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neuauflage

Archiv für Juni, 2010

Der Abgrund

Erstellt von Werner Karl am 30. Juni 2010

der-abgrundJeffrey Lang & David Weddle
Der Abgrund
Star Trek – Deep Space Nine 3

Star Trek – Deep Space Nine: Section 31 – Abyss, USA, 2010
Cross Cult, Asperg, 04/2010
TB, Science Fiction
ISBN 978-3-941248-53-3
Aus dem Amerikanischen von Christian Humberg
Titelfoto von Paramount Pictures Corporation

www.cross-cult.de
www.startrekromane.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

„Am Abgrund“ setzt die Reihe, die in Romanform die Serie „Star Trek: Deep Space Nine“ weitererzählt, fort. Nachdem vor allem Kira Nerys und Ro Laren im Mittelpunkt von „Offenbarung“ standen, schwenkt der Focus nun zu anderen wichtigen Personen der Raumstation: Julian Bashir und Ezri Dax, die als Paar zueinander gefunden haben. Unversehens wird der Stationsarzt mit Dingen aus seiner Vergangenheit konfrontiert, mit denen er sich lieber nicht beschäftigen möchte, weil sie zu unangenehme Erinnerungen wecken. Wegen der Eugenischen Kriege und der Erinnerung an Tyrannen wie Khan Noonian Singh sind genetisch aufgewertete Menschen in der Föderation nicht gerne gesehen. Man befürchtet, dass sie sich aufgrund ihrer überlegenen körperlichen und geistigen Kräfte zu Herren über alle anderen aufschwingen könnten, wie es schon einmal geschah.

Und Julian besitzt diesen Makel, weil seine Eltern nicht mehr länger mit ansehen konnten, dass er so schlecht gegenüber den anderen abschnitt. Sein Geheimnis ist erst vor einigen Jahren auf Deep Space Nine ans Licht gekommen. Prompt hält ihn der Geheimdienst der Sternenflotte, speziell die geheimnisumwitterte ‚Sektion 31„, für den geeigneten Mann, um den Wissenschaftler Dr. Ethan Locken aufzuspüren, der sich in die Badlands zurückgezogen hat. Dort nutzt er Hinterlassenschaften des Dominions, um eine Invasion vorzubereiten. Julian soll ihn aufhalten, ist er vermutlich der Einzige, der als Ebenbürtiger mit ihm reden kann. Da er keine andere Wahl hat, als dem Befehl zu gehorchen, macht er sich zusammen mit Ro Laren, Ezri und dem Jem-Hadar, den ihnen erst kurz zuvor Odo geschickt hat, auf den Weg zu der Welt, auf der sich Locken aufhält. Was sie dort vorfinden, übersteigt all ihre Befürchtungen und lässt vor allem Julian Bashir Eines ahnen: dass man ihn wieder einmal benutzen will.

Interessant ist, dass die Hintergrundgeschichte um die Siskos, eine alte bajoranische Prophezeiung und die Raumstation fortgeschrieben wird und zu verstehen ist, ohne dass man die Vorgängerromane kennen muss. Das Hauptaugenmerk liegt ohnehin mehr auf Julian Bashir, der längst nicht mehr der unbeschwerte junge Arzt ist, der er am Anfang war. Dennoch hat er viel von seinem Ehrgefühl bewahrt, wie sich auch jetzt wieder herausstellt. Der Humanist und Mediziner ist entsetzt von dem Wahnsinn und den Machenschaften seines Kollegen, lässt ihn aber auch durchschauen, was wirklich dahinter steckt, und am Ende findet er eine Lösung, Locken aufzuhalten, die seiner Auffassung als Arzt nicht widerspricht.

Allerdings setzen die Autoren die Kenntnis gewisser Folgen aus den „Star Trek“-Serien voraus, so dass man ohne die Kenntnis derselben nicht ganz nachvollziehen kann, warum Julian Bashir eigentlich so heftig auf ‚Sektion 31„ (die ihn schon einmal anzuwerben versuchte) und seine genetische Aufwertung reagiert. Der Fan wird allerdings zufrieden sein, findet er doch viele Andeutungen und Querverweise, Verknüpfungspunkte zu anderen Facetten des Universums und nicht zuletzt eine zur Serie passende Geschichte. Das ist zwar nicht ganz so überraschend, und einiges ahnt man sehr schnell voraus, aber es wird spannend und kurzweilig erzählt. So dürfte „Am Abgrund“, der dritte Band der Reihe „Star Trek: Deep Space Nine“, wie auch schon die Vorgängerromane vor allem für die Fans des Universums und dieser speziellen Serie interessant sein.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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Die Paktiererin

Erstellt von Werner Karl am 30. Juni 2010

die-paktiererinDietmar Preuß
Die Paktiererin
Das schwarze Auge 113

Fantasy Productions, Erkrath, 11/2009
TB, Fantasy
ISBN 978-3-89064-158-4
Titelillustration von Arndt Drechsler
Karte von Ralf Hlawatsch

www.fanpro.com
www.dietmarpreuss.de/
http://arndtdrechsler.com/

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Gerade die kleinen Geschichten, fernab der Orte, an denen die Geschichte Aventuriens, der Welt des „Schwarzen Auges“, fortgeschrieben wird, entwickeln oft eine eigene Dynamik. Vor allem erlauben sie den Autoren mehr Freiheiten, den Hintergrund mit den vorgegebenen Elementen nach ihrem Gutdünken zu gestalten. Zu dieser Art von Romanen gehören auch die von Dietmar Preuß, der nun zum dritten Mal zu seinen Helden Beolf und Sidra zurückkehrt. Beide müssen diesmal ihren Wehrhof Hohenhag verlassen und dem Ruf ihres Lehnsherrn folgen. Ganz offensichtlich braucht er ihre Hilfe wegen einer Krankheit, die sich immer weiter ausbreitet. Vor allem Sidra hat ein mulmiges Gefühl, und das wird besonders stark, als die beiden kurz vor der Burg an einem Galgen einen aufgehängten Wolf entdecken. Sie ahnen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht und vermutlich sogar übernatürliche Mächte ihre Hände im Spiel haben.

Und richtig: Freiherr Nymmir von Waldsteyn verhält sich sehr dubios. Normal ist ja noch, dass er die als ausgezeichnete Heilerin bekannte Sidra bittet, etwas gegen die Krankheit zu unternehmen, aber es wird seltsam, als er Beolf mit zwölf Kriegern ausschickt, um die nahegelegene Baronie Aare zu erobern, die zwar zum Mittelreich und dem Herzogtum Weiden gehört, aber nur über sein Land betreten werden kann. Dort soll schon seit einigen Jahren eine wahnsinnige Hexe hausen, die das Land verflucht und möglicherweise einen Bund mit einem Dämon eingegangen ist.

Während sich der Wersasse auf den Weg macht, um seine Aufgabe zu erfüllen, muss sich Sidra nicht nur mit Symptomen herumschlagen, die sie so noch nicht gesehen hat, sondern auch mit einem lüsternen Praiosgeweihten, der sich zwar wie ein Inquisitor aufspielt, aber weit davon entfernt ist, im Namen seines Herrn zu handeln. Glücklicherweise erhält sie bald Hilfe und Rat von einer anderen Hexe, erfährt aber auch, dass alles schlimmer ist, als es auf den ersten Blick ausgesehen hat. Schön ist, dass Dietmar Preuß seine Romane um Beolf und Sidra so hält, dass sie unabhängig voneinander zu lesen sind. Man begegnet zwar immer wieder einigen Figuren aus „Hohenhag“ oder aus „Die rote Bache“, aber sie haben nicht mehr als Cameo-Auftritte und beweisen, dass der Autor sie nicht vergessen hat. Ansonsten spinnt er eine solide, wenn auch nicht herausragende Abenteuergeschichte, die diesmal zwar sehr spannend anfängt, leider jedoch immer mehr nachlässt, je mehr sie sich dem Ende nähert.

