Buchrezicenter.de

neuauflage

Archiv für Juli, 2010

Vellum

Erstellt von Johannes Heck am 31. Juli 2010

Hal Duncan
Vellum – Eine Reise an die Grenzen der Wirklichkeit

(sfbentry)
Heyne
Science Fiction
Umfang 594 Seiten
ISBN 978-3-453-52254-1
Übersetzt von Riffel, Hannes

www.heyne.de
www.randomhouse.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Reynard Carter und sein Freund Jack sind ein verliebtes Paar, das sorglos vor sich hin zu leben scheint. Das alles ändert sich, als sie in einem staubigen Keller auf ein Buch stoßen, von dem es heißt es sei das Vellum. Das ewige Stundenbuch Gottes, in dem jede Stunde und jede Minute unserer Welt festgehalten wird. Der Mythos besagt auch, dass es Metatron sei, der Engel Gottes, der sein Wort in diesem Buch niederschreibt. Doch mit der Entdeckung des Vellum beginnt für den Leser, eine Reise durch Raum und Zeit, die turbulenter kaum sein könnte.

In Hal Duncans Roman gerät die Welt zum Schauplatz eines Krieges. Eines Krieges der Engel, die sich selbst Unkin nennen. Und wie es die Natur dieser unsterblichen Wesen ist, zieht sich auch ihr Krieg über alle Zeitalter und Kontinente hinweg. Von der Zeit der erste Städte bis zu einer Zukunft und dem Übergang in jene Parallelwelt, die sie Vellum nennen. Der Engel Metatron führt den Rat der Unkin, doch seine Widersacher sind ebenfalls mächtig. Abtrünnige die sich aus dem Krieg heraushalten wollen, sind beiden Seiten ein Dorn im Auge. Und so jagen Sie die Verräter quer durch Raum und Zeit, scheinbar gleichzeitig vom alte Sumer über das Europa der Weltkriege, bis zu jenen befremdlichen Orten, die kein Mensch mehr begreifen kann.

Hal Duncan gelingt es in seinem Roman zahlreiche Schichten miteinander komplex zu verweben. Von den sumerischen und griechischen Mythen über die Ereignisse unserer Zeit bis zu den fiktiven Elementen, die er fortspinnt, treten seine Figuren unter wechselnden Namen, aber in ewig gleichen Rollen auf. Die Perspektive wechselt dabei ebenfalls immer wieder, von der Ich-Erzählung über die dritte Person bis zu den formalen Beschreibungen der alten Sagentexte.

Für manche Leser mag es sicher eine interessante Herausforderung sein, die verschiedenen Parallelhandlungen miteinander zu verknüpfen und die epische Dimension in seine Gänze zu erfassen. Die übrigen Leser werden jedoch keine Freude an Duncans Werk finden. Zu verworren ist die Handlung, Zusammenhänge werden so sehr verschleiert, dass sie kaum noch nachvollziehbar sind und letzten Endes dümpelt die Geschichte vor sich hin, ohne dass es auf hundert Seiten mehr als ein paar Sätze voran geht. Nach einem Ende, dass sich kaum von den zweihundert Seiten davor unterscheidet endet Vellum, ohne den Leser wirklich gefesselt zu haben. Man könnte sich die Frage stellen – war´s das – aber man ist viel zu erleichtert, dass es endlich vorbei ist.

Fazit

Hal Duncans Roman ist der, genau genommen sogar recht gelungene, Versuch, eine einzelne Geschichte parallel über Raum und Zeit zu erzählen. Seine Zutaten mixt er zusammen aus Sagen, Legenden und schierer Phantasie. Daraus erstellt er ein Gericht, dass alles gleichzeitig sein will, jedoch nur scheitern kann. Was herauskommt ist ein Roman dessen Handlung genauso fragmentarisch ist, wie seine Figuren. Allein die Sprache bildet zumindest über weite Teile eine Konstante. Vielleicht wäre das Werk verdaulich geworden, wenn wenigstens die Geschichte gut gewesen wäre. So bleibt Duncans Roman ein literarisches Experiment, dass grauenhaft zu lesen ist. Mag sein, dass einige Esoteriker unter uns dies zu schätzen wissen, alle anderen sollten das Vellum bestenfalls zum Heizen verwenden.

Copyright 2009 by Johannes Heck

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Abgelegt unter Phantastik | Keine Kommentare »

Androidenträume

Erstellt von Johannes Heck am 31. Juli 2010

John Scalzi
Androidenträume

(sfbentry)
Heyne
Umfang 498 Seiten
ISBN 9783453525047
Titel der Originalausgabe: The androids dream
Übersetzung: Bernhard Kempen
Copyright 2006 by John Scalzi
Deutsche Erstausgabe 02/2009

www.heyne.de
www.randomhouse.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Androidenträume. Schon der Titel lässt jeden Fanboy schmunzeln und an Philipp K. Dicks Do androids dream of electric sheep denken. Entgegen den dadurch vielleicht geweckten Erwartungen geht es hier nicht um Replikanten oder Asimovsche Roboter. Doch Scalzi versteht es Elemente in seinen Roman einzubauen, die den Freund der Science Fiction immer wieder schmunzeln lassen. Angefangen von den kuriosen Riten der außerirdischen Nidu, bis zu der Idee, eines erfolglosen Science Fiction Autors als Begründer einer superreichen Sekte finden sich immer wieder solche Elemente, die auf den ersten Blick plausibel erscheinen, bei näherem Hinsehen jedoch ihre besondere Komik entfalten.

Die Menschheit ist Teil der galaktischen Gemeinschaft mit der sie zahlreiche politische und ökonomische Verbindungen pflegt. Wichtigster Verbündeter der Menschen sind die Nidu, welche den Menschen militärisch weit überlegen sind, in der Gemeinschaft der raumfahrenden Völker jedoch einen der niederen Ränge einnehmen. Eines Tages kommt es bei den Verhandlungen über Agrarquoten im Handelsministerium zu einem folgenschweren Zwischenfall. Die Provokationen des irdischen Vertreters führen zum Tod des niduanischen Verhandlungsführers, wie auch seiner selbst. Ein diplomatischer Eklat erster Güte ist die Folge und als die Nidu ihre Kriegsschiffe in Richtung Erde in Bewegung setzen, gerät der Zwischenfall zu einer existentiellen Bedrohung.

