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Archiv für Juli, 2010

Das Spiel von Katz und Maus 2

Erstellt von Werner Karl am 27. Juli 2010

Setona Mizushiro
Das Spiel von Katz und Maus 2

(sfbentry)
Sojou no Koi wa Nido Haneru, Japan, 2009
Carlsen Manga, Hamburg, 06/2010
TB, Manga, Boys Love, Drama, Romance
ISBN 978-3-551-77808-6
Aus dem Japanischen von Alexandra Klepper

www.carlsenmanga.de
www.page.sannet.ne.jp/setona/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Kyouichi wurde von seinem Vater, der einen schweren Stand in der Familie hatte, erzogen, zu allen Frauen höflich zu sein und sich ihren Wünschen zu fügen. Dank seines guten Aussehens und zuvorkommenden Benehmens bringt man ihm überall reichliche Sympathien entgegen, doch sobald eine Frau ihn näher kennen lernt, stellt sie fest, dass seine Nachgiebigkeit auch ihre Schattenseiten hat. In Folge geht Kyouichis erste Ehe schief, und auch seine Affären dauern nicht lange, weil er nie eine klare Position bezieht, den bequemsten Weg einschlägt und jedem das Gefühl gibt, dass er sich zwar lieben lässt, die Zuneigung aber nicht im gleichen Maße erwidert.

Als Imagase, ein einstiger Kommilitone und Detektiv, seine Homosexualität offenbart und Kyouichi Avancen macht, lässt sich dieser auf eine Beziehung ein, obwohl ihn nur Frauen reizen. Imagase liebt und will geliebt werden, Kyouichi genießt die Aufmerksamkeiten, aber auch diesmal erfüllt er die Hoffnungen seines Partners nicht. Als schließlich Tamaki, eine Arbeitskollegin, Kyouichi ihre Gefühle gesteht und nach dem Tod ihres Vaters Trost sucht, zieht sich Imagase enttäuscht und eifersüchtig zurück. Kyouichi hält ihn nicht auf, obwohl er seine Unentschlossenheit sogleich bedauert. Ausgerechnet Tamaki ist es, die sich Wochen später an Imagase wendet, weil sie glaubt, verfolgt zu werden. Weder er noch Kyouichi konnten loslassen, und das unerwartete Wiedersehen zwingt beide zu einer Entscheidung …

Obwohl „Das Spiel von Katz und Maus“ mit für das Genre Boys Love gängigen Motiven aufwartet (das Coming Out eines Homosexuellen, seine Liebeserklärung nach Jahren der heimlichen Sehnsucht, Affären, verständnisvolle und weniger verständnisvolle Partner, das Bemühen, die eigenen Gefühle zu begreifen und das Richtige zu tun), fällt der Zweiteiler doch deutlich aus dem Rahmen des Üblichen. Setona Mizushiro, die u. a. durch die Serie „After School Nightmare“ bekannt ist, konstruiert keine geradlinige, simple Handlung um niedliche Bishonen, die sich nach einigem Hin und Her glücklich in die Arme fallen. Stattdessen handelt es sich bei ihren Protagonisten um junge Erwachsene, die mitten im Leben stehen und schon so manche bittere Erfahrung machen mussten, daraus aber kaum etwas lernten. Kyouichi lässt sich nach seiner gescheiterten Ehe mit dem homosexuellen Imagase ein, und obwohl er tief in seinem Innern viel für diesen empfindet, scheint das (falsche) Geschlecht eine unüberwindliche Hürde zu sein.

Beide leiden, da sie einerseits zusammen bleiben wollen, aber andererseits keine Möglichkeit finden, ihre unterschiedlichen Bedürfnisse in Einklang zu bringen. Als mit Tamaki die scheinbar ideale Frau ins Kyouichis Leben tritt, kommt es nicht etwa zu einer Dreiecksbeziehung sondern zum Bruch. Zunächst scheint es, als würden es die Männer schaffen, getrennte Wege zu gehen und über die frustrierende Erfahrung hinweg zu kommen, aber schon bald zeigt sich, wie sehr sie sich geirrt haben – und dass die Anziehungskraft zwischen ihnen unvermindert ist. Kyouichi muss sich entscheiden, aber will Imagase das überhaupt noch? Kann er der Person, die er innig liebt, erneut Vertrauen schenken und eine mögliche zweite Enttäuschung verkraften? Das Auf und Ab der Gefühle von allen Beteiligten wird intensiv und überzeugend beschrieben. Keiner ist besser als der andere oder trägt die alleinige Schuld an den Konflikten, denn ausnahmslos handelt jeder egoistisch und möchte sein Glück festhalten. Imagase drängt, fordert, wirkt unstabil und hysterisch, Kyouichi erscheint äußerlich nachgiebig, ist aber im Innern starr und weicht unangenehmen, bindenden Antworten aus, Tamaki verkörpert die ideale, duldsame Ehefrau, die ihre eigenen subtilen Methoden hat, um ihre Wünsche durchzusetzen.

Es geht vor allem um das psychologische Moment, die zwiespältigen Gefühle und Zweifel, weniger um die Geschichte an sich oder gar die erotischen Szenen. Beziehungen zwischen Männern und Frauen bzw. Männern und Männern rangieren gleichberechtigt nebeneinander, und die Message lautet, dass nicht das Geschlecht sondern der Mensch das Wichtige ist und das Herz darüber entscheidet, wen man liebt – mit allen Konsequenzen. Dies wurde von der Mangaka in ihrem charakteristischen, klaren Stil zeichnerisch gelungen umgesetzt. Die Personen stehen im Mittelpunkt, ihre Gestik und Mimik ergänzen die Dialoge. Die Hintergründe sind sparsam ausgeführt oder entfallen ganz. Man vermisst dieses Drumherum jedoch nicht, da die Charaktere und die Art und Weise, wie sie mit der Situation umgehen, in den Bann ziehen und nichts vom Wesentlichen ablenkt. Von daher kann man „Das Spiel von Katz und Maus“ allen Leserinnen empfehlen, die intelligente Boys Love schätzen.

Selbst wenn man sich nicht unbedingt für das Genre begeistern kann, aber gern realistisch inszenierte Dramen liest, sollte man dem Titel eine Chance geben. Romantisch-dramatische Serien, die ähnliche Akzente setzen, sind z. B. „La Esperanza“, „Crazy Love Story“ und „Bokura ga ita“.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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Offenbarung – Buch 2

Erstellt von Günther Lietz am 26. Juli 2010

S. D. Perry
Offenbarung – Buch 2
Star Trek – Deep Space Nine 8.02
(sfbentry)

Cross Cult Taschenbuch (2009)
236 Seiten, ISBN 978-3941248526
OT: Star Trek – Deep Space Nine: Avatar Book 2
Ü: Christian Humberg

http://www.cross-cult.de

Nach dem Angriff durch das Dominion werden die Reparaturen an der Raumstation Deep Space Nine mit großem Eifer vorangetrieben und Schiffe entsandt, um einen erneuten Angriff abzuwehren. Währenddessen ermittelt Ro Laren noch immer in einem mysteriösen Mordfall. Ihre Ergebnisse sorgen für eine Überraschung und stürzen Kira Nerys in einen Gewissenskonflikt. Und was hat es nun genau mit dem Jem’Hadar auf sich, der behauptet ein Abgesandter Odos zu sein …?

Die Fortsetzung von „Offenbarung – Buch 1“ knüpft nahtlos an dem vorherigen Roman der Reihe an und weist die gleichen Schwächen auf. Stephani Danielle Perry beschreibt flache Figuren und setzt voraus, dass der Leser gut über das Star-Trek-Universum informiert ist. Einzig die Andorianer erhalten diesmal ein wenig mehr Raum.

