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neuauflage

Archiv für April, 2010

Ein Indianischer Sommer

Erstellt von Werner Karl am 30. April 2010

manara-werkausgabeHugo Pratt & Milo Manara
Ein Indianischer Sommer
Manara Werkausgabe 2

Estate Indiana, Frankreich/Italien 1983, dt. Erstausgabe: Carlsen Verlag, Hamburg, 1986
Panini Comics, Stuttgart, 09/2009
HC mit Schutzumschlag auf Kunstdruckpapier, Comic, Adventure, Geschichte, Erotik
ISBN 978-386607-873-4
Aus dem Italienischen von Michael Leimer
Titelbild und Zeichnungen von Milo Manara

www.paninicomics.de
www.cortomaltese.com/
www.milomanara.com/

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Zu den bekanntesten Frühwerken von Milo Manara gehört wohl „Ein indianischer Sommer“, das er zusammen mit Hugo Pratt schuf, der in den Jahren zuvor mit seinen Geschichten um „Corto Maltese“ zu denen gehörte, die dem Comic auch literarische Ehren versprachen. Die Handschrift des 1927 geborenen und 1995 verstorbenen Altmeisters ist auch hier sehr deutlich zu spüren, denn, auch wenn es sich vordergründig um ein Abenteuer handelt, im Mittelpunkt stehen doch in erster Linie Menschen mit allen Stärken und Schwächen. Im siebzehnten Jahrhundert fassen die Europäer gerade erst Fuß an der amerikanischen Atlantikküste. Noch herrscht relativer Frieden mit den Indianern, und einige Familien pflegen sogar innige Freundschaften mit ihnen. Doch dann wendet sich das Blatt zu einem blutigen Krieg.

Alles beginnt damit, dass zwei junge Indianer – einer davon ein Halbblut – über ein weißes Mädchen herfallen, das am Stand spazieren geht. Sie vergewaltigen es, aber ehe sie mit ihrer Tat prahlen können, werden sie aus dem Hinterhalt erschossen. Der immer etwas zornig wirkende Abner Lewis hat kurz entschlossen Gerechtigkeit geübt und bringt das zu Tode erschreckte Mädchen in das Haus seiner Familie. Die Lewis’ leben abseits vom Dorf, da ihre Mutter eine mit dem Mal der Schande gezeichnete Frau ist und keines ihrer Kinder in ehelicher Gemeinschaft geboren hat. Daher ist sie dazu bereit, dem Mädchen ohne Wenn und Aber zu helfen. Allein die Tatsache, dass sie die Nichte des puritanischen Priesters Black ist, macht ihr zu schaffen. Denn das wird einen Schatten der Vergangenheit in ihr Haus zurück bringen. Und tatsächlich ist der strenggläubige und immer schwarz gekleidete Mann nicht begeistert, von dem Geschehen zu hören.

Derweil entdecken die Indianer die Toten und fordern Rechenschaft und Vergeltung, auch wenn sie wissen, dass die beiden jungen Männer Schuld auf sich geladen zu haben. Aber es gibt nun einmal Traditionen, denen man zu folgen hat. So kommt es schneller, als gedacht, zu einem Angriff, erst auf das Haus der Lewis und dann auf das Dorf Canaan selbst. In Folge der Ereignisse vertraut die Mutter ihren Kindern erstmals ihre Lebensgeschichte an, die viel mit der Doppelmoral der Gesellschaft, Demütigung und Erniedrigung der Schwachen zu tun hat. Retten kann sie damit nicht all ihre Kinder, aber gerade ihre Söhne bringt sie dazu, ihr Leben nun in eigene Hände zu nehmen. „Ein indianischer Sommer“ ist kein Abenteuer-Comic im herkömmlichen Sinne, der einfach nur von den ersten Indianerkriegen und dem Überlebenskampf der Siedler erzählt, sondern ein vielschichtiges Werk, in dem die Verkettung von unglücklichen Zufällen und Missverständnissen zu einer Katastrophe und dem Bruch alter Freundschaften führen. Auf beiden Seiten gibt es Männer und Frauen, die den Krieg eigentlich nicht wollen, aber auch Fanatiker wie den Priester Black, der schon allein durch seine Kleidung aus der Menge heraus sticht.

Obwohl er aus der Bibel predigt und auf die Vermeidung von Sünde pocht, ist er die am meisten verkommene Gestalt der ganzen Geschichte. Alle anderen mögen trotz einiger menschlicher Schwächen aus Ehrenhaftigkeit und einem gewissen Idealismus handeln, er jedoch verkörpert im Besonderen die Doppelmoral der damaligen Zeit, die den mächtigen und starken Vertretern einer Gemeinde alles erlaubt, die Unterlegenen, die sich dagegen wehren, aber brandmarkt. Sex spielt zwar eine nicht unerhebliche Rolle, ist aber niemals reiner Selbstzweck. Das zeigt sich schon daran, dass die erotischen Szenen eher verhalten sind. Pratt und Manara zeichnen damit insgesamt ein pralles und realistisches Bild der Zeit, das weder beschönigt noch all zu düster wirkt. So facettenreich wie die Geschichte sind auch die Menschen.

Panini ist hoch anzurechnen, dass der Verlag die Geschichte noch einmal komplett und in einer schön gestalteten Hardcover-Ausgabe herausgibt, die um eine ausführliche Vorstellung von Autor, Künstler und Werk ergänzt wurde. So erfährt man, was die Künstler zu ihrer Geschichte inspirierte. Alles in allem ist der zweite Band der „Manara-Werkausgabe“ ein lohnenswerter Kauf, da „Ein indianischer Sommer“ zu den Comic-Klassikern gehört, die man kennen sollte und die sorgfältige Ausgabe als Hardcover mit Schutzumschlag für sich spricht.

