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neuauflage

Archiv für Juli 31st, 2010

Vellum

Erstellt von Johannes Heck am 31. Juli 2010

Hal Duncan
Vellum – Eine Reise an die Grenzen der Wirklichkeit

(sfbentry)
Heyne
Science Fiction
Umfang 594 Seiten
ISBN 978-3-453-52254-1
Übersetzt von Riffel, Hannes

www.heyne.de
www.randomhouse.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Reynard Carter und sein Freund Jack sind ein verliebtes Paar, das sorglos vor sich hin zu leben scheint. Das alles ändert sich, als sie in einem staubigen Keller auf ein Buch stoßen, von dem es heißt es sei das Vellum. Das ewige Stundenbuch Gottes, in dem jede Stunde und jede Minute unserer Welt festgehalten wird. Der Mythos besagt auch, dass es Metatron sei, der Engel Gottes, der sein Wort in diesem Buch niederschreibt. Doch mit der Entdeckung des Vellum beginnt für den Leser, eine Reise durch Raum und Zeit, die turbulenter kaum sein könnte.

In Hal Duncans Roman gerät die Welt zum Schauplatz eines Krieges. Eines Krieges der Engel, die sich selbst Unkin nennen. Und wie es die Natur dieser unsterblichen Wesen ist, zieht sich auch ihr Krieg über alle Zeitalter und Kontinente hinweg. Von der Zeit der erste Städte bis zu einer Zukunft und dem Übergang in jene Parallelwelt, die sie Vellum nennen. Der Engel Metatron führt den Rat der Unkin, doch seine Widersacher sind ebenfalls mächtig. Abtrünnige die sich aus dem Krieg heraushalten wollen, sind beiden Seiten ein Dorn im Auge. Und so jagen Sie die Verräter quer durch Raum und Zeit, scheinbar gleichzeitig vom alte Sumer über das Europa der Weltkriege, bis zu jenen befremdlichen Orten, die kein Mensch mehr begreifen kann.

Hal Duncan gelingt es in seinem Roman zahlreiche Schichten miteinander komplex zu verweben. Von den sumerischen und griechischen Mythen über die Ereignisse unserer Zeit bis zu den fiktiven Elementen, die er fortspinnt, treten seine Figuren unter wechselnden Namen, aber in ewig gleichen Rollen auf. Die Perspektive wechselt dabei ebenfalls immer wieder, von der Ich-Erzählung über die dritte Person bis zu den formalen Beschreibungen der alten Sagentexte.

Für manche Leser mag es sicher eine interessante Herausforderung sein, die verschiedenen Parallelhandlungen miteinander zu verknüpfen und die epische Dimension in seine Gänze zu erfassen. Die übrigen Leser werden jedoch keine Freude an Duncans Werk finden. Zu verworren ist die Handlung, Zusammenhänge werden so sehr verschleiert, dass sie kaum noch nachvollziehbar sind und letzten Endes dümpelt die Geschichte vor sich hin, ohne dass es auf hundert Seiten mehr als ein paar Sätze voran geht. Nach einem Ende, dass sich kaum von den zweihundert Seiten davor unterscheidet endet Vellum, ohne den Leser wirklich gefesselt zu haben. Man könnte sich die Frage stellen – war´s das – aber man ist viel zu erleichtert, dass es endlich vorbei ist.

Fazit

Hal Duncans Roman ist der, genau genommen sogar recht gelungene, Versuch, eine einzelne Geschichte parallel über Raum und Zeit zu erzählen. Seine Zutaten mixt er zusammen aus Sagen, Legenden und schierer Phantasie. Daraus erstellt er ein Gericht, dass alles gleichzeitig sein will, jedoch nur scheitern kann. Was herauskommt ist ein Roman dessen Handlung genauso fragmentarisch ist, wie seine Figuren. Allein die Sprache bildet zumindest über weite Teile eine Konstante. Vielleicht wäre das Werk verdaulich geworden, wenn wenigstens die Geschichte gut gewesen wäre. So bleibt Duncans Roman ein literarisches Experiment, dass grauenhaft zu lesen ist. Mag sein, dass einige Esoteriker unter uns dies zu schätzen wissen, alle anderen sollten das Vellum bestenfalls zum Heizen verwenden.