S. D. Perry weist in dem im Buch enthaltenen Interview darauf hin, dass Konzept, Figuren und Kleinigkeiten bereits im Vorfeld festgelegt wurden. Das erklärt den strikten Aufbau, der sich am offiziellen Kanon der alten Star-Trek-Serien hält und keine Ausbrüche erlaubt. Am Ende steht alles wieder auf Null und hat es keine großartige Entwicklung gegeben. Der Stab an etablierter Figuren nimmt zu keinem Zeitpunkt echten Schaden und Konflikte lösen sich in Wohlgefallen auf.

Das ist sehr schade, denn der Roman besitzt viele Möglichkeiten. Frau Perry reißt diese oft kurz an und spendiert einen Ausblick auf das was vielleicht sein könnte, aber dann rudert sie eilig zurück. Das scheint ihr zu liegen, denn die meisten ihrer Auftragsarbeiten sehen so aus. Auch darauf geht Perry in dem Interview ein und erklärt, sie schreibe gerne Lizenzromane. Kein Wunder, denn so vermeidet sie den kräftezehrenden Einsatz von Kreativität und Innovation.

Da der Leser schnell merkt, dass den Hauptfiguren kein Leid geschieht, wird der Roman ebenso schnell langweilig. Selbst die bahnbrechende Prophezeiung entpuppt sich – zum Ende hin – als Luftblase ohne Konsequenzen. Und der äußerst spannend gestartete Handlungsbogen mit Jake Sisko wird nur am Rande behandelt und dient als großer Aufhänger für den nächsten Roman. Das die Romane eine fortlaufende Story erzählen sollen ist löblich, aber einen dermaßen Cliffhanger in solch kurzen Büchern (die man getrost hätte zusammenfassen können) entbehrt jeglicher Leserfreundlichkeit und ist nur ärgerlich.

Trotz allem gelingt es der Autorin die Spannung ein wenig zu steigern, in dem sie sich auf den inneren Konflikt von Ro Laren und Kira Nerys konzentriert. Das ist stellenweise gut geschrieben und lässt hoffen, dass Perry diese Idee in späteren Romanen noch vertieft. Es ist allerdings fraglich, wie weit sie sich mit diesen Gestaltungsmöglichkeiten hinauswagt, bevor sie alles wieder auf Anfang setzt.

Ebenso wie „Offenbarung – Buch 1“ kann „Offenbarung – Buch 2“ nur einem Fan ans Herz gelegt werden. Die Beschreibungen sind zu limitiert und zu dürftig, als dass sich ein Neueinsteiger zurechtfinden würde. Gerade hier hätte die Romanreihe wunderbar eigene Wege gehen können. Schade um die vergebene Möglichkeit.

Die deutsche Übersetzung und Umsetzung des Romans ist sehr gelungen und lässt keine Fehler erkennen. Das Schriftbild ist angenehm und schnell zu lesen, was das Buch subjektiv betrachtet weiterhin verkürzt. Mehr als zwei Leseabende wird wohl niemand brauchen, um die Geschichte durchzuarbeiten.

Unter dem Strich ist der Auftakt zur Serie misslungen. Die Figuren operieren in ihren serientypischen Verhaltensweisen, die Handlung ist langweilig, die Konflikte haben keine echten Konsequenten und es gibt keine Neuentwicklung, sondern Stillstand. Sehr Schade.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Offenbarung – Buch 1

Erstellt von Günther Lietz am 26. Juli 2010

S. D. Perry
Offenbarung – Buch 1
Star Trek – Deep Space Nine 8.01

(sfbentry)

CrossCult Taschenbuch (2009)
282 Seiten, ISBN 978-3-941248-51-9
OT: Star Trek – Deep Space Nine: Avatar Book 1
Ü: Christian Humberg

http://www.cross-cult.de

Der Krieg gegen das Dominion endete in einem unsicheren Frieden und einer der größten Männer der Föderation ist gegangen. In den Nachkriegswirren versucht die Mannschaft der Raumstation Deep Space Nine sich neu zu ordnen, die Schäden zu reparieren und das Erlebte zu verarbeiten. Da öffnet sich erneut das Wurmloch zum Gamma-Quadranten und Schiffe der Jem’Hadar kommen hindurch.

Dieses Ereignis scheint mit einer Prophezeiung in Verbindung zu stehen, die Jake Sisko erhielt und die einen kühnen Plan in ihm reifen lässt. Und scheinbar steht diese Prophezeiung mit einer Bajoranerin in Verbindung, die auf Deep Space Nine ermordet wurde. Ein Fall für Ro Laren, die neue Sicherheitsoffizierin an Bord der Station …

Mit „Offenbarung – Buch 1“ kommt der Auftakt der „Deep Space Nine“-Reihe bei Cross Cult daher. Als Autorin zeigt sich Stephani Danielle Perry verantwortlich, die ziemlich talentfrei stets neue Romane verfasst. Das bedeutet im Grunde reine Auftragsarbeiten, ohne einen Hauch von Charme oder Liebe zum Thema. Das ist auch im vorliegenden Roman der Fall, der viele Möglichkeiten bietet, von denen aber keine genutzt wird.

Der Roman knüpft zeitlich an das Ende der TV-Serie an. Um den Einstieg zu finden gibt es eine umfassende Zeitleiste, die alle wichtigen Ereignisse zusammenfasst. Im Anhang wird sogar im Detail auf den Konflikt mit dem Dominion eingegangen. Das war leider schon alles an Einsteigerfreundlichkeit. Der gesamte Rest richtet sich an den Star-Trek-Kenner – und der sollte sich im Bereich Deep Space Nine ebenfalls gut auskennen.

Bei der Thematik gibt es keine Neuerungen. Es geht um Prophezeiungen, den Abgesandten, Drehkörper, Jem’Hadar und die Beziehung zwischen den Hauptcharakteren. Und die sind auch fast alle mit dabei, vorausgesetzt es gab für sie kein Ende in der Serie. Die Charaktere werden sehr selten beschrieben und so muss die geneigte Leserschaft raten, wie denn der ein oder andere Außerirdische ausschaut. Frau Perry setzt dieses Wissen scheinbar als gegeben voraus. Wenigstens auf die Antennen der Andorianer wird ein wenig eingegangen.

Mit einer Flotte an bekannten Charakteren überschwemmt, kommt nun auch noch eine Flut an neuen Figuren hinzu. Wer davon tatsächlich von Bedeutung ist, wird selten an die Oberfläche geschwemmt. Denn leider neigt S. D. Perry dazu, auch unwichtige Rollen in den Hafen einlaufen zu lassen. Ein großes Übel, denn die Dame setzt so viele Segel, dass sich sich selber den Wind wegnimmt.

Trotzdem ist der Roman – überraschenderweise – halbwegs unterhaltsam geraten. Er hat wenig Seiten und liest sich schnell weg, zudem kommt es für Fans zu einem Wiedersehen mit bekannten Figuren. Die bleiben zwar blass oder werden gar nervig, aber immerhin tauchen sie auf. Dabei wäre weniger vielleicht mehr gewesen. So verliert Perry vollständig den Fokus, befindet sich auf mehreren Baustellen gleichzeitig und lässt am Ende wenigstens erahnen, wohin die Fäden alle laufen. Sie hält sich eindeutig an eine ausgemachte Route und weicht keinen Deut davon ab. Das scheint ihr zu liegen, denn viele ihrer Romane sind ohne jegliche Inspiration.

So tröpfelt eine Geschichte dahin, die spannend hätte sein können. Deswegen schmerzen die vertanen Möglichkeiten besonders. Handwerklich ist die deutsche Ausgabe von Cross Cult gut gemacht. Vor allem die Übersetzung ist passend und auch das Layout kommt angenehm daher. Von der Seite aus gibt es keine Meckereien.

