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Archiv für März, 2010

Ein glücklicher Zufall

Erstellt von Michael Drewniok am 31. März 2010

upfield-bony02-zufall-cover-2004Arthur W. Upfield
Ein glücklicher Zufall

(sfbentry)
Originaltitel: The Sands of Windee (London : Hutchinson 1931)
Übersetzung: Heinz Otto
Deutsche Erstausgabe: 1958 (Wilhelm Goldmann Verlag/Goldmanns Krimi K 215)
181 S.
[keine ISBN]
Aktuelle Ausgabe: 2004 (Wilhelm Goldmann Verlag/TB Nr. Nr. 1044)
211 S.
ISBN-13: 978-3-442-01044-8

Das geschieht:

Windee Station, eine Farm im Südwesten des australischen Bundesstaates Neusüdwales; mehr als eine halbe Million Hektar von der Sonne verbranntes, ausgedörrtes Land, das nichtsdestotrotz 70.000 Schafe ernährt und den Besitzer Jeffrey Stanton zu einem reichen Mann gemacht haben. Jeff, wie ihn sogar seine Arbeiter zu nennen pflegen, ist ein harter, aber gerechter Selfmade-Mann, ein Witwer, mit einer tüchtigen Tochter gesegnet und mit einem trinkfesten Sohn geschlagen.

Vor etwa zwei Monaten hat sich auf Windee Station Seltsame zugetragen. Ein Mann, der sich Luke Marks nannte, hatte Stanton, angeblich ein alter Freund, besucht. Einige Tage später fand man seinen Wagen in einem öden Landstrich – leer, vom Fahrer keine Spur. Eine ausgedehnte Suche blieb erfolglos, Marks verschwunden.

Dem aufmerksamen Inspektor Napoleon Bonaparte von der Polizei in Queensland ist dieser Fall zu Ohren gekommen. Der Sohn eines weißen Vaters und einer Aborigines-Mutter ist ein ausgezeichneter Kriminalist und Spurenleser, der auch dort seinen Fall zu lösen pflegt, wo seine Kollegen – in diesem Fall der eifrige aber überlastete Sergeant Morris – aufgeben müssen. „Bony“, wie der eigenwillige Bonaparte genannt wird, reist nach Windee Station. Er entdeckt, dass Marks ein korrupter Beamte der Gewerbepolizei von Neusüdwales mit Namen Green war, der sich davongemacht hatte, weil der Boden zu heiß für ihn wurde.

Dass Green nicht mehr lebt, ist Bony rasch klar. Dort, wo sein Wagen gefunden wurde, haben Eingeborene ein Zeichen hinterlassen: „Hütet Euch vor bösen Geistern; hier wurde ein weißer Mann getötet.“ Bony lässt sich vom ahnunglosen Stanton als Farmarbeiter anstellen. So lernt er Windee Station und seine Bewohner kennen. Die Spur wird heiß, als ihm am Tatort eine Ameise einen Diamanten vor die Füße wirft. Dann bekommt Bony es plötzlich mit drei Mördern, einer verzweifelten Braut und einer heißblütigen Erpresserin zu tun und ist fast dankbar, mit einem Buschfeuer auf den Fersen in die Wüste fliehen zu können …

Die von allen Ablenkungen befreite Kulisse

Eine sehr einfache Kriminalgeschichte, eingebettet in ein fremdes Land mit einer exotischen Kultur, das Ganze kenntnisreich und gekonnt erzählt: Dies ist das Geheimnis des Erfolgs, der die „Bony“-Romane des Arthur W. Upfield unsterblich werden ließ. „Ein glücklicher Zufall“ bildet keine Ausnahme. Lakonisch und unsentimental, dabei genau beobachtend, schreibt jemand über eine Welt, die er versteht. Genretypische Effekte wie Verfolgungsjagden und Schießereien fehlen gänzlich, die Bluttat ist längst geschehen, als die Handlung einsetzt. Den Hintergrund des Finales bildet stattdessen ein gewaltiges Buschfeuer, das einen wahrlich eindrucksvollen Rahmen für die sehr versöhnliche Auflösung dieses Falles liefert.

Dass Windee Station und die winzige Ortschaft Mount Lion auch im Wilden Westen der Vereinigten Staaten stehen könnten, ist natürlich auch dem Verfasser aufgefallen. Er treibt seine Späße damit, dass hier Schafe statt Rinder getrieben und nicht Bisons, sondern Kängurus gejagt werden. Die Stantonschen Arbeiter geben sich wie Cowboys, nur dass sie auf ihrer nachmittäglichen Teestunde bestehen. Sogar Indianer gibt es in dieser Geschichte: Sie werden von den Aborigines vertreten, die mit den weißen Herren ihres Heimatlandes immerhin in friedlicher Koexistenz leben.

Die ruhige, aber niemals betuliche Handlung lässt Raum für schnurrige Episoden mit handfesten Gottesleuten oder unkonventionellen Gastwirten, erzählt vom geheimen oder geheimnisvollen Leben der Aborigines und lässt bei so viel Staub und Hitze die Kehle schon beim Lesen trocken werden.

Polizist zwischen zwei Welten

„Von seiner Mutter hatte er das Nomadenblut, die scharfen Augen und die Jagdleidenschaft geerbt, seinem Vater verdankte er die Beherrschtheit seines Wesens und die Fähigkeit, logisch zu denken.“

So wird uns Napoleon Bonaparte, kurz „Bony“ genannt, vom Verfasser vorgestellt. Ein wenig verunglückt ist ihm dies aus heutiger Sicht, da inzwischen nur mehr Rassisten und Dummköpfe in Frage stellen, dass auch ‚reinblütige‘ Aborigines über die Gabe des logischen Denkens verfügen. Dabei war Upfield sicherlich kein verkappter Kolonialherr, der die „Nigger“ Australiens – als solche bezeichnet sie der honorige Stanton, ohne sich groß etwas dabei zu denken – als Menschen zweiter Klasse betrachtete, sondern kann nach den Maßstäben seines Zeitalters durchaus als aufgeklärt gelten.

Bony ist ein selbstbewusster Mann, der sich nicht in die „Ja, Massa!“-Ecke abdrängen lässt. Er hat sich trotz seiner unkonventionellen Vorgehensweisen als Kriminalist einen Namen bei Weiß und Schwarz gemacht, beauftragt sich notfalls selbst mit einer Ermittlung und ist mit sich und seiner Herkunft im Reinen; Sergeant Morris springt jedenfalls rasch vom Pferd als er merkt, wer da vor ihm steht, und auch Bony lässt keine Zweifel aufkommen, wer hier das Sagen hat. So war es ein kluger Schachzug Upfields, Bony in beiden australischen Welten zu verankern. Es erweitert den Spielraum möglicher Handlungen beträchtlich und fügt dem Krimi eine buchstäblich menschliche Komponente bei.

Cover der dt. Erstauflage von 1958

Cover der dt. Erstauflage von 1958

Die Zeiten ändern sich – hoffentlich

Wenn die Schilderung der Aborigines trotzdem hier und da unangenehm aufstößt, so liegt das primär an der Übersetzung. Sie liest sich nicht nur unter politisch korrekten Aspekten anachronistisch, sondern klingt auch dem nicht moralisch zwangserregten Zeitgenossen heute beleidigend im Ohr. Pidgin-Englisch lässt Aborigines nicht so radebrechen: „Nein, nein Boß. Schwarzer all right. Guter Kerl. Du Mehl geben, ja?“ (S. 46) Aber so klang es halt, wenn im deutschen Unterhaltungsroman der 1950er Jahre „Neger“ und andere „Wilde“ zu Wort kamen.

