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Archiv für April 30th, 2010

Ein Indianischer Sommer

Erstellt von Werner Karl am 30. April 2010

manara-werkausgabeHugo Pratt & Milo Manara
Ein Indianischer Sommer
Manara Werkausgabe 2

Estate Indiana, Frankreich/Italien 1983, dt. Erstausgabe: Carlsen Verlag, Hamburg, 1986
Panini Comics, Stuttgart, 09/2009
HC mit Schutzumschlag auf Kunstdruckpapier, Comic, Adventure, Geschichte, Erotik
ISBN 978-386607-873-4
Aus dem Italienischen von Michael Leimer
Titelbild und Zeichnungen von Milo Manara

www.paninicomics.de
www.cortomaltese.com/
www.milomanara.com/

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Zu den bekanntesten Frühwerken von Milo Manara gehört wohl „Ein indianischer Sommer“, das er zusammen mit Hugo Pratt schuf, der in den Jahren zuvor mit seinen Geschichten um „Corto Maltese“ zu denen gehörte, die dem Comic auch literarische Ehren versprachen. Die Handschrift des 1927 geborenen und 1995 verstorbenen Altmeisters ist auch hier sehr deutlich zu spüren, denn, auch wenn es sich vordergründig um ein Abenteuer handelt, im Mittelpunkt stehen doch in erster Linie Menschen mit allen Stärken und Schwächen. Im siebzehnten Jahrhundert fassen die Europäer gerade erst Fuß an der amerikanischen Atlantikküste. Noch herrscht relativer Frieden mit den Indianern, und einige Familien pflegen sogar innige Freundschaften mit ihnen. Doch dann wendet sich das Blatt zu einem blutigen Krieg.

Alles beginnt damit, dass zwei junge Indianer – einer davon ein Halbblut – über ein weißes Mädchen herfallen, das am Stand spazieren geht. Sie vergewaltigen es, aber ehe sie mit ihrer Tat prahlen können, werden sie aus dem Hinterhalt erschossen. Der immer etwas zornig wirkende Abner Lewis hat kurz entschlossen Gerechtigkeit geübt und bringt das zu Tode erschreckte Mädchen in das Haus seiner Familie. Die Lewis’ leben abseits vom Dorf, da ihre Mutter eine mit dem Mal der Schande gezeichnete Frau ist und keines ihrer Kinder in ehelicher Gemeinschaft geboren hat. Daher ist sie dazu bereit, dem Mädchen ohne Wenn und Aber zu helfen. Allein die Tatsache, dass sie die Nichte des puritanischen Priesters Black ist, macht ihr zu schaffen. Denn das wird einen Schatten der Vergangenheit in ihr Haus zurück bringen. Und tatsächlich ist der strenggläubige und immer schwarz gekleidete Mann nicht begeistert, von dem Geschehen zu hören.

Derweil entdecken die Indianer die Toten und fordern Rechenschaft und Vergeltung, auch wenn sie wissen, dass die beiden jungen Männer Schuld auf sich geladen zu haben. Aber es gibt nun einmal Traditionen, denen man zu folgen hat. So kommt es schneller, als gedacht, zu einem Angriff, erst auf das Haus der Lewis und dann auf das Dorf Canaan selbst. In Folge der Ereignisse vertraut die Mutter ihren Kindern erstmals ihre Lebensgeschichte an, die viel mit der Doppelmoral der Gesellschaft, Demütigung und Erniedrigung der Schwachen zu tun hat. Retten kann sie damit nicht all ihre Kinder, aber gerade ihre Söhne bringt sie dazu, ihr Leben nun in eigene Hände zu nehmen. „Ein indianischer Sommer“ ist kein Abenteuer-Comic im herkömmlichen Sinne, der einfach nur von den ersten Indianerkriegen und dem Überlebenskampf der Siedler erzählt, sondern ein vielschichtiges Werk, in dem die Verkettung von unglücklichen Zufällen und Missverständnissen zu einer Katastrophe und dem Bruch alter Freundschaften führen. Auf beiden Seiten gibt es Männer und Frauen, die den Krieg eigentlich nicht wollen, aber auch Fanatiker wie den Priester Black, der schon allein durch seine Kleidung aus der Menge heraus sticht.