Um die Situation zu entschärfen, müssen die Menschen ein Schaf einer bestimmten Rasse ausfindig machen, welches elementarer Bestandteil der bevorstehenden Krönungszeremonie der Nidu ist. Zu diesem Zweck heuert das Außenministerium einen Spezialisten an. Harry Creek ist Botschafter mit Spezialaufgaben. Seine Tätigkeit besteht im Überbringen schlechter Nachrichten an Vertreter außerirdischer Regierungen. Da der Elitesoldat und Hacker auch noch über einige andere Fähigkeiten verfügt, wird er mit der Aufgabe betraut, ein Exemplar der Rasse Androidentraum ausfindig zu machen, damit die Nidu den Vorfall vergessen und die Krönungszeremonie planmäßig stattfinden kann.

Im darauffolgenden Wettlauf muss Creek sich gegen menschliche wie außerirdische Widersacher durchsetzen und sogar noch auf die hübsche Robin Baker aufpassen, die möglicherweise die Rettung der Menschheit bedeuten könnte. Der mehr oder weniger konventionelle Plot gleitet dabei immer wieder ins Komische ab. Scalzi lässt seine vollkommen ernsthaften Protagonisten überaus skurrile Szenen erleben und würzt seine Geschichte mit gerade so viel Humor, dass es nicht zu gewöhnlich wird. Natürlich findet das Ganze seine Höhepunkt in einem angemessen verrückten Finale in dem das ganze Kuriositätenkabinett noch einmal auf die Bühne darf.

Fazit

John Scalzi ist nicht gerade als Schreiber von humoristischen Interpretationen des SF-Genres bekannt. Dennoch gelingt ihm hier eine überraschend witzige, wie auch selbstironische Geschichte, die Spaß macht. Sicher wird dies besondere Form ein Einzelfall bleiben und Fans der anderen John Scalzi Romane werden womöglich enttäuscht sein. Doch bei genauem Hinsehen hat Scalzi seinen ansonsten eher unterschwelligen Humor nur etwas an die Oberfläche gekehrt, oder besser diesem eine substanziellere Rolle in seinem Szenario zugewiesen. Womöglich kann der Leser sogar nach der Lektüre die feineren Anspielungen Scalzis an anderer Stelle besser würdigen. Androidenträume hält jedenfalls was es verspricht. Ein nur auf den ersten Blick konventioneller Roman, der sich schnell zu einer Actionkomödie mit satirischen Anleihen entwickelt.

Copyright 2009 by Johannes Heck

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Abgelegt unter Science Fiction | Keine Kommentare »

Blindflug

Erstellt von Johannes Heck am 30. Juli 2010

Peter Watts
Blindflug

(sfbentry)
Heyne
Umfang 498 Seiten
ISBN 978-3-453-52364-7
Illustriert von Vohwinkel, Franz
Übersetzt von Riffel, Sara

www.heyne.de
www.randomhouse.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Im vorliegenden Roman widmet sich der Peter Watts, der mir bis dato unbekannt war, einen Grundthema der Science Fiction. Der Erstkontakt, also die Begegnung mit außerirdischen Intelligenzen, gehört zu den fundamentalen Themen des Genres. Und mit den fundamentalen Themen beschäftigt sich Watts auch in diesem Roman, dessen Titel ich als überaus passend empfinde.

Nachdem eine fremde Intelligenz kraft einer fremdartigen Fernerkundung die Erde gescannt hat erscheint ein unbekannter Flugkörper im Sonnensystem. Eine Besatzung ausgemachter Spezialisten wird rekrutiert und mit dem Raumschiff Theseus auf Abfangkurs geschickt. Doch die Erkundung des fremdartigen Objektes, mit dem passenden Namen Rorschach, erweist sich als schwieriger als erwartet. Das fremde Schiff befindet sich in einer Art Metamorphose und die Zeit wird immer knapper.

Wesentlich kurioser, als die biologischen Maschinen, welche das Erkundungsteam der Theseus vorfindet, muss dem Leser jedoch die Besatzung der Theseus selbst erscheinen. Kommandant des Schiffes ist ein Vampir. Die Blutsauger sind eigentlich eine ausgestorbene Spezies. Der Umstand, das rechte Winkel bei Ihnen epileptische Anfälle verursachen erwies sich als zu gravierend. Die Gentechnik des Menschen hat die Geschöpfe jedoch wieder zum Leben erweckt. Der Verstand eines Vampirs soll dem eines Menschen weit überlegen sein, und so muss sich die Besatzung einem Kommandanten unterordnen, der seine Untergebenen primär als Nahrung betrachtet.

Neben einer Expertin für Kommunikation, die ihren Geist vorsätzlich in mehrere Persönlichkeiten aufspalten ließ, befindet sich auch ein Beobachter an Bord. Der Ich-Erzähler bezeichnet sich selbst als Synthesist. Nachdem man ihm in seiner Kindheit eine Gehirnhälfte entfernt hat, ist er nicht mehr in der Lage Gefühle zu empfinden. Er ist jedoch in der Lage menschliche Gesichter zu lesen und menschliche Gefühle zu analysieren. Dies klingt zunächst absurd, doch vergleicht der Autor es immer wieder mit dem Modell des Chinesischen Zimmers. Für den Protagonisten Siri Keeton bedeutet das, er kann Dinge erklären, ohne sie verstanden zu haben.