Wer eine unterdurchschnittlich geschriebene und flott gelesene Massenware möchte, ein Liebhaber der alten Star-Trek-Historie ist und sich zudem gut mit der Deep-Space-Nine-Materie auskennt, der kann ruhig zugreifen und ein oder zwei Abende Lesezeit investieren. Alle anderen sollten sich eine andere Ecke literarischen Weltraums suchen.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Für Menschen verboten

Erstellt von Michael Drewniok am 26. Juli 2010

(Bild: Sammlung md)Lloyd Biggle
Für Menschen verboten

(sfbentry)
Originaltitel: All the Colors of Darkness (Garden City/New York : Doubleday 1963)
Übersetzung: Tony Westermayr
Deutsche Erstausgabe: 1964 (Wilhelm Goldmann Verlag/Goldmanns Zukunftsromane Z 59)
Cover: Eyke Volkmer
186 S.
ASIN: B0000BGJAY
Als Taschenbuch: 1964 (Wilhelm Goldmann Verlag/Goldmanns Weltraum Taschenbücher 048)
Cover: Eyke Volkmer
186 S.
ASIN: B0000BGJAX

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Das geschieht:

Im Jahre 1986 gelingt in diesen (alternativen) Vereinigten Staaten von Amerika die Entwicklung eines bahnbrechenden Verfahrens zur Materieübermittlung: Statt mühsam zu reisen oder transportiert zu werden, können Menschen und Fracht nun per Teleportation in Nullzeit an jeden gewünschten Ort geschafft werden. Diese Erfindung wird nicht nur das Verkehrswesen revolutionieren, sondern alle Aspekte des Alltagslebens verändern. Nicht alle Menschen scheinen davon begeistert zu sein. Privatdetektiv Jan Darzek wird mit einer perfiden Form von Sabotage konfrontiert. Angeheuert hat ihn Ted Arnold, leitender Ingenieur der Teleportations-Gesellschaft, nachdem Reisende zwar abgestrahlt, aber am Zielort nicht empfangen wurden.

Sind sie zwischen den Dimensionen ‚hängen‘ geblieben? Für die „Universal Teleport“, die das Monopol auf die neue Technik besitzt, wäre dies ein vernichtender Rückschlag. Darzek entdeckt allerdings, dass es immer dieselben, stets gut maskierten ‚Reisenden‘ sind, die auf die beschriebene Weise ‚verschwinden‘. Sein Erfolg bleibt den Verdächtigen nicht verborgen; sie versuchen, Darzek zu entführen und scheitern nur knapp. Der Detektiv geht in die Offensive. Als er das nächste Mal einen der Saboteure beschattet, folgt er ihm mit einem beherzten Sprung in den manipulierten Senderstrahl – und findet sich auf dem Erdmond wieder!

Außerirdische Intelligenzen fürchten, dass der Mensch per Materietransmitter ins All vorstoßen wird, wo man ihn noch lange nicht sehen möchte. Sie wollen die neue Technik in Verruf bringen. Darzek sieht sich in die Rolle eines unfreiwilligen Botschafters der Menschheit gedrängt; ein Himmelfahrtskommando, denn der ET-Mondstation geht buchstäblich die Luft aus, was seine Schuld ist und die Verhandlungen nicht gerade erleichtert …

Die Vergangenheit der Zukunft

Als Lloyd Biggle „Für Menschen verboten“ Anfang der 1960er Jahre schrieb, lag 1986 beruhigend weit in einer Zukunft, die der Autor nach eigenen Vorstellungen gestalten konnte. Als sich das Jahr X dann tatsächlich näherte, mag Biggle der Gedanke gekommen sein, einst lieber ein wenig großzügiger kalkuliert zu haben: Während sein Roman (zumindest im angelsächsischen Sprachraum) weiterhin präsent geblieben war, glänzte die Teleportation 1986 durch vollständige Abwesenheit.

Auch sonst hatte die Zeit Biggles Geschichte überrollt. Bahnbrechende Erfindungen wurden längst nicht mehr wie in der Ära Thomas Alva Edison im stillen Kämmerlein oder wie in unserem Roman in einem baufälligen, zum Abriss freigegebenen Lagerschuppen gemacht. Das denkende, mit Hightech ausgestattete Kollektiv hatte dem individuellen Genie weitgehend den Garaus gemacht.

Und sollte der Mensch irgendwann doch teleportieren können, ist davon auszugehen, dass die dafür gebauten Stationen in Konzept und Gestalt nicht den Bahnhöfen des 19. und 20. Jahrhunderts entsprechen werden. Dann wäre ein Jan Darzek allerdings arbeitslos als Detektiv, der sich zwanglos unter die abreisenden oder eintreffenden Gäste mischt und mit scharfem Auge statt moderner Überwachungstechnik ermittelt.

„Für Menschen verboten“ ist ein Unterhaltungsroman und kein Gedankenmodell für die Zukunft. Um dem eigentlichen Zweck gerecht werden zu können, musste Biggle vereinfachen. Die faktisch kaum absehbaren Umwälzungen, die eine Teleportations-Technik mit sich brächte, kann er nur andeuten, zumal Biggle mit dem eigentlichen Plot eine ganz andere Richtung ansteuert. Das Teleportieren ist nur Katalysator. Den sich darum drehenden Handlungsstrang bettet Biggle deshalb nicht harmonisch in eine detailliert dargestellte Zukunftsgesellschaft ein, sondern rammt ihn förmlich in den Alltag eines nur notdürftig modifizierten Jahres 1963.

Auf dem Mond wird alles besser

Altmodisches aber echtes Science-Fiction-Feeling kommt auf, sobald Darzek auf dem Mond gelandet bzw. gestrandet ist. Plötzlich wird deutlich, was Biggle sehr viel stärker interessiert als zukünftige Hightech: So filigran, wie man ihn bisher nicht kannte, schildert er die schwierige, behutsame, von beiderseitigem Misstrauen und Missverständnissen geprägte Kontaktaufnahme zwischen Mensch und Außerirdischen.

Hier finden wir den Einfallsreichtum, der SF so faszinierend machen kann. Der Musikwissenschaftler Biggle nutzt die gesamte Spannbreite der Kommunikation: Der Sinn eines Wortes wird nur zum Teil durch seine Buchstaben definiert; ebenso wichtig ist der Klang; der Originaltitel spielt auf diese Entdeckung an. Sowohl Darzek als auch seine ‚Gastgeber‘ müssen lernen, zwischen den ‚Zeilen‘ zu lesen, um trotz „differierender Farben“ zu einer echten Verständigung zu kommen – ein Prozess, der hier nur zu Beginn von Gewalt begleitet wird und schnell in intensive, für den Leser gar nicht langweilige Diskussionen übergeht.

Dieser Aspekt lenkt zudem davon ab, dass Biggle, der bisher primär Kurzgeschichten geschrieben hatte, der ‚lange Atem‘ für einen Roman noch fehlt. Die Handlung zerfällt in drei Episoden, die sich nicht wirklich einem Gesamtgeschehen fügen. Biggle beginnt mit einer Kriminalgeschichte, in der die wenigen SF-Elemente auf die weiter oben beschriebene Weise fremd wirken. Sehr abrupt schwenkt der Plot um; die SF bekommt auf dem Mond die Oberhand. Außerdem findet sie hier bereits ihr eigentliches Ende. Der lange Epilog, der noch folgt, ist für die eigentliche Handlung irrelevant; der Leser bekommt den Eindruck, Biggle müsse Seiten schinden, um sein Buch auf die mit dem Verlag vereinbarte Länge zu bringen.

