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Archiv für Januar 31st, 2010

Star Trek – Next Generation: Widerstand

Erstellt von Michael Drewniok am 31. Januar 2010

dillard-star-trek-ng-widerstand-coverJ. M. Dillard
Star Trek – The Next Generation: Widerstand

Originaltitel: Resistance (New York : Pocket Books 2007)
Dt. Erstausgabe: November 2009 (Cross-Cult Verlag/Star Trek – The Next Generation 2)
Übersetzung: Bernd Perplies
Cover: Tom Hallman
277 S.
ISBN-13: 978-3-941248-62-5

Das geschieht:

Endlich ist die „Enterprise“, das Flaggschiff der Föderation, nach langwieriger Reparatur der Schäden, die es im Kampf gegen den Usurpatoren Shinzon davongetragen hat, wieder startbereit. Auch die neue Besatzung ist vollständig. Die erste Reise ist eine Friedensmission und gilt als Routine-Unternehmen.

Captain Jean-Luc Picard kämpft mit dem Fortgang der meisten Senior-Offiziere, die gleichzeitig seine Freunde waren. Data ist tot, und gerade hat sich ein offenkundig seelisch angeschlagener Worf geweigert, die Position des 1. Offiziers zu übernehmen, die Picard ihm angetragen hatte. Gern würde der enttäuschte Captain den verschlossenen Klingonen vom Counselor aushorchen lassen, doch auch Deanna Troy hat die „Enterprise“ verlassen. Die Vulkanierin T’Lana soll sie ersetzen – und sie lehnt Worf mit unvulkanischer Deutlichkeit ab.

Sein größtes Problem hält Picard sorgfältig geheim: Seit einiger Zeit plagen ihn Albträume oder Visionen, in denen die Borg ihn, der einst als „Locutus“ in ihr Kollektiv assimiliert war, zu kontaktieren versuchen. Spätestens seit ihnen Captain (jetzt Admiral) Janeway im Delta-Quadranten eine vernichtende Niederlage bereiten und ihre Königin töten konnte, gelten die Borg als zerstreut und gefahrlos. Offensichtlich konnten sie sich neu konsolidieren, und nun richtet sich ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Alpha-Quadranten.

Mit seinem Verdacht steht Picard allein. Trotzdem bricht er die Friedensmission eigenmächtig ab und fliegt dorthin, wo tatsächlich die Borg nicht nur an einem gewaltigen Kubus arbeiten, sondern auch eine neue Königin heranzüchten, um anschließend rachedurstig über die Erde herzufallen …

„Next Generation“ 3.0

Schon wieder die Borg und ihre auf Captain Picard zwangsfixierte S/M-Queen? Was nach dem Willen des „Star-Trek“-Franchises für Freude, Spannung und gesteigerte Kauflust bei den Trekkies sorgen soll, lässt den nicht am Nasenring vom „ST“-Marketing geführten Leser die Stirn runzeln. Leider nicht zu Unrecht. Aus dem großen „Nemesis“-Knall, der es 2002 implodieren und beinahe enden ließ, hat das Franchise offenbar nicht wirklich seine Lehren gezogen. Im Film gelang inzwischen der Neustart, aber dort wurde ein radikaler Schnitt gewagt, der auf dem Buchmarkt ausblieb. Hier sollen diejenigen Trekkies aufgefangen werden, denen J. J. Abrams mit dem „Star Trek“-Spielfilm von 2009 zu weit ging.

Dabei wurde der Relaunch der „Next Generation“ generalstabsmäßig geplant. Dem gescheiterten „Nemesis“-Film folgte keine eigenständigen und separaten Abenteuer. Stattdessen erhielt die „NG“ eine achte Serienstaffel. Das hatte mit „Deep Space Nine“ gut funktioniert und wurde deshalb wiederholt. Ab 2005 entstand eine Folge von „NG“-Romanen, die sich zwar unabhängig voneinander lesen lassen, aber inhaltlich einem roten Faden folgen.

Gemächlich statt abenteuerlich

Das Konzept wirkt narrensicher: Anders als in Kino oder Fernsehen können Romanautoren problemlos auf Figuren zurückgreifen, deren Auftritte als Schauspieler viel zu teuer kämen. Da die Trekkies ihre bekannten Figuren lieben, wimmelt die neue „NG“-‚Serie‘ förmlich von ihnen. Die Autoren mussten sich nicht auf das „NG“-Universum beschränken. Crossover mit den anderen „ST“-Serien sind deshalb an der Tagesordnung. In „Widerstand“ bleibt es noch beim Namedropping – Data-Surrogat B-4 hat einen Gastauftritt, Admiral Janeway meldet sich über Funk und kündigt Seven of Nine an, selbst Katze Spot schleicht durch die Gänge –, aber das wird sich mit dem Fortschreiten der übergreifenden Handlung ändern.

