal auch umgekehrt. Die Eliteeinheiten der Imperialen Sturmtruppen sind eben nicht nur Befehlsempfänger mit einprogrammierten Codes zum unbedingten Gehorsam bis hin zu Verrat, sondern echte Menschen. Und Menschen haben Gefühle und vor allem ein Gehirn, das sie doch ab und zu benutzen. So wie die Deserteure. Ein faszinierender Blick unter den Helm der gefürchteten Imperialen Sturmtruppen!

Bei den der Verlagsgruppe Ramdom House zugehörigen Teilverlage Heyne und blanvalet sind mittlerweile über 90 Romane aus dem Star-Wars-Universum erschienen. Sehr angenehm ist bei diesem Umfang eine Zeittafel am Anfang von „Treueschwur“, die einem die Orientierung enorm erleichtert. 459 Seiten erstklassige SF für alle nach mehr lechzenden Star-Wars-Fans und solche, die es – nicht zuletzt wegen solcher Romane – noch werden.

Copyright (C) 2008 by Werner Karl

Titel bei Amazon.de:
Treueschwur

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Tour de Franz

Erstellt von Detlef Hedderich am 20. November 2009

tour-de-franzCalla, Cécile
Tour de Franz

Mein Rendezvous mit den Deutschen
Verlag :      Ullstein Taschenbuch Verlag
ISBN :      978-3-548-26862-0
Einband :      Paperback
Preisinfo :      8,95 Eur[D] / 9,20 Eur[A] / 16,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Seiten/Umfang :      ca. 256 S.
Erschienen :      01.07.2009
Aus der Reihe :      Ullstein Taschenbuch
Ullstein Belletristik 26862

Titel bei buch24.de
Titel bei Amazon.de

Klappentext:
Eine Pariserin in Berlin: Als Cécile Calla des Jobs und der Liebe wegen von der Seine an die Spree zieht, ist die Verzweiflung groß. Im Land der Bratwürste und Frauenversteher ticken die Uhren anders als in der geliebten Heimat – das fängt schon mal damit an, dass ihr auf der Straße tatsächlich niemand hinterherpfeift. Mon dieu – unglaublisch! Cécile Calla geht den Geheimnissen des deutschen Alltags auf den Grund und räumt mit deutsch-französischen Missverständnissen auf – charmant, aufschlussreich und mit einem Augenzwinkern.

Pressestimmen:
Warum spricht die Autorin kein Mann an, wenn sie im Mini im Park sitzt?
Können denn deutsche Männer nur im betrunkenen Zustand flirten?
(…) Oft wird Verhalten mit Humor und an zahlreichen Beispielen beschrieben, bei denen man zuvor keine Unterschiede erwartet hatte. Als Leser erfährt man einiges über Denkweise und Gewohnheiten mancher Franzosen und vielleicht noch mehr mancher Deutschen. Die Autorin beschreibt bspw., dass Aperitif trinken für Franzosen ein geliebtes und vielfältiges Ritual darstellt, während der Deutsche dieses Ritual kaum versteht, mit Aperitif eher ein Extraglas Alkohol verbindet und eigentlich lieber Bier trinkt. Auch die von der Autorin geschilderten Erfahrungen beim Flirten lassen erkennen, dass an manchen Stellen “die Uhren anders” gehen. Man kann entnehmen, dass Nuancen und Eigenheiten in der Mentalität trotz Globalisierung erhalten sind.(…) (Amazon.de)

Besprechung:
Cécile Calla, die Berlin-Korrespondentin für den “Le Monde”, ging in ihrem neuesten Buch den Gewohnheiten des deutschen Alltags herzerfrischend witzig auf den Grund. Natürlich ist dieser Titel keine Weltliteratur sondern einfach nur eine witzige Abgleichung zwischen den Verhaltensweisen und Gewohnheiten von Deutschen und Franzosen. “Mein Rendezvous mit den Deutschen” will einfach nur die Zeit vertreiben und das schafft es in Perfektion. Ein Buch das sich so leicht lesen lässt, dass es sich als perfekte, lockere Urlaubslektüre anbietet, die man immer mal wieder zwischendurch goutieren kann.