Copyright 2010 © by Christel Scheja (CS)

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Das Monster des Sumpfes

Erstellt von Werner Karl am 30. April 2010

franka05Henk Kuijpers
Das Monster des Sumpfes
Franka 5

Het monster van de moerplaat, Niederlande, 1982
EPSILON Verlag, Pinneberg, Erstveröffentlichung der der überarbeiteten und erweiterten Ausgabe: 12/2002
SC-Album, Comic, Krimi, Funny
ISBN 978-3-932578-21-2
Aus dem Holländischen von Sabine Dorscheid
Titelillustration und Zeichnungen von Henk Kuijpers, Kolorierung der 14 neuen Seiten von Hanneke Bons

www.epsilongrafix.de/
www.franka.nl/

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Im Gegensatz zu den bisherigen Alben, die jeweils eine komplette Geschichte beinhalteten, darunter sogar einen Zweiteiler, bietet „Franka 5“ drei von einander unabhängige Storys. Interessanterweise bestehen auch die längeren Erzählungen aus drei Abschnitten, die gelungen miteinander verwoben wurden. Durch das Hinzufügen zusätzlicher Panels und der Bearbeitung mehrerer Seiten, wurde die vorliegende Ausgabe gegenüber dem Original um fünf Seiten erweitert. Man kann anhand der Panel-Einteilung und der Kolorierung erahnen, was neu ist, doch wurde so geschickt gearbeitet, dass es nicht weiter auffällt, sondern sich gut einfügt. In der Titel-Geschichte „Das Monster des Sumpfes“ plant Franka, das herrliche Wetter für einen kleinen Segeltörn zu nutzen. Als sie am Ziel ankommt, wird sie vor dem unheimlichen Sumpf und einem angeblichen Monster gewarnt, das bereits mehrere Schiffer erschreckte. Das weckt nur erst recht Frankas Neugierde. Sie dringt in den Sumpf vor und macht eine erstaunliche Entdeckung, doch die Gefahr folgt ihr auf dem Fuß …

„Der Pyromane“ zündet regelmäßig die Häuser reicher Bürger an. Franka kommt das sehr verdächtig vor, und so wendet sie sich an die Schwester ihrer Freundin Furora. Die junge Frau arbeitet in einem Nachtclub als Feuerschluckerin und kann Franka einige wichtige Hinweise geben. Als die beiden den Täter stellen wollen, wird es für sie gefährlich …

Soll ein Konkurrent ausgeschaltet werden, kommt „Der Saboteur“ ins Spiel. Seinen Tricks verdankt er eine Menge Geld. Das Schicksal der Geprellten ist ihm völlig egal. Pech, dass sich eines seiner Opfer wehrt. Franka, die ihm auf die Schliche kommt, muss daher gar nicht viel tun, um ihn zu überführen …

Alle Storys sind so witzig und spritzig, wie man es von „Franka“ erwartet. Henk Kuijpers konzentriert sich auf das jeweilige Thema und zieht die Handlung konsequent und schnörkellos durch. Stets geschieht etwas, wodurch die Neugierde der Titelheldin geweckt wird. Allein oder mit Freunden stellt sie Nachforschungen an. Dank ihrer Kombinationsgabe findet sie schnell die richtige Spur und kann kleine und größere Verbrechen aufdecken. Dabei gerät sie oft selbst in Lebensgefahr. Die spannende, durchdachte Handlung steht im Vordergrund, während es den Charakteren leider an Tiefe fehlt. Selbst über Franka ist wenig bekannt. Figuren aus früheren Episoden tauchen nur sehr selten in ein, zwei Szenen auf oder werden nebenbei erwähnt, darunter Kommissar Nordwind vom Kriminalmuseum und die Wahrsagerin Furora (ihre Schwester bleibt namenlos). Was an sich ein Nachteil ist, erleichtert es wiederum Quereinsteigern, schnell in die Geschichten hineinzufinden, denn man muss für das Verständnis keinerlei Vorkenntnisse mitbringen.

Die Zeichnungen sind gewohnt detailreich. Die nachträglich eingefügten Panels wirken filigraner; es gibt aber auch einige Ausreißer in die andere Richtung, die einen etwas groben Strich aufweisen und die Figuren leicht verzerrt erscheinen lassen, als wäre ein anderer Tuscher am Werk gewesen. Alles in allem wird man auch vom fünften „Franka“-Album sehr gut unterhalten, wenn man eine smarte Heldin und den Mix aus Krimi und Funny mag.

Copyright 2010 © by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich unter Buch24.de
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Cimmeria

Erstellt von Werner Karl am 30. April 2010

conanTimothy Truman, Robert E. Howard
Cimmeria
Conan 12

Conan the Cimmerian 0 – 7, USA, 2008/09
Panini Comics, Stuttgart, 03/2010
PB mit Klappbroschur, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat auf Kunstdruckpapier, Fantasy
ISBN 978-3-86607-956-4
Aus dem Amerikanischen von Michael Strittmatter
Titelillustration von Tomás Giorello, Frank Cho & Joe Kubert
Zeichnungen von Tomas Giorello & Richard Corben, Ernie Chan, Farben von José Villarruiba

www.paninicomics.de
www.timothytruman.com/
www.conan.com/
http://lambiek.net/artists/g/giorello_tomas.htm
www.libertymeadows.com/
www.kubertsworld.com/
www.corbenstudios.com/
www.erniechan.com/

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Nach vielen Abenteuern in den fernen Ländern des Ostens verspürt Conan Heimweh und reist zurück in den kalten, dunklen Norden. Nachdem er von einer Gruppe Vanir angegriffen und verletzt wurde, kümmert sich ein mysteriöser Alter um seine Wunden. Er erzählt sogar eine Geschichte über Connacht, Conans Großvater, die dieser einst seinem Enkel anvertraute. Conan ist sofort klar, dass der Alte kein gewöhnlicher Einsiedler ist und etwas von ihm will. Immer wieder werden Erinnerungen an Connacht wach gerufen, der Conan sehr ähnlich und doch ganz anders war. Auch der Ahn durchwanderte fremde Länder, liebte schöne Frauen, stahl Schätze, kämpfte als Söldner und half so manches Mal Menschen in Not, wodurch er oft selber in Schwierigkeiten geriet. Als ihn schließlich die Sehnsucht nach der Heimat übermannte, blieb er.

Doch dann trennen sich die Wege von Conan und dem Alten, bevor das Rätsel gänzlich gelöst wird. Conan verdrängt die Gedanken daran sehr schnell, als er Caollan begegnet, seiner ersten Liebe. Sie ist auf der Flucht vor den Aesir, deren Häuptling Wulfere sie nicht heiraten kann, da sie ein Kind von Brecan erwartet, dem Sohn des Anführers der nördlichen Cimmerier. Allerdings hatte dieser den Sohn Wulferes erschlagen, und die Vermählung mit Caollan sollte den gefährdeten Frieden zwischen den Stämmen sichern. Nach all den Jahren erwachen zwischen Conan und Caollan erneut tiefe Gefühle. Gemeinsam stellen sich beide den Verfolgern und versuchen, ihr Heimatdorf zu erreichen. Wenn sie es schaffen, ob dann auch Conan wie sein Großvater bleiben wird?

Robert E. Howard schuf einst das Gedicht „Cimmeria“, das der Heimat seiner populärsten Figur Conan gewidmet war. Dem Comic-Autor Timothy Truman lieferte es den Aufhänger für eine achtteilige, in sich abgeschlossene „Cimmeria“-Saga, die im verschneiten Norden angesiedelt ist und schildert, wie der Titelheld seinem Heimweh nachgibt, um sein Dorf und die Menschen, die er schätzt, wieder zu sehen.