Ob oder in welchem Maße die übrigen Bewohner von Windee Station oder Mount Lion überzeichnet sind, ist heute schwer zu entscheiden, nachdem sich im Gefolge von Crocodile Dundee eine Flut grausiger Aussie-Klamotten über die Bewohner der nördlichen Erdhemisphäre ergossen hat. Es müssen jedenfalls außergewöhnliche bzw. außergewöhnlich verschrobene Zeitgenossen sein, die sich – nicht immer freiwillig, wie Upfield deutlich zu machen versteht – in ein solches Leben voll Hitze, Einsamkeit und Öde fügen.

Autor

Arthur William Upfield wurde 1888 im südenglischen Gosport geboren. Das schwarze Schaf seiner Familie wurde von dieser 1902 Jahren nach Australien geschickt. Dort streifte Upfield als Gelegenheitsarbeiter durch das Outback. Pelztierjäger war er, Schafzüchter, Goldsucher und Opalschürfer – ohne besonderen Erfolg dies alles, aber reich an Erfahrungen geworden, die Upfield ab 1929 in 28 Kriminalromanen um Inspektor Napoleon „Bony“ Bonaparte nutzen konnte.

Zu seinen Lebzeiten war Upfield erfolgreich, aber bei der Kritik nicht gut angesehen. Das hat sich grundlegend und zu Recht geändert. Heute zählen Upfields Bony-Romane mit ihren grandiosen Landschaftsschilderungen und dem sichtlichen Hintergrundwissen über die Kultur der australischen Ureinwohner zu den Klassikern des ‚ethnologischen‘ Kriminalromans. Das mag zu der in Deutschland ansonsten seltenen, für den Leser aber erfreulichen Tatsache beitragen, dass die „Bony“-Romane immer wieder aufgelegt werden.

An seinen zweiten Bony-Roman sollte Upfield übrigens noch lange denken. Er hatte Ende der 1920er Jahre auf einer Farm gearbeitet und dabei mit den Arbeitern des Feierabends ausgiebig über den perfekten Mord diskutiert. Die Lösung entsprach dem späteren Ende des Luke Marks. Als einer der Farmarbeiter 1932 in die Tat umsetzte, was er gelernt hatte (ohne freilich gründlich genug zu sein), wurde Upfield vor Gericht gestellt. Man versuchte ihn wegen Beihilfe dranzukriegen, was jedoch nicht misslang. (Der eigentliche Schurke musste trotzdem hängen.)

Arthur W. Upfield starb 1964. Im Internet ist der Verfasser u. a. hier vertreten.

[md]

Titel bei Booklooker.de
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Wolfsinsel

Erstellt von Werner Karl am 31. März 2010

wolfsinselTomasz Konatkowski
Wolfsinsel
2. Band der Reihe „Ein Warschau-Krimi“

Originaltitel Wilcza wyspa (2008)
List Taschenbuch
ISBN 9783548608600
Kriminalroman
1.Auflage März 2010
Aus dem Polnischen von Antje Ritter-Jasinska
Titelabbildung: Ian Cumming (Fotograf)
Umfang 475 Seiten

www.list-taschenbuch.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zum Autor:

Tomasz Konatkowski, geboren 1968, arbeitet als Programmierer und Analyst. Er ist Fußballfan, liebt dunkles Starkbier, gutes Essen und reist gerne. Konatkowski wohnt in der Nähe von Warschau. Wolfinsel ist der zweite Band rund um Kommissar Adam Nowak. In dieser Reihe der Warschau Krimis ist bereits der Debütroman des Autors „So sollt ihr sterben“ erschienen.

Zum Buch:

Das Buch beginnt spannungsgeladen. Ein junger Mensch wird hingerichtet. Hier ist die Neugier des Lesers geweckt.

Dann schwenkt die Handlung. Wir lernen den Kommissar Adam Nowak und einige seiner Kollegen kennen. Sie sind auf der Suche nach einem vermissten Inder, Herrn V. S. Srinivasan, der vor zwei Wochen spurlos verschwunden ist. Hinter dem Verschwinden vermutet man mehr als nur eine bloße Entführung, vor allem, da sich bislang niemand bei der Familie des Mannes gemeldet hat. Gibt es hier vielleicht Parallelen zu einem Fall aus dem Jahr 2004? In diesem Jahr hatte eine Bande, genannt die Abschneider, mehrere Personen u. a. auch einen Inder entführt und den jeweiligen Opfern drei Finger abgeschnitten, die in Flaschen aufgefunden wurden.

Dann findet die Polizei eine Leiche, eine Wasserleiche in der Weichsel. Dem Toten fehlen zwei Finger. Sie wurden amputiert. Todesursache: Hinrichtung durch Kopfschuss in den Hinterkopf. Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem Toten um einen Schweden handelt, Gustav Rytterberg. Der Vater des jungen Mannes betreibt in Warschau seit einiger Zeit Geschäfte. Er wirkt sehr kühl und distanziert. Für ihn scheint das ganze Leben ein einziger Vertrag zu sein und so stellt sich auch die Beziehung zu seinem Sohn und zu weiteren Menschen aus seiner näheren Umgebung dar. Die Ermittlungen in beiden Fällen gestalten sich etwas schwierig. Kommissar Nowak und seine Kollegen stoßen auf Verbindungen ins Drogenmilieu, auf Anhaltspunkte des Menschenhandels, auf merkwürdige Geschäfte im Immobilienbereich und auf viele weitere dunkle Machenschaften, die alle mit den beiden Fällen in Zusammenhang stehen könnten. Aber tun sie das wirklich?

Neben den Ermittlungen ist Kommissar Adam Nowak aber auch in erheblichem Maße mit seinen eigenen Problemen beschäftigt. Sein Vater ist krank und muss sich einigen Untersuchungen unterziehen. Seine Beziehung zu Kasia, seiner Lebensgefährtin, ist problematisch. Es geht um das Thema Kinder und Zukunft. Als Kasia dann noch unfreiwillig in den Fall verwickelt wird, spitzt sich die Situation weiter zu. Die Beziehung der Beiden untereinander ist zwar interessant, nimmt aber einen zu großen Teil des Buches ein

Als besonders störend habe ich die vielen Orts- und Straßenbeschreibungen empfunden. Warschau selbst habe ich nie besucht und so ist es mir sehr schwer gefallen den Ausführungen des Autors in Bezug auf die Stadt hier zu folgen. Diese sind teilweise sehr detailliert und genau. Manchmal mutet das Buch daher mehr wie ein Reiseführer an. Die Krimihandlung an sich tritt mir zu sehr in den Hintergrund und wirkliche Spannung wollte daher auch beim Lesen des Buches nicht aufkommen. Einzig der Beginn und das letzte Drittel des Buches, konnten hier etwas überzeugen. Die Grundidee des Romans ist durchaus überzeugend, aber leider durch das viele Drumherum etwas zu langatmig geraten.

Copyright © 2010 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Vorstoss zum Uranus 2

Erstellt von Günther Lietz am 31. März 2010

Bei Buch24.deVorstoss zum Uranus 2
Mark Brandis Episode 8

(sfbentry)

Mark Brandis 8
Universal Music / Folgenreich
Nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai von Michalewsky
Manuskript: Balthasar von Weymarn
Musik & Sounddesign: Jochim-C. Redeker
Aufnahme: Thomas Weichler, Tommi Schneefuß und Sven-Michael Bluhm
Produktion, Regie und Schnitt: Jochim-C. Redeker & Balthasar von Weymarn
Artwork: Alexander Preuss
Layout/ Satz: Jürgen Straub
Gesamtspielzeit: ca. 70 Minuten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
ISBN: 978-3-8291-2316-7
http://www.folgenreich.de

Sprecher: Prolog (Wolf Frass), Bordsystem (Anke Reitzenstein), Cmdr. Mark Brandis (Michael Lott), Col. Barclay (Kai Jürgens), Lt. Iwan Stroganow (Martin Wehrmann), Cpt. Martin van Kerk (Michael Westphal), Major Frederic Young (Erich Räuker), Cpt. Roger D’Arcy (Udo Schenk), Ludmilla Wolska (Tomasina Ulbricht), Lt. William Xuma (Michael Pan), Lt. Usko Koskinen (Julien Haggége), CORA (Christine Mühlenhof), Oberst Xiahou Shang (Cho See-Young), Cmdr. Ernest D. Scott (Frank Glaubrecht)

Mit „Vorstoss zum Uranus 2“ kommt der Abschluss der außergewöhnlichen Doppelfolge daher. Drehte sich auf der ersten CD alles noch um den Absturz der Delta IX und Cmdr. Ernest D. Scott (Frank Glaubrecht), so hat diesmal Cmdr. Mark Brandis (Michael Lott) die Bühne zurück.

