Buchrezicenter.de

neuauflage

Archiv für Februar, 2010

Das Loch

Erstellt von Michael Drewniok am 26. Februar 2010

giovanni-loch-cover-brcJosé Giovanni
Das Loch

(sfbentry)
Originaltitel: Le trou (Paris : Gallimard 1962)
Übersetzung: Bernhard Kempner
Deutsche Erstausgabe: 1962 (Scherz Verlag/Die Schwarzen Kriminalromane Nr. 176)
191 S.
[keine ISBN]

Das geschieht:

„Das Loch“ – so nennen die sechs Männer ihre Zelle 11/6 im Pariser „Prison de la Santé“. Eng ist es hier, kalt, feucht und schmutzig. Der Gefängnisalltag ist eintönig und streng reglementiert, die Wärter sind abgestumpft und nach Ansicht der Gefangenen oft unnötig brutal.

Manu Borelli kommt nach einem missglückten Ausbruch ins Santé. Schon bei der Ankunft kreisen seine Gedanken um eine neue Flucht. In den Zellengenossen sieht er vor allem potenzielle Bundesgenossen. Die Chancen stehen gut: Roland Darbant gilt als notorischer Ausbrecher. Georges Cassid ist ein alter Bekannter, der kürzlich bei einem Fluchtversuch niedergeschossen wurde. Roland Vosselin, genannt „Hochwürden“, und Maurice Willman sind alte Knastveteranen, die es auch in die Freiheit und zu ihren Frauen zieht. Jean Jarinc ist ein Großmaul, aber er wird kurze Zeit später verlegt.

Rasch ist man sich einig. Bei einem Unternehmer, der billig im Gefängnis fertigen lässt, bestellt man Kartonage-Bögen, die einen großen Teil des Zellenbodens abdecken. Darunter bricht man mit organisiertem und improvisiertem Werkzeug die Betondecke zum Kriechgang unter dem Zellenblock durch. Dadurch erhält man Zugang zu den riesigen Kellergewölben, durch die sich praktisch jeder Punkt des Gefängniskomplexes erreichen lässt. Ein mannshohes Abflussrohr wird als möglicher Durchstich zur Freiheit gewählt. Zwar wurde es mit einem Betonklotz gesichert, doch die Wand der Rohres ist morsch: Man kann sich um das Hindernis herum graben!

Die Arbeit ist hart und gefährlich. Mehrfach ereignen sich Unfälle, die knapp glimpflich ausgehen. Zudem entwickelt sich der Ausbruch zu einem Wettlauf mit der Zeit: Die Gefängnisaufseher sind misstrauisch. Sie wissen nichts über die Vorgänge in Zelle 11/6, doch sie beginnen etwas zu ahnen. Der Druck auf die Männer wächst. Wird ihm jemand nachgeben …?

Mit fiebern ist mit entkommen

Die große Flucht aus dem eigentlich ausbruchssicheren Gefängnis – eine Geschichte, die auch der gesetzestreue Zeitgenosse seltsamerweise immer wieder gern verfolgt. Es geht nicht darum, dass es Verbrecher sind, die sich ihren Weg in die Freiheit bahnen. Die Story selbst ist es, die in ihren Bann zieht: Da sind Menschen, die einem mächtigen System scheinbar hilflos ausgeliefert sind. Sie werden ständig kontrolliert, beobachtet; im Grunde bleibt ihnen gar nichts übrig als sich zu beugen. Und doch triumphiert der Wille frei zu sein. Unter unsäglichen Mühen und mit unerhörtem Einfallsreichtum werden Fluchtwerkzeuge improvisiert, Wächter getäuscht, Tunnel gegraben. Ja, es sind Kriminelle, die sich hier aktiv zeigen – Autor Giovanni spricht es mehrfach deutlich an –, aber dies vergessen wir rasch. Stattdessen hoffen und bangen wir mit den Ausbrechern.

José Giovanni spielt in „Das Loch“ virtuos mit dieser Ambivalenz. Er schreibt einen Gefängnis-Roman auf mehreren Ebenen. Da ist der eigentliche Ausbruch, eine höchst verwickelte, von zahlreichen Zwischenfällen erschwerte Angelegenheit, die den Leser tüchtig Fingernägel beißen lässt. Einfachste Utensilien werden umfunktioniert und in den Dienst der Sache gesetzt. Man kann nur staunen, was sich beispielsweise mit einer einfachen Schnur anstellen lässt. Vor allem wirken diese steinzeitähnlichen Werkzeugkonstruktionen ungemein realistisch. Kein Wunder, denn „Das Loch“ ist auch die halb dokumentarische Schilderung des Alltags in einem französischen Gefängnis um 1960. Der Autor kannte diesen zur Genüge, er war als langjähriger Insasse bis ins Detail mit dem fast zeremoniellen Einerlei vertraut, der den Tagesablauf im Knast prägt. Auch als Ausbrecher hat er sich (vergeblich) versucht.

Eine fremde Welt tut sich auf. 6000 Gefangene werden nicht bestraft im Sinne von Buße mit anschließender Rehabilitierung, sondern weggeschlossen und verwahrt. Das Santé ist heillos überbelegt, die sanitären Verhältnisse schreien zum Himmel. In den Zellen sind die Männer allein mit ihren Ängsten und sexuellen Nöten – und mit ihrer Langeweile. Die Wächter sind überfordert und ausgebrannt, mechanisch erledigen sie ihren Dienst oder reagieren ihre Frustration an den Gefangenen ab. Dann gibt es noch Anwälte und die Gefängnisleitung, die indes nur größere Teile einer veralteten Justiz-Maschinerie sind, die völlig isoliert von der Außenwelt und ohne echten Zweck zu funktionieren scheint.

Ausnahmezustand als Alltag

Das Individuum ist nichts im Santé. Die Zellengemeinschaft stellt die Grundfeste dar. Schon aufgrund der ständigen Überbelegung ist es wichtig miteinander auszukommen. Dafür gibt es eigene, recht komplizierte Regeln, die Giovanni in die Handlung einfließen lässt. Man ist nicht befreundet, aber man steckt zusammen im „Loch“ und hat zusammenzuhalten gegen die Wärter und die Anwälte. Wer die Regeln nicht begreift oder gegen sie verstößt ist wie Jean Jarinc isoliert. Die Buschtrommeln funktionieren im Gefängnis ausgezeichnet. Manu Borelli weiß schon eine Menge über die Männer, die er in Zelle 6/11 treffen wird.

Giovanni begnügt sich nicht mit einer typischen „Männer-unter-sich“-Geschichte. Roland Darbant ist nie Clint Eastwood, der nur die „Flucht von Alcatraz“ personifiziert. Darbant ist ein Mensch mit entsprechenden Bedürfnissen, seinen Gefährten ergeht es ebenso. Für sie ist der Ausbruch kein sportliches Unternehmen, kein Wettbewerb mit dem System, sondern nichts als der Weg nach „draußen“, wohin es sie zieht, obwohl sie dort – welche Ironie! – weitaus weniger stark verwurzelt sind als im Knast. Im Grunde sind Darbant und Co. verdammt. Ihr Ausbruch muss misslingen, das wird bei der Lektüre rasch deutlich. Irgendwo ist der Wurm drin, schon bevor wir vom Verräter erfahren.

Der ist (sein Name bleibt hier natürlich unerwähnt) die tragische Figur der Geschichte. Er hat dem Druck nicht mehr standgehalten, hat resigniert und die Todsünde begangen zu „singen“. Der Kodex hinter Gittern mag nicht viele Kapitel besitzen, aber die Verschwiegenheit gegenüber dem „Feind“ mit der Schlüsselgewalt steht an oberster Stelle. Der Verräter kann vielleicht mit Verständnis, mit Nachsicht aber niemals rechnen. Von nun an ist er allein, schrecklich allein: Sollte ihn das Schicksal noch einmal in ein Gefängnis verschlagen, wird man dort Bescheid wissen.