Die Handlung läuft auf zwei Ebenen ab: In der Gegenwart begleitet man Conan auf seiner gefährlichen Heimreise. Immer wieder wird er in Kämpfe verwickelt, da ein einsamer Wanderer umherziehenden Kriegern als leichte Beute erscheint, er seiner einstigen Jugendliebe beistehen möchte und Verrat aus Freunden Feinde macht. Aber er begegnet auch Aufrichtigkeit, Treue und Ehrgefühl. Parallel dazu wird in die Vergangenheit geblickt und die Geschichte von Connacht beleuchtet, die sich kaum von der Conans unterscheidet. Beide Männer weisen viel Ähnlichkeit auf, vor allem was ihre Abenteuerlust und ihren Wunsch, Ungerechtigkeiten zu ahnden, betrifft. Connachts Handeln rettete ein Leben – und das wurde nicht vergessen, es wird sogar zum Bindeglied beider Handlungsstränge.

Diese unterscheiden sich auch optisch voneinander. Tomás Giorello zeichnete die „Conan“-Story realistisch, sehr aufwändig und stimmungsvoll. Die Connacht-Einschübe von Richard Corben wirken comichafter, düsterer, archaischer. Interessant ist auch die Namensgebung: Vanir – Vanen, Aesir – Asen, Connacht – Nachkommen von Conn, die auf die germanischen Götter- und keltischen Heldengeschlechter, auf untergegangene, sagenhafte Reiche wie Shem etc. anspielen. Alles in allem bietet „Conan 12“ ein spannendes Abenteuer in der Tradition der originalen Erzählungen R. E. Howards und überrascht durch eine sehr komplexe Handlung auf zwei Ebenen, die geschickt mit einander verwoben sind, und tiefer gehende Charakter-Analysen. Dennoch kommen auch die Sword & Sorcery-Freunde nicht zu kurz, da Conan und Connacht viele Gefahren und Kämpfe überstehen müssen.

Die Zeichnungen gefallen, vor allem die von Tomás Giorello. Auch die Gestaltung des Bandes vermag zu überzeugen: Paperback mit Klappbroschur, Kunstdruckpapier, als Extras eine Cover-Galerie und Informationen zu den Künstlern. Der Preis von knapp EUR 20 für fast 200 Seiten ist angemessen. Schön ist zudem, dass man ein abgeschlossenes Abenteuer bekommt, für das man keine Vorkenntnisse mitbringen muss. Ein Top-Band, der alle „Conan“- und Fantasy-Fans rundum erfreut!

Copyright 2010 © by Irene Salzmann (IS)

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Der weiße Prophet

Erstellt von Werner Karl am 29. April 2010

der-weise-prophetWilfrid Lupano (Text), Virginie Augustin (Zeichnungen, Farbe)
Der weiße Prophet
Alim der Gerber 3

(sfbentry)
Alim le tanneur: La terre du prophète pale, Frankreich, 2007
Splitter Verlag, Bielefeld, 1. Auflage: 11/2009
HC-Album, Fantasy
ISBN 978-3-940864-95-6
Aus dem Französischen von Monja Reichert
Titelgestaltung von Dirk Schulz unter Verwendung einer Illustration von Virginie Augustin

www.splitter-verlag.de
http://lambiek.net/artists/a/augustin_virginie.htm
www.indigo-online.de

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

„Alim der Gerber“, seine kleine Tochter Bul und Schwiegervater Pepeh müssen ihre Heimat verlassen, da sie etwas entdeckt haben, was alles infrage stellt, woran sie und alle Bewohner Jesameths bisher geglaubt haben. Opfergeber Khelob duldet keine Ketzer, die seine Position gefährden könnten, und lässt die Familie von einer Armee unter der Führung des fanatischen Torq Djihid jagen, während er selber die Mitglieder des Iasubiner Rates ermordet. Knapp können die Flüchtlinge entkommen, während ihre Verfolger eine blutige Spur hinterlassen. Aber dann passiert ein Unglück: Das Luftschiff mit Alim und Bul an Bord wird beschädigt, es stürzt ab, seine Insassen werden getrennt. Dank eines kleinen Ballons überlebt Alim, doch findet er sich in einem weit entfernten Land wieder – ohne Bul. Die Eingeborenen nehmen den Fremden gefangen, töten ihn aber nicht, da sie die Rache der Geister fürchten. Schließlich nimmt ihn ein Zauberer mit sich, um die einfachen Menschen durch seine Macht über den angeblichen Dämon zu beeindrucken. So vergehen zehn Jahre, bis Alim endlich von Gumseh, einem Karawanenführer aus Birrmo, befreit wird.

Von ihm erfährt Alim, dass Khelob seine Macht gefestigt und weiter ausgedehnt hat. Er lässt sich in Birrmo als der Befreier vom grausamen Schlangenkult verehren, denn noch ahnt die Bevölkerung nicht, dass lediglich eine erbarmungslose Herrschaft durch eine andere ersetzt wurde. Khelob plant eine Expedition zu einer geheimnisvollen Insel, auf der der Prophet geweilt haben soll. In seinem Gefolge befinden sich auch Torq Djihid, der Zauberer und Alim, der das Risiko der Entdeckung eingeht, um Bul wieder zu finden …

Zwischen dem zweiten und dritten Band vergehen zehn Jahre. Man erfährt in kurzen Szenen, was Alim in dieser Zeit zustieß, unterbrochen durch Rückblenden, in denen an die Personen erinnert wird, die er verloren hat. Das Schicksal Buls, die nun ein Mädchen von vielleicht 15 Jahre ist, bleibt ungeklärt.

Die Suche nach ihr wird zur Triebfeder von Alims weiterem Handeln. Obwohl er befürchten muss, durch eine unbedachte Äußerung des dubiosen Zauberers verraten oder von jemandem aus Khelobs Gefolge erkannt zu werden, mischt er sich unter die Soldaten und Zivilisten, die nach einer mysteriösen Insel suchen. Torq Djihid hat bereits ein Auge auf Alim und dem Zauberer, kann sich aber noch nicht erklären, was ihm an den beiden missfällt. Das persönliche Drama von Alims Familie ist eingebettet in einen Kontext, der Kritik übt an der Verquickung von Religion und Politik, an einem Glaubenssystem, das auf Lügen und Dogmen basiert, an einer menschenverachtenden Kastengesellschaft, an der Machtgier und Skrupellosigkeit religiöser Fanatiker – an einem Leben, in dem eine kleine Oberschicht den Bürgern des eigenen Landes und anderer Länder unsägliches Leid zufügt. Die Namen lassen keinen Irrtum zu, auf welche aktuellen Ereignisse, Nationen und Religionen die Künstler mit dem moralischen Zeigefinger deuten.