Mark Brandis soll im Auftrag der VEGA das Raumschiff Hermes testen. Zu seiner Verwunderung eilt die Zeit und schon bald ist er mit einer kleinen Mannschaft an Bord des Schiffs und unterwegs zum Uranus, um der vorausgeflogenen Delta IX Rückendeckung zu geben. Spione haben davon berichtet, dass die Republik ebenfalls ein Schiff im Raum hat. Und die Union will auf Nummer sicher gehen. Schlussendlich kommt alles anders, als gedacht.

Die Delta IX ist verunglückt und die Schutzmission wird zur Rettungsmission. Da wird die Hermes plötzlich und überraschend beschleunigt, Lt. William Xuma (Michael Pan) wird mit seinem Dingi vermisst und schlussendlich meldet sich tatsächlich das Schiff der Republik – und von der Delta IX noch keine Spur …

In „Vorstoss zum Uranus“ wurde das Unglück der Delta IX aus Sicht von Cmdr. Ernest D. Scott und seiner Mannschaft erzählt und endete mit einem Funkspruch von Mark Brandis. Nun werden die ereignisreichen Tage aus der Sicht von Brandis wiedergegeben und Scott ist erst zum Abschluss zu hören. Eine nette Drehung der Erzählperspektive, die für Spannung sorgt. Zwar glaubt der Hörer halbwegs zu wissen, wie die Rettungsmission ausgeht, aber schlussendlich gestaltet es sich doch anders als vermutet.

Die Eindringlichkeit einer Expedition und ihr scheinbar unabwendbar tödlicher Ausgang weicht nun dem eher klassischen Weltraumabenteuer. In diesem agiert, wie immer souverän, Michael Lott in der Hauptrolle. Er gibt der Serie eine Stimme und unverwechselbaren Charakter. Dabei gelingt es ihm, der Figur weitere Facetten zuzufügen und so mehr Dimensionen in der Charakterzeichnung zu erzeugen. Brandis wirkt lebendig – mit all seinen Ecken und Kanten. Dazu gehören auch die moralischen Fragen, die aufgeworfen werden. In Anbetracht der Zeit, die Brandis mit der Suche nach Xuma verbringt, eine knifflige Sache. Vielleicht wäre die Suche nach der Delta IX und ihrer Mannschaft dann anders ausgegangen. Brandis fällt stets schwere Entscheidungen, die ihm sicherlich niemand abnehmen möchte. Doch er stellt sich seiner Verantwortung, wie auch Scott. Frank Glaubrecht ist zwar nur wenige Minuten zu hören, aber dafür ist sein Auftritt um so dramatischer. Packend!

Die anderen Sprecher agieren ebenfalls auf hohem Niveau. Einzig Tomasina Ulbricht als Ludmilla Wolska wirkt in ihrer eintönigen Art wie eine Schlaftablette. Da die Geschichte keinen plausiblen Grund dafür bietet, muss es an Frau Ulbricht selbst liegen. Ein wenig mehr Elan in der Betonung hätte der Rolle gutgetan. So wirkt Wolska verbal recht langweilig. Schade!

Wie im ersten Teil, haben Jochim-C. Redeker und Balthasar von Weymarn gute Arbeit geleistet. Die Inszenierung der Geschichte ist gelungen. Sie bietet kurzweilige und spannende Unterhaltung, mit allerlei technischem Schnickschnack in den Dialogen – allerdings ohne überladen zu wirken. Solide Science Fiction eben. Auch die Musik und Klänge sind sehr solide. Sie unterstützen passend das Geschehen, sind einerseits futuristisch, andererseits erkennbar. Das macht Laune!

Die CD kommt passend zum ersten Teil im Partnerlook daher. Das Cover weist die gleichen Grundtöne auf, aber ein anderes Motiv. So sind die beiden Uranus-Folgen leicht auseinanderzuhalten. Auch bei „Vorstoss zum Uranus 2“ findet sich das Frontmotiv unter der CD wieder, jedoch mit Abweichungen. Und wie in den anderen Booklets ebenfalls, gibt es wieder einige schicke Informationstexte. Das passt, hier ist alles aus einem Guss. Das gilt auch für die Kompatibilität zu Standardabspielgeräten und die Möglichkeit, die Tracks in MP3s umzuwandeln. Alles kein Problem und somit sehr vorbildlich. Da kann die schicke CD sicher im Regal liegen, während unterwegs Mark Brandis aus dem MP3-Player klingt.

„Vorstoss zum Uranus 2“ ist sehr gute Unterhaltung und macht Spaß. Ein gelungener Abschluss des Zweiteilers, der insgesamt mit einigen frischen Ideen aufwartet. Erstklassig! (2xPRT)

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Bei Buch24.de

LAUFENDES BÜCHERPREISRÄTSEL
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www.buchrezicenter.de veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels am Telefon stellen werden, die richtig beantwortet werden müssen.
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Die jeweiligen Gewinne werden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt, die wir namentlich unter die Rezension(en) als Gewinner bekanntgeben werden.
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Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Die Anzahl der Titel, die zur Verfügung stehen, findet man als Abkürzung in Klammern am Ende der jeweiligen Rezension! Also zum Beispiel: (3xPRT) = 3 Titel im Preispool!
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Wer also einen der Gewinnpreistitel ergattern möchte, meldet sich am nächsten Werktag zwischen 18:00 und 18:15 unter 069-7306122. Bitte lest vorher aufmerksam die vorliegende(n) Rezension(en) des Preistitels durch, da alle Fragen, die gestellt werden, aus diesen zu beantworten sind. Bitte keine Anrufe vor oder nach diesem genannten Zeitraum und auch bitte keine anderen Telefonnummern benutzen, da sonst das Preisrätsel nicht problemlos vonstatten gehen kann. Wer zu diesem Zeitpunkt nicht durchkommt, versucht es bei einem anderen Preisrätsel einfach nochmal, da wir ja laufend solche hier veranstalten.
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Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!
* Telefongebühren des Anrufers gehen immer zu Lasten des Anrufers. Bitte informieren Sie sich über die ortsüblichen aktuellen Kosten bei Ihrem Telekommunikationsanbieter!