Autor

José Giovanni geboren am 22. Juni 1923 in Paris, hatte wahrlich ein aufregendes Leben. Den jungen Mann zog es in die Alpen, wo er u. a. als Hotelangestellter, Holzfäller und Bergführer arbeitete. Seine Ortskenntnis ließ ihn während des II. Weltkriegs zum begehrten Kandidaten für den französischen Widerstand werden. Später kehrte er nach Paris zurück, wo er sich in der schwierigen Nachkriegszeit als Gangster versuchte. Bei einem missglückten Einbruch gab es mehrere Tote. Obwohl nachweislich unbewaffnet wurde Giovanni zum Tode verurteilt und erst nach mehreren Monaten zu einer zehnjährigen Gefängnisstrafe begnadigt.

In dieser Zeit begann er mit dem Schreiben. „Le Trou“ (dt. „Das Loch“), die Geschichte eines minuziös geplanten Gefängnisausbruchs, in die der Autor eigene Knasterfahrungen einfließen ließ, wurde vom Regisseur Jacques Becker als Drehbuch angekauft und 1960 sehr erfolgreich verfilmt (Die Rolle des Roland Darbant übernahm Jean Keraudy, ein bekannter Ausbrecher und Zellengenosse Giovannis.) Der Ex-Sträfling fand Geschmack an der Arbeit im Film, schrieb weitere Drehbücher. 33 wurden es insgesamt, darunter Klassiker wie „Classe tous Risques“ („Der Panther wird gejagt“, 1959), „Les Aventuriers“ („Die Abenteurer“, 1966) oder „Les Clans des Siciliens“ („Der Clan der Sizilianer“, 1969) sowie Szenarien und Dialoge. 1966 inszenierte er mit „La Loi des Survivants“ („Rache ist nicht nur ein Wort“) seinen ersten Film, der bereits typisch Abenteuer mit Melancholie mischt: Ihrer – oft kriminellen – Vergangenheit können seine gebrochenen Helden – Einzelgänger, Außenseiter – niemals entfliehen.

15 Kino- und fünf TV-Filme inszenierte Giovanni bis 2001, wobei er mit den Großen des französischen Film drehte: Jean Gabin („Deux Hommes dans la Ville“; dt. „Endstation Schafott“, 1973), Lino Ventura („Le Ruffian“ ; dt. „Der Rammbock“, 1982), Alain Delon („Le Gitan“ ; dt. „Der Zigeuner“, 1969), Jean-Paul Belmondo („La Scoumoune“; dt. „Der Mann aus Marseille“, 1972). Daneben veröffentlichte er zwanzig Kriminalromane, die wiederum oft als Vorlage für seine Filme dienten, und zwei Autobiografien. Seit 1969 lebte er mit seiner Familie recht abgeschieden in den Bergen des Schweizer Kantons Wallis. Die letzten Lebensjahre wurden durch gesundheitliche Probleme überschattet, doch Giovanni blieb als Autor bis zuletzt aktiv. Nach einer Hirnblutung ist Josè Giovanni am 24. April 2004 im schweizerischen Lausanne gestorben.

[md]

Titel bei Amazon.de

Abgelegt unter Belletristik, Krimi & Thriller | Keine Kommentare »

Drei Blutige Erzählungen

Erstellt von Werner Karl am 26. Februar 2010

drei-blutige-erzahlungenScott Ciencin
Silent Hill 1: Drei Blutige Erzählungen

Silent Hill: Three bloody Tales, USA, 2005
Panini Comics, Stuttgart, 05/2006
PB, Comic, Horror
ISBN 9783833213922
Aus dem Amerikanischen von Anja Heppelmann
Titelillustration von Ashley Wood
Zeichnungen von Shaun Thomas, Nick Stakal u. a.

www.paninicomics.de
www.fantasticfiction.co.uk/c/scott-ciencin/
www.ashleywoodartist.com/
www.nickstakal.com/

„Unter Verdammten“ findet sich ein Soldat wieder, der schwer an der Schuld zu tragen hat, dass seine Kameraden für ihn gestorben sind, und sich eigentlich das Leben nehmen wollte – doch dann findet er in „Silent Hill“ eine neue Aufgabe. In „Schwarzmalerei“ kommt ein Maler auf der Suche nach Inspiration nach „Silent Hill“. Sein Schaffensrausch währt nur solange, bis eine Gruppe recht untypischer Cheerleader eintrifft. „Der grinsende Mann“ schließlich stellt den letzten Fall eines Polizisten kurz vor seiner Pensionierung dar, der diesen nach „Silent Hill“ führt – wo sich ein eher negativer Charakterzug des Polizisten als seine Rettung erweist.

Die drei vorliegenden Erzählungen sind jeweils in sich abgeschlossene Episoden, die in „Silent Hill“ spielen, einer abgelegenen Stadt, die jedem anders erscheint und jedem Menschen seine eigenen Dämonen vor Augen führt. Während einige Motive immer wieder auftauchen – so die deformierten, oft blutüberströmten und mit Tentakeln versehenen Bestien, die Menschen und auch Tiere auf grausame Art parodieren –, unterscheiden sich die Szenarien ansonsten deutlich.

Auch die Bildsprache wechselt von den ersten beiden, von Shaun Thomas gezeichneten Erzählungen hin zur letzten Geschichte, in der Nick Stakal sehr kantige Formen und durchgehend düstere Farben ohne Akzente wählt. Nichtsdestotrotz üben alle drei Erzählungen eine gewisse Faszination auf den Leser bzw. Betrachter aus. Die surrealen Bilder, in denen vieles nur angedeutet wird, passen sehr gut zu den albtraumhaften, trostlosen Szenarien, in die die Protagonisten geraten.

Inhaltlich ist insbesondere die erste Geschichte nicht leicht zu verstehen – wie in einem Albtraum findet man immer wieder Brüche und verwirrende Einzelheiten, deren Bedeutung sich erst später erschließt. Trotz der teilweise verwirrenden Geschichten ist diese Comic-Sammlung aufgrund der eindrücklichen Bilder eine faszinierende Lektüre, wenn auch nichts für schwache Nerven. Die drei Erzählungen entführen den Leser in eine albtraumhafte Welt, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Copyright © 2010 by Andrea Tillmanns

Titel bei Amazon.de:
Silent Hill 1: Drei Blutige Erzählungen

Abgelegt unter Comic & Manga, Horror | Keine Kommentare »

Black Rain

Erstellt von Werner Karl am 26. Februar 2010

black-rainGraham Brown
Black Rain

(sfbentry)
USA, 2009
blanvalet-Verlag, München, 1. Auflage: 12/2009
TB, Mystery-Thriller 37384
ISBN 9783442373840
Aus dem Amerikanischen von Fred Kinzel
Titelgestaltung von HildenDesign, München

www.blanvalet.de
www.hildendesign.de

Danielle Laidlaw arbeitet für das NRI, eine äußerst spezielle Abteilung, die im Geheimen für die Regierung tätig ist. Das NRI sucht neue Technologien und bedient sich dabei nicht immer legaler Mittel. Danielle und ihr Mentor Arnold Moore befinden sich in der Nähe des Amazonas-Regenwaldes. Dort haben sie eine Spur entdeckt, die zu Kristallen führen soll, die kalte Fusion erzeugen können. Dies würde saubere, bezahlbare Energieerzeugung bedeuten. Ein Team ist schon in den Regenwald geschickt worden. Nachdem dieses spurlos verschwand, stellen Danielle und Moore eine neue Gruppe zusammen. Mitten in den Vorbereitungen wird Moore ins Hauptquartier zurückberufen. Danielle obliegt nun die Leitung des Unternehmens. Doch sie ist nicht alleine auf ihrer Jagd nach den geheimnisvollen Kristallen.