Auch das Setting ist entsprechend gewählt. War der Hintergrund zunächst orientalisch-tibetisch angehaucht, wirkt er nun afrikanisch-mittelamerikanisch. Trotz der Verfremdung (Flora und Fauna) erkennt man die historischen und zeitgenössischen Vorbilder. Vor allem die Landschaften und Gebäude sind detailreich gezeichnet und wunderschön anzuschauen, während die Figuren comichaft wirken. Alim hat seit seiner Flucht viel erlebt und durchgemacht; er hat sich weiterentwickelt und bekommt vom Leben so manche neue Chance geboten. Allerdings nimmt er die Gelegenheiten nicht wahr, sondern begibt sich erneut in Gefahr, denn er kann und will er Bul nicht vergessen. So geht seine Suche weiter, und man darf gespannt sein, ob er die Tochter in Bd. 4 findet und was ihr widerfahren ist. Zudem fragt man sich, was Khelob am Ziel seiner Reise erwartet und wann ihn jemand stoppt.

„Alim der Gerber“ ist eine packende Fantasy-Serie mit exotischem Flair, die Lesern gefallen wird, die Spaß an Titeln wie „Das Wolkenvolk“, „Ganarah“ oder „Luuna“ haben.

Copyright 2010 © by Irene Salzmann (IS)

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So schmeckt’s bei uns

Erstellt von Werner Karl am 29. April 2010

so-schmecktc2b4s-bei-unsMartina Meuth/Bernd Neuner-Duttenhofer
So schmeckt’s bei uns – Das Begleitbuch zur „Servicezeit: Essen & Trinken“

(sfbentry)
Egmont VGS Verlagsgesellschaft, Köln, 01/2010
„Servicezeit: Essen und Trinken“, Redaktion: Klaus Brock, WDR, Köln
HC, Sachbuch, Essen & Trinken
ISBN 978-3-8025-3698-4
Umschlaggestaltung und Layout von Metzgerei Strzelecki, Köln
Titelfoto von Luca Siermann
Foto auf dem Backcover und alle weiteren Bilder von Martina Meuth
Videograbs von Imhoff Realisation, hergestellt von Openedit

www.vgs.de
www.wdr.de
www.wdr.de/tv/servicezeit/essen_trinken/
www.apfelgut.de

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Seit vielen Jahren schon schwingt das sympathischste Kochduo des deutschen Fernsehens den Kochlöffel für die TV-Sendung „Servicezeit: Essen & Trinken“. Schon viele ihrer stets bodenständigen Rezepte, die ohne Firlefanz etwas Besonderes aus alltäglichen Gerichten zaubern, wurden in diversen Büchern vorgestellt. „So schmeckt’s bei uns“ ist das neueste Werk.

In vielen einzelnen Mini-Kapitelchen werden thematisiert: „Kartoffeln“, „Zitronen“, „Würziges aus verschiedenen Ländern“, „Schlanke Küche für Genießer“, „Frühlingsgerichte“, „Sauce Hollandaise“, „Lachs“, „Braten“, „Feigen“, „Mais“, „Sauerkraut“, „Hackfleisch“, „Geschmortes“ und „Weihnachtsmenüs“. Zu jedem dieser zahlreichen Einzelthemen finden sich zwischen drei und neun Rezepte, jeweils eingeführt mit appetitanregenden Fotos, Wissenswertes und Tipps der beiden Kochstars. Auch bei den Rezepten selbst gibt es fast immer einen zusätzlichen Tipp, Variations-, Einkaufs- und Beilagenvorschläge, dazu gelegentlich ein paar private Fotos oder Anekdoten der beiden.

Dabei wird das Rad erst einmal nicht neu erfunden: „Rahmkartoffeln“, „Chinesisches Zitronenhuhn“, „Blumenkohlauflauf“ … kennt man doch, oder? Aber wie sieht es mit „Paprika-Lassi“ aus, einem indischen Getränk? „Auberginenkaviar“, „Griechische Zitronensuppe“? Nicht jeder macht seine „Sauce Hollandaise“ selbst oder mischt „Rehrücken“ mit Spargel und vielfältigem anderen Gemüse im Wok, serviert Feigen und Schinken als Vorspeise oder „Geschmorte Schweinsbäckchen“ als Hauptgang. Wer schon ein solides Dutzend (oder noch mehr) Kochbücher sein Eigen nennt, braucht dieses hier nicht zwanghaft als Ergänzung, obwohl es auch für Routiniers die eine oder andere Anregung bietet. Kochanfänger hingegen finden hier einen reichen Schatz an variablen Grundrezepten für alle Gelegenheiten.

Die Zutatenlisten sind übersichtlich und enthalten keine exotischen Details, die man womöglich erst aus Hinterindien importieren müsste, wie es leider bei anderen Kochbüchern schon einmal vorkommen kann. Die Arbeitsanweisungen sind klar gegliedert, gut verständlich für jeden, der zumindest gelegentlich schon in der Küche ausgeholfen hat. Schöne Bilder, die manchen Arbeitsschritt zusätzlich erklären, ein ausführliches Register – alles da, was wichtig ist. Ein solides Buch also, das Freude am Kochen schenkt!

Copyright 2010 © by Alexandra Balzer (alea)

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Schmuckgestaltung heute – Innovative Materialien und Techniken

Erstellt von Werner Karl am 29. April 2010

schmuckgestaltung-heuteVannetta Seecharran
Schmuckgestaltung heute – Innovative Materialien und Techniken

The Encyclopedia of Contemporary Juwel Making Techniques, USA, 2009
Haupt Verlag, Bern (CH), 03/2010
HC, Sachbuch, Kunst & Handwerk
ISBN 978-3-258-60001-7
Aus dem Amerikanischen von Waltraud Kuhlmann
Titelgestaltung von Die Werkstatt, Göttingen, unter Verwendung eines Fotos mit Schmuck von Vannetta Seecharran
Fotos im Innenteil © Quarto Publishing plc

www.haupt.ch
www.vannettaseecharran.com/
www.vannetta.com

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Von jeher haben die Menschen gern Schmuck getragen, um die eigene Schönheit zu unterstreichen oder das hübschen Stück stolz zu präsentieren, aber auch um Reichtum und Status zum Ausdruck zu bringen. Daran hat sich in Jahrtausenden nichts geändert, nur sind durch neue Materialien, Techniken und Ideen viele Kreationen möglich geworden, die man sich vor wenigen Jahrzehnten noch nicht hätte vorstellen können. Vannetta Seecharran unterrichtet Zeitgenössische Schmuckherstellung an zwei Londoner Schulen und hat 2006 ihr eigenes Lehrinstitut eröffnet, in dem sie entsprechende Kurse gibt. In „Schmuckgestaltung heute“ stellt sie einige Materialien vor, die man nicht unbedingt mit Schmuck in Verbindung bringen würde, und erklärt, wie man sie bearbeitet und was man damit machen kann.