Obwohl er aus der Bibel predigt und auf die Vermeidung von Sünde pocht, ist er die am meisten verkommene Gestalt der ganzen Geschichte. Alle anderen mögen trotz einiger menschlicher Schwächen aus Ehrenhaftigkeit und einem gewissen Idealismus handeln, er jedoch verkörpert im Besonderen die Doppelmoral der damaligen Zeit, die den mächtigen und starken Vertretern einer Gemeinde alles erlaubt, die Unterlegenen, die sich dagegen wehren, aber brandmarkt. Sex spielt zwar eine nicht unerhebliche Rolle, ist aber niemals reiner Selbstzweck. Das zeigt sich schon daran, dass die erotischen Szenen eher verhalten sind. Pratt und Manara zeichnen damit insgesamt ein pralles und realistisches Bild der Zeit, das weder beschönigt noch all zu düster wirkt. So facettenreich wie die Geschichte sind auch die Menschen.

Panini ist hoch anzurechnen, dass der Verlag die Geschichte noch einmal komplett und in einer schön gestalteten Hardcover-Ausgabe herausgibt, die um eine ausführliche Vorstellung von Autor, Künstler und Werk ergänzt wurde. So erfährt man, was die Künstler zu ihrer Geschichte inspirierte. Alles in allem ist der zweite Band der „Manara-Werkausgabe“ ein lohnenswerter Kauf, da „Ein indianischer Sommer“ zu den Comic-Klassikern gehört, die man kennen sollte und die sorgfältige Ausgabe als Hardcover mit Schutzumschlag für sich spricht.

Copyright 2010 © by Christel Scheja (CS)

Titel erhältlich unter Buch24.de
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Das Monster des Sumpfes

Erstellt von Werner Karl am 30. April 2010

franka05Henk Kuijpers
Das Monster des Sumpfes
Franka 5

Het monster van de moerplaat, Niederlande, 1982
EPSILON Verlag, Pinneberg, Erstveröffentlichung der der überarbeiteten und erweiterten Ausgabe: 12/2002
SC-Album, Comic, Krimi, Funny
ISBN 978-3-932578-21-2
Aus dem Holländischen von Sabine Dorscheid
Titelillustration und Zeichnungen von Henk Kuijpers, Kolorierung der 14 neuen Seiten von Hanneke Bons

www.epsilongrafix.de/
www.franka.nl/

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Im Gegensatz zu den bisherigen Alben, die jeweils eine komplette Geschichte beinhalteten, darunter sogar einen Zweiteiler, bietet „Franka 5“ drei von einander unabhängige Storys. Interessanterweise bestehen auch die längeren Erzählungen aus drei Abschnitten, die gelungen miteinander verwoben wurden. Durch das Hinzufügen zusätzlicher Panels und der Bearbeitung mehrerer Seiten, wurde die vorliegende Ausgabe gegenüber dem Original um fünf Seiten erweitert. Man kann anhand der Panel-Einteilung und der Kolorierung erahnen, was neu ist, doch wurde so geschickt gearbeitet, dass es nicht weiter auffällt, sondern sich gut einfügt. In der Titel-Geschichte „Das Monster des Sumpfes“ plant Franka, das herrliche Wetter für einen kleinen Segeltörn zu nutzen. Als sie am Ziel ankommt, wird sie vor dem unheimlichen Sumpf und einem angeblichen Monster gewarnt, das bereits mehrere Schiffer erschreckte. Das weckt nur erst recht Frankas Neugierde. Sie dringt in den Sumpf vor und macht eine erstaunliche Entdeckung, doch die Gefahr folgt ihr auf dem Fuß …

„Der Pyromane“ zündet regelmäßig die Häuser reicher Bürger an. Franka kommt das sehr verdächtig vor, und so wendet sie sich an die Schwester ihrer Freundin Furora. Die junge Frau arbeitet in einem Nachtclub als Feuerschluckerin und kann Franka einige wichtige Hinweise geben. Als die beiden den Täter stellen wollen, wird es für sie gefährlich …