Richard Kaufmann, ein Geschäftsmann, dessen Firma Millionen verdient, in dem er funktionstüchtige Technik liefert, die für Waffensysteme verwendet werden, klinkt sich ebenfalls in dieses Unternehmen ein. Dabei schreckt er weder vor Spionage noch vor Erpressung oder Mord zurück. Er will den Wettlauf gegen seine Konkurrenz gewinnen. Als ob das alles nicht schon schlimm genug wäre, scheinen noch geheimnisvolle, bösartige Wesen im Regenwald zu existieren. Diese töten alles, was nur in die Nähe der Steine kommen will. Die Wissenschaftler um Danielle Laidlaw geraten in ein tödliches Abenteuer, denn die Kreaturen, die hinter den schrecklichen Ereignissen stecken, gönnen der Menschheit keine Zukunft. Das Forscherteam wird gnadenlos gehetzt und muss um sein Überleben kämpfen.

Graham Brown ist mit diesem Thriller ein atemberaubendes Abenteuer gelungen, das seinesgleichen sucht. Langsam führt er seine Protagonisten in die ‚Grüne Hölle’ des Amazonas’. Er vereint geschichtliche Fakten und Fantasy-Elemente gekonnt. Daraus entsteht eine unglaublich spannende und mitreißende Geschichte. Die einzelnen Personen werden nach und nach vorgestellt und bestimmen den Lauf der weiteren Handlung. Dabei fügt er immer wieder geschichtliche oder wissenschaftliche Fakten hinzu. So kann keine Langeweile aufkommen.

Da ist z. B Danielle Laidlaw, die ihr erstes Unternehmen ohne ihren Mentor Arnold Moore leitet. Sie ist mutig, klug sportlich, schön und geht Risiken ein. Michael McCarter ist als Archäologieprofessor und Kenner der Mayakultur von unschätzbarem Wert für das Team. Dazu kommt noch ein Söldnertrupp, ein Pilot, sowie eine Studentin die McCarter in den Urwald folgt. Alle haben ihre eigenen vorgeschobenen Gründe, um mitzumachen. Nach und nach erfährt der gespannte Leser, warum sich die einzelnen Mitglieder wirklich entschlossen haben, bei dieser Expedition mitzumachen. Dafür gibt es viele Gründe: Langeweile, Forscherdrang oder eine alte Rechnung, die beglichen werden will.

Das Cover wird von einem grün pulsierenden Energieelement geziert. Dieses hebt sich von dem dunklen Untergrund sehr gut ab. Es wirkt durch die giftgrüne Farbe gefährlich und signalisiert: Achtung, nichts für schwache Nerven! Dem Autor ist ein spannendes Abenteuer gelungen, das mit intelligenten Wendungen nicht spart. Wer Thriller mit gut recherchiertem Hintergrundwissen und fantastischen Elementen mag, wie z. B. „Der Schwarm“, ist hier gut aufgehoben. Leser von 14 bis 88 Jahren werden an dieser Story ihre helle Freude haben.

Copyright © 2010 Petra Weddehage (PW)
 
Titel bei Amazon.de:
Black Rain

Abgelegt unter Krimi & Thriller, Mystery | Keine Kommentare »

Nergals Hand

Erstellt von Werner Karl am 25. Februar 2010

nergals-handTimothy Truman, Roy Thomás
Conan 11: Nergals Hand

Conan 47 – 50, USA, 2008, Conan the Barbarian 30, USA, 1973
Panini Comics, Stuttgart, 11/2009
PB mit Klappbroschur, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat auf Kunstdruckpapier
Fantasy
ISBN 9783866077331
Aus dem Amerikanischen von Michael Strittmatter
Titelillustration von Tomas Giorello
Zeichnungen von Tomas Giorello, John Buscema, Ernie Chan,
Farben von J. D. Mettler, José Villarrubia & Glynis Wein

www.paninicomics.de
www.ttruman.com/
http://lambiek.net/artists/g/giorello_tomas.htm
http://pages.ca.inter.net/~owenandsusan/
www.erniechan.com

Seit den späten 1960er Jahren gibt es Comic-Adaptionen von „Conan“, dem Archetyp des barbarischen Fantasy-Helden. Einige Künstler wie John Buscema sind durch diese erst bekannt und berühmt geworden, viele Geschichten gelten heute als Comic-Klassiker und werden immer wieder gerne aufgelegt. Dabei werden nicht immer nur die klassischen Geschichten von Robert E. Howard nacherzählt; die Autoren und Künstler erweitern das hyborische Zeitalter auch um eigene Interpretationen von unvollendeten Geschichten und Fragmenten oder gar reinen Andeutungen.

„Nergals Hand“ beruht auf einer Kurzgeschichte, die Robert E. Howard selbst nicht mehr zu Ende geschrieben hat. Später vollendete Lin Carter die Geschichte zwar mit seiner eigenen Interpretation, aber sie bot natürlich auch den Comic-Autoren einen interessanten Ansatz. So kann man die klassische Geschichte von Roy Thomas und John Buscema aus dem Jahre 1973 ebenso lesen wie die Neuinterpretation von Timothy Truman und Tomas Giorello. Müde von seinen Abenteuern in den fernen Ländern der Welt, wendet sich der Cimmerier langsam nach Norden. Er will wieder in seine Heimat zurückkehren, um neue Kraft zu schöpfen. Doch auch das kostet Geld, und er lässt sich als Söldner anwerben. Derweil schmieden ein schurkischer Prinz und ein Magier einen teuflischen Plan. Um die Macht über das Nachbarreich zu erhalten, will er die Prinzessin und Erbin abfangen und zu seiner Frau machen, und der Zauberer soll ihm dabei helfen. Der aber hat derweil schon ganz andere Absichten.

An anderer Stelle ist das Mädchen Iniri auf der Suche nach Conan, um ihm etwas wiederzugeben. Ihr Weg kreuzt den der Prinzessin, die noch nichts von dem drohenden Verhängnis ahnt. Diese lässt sie eine Weile mit sich reisen und schenkt ihr aus Mitleid einen Umhang. Und so kommt es zu einer folgenschweren Verwechslung, als der Tross überfallen wird. Conan findet die Prinzessin, und das Schicksal nimmt seinen Lauf, denn einerseits will er wissen, was Inari für ihn hat, und zum anderen sind ihm schwarze Magier und Priester ein Gräuel …

„Nergals Hand“ ist in beiden Variationen ein klassisches Sword & Sorcery Abenteuer, in dem die Grenzen klar abgesteckt sind. Auf der einen Seite steht der aufrechte und ehrliche Barbarenkrieger, auf der anderen der verschlagene und hinterhältige Magier, der mit den Mächten der Finsternis im Bunde steht, seinen Verbündeten betrügt und schließlich die schöne Jungfrau opfern will. Der Ausgang ist klar, auch wenn die Variation von Timothy Truman und Tomas Giorello wesentlich ausführlicher ist und auch den Nebenfiguren ein wenig Raum zur Entfaltung gibt. Interessant ist die Gegenüberstellung allemal, denn beide Geschichten können sich auf ihre Art und Weise sehen lassen, während die ältere alles sehr knapp erzählt und auf die Action reduziert, lernt man in der neuen Variante die Figuren mehr schätzen und lieben. Und sie flechten auch eine Figur ein, die Conan eigentlich tot wähnte und schlagen so einen Bogen zu früheren Abenteuern.