Auf die Einleitung, in der auch die benötigten „Werkzeuge“ gezeigt und erklärt werden und es einen kleinen Exkurs über „Modernes Schmuck-Design“ gibt, folgen sechs Kapitel zu den Werkstoffen „Metall und Draht“, „Kunststoff und Gummi“, Stoff, Fasern und Leder“, „Papier und Papierbrei“, „Weitere Materialien“ und die Technik des „Gießens“. Abschließend finden sich Tipps für „Dekorative Effekte“, „Verschlüsse und Schließen“, ein „Glossar“ und ein Stichwortverzeichnis. „Metall und Draht“ kann man zu den klassischen Materialien zählen, aus denen Schmuck gefertigt wird. Die Autorin beschreibt die Eigenschaften dieser Werkstoffe, nennt Vorteile, Nachteile, Besonderheiten und womit es sich gut kombinieren lässt. Ausführlich und mit einer Schritt für Schritt-Anleitung wird erklärt, wie man Metall sägt und es feilt. Durch Glühen, Abschrecken und Beizen lassen sich bestimmte Effekte erzielen, durch Hämmern wird es in Form gebracht. Mit Hilfe des Lötkolbens und durch Nieten kann man Metallteile miteinander verbinden. Der letzte Bearbeitungsschritt ist das Polieren. Aus Draht biegt man Verbindungsstücke: Ösen, Ösenstifte und Haken. Wichtig sind die Sicherheitshinweise zum richtigen Umgang mit den Werkzeugen und Materialien, die besonders hervorgehoben werden.

Die Erläuterungen werden von zahlreichen kleinen und bis zu ganzseitigen Farbfotos ergänzt, die Material, Werkzeug und Arbeitsgänge veranschaulichen. Zu sehen sind auch immer verschiedene Schmuckstücke, die die Autorin oder andere Designer/Kunsthandwerker entworfen haben. Die Ideenvielfalt weiß zu beeindrucken. Genau wie dieses Kapitel sind auch alle anderen aufgebaut. Nachdem einige grundlegende Informationen zu den Materialien gegeben wurden, erfährt man Näheres über die verschiedenen Bearbeitungstechniken und wird auf Gefahren aufmerksam gemacht. Schon die ersten Seiten verdeutlichen, dass „Schmuckgestaltung heute“ kein Buch für Kinder und Erwachsene ist, die gern basteln und innerhalb dieses Rahmens mit einfachen Mitteln individuellen Schmuck herstellen möchten. Der Titel wendet sich an Fortgeschrittene, die sich bereits eine kleine Werkstatt eingerichtet haben und zumindest einen Teil der Ausrüstung besitzen, an Lehrlinge des Kunsthandwerks, an Goldschmiede, Kunst-/Design-Studenten und Designer.

Ziel des Bandes ist, dem Interessenten, der bereits über einige Fertigkeiten verfügt, neue Möglichkeiten und Ideen aufzuzeigen, ihn zum Experimentieren und zu ungewöhnlichen Kreationen anzuregen. Das gelingt auch sehr gut, denn schon das Betrachten der originellen Objekte macht Freude und inspiriert, und wer sich ernsthaft mit der Thematik befasst, findet viele tolle Anregungen und nützliche Informationen.

Copyright 2010 © by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich unter Buch24.de
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Umland der Stadt Rom

Erstellt von Werner Karl am 28. April 2010

umland-der-stadt-romJochen W. Mayer und Christian Winkle
Umland der Stadt Rom – Von der tyrrhenischen Küste bis zu den Albaner Bergen
Italien – Latium

Verlag Philipp von Zabern, Mainz, 04/2010
PB mit Klappbroschur, Sachbuch, Kulturführer zur Geschichte und Archäologie, Reiseführer
ISBN 978-3-8053-4161-5
Titelgestaltung von Max Bartholl, b3K text und gestalt GbR, Frankfurt am Main
und Hamburg; akg-images/Erich lessing: Via Appia
53 Farb- und 14 SW-Fotos und –Abbildungen aus verschiedenen Quellen

www.zabern.de

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Wer sich nicht bloß für Strand und Sonne interessiert, sondern sich auch mit der Geschichte und Kultur eines (Urlaubs-) Landes befasst, kann gerade in Italien viele historische Stätten, Monumente, Villen, Tempel, Museen u. v. m. entdecken. Rom, Pompeji, Tarent, Ostia und Syrakus gehören in dieser Hinsicht wohl mit zu den klassischen Reisezielen, aber es gibt noch viele andere reizvolle Ortschaften, die einen Besuch wert sind. Der vorliegende Kulturführer konzentriert sich dabei, wie der Titel bereits wissen lässt, auf das Umland von Rom, von der thyrrhenischen Küste im Westen bis zu den Albaner Bergen und der Stadt Norba im Südosten bzw. Fiano Romano und Licenza im Nordosten. Eine Karte auf der aufklappbaren Innenseite des Froncovers bildet die Region mit ihren Ortschaften und antiken Sehenswürdigkeiten ab.

Diese werden in wissenschaftlich fundierten Texten sehr ausführlich erläutert. Man erfährt von der Geschichte der jeweiligen Stätte bis zur Gegenwart und von berühmten Persönlichkeiten, die dort lebten oder sie aufsuchten. Dazu gibt es anschauliche Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten, die oft durch Lagepläne, Grundrisse und sehr schöne Farbfotos ergänzt werden. In blau hervorgehobenen Kästchen wird auf Besonderheiten und den Anfahrweg hingewiesen, es finden sich spezielle Informationen z. B. zu einer hier verehrten Gottheit und Zitate aus historischen Quellen.

Die Größe der Abbildungen beginnt mit Postkartenformat und kann bis zu zwei Seiten einnehmen. Die meisten sind in Farbe und zeigen die malerische Landschaft, idyllische Ortschaften und interessante historische Objekte. Die Aufnahmen sind stimmungsvoll und vermitteln einen ersten Eindruck von den einstmals imposanten Bauten, die auch heute noch Geschichte atmen und faszinieren. Beim Betrachten der wunderschönen Fotos bekommt man sogleich Fernweh und möchte selbst auf den alten Römerstraßen wandeln.