Diese reichlich seltsame Truppe, die sich dem Menschsein immer weiter entfremdet hat, steht nun vor der Herausforderung, mit einer völlig andersartigen und absolut nichtmenschlichen Intelligenz in Kontakt zu treten. Man kann nicht wirklich sagen, dass die Theseus und ihre Besatzung dabei besonders erfolgreich vorgeht. Die Lage wird zunehmend verfahrener und das Ende artet gar in Gewalt aus. Immerhin gelingt es Watts mit den Scramblern ein Alien zu kreieren, welches wirklich fremdartig ist und sich angenehm von den Gumminasen-Aliens eines Star-Trek-Universums abgrenzt. Auch der grundlegende Konflikt der sich hinter der Begegnung verbirgt, basiert auf einer Idee, die mir bislang noch nicht so begegnet ist.

Kritisch erscheint mir allerdings die seltsam unmenschliche Mannschaft. Die zahlreichen Spleens und Verrücktheiten der Besatzung bringen die Geschichte nicht wirklich voran, sind andererseits aber auch nicht interessant genug, um als die eigentliche Geschichte gelten zu dürfen. Hier durchmischt Watts seine Ideen in einer Art und Weise, die dem Roman insgesamt nicht gut tut und ihn obendrein deutlich in die Länge zieht.

Fazit

Peter Watts verarbeitet in seinem Roman einige interessante Ideen. Tatsächlich erscheinen einige Dinge sogar erstmalig in dieser Form in der Science-Fiction verarbeitet. Leider gelingt es nicht, diese Ideen zu einer stringenten und wirklich lesenswerten Geschichte zu machen. Zwar legt der Autor größten Wert darauf seine Ideen anhand wissenschaftlicher Theorien zu plausibilisieren, seiner Geschichte tut er damit jedoch nicht unbedingt einen Gefallen.

Copyright 2008 by Johannes Heck

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Abgelegt unter Science Fiction | 1 Kommentar »

Le Fettnapf

Erstellt von Werner Karl am 30. Juli 2010

Tanja Kuchenbecker
Le Fettnapf
Wie ich lernte, mich in Frankreich nicht zum Horst zu machen

Le Fettnapf (2010)
Rowohlt Verlag GmbH
ISBN 978-3-499-62649-4
Lifestyle/Modernes Leben/Unterhaltung
Hamburg 2010
Umfang 221 Seiten

www. rowohlt.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zum Buch:

Der Unterhaltungs Roman “Le Fettnapf” von Tanja Kuchenbecker zeigt die Metropole Paris, aus Sicht einer Deutschen. Die Außenlandskorrespondentin, die unter anderem auch für das Handelsblatt schreibt, erzählt teils amüsant teils kritisch Anekdoten aus ihrem Leben als Französin. Dabei geht sie auf nahezu jede Lebenslage ein, berichtet über ihre Erfahrungen mit französischen Autofahrern bis hin zu Karl Lagerfeld und die “Mode à la francaise”. Die einzelnen Kapitel spiegeln jeweils eine andere Erfahrung oder Situation wieder, genaustens analysiert und aus ihrer Sicht dargestellt.

Anfangs völlig überfordert und mit dem ständigen Gefühl im Nacken in irgendwelche Fettnäpfchen zu treten, wächst die Autorin langsam in ihre Rolle als Französin und lässt dabei trotzdem keine Peinlichkeit und keinen Fehltritt aus. Ob sie nun über Dinge spricht, die man besser nicht erwähnt oder mal wieder völlig falsch angezogen ist, dies alles erzählt die  Wahlpariserin mit einem Augenzwinkern und einer guten Portion Humor. Sie revidiert und bestätigt manche der gängigen Vorurteile, entrüstet sich über die chronische Unpünktlichkeit der Franzosen, findet aber dennoch, dass beide Nationen viel voneinander lernen können und sie gelernt, hat das Leben in Frankreich zu lieben.

Fazit:

Dieses Buch macht Lust auf Frankreich und den französischen Lebensstil. Ob man nun zu den Frankophilen gehört, die vom Leben Wie-Gott-in-Frankreich schwärmen oder den Kritikern, die alle Franzosen für arrogant und hochmütig halten, die Autorin schafft es einen für dieses Land zu begeistern. Bei einigen Passagen muss man schmunzeln, etwa wenn der französische Kellner partout nicht an den Tisch kommen will oder wenn man trotz einem Jahr in Frankreich kein Wort französisch versteht. Die wenigen tiefgründigen Stellen sind wohl gewählt und man fängt an das Leben hier in Deutschland mit dem in Frankreich zu vergleichen und durchaus kritische Schlüsse zu ziehen.

Mir persönlich gefielen einige grau unterlegte Passagen in dem Buch, in denen die Autorin ihre überlebenswichtigen Regeln für ein Leben in Frankreich vorstellt, die man aber sicherlich auch für den nächsten Urlaub in Frankreich gebrauchen kann. Ein bisschen verwirrend stellten sich die Geschichten heraus, in denen die Autorin über Dinge berichtet, die ihr missfallen. So beispielsweise über das teilweise unmögliche Verhalten mancher französischen Freunde, das jeden Menschen in die Flucht schlagen würde. Man empfindet Mitleid mit der Autorin und das nimmt dem Buch teilweise seinen lockeren, leichten Flair.

Wer einen tiefsinnigen Roman sucht, ist hier jedoch falsch. Das Buch möchte unterhalten und schafft dies auch, wenn man sich darauf einlässt. Ein leichtes, dennoch fesselndes Lesevergnügen, das einem die französische Lebensart und das Land an sich näherbringt.

Copyright © 2010 by Chiara Kaiser

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Lifestyle & Modernes Leben | Keine Kommentare »

Der Schwarm

Erstellt von Johannes Heck am 29. Juli 2010

Frank Schätzing
Der Schwarm

(sfbentry)
Kiepenheuer & Witsch
Umfang 1.012 Seiten
ISBN 9783462033743

www.kiwi-verlag.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Das Meer gilt allgemein als weniger gut erforscht, als die Weiten des Weltraums. Die lichtlosen Tiefen der See haben schon immer die Phantasie des Menschen beflügelt und so spricht Frank Schätzing eine der menschlichen Urängste an, wenn er die Kreaturen des Meeres auf den landbewohnenden Menschen hetzt. Denn genau das ist der Ausgangspunkt des Romans Der Schwarm. Zunächst sind es die hoch entwickelten Meeressäuger, die den Aufstand gegen die Menschen proben. Als Wale und Delphine eine regelrechte Jagd auf die Boote der Whale-Watcher beginnen, sieht es zunächst nach einem kuriosen „Die Natur schlägt zurück“ Phänomen aus. Doch die Wahrheit ist weit bedrohlicher.