Auf jeden Fall kommen vor allem die Fans von Action geladenen Geschichten auf ihre Kosten. Conan wird in unzählige Kämpfe verwickelt und darf sich unheimlichen Gefahren stellen. Nur auf wenigen Doppelseiten geht es etwas ruhiger zu. Der klare und oft sehr detailreiche Zeichenstil passt zu den Ereignissen, auch die düsteren Farben sind angemessen. Und da macht es nichts, dass die Geschichte eigentlich recht vorhersehbar ist. „Nergals Hand“ dürfte damit allen Fans der Sword & Sorcery gefallen, die nicht nur Conans Abenteuer schätzen, sondern auch einmal sehen wollen, wie sich die Darstellung seiner Erlebnisse im Lauf der Zeit gewandelt haben (2xPRT)

Copyright © 2010 by Christel Scheja

Titel bei Amazon.de:
Conan 11: Nergals Hand

BEENDETES BÜCHERPREISRÄTSEL:
.
www.buchrezicenter.de veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels am Telefon* gestellt haben, die richtig beantwortet werden mussten.
.
Die jeweiligen Gewinne wurden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt!
.
Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Und bedanken uns auch bei unseren Mitspielern für Ihr reges Interesse!
.
Gewinner der Preisrätseltitel:
.
1.Thomas Dommasch
2.Sabine Klück
.
Der Rechtsweg war wie immer ausgeschlossen!
* Telefongebühren des Anrufers gehen immer zu Lasten des Anrufers. Bitte informieren Sie sich über die ortsüblichen aktuellen Kosten bei Ihrem Telekommunikationsanbieter!

Abgelegt unter Comic & Manga, Fantasy | Keine Kommentare »

Das Eulentor

Erstellt von Werner Karl am 25. Februar 2010

das-eulentorAndreas Gruber
Das Eulentor

Allgemeine Reihe Band 1
BLITZ-Verlag, Windeck, 11/2007
HC mit Schutzumschlag, Mystery/Horror
ISBN 9783898402736
Umschlaggestaltung und Illustration von Mark Freier

www.BLITZ-Verlag.de
www.agruber.com
www.freierstein.de

Der 1968 in Wien geborene Andreas Gruber lebt heute zusammen mit seiner Familie im niederösterreichischen Grillenberg. Er hat schon einige phantastische Romane veröffentlicht, die wie viele Werke Lovecrafts der düsteren Phantastik angehören und das Übernatürliche mit der Wissenschaft verbinden.

Im Winter 1911 reist eine aus dem deutschen Kartographen Hansen, dem Expeditionsleiter Berger und einer Handvoll Norwegern bestehende Mannschaft per Schiff in den hohen Norden, um die Grenzen der Arktis zu erkunden. Das Wagnis fordert schnell Opfer. Einer nach dem anderen stirbt durch die erbarmungslose Kälte, stürzt in bodenlose Gletscherspalten oder verschwindet in den heftigen Eisstürmen, welche die zerklüftete Landschaft aus Schnee und gefrorenem Wasser durchziehen.

Doch noch sind die Deutschen nicht bereit, den Kampf aufzugeben. Sie wollen die Kartografierung der Arktis zu Ende bringen. Kurz bevor es nicht mehr weiter geht, machen sie im ewigen Eis jedoch eine folgenschwere Entdeckung. Sie finden einen Schacht, der keinen Boden zu besitzen scheint und schnurgerade nach unten führt. Außerdem ist sein Umfang ein Vielfaches der Zahl Pi. Sie markieren den Ort und kehren zurück, als die Witterungsverhältnisse wieder besser sind. Dank neuer Geldgeber beginnen sie, den Schacht zu erforschen und wundern sich, dass er irgendwann nicht mehr den physikalischen Gesetzmäßigkeiten zu entsprechen scheint. Und schließlich drängt sich der Verdacht auf, dass ihn weder Menschen noch die Natur geschaffen haben können. Doch als sie dem Geheimnis auf die Spur kommen, schlägt das Grauen gnadenlos zu.

Man merkt schon, dass Andreas Gruber mit seinem Roman Lovecraft’schen Traditionen folgt. Die Schilderungen erinnern an ähnliche Schilderungen des amerikanischen Autors aus der Antarktis, in denen er auch die Kälte und Einsamkeit, die Bösartigkeit der Natur und das unheimliche Wesen der Entdeckung hervorhob. Gruber nimmt sich sehr viel Zeit, die zentralen Figuren einzuführen und die Expeditionsteilnehmer zu dezimieren. Dabei bleiben trotz aller Beschreibungen selbst die Hauptpersonen sehr blass. Der phantastische Anteil der Geschichte ist eher gering und kommt erst zum Ende des Bandes hin zum Tragen.

Der Roman besitzt ohne Zweifel Atmosphäre, leider aber auch Längen, da das Buch am Anfang überhaupt nicht in die Gänge kommt und erst ab der Mitte in der Spannung und im Tempo anzieht Auch das Ende kommt nicht ganz so überraschend, wie man es sich erhofft, da es doch mehr eingefahrenen Mustern folgt. Wer Lovecraft mag, der wird auch „Das Eulentor“ genießen können. Allerdings sollte man keine all zu großen Ansprüche an Spannung und Charaktertiefe haben; beides findet man hier leider nicht.

Copyright © 2010 Petra Weddehage (PW)
 
Titel bei Amazon.de:
Das Eulentor

Abgelegt unter Horror, Mystery | Keine Kommentare »

Der Tote im Tower

Erstellt von Michael Drewniok am 24. Februar 2010

carr-towerJohn Dickson Carr
Der Tote im Tower

(sfbentry)
Originaltitel: The Mad Hatter Mystery (New York : Harper & Brothers)
Übersetzung: Marianne Bechhaus Gerst u. Thomas Gerst
Deutsche Erstausgabe: 1988 (DuMont Verlag/DuMonts Kriminalbibliothek 1014)
285 S.
ISBN-13: 978-3-7701-2070 3
Neuauflage: Juni 2003 (DuMont Verlag/DuMonts Kriminalbibliothek 1014)
285 S.
ISBN-13: 978-3-8321-2070-2

Das geschieht:

In diesen Märztagen der noch jungen 1930er Jahre treibt in London der „Verrückte Hutmacher“ sein Unwesen: ein seltsamer Dieb, der Polizeihelme, Zylinder und andere Kopfbedeckungen an sich nimmt, um sie an möglichst auffälliger Stelle auszustellen. Da primär Respektspersonen attackiert werden, ist das Interesse der Medien groß. Vor allem für den jungen Reporter Philip Driscoll wird die Jagd auf den Hutmacher zum persönlichen Anliegen. Er will Karriere machen in seinem Job, denn Ansehen und Verdienst sind ihm wichtig, um endlich vor seinem Onkel Sir William Bitton, dem reichen Ex-Politiker und Sammler seltener Bücher, bestehen zu können.

Der liebt seinen Neffen eigentlich wie einen Sohn, hat ihn das aber als echter Mann nie spüren lassen. Nun ist es zu spät, denn Philip ist tot: Man findet ihn unterhalb von Traitor’s Gate im Tower von London, der alten Festung an der Themse. Er trägt Golfkleidung, auf dem Kopf einen Zylinder Sir Williams, und ein Armbrustpfeil ragt aus seiner Brust.