Die Zukunft ist gar nicht so wild

Durch gute Detailarbeit kann Biggle die Defizite der Handlung wettmachen. Die friedliche Art des Erstkontaktes fand bereits Erwähnung. Hier sei noch angefügt, dass „Für Menschen verboten“ in der Zeit des Kalten Krieges zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion entstand. Die daraus resultierenden Differenzen haben zwar keinen Einfluss auf die Handlung, fließen aber als jederzeit zu berücksichtigende ‚Realität‘ mehrfach in das Geschehen ein.

Die Handlung spiegelt zudem einen ausgeprägten Sinn für trockenen Humor wider. Viele Scherze zünden zwar nicht mehr, weil sie stark ihrer Entstehungszeit verhaftet sind, und manche gehen nach hinten los; Biggles Spiel mit Vorurteilen, die gern mit dem weiblichen Geschlecht in Verbindung gebracht werden, wirkt heute nicht einmal mehr plump, sondern nur noch altmodisch.

Freilich schließt die Überzeichnung sämtliche Figuren ein und macht auch vor den Außerirdischen nicht Halt. Ernst nehmen kann man den Masterplan der Außerirdischen wahrlich nicht. Für ihr sinnarmes Sabotieren findet Biggle eine charmante Begründung: Verwirrung stiftet auf der Erde kein Team qualifizierter ET-Spezialisten, sondern eine überforderte Not-Besatzung.

Zu ihrem Glück treffen sie auf Erdmenschen, die selbst keine Geistesleuchten sind. Biggle streut milde Kritik an verbohrten Politikern, auf den schnellen Dollar fixierten Geschäftsmännern, allzu wirklichkeitsfremden Wissenschaftlern und den normalen Durchschnittsmenschen ein, der lange partout nicht begreifen will, welche Vorteile die Teleportation bietet, sondern misstrauisch nach dem Haken an der Sache fragt. Als dann sogar die reisezeitlose Mondfahrt möglich wird, tummeln sich auf dem Erdtrabanten zum Ärger der Forscher immer neue Prominente, die sich einige vergnügte Stunden in verminderter Schwerkraft machen wollen und wie Fleisch gewordene Mondkälber durch die Krater tollen: Diese Passagen konnten ihren Witz bewahren!

„Für Menschen verboten“ gehört nicht zu den großen Klassikern der Science Fiction. Lloyd Biggle hatte aber den richtigen Ton getroffen: Seinen Lesern gefiel die Mischung aus nie bierernster SF und Krimi. Drei Jahre später kehrte Jan Darzek zurück, und in den 1970er Jahren ließ Biggle drei weitere Romane der Serie folgen.

Autor

Lloyd Biggle, jr., wurde am 17. April 1923 in Waterloo, US-Staat Iowa, geboren. Während des II. Weltkriegs diente er als Verbindungsoffizier bei der Infanterie, war u. a. in Deutschland stationiert und wurde dort zweimal im Gefecht verwundet. Nach dem Krieg studierte Biggle Musikwissenschaften an der Universität von Michigan in Detroit. Nach seiner Promotion war er in den 1950er Jahren Dozent für dieses Fach.

Parallel dazu begann Biggle 1955 eine Karriere als professioneller Schriftsteller. Er war erfolgreich, und nach der Veröffentlichung des Romans „All the Colors of Darkness“ (1963, dt. „Für Menschen verboten“) schrieb er hauptberuflich. Dabei fand er rasch seinen eigenen Stil, der „harte“ SF-Technik mit der Extrapolation zeitgenössischer Kunst, klugen Gedanken über mögliche gesellschaftliche Entwicklungen und vielschichtigen Figuren verband. Bekannt wurde Biggle zudem als Verfasser spannender, oft im viktorianischen England spielender Kriminalgeschichten. Mit Großvater Rastin oder Lady Sara Varnley schuf er eigene, recht populäre Protagonisten in diesem Genre. Biggle schrieb auch neue Geschichten um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes.

In den 1970er Jahren gründete Biggle die „Science Fiction Oral History Association“, um Reden und Diskussionen kompetenter Autorinnen und Autoren der SF aufzuzeichnen und zu sammeln, die sonst unwiederbringlich verloren wären (www.sfoha.org). Lange Jahre war er außerdem Schatzmeister der „Science Fiction Writers of America“ – ein ungemein rühriger, hochaktiver Mann ungeachtet dessen, dass er seit den frühen 1980er Jahren gegen eine Leukämie- und Krebserkrankung kämpfte, der er am 12. September 2002 schließlich zum Opfer fiel.

[md]

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Magister Negi Magi Neo 6

Erstellt von Werner Karl am 26. Juli 2010

Takuja Fujima & Ken Akamatsu
Magister Negi Magi Neo 6

(sfbentry)
Japan, 2008
EMA, Köln, 04/2010
TB, Manga, Fantasy, Comedy
ISBN 978-3-7704-7233-8
Aus dem Japanischen von Antje Bockel

www.manganet.de
www.ailove.net/
www.negima.ne.jp/
www.tv-tokyo.co.jp/anime/negima/
www.konami.jp/negima/
www.starchild.co.jp/special/negima-drama/index.html
http://negima.kc.kodansha.co.jp/alaalba/index.html
http://negima.kc.kodansha.co.jp/index.html

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Der kleine Magier Negi Springfield träumt davon, eines Tages genau so ein berühmter Zauberer zu werden wie sein Vater, der Tausendmagier. Dieser zieht durch die Welt, um Menschen in Not zu helfen. Zur Magierausbildung gehört auch, dass man sich unerkannt in der Menschenwelt aufhält und einen Beruf ausübt. Negi ist deswegen Lehrer an einem Mädcheninternat, an dem sich ausgerechnet Evangeline befindet. Diese wurde vor fünfzehn Jahren von Negis Vater dazu verdammt, solange ihr Dasein als Schülerin zu fristen, bis sie im Licht lebt, sprich: ihr böses Ich ablegt.

Während des Trainings mit der Vampirin und mächtigen Zauberin Evangeline, Negis Meisterin in Zauberei, versucht Negi, mehr über seinen Vater zu erfahren. Da Evangeline die Einzige in seinem Umfeld ist, die ihn kennt, spricht er sie darauf an. Sie willigt ein, klärt ihn aber darüber auf, dass sein Vater nicht ganz so war, wie alle erzählen. Da sie reden zu lästig findet, beschwört sie einen Zauber, der es den beiden ermöglicht, in ihre Erinnerungen zurück zu reisen. „Magister Negi Magi Neo“ ist eine Neufassung von „Magister Negi Magi“ von Takuja Fujima und Ken Akamatsu.

Letzterer ist der Schöpfer und Autor dieser Serien. Die Geschichte hat sozusagen einen neuen Anstrich bekommen. Die Zeichnungen der Charaktere sowie der Kostüme sind schöner als in der Original-Reihe, mit mehr Grauabstufungen. Selbst das Cover ist bunter im Vergleich zum vorher eher weißen Cover. Fans von dem kleinen Zauberer Negi können sich jedoch unbesorgt auch diese Auflage kaufen, da die Geschichten einen anderen Verlauf nehmen. Lediglich die Rahmenbedingungen sind geblieben. Natürlich gibt es hier und da auch mal einige Überschneidungen, aber im Großen und Ganzen ist alles sehr frisch und neu. Das Manga hat keine Altersbeschränkung, jedoch wird viel nackte Haut (Panty-Shots) gezeigt.

Somit muss hier die Entscheidung bei den Eltern liegen, ob das jeweilige Kind reif genug für diesen Titel ist. Die Richtung geht eher ins Erotische, was jedoch lustig herüber kommt, da die Asiaten eine andere Art von Humor haben. Somit ist Magister Negi Magi Neo für Teenager, junge und ältere Erwachsene eine lustige Geschichte mit vielen verschiedenen Charakteren. Gewiss wird jeder Leser eine Person finden, mit der er oder sie sich identifizieren kann.