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Vorstoss zum Uranus 1

Erstellt von Günther Lietz am 31. März 2010

Bei Buch24.deVorstoss zum Uranus 1
Mark Brandis Episode 7

(sfbentry)

Universal Music / Folgenreich
Nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai von Michalewsky
Manuskript: Balthasar von Weymarn
Musik & Sounddesign: Jochim-C. Redeker
Aufnahme: Thomas Weichler, Tommi Schneefuß und Sven-Michael Bluhm
Produktion, Regie und Schnitt: Jochim-C. Redeker & Balthasar von Weymarn
Artwork: Alexander Preuss
Layout/Satz: Jürgen Straub
ISBN: 978-3-8291-2315-0
Gesamtspielzeit: ca. 59 Minuten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren

Sprecher: Cmdr. Ernest D. Scott (Frank Glaubrecht), Cpt. Peter Gottwald (Mark Bremer), Bordcomputer (Anke Reitzenstein), Major Frederic Young (Erich Räuker), Lt. Winston McIntosh (Sven Hasper), Lt. Bill Maddox (Tobias Kluckert), Adjutantin (Anja Henkelmann), Tschou Lin (Oliver Siebeck), Oberst Lao Wu (Stefan Gossler), Sgt. Domenico Sini (Simon Jäger), Cmdr. Mark Brandis (Michael Lott)

http://www.folgenreich.de

Im Jahre 2125 schickt die strategische Raumflotte die erste bemannte Mission zum Uranusmond Oberon. Das Kommando führt Ernest D. Scott, ein ehrgeiziger Mann. Sein Ehrgeiz ist es auch, durch den die Mission scheitert. Es kommt zur Bruchlandung auf dem Mond Titania. Zwar überlebt die kleine Besatzung, doch kann von der Absturzstelle kein Notsignal gesendet werden. Lt. Winston McIntosh und Lt. Bill Maddox machen sich zu Fuß auf den Weg, um zur Oberfläche des Monds hinaufzuklettern. Dort sollen sie einen Sender aufstellen. Die Kletterpartie wird zu einem Wettlauf gegen die Zeit, denn die Energiereserven neigen sich rasch dem Ende zu …

„Vorstoss zum Uranus 1“ ist eine weitere packende Geschichte aus dem Mark-Brandis-Universum. Das „ss“ im Titel ist etwas irritierend, aber scheinbar gab die Schriftart kein „ß“ her. Dafür hebt sich das Cover dieser Episode vom zweiten Teil ab, was bei „Testakte Kolibri“ noch anders war. Diesmal hat jede CD dieser Doppelfolge ein andere, zum Kernthema passende Illustration. Das sieht schick aus und macht Laune.

Auch in einem anderen Bereich gibt es einen Unterschied zu den vorangegangenen Folgen: Diesmal spielt kein Mark Brandis mit – beinahe. Brandis hat im letzten Track einige Worte, aber ansonsten überlassen Jochim-C. Redeker und Balthasar von Weymarn anderen Rollen das Feld. Sie haben auch eine wunderbare Vorlage, stammt die Serie „Mark Brandis“ aus der Feder von Nikolai von Michalewsky. Allerdings ist die Reihenfolge der Romane eine andere und käme „Vorstoss zum Uranus“ eigentlich vor „Testakte Kolibri“, aber das macht keinen wesentlichen Unterschied. Somit sind die Uranus-Folgen die Episode Sieben und Acht der Hörspielreihe, die unter dem Folgenreich-Label erscheinen.

Die Handlung der Geschichte ist schnell erzählt. Sie wirkt auf den ersten Blick knapp und es gibt tatsächlich keine großen Handlungssprünge. Doch im Zentrum stehen die Charaktere, insbesondere Lt. Winston McIntosh und Lt. Bill Maddox. Die beiden Männer werden schließlich alleine losgeschickt, um einen Sender aufzustellen. Sie tragen eine große Verantwortung, die Umstände sind denkbar ungünstig und jederzeit befürchtet der Hörer, etwas könnte schiefgehen.

Sven Hasper und Tobias Kluckert brillieren in ihren Rollen und machen den Druck, der auf ihren Figuren lastet, hörbar. Die Szenerie wird durch Cmdr. Ernest D. Scott (Frank Glaubrecht) unterstrichen, der parallel zur Kletterpartie seiner Männer das Expeditionstagebuch von Robert Falcon Scott liest – oder vielmehr, es sich vom Bordcomputer (Anke Reitzenstein) vorlesen lässt. Dazu der Raumkoller an Bord des havarierten Schiffs, der vor allem das Besatzungsmitglied Sgt. Domenico Sini (Simon Jäger) befällt. Jäger ist aus anderen Hörspielproduktionen her gut bekannt und bekleidet normalerweise größere Rollen, hier wirkt er mehr am Rande, aber dennoch gewohnt eindringlich.

Das Ensemble ist jedenfalls erstklassig und leistet hervorragende Arbeit. Die bedrückende Stimmung an Bord und die stete Gefahr werden hervorragend transportiert. Das der Feind eine geheime Mission vorbereitet, verkommt dabei zur Nebensache, sind aber nette Nebeninformationen. Diese fließen in die Tracks ein und werden durch einen asiatisch angehauchten Jingle eingeleitet. Eine nette Idee, um den Kulissenwechsel zu verdeutlichen.

Beim Arrangement der Musik und Klänge hat Jochim-C. Redeker mal wieder ein gutes Händchen bewiesen. Die Musik ist stets passend und der Sound vermittelt eindrucksvoll die jeweilige Szenerie. Besonders die Funksequenzen machen Spaß und wirken sehr authentisch. Das verdichtet die Atmosphäre ungemein.

Technisch ist die CD fehlerfrei. Sie lässt sich problemlos in jedem Standardplayer abspielen. Eine Umwandlung in MP3 und überspielen auf den eigenen MP3-Player geht ebenfalls problemlos. Die CD selbst ist etwas lieblos gestaltet und kommt in schlichtem Silber daher, dafür ist das Cover passend schick illustriert. Das Booklet bietet zudem einige Zusatzinformationen. Sehr gelungen ist dabei das Motiv der Coverillustration, das sich im Inneren der CD wiederfindet – allerdings mit einigen großen Unterschieden. Schick!

„Vorstoss zum Uranus 1“ ist eine gelungene Produktion und wunderbare Fortsetzung der Mark-Brandis-Reihe. Die Folge ist mit ihren fast sechzig Minuten sehr kurzweilig und macht Lust auf mehr – vor allem auf den zweiten Teil der Doppelfolge.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Frauen reden zuviel

Erstellt von Michael Drewniok am 30. März 2010

truss-frauen-coverSeldon Truss
Frauen reden zuviel

(sfbentry)
Originaltitel: Ladies Always Talk (London : Hodder & Stoughton 1950)/Why Slug a Postman? (Garden City/New York : Doubleday 1950)
Übersetzung: Maria Meinert
Deutsche Erstausgabe: 1962 (Alfred Scherz Verlag/Die Schwarzen Kriminalromane Nr. 171)
189 S.
[kein ISBN]


Das geschieht:

Das Schicksal treibt seltsame Scherze mit der jungen Ann Smith aus London: Zwar stammt sie aus gutem Haus, ist aber arm wie eine Kirchenmaus, denn mit einer reichen Tante hat sich die Familie schon lange verkracht. Nun muss sie eine Stelle als Dienstmädchen in der Pension der strengen Miss Melrose annehmen. Ausgerechnet dort hat sich auch Miss Blenkarne, besagte Tante, einquartiert, die von der Anwesenheit der Nichte nichts ahnt.

Die Pension ist der Wohnort zwar wohlhabender aber recht kapriziöser Zeitgenossen. Sie beklagen sich gern und intrigieren noch lieber. Derzeit ist ein seltsamer Vorfall Thema der Tischgespräche: Als der Postbote vor dem Haus den Briefkasten leeren wollte, wurde er überfallen und niedergeschlagen. Der Dieb stahl kein Geld, sondern nur die von den Hausbewohnern eingeworfenen Briefe; eine Tat, die auch bei der Polizei für Ratlosigkeit sorgt.

Wenig später unterläuft Ann offenbar ein fataler Irrtum, als sie eine Dose Lachs, die ihre Haltbarkeit längst überschritten hat, zum Verzehr freigibt. Miss Blenkarne überlebt diese Mahlzeit nicht. Miss Melrose schiebt die Verantwortung auf ihre flugs gefeuerte Angestellte, und auch die Polizei reagiert argwöhnisch. Der mögliche Erbtanten-Mord, von Ann ohnehin energisch bestritten, wäre allerdings nutzlos, denn Miss Blenkarnes Bankkonto ist leer: In den letzten Monaten hat sie ihren gesamten Wertpapierbesitz zu Geld gemacht, das nun verschwunden ist.