Das liegt einerseits an der blassen Feindin, die zwar einen interessanten Ansatz hat – eine junge ehrgeizige Hexe, die sich aus Angst dem Bösen ergibt -, er diese Dramatik aber nicht sonderlich ausschöpft, da seine Protagonistin sich viel zu schnell mit allem abfindet und am Ende immer nur noch mehr von Hass zerfressen wird. Andererseits ist die Auflösung dann doch enttäuschend einfach. Allein die Hauptfiguren bleiben überzeugend und das, was sie schon immer waren: bodenständige Charaktere, die sehr pragmatisch handeln und ihre Kräfte und Fähigkeiten klug genug einzusetzen wissen, ohne sich zu übernehmen. Alles in allem lässt sich „Die Paktiererin“ zwar gut lesen, aber am Ende bleibt man gerade als erfahrener Leser ein wenig enttäuscht zurück, da der Autor aus einigen Elementen der Geschichte – wie der tragischen Story der Gegenspielerin – doch ein wenig mehr hätte machen können.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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Schatten über Wrightsville

Erstellt von Michael Drewniok am 29. Juni 2010

queen-schatten-wrightsville-cover-kaiser-1966

(Bild: Sammlung md)

(sfbentry)
Originaltitel: Calamity Town (Boston : Little, Brown, and Company 1942/London : Victor Gollancz 1942)
Deutsche Erstausgabe: 1949 (Scherz Verlag/Die schwarzen Kriminalromane 24)
Übersetzung: N. N.
239 S.
[keine ISBN]
Bisher letzte Ausgabe: 1977 (Ullstein Verlag/Ullstein-Krimi Nr. 1809)
Übersetzung: N. N.
143 S.
ISBN-13: 978-3-548-01809-6

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Das geschieht:

Seinen neuen Roman möchte Krimi-Schriftsteller und Amateur-Detektiv Ellery Queen nicht in New York, sondern in der Ruhe der Provinz schreiben. Er entscheidet sich für Wrightsville, ein uramerikanisches Städtchen irgendwo im Mittelwesten. Hier scheint die Zeit vor Jahrzehnten stehengeblieben zu sein. Fremde werden ungeniert neugierig beäugt, sodass Queen sich das Pseudonym „Smith“ zulegt, um unerkannt zu bleiben.

Als Gast einer prominenten Familie wird Queen in ein schwelendes Drama gezogen. John F. Wright, Präsident der Wrightsville Nationalbank, hat drei Töchter, von denen nur Patricia, die Jüngste, ohne Skandal blieb. Lola, die Älteste, schloss sich vor Jahren einem Wanderzirkus an und kehrte später geschieden = entehrt nach Wrightsville zurück. Nora wurde vor drei Jahren von ihrem Verlobten Jim Haight verlassen und ist seitdem schwermütig.

Jetzt kehrt Haight plötzlich zurück. Nora nimmt ihn wieder auf, die ausgefallene Hochzeit wird nachgeholt. Das junge Glück ist allerdings überschattet: Nora findet drei vordatierte Briefe, in denen ihr Gatte seiner Schwester Rosemary über eine Krankheit berichtet, der Nora am 1. Januar des kommenden Jahres erliegen wird bzw. soll, denn diese Briefe – sie stecken zudem in einem Fachbuch über tödliche Gifte – deuten darauf hin, dass Jim seine Ehefrau ermorden will.

Während Nora die Bedrohung ignoriert, wollen Queen und Patricia das Komplott verhindern. Dann taucht Rosemary Haight unerwartet in Wrightsville auf, wo sie am Neujahrstag einen mit Arsen versetzten Cocktail trinkt, den ihr Bruder offenbar für seine Gattin gemixt hatte. Selbst Ellery Queen findet lange keine Beweise, die Haight entlasten. Es gelingt ihm erst, ein nicht nur kriminelles Drama aufzudecken, als dieses bereits seinen tragischen Abschluss gefunden hat …

Unsere kleine, nette, abscheuliche Stadt

„Es gibt keine Geheimnisse und kein Zartgefühl, wohl aber sehr viel Grausamkeit in den Wrightsvilles dieser Welt.“ Diesen Satz lesen wir auf einer der letzten Seiten dieses 15. Ellery-Queen-Romans; er könnte ihm auch als Motto vorausgestellt werden. Die Vorstellung vom Dorf oder der Kleinstadt als Hort traditioneller = gesunder = in der Großstadt längst verschwundener Werte geistert seit jeher durch die Kultur- und Geisteswelt. Der nicht nur geografisch isolierte Kleinstadt-Alltag symbolisiert eine Gesamtheit, deren Elemente sich harmonisch ineinanderfügen, weil sie einander kennen und wissen, wie (und dass) sie zusammengehören.

Doch nicht grundlos kam bereits im 19. Jahrhundert eine Gegenbewegung auf, deren meist gebildeten und ‚fortschrittlich‘ denkenden (sowie in der Stadt lebenden) Vertreter auf die Schattenseiten dieser Idylle hinwiesen: Privatsphäre ist ein kostbares Gut, das dort, wo jeder jeden kennt, nicht zu gewährleisten ist. Folgerichtig weist das Bild Wrightsvilles, das auf den ersten Seiten des vorliegenden Romans nachgerade ironisch als unschuldiges Paradies beschrieben wird, bereits auf den zweiten Blick diverse Flecken auf, um sich nach und nach in einen bodenlosen Sumpf zu verwandeln: Wrightsville wird zur „Calamity Town“, zur „Stadt des Unheils“.

Diesen Prozess setzt das Schriftsteller-Duo Frederic Dannay und Manfred Bennington Lee (= Ellery Queen) ebenso meisterhaft wie gnadenlos um. Es widmet ihm ebenso viel Raum wie dem Kriminalfall, der vor allem im Mittelteil an den Rand der Handlung rutscht. Auch von den ‚Unschuldigen‘ kommt niemand ungeschoren davon. Hinter harmloser Klatschsucht lauert eine Aggression, die schließlich in einem kollektiven Anfall von Lynchjustiz gipfelt.

Die Zeiten ändern sich

Dannay & Lee scheuten sich in ihrer großen Zeit – die erst in den frühen 1960er Jahren endete – nie, ihre Figur Ellery Queen teilweise gravierenden Änderungen zu unterziehen. Dies war riskant, denn der Fan ist ein scheues Wild, das höchstens vorsichtige Variationen des Bekannten und Geschätzten gestattet. Dannay & Lee passten sich den Zeitläufen an. Ellery Queen startete 1929 als typische „Denkmaschine“, die passenderweise einen Kriminalfall löste, der wie eine komplizierte Maschine konstruiert wurde. Zwischenmenschliche Aspekte blieben Nebensache und der Deduktion jederzeit untergeordnet.

In den 1930er Jahren geriet der klassische „Whodunit?“ in seiner reinen Form allmählich auf ein Nebengleis. Auch der Kriminalroman entdeckte die psychologischen Untiefen der menschlichen Seele als Quelle krimineller Taten. Ellery Queen wurde in „Halfway House“ (1936; dt. „Das Haus auf halber Strecke“/„Der Schrei am Fluss“) erstmals ‚menschlich‘ gezeichnet. Natürlich blieb er ein begnadeter Kriminologe, doch er dominierte die Handlung ‚seiner‘ Romane nicht mehr so stark wie zuvor, und er zeigte sich oft macht- und ratlos dort, wo das Handwerk des Ermittlers an seine Grenzen stieß. Auch in „Schatten über Wrightsville“ erkennt Queen zu spät die Hintergründe einer Tat, deren Dimensionen weit über das hinausreichen, was ein Detektiv zu meistern vermochte.

Freilich erweist sich die neue psychologische Tiefenschärfe aus heutiger Sicht als deutlicher Schwachpunkt: Sie wirkt veraltet. Dannay & Lee übertreiben es mit den Gefühlen. Vor allem das weibliche Wesen ist durch Schwäche, Weinkrämpfe und Hysterie gekennzeichnet. Durch die Betonung zeitgenössisch akuter, doch inzwischen von der Zeit überholter gesellschaftlicher Konventionen – was auch die männlichen Figuren einschließt – gerät „Schatten über Wrightsville“ noch altmodischer, während die klassischen „Whodunits“ gerade wegen ihrer künstlichen Altertümlichkeit zeitlos blieben bzw. durch das Alter noch an Reiz hinzugewannen.

Back to basics

Verlassen kann man sich glücklicherweise auf Dannay & Lee als Plot-Schneider. Während sie Ellery Queen behutsam neu gestalteten, unterzogen sie auch das Krimi-Element ihrer Romane einer Modernisierung. Die Fälle wurden nach 1939 zunehmend straffer, die überbordende Exotik mancher Auflösung wurde auf ein realistisches Maß zurückgefahren. Die Plots waren eleganter, weil das Autorenduo sich nicht mehr in fantastische Tricks flüchten konnte und wollte.