Im Anhang liefert ein „Verzeichnis der archäologischen Stätten und Museen“ wertvolle Hinweise inklusive der Internet-Adressen; ein „Literaturverzeichnis“ und ein „Glossar“ runden ab. „Umland der Stadt Rom“ ist ein sehr informatives Sachbuch, das mehrere Bereiche abdeckt: Es wartet mit spezifischen kulturgeschichtlichen Hintergrundinformationen auf, kann als niveauvoller Reiseführer der Extra-Klasse betrachtet werden und hat Dank der großartigen Fotos fast schon Bildbandqualität. Die wissenschaftlichen Texte lesen sich keineswegs langweilig und trocken, wenden sich aber gezielt an ein gebildetes Publikum, das sich für die Themen interessiert: an Historiker, Archäologen, Kunstliebhaber, belesene Laien und Globetrotter, die sich für historische Sehenswürdigkeiten begeistern und Bildungsreisen dem 0-8-15-Tourismus vorziehen.

Copyright 2010 © by Irene Salzmann (IS)

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Rekorde der Vogelwelt – 130 Extreme

Erstellt von Werner Karl am 28. April 2010

rekorde-der-vogelweltDominic Couzenz
Rekorde der Vogelwelt – 130 Extreme

Extreme Birds, GB, 2008
Haupt Verlag, Bern, Schweiz (CH), 03/2010
HC, Sachbuch, Natur & Tier, Bildband
ISBN 978-3-258-07549-5
Aus dem Englischen von Coralie Wink und Monika Niehaus
Titelgestaltung von Emma Jern unter Verwendung eines Fotos von Vincent Munier/NPL
Fotos im Innenteil aus verschiedenen Quellen

www.haupt.ch
www.birdwords.co.uk/

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Wenn man sich im Freien aufhält, braucht man nicht lange zu warten – fast immer zeigen sich irgendwo Vögel, oder man hört in der Nähe ihren Gesang, ihr Tschilpen, ihr Pfeifen, ihr Krächzen. Die Artenvielfalt ist beeindruckend, und wer sich näher mit den Vögeln beschäftigt, weiß, dass auch ihre Verhaltensweisen sehr unterschiedlich sind. Immer wieder entdecken die Forscher Erstaunliches, was Dominic Couzenz in „Rekorde der Vogelwelt“ festgehalten hat: faszinierende Zahlen, Fakten und Kuriositäten, die nicht nur Vogelfreunde mit Interesse lesen werden. Auch Natur- und Tierfreunde allgemein, die zudem schöne Fotos zu schätzen wissen, dürften viel Freude an diesem Buch haben, das Infotainment mit großartigen Aufnahmen verbindet, die dem Titel Bildbandqualität verleihen.

„Rekorde der Vogelwelt“ ist kein Buch, das man auf einen Rutsch von vorne bis hinten durchliest. Es lädt vielmehr dazu ein, es immer wieder in die Hand zu nehmen, darin zu blättern, mal hier, mal da einen Artikel zu lesen und die zumeist ganzseitigen Farbfotos zu betrachten. Immer wieder kann man etwas Neues erfahren und staunen. Der Band gliedert sich in die Kapitel „Körperformen“, „Leistungen“, „Verhalten“ und „Familie“: Das größte Auge hat der Strauß, über die beste Tarnung verfügt das Moorschneehuhn, mit dem merkwürdigsten Schnabel ist der Amerikanische Scherenschnabel versehen, als hässlichster Vogel gilt der Marabu, die längste Zunge besitzt der Schwarzspecht. Der Kaiserpinguin taucht tiefer als jeder andere Vogel, der Schuhschnabel soll der geduldigste Jäger sein, bester Stimmenimitator ist der Graurücken-Leierschwanz, die merkwürdigste Abkühlungsmethode kennt der Waldstorch, das längste Leben wurde beim Königsalbatros festgestellt.

Die komischste Art der Nahrungssuche sagt man der Tasmanerddrossel nach, die Hood-Spottdrossel ist der blutrünstigste Vogel, der Rotschnabel-Madenhacker erweist sich als hartnäckiger ‚Mitfahrer’ auf dem Rücken anderer Tiere, der Seggenrohrsänge kopuliert am längsten, die eindrucksvollste Drohhaltung wird der Sonnenralle zugeschrieben. Der Rosapelikan kommt mit der kürzesten Balz aus, die unermüdlichsten Eltern findet man unter den Blaumeisen, die meisten Eier pro Brutzeit legt der Braunkopf-Kuhstärling, die wehrhaftesten Küken zieht der Wiedehopf auf, die Westmöwe erachtet man als eifrigste Feministin.

Diese Beispiele und Formulierungen zeigen, dass es nicht nur um handfeste, vergleichende Daten sondern vor allem um unterhaltsam aufbereitete Beobachtungen und durchaus vermenschlichte Eigenarten geht. Jeder der Vögel wird mit seinem deutschen und lateinischen Namen, seiner Verbreitung und der Besonderheit, die ihn in dieses Buch brachte, vorgestellt. Dazu gibt es einen Text von knapp einer Seite in großer Schrift, die den Vogel ausführlicher beschreibt. Abgerundet wird mit einem schönen Foto.

Tier- und Vogelfreunde werden an diesem umfangreichen, schön gestalteten Bild- und Infotainment-Band sehr viel Freude haben. Als Geburtstagsgeschenk o. ä. ist der Titel ideal!

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Blutschwur

Erstellt von Werner Karl am 28. April 2010

blutschwurRichelle Mead
Blutschwur
Vampire Academy 4

(sfbentry)
Blood Promise, USA, 2009
Egmont LYX, Köln, dt. Erstausgabe: 03/2010
PB mit Klappbroschur, Horror, Romantic Mystery
ISBN 978-3-8025-8204-2
Aus dem Amerikanischen von Michaela Link
Titelgestaltung von HildenDesign, München unter Verwendung eines Motivs von Ivan Mladenov/Shutterstock
Autorenfoto von Michael Ort

www.egmont-lyx.de
www.richellemead.com
www.hildendesign.de
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Das Leben der Dhampir und angehenden Wächterin Rose Hathaway war und ist nicht einfach, was teils mit ihrer Herkunft zu tun hat, teils durch ihr ungestümes Wesen selbstverschuldet ist. Endlich schien es, als würden sich ihre größten Wünsche doch noch erfüllen, da schlägt das Schicksal gnadenlos zu: Dimitri Belkov, ihr Ausbilder und Liebster, wird bei einem Angriff der Strigoi in einen untoten, skrupellos mordenden Blutsauger verwandelt. Um ihn von diesem Dasein, vor dem er sich stets fürchtete, zu erlösen, beschließt Rose, ihn in den Weiten Sibiriens zu suchen. Dafür lässt sie alles hinter sich – ihre Freundin Lissa Dragomir, mit der sie ein geistiges Band teilt, ihren glücklosen Verehrer Adrian Ivashkov und die anstehende Abschlussprüfung, die eine Zukunft an Lissas Seite bedeutet hätte.