Ein lustig geschriebenes Buch, das jede Menge neue Einsichten liefert und großen Spaß beim Lesen hervorruft, die man am besten aus der Sich einer Ausländerin über die Deutschen im Alltag und die Franzosen in Frankreich erfährt. Empfehlenswert und ein unbedingtes Muss für den nächsten Urlaub.
Detlef Hedderich

Copyright (C) 2009 by Detlef Hedderich

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Die geheimnisvolle Insel

Erstellt von Michael Drewniok am 20. November 2009

verne-insel-coverJules Verne
Die geheimnisvolle Insel

Originaltitel: L’Ile mystérieuse (Paris : Pierre-Jules Hetzel 1874/75; Bd. I: L’lle mystérieuse. Les Naufragés d’air; Bd. II: L’lle mystérieuse. L’Abandonné; Bd. III: L’lle mystérieuse. Le Secret de L’île)
Dt. Erstausgabe (in drei Bänden): 1878 (A. Hartleben’s Verlag/Collection Verne 14-16)
Übersetzung: N. N.
287/294/270 S.
[keine ISBN]
Diese Ausgabe: Juli 2007(Bastei-Lübbe-Verlag/Allgemeine Reihe Nr. 15709)
Übersetzung: N. N.
668 S.
ISBN 13: 978-3-404-15709-9

Das geschieht:

Im März des Jahres 1865 ist Richmond im US-Staat Virginia die Hauptstadt der konföderierten Südstaaten, die im Bürgerkrieg mit der Union des Nordens liegen. Fünf Männer hat das Schicksal erst in Gefangenschaft geraten lassen und dort zusammengeführt. Cyrus Smith, Offizier der Nordstaaten-Armee und als Ingenieur ein Genie, Gideon Spilett, Journalist und Kriegsberichterstatter, Pencroff, ein Seemann, Harbert Brown, sein 15-jähriger Ziehsohn, und Nab, Smith‘ schwarzer Diener, planen die Flucht in einem Gasballon, den die Konföderierten für einen Kriegseinsatz startbereit halten.

Die kühne Tat gelingt, doch ein heftiger Orkan hält den Ballon in seiner Gewalt und treibt ihn in fünf Tagen fast 7000 Meilen fort. Irgendwo über dem Pazifik reißt die Hülle, sämtliche Fracht muss abgeworfen werden. Kurz vor der Küste einer unbekannten Insel stürzt der lecke Ballon ins Wasser. Spilett, Pencroff, Harbert und Nab können sich retten, doch Smith sowie der im letzten Augenblick in die Gondel gesprungene Hund Top gehen in der stürmischen See verloren.

Ohne Nahrung, Werkzeug und Waffen sind die Flüchtlinge gestrandet. Der praktische Pencroff organisiert den Notstand, doch aufwärts geht es mit der kleinen Gesellschaft erst, als Smith ohne einen Kratzer an einem weit entfernten Strand gefunden wird. Wie er sich retten konnte, weiß er nicht. Sofort macht er sich mit großem Einfallsreichtum über die natürlichen Schätze der Insel her, richtet eine Töpferei, eine Schmiede und sogar ein Labor ein.

Allmählich beginnt man sich häuslich einzurichten. Danach beginnt man die Insel zu erkunden. Eine Kette mysteriöser Ereignisse bestätigt, was die Gestrandeten vermuten: Sie sind nicht allein, und wer die Insel mit ihnen teilt, verfügt über außergewöhnliche, schier übermenschliche Fähigkeiten …