Copyright © 2010 by Rowena Weddehage (RW)

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Berlin Palace

Erstellt von Werner Karl am 26. Juli 2010

Jörg-Uwe Albig
Berlin Palace

Klett-Cotta / Tropen 2010
Hardcover
Liebesroman, Sozial-Utopie, Science Fiction
ISBN 978-3-608-50106-3
Umfang: 224 Seiten
Umschlaggestaltung: Herburg Weiland
Titelfoto: Feng Zhengjie

www.klett-cotta.de/tropen

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Klappentext:

Li Ai ist Werbefilmer im China der nahen Zukunft. Mehr noch als sein Alltag aus blinkenden Flüssigkristallfassaden und manierierten Speisefolgen fasziniert ihn das Treiben in den von Deutschen bevölkerten Vorstadtslums…“

Zum Buch:

Natürlich ist man als Westeuropäer neugierig auf einen Roman, in dem die in der Realität munter bis aggressiv kopierenden Asiaten die wirtschaftliche und kulturelle Vorherrschaft auf der Erde darstellen. Und das eigene Volk – die Deutschen – als ungeschlachte Tagelöhner die unterste Schicht einer zukünftigen Weltbevölkerung bilden. So eine Art „Metropolis“ mit umgekehrten Vorzeichen, jedoch moderner, möglicherweise härter an der Realität, als uns lieb wäre, von Kulturschocks gespickt, und in eine spannende Handlung eingebunden.

Ich dachte auch an einen Mix aus „Bladerunner“ (zumindest was seine urbane Szenerie betrifft), oder eine kurze Variante von „Chung Kuo“ – einer Endlos-Saga eines chinesischen Reiches in der Zukunft – von David Wingrove und/oder einer bitterbösen Sozial-Utopie á la „1984“ von George Orwell.

Doch wer, so wie ich, auf so einen Roman gehofft hat, wird sich in einer anderen Welt wieder finden. Der Protagonist Li Ai ist vernarrt in eine mysteriöse Schönheit namens Olympia Lang, mit der er einen Werbefilm drehen will. Und die Verwendung der untersten Bevölkerungsschicht als Teil des Spots und die Einführung seiner Angebeteten in eben diese ihr unbekannte Welt, soll helfen, sie für ihn zu begeistern, schlussendlich sie zu seiner Geliebten oder Frau machen.

Also ein Liebesroman? Nein, oder ja, oder eben dann doch nicht. Sicher, der Autor Jörg-Uwe Albig ist sprachgewandt, virtuos belegt er sein Wissen um chinesische und westliche Kultur, hat ein Auge für Details und schwelgt auch in einer bildhaften Sprache, die manche Freunde finden wird. Doch ein utopischer Roman, ein Parallelweltenroman oder gar ein revolutionärer Roman ist es eigentlich nicht. Und daher auch keine Science Fiction. Am ehesten noch eine Sozial-Utopie. Und eine, die ich nicht erleben will. Dieser letzte Punkt stimmt zumindest mit einer Vielzahl an SF-Romanen überein.

Zum Autor:

Jörg-Uwe Albig war Redakteur beim „Stern“ und lebte zwei Jahre als Korrespondent einer Kunstzeitschrift in Paris. Seit 1993 arbeitet er als freier Autor in Berlin und schreibt u.a. für „GEO“ und das „SZ-Magazin“. Romane: „Velo“ (1999), „Land voller Liebe“ (2006) und „Berlin Palace“ (2010).

Copyright © 2010 by Werner Karl

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Das Science Fiction Jahr 2010

Erstellt von Werner Karl am 25. Juli 2010

Sascha Mamczak und Wolfgang Jeschke (Hrsg.)
Das Science Fiction Jahr 2010

(sfbentry)
Heyne, 2010, Taschenbuch
ISBN 978-3-453-52681-5
Sachbuch, Science Fiction
Umschlagbild: Arndt Drechsler
Umfang: 1.141 Seiten

www.heyne.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Wozu ein jährliches Kompendium über ein Genre, das unsere Phantasie ansprechen soll und es ja auch tut? Wozu weit mehr als 1.000 Seiten, um das Thema Science Fiction herum, anstelle eines gleichlangen Romans? Warum dafür auch noch knapp 30,– € ausgeben? Genau deshalb, weil mittlerweile Science Fiction endgültig in der Gesellschaft angekommen ist, sich aus dem trivialen Sumpf der Fünfziger bis Siebziger Jahre herausgearbeitet hat und der Unterhaltungsindustrie Millionen, ja neuerdings sogar Milliardenumsätze beschert.

Traurig, aber wahr, ist letztendlich das Geld, dass man mit dem Etikett Science Fiction verdienen kann, der Grund für die Daseinsberechtigung eines sehr umfangreichen und teuren Jahrbuches. Das dieses Sachbuch aus dem Haus Heyne/Randomhouse stammt, versteht sich fast von selbst, schließlich ist seit Jahrzehnten der Heyne-Verlag die Hochburg innerhalb der deutschen Science-Fiction-Verlagsszene. Kein anderer Verlag der SF publiziert, kann mit Vergleichbarem aufwarten.

Sascha Mamczak betreut seit 2002 das Lektorat und ist verantwortlicher Herausgeber der Sparte Science Fiction im Heyne-Verlag. Diese Position hat er von Wolfgang Jeschke übernommen, dem man ohne weiteres als Institution über Jahrzehnte hinweg bezeichnen darf. Jeschke selbst hat auch schon eine ganze Reihe an recht erfolgreichen SF-Romanen veröffentlicht. Beide haben sich der Mammutaufgabe gestellt, dem Genre SF mit all seinen Facetten im vorliegenden Jahrbuch gerecht zu werden.

Einen kräftigen Schwerpunkt von 150 Seiten Länge hat man einem der Lieblingsthemen der SF, nämlich Zeitmaschinen, Zeitreisen und damit verbundenen Paradoxien gewidmet. Beiträge zu Büchern, Autoren und Interviews zählen zum festen Bestandteil, ebenso Rezensionen auf 100 Seiten, Marktberichte und die SF-Bibliografie des Heyne-Verlages verschaffen in der Masse der jährlichen Neuerscheinungen keinen kompletten Überblick – was nahezu unmöglich, weil unbezahlbar ist -, doch aber einen sehr guten Überblick.

Aus der Gruppe der Beiträge zum Thema SF-Film hat mich „Beam me down, Scottie!“ auf den Boden der Tatsachen herabgeholt. Als alter SF-Fan habe ich natürlich über all die Jahre nicht nur die diversen Star-Trek-Serien konsumiert, sondern auch alle Kinofilme. Als Kinobesucher hatte sich mir die Reihe der Filme immer als fester Bestandteil der Filmschmiede Hollywood präsentiert, so á la James Bond, dessen Filme auch nie der Gefahr ausgesetzt zu sein schienen, das es irgendwann einmal keinen James Bond mehr geben könnte. Das hatte ich bei Star Trek ebenso gesehen und durch nun mittlerweile 11 Filme schien dem auch so zu sein. Doch weit gefehlt. Die Wahrheit hinter den Kulissen sah und sieht längst nicht so rosig und so professionell aus, wie sie es vor dem Vorhang den Fans erscheinen mag. Ich hatte fast schon ein Erweckungserlebnis wie Neo in Matrix 1.

Ein bisschen befremdlich scheint mir die Platzierung des Beitrages „Die Bagdad-Batterie und Hesekiels Raumschiff“ unter der Rubrik Kunst zu sein. Befasst sich der Artikel doch mit der Offenlegung, Klarstellung und nüchtern-sachlicher Erläuterung von allerlei SF-Mythen aus (Pseudo)Wissenschaft, Esoterik, echter und „Däniken“-Archäologie. Der Beitrag selbst sollte allen Anhängern von Verschwörungstheorien, Däniken-und-Konsorten-Gläubigen zur Pflichtlektüre dringend vorgelegt werden. Danke, Uwe Neuhold, das war dringend notwendig.