Chief Inspector Hadley erkennt, dass die Polizei hier Unterstützung benötigt. Er ruft seinen alten Freund Dr. Gideon Fell zu Hilfe. Der Gelehrte und Amateurdetektiv ist interessiert, gibt sich aber ungewöhnlich abgelenkt, als im Tower die Ermittlungen beginnen. General Mason, der Festungskommandant, ist wenig erbaut von der unerfreulichen Publicity. Die Bittons verbergen etwas, so viel wird bald klar, und Discoll ist zu seinem Pech dahintergekommen. Nun bekommt es der Mörder mit dem ungleich gewitzteren Dr. Fell zu tun. Das lässt ihn nervös werden, und nervöse Mörder pflegen wieder zu töten …

Seltsame Morde an unheimlichen Orten

Der Tower von London bildet die wuchtige Kulisse dieses lupenrein klassischen Rätsel-Krimis. Die alte Festung, die sowohl Palast als auch Gefängnis für Hochverräter war und als Aufenthaltsort der Kronjuwelen im Mittelpunkt vieler Filmthriller stand, ist der ideale Ort für einen typischen John-Dickson-Carr-Krimi. Vergangenheit und Gegenwart gehen ineinander über, und das Unheimliche zeigt sich in perfekter Synthese mit dem Realistischen.

Mit ungebremstem Spieltrieb wirft sich der Verfasser auf seine Geschichte. Keinen Augenblick verschwendet er auf die Frage, wie realistisch das Geschehen sich darstellt. Der Mord an einem allzu neugierigen Journalisten wird ungemein altmodisch mit einem Armbrustpfeil verübt, der aber nicht abgeschossen, sondern wie ein Dolch eingesetzt wird – und sich dann als schnödes Reiseandenken entpuppt.

Falsche Fährten, der Verdacht übernatürlicher und auch sonst logisch nicht nachvollziehbare Ereignisse – welcher Verbrecher würde wohl so verschroben agieren wie der „Hutmacher“? –, skurrile Verdächtige, die ins skizzierte Ambiente passen, als Dreh- und Angelpunkt des Dramas ein verschollenes Manuskript vom Großmeister des Grauens Edgar Allan Poe himself: Was partout nicht zusammenzugehören scheint, fügt sich zu einem wendungsreichen, mit Überraschungen (und schwarzem Humor) niemals geizenden Spektakel, das ohne Längen in einem Finale mündet, das Gideon Fell wieder einmal als Hüter des Rationalen zeigt.

Dicker Mann mit scharfem Verstand

Wobei dieser Dr. Fell hart an der Fähigkeit arbeitet, seine Mitmenschen durch seine Impertinenz zur Weißglut zu bringen. Während Inspector Hadley sich auf die Ermittlungen stürzt, scheint Fell durch geistige Abwesenheit zu glänzen. Statt sich einzumischen und kluge Fragen zu stellen, spielt er lieber mit dem Festungshund, treibt sich an völlig unwichtigen Orten des Towers herum und stellt Fragen, welche die Befragten mindestens irritiert zurücklassen.

Dies ist natürlich reine Täuschung. Tatsächlich sieht Fell dort Licht, wo weniger Begabte im Schatten verharren müssen. Sein seltsames Gebaren verdeckt nur, dass er Indiz für Indiz zusammenträgt und zur Lösung fügt. Dabei unterlaufen ihm manchmal durchaus Irrtümer, von denen andere (und wir Leser) jedoch nur manchmal erfahren: Gideon Fell liebt es, sich in Andeutungen zu ergehen. Ansonsten hüllt er sich in Schweigen und rüstet sich für die große Schlussabrechnung.

Sie ist ihm offenbar wichtiger als er zugeben mag, Fells Jagdtrieb ist stark und unbarmherzig. Wir hören hier auch von einem anderen, jüngeren Gideon Fell, der sich während des (Ersten) Weltkriegs in der Spionageabwehr betätigte und manchen Agenten an des Henkers Strick brachte. Das verursacht ihm keine Gewissensbisse, daraus macht er gar keinen Hehl, zumal es endlich Fells Fähigkeit erklärt, sich über alle Vorschriften hinwegzusetzen und trotzdem stets die Unterstützung der Behörden zu erfahren: Er hat die richtigen Beziehungen – und sich keineswegs in den Ruhestand zurückgezogen.

Die üblichen interessanten Verdächtigen

Die Kärrnerarbeit bleibt den Gefährten. Das ist auch besser so, weil Fell nicht gut zu Fuß ist. Hier haben wir den erprobten und viel geprüften Hadley, der die nüchterne Polizeiarbeit erledigt und sich dabei wacker schlägt. Tad Rampole, den jungen Helden, haben wir in „Tod im Hexenwinkel“ (DuMont Kriminal-Bibliothek Nr. 1002) bereits kennengelernt. Acht Monate nach den Ereignissen in seinem (und Fells) Heimatort Chatterham, einem pittoresken Flecken in der Grafschaft Lincolnshire, die ihm eine neue Heimat und eine Gattin bescherten, will der Amerikaner eigentlich nur London besuchen. Er kommt gerade richtig, denn die Jagd auf den „Hutmacher“ erfordert einen Zeugen und Chronisten, der Fells Ermittlungsarbeit im Detail festhält.

Begleitet wird unser Trio von der üblichen Galerie extravaganter britischer Urgewächse, die wir Leser so lieben, wenn sie uns ein wirklich guter Schriftsteller nahebringt. General Mason ist ein Bilderbuch-Offizier: knorrig, aber mit dem Herz auf dem rechten Fleck. Carr schildert ihn mit jener milden Ironie, von der keine Figur – die knallharte Privatdetektivin, der entsagungsvolle Butler, die hirnsausige Lebedame, der weltfremde Bücherwurm usw. – verschont bleibt. Der Plot und der Spaß daran stehen wie gesagt im Vordergrund. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Carr jedes Mittel ein, und im literarischen Rahmen des klassischen „Whodunits“ trägt er zum Wohle der großartig unterhaltenen Leserschaft einen glänzenden Sieg davon.

Autor

John Dickson Carr (1906-1977), der so perfekte ‚englische‘ Kriminalromane schrieb, war ein Amerikaner, geboren in Pennsylvania. Europa hatte es ihm jedoch sofort angetan, als er 1927 als Student nach Paris kam. Carrs lebenslange Faszination galt alten Städten, verfallenen Schlössern und verwunschenen Plätzen. Die fand er nicht nur in Frankreich, sondern auch in Ländern wie Deutschland und Großbritannien, die von ihm eifrig bereist wurden.

1933 siedelte sich Carr in England an, wo er bis 1965 blieb. Herausgeber Volker Neuhaus weist in seinem Nachwort zur DuMont-Ausgabe des Carr-Romans „Die schottische Selbstmordserie“ darauf hin, dass die in den folgenden Jahren entstehenden Kriminalromane so lebendig und scharf konturiert wirken, weil hier ein Fremder seine neue Heimat entdecken musste, wobei ihm Dinge auffielen, die den Einheimischen längst zur Selbstverständlichkeit geworden waren.

Carr fand schnell die Resonanz, die sich ein Schriftsteller wünscht. Ihm kam dabei zugute, dass er nicht nur gut, sondern auch schnell arbeitete. Obwohl ihm kein ausgesprochen langes Leben vergönnt war, verfasste Carr etwa 90 Romane. (Übrigens nicht nur Thriller: Seine Biografie des Sherlock-Holmes-Vaters Arthur Conan Doyle wurde 1950 sogar mit einem Preis ausgezeichnet.) Der erlesene „Detection Club“ in London nahm ihn gern auf, wo er an der Seite von Agatha Christie, G. K. Chesterton (der das Vorbild für Gideon Fell wurde) oder Dorothy L. Sayers thronte. 1970 zeichneten die „Mystery Writers of America“ Carr mit einem „Grand Master“ aus – die höchste Auszeichnung, die in der angelsächsischen Krimiwelt vergeben wird.