Original und Fortsetzung in einem Buch

Wer sich hinter dem großen Unbekannten verbirgt, ist natürlich eine Überraschung, die sich Verfasser Verne für den Schlussteil seines monumentalen Romans aufspart. Leider ist die Wahrung dieses Geheimnisses im Rahmen einer Buchbesprechung kaum möglich; die ‘Schuld’ lässt sich glücklicherweise auf voreilige Rezensenten-Kollegen abwälzen, die schon vor vielen Jahren den Mund nicht halten konnten oder wollten. Seien wir außerdem ehrlich: Wer sonst könnte denn gemeint sein, wenn wir überall dort, wo über “Die geheimnisvolle Insel” geschrieben wird, die Information folgt, dass dieser Roman die Quasi-Fortsetzung des Verne-Bestsellers “20.000 Meilen unter dem Meer” (“Vingt mille lieues sous les mers”, 1869/70) ist? Also: Kapitän Nemo ist keineswegs mit dem Hightech-U-Boot “Nautilus” in einem ozeanischen Strudel versunken, sondern hat die Weltmeere viele weitere Jahre unsicher gemacht, bis er nunmehr auf der geheimnisvollen Insel – die ihre Bewohner übrigens auf den Namen “Lincoln-Insel” taufen – endgültig vor Anker gegangen ist. (Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass “Die geheimnisvolle Insel” außerdem die Handlung von “Die Kinder des Kapitäns Grant”/”Les enfants du captaine Grant”, 1867/68, aufgreift.)

Bis Nemo die Szene spektakulär persönlich betritt, sehen sich unsere fünf Helden wider Willen vor allem mit dem Kampf gegen die Natur beschäftigt. “Die geheimnisvolle Insel” ist vor allem in seinem ersten Teil eine Robinsonade: Der moderne Mensch strandet in der Wildnis, in der er nicht unbedingt seinen Platz finden möchte, sondern die er sich unterwerfen ‘muss’. Verne geht einen Schritt weiter als Daniel Defoe – er versäumt nicht, uns daran zu erinnern -, denn seine Schiffbrüchigen betreten ihre neue Heimat nur mit ihren Kleidern auf dem Leib. Kein Wrack mit Werkzeugen, Waffen, Büchern u. a. Grüßen der Zivilisation wird mit ihnen an den Strand geworfen. Nur auf ihr Wissen und ihre Hände können sie sich verlassen – und das ist nach Verne völlig ausreichend: “Der ‘wissende’ Mensch siegt noch immer über die Verhältnisse, wenn andere nur mühsam dahinvegetieren und unvermeidlich untergehen.” (S. 192)

Lektüre für Leser mit Zeit

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ist eine Sturm-und-Drang-Zeit für Naturwissenschaft und Technik. Die letzten Geheimnisse der Natur scheinen kurz vor ihrer Lösung zu stehen. Cyrus Smith ist die Verkörperung dieser Ära. Er bedient sich der Ressourcen, die ihm die Insel bietet. Mit schierer Geisteskraft meistert und zähmt er die zunächst fremde, unheimliche und feindliche Umwelt, die ihm vor allem eine natürliche Schatzkammer ist, deren Inhalt sich mit den nötigen Kenntnissen leicht nutzen lässt.

Viele Seiten füllen die ausführlichen Beschreibungen seiner einfallsreichen Taten: ein deutlicher Hinweis darauf, dass “Die geheimnisvolle Insel” kein Buch für die SMS-Generation ist. Als es veröffentlicht wurde, gab es weder Fernsehen noch Internet oder andere multimediale Ablenkungen. Die Menschen hatten Zeit genug, sich den Feierabend mit seitenstarker Lektüre zu versüßen. “Die geheimnisvolle Insel” erschien ursprünglich in drei Teilbänden.

Der Leser dieser Neuauflage sollte sich deshalb auf 700 eng bedruckte Seiten einstellen, die über weite Passagen eher Stimmung als Action bieten. Verne hat und nimmt sich Zeit, die Insellandschaft detailliert zu beschreiben. Legendär ist sein gewaltiger Karteikasten, in dem er das Wissen seiner Zeit katalogisierte. So war er, der kaum reiste, in der Lage, sich kenntnisreich über die Fauna Feuerlands, die Wetterbedingungen in Sibirien oder das Alltagsleben der Maoris auf Neuguinea auszulassen. Das tat er gern und ausgiebig, worüber schon mancher zeitgenössische Leser leise gestöhnt haben mag. Auch “Die geheimnisvolle Insel” gleicht immer wieder einem Seminar mit geologisch-geografisch-astronomisch-mathematisch-geschichtlich-zoologischer Ausrichtung. Der wahre Verne-Fan kennt und liebt freilich diese Exkurse, zumal sie aus wissenschaftlicher Sicht heute oft überholt sind und deshalb recht kurios klingen.