Soll ein Konkurrent ausgeschaltet werden, kommt „Der Saboteur“ ins Spiel. Seinen Tricks verdankt er eine Menge Geld. Das Schicksal der Geprellten ist ihm völlig egal. Pech, dass sich eines seiner Opfer wehrt. Franka, die ihm auf die Schliche kommt, muss daher gar nicht viel tun, um ihn zu überführen …

Alle Storys sind so witzig und spritzig, wie man es von „Franka“ erwartet. Henk Kuijpers konzentriert sich auf das jeweilige Thema und zieht die Handlung konsequent und schnörkellos durch. Stets geschieht etwas, wodurch die Neugierde der Titelheldin geweckt wird. Allein oder mit Freunden stellt sie Nachforschungen an. Dank ihrer Kombinationsgabe findet sie schnell die richtige Spur und kann kleine und größere Verbrechen aufdecken. Dabei gerät sie oft selbst in Lebensgefahr. Die spannende, durchdachte Handlung steht im Vordergrund, während es den Charakteren leider an Tiefe fehlt. Selbst über Franka ist wenig bekannt. Figuren aus früheren Episoden tauchen nur sehr selten in ein, zwei Szenen auf oder werden nebenbei erwähnt, darunter Kommissar Nordwind vom Kriminalmuseum und die Wahrsagerin Furora (ihre Schwester bleibt namenlos). Was an sich ein Nachteil ist, erleichtert es wiederum Quereinsteigern, schnell in die Geschichten hineinzufinden, denn man muss für das Verständnis keinerlei Vorkenntnisse mitbringen.

Die Zeichnungen sind gewohnt detailreich. Die nachträglich eingefügten Panels wirken filigraner; es gibt aber auch einige Ausreißer in die andere Richtung, die einen etwas groben Strich aufweisen und die Figuren leicht verzerrt erscheinen lassen, als wäre ein anderer Tuscher am Werk gewesen. Alles in allem wird man auch vom fünften „Franka“-Album sehr gut unterhalten, wenn man eine smarte Heldin und den Mix aus Krimi und Funny mag.

Copyright 2010 © by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich unter Buch24.de
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Cimmeria

Erstellt von Werner Karl am 30. April 2010

conanTimothy Truman, Robert E. Howard
Cimmeria
Conan 12

Conan the Cimmerian 0 – 7, USA, 2008/09
Panini Comics, Stuttgart, 03/2010
PB mit Klappbroschur, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat auf Kunstdruckpapier, Fantasy
ISBN 978-3-86607-956-4
Aus dem Amerikanischen von Michael Strittmatter
Titelillustration von Tomás Giorello, Frank Cho & Joe Kubert
Zeichnungen von Tomas Giorello & Richard Corben, Ernie Chan, Farben von José Villarruiba

www.paninicomics.de
www.timothytruman.com/
www.conan.com/
http://lambiek.net/artists/g/giorello_tomas.htm
www.libertymeadows.com/
www.kubertsworld.com/
www.corbenstudios.com/
www.erniechan.com/

Titel erhältlich unter Buch24.de
Titel erhältlich unter Booklooker.de

Nach vielen Abenteuern in den fernen Ländern des Ostens verspürt Conan Heimweh und reist zurück in den kalten, dunklen Norden. Nachdem er von einer Gruppe Vanir angegriffen und verletzt wurde, kümmert sich ein mysteriöser Alter um seine Wunden. Er erzählt sogar eine Geschichte über Connacht, Conans Großvater, die dieser einst seinem Enkel anvertraute. Conan ist sofort klar, dass der Alte kein gewöhnlicher Einsiedler ist und etwas von ihm will. Immer wieder werden Erinnerungen an Connacht wach gerufen, der Conan sehr ähnlich und doch ganz anders war. Auch der Ahn durchwanderte fremde Länder, liebte schöne Frauen, stahl Schätze, kämpfte als Söldner und half so manches Mal Menschen in Not, wodurch er oft selber in Schwierigkeiten geriet. Als ihn schließlich die Sehnsucht nach der Heimat übermannte, blieb er.