Zu John Dickson Carrs Leben und Werk gibt es eine Unzahl oft sehr schöner und informativer Websites; an dieser Stelle sei auf diese verwiesen, die Ihrem Rezensenten besonders gut gefallen hat.

[md]

Titel bei Amazon.de

Abgelegt unter Historisch, Krimi & Thriller | Keine Kommentare »

Buffy-Chroniken 2: Durchgeknallt!

Erstellt von Werner Karl am 24. Februar 2010

durchgeknalltJoss Whedon, Paul Lee, Christopher Golden, Scott Lobdell & Fabian Nicieza
Buffy-Chroniken 2: Durchgeknallt!

Buffy – The Vampire Slayer: 55 – 59
Buffy – The Vampire Slayer: Spike & Dru, USA, 1999, 2002/03
Panini Comics, Stuttgart, 11/2009
PB mit Klappbroschur, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat, Horror, Fantasy
ISBN 9783866070837
Aus dem Amerikanischen von Claudia Kern
Titelbilder von Joe Bennett, Brian Horton & Paul Lee, Ryan Sook & Guy Major
Zeichnungen von Paul Lee, Rick Ketchum, Cliff Richards & Will Conrad, Jeremy Cox, Guy Major & Dave McCraig u. a.

www.paninicomics.de
http://whedonesque.com/
http://lambiek.net/artists/b/brereton_dan.htm
www.christophergolden.com/
www.myspace.com/brianhortonart
http://lambiek.net/artists/l/lee_paul.htm
www.comic-art-ink.com/Bennett’s%20Page.html
www.glasshousegraphics.com/creators/pencilers/cliffrichards/
www.glasshousegraphics.com/creators/pencilers/willconrad/
www.dave-co.com/

Während die Fernsehserie „Buffy – Im Bann der Dämonen“ noch im Fernsehen lief, erschienen wie zu jedem erfolgreichen Franchise-Produkt auch Comics, die die Lücken zwischen einigen Folgen und füllten und die Vorgeschichte mancher Figuren noch einmal genauer beleuchteten. Diese Storys erscheinen nun in der Sonderreihe „Die Buffy-Chroniken“. Jeder Band präsentiert zwei bis drei abgeschlossene Geschichten. Der Panini-Verlag nimmt sich die Freiheit, diese Erzählungen in chronologischer Reihenfolge heraus zu geben und nicht so, wie sie in den USA erschienen sind.

Auch wenn es Dawn zu diesem Zeitpunkt in der Serienrealität noch nicht gegeben hat, wurde durch Magie eine veränderte Zeitlinie geschaffen, in der Buffys jüngere Schwester noch als Kind unheimliche Abenteuer erleben darf. In „Dawn und Hoopy der Bär“ muss sich das Mädchen in der Schule gegen ältere und stärkere Mitschüler durchsetzen lernen. Niemand ahnt, dass sie dabei Unterstützung bekommt. Denn durch einen Zauber, der eigentlich auf etwas ganz anderes gerichtet war, wird ihr Kuscheltier lebendig und lehrt den frechen Jungs nicht nur das Fürchten.

„Durchgeknallt“ ist die Hauptgeschichte des Bandes, in der Buffy immer noch in Las Vegas als Jägerin aktiv ist. Da sie Blut geleckt hat, kann sie nicht aufhören und wagt sich in der Nacht immer wieder auf die Straßen, um ihre Fähigkeiten zu verbessern. Das bringt sie schließlich, weil man sie für eine geistig gestörte Jugendliche hält, in ein Irrenhaus. Da aber fängt der Ärger erst richtig an, denn das Sanatorium ist nicht unbedingt das, was es vorgibt zu sein. Aber auch Giles und Angel haben mit eigenen Problemen zu kämpfen. Noch immer ist Ersterer nicht als Wächter anerkannt und kommt erneut einer Verschwörung auf die Spur, und sogar der Vampir muss um sein unsterbliches Leben fürchten. „Ausgestellt“ wirft einen Blick auf das frühere Leben von Spike und Drusilla, die es sich im Schatten großer Ereignisse wie der Weltausstellung nicht nehmen lassen, ihre eigene blutige Spur zu schaffen. Und wie immer haben sie dabei auch einen geradezu höllischen Spaß.

Während die beiden kleinen Geschichten um Dawn, Spike und Drusilla sehr schnell durchschaubar sind und auch nur eine sehr dünne Handlung haben, ist die von „Durchgeknallt“ etwas durchdachter, und man merkt schon jetzt, dass sich die Geschehnisse ineinander verweben und später auch noch irgendwelche Folgen haben werden. Sicherlich werden Fans auch kleine, aber feine Anspielungen auf die eine oder andere Episode der Serie erkennen; die Geschichte ist aber auch für den verständlich, der bisher nicht so viel von der Reihe gesehen hat.

Alles in allem arbeiten auch diese Erzählungen auf ein klares Ziel hin und lassen nur wenige Fragen offen, machen aber durch kleine Andeutungen und Hinweise Lust auf mehr. Wie auch schon im ersten Band schwanken die Zeichnungen in Stil und Qualität, man kann aber gerade die Helden besser erkennen als in den neuen Serien. Insgesamt überzeigt auch der zweite Band von „Buffy – The Vampire Slayer: Die Chroniken“ durch unterhaltsame Geschichten zwischen Action und Grusel, die zwar in erster Linie die Fans ansprechen, aber auch ohne Vorkenntnisse verständlich sind. Ein Blick lohnt sich durchaus.

Copyright © 2010 by Christel Scheja

Titel bei Amazon.de:
Buffy-Chroniken 2: Durchgeknallt!

Abgelegt unter Comic & Manga, Fantasy, Horror | Keine Kommentare »

Die Verschwörer

Erstellt von Werner Karl am 24. Februar 2010

die-verschworerIrene Salzmann
Die Verschwörer
Rettungskreuzer Ikarus 34

(sfbentry)
Atlantis Verlag, Stolberg, 5/2008
PB, Science Ficiton
ISBN 9783936742480
Titelillustration von Ernst Wurdack

www.atlantis-verlag.de
www.rettungskreuzer-ikarus.de
www.wurdackverlag.de/

Die Mannschaft der Ikarus hat alle Hände voll zu tun. Die Outsider aus dem Nexoversum stehen kurz davor, mit ihrer gewaltigen Armada in die Milchstraße einzudringen und die Völker zu unterwerfen. Septimus Julius Cornelius pflegt derweil seine Freundschaft mit dem Vizianer Pakcheon. Als dieser sich brüsk von ihm abwendet und seine Freundschaft ins Gegenteil umschlägt, gibt Cornelius alles, um herauszufinden, was diesen Stimmungsumschwung herbeigeführt hat.

Sally McLennane beauftragt Captain Roderick Sentenza, die Botschafter auszuspionieren, denn jemand hat sich an den geheimen Datenbanken zu schaffen gemacht und wichtige Informationen des Geheimdienstes abgerufen. Diese Daten wurden weitergegeben, und leider konnte der Schuldige nicht gefunden werden. Old Sally verdächtig vor allem den Vizianer, obwohl dieser für Sentenza als Kandidat nie in Frage kommen würde. Er gehorcht jedoch seinen Befehlen, auch wenn sie ihm manchmal zuwider sind, da die Ikarus nun offiziell dem Geheimdienst des Corps unterstellt wurde.