Wer hat die alte Dame dazu veranlasst? Wo ist das beträchtliche Vermögen geblieben? Scotland Yard schickt Chefinspektor Gidleigh in das Haus Chester Grove Nr. 36. Geduldig beginnt der erfahrene Ermittler den kriminellen Knoten zu entwirren, was zu überraschenden Ergebnissen führt …

Die Attraktion der Wiederholung

Plot, Figurenpersonal, Schauplatz, Schreibstil: Dies sind die vier Eckpfeiler des typischen Rätselkrimis. Sie stecken ein vergleichsweise überschaubares Gelände ab, in dem nichtsdestotrotz zahllose unterhaltsame Kriminalromane spielen, obwohl ihre Handlungen bereits bei geringem Betrachtungsabstand nur schwer zu differenzieren sind. Dennoch lieben die Fans diese gemütliche („cozy“) Nische, in der sie zumindest lesend dem Alltag eine Weile entfliehen können.

Nichts dagegen einzuwenden, wenn dies so unwiderstehlich offen und (dies freilich unfreiwillig) altmodisch geschieht wie in unserem Fall. Schon der Titel „Ladies Always Talk“ und erst recht seine deutsche Übersetzung würden heute politisch korrekten Widerstand provozieren. Überhaupt spielt das Geschehen in einer überholten Welt, wobei der Zeitfaktor zumindest in einem entscheidenden Detail auch vom historisch uninteressierten Leser berücksichtigt werden muss: Dass in einer Pension des beschriebenen Niveaus Luxus-Lebensmittel nicht nur aus der Konservendose stammen, sondern diese darüber hinaus verrostet und verdorben sein können, ist dem Mangel der ersten Nachkriegsjahre geschuldet, die den zeitlichen Hintergrund unserer Geschichte bilden; der II. Weltkrieg hat auch in England seine Spuren hinterlassen.

Die Pension selbst stellt die im „Whodunit“ unverzichtbare isolierte und übersichtliche Kulisse dar. Hier spielt sich der Mord statt, der das Krimi-Geschehen in Gang setzt, und hier wohnen die der Tat Verdächtigen: So fordert es das Versprechen der Fairness, das der miträtselnde Leser als gegeben voraussetzt.

Im Puppenhaus der unterdrückten Triebe

Bis sich der mit dem Fall betreute Detektiv – der zum sechsten Mal auf einen Fall angesetzte Chefinspektor Gidleigh – blicken lässt, sind beinahe 100 Buchseiten gelesen. Dem Geschick des Verfassers ist zu verdanken, dass wir ihn gar nicht vermissen. Mit der Pension am Chester Grove schuf der Verfasser einen mustergültigen, in sich selbst ruhenden „Whodunit“-Mikrokosmos, den wir uns gern gemächlich vorstellen lassen.

Das Haus selbst ist alt und mit vielen Gängen und Treppen versehen, die einem Übeltäter Auftritt und Flucht erleichtern. Zudem lebt in jedem Raum eine unterhaltsam exzentrische Figur. Truss spielt hier mit Genre-Klischees, die er gleichzeitig konserviert. Wie ‚realistisch‘ ist eine Verdächtigen-Schar, die u. a. aus einem indischen Militär-Veteranen, einer belgischen Als-ob-Gräfin, einer hysterischen Tante und einem sarkastischen Arzt besteht? Hinzu kommen eine Wirtin mit mysteriöser Vergangenheit, ein sardonischer Butler, der stets dort auftaucht, wo etwas geschieht, das er weder sehen noch hören sollte, ein grenzdebiles Hausmädchen und eine ungerührte Köchin, die ohne einen Blick auf den möglicherweise bedenklichen Zustand der Lebensmittel zu werfen („Dafür bin ich nicht da.“) blind und stur zubereitet, was ihr unter die Finger gerät.

Ann Smith passt gut in diese seltsame Gesellschaft. Auf der einen Seite ist sie die Maid in Not, die unter einen Mordverdacht gerät, der erst in letzter Sekunde von ihr genommen werden kann. Gleichzeitig beschreibt Truss einen Charakter mit Widerhaken, die den Leser in Unsicherheit wiegen: Wie unschuldig ist Miss Smith wirklich?

Kein Held, sondern nur ein objektiver Ermittler

Das fragt sich und sie auch Chefinspektor Gidleigh. Genretypisch lässt er sich dabei nicht wirklich in die Karten schauen. Er gehört zu den stillen aber deshalb nicht weniger gründlichen Ermittlern und nähert sich der Wahrheit ruhig aber unerbittlich, indem er sich auf Indizien stützt und Vorurteile oder falsche Anschuldigungen unberücksichtigt lässt: „Frauen reden zuviel“ ist auch ein Schulbeispiel für die Macht des (falschen) Verdachtes. Ebenso witzig wie in der Sache ernst demonstriert Truss uns dies am Beispiel einer gerichtlichen Leichenschau, in deren Verlauf der Leumund von Ann Smith durch an sich belanglose Aussagen Stück für Stück demontiert wird: Unterm Strich addieren sich diese Informationen zu einem widersprüchlichen Bild, das die junge Frau schlecht dastehen lässt. Die Justiz bevorzugt einfache Lösungen, und die Presse liebt den Skandal: Zwischen Ann Smith und ihrer Verurteilung steht schließlich nur noch Gidleigh.

Ihn kann man trotzdem schwerlich als Helden bezeichnen. Gidleigh ist kein Sherlock Holmes, der ebenso genial wie verschroben und damit unterhaltsam seinem Job nachgeht. Diese Charakterisierung ist für den Verfasser durchaus vorteilhaft: Die Geschichte funktioniert auch ohne Gidleigh, der wie gesagt erst involviert wird, als die Ereignisse im Haus Chester Grove Nr. 36 gründlich so verwirrt wurden, dass nur ein außergewöhnlicher Ermittler die Wahrheit noch aufdecken kann.

Wortwitz im Dienst des Geschehens

Den blassen Gidleigh gleicht Truss durch einen Schreibstil aus, der treffsicher zwischen Ernst und Humor balanciert, was sich – selten genug gelingt dies – in der deutschen Übersetzung erhalten hat: Als die Polizei einen verdächtigen Koffer sicherstellt, schaltet sich der Beamte in der Gepäckaufbewahrung sachkundig so ein: „Zu klein für eine Leiche … Oder es müsste schon ein Baby sein. Und nicht schwer genug für Silber.“ (S. 121) Eher in die heutige Zeit passt auch eine angeregte Diskussion über den Giftgehalt von Erbrochenem, die in einem gut besetzten Speiselokal stattfindet (S. 119f.).

Dass der Verfasser für seinen Mord eine schlüssige und spannende Auflösung findet und sie in ein großes Finale kleidet, ist keine Überraschung mehr, sondern rundet das günstige Urteil über dieses Buch ab und weckt den Wunsch nach einer Wiederentdeckung bzw. Neuveröffentlichung von Seldon Truss, der Krimis zu schreiben vermochte, die gerade so überzeichnet wurden, dass sie der Zeit kurzweilig widerstehen konnten.

Autor

Über das Leben von Leslie Seldon Truss ist – obwohl es beinahe ein Jahrhundert währte – nicht viel bekannt. Geboren wurde er 1892, und zunächst zog es ihn zum gerade erfundenen Film: Truss gehört zu den Gründergestalten des britischen Kinos, für das er in den 1910er und frühen 20er Jahren als Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur tätig war.

In den 1920er Jahren begann Truss eine zweite Karriere als Schriftsteller. Erfolg hatte er mit seinen Kriminalromanen, von denen der erste („The Stolen Millionaire“) 1929 erschien. Sieben Jahre später schuf Truss mit dem Scotland-Yard-Beamten Gidleigh eine Serienfigur, die zwischen 1936 und 1965 in 23 Romanen – klassischen „Whodunits“ – auftrat.

1969 beschloss Truss – der auch einige Bücher unter dem Pseudonym „George Selmark“ veröffentlichte – seine Schriftsteller-Laufbahn mit dem Roman „The Corpse That Got Away“. Sein Ruhestand währte lange, denn Sheldon Truss starb erst 1990 im gesegneten Alter von 98 Jahren.