Spannung erzeugten sie quasi filmisch, d. h. durch Tempo und rasche Szenenwechsel. Ein gutes Beispiel ist die als „court drama“ dargestellte Gerichtsverhandlung gegen Jim Haight. Dannay & Lee ziehen alle Register des Spannungsaufbaus. Sie lassen Humor und Sarkasmus einfließen, um im nächsten Moment tragisch zu werden. In diesen Passagen haben die Autoren ihre Leser fest im Griff, hier kann sich auch der ‚neue‘ Ellery Queen erfolgreich entfalten. Auch historischer Realismus hat in diesem Umfeld Platz; mehrfach findet Erwähnung, dass die USA zum Zeitpunkt des Geschehens just in den II. Weltkrieg eingetreten sind und eine „Heimatfront“ im Aufbau ist.

Wrightsville diente Dannay & Lee als Mikrokosmos, in dessen Höllenfeuer sie ihre Plots schmieden konnten, bis sie die gewünschte Härte erreicht hatten. In „Schatten über Wrightsville“ kam Ellery Queen zum ersten Mal nach Wrightsville. Noch dreimal reiste er in Sachen Mord dorthin; 1945 in „The Murderer Is a Fox“ (dt. „Der Mörder ist ein Fuchs“), 1948 in „Ten Days Wonder“ (dt. „Der zehnte Tag“) und 1950 in „Double, Double!“ (dt. „… und raus bist du!“). Anschließend versuchten Dannay & Lee wieder etwas anderes mit ihrem wandelbaren Detektiv.

„Schatten über Wrightsville“ – der Film

Kurioserweise erregte der 15. Ellery-Queen-Thriller trotz des hübschen, viel versprechenden Originaltitels und seiner dramatischen Story nie das Interesse Hollywoods. Als „Calamity Town“ 1979 doch verfilmt wurde, geschah dies in Japan. „Haitatsu sarenai santsu no tegami“ – „The Three Undelivered Letters“ – hieß das 130-minütige, vom Drehbuchautoren Kaneto Shindô adaptierte Werk, zu dessen Premiere Frederic Dannay, die überlebende Hälfte des Autorenduos Ellery Queen, nach Tokio reiste.

Anmerkung zur deutschen Übersetzung

queen-schatten-wrightsville-cover-ullstein-1977

(Bild: Sammlung md)

„Schatten über Wrightsville“ gehört zu den Krimis, denen in der Übersetzung Böses geschah: Während die erste deutschsprachige Ausgabe bereits 1949 und ungekürzt erschien, geriet der Titel für die Neuauflage in den unter Krimi-Freunden berüchtigten Ullstein-Häcksler, dem er nur um 100 Seiten gefleddert entkam. Diese Fassung sollte der Leser deshalb mit Missachtung strafen.

Die Erstausgabe aus dem Scherz Verlag ist allerdings antiquarisch nur schwer und dann teuer zu bekommen. Es gibt jedoch eine kostengünstige Alternative: Die Übersetzung von 1949 erschien 1966 als Teil eines Sammelbandes im Eduard Kaiser Verlag. Dieses Buch wird recht häufig angeboten. Wer „Schatten über Wrightsville“ eher lesen als sammeln möchte, ist mit diesem Dreifachband gut bedient, der zudem zwei weitere lesenswerte (und ungekürzte) Krimi-Klassiker enthält: „Die warnenden Affen“ (von Mignon G. Eberhart) und „Mord in der Klinik“ (von Ngaio Marsh). An die doch sehr angestaubte, von halb oder gänzlich vergessenen Ausdrücken wimmelnde Alt-Übersetzung – wer sagt heute noch „stieläugig“ statt „betrunken“ oder wagt es, ein Mitglied des weiblichen Geschlechts als „Frauenzimmer“ zu bezeichnen? – kann man sich gewöhnen; sie ist ein geringer Preis für ein vollständiges Lektüre-Vergnügen!

Autoren

Mehr als vier Jahrzehnte umspannt die Karriere der Vettern Frederic Dannay (alias Daniel Nathan, 1905-1982) und Manfred Bennington Lee (alias Manford Lepofsky, 1905-1971), die 1928 im Rahmen eines Wettbewerbs mit „The Roman Hat Mystery“ als Kriminalroman-Autoren debütierten. Dieses war auch das erste Abenteuer des Gentleman-Ermittlers Ellery Queen, dem noch 25 weitere folgen sollten.

Dabei half die Fähigkeit, die Leserschaft mit den damals beliebten, möglichst vertrackten Kriminalplots angenehm zu verwirren. Ein Schlüssel zum Erfolg war aber auch das Pseudonym. Ursprünglich hatten es Dannay und Lee erfunden, weil dies eine Bedingung des besagten Wettbewerbs war. Ohne Absicht hatten sie damit den Stein der Weisen gefunden: Das Publikum verinnerlichte sogleich die scheinbare Identität des ‚realen‘ Schriftstellers Ellery Queen mit dem Amateur-Detektiv Ellery Queen, der sich wiederum seinen Lebensunterhalt als Autor von Kriminalromanen verdient!

In den späteren Jahren verbarg das Markenzeichen Queen zudem, dass hinter den Kulissen zunehmend andere Verfasser tätig wurden. Lee wurde Anfang der 1960er Jahre schwer krank und litt an einer Schreibblockade, Dannay gingen allmählich die Ideen aus, während die Leser nach neuen Abenteuern verlangten. Daher wurden viele der neuen Romane unter der mehr oder weniger straffen Aufsicht der Cousins von Ghostwritern geschrieben.

Wer sich über Ellery Queen – den (fiktiven) Detektiv wie das (reale) Autoren-Duo – informieren möchte, stößt im Internet auf eine wahre Flut einschlägiger Websites, die ihrerseits eindrucksvoll vom Status dieses Krimihelden künden. Vielleicht die schönste findet sich hier: eine Fundgrube für alle möglichen und unmöglichen Queenarien.

[md]

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Der Elbenschlächter

Erstellt von Werner Karl am 29. Juni 2010

der-elbenschlachterJens Lossau & Jens Schumacher
Der Elbenschlächter

(sfbentry)
Die Kriminalfälle des IAIT 1
Egmont LYX, Köln, Originalausgabe: 04/2010
TB mit Klappbroschur, Fantasy, Krimi, Steampunk
ISBN 978-3-8025-8257-8
Titelgestaltung von HildenDesign, München
Autorenfoto von S. Ott

www.egmont-lyx.de
www.jenslossau.de
www.jensschumacher.eu
www.hildendesign.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
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In Foggarts Pfuhl, einem dubiosen Stadtviertel von Nophelet, geschehen innerhalb weniger Tage fünf bestialische Morde. Den Opfern gemein ist, dass es sich ausnahmslos um junge Elbenstricher handelt, deren Körper völlig blutleer und um ein bestimmtes Körperteil beraubt zurückgelassen wurden. Natürlich fällt der erste Verdacht auf die Vampire, die jedoch bestreiten, damit etwas zu tun zu haben, zumal sie den fragilen Frieden zwischen ihresgleichen und den anderen Spezies nicht leichtfertig aufs Spiel setzen würden. In Folge beauftragt das IAIT, das Institut für angewandte investigative Thaumaturgie, das sich auf die Aufklärung magischer Verbrechen spezialisiert hat, zwei Agenten, den Lichtadept Meister Hippolit und den Troll Jorge, die Verbrechen aufzuklären. Das ist gar nicht so einfach, denn nicht nur tappen beide lange im Dunkeln, die Ermittlungen werden auch dadurch erschwert, dass der Verjüngungszauber des alten Magiers nicht ganz glückte, so dass er nun den Körper eines Jugendlichen besitzt, und natürlich glaubt ihm keiner, ein Mitglied des IAITs zu sein, während Jorge immer wieder aneckt, weil nicht jeder Trolle mag.