Jason Knight und Shilla versuchen immer noch verzweifelt, einen Weg aus dem Nexoversum in die heimatliche Milchstraße zu finden. Mit dem lebenden Raumschiff, der Celestine 2, und einigen Verbündeten setzten sie alles daran, ihre Heimat von der drohenden Gefahr zu unterrichten. Jasons Misstrauen gegenüber Celeste wird immer größer. Bei Shilla, die nun eine Krone trägt, um nicht länger der Beeinflussung durch die Outsider ausgesetzt zu sein, scheint das Gegenteil der Fall zu sein. So vertrauensselig hat Jason die plötzlich leicht naiv wirkende Vizianerin noch nie erlebt. Er will um jeden Preis seine alte Kampfgefährtin zurückzubekommen.

Irene Salzmann zeigt wieder einmal, dass gerade deutsche Science Fiktion-Serien eine Bereicherung darstellen. Seit „Perry Rhodan“ ist viel Zeit vergangen, doch die Geschichten um den Rettungskreuzer Ikarus sind sehr wohl in der Lage, dieser Institution standzuhalten. Gerade weibliche Autoren werden immer wieder unterschätzt, wenn es um SF geht, doch auch hier beweist die Autorin wieder ihr Talent. Sie hat ein Gespür dafür, ihre Leser bei der Stange zu halten. Wer einmal Blut geleckt hat, kommt von dieser Serie nicht mehr so leicht los. Für wahre Fans dieses Genres sind die Geschichten ein absolutes Muss – man sollte sie einfach gelesen haben.

Copyright © 2010 Petra Weddehage (PW)
 
Titel bei Amazon.de:
Die Verschwörer

Abgelegt unter Science Fiction | Keine Kommentare »

Domofon

Erstellt von Michael Drewniok am 23. Februar 2010

miloszewski-domofon-coverZygmunt Miłoszewski
Domofon

(sfbentry)
Originaltitel: Domofon (Warszawa : W. A. B., Wydawnictwo 2005)
Übersetzung: Jan Opielka/Katarzyna Opielka
Deutsche Erstausgabe: Januar 2008 (Deutscher Taschenbuch Verlag/Dtv premium Nr. 24639)
379 S.
ISBN-13: 978-3-423-24639-2

Das geschieht:

Brodno ist ein Viertel der polnischen Hauptstadt Warschau, das für seine vielen Plattenbauten bekannt ist. In sozialistischer Vergangenheit rasch und kostengünstig hochgezogen, beginnen sie zu bröckeln und sind sie im ‚neuen‘ Polen recht unbeliebt, weshalb viele Wohnungen leer stehen. Für das junge Paar Agnieszka und Robert ist das von Vorteil, denn Wohnraum ist billig in diesen Mietshäusern. Die Freude an der ersten gemeinsamen Wohnung verfliegt indes rasch, denn just beim Einzug wird in einem der Fahrstuhlschächte der Kopf eines Mieters gefunden. Offensichtlich hat der Mann in einem Anfall selbstmörderischer Angst durch das Türfenster kriechen wollen und wurde durch den anfahrenden Fahrstuhl enthauptet.

Agnieszka ist in den nächsten Tagen recht nervös. Sie beginnt Stimmen zu hören und glaubt ein grässlich entstelltes Kinderphantom zu sehen. Schreckliches ist offenbar in diesem Gebäude geschehen. Leider merkt Robert überhaupt nichts und ist deshalb keine Unterstützung. Zwar erleben auch andere Mieter inzwischen Seltsames, doch es ist ein anonymes Wohnen in diesen Mauern.

Die Erscheinungen nehmen an Intensität und Bedrohlichkeit zu. Schließlich wird es unmöglich, das Haus zu verlassen. Für die Außenwelt scheint es nicht mehr zu existieren. Innen steigt die Spannung. Man ist dem Fremden ausgeliefert, aber es bleibt mehr als genug Raum für Eifersüchteleien und Zank. Allmählich wird deutlich, dass auch dies von der unbekannten Macht geschürt wird. Das Haus verwandelt sich in einen brodelnden Kessel ungezügelter Emotionen, der mit der Zunahme bizarrer Manifestationen überkocht. Die Ursache des Grauens muss gefunden und entschärft werden, doch nur ein alkoholkranker Journalist, ein pubertierender Jungmann und die verängstigte Agnieszka finden die Kraft, sich der Herausforderung zu stellen …

Das Grauen im gänzlich Alltäglichen

Ein „Domofon“ ist eine Wechselsprechanlage. Man findet sie an den Eingängen großer Mietshäuser, wo sie den Mieter im 10. Stock mit dem Hausgast verbindet, der weit außer Sicht und gesichtslos Einlass fordert. Schon in der Realität ist so ein Gerät also eine fragwürdige Errungenschaft. Zygmunt Miłoszewski geht einen Schritt weiter und verwandelt ein ganzes Mietshaus in eine gigantische Relaisstation zwischen Realität und Jenseits. Die Realität vermischt sich mit der Vergangenheit, und Menschen lassen sich von Gespenstern nicht mehr unterscheiden; kein Wunder, ist doch in diesem Haus die Existenz für beide so traurig, dass sie ohne echtes Leben zu vegetieren scheinen.

Miłoszewski wollte keinen ‚normalen‘ Gruselroman schreiben. Schon die Struktur soll dies deutlich machen. „Domofon“ erzählt keine fortlaufende Handlung, sondern setzt sich aus Fragmenten zusammen. Die Geschichten der Hausbewohner bleiben zunächst so isoliert, wie die Mieter in diesem Plattenbau leben. Hinzu kommen unkommentierte Tonbandaufnahmen, die ein schon abgeschlossenes Geschehen dokumentieren. Erst allmählich setzt sich das Gesamtbild zusammen; eine Möglichkeit, die diffuse Grenzlinie zwischen der Realität und dem Übernatürlichen zu betonen und den Leser in Unsicherheit zu versetzen: Was geht da wirklich vor?

Viel Aufwand für wenig Wirkung

„Domofon“ ist also Horror mit Anspruch, was angesichts der nie versiegenden Flut flachgründiger Genre-Machwerke vor allem aus dem Angelsächsischen aber auch aus Deutschland zunächst eine erfreuliche Abwechslung verspricht. Allerdings soll „Domofon“ um jeden Preis Originalität an den Tag legen. Hier ist der Verfasser gescheitert, denn hinter seinen Verfremdungen und stilistischen Experimenten kommen im letzten Drittel, wenn die Auflösung naht, die bekannten Elemente und Klischees zum Vorschein. In der Übersetzung wirkt Miłoszewski zusätzlich angestrengt und hölzern.

Besessen vom Bösen; schwarzer Schleim, der durch die Wände schwitzt; Visionen und Erscheinungen; Flüche aus düsterer Vergangenheit – in dieser Hinsicht trifft das auf dem Cover wiedergegebene Zitat ins Schwarze: „Domofon“ ist eine klassische Horrorgeschichte, und blutig ist sie auch. Wenn der sich schier endlos ziehende, statische Mittelteil endlich überwunden ist, kommt sie sogar in Schwung. Die finale Konfrontation mit dem Bösen ist nicht ohne Reiz, weil es die Erwartungen (im positiven Sinn) enttäuscht. Originell ist es leider nicht. Das Böse verabschiedet sich zu beiläufig. Warum es einen ganzen Wohnblock terrorisiert hat, um letztlich auf die Erfüllung seiner Rache zu verzichten, bleibt unklar bzw. kann nicht überzeugen.

Das Haus der idealen Opfer

Die zentralen Figuren eines modernen Unterhaltungsromans zeichnen sich durch Brüche und Schwächen aus. Miłoszewski berücksichtigt das nicht nur, er übertreibt es. Zumindest sei die Frage gestattet, ob es in seiner Absicht lag, ‚sein‘ Haus ausschließlich mit abstoßenden und unsympathischen Zeitgenossen zu bevölkern, an deren Schicksal der Leser keinerlei Anteil nimmt. Falls diese Frage bejaht werden muss, hat der Verfasser viel zu gute Arbeit geleistet. Genauso treffend ist der Vorwurf, dass er reine Pappkameraden mit einer seelischen Tiefgründigkeit beschreibt, die einer Vorabend-Soap-Serie entliehen wurde.