[md]

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Übersetzungen aus dem Kolosianischen

Erstellt von Werner Karl am 30. März 2010

ubersetzungen-aus-dem-kolosianischen1Jack McDevitt:
Übersetzungen aus dem Kolosianischen

(sfbentry)
Originaltitel: Standard Candles (1996)
Aus dem Amerikanischen von Andreas Irle
Bergneustadt: Edition Andreas Irle 2009
Umfang 344 Seiten
Mit einem Vorwort vom Autor, von Charles Sheffield und einem Nachwort von Andreas Irle
ISBN 978-3-936922-11-0

www.editionandreasirle.com

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Was vom Titel her an ein Sachbuch erinnert (andere Titel wie „Standardkerzen“, „Zur Hölle mit den Sternen“ oder „Zeitreisende sterben nie“ wären hier sicherlich griffiger gewesen), ist die erste in Deutschland vorliegende Sammlung kürzerer Texte des begnadeten US-amerikanische SF-Autors Jack McDevitt. Übersetzungen aus dem Kolosianischen enthält 15 Kurzgeschichten und eine Novelle, von denen nur vier Storys bisher in Deutsch erschienen sind (drei bei Heyne, eine im Ullstein Verlag).

Herausgeber Andreas Irle unternimmt hier, erstmals nach vielen Titeln seiner “Jack-Vance-Edition”, den Versuch, einen anderen Autoren in Deutschland zu veröffentlichen, was sehr löblich ist, wären die Kurzgeschichten doch sonst wohl nie hierzulande erschienen, da die Leser Kurzprosa kaum noch zu schätzen wissen. So hatte Bastei, der Hausverlag des Amerikaners, wohl kein Interesse, was ob der Qualität der Texte bedauerlich ist. Extra für die hiesige Ausgabe hat Jack McDevitt sogar ein Vorwort verfasst, dem dann noch das Vorwort der amerikanischen Ausgabe von Charles Sheffield folgt. Alle Geschichten zeigen auf, dass McDevitt ein genialer Schriftsteller ist, der glaubhafte, komplexe Protagonisten und dichte, emotionalisierende Atmosphären erschaffen kann und diese zudem mit ausgefeilten Ideen verbindet.

Bereits die erste Geschichte “Standardkerzen” zeigt dies eindrücklich. Vordergründig die traurige Erzählung eines Wissenschaftlers, der ob fehlender Genialität an seinen hochgesteckten Zielen scheitert und so beruflich Schiffbruch erleidet, vollzieht sich vor den erstaunten Augen des Lesers wie nebenbei noch ein viel Bedrückenderes privates Scheitern des Mannes, welches ihn seine Liebe und Ehe kostet, ohne dass dem Protagonisten dies wirklich bewusst ist. Dass dabei auch noch eine interessante Geschichte erzählt wird, ist bei Jack McDevitt selbstverständlich. Selbst einem kurzen Text wie “Schwarz am Zug” entlockt der Autor ein maximales Niveau der Spannung und des Grauens, wenn man den Plot der Story versteht. Und egal ob sich ein Priester mit einer Computersimulation eines verstorbenen Heiligen anfreundet und ihm einen würdevollen Tod gönnt (“Gus”), oder ein erfolgloser Schriftsteller ein überaus verlockendes Angebot erhält, welches er in nahezu blasphemischer Weise ablehnt (“Zweigstelle Fort Moxie”), fast immer paaren sich bei McDevitt stilistische Brillanz mit überzeugenden Ideen und dem berühmten sense of wonder.

Lediglich die kurze und etwas krude wirkende Story “Gezeiteneffekte” und die triviale Novelle “Zeitreisende sterben nie”, die zwar unterhaltsam ist, dem Thema Zeitreisen aber keine wirklich neuen Aspekte abgewinnt (wofür McDevitt aber eigentlich bekannt ist, selbst wenn er scheinbar ausgelutschte Themen aufgreift, so wie das Thema Erstkontakt in seinem gleichnamigen Roman), fallen etwas ab inmitten grandioser Kabinettstückchen. Eines davon ist “Zur Hölle mit den Sternen”, in der McDevitt eine Zukunft schildert, in der einerseits der Traum die Sterne zu erreichen scheinbar begraben wurde, um ihn dann in der letzten Wendung der Erzählung um so mächtiger wieder aufleben zu lassen und dabei noch eine huldvolle Verbeugung vor dem Genre Science Fiction und ihren berühmtesten Autoren einfließen zu lassen (und damit sicherlich offene Türen bei den Fans einzurennen). Aber selbst unwahrscheinliche Wendungen wie die zeitlose Reise ohne Maschinenhilfe zwischen den Sternen, geschildert in der Titelgeschichte, werden vom Autor dermaßen magisch in Szene gesetzt, dass der Leser ob der zauberhaften Wendungen der Erzählung vergisst, wie unglaubwürdig die eigentliche Prämisse ist.

Und wenn ein verhinderter Zeitreisender angesichts eines Amok laufenden Priesters mit einem genialen Schachzug die letzte Möglichkeit ergreift, sein Leben zu retten, wie in “Kreuzen durch das Deuteronomium” geschildert, dann versteht auch der letzte Leser, warum besonders Kurzgeschichten von vielen Fachleuten als die eigentlich Domäne der Science Fiction begriffen werden.

Immer wieder ist die Begegnung des Menschen mit sich selbst und dem Fremden in uns das eigentliche Thema des Autors. So ist jedes vermeintliche Treffen mit Aliens nichts anderes, als der Blick in unsere eigenen Abgründe und Fehler, aber auch in die Wunder unserer Existenz; dies zumindest die Botschaft vieler der hier enthaltenen Geschichten. Wer die Romane dieses begnadeten Schriftstellers liebt und wertschätzt, der sollte sich die hier vorliegende wunderbare Sammlung kürzerer Texte nicht entgehen lassen, die eindrucksvoll zeigt, dass Jack McDevitt einer der herausragendsten Autoren des Genres ist.

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Der Schwur der Geächteten

Erstellt von Werner Karl am 30. März 2010

der-schwur-der-geachtetenBoris Koch
Der Drachenflüsterer – Der Schwur der Geächteten

(sfbentry)
München: Verlagsgruppe Random House 2010
Heyne Hardcover (ohne Schutzumschlag)
Umfang 366 Seiten
ISBN 978-3-453-52620-4

www.randomhouse.de

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Nach Der Drachenflüsterer setzt Boris Koch die Abenteuer des jungen Ben und seiner Freunde Yanko und Nica mit dem vorliegenden Band fort.

Die drei Helden und die von ihnen befreiten drei intelligenten Drachen sind mittlerweile zu Geächteten geworden, und der Orden der Drachenritter, die den Drachen die Flügel abschlagen und sie somit in die Sklaverei zwingen, lässt landesweit noch den Jugendlichen suchen. Doch Ben und seine Freunde haben sich vorgenommen, noch weitere Drachen zu befreien, indem der Junge sein magisches Talent einsetzt, den verstümmelten Drachen neue Flügel wachsen zu lassen. So reisen die Jugendlichen und ihre Drachen in die Stadt Vierzinnen, um den Ketzer Norkham ausfindig zu machen, der einst den Befehl gab, Nica einem Drachen zu opfern. Seinen Drachen will man befreien und sich an ihm rächen. Doch Norkham ist geflohen, seine Anhänger befinden sich erhängt vor dem Stadttor und dann laufen Ben und seine Freunde auch noch in der Stadt in eine Falle der Ordensritter, aus der es kaum ein Entkommen zu geben scheint…

Leider ist die Fortsetzung von Der Drachenflüsterer längst nicht so gelungen wie der Auftaktband der Serie. Waren hier noch tolle Ideen und die spannende Handlung ein wesentlicher Pluspunkt neben dem gutklassigen Stil des Autors und der glaubhaften Atmosphäre, so kann die Fortsetzung nur noch mit den beiden letzteren punkten. Auch die ausgefeilten Charaktere stehen diesmal allzu deutlich im Hintergrund. Größtes Manko ist aber wohl die eher mäßige Spannung, denn dem Autor will es diesmal nicht so recht gelingen, diese mehrfach geschickt aufzubauen. Gerade im Mittelteil des Romans gibt es einige Hänger und vielleicht ist es auch bezeichnend, dass dem Autor in einer kleinen Nachgeschichte von 17 Seiten, in dem er das Schicksal zweier Ordensritter erzählt, die von den Drachen der Jugendlichen in die Verbannung hinter eine Gebirgskette geflogen wurden, das gelingt, was ihm in den 350 vorherigen Seiten mißlingt: Nämlich eine durchweg witzige und packende Geschichte zu erzählen. Diese dürfte dem Autor beim Schreiben wohl ebenso viel Spaß gemacht haben wie dem Leser beim verschlingen, dies ist deutlich zu merken.