Ein Mitglied des Königshauses bittet um Diskretion und weckt dadurch den Argwohn von Hippolit und Jorge. Der vermeintliche Täter, der wenig später wegen seines hohen Blutbedarfs von der Garde verhaftet wird, erweist sich als unschuldig. Auf eine heiße Spur stößt das Team erst, als ein Elbenstricher, dessen Freund ermordet wurde, einige interessante Hinweise gibt. Offenbar geht es um eine neue Droge, die sich nur aus Substanzen, die in Elben-Körpern vorhanden sind, gewinnen lässt. Aber noch passen die Puzzle-Teile nicht zusammen, und der Mörder läuft weiterhin frei umher …

Nachdem man als Phantastik-Freund zuletzt vor allem Romatic Fantasy und Romantic Mystery oder mit Splatter das andere Extrem von den Verlagen angeboten bekam, ist jeder Titel, der von diesen Spielarten abweicht, hoch willkommen – endlich Abwechslung! Dies trifft auch auf „Der Elbenschlächter“ zu, dem ersten Band der „IAIT“-Reihe, an der Jens Lossau und Jens Schumacher, die schon öfters zusammen gearbeitet haben, gemeinsam schreiben. Man kann den Roman in die Rubrik ‚Fantasy-Krimi‟ einordnen, ein Subgenre, das nicht allzu häufig zu finden ist (Randell Garrett: „Lord Darcy“, John Maddox Roberts: „Mord in Tarsis“, Martin Scott: „Thraxas“ – um einige Beispiele zu nennen), wohingegen der ‚Horror-Krimi‟ bzw. ‚Mystery-Thriller‟ eine höhere Verbreitung hat.

In „Der Elbenschlächter“ mischen sich traditionelle Fantasy- und Krimi-Elemente zu einer gelungenen Einheit. Die Autoren arbeiten mit gängigen und beliebten Archetypen (Elben, Trollen, Vampire, Magier, Stricher etc., dem klassischen Mord und den üblichen Ermittlungsarbeiten), denn es bringt nichts, mit Gewalt etwas Neues erfinden zu wollen. Umso erfreulicher sind darum die gelegentlichen Eigenschöpfungen wie das ‚Vulwoog, ein Fahrzeug, das einen Hauch Steampunk verbreitet.

Jens Lossau und Jens Schumacher scheinen ein Faible für skurrile Duos zu haben, denn auch eine andere Gemeinschaftsproduktion, eine Krimi-Serie, profitiert von zwei gegensätzlichen, schrulligen Beamten. Es ist zwar schon etwas weit hergeholt, Hippolit und Jorge mit Terence Hill und Bud Spencer, Sherlock Holmes und Dr. Watson oder „Clever & Smart“ zu vergleichen, wie es der Klappentext tut, und auch die Running Gags (die Troll-Sprichwörter, Hippolits jugendliches Aussehen, Jorges Freude an Gelagen und Prügeleien etc.) nutzen sich durch zu viele Wiederholungen ab, dennoch liest sich der Roman recht lustig und vor allem kurzweilig. Richtig in die Tiefe gehen die Charaktere nicht; sie erfüllen lediglich ihre Rollen. Man erfährt selbst über die Hauptfiguren nur wenig. Sie reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, und erlangen dadurch Individualität.

Die abwechslungsreiche Handlung steht im Vordergrund und wird flüssig und routiniert abgespult. Man folgt der Geschichte gern bis ans für erfahrene Leser nicht ganz unerwartete Ende. Schätzt man Fantasy mit Krimi-Elementen und einer guten Portion (derben) Humor, sollte man einen Blick in „Der Elbenschlächter“ werfen. Das Buch weiß gut zu unterhalten und überzeugt trotz kleiner Schwächen. Hat man Gefallen an Hippolit, Jorge und ihrer Welt gefunden, darf man sich auf weitere Bände freuen.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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Der Kristall des Chaos

Erstellt von Werner Karl am 29. Juni 2010

der-kristall-des-chaosJennifer Fallon
Der Kristall des Chaos
Gezeitenstern-Saga 4

(sfbentry)
The Chaos Crystal, Australien, 2008
Egmont LYX, Köln, 04/2010
PB mit Klappbroschur, Fantasy, Adventure,
ISBN 978-3-8025-8245-5
Aus dem Australischen von Katrin Kremmler und Rene Satzer
Titelgestaltung von HildenDesign, München unter Verwendung eines
Motivs von Shiva/Shutterstock und von Buddhadl/Shutterstock
Karte von Russell Kirkpatrick

www.egmont-lyx.de
www.jenniferfallon.com/
www.hildendesign.de
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www.russelkirkpatrick.com/

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Amyrantha steht eine gewaltige Königsflut der Gezeiten bevor, und nicht nur die Untsterblichen bekommen dies zu spüren. Während ihre Kräfte schneller als erwartet wachsen, haben die Menschen und Tiere unter heftigen Stürmen und unerklärlichen Hitze- oder Kälteperioden zu leiden, da auch das Wetter von der Macht des Gezeitensterns beeinflusst wird. Doch dies ist noch ihr geringstes Problem, auch wenn sie davon nichts ahnen. Denn im eisigen Jelidien erfährt der ehemalige Meisterpion Declan Hawkes, welche Ziele sein Vater Lukys wirklich verfolgt: Auf dem Höhepunkt der Flut will er ein Tor zu einer anderen Welt öffnen, um Amyrantha zusammen mit einigen der anderen Unsterblichen für immer zu verlassen. Ein Plan, der Declan als Mitglied der Bruderschaft des Tarot an sich gut gefallen würde, wenn das anschließende Zuschnappen des Dimensionstores nicht den Nebeneffekt hätte, die zurückbleibende Welt mit all ihren Bewohnern komplett zu vernichten.

Um Amyrantha vor dem Untergang zu bewahren, bleibt dem Meisterspion nur eine Möglichkeit; er muss sich mit den übrigen Gezeitenfürsten verbünden und versuchen, mit ihnen zusammen Lukys und die anderen zu stoppen. Aber das ist leichter gesagt als getan. Unterdessen muss Arkady mit dem Schock fertig werden, dass ihr todgeglaubter Vater noch lebt und all die Jahre ein Gefangener Stellan Deseans, ihres Ehemannes, war. Und genau wie sie selbst befindet sich auch Bary Morel nun in den Händen des skrupellosen Gezeitenfürsten Jaxyn, der keinen Zweifel aufkommen lässt, dass er um das Druckmittel weiß, das er gegen Arkady in der Hand hat. So muss sie tatenlos mit ansehen, wie er ihre ehemaligen Untertanen und Crasii in einen Krieg gegen das Volk von Caelum führt und zusammen mit den beiden Unsterblichen Diala und Lyna seine Macht mehr und mehr ausdehnt.

In ihrem vierten und letzten Band um die Welt Amyrantha und ihre mächtigen Gezeitenfürsten zieht Jennifer Fallon noch einmal alle Register. Durch ihre Enthüllungen über die wahre Herkunft der Unsterblichen und des Chaoskristalls und die Eröffnung, dass sein Einsatz die Zerstörung der zurückbleibenden Welt nach sich ziehen könnte, schafft sie es, Tempo und Dramatik der Geschichte noch ein weiteres Mal zu erhöhen. Nach und nach nimmt sie die verbleibenden Handlungsstränge noch einmal auf, verknüpft sie und führt sie zu einem großen Showdown zusammen.

Wie in jedem Band nimmt auch in diesem das Ende eine überraschende und diesmal sehr eigenwillige Wendung, die dem einen oder anderen begeisterten Leser der Serie vielleicht nicht gefallen wird. Doch egal wie die Meinung dazu ausfällt, lesenswert ist der das Buch allemal. Denn wie schon die vorherigen glänzt auch „der Kristall des Chaos“ wieder mit amüsanten Dialogen, einer bis zum Ende spannend durchgehaltenen Geschichte und faszinierenden Charakteren. Von diesen sind einige, in Hinblick auf ihren wahren Hintergrund, in einem ganz anderen Licht als zuvor zu betrachten, und vor allem der am Ende des zweiten Bandes wieder aufgetauchte Kentravyon und Coron, Lukys unsterbliche Ratte, sind für eine Überraschung gut.

„Der Kristall des Chaos“ ist ein spannender und würdiger Abschluss der „Gezeitenstern-Saga“, und lediglich sein Ende wird die Leserschaft in zwei Hälften spalten: in diejenigen, die es lieben, und die, die es hassen. Zu welcher Seite man gehören wird, lohnt sich auf jeden Fall herauszufinden.