Während der Walforscher Leon Anawak sich noch den Kopf zerbricht, was mit seinen Tieren geschehen ist, werden in der norwegischen See seltsame Würmer gefunden, die sich aggressiv in den methanhaltigen Boden bohren. Als die Angriffe sich weltweit häufen und immer mehr Todesopfer fordern, beginnt die verzweifelte Suche nach einem Feind. Als die Küsten von seuchenbringenden Schalentieren überrannt werden und Skandinavien von einem gewaltigen Tsunami verheert wird steht die Menschheit mit dem Rücken zur Wand.

In den vereinigten Staaten werden die besten Wissenschaftler der Welt versammelt, um eine Lösung zu finden. Doch während der Chef der CIA an eine islamistische Verschwörung glauben will, haben die Forscher um den Schweden Johanson und die SETI-Mitglied Crowe längst eine eigene Theorie entwickelt. Die Außerirdischen leben im Meer, so die paradoxe Erkenntnis. Fieberhaft beginnt das Team auf einer marinen Plattform die Vorbereitung des ersten Kontaktes. Während ringsum die Welt im Chaos versinkt, bilden die Forscher scheinbar die letzte Hoffnung der Menschheit.

Frank Schätzing liefert ein packendes Finale und ein wenngleich unbefriedigendes, so doch zumindest halbwegs glaubhaftes Ende. Bedauerlich, dass er die theologischen Folgen, die das Erscheinen einer zweiten intelligenten Rasse auf unserem Planeten haben könnte, von Schätzing nur im Epilog angerissen werden. Dies ist insofern eine vergebene Chance, da das Thema in kaum einem Roman der Science-Fiction intensiver thematisiert wird. Vermutlich wäre es aber auch zu viel verlangt, das sich der Thriller-Autor in seinem Werk mit solch tiefgreifenden theologischen Themen auseinandersetzt.

Mit über 1000 Seite ist Der Schwarm schon ein ordentliches Stück Buch im Regal. Leider kann Schätzing dem Roman nicht über die gesamte Länge eine entsprechende Dichte verleihen. Längen ergeben immer wieder dann, wenn er sich in wissenschaftlichen Details verliert, deren unmittelbare Relevanz für die Geschichte nicht erkennbar ist. Man gewinnt fast den Eindruck Schätzing wolle seine zweifellos intensiven Recherchen an den Mann bringen.

Die Suche nach dem unsichtbaren Feind reichert der Autor mit verschiedenen Elementen an. Neben einer umfangreichen Entwicklung seiner beiden Protagonisten Sigur Johanson und Leon Anawak wird auch der Verschwörung in der amerikanischen Militärführung zunehmend Raum eingeräumt. Schätzing ist sich hier auch für eine recht klischeehafte Ausgestaltung der menschlichen Antagonisten nicht zu schade. Die doch recht vorhersehbaren Konflikte gegen Ende des Romans fielen weniger unangenehm auf, wenn die Positionen der Bösewichte nicht so überzogen wirkten.

Fazit

Schätzing liefert mit Der Schwarm einen Roman ab, der den Leser über lange Strecken gut zu unterhalten vermag. Dennoch werden manche Passagen dem ungeübten Leser einige Ausdauer abverlangen. Die intensive Charakterentwicklung der Protagonisten steht für mich etwas im Gegensatz zu der simplen Darstellung wichtiger Gegenspieler und schließlich lässt der Schluss den Leser etwas desorientiert zurück. Eine zentrale Erkenntnis lässt sich hier nicht ohne weiteres finden. So bietet Der Schwarm einen guten Thriller, aber nur mittelmäßige Science-Fiction.

Copyright 2008 by Johannes Heck

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Abgelegt unter Allgemein, Krimi & Thriller, Phantastik | Keine Kommentare »

Der Augensammler

Erstellt von Werner Karl am 29. Juli 2010

Sebastian Fitzek
Der Augensammler

Droemer Verlag
ISBN 978-3-426-19851-3
Thriller
1. Auflage 2010
Umfang: 448 Seiten, gebunden

www.droemer-knaur.de
www.sebastianfitzek.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zum Autor:

Sebastian Fitzek wurde 1971 in Berlin geboren. Gleich sein erster Psychothriller “Die Therapie” eroberte die Taschenbuch-Bestsellerliste, wurde als bestes Debüt für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert und begeisterte Kritiker wie Leser gleichermaßen. Mit den darauf folgenden Bestsellern “Amokspiel”, “Das Kind”, “Der Seelenbrecher”, “Splitter” und “Der Augensammler” festigte er seinen Ruf als DER deutsche Star des Psychothrillers. Seine Bücher werden in über zwanzig Sprachen übersetzt. Als einer der wenigen deutschen Thrillerautoren erscheint Sebastian Fitzek auch in den USA und England, der Heimat des Spannungsromans.

Zum Buch:

Dieses Buch verdreht die Reihenfolge: Die Geschichte beginnt mit dem Epilog und endet nach dem Rückwärtszählen der Seiten mit dem Prolog. Der “Augensammler” spielt in Berlin mit den Ermittlern und Opfern Verstecken. Er hält sich immer an das gleiche Muster: Er ermordet Frauen bzw. Mütter von Kindern, entführt und versteckt die Kinder und gibt dann den Vätern 45 Stunden Zeit, ihre Pflicht zu erfüllen und nach die Kinder zu suchen. Falls die Zeit nicht ausreicht, sterben die Kinder. Als Souvenir behält er ein Auge des jeweiligen Kindes. Und dieses Spiel ist kaum zu gewinnen.