Viel zu ausführlich beschreibt Miłoszewski Figuren, deren Schicksal bald besiegelt ist. Wie sich herausstellt, sind ihre Vorgeschichten in der Regel völlig unerheblich für die eigentliche Handlung. Wieso sich also mit ihnen auseinandersetzen? Schlimmer noch: Personen wie die Polizisten Kuzniecow und Niemiec werden aufwendig eingeführt, um irgendwann einfach aus dem Geschehen zu verschwinden. Dafür erscheint im letzten Drittel ein Allwissender, der die Fäden der Handlung endlich rafft und den Weg ins Finale öffnet.

Kein unheimlicher Geheimtipp

So belegt „Domofon“ in erster Linie den Ehrgeiz eines noch unerfahrenen Schriftstellers, der einer im Grunde sehr einfachen Geschichte zuviel Ballast aufpackt, es am notwendigen Timing fehlen lässt und dadurch ins Straucheln gerät. „Domofon“ entpuppt sich als ganz normale Gespenstergeschichte, die als solche erzählt werden müsste. Dass sie an einem vergleichsweise exotischen Ort – in einer polnischen Vorstadt – spielt, verleiht ihr keinen Bonus, zumal Miłoszewski kaum Gebrauch davon macht. „Domofon“ könnte in jedem Wohnblock auf der Welt spielen.

Folgerichtig tritt Miłoszewski in einen Wettbewerb mit vielen Autoren, und dabei schneidet er (noch) schlecht ab. Stephen King – jetzt muss der Name doch endlich fallen – hätte „Domofon“ eleganter, weil schwungvoll, ökonomisch und damit effizient über die Runden gebracht. Miłoszewski verliert mehr als einmal die Aufmerksamkeit seiner Leser. Um zu viel Beiwerk gestrafft, könnte „Domofon“ ein kurzer aber unterhaltsamer Horrorroman sein. Leider soll er auch literarisch sein, und das merkt man ihm zu seinem Nachteil an.

Autor

Zygmunt Miłoszewski (geb. 1976) ist Schriftsteller, Journalist und Redakteur der polnischen Wochenzeitschrift „Newsweek“.

[md]

Titel bei Amazon.de

Abgelegt unter Horror, Mystery, Phantastik | Keine Kommentare »

Tod im Wasser

Erstellt von Werner Karl am 23. Februar 2010

WV_RK_Aachen_V4.inddAndrea Tillmanns
Tod im Wasser

Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen, 01/2009
Taschenbuch, Krimi
ISBN 9783831320486
Titelgestaltung von Jochen Ebert unter Verwendung eines Motivs von Hendrik Brixius

www.wartberg-verlag.de
www.andreatillmanns.de
www.oih.rwth-aachen.de/~hendrik/

Sirka Ehrenpreis arbeitet als Privatdetektivin. Das bedeutet in ihrem Fall leider, dass sie Spezialistin für verschwundene Haustiere ist, deren Besitzer zudem erwarten, dass sie ihren Job für ein dankbares Lächeln erledigt. Aber davon lässt sie sich nicht entmutigen – ihre Scheidung hat sie schließlich auch geschafft! Auch die regelmäßigen Streitigkeiten mit diesem ‚Schweinehund’, der keine große Lust hat, ihren Unterhalt zu zahlen, können ihr nichts anhaben. Oder die unentwegten Einladungen ehemaliger Klienten zu Geburtstagen der wieder gefundenen Vierbeiner oder gefiederten Freunde.

Als aber in einer eisigen Januarnacht ihre Nachbarin klingelt, damit Sirka ihrer Pflicht als Detektivin nachkommen kann, ahnt die junge Frau nicht, was sie noch alles erwarten wird. Die schrullige alte Dame von nebenan vermisst nämlich weder Katze noch Hund, sondern hat eine Leiche im Aachener Geldbrunnen entdeckt. Wenig begeistert quält sich Sirka hinaus in die Kälte – und tatsächlich: Ein toter Mann liegt dort im Wasser. Die Polizei glaubt an einen tragischen Unfall und verfolgt die Sache zuerst nicht allzu eifrig. Sirka würde ihre Beteiligung auch lieber vergessen, denn es war ziemlich peinlich für sie. Frau Maurer von nebenan weiß allerdings genau: Es war Mord, dafür sind Detektive zuständig, und Sirka muss jetzt ran, so! Immer noch nicht wirklich begeistert lehnt Sirka alle Sherrys ab, die Frau Maurer so gerne ausschenken würde und beginnt zu ermitteln. Dabei kämpft sie gegen zynische Hauptkommissare, Spuren, die im Nichts verlaufen, schlaflose Nächte und tödliche Gefahren …

Andrea Tillmanns ist bekannt für ruhig erzählte Geschichten mit Tiefgang, in denen starke Charaktere im Vordergrund stehen statt überdramatisierte Spannungsmomente. Wer Krimis nur liebt, wenn das Blut aus den Seiten tropft und Kapitel grundsätzlich damit enden, dass die Gewehrkugel sich 0,01 Sekunden vor dem Einschlag befindet, der sollte von diesem Buch die Finger lassen. Auch minutiöse Abhandlungen über die Arbeit der Spurensuche, Pathologie, Notärzte und Profiler sucht man hier vergebens. Zu finden ist dafür eine beschwingt geschriebene Geschichte über eine Frau, die gerne als Detektivin arbeiten will und diesen Wunsch gründlich erfüllt bekommt. Sirka Ehrenpreis ist ein solch natürlicher Typ, man möchte im Telefonbuch nach ihrer Nummer suchen. Vielleicht, weil man sein Haustier vermisst. Oder einfach nur, weil sie so sympathisch ist.

Das Buch lässt sich innerhalb eines abends lesen. Es wird nie langweilig, der hervorragende Sprachstil der Autorin trägt mühelos durch die Kapitel, und das Buch weglegen, bevor man weiß, wer der Mörder ist, ob Sirka sich gegen Hauptkommissar Klausen, ihren stoffeligen Ex-Mann und Geburtstagseinladungen zur Feier irgendwelcher Wellensittiche durchsetzen kann – das ist einfach undenkbar. So ganz nebenbei wird man noch auf einen Spaziergang durch Aachen und Umgebung mitgenommen, was für Ortskundige einen zusätzlichen Bonus bedeutet. Geeignet für alle Freunde gut geschriebener Belletristik! (5xPRT)

Copyright © 2010 by Alexandra Balzer

Titel bei Amazon.de:
Tod im Wasser

BEENDETES BÜCHERPREISRÄTSEL:
.
www.buchrezicenter.de veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels am Telefon* gestellt haben, die richtig beantwortet werden mussten.
.
Die jeweiligen Gewinne wurden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt!
.
Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Und bedanken uns auch bei unseren Mitspielern für Ihr reges Interesse!
.
Die Gewinner der Preisrätseltitel:
.
1.Otto Marheinek
2.Marianne Irrgang
3.Birgit Marheineke
4.Erika Kessler
5.Manfred Fandrey
.
Der Rechtsweg war wie immer ausgeschlossen!
* Telefongebühren des Anrufers gehen immer zu Lasten des Anrufers. Bitte informieren Sie sich über die ortsüblichen aktuellen Kosten bei Ihrem Telekommunikationsanbieter!

Abgelegt unter Krimi & Thriller | Keine Kommentare »