„Das Science Fiction Jahr 2010“ hat neben o.g. noch viel mehr zu bieten und damit dürfte klar sein, das diese knapp 30,– € sich durch den Inhalt mehr als rechtfertigen. Einzig die fehlenden Farbseiten für die Rubriken Kunst, Film und Computerspiele sind zu bedauern, aber dann wäre das „…Jahr 2010“ sicher noch teurer geworden.

Copyright © 2010 by Werner Karl

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… und noch eine Rezension:

Kaum ein Verlag leistet sich eine so umfangreiche Branchenpflege wie der Heyne-Verlag, der auch in diesem Jahr wieder mit dem „Science-Fiction Jahr 2010“ ein umfassendes Kompendium zum Genre zusammengestellt hat. Das Buch ist kein Sammelband mit SF-Geschichten, sondern ein Buch über Science Fiction, Fantasy und Phantastik. Es versammelt Interviews mit Autoren, Marktberichte über die 2009 erschienenen Bücher, Essays und Aufsätze zu SF und Phantatik in Comics, Computerspielen und im Film sowie zahlreiche Rezensionen. Hinzu kommen Artikel zu Themen und Motiven in der SF, diesmal angeführt durch die umfangreiche Abhandlung von Rüdiger Vaas zum Thema Zeitreisen zwischen phantastischer Literatur und Wissenschaftlicher Diskussion.

Der jährlich erscheinende Band deckt also irgendwie alles ab, was sich in einem Jahr im Genre bewegt und geregt hat. Dieser Anspruch ist Stärke und Schwäche zugleich – er macht den Reiz des Bandes aus, der in dieser Breite der einzige Versuch ist, das Phänomen Science Fiction gebündelt zu erfassen. Gleichzeitig wird dabei immer wieder klar, dass es „Die Science Fiction“ nicht gibt und dass auch Trends und Entwicklungen im Genre sehr heterogen sind, parallel verlaufen oder sich in Nischen abspielen. Also gibt es nicht „Das Science Fiction Jahr 2010“, sondern eine ganze Reihe von Büchern, Geschichten, Erzählungen, Diskussionen, Preisen, ökonomischen Entwicklungen etc., die zusammengenommen das Genre ausmachen. Jeder Fan hat also sein eigenes Science Fiction Jahr erlebt. Gerade deshalb jedoch macht es Sinn, in diesen Band mal hereinzuschauen um mitzubekommen, was sonst noch los war, was man verpasst hat und was hinter den Kulissen vorging.

Allein die Rezensionen, aber auch die Sekundärtexte sind hier eine Fundgrube für alle, die Lust auf neue und anspruchsvolle SF haben, aber im Bahnhofsbuchhandel vor immer denselben reißerischen 0815-Klappentexten stehen und überhaupt nicht mehr duchblicken. Denn, und das ist ein Trend, die Buchwerbung wird immer selbstreferentieller: ein neuer Hohlbein, ein neuer John Ringo – wenn man das wirklich glauben würde, käme im Bereich SF und Fantasy nichts neues mehr in die Welt. Das jedoch stimmt nicht, wie zahlreiche Entdeckungen und Empfehlungen im „Science Fiction Jahr 2010“ deutlich machen. Jedoch muss man sagen, dass der Szene-Überblick an vielen Stellen auch ausufert – die Marktberichte  über die Britische, Deutsche und US-Amerikanische SF-Szene etwa erschöpfen sich gegen Ende  in einer bloßen Aufzählung einzelner Titel – eine unlesbare Datenreihe die dann auch keine weitergehenden Informationen mehr vermittelt. Hier wäre weniger mehr gewesen, denn grundsätzlich sind diese Überblicksartikel von Hermann Urbanek spannend und informativ für die Mehrheit der LeserInnen, die sich für die Szene in Übersee interessiert, aber dafür nicht extra auf eine Convention nach New York fliegen würde.

Neben Rezensionen und Berichten gibt es eine Reihe von Artikeln, die sich in der Rubrik „Hinter den Kulissen“ zusammenfassen ließe – etwa die lesenswerten Autoreninterviews mit Steven Baxter und China Miéville. In dieselbe Rubrik gehören die zahlreiche Artikel  zu SF in Film und Fernsehen – etwa die Überlegungen zur Vergangenheit und Zukunft des Phänomens Star Trek von David Hughes und Ralph Sander sowie die kritische Würdigung des Kassenschlagers „Avatar“ aus der Feder von Simon Spiegel. Die hier gebotenen Hintergrundinfos sind allesamt spannend und lesenswert, allerdings vermisst man bei den Filmartikeln oft eine gewisse kulturkritische Distanz zum Gegenstand. Zwar ist es mitunter spannend zu wissen, warum aus kommerziellen oder anderen produktionstechnischen Überlegungen gerade dieses und nicht jenes Star-Trek Drehbuch ausgewählt wurde. Aber es wird kaum spekuliert, warum gerade gewisse Serien und Filme den Zeitgeist treffen, Popularität oder gar Kultstatus erreichen. Das klingt banal, ist aber eine Riesenlücke. Denn letztlich brechen die Artikelautoren aus dem Film-Universum aus, berichten über die Produktionsbedingungen, nur um dann erneut in einer Fan-Diskussion ohne Abstand gefangen zu sein. Das beste Beispiel dafür ist wohl Ralph Sanders Kritik am inflationären Star-Trek Merchandising, die darauf hinausläuft, dass die Industrie die Lizenzen für Fanprodukte verknappen sollte, damit das Sammeln mehr Spass macht. Hier hat man wirklich den Eindruck, dass die Kuh sich beschwert, nicht sanft genug gemolken zu werden. Aber warum sollen wir als Fans uns überhaupt so melken lassen? Das eigentlich Spannende ist doch nicht der Serien- und Sammelfetisch, sondern die Tatsache, das SF immer wieder dynamisch mit der Gegenwart interagiert und sich dabei stets neu erfindet. Wenn wir SF nicht nur konsumieren, sondern kritisch diskutieren, können wir Teil dieses Prozesses sein.

Am Phänomen Star-Trek interessant ist in dieser Hinsicht etwa der schwankende Charakter der Originalserie zwischen utopischer Überwindung des Kalten Krieges durch die Multikulturelle Russisch-Amerikanische Besatzung der Enterprise und die gleichzeitige Übernahme von Kalter-Kriegs Stereotypen – etwa in Form des Zerrbildes der Klingonen als barbarische (russische?) Gegner. Man vergleiche dieses Bild der SF der 60er Jahre nun mit den düster-militärischen Szenen beim 90er Jahre Phänomen Deep Space Nine, das mir nicht zuletzt durch die Realität des ersten Irak-Krieges und die enttäuschte Hoffnung auf eine „Friedensdividende“ nach dem Ende des Blockkonfliktes geprägt scheint. Führte man solche Überlegungen konsequent weiter, könnte man auf die tollsten Ideen kommen – doch solche Vergleiche zwischen gesellschaftlicher Realität und deren Reflektion in der SF fehlen leider in vielen Beiträgen des aktuellen Sammelbandes.