Copyright © 2010 by Birgit Scherpe (BS)

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Wenn du dieses Buch liest, ist alles zu spät

Erstellt von Werner Karl am 28. Juni 2010

wenn-du-dieses-buch-liest-ist-alles-zu-spatPseudonymous Bosch
Wenn du dieses Buch liest, ist alles zu spät
Mitternachtsonne 2

(sfbentry)
If you’re reading this it’s to late, USA, 2008
Arena Verlag, Würzburg, 01/2010
HC, Kinderbuch, Adventure, Fantasy
ISBN 978-3-401-06257-0
Aus dem Amerikanischen von Petra Koob-Pavis
Titelgestaltung von Frauke Schneider

www.arena-verlag.de

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Wie auch schon in „Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis“ macht der Autor auch in „Wenn du dieses Buch liest, ist alles zu spät“ deutlich, dass er die Geschichte ja eigentlich gar nicht erzählen wolle, und der Leser es lieber ganz schnell wieder zurücklegen solle. Aber die menschliche Neugier ist wieder größer, und so wird der junge – und auch ältere – Leser sicherlich den Teufel tun und auf jeden Fall weiter lesen. Die Helden der Geschichte sind wieder die Elfjährigen Kassandra und Max-Ernest. Seitdem es ihnen gelungen ist, das Geheimnis eines verschwundenen Magiers zu lösen und ihn auch noch zu retten, sind sie Mitglieder der Mieheg-Gesellschaft, die als Zeichen die Mitternachtssonne tragen. Da sie sich bereits in ihrem ersten Fall als fähige Ermittler erwiesen haben, dürfen die Kinder sich diesmal hochoffiziell auf die Suche nach dem Grab des ‚Pharao‟ machen, einem der größten Alchimisten der Welt, denn er hat ein großes Geheimnis mit in den Tod genommen, das mehr als nur große Macht verspricht.

Den Ort des Grabes kennt allerdings nur einer: der seit Hunderten von Jahren verschollene Homunculus, der künstliche Mensch, der einst von dem ‚Pharao‟ geschaffen wurde. Um ihn zu finden, müssen die Kinder das Klangprisma einsetzen. Doch sie merken schnell, dass sie nicht die Einzigen sind, die der schwachen Spur folgen. Auch ihre Feinde aus dem ersten Band, die düstere und alterslose Mauvaise und ihr Begleiter Dr. L., sind dem Homunculus auf der Spur. Und so beginnt ein Wettrennen um das Grab, das für Kassandra noch erschwert wird, weil sich Max-Ernest ihr gegenüber unverständlicherweise sehr eifersüchtig benimmt und dabei die Konzentration auf die Sache gestört wird. Aber immerhin haben sie diesmal auch freundliche Helfer und Beschützer, wie den Magier Pietro, dem sie das Leben gerettet haben, und die ihnen bei manch einer Gefahr – wie etwa gegen die Menschenfresser – beistehen.

„Wenn du dieses Buch liest, ist alles zu spät“ kann wie schon sein Vorgänger in erster Linie durch den abgedrehten und ungewöhnlichen Stil punkten, weniger durch die Geschichte. Die Abenteuerhandlung ist eher schlicht und übersichtlich; das ganze Drumherum macht eigentlich erst den Reiz aus. Skurrile Ideen mischen sich mit den durchweg kauzigen Figuren aus dem Alltag der Kinder – man denke nur an Max-Ernests Eltern, die nicht nur das Haus geteilt haben, sondern auch die stündliche Zeit ihres Kindes, um jeder etwas von dem Jungen zu haben – und natürlich den entsprechenden Gestalten in ihren Abenteuern. Dazu kommt die betont deutliche und fast schon übertriebene Geheimniskrämerei. Je mehr der Autor betont, dass er ja eigentlich nichts verraten dürfte desto neugieriger liest man weiter und ist so gesehen selbst schuld, wenn es einen schließlich packt.

Man nimmt dem Autor dieses Stilmittel noch einmal gerne ab, aber die ersten Gags wiederholen und die Seltsamkeiten beginnen, sich zu wiederholen. Dennoch können auch erfahrene Leser jetzt noch Spaß an der Geschichte haben, die in erster Linie an Kinder ab zehn Jahren gerichtet ist. Wer in seinem Herzen jung geblieben ist und solche abgedrehten Geschichten mag, kann auch noch im vorgerückten Alter nach „Wenn du dieses Buch liest, ist alles zu spät“ greifen. Ansonsten werden Eltern eine ebenso spannende wie humorvolle Abenteuerlektüre für ihre Kinder vorfinden.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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Sayuri

Erstellt von Werner Karl am 28. Juni 2010

sayuri1Carina Bargmann
Sayuri

(sfbentry)
Arena Verlag, Würzburg, 01/2010
HC mit Schutzumschlag, Jugendbuch, Fantasy
ISBN 978-3-401-06446-8
Umschlagillustrationen von Frauke Schneider

www.arena-verlag.de
www.sayuri-lesen.de/index.html

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Sayuri kann sich ihrer Umwelt nur mit Gesten verständlich machen. Da ihre Mutter an einer geheimnisvollen Krankheit verstarb, kümmern sich nun ihre Freunde um das Mädchen, allen voran Marje, deren Bruder Milan der unerschrockene Anführer einer Diebesgilde ist. Doch das Leben aller Bewohner der Stadt ist bedroht. Der Wasserstand des Flusses Shanu sinkt immer mehr. So werden die Kosten für das Leben spendende Nass immer größer. Eines Tages drehen die hochwohlgeborenen Oberstädter den Leuten aus der Unterstadt den Hahn zu. Um nicht zu verdursten, setzten Marje und Milan einen tollkühnen Plan in die Tat um. Dabei wird Marje von einem Wachmann entdeckt, den sie lebensgefährlich verletzt, ohne dass sie ahnt, dass es sich hierbei um Kiyoshi, den Neffen und Erben des verhassten Königs, handelt. Dieser überlebt, aber er empfindet keinen Hass für das Mädchen. Er denkt nur noch an ihre wunderschönen Augen, in denen er zu versinken drohte.

Dann überschlagen sich die Ereignisse, als der König befiehlt, ausnahmslos alle Kinder im Alter von sechzehn Jahren aus der Stadt zu verbannen. Kiyoshi kann diese Ungerechtigkeit nicht ertragen. Eine alte Prophezeiung veranlasst ihn, den Palast und die sichere Umgebung der Stadt aufzugeben. Dabei kreuzen sich seine und Marjes Wege erneut. Sayuri will eigentlich mit Marje zusammen aus der Stadt fliehen, aber die beiden werden getrennt. Da begegnet ihr ein geheimnisvoller junger Mann, der sie vor den Soldaten rettet und sich um sie kümmert. Sayuri weiß nicht, dass sie ein ganz besonderer Mensch ist. Erstaunt erkennt das Mädchen, dass sich nur eines wünscht: endlich eine Stimme zu haben, und dass die Erfüllung dieses Wunsches näher ist, als sie je zu hoffen wagte. Doch auch ihr Retter ist etwas Besonderes.

Mehr soll über die Protagonisten und ihre Abenteuer nicht verraten werden, da sonst die Spannung schwindet. Carina Bargmann erzählt eine Geschichte von einer Welt voller Wunder. Da gibt es die tapferen Freunde, die durch ihren Mut, ihre Hingabe und ihre Liebe alle Widrigkeiten, denen sie begegnen, überstehen. Die einzelnen Protagonisten werden im Laufe der Erzählung näher beleuchtet, und der Leser erfährt, welche Gründe der eine oder die andere hat, um so und nicht anders zu agieren. Damit wird den Figuren eine Tiefe verliehen, die so nicht immer selbstverständlich ist. Leider schwächelt die gut erzählte Geschichte auf den letzten Seiten, und das abrupte Ende lässt den Verdacht aufkommen, dass die Autorin die Lust an ihren Figuren verloren oder ihr Seitensoll erfüllt hat. Vielleicht entsteht ja noch eine Fortsetzung, in der sich einiges wieder gerade biegen lässt. Der Schutzumschlag ist von mitternachtsblauer Farbe. Darauf sieht man die Schatten von drei Gestalten. Umrahmt sind diese von etlichen Ranken mit Blüten und Blättern. Diese Pflanzen sind in der Farbe von Veilchen gehalten, während die Blüten weiß und rosa schimmern. Regentropfen gleich finden sich glitzernde blaue Streifen auf dem Umschlag, die diesen Band ungemein veredeln.

Alles in allem ist hier eine wunderschöne und unterhaltsame Geschichte für Kinder und junge Erwachsene entstanden, die ihresgleichen suchen dürfte.