Kühl kalkuliert strich das Franchise diverse „NG“-Hauptfiguren, um mit ihnen weitere Buchserien zu bevölkern; das Verfahren ähnelt der Anlage einer Pflanzung durch Ableger. So durchstreifen William Riker und Deanna Troy das All nunmehr an Bord der „Titan“; entsprechende Romane lassen sich käuflich erwerben.

Die Lücken werden mit neuen Figuren gefüllt. Sie sind jünger und müssen das aufwendige Procedere des Einlebens an Bord hinter sich bringen. Wieder einmal soll eine vulkanische Schönheit in allerlei emotionalen Verwicklungen keimfreie „ST“-Erotik generieren – geschenkt! Für weitere Seifenoper-Elemente sorgen private Traumata, die der Handlung in möglichst hohen Dosen beigemischt werden. Das drosselt das Tempo und zieht das Geschehen in die Länge. Außerdem liebt es ein nicht geringer Teil des „ST“-Publikums, wenn ihre Lieblinge im Netz zwischenmenschlicher Probleme zappeln; das gibt der Zukunft angeblich ein ‚menschliches‘ Gesicht und schafft Freiräume, in die emotional eher auf den Traum als auf die Tat setzende Leser/innen eigene Sehnsüchte & Sorgen projizieren können.

Die Furcht vor dem Neuen

Sind schon diese schaumigen Einlagen viel zu bekannt, kann auch der eigentliche Plot nicht begeistern. Richtig gute Bösewichte glänzen im „ST“-Universum schon lange durch Abwesenheit. Deshalb werden die alten Schurken wieder und wieder hervorgekramt. Die Borg waren einst ein guter Einfall. In einem Nachwort erzählt Julian Wangler ihre „ST“-Geschichte. Schon dabei wird freilich deutlich, wie das Franchise seit jeher von der Angst vor der eigenen Courage gebremst wird: Ursprünglich war das Borg-Konzept deutlich radikaler. Es wurde durch die Schöpfung der Borg-Queen verwässert. Aus gleichgeschalteten, geschlechtsneutralen, emotionsfreien und erschreckend fremdartigen Geschöpfen wurden die Drohnen einer diktatorischen, macht- und menschenmännergeilen Königin.

Auf diese Weise sollten die Borg dem Massengeschmack angeglichen werden. Tatsächlich verloren sie ihre eiskalte Bedrohlichkeit. Mit „Widerstand“ geht J. M. Dillard im Auftrag des Franchises einen Schritt weiter: Die von Picard und Janeway zweifach gekillte Borg-Queen reinkarniert und wirft sämtliche Assimilierungs-Gewohnheiten über den Haufen. Stattdessen steht Rache auf dem Programm: Die Borg tanzen nach der Pfeife einer Königin, die nur noch Menschen morden und vernichten will. Was der Bedrohung auf eine neue Ebene hieven soll, gibt den Borg den Rest: Sie degenerieren zu Allerwelts-Finsterlingen.

Dazu passt eine ebenfalls wiedergekäute „Enterprise“-Handlung. Picard wird wieder Locutus, seine Gefährten ringen geschockt die Hände, die Queen benimmt sich wie eine betrogene Geliebte. Das kennen wir, und der Aufguss ist keineswegs stärker. Klischee reiht sich an Klischee. Nur Dillards intime Kenntnis der „NG“-Historie rettet die lahme Geschichte über die volle Distanz: Nein, auch im zweiten Band ihrer neuen Abenteuer nimmt die „NG“-„Enterprise“ nicht wirklich Fahrt auf! Darüber trösten auch die gute Übersetzung der deutschen Ausgabe und die ungewöhnliche Cover-Gestaltung nicht hinweg.

Autorin

J. M. Dillard ist das Pseudonym der Schriftstellerin Jeanne Kalogridis, die am 17. Dezember 1954 im US-Staat Florida geboren wurde. An der University of South Florida studierte sie Mikrobiologie und Russische Literatur. Ab 1976 arbeitete sie zwei Jahre als Sekretärin, bevor sie für ein Studium der Sprachwissenschaft an die Universität zurückkehrte. Anschließend ging Kalegridis nach Washington und lehrte acht Jahre Englisch an der American University.

Sie gabe ihre Stellung auf, nachdem ihre parallel verfolgte Laufbahn als Schriftstellerin so gut Fahrt aufgenommen hatte, dass Kalegridis freie Autorin werden konnte. Zunächst verdingte sie sich als „J. M. Dillard“ in den Minen der „tie-in“-Industrie und produzierte Romane zu Filmen und Fernseh-Serien. Dabei spezialisierte sie sich auf das „Star-Trek“-Universum. Für das Franchise schrieb sie nicht nur für sämtliche Serien, sondern verfasste auch die Romane zu den Kinofilmen „Star Trek“ V bis X. Ihre Beiträge beschränken sich nicht auf die genaue Kenntnis der „Star-Trek“-‚Fakten‘ und schriftstellerische Routine. Deshalb gehören Dillard-Romane zu den lesenswerteren Franchise-Buchprodukten.