Auf ihrer Odyssee findet Rose neue Freunde, darunter Dimitris Familie. Freundlich wird sie von den Belikovs aufgenommen. Man behandelt sie, als wäre sie die Witwe Dimitris. Allein der zwielichtige Abe Masur scheint von ihrer Anwesenheit wenig begeistert zu sein. Unmissverständlich gibt er ihr zu verstehen, dass jemand großes Interesse daran hat, dass sie schleunigst wieder abreist und am besten in die USA zurückkehrt. Um Viktoria, Dimitris Schwester, davor zu bewahren, die Bluthure eines egoistischen Moroi zu werden, der ihr seine Liebe bloß vorspielt, lässt sie sich auf einen Handel mit Abe ein, wodurch sie sich den Hass des Mädchens zuzieht und nun nichts mehr hat, was sie in Baja hält. Mit einer Gruppe jugendlicher Strigoi-Jäger zieht sie weiter nach Nowosibirsk. Dort gelingt es ihr schließlich, Dimitri aufzuspüren, aber die Begegnung verläuft anders, als geplant – und Rose begeht einen tödlichen Fehler. Als sie wieder zu sich kommt, ist sie eine Gefangene der Strigoi, und Dimitri will sie zu einer der ihren machen. Rose ist hin und her gerissen. Meist scheint er ein machthungriges, eiskaltes Monster zu sein, dann wieder glaubt sie, den Mann zu sehen, den sie immer noch liebt. Sie kann sich nicht gegen seinen Biss wehren, der sie zu seiner Bluthure macht. Rose beginnt, den nächsten Biss und Dimitris Umarmungen herbei zu sehen und alles andere zu vergessen …

Unterdessen gerät Lissa an falsche Freunde und in Lebensgefahr. Selbst ihr Gefährte Christian Ozera und Adrian, der mit ihr übt, das Element Geist zu beherrschen, merken nicht, was gespielt wird und distanzieren sich von der immer kapriziöser und unberechenbarer werdenden jungen Frau. Nachdem der dritte Band von „Vampire Academy“ mit einem wahren Knaller endete – Dimitri wird zum Strigoi (zum untoten, gefühlslosen Vampir, der seine Opfer tötet), und Rose beschließt, alles aufzugeben, um den geliebten Mann von diesem grausamen Dasein zu erlösen -, beginnt die Fortsetzung doch recht verhalten mit der langwierigen Aufarbeitung dieses Verlusts.

Mehr als die Hälfte des Buchs verbringt die Protagonistin, aus deren Sicht die Geschehnisse sehr gefühlvoll geschildert werden, sowohl mit der Suche nach einer Spur von Dimitri, als auch mit der Suche nach ihrem eigenen zukünftigen Weg. Was soll sie tun, falls sie am Leben bleibt? Eine Rückkehr an die „Vampire Academy“ scheint ausgeschlossen, denn nach all den Eskapaden wird man sie gewiss nicht mehr aufnehmen und die Prüfung ablegen lassen. Lissa hat bereits neue Freunde und Wächter gefunden und braucht sie nicht mehr. Selbst Adrian wendet sich von Rose ab. Könnten die Belikovs ihre neue Familie werden? Oder soll sie sich als unabhängige Strigoi-Jägerin durchschlagen? Das alles spielt letztlich keine große Rolle – solange Dimitri nicht erlöst ist. Kleine Konflikte mit Moroi (den menschlich wirkenden Vampiren mit Psi-Kräften, die ihre Opfer nicht ermorden) und Dhampiren (Mischlingen aus Moroi und Mensch, die die Moroi für die Fortpflanzung benötigen und ihnen meist als Wächter dienen), die mit Informationen geizen, Menschen, die über die Existenz von Vampiren Bescheid wissen (darunter die Alchemisten, welche Strigoi, Moroi und Dhampire gleichermaßen für ‚böse’ erachten), und Strigoi sollen für gelegentliche Höhepunkte sorgen, was so offensichtlich ist, dass die Auseinandersetzungen ihre Wirkung verfehlen.

So plätschern die Geschehnisse, die sich ausführlich den Gefühlen von Rose und einem scheinbaren Idyll im Kreis der Belikovs widmen, dahin, bis Rose endlich auf Dimitri stößt. Natürlich kann sie ihn nicht einfach töten, das wäre zu einfach gewesen. Stattdessen wird sie seine Gefangene und von ihm in Versuchung geführt: Als Strigoi wäre sie viel mächtiger und unsterblich, zusammen könnten sie die Organisation übernehmen, der er sich angeschlossen hat, und für immer zusammen sein. Sein Biss, der erregende, Glück spendende Endorphine freisetzt, durch die Menschen und Dhampire süchtig nach weiteren Bissen werden, tut ein Übriges, um Rose völlig durcheinander zu bringen. Sie liebt Dimitri noch immer – aber empfindet er dasselbe? Oder ist er nur ein skrupelloses, mordendes Ungeheuer, das … was … von ihr will? Erneut muss Rose eine schwere Entscheidung fällen. Parallel dazu geht das Leben auch an der „Vampire Academy“ weiter. Regelmäßig ‚besucht’ Rose Lissa in deren Gedanken, um zu sehen, wie es der Freundin geht. Hin und wieder erscheint ihr auch Adrian im Traum, aber Rose will ihm nicht verraten, wo sie sich befindet und was ihr alles zugestoßen ist, und schließlich gehen sie im Streit auseinander. Einige Dinge geben Rose zwar zu denken, aber es dauert lange, bis sie die Wahrheit erkennt, und dann ist sie zu weit weg, um rechtzeitig an die Schule zurückkehren zu können.