Copyright © 2010 by Petra Weddehage (PW)

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Als es noch Menschen gab

Erstellt von Michael Drewniok am 27. Juni 2010

simak-menschen-cover-2010Clifford D. Simak
Als es noch Menschen gab

Originaltitel: City (New York : Ace Books 1981; dies ist die erste Gesamtausgabe der neun „City”-Storys)
Deutsche Erstausgabe der vollständigen, überarbeiteten u. kommentierten Gesamtfassung: März 2010 (Wilhelm Heyne Verlag/TB Nr. 52628)
Übersetzung: Tony Westermayr u. Ulrich Thiele
412 S.
ISBN-13: 978-3-453-52628-0

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Das geschieht:

In neun Geschichten erzählt der Verfasser vom Ende der Menschheit, das hier ohne Krieg und Gewalt stattfindet, sondern einerseits evolutionär begründet ist und andererseits gesteuert wird, wobei alte Untugenden immer wieder durchschlagen und schließlich einen radikalen Neubeginn erforderlich machen:

- Die Stadt („City”, 1944): Gegen den Widerstand ihrer letzten Bürger soll eine US-Geisterstadt als lästiges Relikt der Vergangenheit zerstört werden.

- Das Haus („Huddling Place”, 1944): Obwohl man an anderer Stelle dringend seiner Hilfe bedarf, kann ein Arzt sein zur Falle gewordenes Heim nicht verlassen.

- Census („Census”, 1944): Sowohl die Zivilisation der Hunde als auch die Abspaltung der menschlichen Mutanten nimmt ihren Lauf.

- Die Flucht („Desertion”, 1944): Ausgerechnet auf dem Planeten Jupiter entdecken Menschen ein reales Paradies.

- Das Paradies („Paradise”, 1946): Die meisten Menschen verlassen die Erde und beginnen ein neues Leben auf dem Jupiter.

- Zeitvertreib („Hobbies”, 1946): Die wenigen auf der Erde verbliebenen Menschen geben sich sinnlosen Beschäftigungen hin.

- Äsop („Aesop”, 1947): Weil der Mensch von der Gewalt nicht lassen kann, wird er von der Erde entfernt; die Hunde übernehmen den Planeten.

- Die Lösung („The Trouble with Ants”/„The Simple Way”, 1951): Roboter Jenkins wird Zeuge, wie die Zivilisation der Ameisen den Menschen in den Untergang folgt.

- Epilog („Epilog”, 1973): Jenkins hält einsam Wache auf einer auch von den Hunden verlassenen Erde.

Cover der (gebundenen) dt. Erstausgabe von 1964 (Bild: Sammlung md)

Cover der (gebundenen) dt. Erstausgabe von 1964 (Bild: Sammlung md)

Eine (beinahe) friedliche Apokalypse

Die Welt ging und geht in der Science Fiction oft unter. Meist ist der Mensch selbst verantwortlich für sein Ende, das aber auch durch Fremdeinflüsse und dumme Zufälle (Asteroiden-Einschlag, außerirdische Attacke, Zombie-Epidemie) verursacht werden kann. Einigende Elemente sind viel Krawall und Sachschaden, während die Opferzahlen so dramatisch steigen wie die Spritpreise vor den Feiertagen: Wenn es schon aus ist, treten wir wenigstens mit Blitz und Donnergetöse ab!

Dass sich Clifford D. Simak nicht auf die bewährten Routinen des „Doomsday”-Subgenres stützen würde, ist zumindest denjenigen klar, die schon einmal einen Roman oder eine Kurzgeschichte dieses Verfassers gelesen haben. Simak bediente sich zwar sämtlicher Themen der SF, wobei er jedoch stets ein Mann der ruhigen Töne blieb. Wie „Als es noch Menschen gab” beweist, vermochte er auch ohne schwere Geschütze sehr gut das Ende der Menschheit in Szene zu setzen, trotzdem für Betroffenheit bei seinen Lesern zu sorgen und dabei spannend zu bleiben.

Die der Handlung innewohnende Tragik liegt in der Natur des Menschen begründet. Simak beschreibt in einem ausführlichen Nachwort, wie die Erzählungen, die er später in dem vorliegenden Buch sammelte, in einer Zeit entstanden, als die Erdmenschen aus den Gräueln des gerade überstandenen II. Weltkriegs rein gar nichts gelernt zu haben schienen. Stattdessen standen sich nunmehr atomar gerüstete Gegner in einem „kalten” Krieg gegenüber, der sehr schnell heiß und dieses Mal global tödlich werden konnte. Das Talent zur technischen Innovation, so schien es Simak, ging offensichtlich einher mit einem tief verankerten Hang zur Gewalt, und dieser würde sich immer wieder seinen Weg bahnen.

In „Als es noch Menschen gab” fällt der III. Weltkrieg aus. Die Atomkraft wird friedlich genutzt. Die sozialen Strukturen beginnen sich gravierend zu ändern. Der Mensch gibt das kollektive Leben in der Stadt auf. Er zieht aufs Land, mutiert zum Individuum und verliert jenen Zusammenhalt, der ihn einerseits aggressiv und andererseits im Austausch von Meinungen und Theorien erfinderisch werden ließ. Noch später verlassen die meisten Menschen die Erde und gehen in der zivilisationslosen Gesellschaft vergeistigter Jupiter-Geschöpfe auf.

Cover der TB-Erstausgabe von 1964 (Bild: Sammlung md)

Cover der TB-Erstausgabe von 1964 (Bild: Sammlung md)

Der Wolf bleibt immer Wolf

Zurück bleiben wenige Menschen, die das außerirdische ‚Paradies’ scheuen und auf der Erde ohne Sorgen oder Bedürfnisse aber auch ohne Ziele leben, sowie Hunde und Roboter. Die Hunde sind inzwischen intelligent geworden und können sprechen – eine vergangene Großtat der menschlichen Wissenschaft, hier einmal mehr verkörpert durch ein Mitglied der Familie Webster.

Simak stellt die Websters als Identifikationsfiguren in den Mittelpunkt der Ereignisse, die von ihnen erst gesteuert und später nur noch registriert werden. Auch die ‚Parallel-Zivilisation’ der Hunde ist ein Projekt der Websters. Sie wollen dem Menschen eine Intelligenz zur Seite zu stellen, die von den beschriebenen Wesensmakeln rein ist. Als die Menschen nach und nach verschwinden, übernimmt der unsterbliche Roboter Jenkins die Rolle der Websters. Er führt die Hunde in eine neue Zeit, in der alle Tiere intelligent geworden sind, sich verständigen können und einen globalen Friedenspakt geschlossen haben.

Erst jetzt setzt die eigentliche Apokalypse ein: Der Zufall verdeutlicht Jenkins, dass der fast ausgestorbene Mensch sein Gewaltpotenzial bewahrt hat und es erneut über die Erde bringen könnte. Also macht er dem ein Ende und entführt die Menschen an einen fernen Ort, an dem sie Gebrauch von ihrer Aggression machen können. Zurück bleibt eine menschenleere Erde, auf der die friedfertigen Hunde das Sagen haben. In den letzten beiden Erzählungen gibt es keine Websters mehr, und auch die Hunde sind verschwunden; der Roboter Jenkins spielt die Rolle des Testamentsvollstreckers und Hüters einer Vergangenheit, die nur mehr ihm wichtig ist.

Chronik mit vielen absichtlichen Fragezeichen

Simak verzichtet auf die Stringenz einer Handlung, die er stattdessen in einzelne Erzählungen aufgliedert. Damit bewahrt er dem „City”-Zyklus seine ursprüngliche Struktur: Die zunächst acht Erzählungen entstanden zwischen 1946 und 1951 als Storys, die vom Verfasser 1952 zum gleichnamigen Buch zusammengefasst wurden. Erst jetzt entstanden die verbindenden Kommentare, in denen hündische Historiker und Philosophen einer fernen Zukunft sich an der Deutung der wenigen hinterlassenen Quellen versuchen. (22 Jahre später fügte Simak eine neunte Geschichte hinzu. Sie sollte dem „City”-Zyklus abrunden, entstand aber in einem deutlich veränderten Umfeld, sodass sie nur schlecht zu den originalen acht Storys – die sich außerdem längst zum Kanon gefügt hatten – passen wollte.)