Alexander Zorbach, durch vergangene Ereignisse von der Seite der Polizei zum Journalismus gewechselt, gerät ungewollt in dieses grausame Spielchen ermittelnd hinein und macht sich selbst zum Hauptverdächtigen. Trotzdem spielt er das Spiel des Augensammlers mit und begibt sich fieberhaft auf die Suche nach den letzten vermissten Kindern, gleichzeitig immer auf der Hut, nicht von der Polizei festgenommen zu werden. Hierbei erhält er unverhofft Unterstützung durch Alina, eine blinde junge Frau, die behauptet, dem Augensammler begegnet zu sein und durch anhaltende übernatürliche Visionen über die Geschehnisse die Spur des Mörders aufzunehmen zu können. Und die Zeit wird immer knapper, denn der Countdown läuft unerbittlich weiter…

Fazit:

Fitzeks bisher 6. erschienenes Buch reiht sich von seiner Art nahtlos in die Thrillerschiene ein, denn auch dieses Buch ist grundsätzlich eine typische Fitzek-Erzählung. Trotzdem hat mir der Spannungsverlauf in einigen anderen Büchern besser gefallen, denn hier lässt die Geschichte um die Suche nach dem Augensammler doch schon mal Tiefpunkte zu, in denen ich nicht unbedingt hätte weiter lesen müssen. Durch die vielen Perspektivenwechsel wird es mir teilweise etwas unübersichtlich und mit dem Hauptprotagonisten bin ich persönlich im Verlauf des Buches nicht so richtig warm geworden.

Die Idee mit den Visionen einer blinden Frau ist nicht schlecht gewählt, hierdurch bekommt die Suche nach dem Täter einen leichten übersinnlichen Touch, teils wohl auch sehr mysteriös. Insgesamt wird sehr viel und gut auf die “Sichtweisen” von blinden Menschen eingegangen, man bekommt viele Informationen (Wie träumen Blinde?) und erhält ein gutes Verständnis für diese Lebenssituation. Interessant ist auch, dass durch den Schreibstil und die Wahl der Erläuterungen hierdurch eine sehr bild- und detailreiche Geschichte entstanden ist.

Vielleicht muss man sich eine eigene Meinung über dieses Buch bilden. Empfehlenswert ist es sicherlich, doch wenn ich wählen könnte, haben mich vorgehende Bücher Fitzeks sicher besser überzeugt. Der Schluss gestaltet sich wie bei seinen anderen Büchern auch: Der Täter wird aufgedeckt, aber es gibt kein Happy-End. Das Spiel ist nicht zu Ende, im Gegenteil, für Zorbach persönlich fängt es jetzt  erst richtig an…

Zum guten Schluss: Gefallen haben mir die Danksagungen am Ende des Buches. Hier zeigt sich wieder, dass Sebastian Fitzek im Grunde sehr witzig und ironisch ist, welches ich auch bei einer seiner Lesungen schon feststellen konnte. Auch das Cover überzeugt mich durch die auffälligen Farben gelb und schwarz. (3xPRT)

Copyright © 2010 by Sandra Stockem

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Krimi & Thriller | Keine Kommentare »

Ein Ort zum Sterben

Erstellt von Michael Drewniok am 28. Juli 2010

Carol O’Connell
Ein Ort zum Sterben

Originaltitel: Mallory’s Oracle (1994)
Übersetzung: Renate Orth-Guttmann
Deutsche Erstausgabe (unter dem Titel „Mallorys Orakel“): 1995 (Knaus Verlag)
316 Seiten
ISBN-13: 978-3-8135-2666-0

Neuausgabe: Juni 2010 (btb Verlag/Nr. 75258)
316 Seiten
EUR 14,95
ISBN-13: 978-3-442-75258-4

Titel bei Buch24.de
Titel bei Booklooker.de

Das geschieht:

Vor fünfzehn Jahren kam Mallory als elternloses Straßenkind und Diebin zum Ehepaar Markowitz. Louis, einem hohen Beamter bei der Mordkommission der Stadt New York, und seiner früh verstorbenen Frau ist es nie gelungen, Mallory zu ‚zivilisieren‘. Ihre barbarische Kindheit konnte die junge Frau, die selbst zur Polizei ging und es inzwischen bis zum Sergeanten gebracht hat, nicht überwinden. Gefühle kennt oder zeigt sie kaum, noch immer gilt für sie das Recht des Stärkeren.

Weil Markowitz seine schützende Hand über sie hielt, ist Mallory mit dem Gesetz nie wirklich in Konflikt geraten. Doch nun ist ihre Welt erneut aus den Fugen geraten: Louis Markowitz wurde ermordet – vom „Unsichtbaren“ oder „Ladykiller“, einem Serienmörder, der sich auf ältere und reiche Damen spezialisiert hat. Markowitz war der Leiter einer Sonderkommission für Gewaltverbrechen, die sich speziell mit diesen Fällen befasste.

Der erfahrene Polizist hat sich offenbar in eine Falle locken lassen. Mallory, die den einzigen Menschen verloren hat, der ihr nahe stand, beginnt mit eigenen Recherchen. Sie gibt vor, als Privatermittlerin für ihren Freund, den genialen aber chaotischen Unternehmensberater Charles Butler zu arbeiten. Dabei kommt Mallory nicht nur einem, sondern mehreren bizarren Verbrechen auf die Spur, in die (unter anderem) viele nette, alte, schwer reiche und in ungeheuerliche Börsenschwindeleien verwickelte Damen, eine giftmischende Hellseherin, eine undurchsichtige Ex-Zauberin, ein übergeschnapptes Wunderkind sowie eine dem Wahn verfallene Tänzerin verwickelt sind.