Unter ihrem Geburtsnamen veröffentlichte Kalogridis zwischen 1994 und 1996 eine Chronik der Familie Dracul, die lose auf Bram Stokers Horror-Klassiker „Dracula“ basiert. Ebenfalls unter ihrem richtigen Namen schrieb Kalegridis ab 2001 Historienromane. Sie verbinden Fakten mit Schmalz und sind sehr umfangreich, sodass sie eine große, vorwiegend weibliche Leserschaft finden. (3xPRT)

[md]

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Dawn Song

Erstellt von Werner Karl am 31. Januar 2010

dawn-songMichael Marano
Dawn Song

Originaltitel: Dawn Song (1998)
Aus dem amerikanischen Englisch von Eva Bauche-Eppers
Berlin: Suhrkamp Verlag 2010
Suhrkamp Taschenbuch 4139
Umfang: 570 Seiten
ISBN 9783518461396

www.suhrkamp.de

Dawn Song ist der erste Roman einer neuen Reihe im Suhrkamp Verlag, die sich “Newgothic” nennt und von Dietmar Dath herausgegeben wird, der auch ein kenntnisreiches Vorwort geschrieben hat über Michael Maranos bisher einzigen Roman, für den der us-amerikanische Autor immerhin den Bram Stoker Award und den International Horror Guild Award verliehen bekommen hat. Dabei hinterlässt Dawn Song einen durchaus ambivalenten Eindruck beim Leser. Während Vorwortschreiber Dath berechtigterweise auf die herausragenden stilistischen Fertigkeiten des Autors hinweist, packt einen bei längerer Lektüre des Werks doch etwas Befremden darüber, dass es dem Buch nicht gelingt, eine Geschichte kontinuierlich zu erzählen und den Leser damit zu fesseln.

Was daran liegt, dass der Autor ständig hin und her springt zwischen verschiedenen Protagonisten, deren großes Manko es ist, dass sie flach und wenig überzeugend geraten sind, da sie vom Autor ohne Gefühlswelt oder nachvollziehbare Motivationen erschaffen werden. Einzige Ausnahme ist der junge homosexuelle Buchverkäufer Lawrence, dem man gerne länger und öfter folgen würde. Statt dessen sieht sich der Leser aber immer wieder mit anderen Handlungsschauplätzen konfrontiert, bei denen es Marano zwar auf Grund seiner formidablen stilistischen Fertigkeiten gelingt für Atmosphäre zu sorgen, die aber bald nicht mehr darüber hinweg täuschen, dass die Handlung kaum noch voran schreitet, die hier erzählte Geschichte nicht wirklich ansprechen, packend oder gar interessant und frappierend ist. Statt dessen geistern verschiedene Menschen und auch übernatürliche Wesen durch eine unterkühlte us-amerikanische Großstadt (in diesem Fall Boston) des Jahres 1990, beseelt von dämonischen Aufträgen und/oder der Suche nach dem finalen Lebensglück oder -unglück.

Dass Michael Marano dies mit Meisterhand dem Leser so verkauft, dass dieser geblendet wird von der Wortgewalt des Autors, spricht zweifellos für den brillanten Stilisten, was aber gegen ihn spricht, ist die Auswalzung der nicht besonders innovativen Geschichte auf über 500 Seiten. Hätte der Autor die gleiche Handlung kurz und knackig auf ca. 250 Seiten eingedampft und seine wunderbaren stilistischen Kunstgriffe hier zielgerichtet eingesetzt, so hätte ein absolutes Meisterwerk entstehen können. So bleibt der Eindruck verschenkter Möglichkeiten, wie bei einem toll hergerichteten und superb verpackten Geschenk, welches sich beim Entblättern als profanes Stück Durchschnittsseife entpuppt. Schade eigentlich, denn dass der Autor schreiben kann wie nur wenige seiner Kollegen, wird ihm niemand absprechen können. Dass dies aber wirklich alleine ausreicht, um den Leser durch die 570 Seiten zu tragen, darf bezweifelt werden.

Aus literarischer Sicht erscheint Dawn Song unbedingt lesenswert, was aber seinen Unterhaltungswert betrifft, da scheiden sich sicherlich die Geister. Trotzdem ist zu hoffen, dass sich die neue Reihe mit niveauvoller Phantastik am Markt etablieren kann, denn seitdem Suhrkamp seine Phantastische Bibliothek eingestellt hat, fehlt ein solches Format leider völlig in Deutschland und wird schwerlich vermisst.

Copyright © 2009 by Gunther Barnewald  
 
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Dawn Song

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