Kein Stein bleibt auf dem anderen

Folgt die “Geheimnisvolle Insel” überhaupt einen Plot? Das ist eine gerechtfertigte Frage, die indes bejaht werden kann. Allerdings sieht Verne keine Veranlassung, sich krampfhaft an einem roten Faden festzuhalten. Immer wieder streut er Nebengeschichten, Anekdoten und selbstverständlich wissenschaftliche Vorträge ins Geschehen ein, das dennoch eine Zielrichtung kennt. Schließlich hatte sich Verne nicht umsonst die Mühe gemacht, höchstpersönlich eine sehr präzise Karte seines fiktiven Eilands zu zeichnen, so dass er stets wusste, wo sich Freunde, Fremde & Feinde dort tummelten. Und im Finale macht Verne keine Kompromisse – hier zeigt er seinen Nägel beißenden Lesern, dass er dramatische Szenen zu meistern versteht!

Lange Zeit galt Jules Verne als hundertprozentiger Apologet des Fortschritts. Wissen ist Macht und wird Licht in die Schattenseiten des Menschenlebens bringen, so lautete angeblich sein Credo. Nur allmählich wurde deutlich, dass Verne diese Meinung nicht uneingeschränkt und später gar nicht mehr vertrat. Im Alterswerk, das deshalb längst nicht so beliebt wie die klassischen Verne-Reiseabenteuer, äußert er sich düster und depressiv über die geistige Reifung des Menschen.

Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings schon der jüngere Verne ganz und gar nicht als naiver Gutmensch. Kapitän Nemo legte in “20.000 Meilen unter dem Meer” einen ausgeprägten Menschenhass an den Tag. In “Die Geheimnisvolle Insel” erfahren wir, dass er gute Gründe dafür vorbringen kann. Doch er hat längst resigniert; sein Handeln hat nichts bewirkt.

Auch die Domestizierung der Lincoln-Insel stellt sich als Hirngespinst heraus: Ein Vulkanausbruch vernichtet, was die Gestrandeten sich geschaffen haben. Sie verlassen ihr Paradies, wie sie es betreten haben: mit leeren Händen. Tand ist das Gebild‘ von Menschenhand – Jules Verne ist sich dieser Tatsache Zeit seines Lebens bewusst gewesen.

Individualisten bilden die ideale Gruppe

Die Hauptfiguren der “Geheimnisvollen Insel” wurden von Verne sorgfältig gezeichnet. Jede steht für bestimmte charakterliche und intellektuelle Eigenschaften, ist gleichzeitig Individuum und Teamspieler. Cyrus Smith ist das Gehirn der Gruppe, ein wandelndes Lexikon seiner Zeit, doch gleichzeitig ein Mann der Tat, der das Erlernte praktisch anzuwenden weiß. Gideon ist einerseits sein Stellvertreter, der das Genie des Anführers respektiert, ihm intellektuell annähernd ebenbürtig ist und an den Smith deshalb delegieren kann. Außerdem ist Spilett der Chronist der Gruppe: Wissen, das nicht fixiert wird, gerät in Vergessenheit; ein Fehler, den sich der moderne Mensch nicht gestatten darf!