Doch dann trennen sich die Wege von Conan und dem Alten, bevor das Rätsel gänzlich gelöst wird. Conan verdrängt die Gedanken daran sehr schnell, als er Caollan begegnet, seiner ersten Liebe. Sie ist auf der Flucht vor den Aesir, deren Häuptling Wulfere sie nicht heiraten kann, da sie ein Kind von Brecan erwartet, dem Sohn des Anführers der nördlichen Cimmerier. Allerdings hatte dieser den Sohn Wulferes erschlagen, und die Vermählung mit Caollan sollte den gefährdeten Frieden zwischen den Stämmen sichern. Nach all den Jahren erwachen zwischen Conan und Caollan erneut tiefe Gefühle. Gemeinsam stellen sich beide den Verfolgern und versuchen, ihr Heimatdorf zu erreichen. Wenn sie es schaffen, ob dann auch Conan wie sein Großvater bleiben wird?

Robert E. Howard schuf einst das Gedicht „Cimmeria“, das der Heimat seiner populärsten Figur Conan gewidmet war. Dem Comic-Autor Timothy Truman lieferte es den Aufhänger für eine achtteilige, in sich abgeschlossene „Cimmeria“-Saga, die im verschneiten Norden angesiedelt ist und schildert, wie der Titelheld seinem Heimweh nachgibt, um sein Dorf und die Menschen, die er schätzt, wieder zu sehen.

Die Handlung läuft auf zwei Ebenen ab: In der Gegenwart begleitet man Conan auf seiner gefährlichen Heimreise. Immer wieder wird er in Kämpfe verwickelt, da ein einsamer Wanderer umherziehenden Kriegern als leichte Beute erscheint, er seiner einstigen Jugendliebe beistehen möchte und Verrat aus Freunden Feinde macht. Aber er begegnet auch Aufrichtigkeit, Treue und Ehrgefühl. Parallel dazu wird in die Vergangenheit geblickt und die Geschichte von Connacht beleuchtet, die sich kaum von der Conans unterscheidet. Beide Männer weisen viel Ähnlichkeit auf, vor allem was ihre Abenteuerlust und ihren Wunsch, Ungerechtigkeiten zu ahnden, betrifft. Connachts Handeln rettete ein Leben – und das wurde nicht vergessen, es wird sogar zum Bindeglied beider Handlungsstränge.

Diese unterscheiden sich auch optisch voneinander. Tomás Giorello zeichnete die „Conan“-Story realistisch, sehr aufwändig und stimmungsvoll. Die Connacht-Einschübe von Richard Corben wirken comichafter, düsterer, archaischer. Interessant ist auch die Namensgebung: Vanir – Vanen, Aesir – Asen, Connacht – Nachkommen von Conn, die auf die germanischen Götter- und keltischen Heldengeschlechter, auf untergegangene, sagenhafte Reiche wie Shem etc. anspielen. Alles in allem bietet „Conan 12“ ein spannendes Abenteuer in der Tradition der originalen Erzählungen R. E. Howards und überrascht durch eine sehr komplexe Handlung auf zwei Ebenen, die geschickt mit einander verwoben sind, und tiefer gehende Charakter-Analysen. Dennoch kommen auch die Sword & Sorcery-Freunde nicht zu kurz, da Conan und Connacht viele Gefahren und Kämpfe überstehen müssen.

Die Zeichnungen gefallen, vor allem die von Tomás Giorello. Auch die Gestaltung des Bandes vermag zu überzeugen: Paperback mit Klappbroschur, Kunstdruckpapier, als Extras eine Cover-Galerie und Informationen zu den Künstlern. Der Preis von knapp EUR 20 für fast 200 Seiten ist angemessen. Schön ist zudem, dass man ein abgeschlossenes Abenteuer bekommt, für das man keine Vorkenntnisse mitbringen muss. Ein Top-Band, der alle „Conan“- und Fantasy-Fans rundum erfreut!

Copyright 2010 © by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich unter Buch24.de
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