Mallory schont weder sich noch ihre Verdächtigen oder gar die geplagten Kollegen Lieutenant Coffee und Sergeant Riker, als sie auf ein Komplott stößt, das immer weitere Kreise zieht – bis Mallory erkennen muss, dass sie, der ermordete Markowitz, Charles Butler und überhaupt alle Personen, die sie seit Jahren kennt oder zu kennen glaubte, nur Figuren in einem mörderischen Spiel sind, bei dem im Hintergrund eine mabusehafte Verbrechergestalt seit Jahrzehnten unsichtbar die Fäden zieht …

Kalte Heldin, heiß geliebt

Willkommen in der psychotischen Welt von Kathleen Mallory, die ihrem geliebten aber emotional auf Abstand gehaltenen Adoptiv-Vater einst verbot, sie beim Vornamen zu nennen. Dirty Harry ist ein Waisenknabe gegen diese junge Frau, die im permanenten Kriegszustand mit sich und der Welt liegt. Pardon wird denn auch weder verlangt noch gegeben in diesem ersten von bisher neun Mallory-Abenteuern.

Mallory-Romane machen süchtig. Das ist erstaunlich, da der Charakter der Titelfigur eigentlich ein wenig zu holzschnittartig geraten ist. Mallory ist manisch tüchtig, kennt keine Furcht, schießt wie der Teufel, ist selbstverständlich bildhübsch, und ein scharfer Blick aus zusammengekniffenen Augen genügt, um selbst den hartgesottensten Zeitgenossen in Angst und Schrecken zu versetzen. Alle fürchten oder lieben Mallory, scharwenzeln um sie herum, möchten ihr gefallen und werden doch von der kalten Göttin kaum zur Kenntnis genommen. Falls man Mallorys Ordnungssucht und Gefühlsarmut als Macken bezeichnen möchte, sind es doch ‚attraktive‘ Schwächen, die am polierten Gesamtbild keine Kratzer hinterlassen.

Wenig originell sind auch die Figuren in Mallorys Dunstkreis geraten; da haben wir den ehrlichen, überlasteten, knurrigen Bullen mit dem mühsam verborgenen goldenen Herzen oder den „besten Freund“, hier als körperlich gehandicaptes Genie, das die Heldin mehr oder weniger offen anschmachtet, aber höchstens als Gehilfe zur Kenntnis genommen wird – falls überhaupt.

In einer Welt ohne Gnade

Aber siehe da: Schon nach wenigen Seiten hat man sich an die latente Comic-Atmosphäre gewöhnt und findet trotz erst Geschmack und dann Gefallen an der Geschichte. Hinter den Übertreibungen und den überzeichneten Figuren kommt ein ausgesprochen raffinierter und vielschichtiger Krimi-Plot zum Vorschein. Ein Serienmörder geht um, aber er ist niemals mehr als eine Nebenfigur. Folgerichtig stört er im großen Finale beinahe und geht ein wenig verloren in dem wahrlich verwickelten (aber nie verworrenen) Geflecht moderner Wirtschaftskriminalität und teuflischer Menschenmanipulation.

So ist es Carol O’Connell tatsächlich gelungen, sich die abgedroschenen Klischees des modernen Großstadt-Cop-Krimis zueigen zu machen, sie spielerisch zu verdrehen und zu etwas Neuem oder wenigstens Ungewöhnlichem zusammenzusetzen. Geschieht dies gewollt oder eher unfreiwillig? Das wird nie deutlich; O’Connell könnte dem Image ihrer Heldin durchaus selbst verfallen sein, denn obwohl Mallory sich als Polizistin nicht als unfehlbar erweist, stapft sie ansonsten ikonengleich (aber immerhin nicht roboterhaft) durch das Geschehen, ohne dass ihr Denken und Handeln jemals auch nur annähernd ironisch gebrochen würde. Nur Helden mit einem Sprung sind allerdings wirklich interessant; an einer allzu glatten Oberfläche gleitet jede Aufmerksamkeit auf Dauer ab.

O’Connell ist auf der anderen Seite konsequent genug, Mallory als Mallory aus der Handlung zu entlassen. Es gibt keine kitschige Menschwerdung auf den letzten Buchseiten. Stattdessen hilft Mallory der Gerechtigkeit auf drastische und eindeutig kriminelle Weise auf die Sprünge, und sie wird damit durchkommen, ohne von Zweifeln geplagt zu werden. Das ist eine erfreuliche Abkehr vom auch heute noch zu gern moralisierenden Buch- oder Filmthriller.

Mallory kommt wieder!

Die besondere Qualität einer konsequenten Heldin blieb auch dem deutschen Publikum nicht verborgen. „Mallorys Orakel“ erschien hierzulande erstmals 1994 und wurde mehrfach aufgelegt. Dem Auftakt folgten die folgenden fünf Bände, die – so ist das unerbittliche Gesetz der Serie – mit dem Debüt nicht mithalten konnten, obwohl vor allem die Bände 2 bis 4 großartige Unterhaltung bieten.

Zu vollgasig war ihr Debüt gewesen, als dass Mallory dieses Tempo durchhalten konnte. In den folgenden Romanen nahm ihre geistige Mutter – die vom Erfolg des Erstlings selbst überrascht wurde – das Gas folgerichtig zurück. Außerdem wurde der Schleier über Mallorys düsterer Vergangenheit allmählich gehoben.

Aus Deutschland war Mallory nach Band 6 für einige Jahre verschwunden. Erst 2010 kehrte sie mit ihrem neuesten Abenteuer zurück; erneut fand sie ihr Publikum, sodass auch Band 1 (unter unnötig und nichtssagend verändertem Titel) neu aufgelegt wurde. Mallory ist wieder da – und dieses Mal wird sie hoffentlich bleiben!

Autorin

Carol O’Connell (geb. 1947) verdiente sich ihren Lebensunterhalt viele Jahre als zwar studierte, aber weitgehend brotlose Künstlerin. Zwischen den seltenen Verkäufen eines Bildes las sie fremder Leute Texte Korrektur, und sie versuchte sich an einem Kriminalroman der etwas ungewöhnlichen Art.

1993 schickte O’Connell das Manuskript von „Mallory’s Oracle“ (dt. „Mallorys Orakel“/„Ein Ort zum Sterben“) an das Verlagshaus Hutchinson: nach England! Dies geschah, weil Hutchinson auch die von O’Connell verehrte Thriller-Queen Ruth Rendell veröffentlichte und womöglich freundlicher zu einer Anfängerin sein würde.