Schade, dass dieser Zauber diesmal aber nur von dieser “Kurzgeschichte” ausgeht. Wer den ersten Band gelesen hat, dem sei das Weiterlesen trotzdem empfohlen, denn Boris Koch kann zweifelsfrei unterhaltsam und recht klischeefrei schreiben, den Leser gut unterhalten. Würde das Buch für sich alleine stehen, wäre es als gouabel einzustufen. Gemessen am Auftaktband der Serie ist es aber leider sehr enttäuschend, denn dem Autoren scheinen die herrlich-kruden Ideen ausgegangen zu sein, durch welche sich Der Drachenflüsterer noch auszeichnete, und, schlimmer noch, er scheint sogar etwas die Lust an seiner Serie verloren zu haben. Es bleibt zu hoffen, dass er den Spaß beim Schreiben und Erfinden wieder findet und den dritten Band wieder anreichert mit Kreativität und Nonsens, so wie es im ersten Roman der Fall war.

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Die Welt in den Wolken

Erstellt von Werner Karl am 30. März 2010

die-welt-in-den-wolkenJay Amory
Die Welt in den Wolken

Originaltitel: The Fledging of Az Gabrielson (2006)
Aus dem Englischen von Joannis Stefanidis
München: Verlagsgruppe Random House 2009
Blanvalet Taschenbuch 24473
Science Fiction
Umfang 447 Seiten
ISBN 978-3-442-24473-7

www.randomhouse.de

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Auch wenn man es wohl in Zeiten der Verkaufs- und Beliebtheitsdominanz der Fantasyliteratur kaum noch registrieren mag: Das vorliegende Buch ist ein “lupenreiner” SF-Roman (und dies ist nicht im Sinne des Mißbrauchs dieses Wortes durch Gerhard Schröder gemeint). Allerdings leider kein guter!

Der 16jährige Azrael Gabrielson, kurz Az genannt, lebt nach einer verheerenden Katastrophe auf der Erdoberfläche wie viele andere Menschen in einer Stadt über den Wolken. Seit vielen Generationen leben hier schon Menschen und haben sich diesem Leben in der dünnen Luft angepasst. Jeder hat flugfähige Flügel und die menschlichen Körper wiegen nicht mehr allzu viel. Nur Az ist in einer Hinsicht eine fatale Ausnahme: Denn er hat als fast einziger Mensch in den Städten über den Wolken keine Flügel. Aber genau dies macht ihn geeignet für ein riskantes Unternehmen, denn die Rohstofflieferungen von der Erdoberfläche werden immer weniger und drohen zu versiegen. Deshalb wird Az von der Präsidentin des Luftvolks darum gebeten, mit einem der schnellen, gigantischen Aufzüge nach unten zu reisen und zu erforschen, was dort vor sich geht.

Az beschließt das Wagnis einzugehen und reist zur Erdoberfläche, welche dauerhaft in graue Wolken gehüllt ist. Dort entdeckt er schnell, dass noch viele Erdenmenschen leben und sich eine Art Religion etabliert hat, deren Priester nicht nur selbst gut leben, sondern auch dafür sorgen, dass die Himmelsstädte weiterhin beliefert werden. Mittlerweile regt sich jedoch Widerstand gegen die Priester, und immer mehr der ausgebeuteten Arbeiter solidarisieren sich und begehren gegen die Herrschaft der Priester auf. Als Az von den Erdlingen entdeckt und enttarnt wird, wird er gefangen genommen und das alte, etablierte System droht zu zerbrechen…

Was spannend klingt, ist leider nur in der ersten Hälfte der Geschichte wirklich überzeugend. Leider gehen dem Autor nach ca. 150 Seiten definitiv die Ideen aus. Danach wirkt fast alles nur noch klischeehaft, vor allem die Protagonisten sind unglaubwürdig, allen voran der intrigante Politiker mit dem entlarvenden Namen Alan Dampfsager, der allzu eindeutig als Bösewicht herhalten muss. Noch viel ärgerlicher ist jedoch, dass der Autor sich keine Gedanken gemacht zu haben scheint, woher die Nahrung auf einer Erde ohne Sonnenschein kommt. So gibt es auch nur einen einseitigen Austausch von Waren und Rohstoffen, welcher nur von unten nach oben stattfindet. Betrachtet man sich dies genauer, erscheinen die Menschen der Lüfte als Volk von Schmarotzern und Ausbeutern, die auf Kosten der Erdlinge ein üppiges Dasein führen, ohne etwas im Gegenzug dafür zu leisten.

Dass der Autor sich dann auch noch eindeutig auf die Seite dieser Ausbeuter stellt, alle, die gegen das System kämpfen, diffamiert und Az zum unreflektierten und gleichgültigen Dummerjan macht, dem nur die Erhaltung des alten Systems am Herzen liegt und der keinerlei Mitleid mit den geschundenen Erdbewohnern hat, wäre wohl früher als erzreaktionär bezeichnet worden, als man solche Worte noch in den Mund nahm. Ähnlich wie in “Metropolis” frisst die Revolution jedoch ihre Kinder und “Die Welt in den Wolken” wartet mit fast identischem Plot auf, was einen mehr als faden Beigeschmack bei mitfühlenden, sozial engagierten Lesern hinterlassen dürfte.

Aber auch über diesen ethischen Mangel hinaus ist das vorliegende Buch eine Enttäuschung, da der Autor dem eigenen Niveau des ersten Drittels zum Opfer fällt, denn der Rest der Geschichte ertrinkt in ideenlosen Oberflächlichkeiten, fader Action und Klischees. Schade, denn zumindest der Beginn des Romans ist gut lesbar und verheißt ein interessantes Sujet mit exotischer Atmosphäre. Doch Jay Amory erstickt alle guten Ansätze im Keim durch triviale Charaktere und Platitüden, nur die enorme Schriftgröße transportiert den Leser schlußendlich ans Ende der Geschichte (hätte man solche Erzählungen früher doch auf maximal 250 Seiten abgedruckt!).

Eine leider verschenkte Idee, aus der viel mehr hätte werden können und sollen.

Copyright © 2009 by Gunther Barnewald

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Warum und Weshalb

Erstellt von Werner Karl am 29. März 2010

warum-und-weshalbBrian K. Vaughan & Pia Guerra
Warum und Weshalb
Y – The Last Man 10

Y – The Last Man, Vol. 10, USA, 2008
Panini Comics, Stuttgart, 09/2009
PB mit Klappbroschur, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat
Science Fiction
ISBN 978-386607-791-1
Aus dem Amerikanischen von Claudia Fliege
Titelbild von Massimo Carnevale
Zeichnungen von Pia Guerra, & Jose Marzan jr., Farbe von Zylonol

www.paninicomics.de
www.bkv.tv
www.hellkitty.com
http://lambiek.net/artists/c/carnevale_massimo.htm
www.josemarzan.com/

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Nicht nur die Irrfahrt von Yorick Brown sondern auch der Zyklus um „Y – The Last Man“ finden nun ihr Ende. Vier Jahre sind vergangen, seit die Seuche über die Erde kam, die alle männlichen Wesen vernichtet hat – bis auf den jungen Mann und sein Kapuzineräffchen. Zusammen mit der Biologin Dr. Mann und der Agentin 359 ist er durch ganz Amerika gezogen, um herauszufinden, warum er und Ampersand überlebt haben, und vielleicht sogar ein Gegenmittel zu entdecken, denn es gibt noch das männliche Kind einer Astronautin, das das Massensterben überlebt hat.