Pencroff repräsentiert den einfachen Mann aus dem Volk, der sich auf einem gewissen Niveau stets zu helfen weiß und bereit ist sich unterzuordnen. Smith’ Anweisung stellt er nie in Frage, sondern befolgt sie aufs Wort, obwohl sich der große Meister (aus dramaturgischen Gründen) gern in bedeutsames Schweigen hüllt. Bedingungslos unterwirft sich der schwarzhäutige Nab seinem ‘Herrn’. Natürlich ist Smith – auch in moralischer Hinsicht ein beispielhafter Vertreter seiner Ära – strikt gegen die Sklaverei. Nab ist sein Diener und fast sein Freund – fast, denn so weit, den “Neger” als völlig gleichberechtigtes Mitglied der Gruppe zu etablieren, will oder kann Verne nicht gehen. Nab ist von schlichtem Gemüt und einfach im Denken. Berücksichtigt man die zeitgenössische Sicht, behandelt ihn Verne dennoch erstaunlich fair. (Nur manchmal liest man Kurioses: “Das Feuer wird wieder entzündet, und die beiden Köche – Nab als Neger und Pencroff als Seemann von Natur dazu bestimmt – bereiteten hurtig einen … Braten.” – S. 124)

Die Augen auf ein Ziel gerichtet

Der junge Harbert bildet das Bindeglied zwischen ‘Hirn’ (Smith, Spilett) und ‘Hand’ (Pencroff, Nab). Er steht für den ‘neuen’ Menschen, der sich dank der Möglichkeiten seiner Zeit bereits ein profundes Wissen angeeignet hat, obwohl er ‘nur’ der Sohn eines Kapitäns und ein Waisenkind ist. Es gilt ihn zu formen und ihn zu lehren, wie er dieses Wissen einzusetzen hat. (Das scheint außerdem gegen pubertäre Aufwallungen zu helfen; Harbert ist ein geradezu unheimlich strebsamer, höflicher und gehorsamer junger Mann …)

Weil man sich so vortrefflich ergänzt, gibt es auch keine Konflikte innerhalb der Gruppe: “Jeder der Kolonisten suchte sich seinen Teil der Arbeit, und nie ruhten die fleißigen Hände. Welch guter Gesundheit erfreuten sich dabei alle, und mit welch köstlichem Humor würzten sie sich die länger werdenden Abende und entwarfen dabei tausend Projekte für die Zukunft!” (S. 597) Verne war kein naiver Mensch, und in vielen Romanen ist Streit ein wichtiges Element der Handlung. In “Die geheimnisvolle Insel” gehört er nicht zum Drehbuch. Hier lässt Verne die Stimme der Vernunft obsiegen: Der wahrhaft kluge Mann zieht mit seinen Gefährten an einem Strang, wenn das Ziel dies lohnt

Nemo tritt nur auf den letzten Seiten auf. Dennoch ist er ständig präsent und sogar  verantwortlich dafür, dass die Gestrandeten ihr Abenteuer mit heiler Haut überstehen. Er ist am Ende seines seltsamen Weges angekommen, und das zelebriert Verne mit einem Pathos, das uns heutzutage dick aufgetragen dünkt. Die Wiederkehr Nemos zeigt den Verfasser übrigens als Profi seiner Zunft, denn sie dürfte jene Leser, die sein Untertauchen im Finale von “20.000 Meilen unter dem Meer” unzufrieden zurückgelassen hatte, zum Kauf der “Geheimnisvollen Insel” verleitet haben. Leider übertreibt es Verne, als er Nemo seine Lebensgeschichte erzählen lässt. Der Herr der “Nautilus” wird zum Menschen – manches Geheimnis bleibt besser ungelüftet!

Ein Klassiker auch in anderen Medien

“Die geheimnisvolle Insel” gehört wie schon erwähnt zu den klassischen Werken des Jules Verne. Jedes Medium hat die Geschichte gern aufgegriffen. Es gibt Comics, Hörbücher oder Hörspiele. Selbstverständlich wurde der Roman für Kino und Fernsehen verfilmt – dies gleich mehrfach. Ein erster Film entstand (sehr, sehr frei nach der Romanvorlage) bereits 1929. Als besonders authentisch gilt die sechsteilige TV-Serie von 1973, in der Omar Sharif den Kapitän Nemo mimte. Seine ganz eigenen Klassikerstatus genießt der Film “Mysterious Island” (Regie: Cy Enfield) von 1961: Ray Harryhausen, der Magier des Stop Motion-Kinos, reicherte die Story mit zahlreichen fabelhaften Spezialeffekten (Riesenbienen, -krabben, -vögel, -Tintenfische etc.) an. Mit Patrick Stewart in der Nemo-Rolle wurde 2005 ein mit CGI-Effekten ähnlich spektakulärer TV-Zweiteiler gedreht.