Naiv gedacht, vielleicht aber auch ein kluger Schachzug. Hutchinson erkannte jedenfalls die Qualitäten von „Mallory’s Oracle“, erwarb die Weltrechte und verkaufte sie profitabel auf der Frankfurter Buchmesse. Als das Buch dann in die USA ging, musste der Verlag Putnam 800.000 $ locker machen; nicht schlecht für ein Erstlingswerk!

Seither schreibt O’Connell verständlicherweise hauptberuflich; vor allem neue Mallory-Geschichten, aber auch das ebenfalls sehr erfolgreiche „Judas Child“ (dt. „Das Judaskind“). Carol O’Connell lebt und arbeitet in New York City.

[md]

Titel bei Buch24.de
Titel bei Booklooker.de

Abgelegt unter Krimi & Thriller | Keine Kommentare »

Lovey Dovey 3

Erstellt von Werner Karl am 28. Juli 2010

Aya Oda
Lovey Dovey 3

(sfbentry)
Japan, 2007
EMA, Köln, 04/2010
TB, Manga, Romance
ISBN 978-3-7704-7190-4
Aus dem Japanischen von Costa Caspary

www.manganet.de
http://oda-aya.com/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

An der Kirisaki-Schule sind romantische Beziehungen zwischen den Schülern aufs Strengste verboten. Dennoch finden Verliebte immer eine Möglichkeit, sich heimlich zu treffen. Auch Saika und Shin sind ein Paar, doch mittlerweile ahnen einige etwas, darunter auch Sakura, der neue Vorsitzende der Schüleraufsicht, der die Einhaltung der Regeln überwacht.  Zu einem echten Problem für die beiden wird er, als er begreift, dass er sich, ohne es zu wollen, in Saika verliebt hat. Diese hat jedoch noch ganz andere Sorgen, als ihn von der richtigen Fährte abzubringen, denn die sehr persönliche Art, wie Shin seine Kumpel Tetsu und vor allem Jun behandelt, die ausgerechnet am Neujahrsfest die traute Zweisamkeit stören, weckt ihre Eifersucht. Aber noch schlimmer sind die Mädchen, die es auf Shin abgesehen haben.

Weil Saika jedoch nicht zugeben will, wie sie empfindet, beschließt Shin, sie nicht mehr anzurühren. Das ist aber alles nichts gegen die Intrigen des Direktors, der ausgerechnet Shins verhasster Schwager ist. Durch einen Wettkampf soll entschieden werden, ob Shin zurück in seine alte Klasse muss oder bleiben darf. Selbst ein Sieg würde ihm eine Niederlage bescheren, denn mit diesem ist eine Liebeserklärung verbunden, durch die Seika gezwungen wäre, die Schule zu verlassen …

Inzwischen ist auch in Deutschland das Angebot an romantischen Shojo-Mangas sehr abwechslungsreich, und für jedes Alter und jeden Geschmack ist etwas dabei. Man findet praktisch alles, angefangen bei First Love-Szenarien, deren Höhepunkt ein scheuer Kuss ist, bis hin zu erotischen Geschichten, die kaum ein Detail auslassen. Die Handlung kann witzig und abgedreht, realistisch und feinfühlig oder ‚PWP‟ (Plot, what plot?) sein. „Lovey Dovey“ wendet sich an Leserinnen, die den niedlich-harmlosen Titeln langsam entwachsen, denen Josei-Mangas aber noch zu deftig sind. Shin und Saika kommen zwar zur Sache, man weiß, was passiert, aber die Anzahl dieser Momente hält sich in Grenzen, und vieles bleibt der Phantasie überlassen. Die Love-Story ist in eine School-Comedy eingebettet, die hin und wieder Gefahr läuft, zu albern zu werden.

Gerade solch hanebüchene Streitigkeiten zwischen einem Erwachsenen und einem Jugendlichen – dem Direktor und einem seiner Schüler, die pikanterweise verwandt sind, und ihren Privatkrieg durch einen kruden Wettstreit austragen wollen – findet wahrscheinlich nur ein jüngeres Publikum lustig, während reifere Leserinnen einmal mehr den Kopf über den japanischen Humor schütteln werden. Solche Auswüchse sind allerdings Gang und Gäbe in diesem und auch in anderen Genres. Der Band endet mit einem Cliffhanger, der offen lässt, ob Shin und Saika einen Weg finden, um den Direktor, der sich unfairer Mittel bedient, auszutricksen. Die anderen Konflikte verlieren angesichts dieses Höhepunkts an Farbe, da manche Möglichkeiten ungenutzt bleiben und die Ärgernisse vergleichsweise schnell geklärt sind.

Der ursprünglichen und den ein, zwei neuen Dreiecksbeziehungen wird nur wenig Platz eingeräumt, und der vage Yaoi-Support muss selbst von jenen mit der Lupe gesucht werden, die ihn mit Leichtigkeit in einem Manga wittern. Die Illustrationen sind ganz nett, aber nichts Außergewöhnliches. Sie sprechen jene an, die große Augen, Kindchenschema und niedliche Kleidung mögen, dabei auch superdeformierte Abbildungen nicht übel nehmen. „Lovey Dovey“ ist kein Manga, den man unbedingt in der Sammlung haben muss, denn er bietet an sich nichts Neues. Es gibt Titel, die witziger oder nachvollziehbarer erzählt und hübscher gezeichnet sind. Man sollte ein wenig in den Tankobons blättern, um feststellen zu können, ob Inhalt und Stil gefallen. Mag man z. B. „Hot Roomers“, „Chu Chu Chu“ oder „Ai Ore!“, dann könnte auch „Lovey Dovey“ den Nerv treffen.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Comic & Manga, Liebe & Romantik | Keine Kommentare »