Die Geschichten aus „Als es noch Menschen gab” liegen auf einer Zeitachse, die im Jahre 1990 beginnt und viele Jahrtausende in die Zukunft reicht. Insgesamt ergibt sich trotz der Episoden-Struktur eine durchgängige Geschichte. Sie weist Lücken auf, die der Leser dank der Simakschen Andeutungen selbstständig zu füllen weiß. (Apropos Lücke: „Als es noch Menschen gab” gehört zu den Meisterwerken der Science Fiction, obwohl dem Verfasser in Sachen Science gewaltige Patzer – Hunde werden nicht intelligent, nur weil sie sprechen können, Jupiter ist ein Gasplanet ohne begehbare Oberfläche, und die Stadt hat als Lebensraum überlebt – unterliefen, wie der nachgeborene SF-Kollege Peter Watts in seinem Vorwort einerseits nachweist, während er gleichzeitig die Beständigkeit der Fiction betont.)

Simak zeigt sich als Meister der Ökonomie; sein gewaltiges Epos einer möglichen Zukunft umfasst in der Originalausgabe von 1952 gerade 224 Seiten. Auch ergänzt durch die neunte Story, durch Vor- und Nachwort degeneriert „Als es noch Menschen gab” nie zu einem jener endlosen, geschwätzigen Serienprodukte, zu der erfolgreiche SF-Ideen heutzutage viel zu oft ausgewalzt werden. Dass dieses Buch in seiner aktuellen deutschen Neuausgabe mehr als 400 Seiten stark ist, ‚verdankt’ es einem überaus aufgelockerten Druckbild mit großen Buchstaben und großzügigen Rändern …

Übrigens wurden die acht ursprünglichen „City”-Storys nicht neu übersetzt; der Heyne-Verlag griff auf die Eindeutschung von Tony Westermayr aus dem Jahre 1964 zurück. Obwohl der oft geschmähte Übersetzer hier leistete gute Arbeit leistete, wäre eine neue deutsche Fassung nach beinahe fünf Jahrzehnten und anlässlich dieser Neuausgabe eigentlich fällig gewesen.

Cover der (dritten) TB-Ausgabe von 1981 (Bild: Sammlung md)

Cover der (dritten) TB-Ausgabe von 1981 (Bild: Sammlung md)

Autor

Clifford Donald Simak wurde am 3. August 1904 in Mil(l)ville, einem Städtchen im Südwesten des US-Staates Wisconsin, geboren. Naturwissenschaft und Journalismus waren seine frühe und lebenslange Leidenschaft. Simak studierte an der Universität von Wisconsin und wurde 1922 zunächst Lehrer. 1929 wagte er den Absprung und wurde für diverse Zeitungen des Mittelwestens tätig. Ab 1939 war er fest beim „Minneapolis Star” angestellt, wo er bis 1976 blieb und u. a. die Wissenschaftsbeilage betreute.

Der junge Simak war von den Science-Fiction-Magazinen fasziniert, die in den 1920er Jahre erschienen. Er wurde bald selbst schriftstellerisch aktiv. Eine erste Kurzgeschichte erschien 1931 in Hugo Gernsbacks „Wonder Stories”. 1938 wechselte Simak als Autor zu „Astounding Science Fiction”. Unter dem charismatischen Herausgeber John W. Campbell jr. (1910-1971) begann er seine eigene Stimme zu finden. In den nächsten Jahren entstanden jene Storys, die 1952 zum „City”-Zyklus zusammengefasst wurden.

Obwohl Simak zu den Gründervätern der Science Fiction gezählt wird, begann seine eigentliche Karriere erst nach dem II. Weltkrieg. Der Autor sperrte sich gegen aktuelle Modeströmungen und blieb ‚seiner’ SF treu. Einfache Männer bilden seine Hauptfiguren: Handwerker, Journalisten, Lehrer, oft am Rande der Gesellschaft lebend, etwas verschroben aber aufgeschlossen, tolerant und neugierig (sowie in der Regel begleitet von einem Hund). Gern lässt Simak das Fremde in den vertrauten Landschaften des Mittelwestens auftauchen, wo außerhalb der großen, anonymen Städte Männer und Frauen in übersichtlichen Gemeinschaften leben und gesunder Menschenverstand allemal über weltfremdes Spezialistentum gestellt wird.

Mit seinen ‚pastoralen’ SF-Werken schuf sich Simak eine literarische Nische, in der er sich behaglich einrichtete. Selbst die eifrigen und manchmal eifernden Vertreter der „New Wave”, die Ende der 1960er Jahre der SF grundlegende neue Impulse gaben, ließen ihn in Ruhe. Schon 1973 wurde Simak in die „Science Fiction Hall of Fame” aufgenommen. In den 1970er Jahren erweiterte er sein Repertoire und verfasste erfolgreiche Fantasy-Romane. Erst sein Tod am 25. April 1988 in Minneapolis setzte dieser erstaunlichen, fast sechs Jahrzehnte umspannenden Karriere ein Ende.

[md]

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Das Königshaus der Monster

Erstellt von Werner Karl am 27. Juni 2010

das-konigshaus-der-monsterJonathan Barnes
Das Königshaus der Monster

The Domino Men, GB, 2008
Piper Verlag, München, dt. Erstausgabe: 03/2009
HC mit Schutzumschlag, Fantasy, SF
ISBN 978-3-4927017-6-1
Aus dem Englischen von Biggy Winter
Titelgestaltung von HildenDesign unter Verwendung eines Motivs von Christophe Madura und einer Vorsatzillustration von Oliver Wetter

www.piper-fantasy.de
www.hildendesign.de
www.fantasio.info/

Titel erhältlich bei Buch24.de
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„Das Königshaus der Monster” ist nach „Das Alptraumreich des Edward Moon” (Piper, 2008) der zweite phantastische Roman des englischen Autors und Journalisten Jonathan Barnes. „Das Alptraumreich des Edward Moon” ist im London des beginnenden 20. Jahrhunderts angesiedelt; der Protagonist ist ein abgehalfterter Zauberkünstler und Hobbydetektiv, der von Scotland Yard zur Aufklärung von zwei Morden hinzugezogen wird. Die Handlung und diverse Figuren des Romans gewinnen rasch phantastische Züge, was durchaus seinen Reiz hat.

Der Handlungsort von „Das Königshaus der Monster” ist ebenfalls London, der Roman spielt jedoch in der Gegenwart. Henry Lamb ist ein unbedeutender Beamter der Staatlichen Archivverwaltung, in der seine Aufgabe in dem Registrieren von Dokumenten besteht. Immerhin blickt er auf eine Vergangenheit als TV-Kinderstar zurück, auch wenn sich sein Text bei jedem Auftritt auf ein- und denselben Satz beschränkte. Henrys Großvater liegt im Sterben, als er von dem sogenannten Direktorium – an das sich Leser von „Das Alptraumreich des Edward Moon” sicherlich noch erinnern werden – zum Kampf gegen den Leviathan rekrutiert wird, der demnächst über London herfallen wird.

Das Direktorium offenbart Henry Lamb, dass sein Großvater gemeinsam mit der Frau Estella an der ersten Gefangennahme des Leviathans beteiligt war. Estella ist verschwunden, und Henry soll sie finden, bevor der Leviathan zurückkehrt. Er sucht die ‚Dominomänner„ auf, die in den Kellergewölben von Downing Street Nr. 10 gefangen gehalten werden (sic!). Auch die Dominomänner, die dem Roman im Original den Namen gaben, sind aus „Das Alptraumreich des Edward Moon” bekannt: Es sind zwei zynische, Schuluniformen tragende Männer, die jenseits von Zeit und Raum agieren, mal als Söldner tätig werden, mal ihre eigenen Interessen verfolgen, jedoch immer ihren Spaß daran haben, Menschen zu töten.

Die Dominomänner bieten dem Direktorium an, seine Agenten, einschließlich Henry Lamb, zu Estella zu führen, entkommen jedoch und richten ein Chaos an. Henry Lamb gelingt es mit einer Estella-Epigone, sie zu verfolgen. In der Parallelhandlung werden die Hintergründe für die Verschacherung von London an den Leviathan und für die Existenz des Direktoriums offenbart (der deutsche Titel deutet leider zu viel an, was im Roman erst in mehreren Kapiteln preisgegeben wird). Estella wird gefunden, stirbt jedoch, und der Leviathan fällt über London her.