Die geheimnisvolle Geschichte unseres Inselgarns

“Die geheimnisvolle Insel” gehört zum ‘Verne-Kanon’, d. h. zu jenen Werken, die seit immer wieder aufgelegt werden. Leider ist es schwer bzw. beinahe unmöglich, diese in werktreuen Übersetzungen zu lesen. Schon die französischen Originalausgaben wurden von Vernes langjährigem ‘Hausverleger’ Pierre-Jules Hetzel so ‘bearbeitet’, wie es der Publikumsgeschmack angeblich erforderte. Abenteuer und Wissensvermittlung sollten möglichst nicht durch kritische Worte, philosophische Erörterungen oder sonstige unpopuläre Einschübe ‘verdorben’ werden. Noch schlimmer trieb es später Vernes Sohn Michel, der ganze Passagen in den Büchern des Vaters neu schrieb und dessen Intentionen nicht selten ins Gegenteil verkehrte. (Die faszinierende aber auch traurige Geschichte des Privatmanns und Schriftstellers Jules Verne erzählt Volker Dehs in seiner fabelhaften, leider vergriffenen Verne-Biografie, die 2005 im Verlag Artemis & Winkler erschien und auf die hier mit Nachdruck hingewiesen sei.)

Verne galt zudem und fälschlicherweise als Verfasser von Jugendbüchern. Folglich ‘durften’ seine Texte gekürzt, ‘bereinigt’ und anderweitig manipuliert werden. In Deutschland kursieren seit mehr als einem Jahrhundert diverse Fassungen der “Geheimnisvollen Insel”, von denen keine auf dem ursprünglichen Manuskript basiert. Auch die “überarbeitete Neuauflage” des Bastei-Lübbe-Verlags ist nur eine “Insel”-Fassung, die sich (wieder einmal) an der deutschen Ausgabe des Verlags A. Hartleben von 1878 orientiert.

Leider fehlen in dieser aktuellen Ausgabe die 154 schönen Stiche des Illustrators Jules Descartes Férat (1819-1889), die sehr zum nostalgischen Charme des Romans beitragen. Im Gegenzug wird das umfangreiche Werk erstaunlich kostengünstig feilgeboten, was über die genannten Kritikpunkte einigermaßen hinwegtröstet.

Autor

Jules Verne (1828-1905): ein unermüdlicher Geschichtenerzähler mit der seltenen Gabe, Unterhaltung und Information so zu mischen, dass daraus Literaturklassiker entstanden, die von ihren Lesern heiß geliebt werden – und das seit anderthalb Jahrhunderten. Die sprudelnde Fantasie dieses Mannes ließ ihn zu einem der Väter der Science Fiction werden, was man indes nicht überbewerten sollte: Verne kannte dieses Genre nicht und hätte es wohl kaum geschätzt. Er wollte seinen Lesern die die große Welt mit Feder und Tinte erschließen.

Seine “Voyages extraordinaires” (die zur geheimnisvollen Insel ist übrigens deren zwölfer Band) begründeten die Verehrung, die Jules Verne bis heute genießt. Sie repräsentieren den Verne der frühen Jahre, den Optimisten, der die Hymne auf den menschlichen Forschergeist sang, der jedes Hindernis aus dem Weg räumen kann: Das ist sein Credo. Es sollte sich in späteren Jahren ins Pessimistische verkehren.

Jules Verne ist im Internet erwartungsgemäß außerordentlich präsent. Als Einstieg sei auf die (deutsche) Website “Andreas Fehrmann’s Collection Jules Verne” verwiesen, die über Leben und Werk fast verschwenderisch ausführlich und prächtig bebildert informiert. (Infos über “Die geheimnisvolle Insel” lassen sich hier direkt ansteuern.)

[md]

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