Copyright 2009 by Johannes Heck

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

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Androidenträume

Erstellt von Johannes Heck am 31. Juli 2010

John Scalzi
Androidenträume

(sfbentry)
Heyne
Umfang 498 Seiten
ISBN 9783453525047
Titel der Originalausgabe: The androids dream
Übersetzung: Bernhard Kempen
Copyright 2006 by John Scalzi
Deutsche Erstausgabe 02/2009

www.heyne.de
www.randomhouse.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Androidenträume. Schon der Titel lässt jeden Fanboy schmunzeln und an Philipp K. Dicks Do androids dream of electric sheep denken. Entgegen den dadurch vielleicht geweckten Erwartungen geht es hier nicht um Replikanten oder Asimovsche Roboter. Doch Scalzi versteht es Elemente in seinen Roman einzubauen, die den Freund der Science Fiction immer wieder schmunzeln lassen. Angefangen von den kuriosen Riten der außerirdischen Nidu, bis zu der Idee, eines erfolglosen Science Fiction Autors als Begründer einer superreichen Sekte finden sich immer wieder solche Elemente, die auf den ersten Blick plausibel erscheinen, bei näherem Hinsehen jedoch ihre besondere Komik entfalten.

Die Menschheit ist Teil der galaktischen Gemeinschaft mit der sie zahlreiche politische und ökonomische Verbindungen pflegt. Wichtigster Verbündeter der Menschen sind die Nidu, welche den Menschen militärisch weit überlegen sind, in der Gemeinschaft der raumfahrenden Völker jedoch einen der niederen Ränge einnehmen. Eines Tages kommt es bei den Verhandlungen über Agrarquoten im Handelsministerium zu einem folgenschweren Zwischenfall. Die Provokationen des irdischen Vertreters führen zum Tod des niduanischen Verhandlungsführers, wie auch seiner selbst. Ein diplomatischer Eklat erster Güte ist die Folge und als die Nidu ihre Kriegsschiffe in Richtung Erde in Bewegung setzen, gerät der Zwischenfall zu einer existentiellen Bedrohung.

Um die Situation zu entschärfen, müssen die Menschen ein Schaf einer bestimmten Rasse ausfindig machen, welches elementarer Bestandteil der bevorstehenden Krönungszeremonie der Nidu ist. Zu diesem Zweck heuert das Außenministerium einen Spezialisten an. Harry Creek ist Botschafter mit Spezialaufgaben. Seine Tätigkeit besteht im Überbringen schlechter Nachrichten an Vertreter außerirdischer Regierungen. Da der Elitesoldat und Hacker auch noch über einige andere Fähigkeiten verfügt, wird er mit der Aufgabe betraut, ein Exemplar der Rasse Androidentraum ausfindig zu machen, damit die Nidu den Vorfall vergessen und die Krönungszeremonie planmäßig stattfinden kann.

Im darauffolgenden Wettlauf muss Creek sich gegen menschliche wie außerirdische Widersacher durchsetzen und sogar noch auf die hübsche Robin Baker aufpassen, die möglicherweise die Rettung der Menschheit bedeuten könnte. Der mehr oder weniger konventionelle Plot gleitet dabei immer wieder ins Komische ab. Scalzi lässt seine vollkommen ernsthaften Protagonisten überaus skurrile Szenen erleben und würzt seine Geschichte mit gerade so viel Humor, dass es nicht zu gewöhnlich wird. Natürlich findet das Ganze seine Höhepunkt in einem angemessen verrückten Finale in dem das ganze Kuriositätenkabinett noch einmal auf die Bühne darf.

Fazit

John Scalzi ist nicht gerade als Schreiber von humoristischen Interpretationen des SF-Genres bekannt. Dennoch gelingt ihm hier eine überraschend witzige, wie auch selbstironische Geschichte, die Spaß macht. Sicher wird dies besondere Form ein Einzelfall bleiben und Fans der anderen John Scalzi Romane werden womöglich enttäuscht sein. Doch bei genauem Hinsehen hat Scalzi seinen ansonsten eher unterschwelligen Humor nur etwas an die Oberfläche gekehrt, oder besser diesem eine substanziellere Rolle in seinem Szenario zugewiesen. Womöglich kann der Leser sogar nach der Lektüre die feineren Anspielungen Scalzis an anderer Stelle besser würdigen. Androidenträume hält jedenfalls was es verspricht. Ein nur auf den ersten Blick konventioneller Roman, der sich schnell zu einer Actionkomödie mit satirischen Anleihen entwickelt.

Copyright 2009 by Johannes Heck

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

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