Die Reise geht jedoch noch weiter, denn die Spuren der Ursache führen nach Südostasien – genauer: nach Japan. Und nun, wo die offenen Fragen geklärt sind, zieht es Yorick weiter nach Westen, denn er will seine Verlobte Beth wieder sehen, von der ebenfalls Spuren gefunden wurden, wenn auch in Australien. Mittlerweile soll Beth in Frankreich leben, und zwar in Paris. So reist Yorick unermüdlich durch die Steppen Russlands, immer noch verfolgt von den Frauen, deren Ziele nach wie vor nicht ganz klar sind. Wollen sie Yorick nun töten oder aus ihm einen neuen Adam machen? Doch in der Stadt der Liebe erwarten ihn mehrere Überraschungen. Denn Beth ist nicht mehr ganz die, die sie einmal war. Zudem ist sie inzwischen mit Yoricks Schwester zusammen getroffen und weiß von der Tochter, die er mit einer anderen gezeugt hat.

So kommt es schließlich zu einer Konfrontation auf mehreren Ebenen, die nicht nur einigen Betroffenen den Tod bringt, sondern den jungen Mann auch zu einer bitteren Erkenntnis, denn er ist all die Jahre einem Traum nachgerannt und hat das Wesentliche übersehen. Auch sechzig Jahre später sieht das nicht anders aus. Die Menschheit existiert immer noch, hat aber inzwischen einen Weg gefunden, sich weiter fortzupflanzen, wenn auch genau mit der Technik, die der Hälfte ihrer Rasse ursprünglich den Tod brachte.

Pia Guerra und Brian K. Vaughan führen nun auch die letzten Handlungsstränge zusammen, doch man sollte nicht unbedingt nach dem Showdown mit den Verfolgern noch ein Happy End erwarten. Es gibt eher Ernüchterung und unangenehme Überraschungen, sowohl für den Helden als auch die Frauen in seinem Umfeld. Gerade das macht aber die Güte des Comics aus, denn die Ereignisse bleiben weiter auf einem realistisch-vorstellbaren Niveau und verfallen nicht in melodramatischen Kitsch, vor allem nicht die letzten Szenen nach dem Zeitsprung.

Noch einmal zitieren sie alles, was die Geschichte so spannend gemacht hat, und runden damit die Ereignisse gelungen ab. So ist nichts an dem zehnten und letzten Band von „Y – The Last Man“ zu mäkeln, denn die Geschichte bietet nicht nur das, was man bisher schon kennt, sondern auch ein angemessenes und stimmiges Ende, das einen sehr nachdenklich zurück lässt. Damit hat die Serie bewiesen, dass sie nicht ohne Grund mehrfach ausgezeichnet wurde.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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Der verlorene Sohn

Erstellt von Werner Karl am 29. März 2010

der-verlorene-sohnPeter Johnson, Rebecca Dessertine, Eric Kripke
Der verlorene Sohn
Supernatural 1

Supernatural: Rising Son, USA, 2008
Panini Comics, Stuttgart, 02/2010
PB mit Klappbroschur, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat
Mystery
ISBN 978-386607-988-5
Aus dem Amerikanischen von Bernd Kronsbein
Titelfoto von Warner Brothers
Zeichnungen von Diego Olmos, Dan Hipp, Farbe von Jonny Rench

www.paninicomics.de
www.warnerbros.com/
www.cwtv.com/shows/supernatural
http://mrhipp.blogspot.com/

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Eric Kripke schuf mit „Supernatural“ eine Mystery-Serie, die zwar ganz klassisch mit zwei Brüdern begann, die das Erbe ihres Vaters annehmen und nun ihrerseits Dämonen jagen und vernichten. Inzwischen aber hat die Reihe eine ganz andere Richtung eingeschlagen und steuert auf den letzten großen Konflikt zwischen Himmel und Hölle zu: die Apokalypse. Und die Brüder spielen eine nicht unerhebliche Rolle in diesem Drama.

Doch die Graphic Novel „Der verlorene Sohn“ kehrt zu den Anfängen zurück und zeigt das, was in der Serie selbst nur angedeutet wurde. Seit vielen Jahren ist John Winchester auf einem Rachefeldzug gegen den Dämon, der seine Frau grausam umbrachte und auch immer wieder die Hand nach seinen Kindern ausstreckt. So begleiten ihn seine Söhne Dean und Sam. Während der Ältere sehr genau weiß, was sein Vater tut, wenn er nicht auf der Arbeit oder bei ihnen ist, versuchen beide, dieses Geheimnis vor Sam geheim zu halten, um wenigstens ihm die Last zu ersparen, die sie beide tragen. Natürlich erscheint es dem Jüngeren auch seltsam, dass sein Vater immer wieder fluchtartig aufbricht und alles zurück lässt, was sie sich aufgebaut haben, aber er nimmt das mit der Geduld und Sorglosigkeit eines Kindes hin und versucht, das Beste daraus zu machen.

Dafür machen sich John und Dean umso mehr Sorgen, denn langsam kristallisiert sich heraus, dass die Dämonen vor allem an Sam interessiert sind. Er stellt etwas für sie dar, was sie dem Jäger bisher noch nicht verraten haben. Das kommt besonders deutlich zum Tragen, als die Winchesters nach langem endlich einmal wieder für ein paar Monate ein ganz normales Leben führen können. Aber als sich die Lehrerin, die sich besonders um Sam kümmert, auch noch als Dämonin erweist, bricht alles wie ein Kartenhaus für John Winchester zusammen. Und es kommt noch schlimmer, denn nun sind auch noch Jäger hinter ihnen her, für die Sam nicht wirklich ein Mensch ist, sondern selbst vom Bösen besessen. Etwas, was weder der Vater noch der Bruder wahr haben wollen …

„Der verlorene Sohn“ ist vor allem für die Fans der Fernsehserie interessant, da sich in ihr viele Hinweise und Andeutungen finden, die nur der verstehen kann, der auch einiges an Folgen gesehen hat. Dementsprechendes Vorwissen sollte man mitbringen. Die Geschichte füllt die wenigen Andeutungen aus, die bisher in der Serie gefallen sind. Man erfährt mehr über das ruhelose Leben der Winchesters, das vor allem Dean geprägt hat. Erstaunlicherweise ist er nicht der harte Kerl aus der Serie, sondern eher ein feinfühliger Junge, der sehr schwer an seiner Bürde zu tragen hat und deshalb erst niemanden an sich heran lässt, um nicht verletzt zu werden oder noch einen Verlust zu ertragen.

Die Geschichte wird sehr spannend erzählt, kratzt aber natürlich auch nicht sehr am Serienkanon. Dennoch werden durch die Geschichte einige Dinge aus der Vergangenheit der Winchesters klarer. Die Zeichnungen sind dynamisch und passend, wenn man auch manchmal Mühe hat, die Helden der Reihe zu erkennen. Aber da unterscheiden sie sich nicht sehr von anderen Graphic Novels zu Serien und Filmen. Alles in allem bietet „Supernatural“ eine spannende Geschichte für alle Fans, die dem Kanon ziemlich nahe kommt, dürfte aber weniger etwas für Leute sein, die nur einzelne oder gar keine Folgen kennen.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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