In früheren Bänden des „Science Fiction Jahr“ war da mehr zu finden – ich selbst bin etwa immer noch beeindruckt von der klaren Analyse und couragierten Stellungnahme des Artikels „Morgenwelt – die Diktatur des Profits und die Herrschaft der Konzerne. Das Unbehagen an der Globalisierung und die Macht des Kapitals“ aus dem SF Jahr 2002. Der Autor Robert Hector unternahm hier eine einzigartige Bestandsaufnahme kritischer und politischer SF und legte dar, wie die SF Gesellschaftskritik verarbeitet und weiterentwickelt. Beiträge dieser Art, die den SF-Mikrokosmus und die Gesellschaft drumrum kritisch unter die Lupe nehmen, würde ich gerne öfter lesen. Aber auch im bisherigen Band gibt es zum Glück nicht nur immanente Fandebatten, sondern auch vieles, was die SF mit dem Leben da draußen in Beziehung setzt. Vor allem das Interview mit China Miélville mit dem vielsagenden Titel „Mich interessiert beides – die Politik und die Monster“ ist in dieser Hinsicht interessant. Aber auch der Artikel „Science Fiction zum Tanzen – Kraftwerk, Afrofuturismus und eine Stadt im Niedergang – 25 Jahre Detroit Techno“ stellt interessante Verbindungen her.

Insgesamt ist „Das Science-Fiction Jahr 2010“ daher lohnenswert für alle, die sich ernsthaft über den Tellerrand ihrer Lieblingsserie hinaus wagen wollen, um die Gesamtheit von SF und Phantastik kennenzulernen. Man muss im Sammelband wie auch in der SF selbst natürlich Rosinenpickerei betreiben – nicht alles ist interessant, nicht alles von gleicher Qualität, ein jeder muss seine eigene Wahl treffen. Zwar hätte ich mir im Sammelband manchmal etwas mehr orientierende Eingriffe und Artikel gewünscht, Hinweise auf übergreifende, auch mehrjährige Trends – aber der Gesamteindruck ist positiv. Hier findet sich vieles gebündelt, was man im Internet lange suchen müsste. Und bei aller genannten Kritik: Im Science Fiction Jahr wird immer ein journalistischer Mindeststandard eingehalten, der in der anarchischen Szene von Fanzines und Fanblogs nur allzu oft fehlt.

Copyright © 2010 von Ralf Hoffrogge

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Die Könige der Elben

Erstellt von Werner Karl am 25. Juli 2010

Alfred Bekker
Die Könige der Elben
Band 2

(sfbentry)
Die Könige der Elben (November 2007) bei Lyx
Verlegt durch Egmont Verlagsgesellschaften
ISBN: 9783802581281
High Fantasy
Karte von Daniel Ernle
Umfang: 411 Seiten

www.egmont-lyx.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Das Buch Die Könige der Elben ist der 2. Teil der Elben-Trilogie von Alfred Bekker

Zum Buch:

Nach der Ankunft und dem Einleben auf dem Zwischenland erfolgte eine erste große Schlacht zwischen den Elben und den in Elbenaugen kurzlebigen Menschen, Rhagar genannt. Die Verluste waren auf beiden Seiten groß, sodass für ein Zeitalter niemand in der Lage war, erneut einen Krieg zu führen. Doch dann tut sich für die Elben ein neuer Feind auf, gefährlicher als die Menschen, unberechenbar und scheinbar nicht von deren Welt. Dieser Feind befehligt eine riesige Trorkarmee, welche zu allem bereit und erbarmungslos sich selbst und ihren Gegner gegenüber sind. War im ersten Teil der Trilogie die Handlung noch als ruhig und vage zu beschreiben, geht es hier nun deutlich kämpferisch und ereignisreicher zur Sache.

König Keandir und Magolas, einer seiner Zwillingssöhne, bekommen gedanklich und tatsächlich Besuch von dem unheimlichen Trorkherrscher. Dieser stiehlt die Zauberstäbe des augenlosen Sehers, ein bis dato noch von den Elben unerforschtes Artefakt voller Magie, und hinterlässt einen bedeutenden Hinweis über die in der großen Schlacht an der arantanischen Mauer verschwundenen magischen Elbensteinen. Nach dieser Begegnung macht sich König Keandir auf die Suche nach diesen verschwundenen Steinen und übergibt die Regierungsgeschäfte stellvertretend an seinen Sohn Magolas. Dieser hat sich, im Gegensatz zu seinem Zwillingsbruder Andir, der sich den Schriftgelehrten und Magiern zugewendet hat, nun als stellvertretender Herrscher des Zwischenlandes zu beweisen, was einiges von ihm abverlangt. Erst Recht, als ein Rhagarkönig mit seiner liebreizenden Tochter ihn um kriegerische Unterstützung bittet. Magolas verliebt sich sofort in die Prinzessin und gewährt elbische Hilfe.

Durch die Suche nach den Elbensteinen und die Hilfe Magolas ergeben sich viele reisende und nicht zuletzt auch kriegerische Bewegungen in diesem Buch. Aber dank der zu Anfang des Buches zu findende Landkarte des Zwischenlandes, verliert der Leser nicht so schnell den Überblick über die Reisen und neuen Länder.

Die Hauptcharaktere:

Alfred Bekker hat in dem zweiten Teil seiner Elben-Trilogie die im ersten Teil etwas vermissende Spannung und das Potenzial sehr gut ausgenutzt, vorteilhaft für das Buch umgesetzt und eine gute Dynamik in die Story gebracht. Der Leser taucht ein in eine fantastische Welt voller Spannung und Schlachten, welche unter zu Hilfenahme der abgedruckten Karte gut überschaubar und verfolgbar sind. Die gut gezeichneten Hauptprotagonisten König Kheandir mit seiner Gemahlin Ruwen, seinem Sohn Magolas und dessen Zwillingsbruder Andir, der in diesem Band eher noch eine untergewichtige Rolle spielt, und seinem weiteren engeren Gefolge erfahren ein Leben aufgrund des tollen facetten- und detailreichen Schreibstils.

Hierdurch wird der Leser regelrecht  in das so genannte Zwischenland mit seinen fantastisch beschriebenen Fantasiewesen und Schlachten entführt. Alfred Bekker wird nicht müde, dem Leser immer wieder neue, interessante Fantasiewesen dar zu bieten, um die von Anfang an gut aufgebaute Spannung nicht zu verlieren. Im Gegenteil, durch den gefühlvollen Einsatz und die Handlung dieser neuen Fabelwesen baut sich die Spannung immer weiter auf, sodass der Leser geneigt ist, das Buch erst am fantastischen finalen und doch nicht absoluten Schluss aus der Hand zu legen.

Copyright by Walter Gasper 2010

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Fullmetal Alchemist 17

Erstellt von Werner Karl am 24. Juli 2010

Hiromu Arakawa
Fullmetal Alchemist 17

Hagane no Renkinjutsushi, Vol. 17, Japan, 2007
Panini Comics, Stuttgart, 04/2010
TB, Planet Manga, Steampunk, Fantasy
ISBN 978-3-86607-934-0
Aus dem Japanischen von Burkhard Höfler

www.paninicomics.de
http://gangan.square-enix.co.jp/hagaren/
www.aniplex.co.jp/hagaren/
www.adultswim.com/shows/fullmetalalchemist/index.html
www.animecentral.com/series/series.aspx?ID=4
http://fullmetalalchemist.com.au/

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Die Brüder Ed und Al Elric wollten ihre verstorbene Mutter zurückholen durch eine verbotene Transmutation, für die sie teuer bezahlten. Al verlor seinen Körper, und Ed konnte den Geist seines Bruders nur dadurch an eine Rüstung binden, indem er einen Arm und ein Bein opferte, die durch Prothesen (Automails) ersetzt wurden. Zwar haben sie ihren Fehler erkannt, aber sie wollen wieder so werden wie zuvor. Der mysteriöse Stein der Weisen scheint die Antwort zu sein, aber je mehr sie über dieses Wundermittel erfahren, umso größer wird ihr Grauen. Der Stein ist der Lebensquell der nahezu unzerstörbaren Homunculi, doch um ihn herzustellen, müssen viele sterben.