Der Band endet mit noch einigen Überraschungen, die für erfahrene Leser vielleicht nicht ganz unerwartet kommen, gab es doch genügend versteckte Details, die auf diese Entwicklungen hin arbeiteten. Die hoch dramatischen Ereignisse in den letzten zwei Fünfteln des Buchs entschädigen für den schleppenden Beginn. Die Autorin versäumt nicht, die Weichen für das Kommende zu stellen, denn sie führt interessante neue Figuren und Gruppen ein, erinnert an einen alten Feind, der Konflikt innerhalb der Moroi-Hierarchie wird konkretisiert, das Liebes-Karussell dreht sich, und in Rose keimt ein Fünkchen Hoffnung. Rose, die Hauptfigur, zieht wieder einmal ihr eigenes Ding durch, ohne Rücksicht auf andere und sich selbst zu nehmen. Dabei stürmt sie blindlings los, und der Leser ahnt, dass ihre Mission nicht einfach verlaufen wird. Tatsächlich muss sie viele Hürden überwinden, tritt dabei anderen empfindlich auf die Zehen und erreicht doch immer ihr Ziel dank dritter und sehr viel Glück. Manchmal macht es sich die Autorin schon ein wenig einfach, um einen Konflikt zu lösen, aber man nimmt es ihr nicht übel, da die Handlung flüssig voran schreitet und man an den Krisen der sympathischen Protagonisten teilnimmt.

Diese entwickeln sich nur teilweise weiter. Den größten Sprung macht Adrian, obwohl seine Rolle eher klein ist. Christian wird an den Rand gedrängt und durch eine andere Figur ersetzt, die Lissa maßgeblich beeinflusst. Dimitri weckt zwiespältige Gefühle, so dass man das Zögern von Rose sehr gut nachvollziehen kann. Auch über sich selbst erfährt Rose Neuigkeiten. Auf jeden Fall bleibt die Geschichte spannend und man darf dem nächsten Teil, der wohl bis Ende 2010 in den Buchhandel gelangen wird, entgegenfiebern. Schätzt man phantastische Romane wie „Stadt der Finsternis“, „Dante Valentine“ oder „Dhampir“, wird man auch an „Vampire Academy“ viel Spaß haben. Obwohl man die Titel durchaus der Romantic Fantasy oder Mystery zuordnen kann, wird in ihnen die Phantastik groß und die Romantik klein geschrieben, so dass sich eine packende Handlung mit reizvollen Charakteren entwickeln kann, die alles bietet, was man von Fantasy- und Horror-Romanen erwartet. Zwar ist in „Blutschwur“, dem vierten Band von „Vampire Academy“, die Liebe die Triebfeder für das Handeln der Hauptfigur, aber im großen Zusammenhang macht dies Sinn und verwässert nicht den dramatischen Plot.

Man kann sich als Quereinsteiger problemlos in „Blutschwur“ zurechtfinden, da sich das Wesentliche der Handlung entnehmen lässt. Sehr viel mehr Spaß macht die Lektüre jedoch, wenn man mit Bd. 1 beginnt. „Vampire Academy“ ist einer der Top-Titel von LYX und bietet weiblichen und männlichen Phantastik-Fans ab 15 Jahre beste Unterhaltung!

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Schaumschwester

Erstellt von Thomas Hofmann am 27. April 2010

Thor Kunkel:thor
Schaumschwester
Roman, Matthes & Seitz Berlin, Neue Welt 2
2010, 277 Seiten
ISBN 978-3-88221-690-5

www.thorkunkel.com
www.matthes-seitz-berlin.de

Das Buch ist ein Science Fiction-Krimi. Thematisch wird es von einem Lieblingsthema des Autors bestimmt: Die gesellschaftlich-soziale Bedeutung der Sexualität.

Das klingt grausam, nicht wahr? Doch als Leser sollte man darauf gefasst sein, denke ich. Ähnlich wie in “Endstufe”, einem der bekannten Romane des Autors, das bei einigen Kritikern einen Sturm der Entrüstung auslöste und dadurch als “umstritten” gilt, zeigt der Autor auf, wohin unser seltsamer Drang nach dem anderen Geschlecht unter bestimmten gesellschaftlichen Umständen führen kann. “Endstufe” ist ein historischer Roman und zeigte mit einer ironischen Sprache und abenteuerlichen Handlung auf, welche Kapriolen – kurioser als auch bösartiger Art – das Wechselspiel aus unterdrückter und enthemmter Sexualität in Weltkriegszeiten schlagen kann.

Nun schauen wir in die nahe Zukunft – mit  einem kurzen Ausblick auf eine ferne Zukunft.  Im Zeitalter des absoluten Kapitalismus wird – sicher ist diese Erkenntnis nicht neu – Sexualität auch als Ware vermarktet. Der Drang nach äußerlicher Perfektion und absoluter Beherrschung lässt aus einer schmuddeligen Sex-Industrie, die immer perfektere Surrogate für die Stimulation des Triebes schafft, also aus Sex-Gummi-Puppen, so etwas wie Androiden entstehen. Sie machen Frauen als Sexualpartner überflüssig. Die Fortpflanzung der Menschheit wird in Frage gestellt. Das ruft Interpol auf den Plan.

Nun kann man als Leser auf jeden Fall geteilter Meinung sein, ob der Kriminal-Plot wirklich so stimmig und überzeugend daher kommt. Das Buch ist auch eine Satire und dass da eine Art inoffizieller, freier Mitarbeiter der Behörde, ein Mann mit einem desillusioniertem Weltbild und hervorragenden Programmierkenntnissen, auf den Hersteller dieser besonderen Sex-Puppen, der Schaumschwestern, angesetzt werden muss, um die Konstruktionsdaten vom Laptop des Erfinders zu stehlen, fand ich nicht gerade sehr überzeugend.

Dem Autor geht es auch weniger um diesen abenteuerlichen Plot vor der Mittelmeerküsten-Kulisse von Nizza, der dem Leser den Stoff schmackhaft machen soll, sondern eher um eine Botschaft. Offensichtlich traut der Autor seiner Art zu, dass sie sich auf jeden Fall selbst auslöschen wird. Auch zeigt er auf, dass wir von einer künstlichen Intelligenz abgelöst werden, wie dies ja viele Futurologen und SF-Autoren prophezeien, doch die letzte Schlacht zwischen der zu erwartenden KI und der überlebten Menschen wird nicht durch Terminatoren oder Nanopartikel geführt, sondern über die Lenden der männlichen Teilhaber unserer Gesellschaft.

Die Schaumschwestern machen alles viel besser und sie haben kein störendes Ego – ist das das Ideal des modernen Mannes? Single-Dasein und Scheidungsraten geben dem Autor wohl Recht. Also haben wir es auch nicht anders verdient…

Wie auch immer. Der kurze Roman überzeugt wie so oft bei Thor Kunkel durch eine lockere, spannende Handlung, interessante Figuren und absurde Szenen. Insgesamt schreibt der Autor sehr realistisch und immer wieder ironisch, wenn nicht gar sarkastisch. Das Buch ist ein Fest!

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