Krähen 2

Erstellt von Werner Karl am 28. Juli 2010

Marie Sann & Guido Neukamm
Krähen 2

(sfbentry)
Tokyopop, Hamburg, 04/2010
TB, dt. Manga, Mystery
ISBN 978-3-86719-678-9
5 Farbseiten

www.tokyopop.de
www.kraehenmanga.de
www.marie-sann.de
www.comicdesign.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Der Zufall führt Cassandra, die die Schule geschmissen hat und sich durch kleine Jobs über Wasser hält, Rif, der eine Musiker-Karriere anstrebt, und die mysteriöse Ice zusammen, die auf der Flucht vor unheimlichen Kreaturen ist. Nun sind die „Krähen“ auch hinter den beiden Jugendlichen her, die zu ungewöhnlichen Mitteln greifen müssen, wollen sie am Leben bleiben. Dass die Magie tatsächlich funktioniert, stellen sie bei der nächsten Begegnung mit den Krähen fest, aber damit kann man diese lediglich aufhalten und nicht unschädlich machen. In Folge schlagen die Feinde umso wütender zurück. Rifs Freundin Eileen, die zur falschen Zeit am falschen Ort ist, erleidet dasselbe Schicksal wie der Junge, in den sich Ice einst verliebt hatte und für den sie die Krähen hatte verlassen wollen. Ihr wird klar, dass das alles nur aufhört, wenn es gelingt, die Große Krähe in eine Falle zu locken, aber dafür sind weitere Opfer zu bringen …

Ein Jahr nach „Krähen 1“ erschien der zweite und abschließende Band. In Hinblick auf die ansprechenden, detailreichen Zeichnungen hat sich das Warten gelohnt. Marie Sann und Guido Neukamm verzichteten auf Tusche und Rasterfolie und schufen allein mit Blei- und Buntstift einen Manga, der ihre andere Gemeinschaftsarbeit, „Sketchbook Berlin“, in den Schatten stellt. Auch die düstere Story von „Krähen“ ist von einem ganz anderen Kaliber als die schrille Teenie-Komödie. Im Vordergrund steht die Handlung: Cas und Rif, zwei Szene-Kids, werden in ein gefährliches Abenteuer verwickelt, aus dem sie nicht mehr aussteigen können, es auch nicht wollen. Sie reflektieren nicht viel, sondern stellen sich sogleich auf die Seite von Ice und akzeptieren, dass sie zusammenhalten und die Magie als gegeben betrachten müssen, um selber mit heiler Haut davon zu kommen. Ob sie das wirklich schaffen?

Das Schicksal von Eileen lässt Zweifel aufkommen, aber die drei Teenager wollen nun erst recht kämpfen – es gibt keine Alternative. Ice hat längst an Dingen gerührt, die die Große Krähe zu gern geheim gehalten hätte. Es gibt tatsächlich einen Weg, die Krähen zu eliminieren, doch das Gelingen des Plans hängt von vielen Faktoren und einem großen Opfer ab. Alle offenen Fragen werden beantwortet. Das Ende kommt dann nicht ganz unerwartet, vermutlich hätte sich mancher Leser ein anderes gewünscht, aber es passt zu der Atmosphäre des Mangas und dem Handlungsverlauf. Interessiert man sich für die Werke westlicher Manga-Künstler und für Mystery-Tragödien, schätzt man zudem schöne Zeichnungen, wird man von diesem Zweiteiler nicht enttäuscht.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Comic & Manga, Mystery | Keine Kommentare »

Vagabond 21

Erstellt von Werner Karl am 27. Juli 2010

Inoue Takehiko
Vagabond 21

(sfbentry)
Bagabondo 21, Japan, 2006
EMA, Köln, 05/2006
TB, Manga, History/Samurai, Action, Philosophie, Drama, Fantasy
ISBN 978-3-7704-6096-0
Aus dem Japanischen von Holger Hermann Haupt

www.manganet.de
www.itplanning.co.jp

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Mit Band 21 wendet sich die Serie wieder Musashis Werdegang zu und lässt das weitere Schicksal von Kojiro vorerst offen. Vor einem Jahr hatte sich Miyamato Musashi mit Denshichiro Yoshioka zum Duell verabredet. Noch zehn Tage, dann sollen sie aufeinander treffen. Beide Männer haben sich in der Zwischenzeit sehr verändert: Mushashi hadert noch mit seinen Begegnungen mit den alten Schwertmeistern; er weiß nicht, welche Erkenntnis er daraus ziehen soll und hat sich noch immer nicht vollständig vom alles überragenden Schatten seines Vaters gelöst.

Trotzdem ist er gewachsen, er spürt, dass er in dieser Spirale der Gewalt fehl am Platze ist, doch noch verharrt er still und auch trotzig in ihr. Alles, worauf er sich konzentrieren will, ist, sich jeder Bewegung seines Gegners anzupassen, sie selbst im Dunkeln und mit geschlossenen Augen noch zu erspüren. Denshichiro hingegen hat erkannt, dass er sich demütig dem Können seines älteren Bruders unterwerfen muss, um wirklich zu einem Meister heranzureifen. Doch es fällt ihm schwer, denn sein Bruder Seijuro ist so viel zarter, kleiner und dennoch viel besser als er selbst. Am Neujahrestag wartet Denshichiro also auf Seijuro, um die letzte Gelegenheit, sich auf den Kampf gegen Musashi vorzubereiten, nicht zu versäumen. Der aber ist zu Musashi geschlichen und beginnt mit ihm einen erbitterten Kampf auf Leben und Tod …

Das erste Drittel des Buches ist recht verwirrend, weil viel zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Erinnerungen und gegenwärtigem Geschehen, sämtliche Charaktere betreffend, hin und her gesprungen wird. Dann aber wird man wieder von Musashi und seinem Ringen mit sich selbst in den Bann gezogen. Denshichiro ist ein interessanter Charakter, der hoffentlich noch etwas länger dabei bleiben darf – das Ende ist also einmal mehr offen. Bewundernswert, dass der Autor alle lose Fäden, die er jetzt bereits gesponnen hat, noch im Griff behält und es immer schafft, die Spannung weiter zu steigern.

Copyright © 2010 by Alexandra Balzer (alea)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Abgelegt unter Comic & Manga, Drama, Historisch | Keine Kommentare »