Ihre Nachforschungen bringen die Elric-Brüder auf die Spur einer groß angelegten Verschwörung, die sich dem letzten Stadium nähert. Die Puzzleteile fallen langsam an die richtigen Stellen. Alles ist sehr viel schlimmer, als sie vermutet haben. Wem können die beiden noch vertrauen? Selbst das Militär wurde unterwandert, und Oberst Roy Mustang weiß bald nicht mehr, wie er sich und seine letzten Getreuen schützen soll. Trotz ihres vorsichtigen Agierens werden Ed und Al schon wieder unter Druck gesetzt, denn der Feind erpresst sie mit dem Leben ihrer Freundin Winry …

Nahtlos knüpft „Fullmetal Alchemist 17“ an den vorherigen Band an. Man sollte die Serie kennen und regelmäßig lesen, um zu verstehen, was hier passiert, denn die Geschehnisse bauen aufeinander auf. Hiromu Arakawa verzichtet auf Erklärungen und setzt voraus, dass man mit den verschiedenen Handlungsebenen und ihren Akteuren vertraut ist. Im Mittelpunkt der Ereignisse stehen die Elric-Brüder Ed und Al, deren Hintergrund Triebfeder ihres Handelns ist. Längst jedoch ist aus dem persönlichen Motiv sehr viel mehr geworden. Die Verschwörung zieht immer weitere Kreise und nahm ihren Anfang vor vielen Jahren. Der furchtbare Krieg gegen Ishbar war nur ein Teil des groß angelegten Planes, zu dem auch die Experimente mit den Homunculi gehören und in den einige hohe Militärs eingeweiht sind, die all jene, die etwas wissen, unter Druck setzen oder ermorden.

In Folge können Ed, Al, Mustang und ihre Freunde nur unter großen Schwierigkeiten versuchen, die Hintermänner aufzuspüren und ihnen das Handwerk zu legen. Die Zeit drängt, schon bald könnte es zu spät sein – und dann müssen noch viele Menschen mehr sterben. Aber Freund und Feind zu unterscheiden, wird immer schwieriger, denn die Verbrecher haben etwas zu bieten, dem kaum jemand widerstehen kann: die Unsterblichkeit. Wie so oft endet die Story mit einem Cliffhanger, so dass man die Fortsetzung kaufen muss, will man wissen, was Kimbly mit Winry vorhat, ob Ed und Al ihrer Freundin helfen können, was Skar als nächstes unternimmt und wie Mustang die neuesten Informationen nutzt. Es lohnt sich, der Serie auch weiterhin treu zu bleiben, denn sie ist hoch dramatisch und spannend.

Zwar lockern dann und wann kleine Scherze (wie z. B. der Running Gag, dass nicht Al in seiner Rüstung der „Fullmetal Alchemist“ ist) inklusive superdeformierter Abbildungen die ernste Handlung, aber sie halten sich in Grenzen, um die tragischen Geschehnisse nicht zu veralbern. Alles in allem ist „Fullmetal Alchemist“ ein spannender Steampunk-Manga, der sich an Leserinnen und Leser gleichermaßen wendet und durch eine intelligente Handlung positiv auffällt.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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Blue Sheep Dream 1

Erstellt von Werner Karl am 24. Juli 2010

Makoto Tateno
Blue Sheep Dream 1

(sfbentry)
Aoi Hitsuji no yume Vol. 1, Japan, 2006
EMA, Köln, 10/2009
TB, Manga, Boys Love, SF, Cyberpunk, Action
ISBN 978-3-7704-7127-0
Aus dem Japanischen von Costa Caspary

www.manganet.de
www.netlaputa.ne.jp/~tenhou/

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Um den Tod seiner ehemaligen Geliebten Maria zu rächen, folgt der junge Japaner Kai den Spuren in eine Stadt namens Sunrise. Die Metropole selbst ist jedoch finsterer, als der Name vermuten lässt. Zwei sich konkurrierende Konzerne, Saruto und Maina, haben die Stadt unter sich aufgeteilt. Weder die Polizei noch die Regierung kommt gegen deren Machenschaften an. Aus diesem Grund muss sich jeder, der dort lebt, für eine Seite entscheiden. Aufgrund seiner Rachegelüste landet Kai bei Saruto, da dort auch Ratri Vara, der Mann, der höchstwahrscheinlich Maria ermordete, eine leitende Position innehat. Kai versucht, näher an Ratri heranzukommen, um dessen Ring inspizieren zu können, der genauso aussieht, wie der von Maria. Beide Schmuckstücke haben einen Stein, der dem Auge eines Schafes ähnelt. Ist es derselbe Ring, hat Kai den Mörder gefunden.

Nachdem Kai seine Stärke unter Beweis gestellt hat, wird er der Bodyguard von Ratri und erhält ein zusätzliches Training. Von einem Freund erfährt Kai, dass Ratri schwul ist und will dies ausnutzen, um die gewünschten Informationen von ihm zu erhalten. Er hat Erfolg … Nachdem Ratri eingeschlafen ist, möchte sich Kai den Ring genauer ansehen. Ratri wacht verwirrt auf und fragt ihn nach seinen Beweggründen. Vor lauter Panik greift Kai nach Ratris Hals, um ihm im Notfall zu erwürgen, und erzählt ihm die Wahrheit. Durch eine List gelingt es Ratri, wieder die Oberhand zu gewinnen, und er zeigt Kai freiwillig seinen Ring. Dieser sieht aus wie das Auge eines lachenden Schafes, aber es ist nicht Marias Schmuckstück. Kai merkt, dass er einen Fehler gemacht hat und Ratri von ihm enttäuscht ist. Normalerweise könnte Kai jetzt nach Hause gehen, weil er seine Information bekommen hat, aber Schuldgefühle und Emotionen, die er selber nicht genau deuten kann, veranlassen ihn zu bleiben.

Makoto Tateno wurde in Toyama geboren. Später zog sie nach Tokio. Sie machte ihren Abschluss an der Oberschule Toyama-Nord. Zu Anfang war sie Assistentin anderer Zeichner. Ihr erster eigener Manga, „Yurarete Tamago Boys“, wurde 1986 im Magazin „Hana to Yume“ veröffentlicht. Andere Werke von ihr wie „Cute x Guy“ und „Yellow“ sind auch in Deutschland erschienen, gefolgt von „Martini for Two“, „Hero Heel“ und „Hate to Love You“ im Jahr 2008. Der Manga „Blue Sheep Dream“ ist eine Geschichte über verwirrte Gefühle, Kriminalität und Korruption. Die Story ist sehr gut dargestellt, da hier die Protagonisten zwar schwul sind, jedoch männlicher wirken als manche heterosexuellen Männer.

Trotz aller Härte und eiskalter Morde lässt die Autorin die Figuren auch weichere Gefühle haben, ohne dass es lächerlich oder übertrieben wirkt, z. B. als Ratri merkt, dass Kai nur mit ihm schläft, um den Mörder von Maria zu entlarven. In diesem Moment sieht man dem Charakter Angst, Trauer und Enttäuschung an, da Ratri trotz seiner Agenda wie alle Menschen einfach nur geliebt werden will.

Natürlich ist dies ein Manga speziell für Boys Love-Fans – mit attraktiven homosexuellen Männern, wie man schon am Cover sieht. Jedoch wird mehr gekämpft, als miteinander geschlafen, so dass man den Band auch als heterosexueller SF-Leser, der sich aus BL wenig macht, gut lesen kann. Es ist viel Action enthalten, und oft fließt Blut. Wer also nicht nur Homoerotik sondern auch Spannung will, sollte bei diesem Titel zugreifen.

Copyright © 2010 by Rowena Weddehage (RW)

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