„Das Königshaus der Monster” ist ein perfekt verfasster Roman. Der Stil ist geschmeidig, jeder Teil der Handlung greift komplikationslos in den nächsten, der Plot ist stimmig. Der Einbruch des Phantastischen in die Gegenwart wirkt sehr authentisch. Der Rückgriff auf den biblischen Leviathan (der in dieser Form tatsächlich in der Themse erscheint …) mutet zunächst wenig originell an, doch dem Autor gelingt eine verblüffende Wendung, als er den tatsächlichen Charakter des Leviathans offenbart und damit in die Science Fiction verstößt, immerhin in den neueren Ideenfundus des Genres.

Der Vergleich mit dem ersten Romans des Autors, „Das Alptraumreich des Edward Moon”, zeigt eine Parallele auf: In beiden Büchern ist London einer Bedrohung ausgesetzt. „Das Königshaus der Monster” ist der eingängigere Roman: Der Autor verzichtet auf eine Reihe von ungewöhnlichen Charakteren – von den Dominomännern selbstverständlich abgesehen –, das (Nach-) Viktorianische Flair fehlt, und der Romantitel gibt nicht zu Spekulationen Anlass. Mit den Dominomännern kann der Autor natürlich weitere Romane kreieren; es ist jedoch zu wünschen, dass sie dann in einem anderen Kontext eingesetzt werden.

Copyright © 2010 by Armin Möhle (armö)

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Agoraphobiastica

Erstellt von Werner Karl am 27. Juni 2010

agoraphobiasticaSebastian Kaufmann (Hrsg.)
Agoraphobiastica

Chaotic Revelry Verlag, Köln
1. Auflage:11/2009
PB, Belletristik, experimentelle Literatur, Surrealismus, Mystery
ISBN 978-3-9812457-3-8
Titelgestaltung von Mercator Media unter Verwendung einer Illustration von Dr. Dionysos

www.cr-verlag.de
www.cr-shop.de
www.mercator-media.de
www.romanverlag.de

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Unter “Agoraphobie” versteht man vor allem die Angst vor weiten Plätzen, Menschenmengen und Reisen, die zu Panikattacken führen kann, wenn der Betroffene befürchtet, dass ihm eine Gefahr droht, vor der er sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen kann. Es kommt zu einer Vermeidung dieser Orte und in einigen Fällen sogar dazu, dass die Person die eigene Wohnung nicht mehr verlassen kann. In der heutigen Zeit leiden immer mehr Menschen an verschiedenen Angst-Formen, verursacht durch den Druck, den das Umfeld oder man selber auf sich ausübt, durch hohe Erwartungshaltungen und Belastungen im Familienkreis und in der Schule/am Arbeitsplatz, durch Mobbing, eine unsichere Zukunft und tragische Verluste – und vieles mehr. Tat man dies vor wenigen Jahrzehnten oft noch mit einem Schulterzucken ab und meinte, der Betreffende solle sich nicht so anstellen, weiß man mittlerweile, dass solche Ängste Krankheiten sind, die durch Medikamente und Therapien behandelt werden können und müssen.

Der Chaotic Revelry Verlag, der bereits durch Anthologien zu ungewöhnlichen Themen auf sich aufmerksam machte, entschied sich 2009 für das Stichwort ‚Ängste‟ und rief zu einem Schreibwettbewerb auf. Es gab viele hundert Reaktionen, neunzig Prozent von Frauen – so der Verlag -, was wieder einmal zeigt, dass es immer noch Dinge gibt, über die Männer nicht so frei sprechen können und wollen, während Frauen ihre Ängste eher erkennen und sich eingestehen. Von den eingesandten Beiträgen wurden 15 Kurzgeschichten und 4 Lyriken von 19 Autoren und Autorinnen (allerdings im Verhältnis 1 : 1) ausgewählt und in „Agoraphobiastica“ veröffentlicht. Die Situationen und Ängste, die beschrieben werden, sind vielfältig und nicht etwa auf ‚Platzangst‟ begrenzt: Verlustangst, Todesangst, die Angst vor einer Verschwörung und vor Bakterien, die Ur-Angst vor etwas Unheimlichen u. v. m. Die Geschichten und Lyriken lassen sich dementsprechend unterschiedlichen Genres zuordnen, meist der zeitgenössischen Erzählung und dem Drama, dem Surrealismus und auch der Mystery.

Manche der Ereignisse kennt man aus dem eigenen Umfeld oder kann sie sich leicht vorstellen: In Kathrin Reikowskis „Noch nicht ganz tot“ beobachtet die Protagonistin die Veränderungen einer Freundin, die sie längere Zeit nicht gesehen hatte, und sorgt sich um die Veränderungen, die auf sie selber warten. Karsten Prühl schildert in „Latte Macchiato“ die geheimen Wünsche eines Mannes, der seine Angst vor dem Älterwerden und den verpassten Chancen hinter Gerede und angeblichem Zeitmangel vor sich und anderen verbirgt. Simone Edelbergs Protagonistin stellt fest, „Tote sind gute Zuhörer“, aber sie verlangen ebenfalls Aufmerksamkeit und haben Ängste – in Vergessenheit zu geraten – wie die Lebenden – liebe Menschen zu verlieren.

„Die Bestie vom Johannisthal“ erschreckt den ungläubigen Spaziergänger, den Dieter Stiewi nachts unterwegs sein lässt. Kann er dem Grauen entkommen? Das sind nur vier Beispiele, die verschiedene Situationen und Ängste beschreiben, mit denen auf individuelle Weise umgegangen wird. Manche Geschichten gehen gut, andere traurig aus, hin und wieder gibt es gar keine konkrete Lösung. Vielen Texten merkt man an, dass eigene Erfahrungen zugrunde liegen, die noch immer nicht verarbeitet wurden. Einige Autoren hingegen binden klassische Motive in eine unterhaltsame Erzählung ein. Das Spektrum der Beiträge ist wirklich weit gefächert!

Daher dürften Leser, die sich für Bücher interessieren, welche sich nicht am Mainstream orientieren, und die nach ungewöhnlichen, anspruchsvolleren Themen suchen, in „Agoraphobiastica“ den einen oder anderen Beitrag finden, der den Nerv trifft. Erwähnenswert ist der Hinweis auf der letzten Seite, der eine Zeitschrift, die „daz“ („Deutsche Angst-Zeitschrift“), vorstellt, in der (ehemalige) Betroffene berichten und anderen zu helfen versuchen. Auch der Chaotic Revelry Verlag leistet mit der vorliegenden Anthologie einen wichtigen Beitrag, damit Leidende ihre Ängste erkennen und den Mut finden, darüber zu sprechen und sich behandeln zu lassen, bzw. damit das Umfeld mit mehr Verständnis reagiert und den Betroffenen die notwendigen Hilfen zukommen lässt. (5xPRT)

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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LAUFENDES BÜCHERPREISRÄTSEL
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www.buchrezicenter.de veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem obengenannten Verlag dieses Preisrätsel, bei dem wir drei Fragen zum Umfeld des Preistitels am Telefon stellen werden, die richtig beantwortet werden müssen.
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Die jeweiligen Gewinne werden anschliessend direkt an die angegebenen Adressen der Gewinner verschickt, die wir namentlich unter die Rezension(en) als Gewinner bekanntgeben werden.
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Wir danken dem obengenannten Verlag als Sponsor herzlich für die zur Verfügung gestellten Preisrätseltitel! Die Anzahl der Titel, die zur Verfügung stehen, findet man als Abkürzung in Klammern am Ende der jeweiligen Rezension! Also zum Beispiel: (3xPRT) = 3 Titel im Preispool!
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Wer also einen der Gewinnpreistitel ergattern möchte, meldet sich am nächsten Werktag zwischen 18:00 und 18:15 unter 069-7306122. Bitte lest vorher aufmerksam die vorliegende(n) Rezension(en) des Preistitels durch, da alle Fragen, die gestellt werden, aus diesen zu beantworten sind. Bitte keine Anrufe vor oder nach diesem genannten Zeitraum und auch bitte keine anderen Telefonnummern benutzen, da sonst das Preisrätsel nicht problemlos vonstatten gehen kann. Wer zu diesem Zeitpunkt nicht durchkommt, versucht es bei einem anderen Preisrätsel einfach nochmal, da wir ja laufend solche hier veranstalten.
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Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!
* Telefongebühren des Anrufers gehen immer zu Lasten des Anrufers. Bitte informieren Sie sich über die ortsüblichen aktuellen Kosten bei Ihrem Telekommunikationsanbieter!

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