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Archiv für August, 2010

Shakespeares Planet

Erstellt von Michael Drewniok am 31. August 2010

Clifford D. Simak
Shakespeares Planet

(sfbentry)
Originaltitel: Shakespeare’s Planet (New York : Berkley/Putnam 1976)
Deutsche Erstausgabe: März 1978 (Wilhelm Goldmann Verlag/Goldmann Science Fiction 23273)
Übersetzung: Tony Westermayr
Cover: Olof Feindt
159 S.
ISBN-13: 978-3-443-23273-4

Titel bei Booklooker.de

Das geschieht:

Vor knapp einem Jahrtausend startete das „Schiff“, um nach Planeten zu suchen, die von Menschen besiedelt werden könnten. Vier Besatzungsmitglieder ließen sich in einen Kälteschlaf versetzen. Doch die Schlafkammern erlitten auf der langen Reise einen Defekt. Nur Carter Horton konnte vom „Schiff“ gerettet werden. Inzwischen ist die Mission auf der Erde in Vergessenheit geraten, und Horton muss sich der Einsamkeit stellen. An seiner Seite steht nur Nicodemus, ein Roboter.

Unbeirrt hat das „Schiff“ gesucht und endlich einen Planeten gefunden, der den Kriterien entspricht. Dort stößt man auf einen intelligenten Bewohner: „Fleischfresser“ stellt sich Horton im Englisch des Elisabethanischen Zeitalters vor. Er habe es von einem Menschen namens Shakespeare gelernt, der wie er vor Jahren über einen „Tunnel zwischen den Sternen“ auf den Planeten gekommen, nach einem Defekt dieses Transportmittels hier gestrandet und inzwischen gestorben sei. Außer „Fleischfresser“ existiert eine körperlose Macht, die in der abendlichen „Gottstunde“ auf die Gehirne der Planetenbewohner zugreift.

Horton studiert die hinterlassenen Aufzeichnungen Shakespeares. Dieser gehört zu einer Generation, die lange nach Horton geboren wurde. Die Menschen haben die „Tunnel“ entdeckt, die Erde verlassen und sich im unendlichen Weltall verstreut. Auf die Erbauer der Tunnel sind sie nie gestoßen. Diese müssen aber noch präsent sein, denn Nicodemus entdeckt, dass der transdimensionale Zugang künstlich gesperrt wurde. Offenbar haust auf dem Planeten etwas Gefährliches. Horton findet Verdächtige – einen lebendigen, intelligenten ‚Teich‘ und einen in der Zeit eingefrorenen Drachen –, aber da weder er noch die inzwischen ebenfalls auf dem Planeten eingetroffene Tunnel-Forscherin Elayne das Rätsel lüften, kann das Böse ungehindert erwachen …

Die Spannung des ungelösten Rätsels

Der Mensch ist eine wissbegierige Kreatur; selbst die berüchtigte Couch-Kartoffel lässt sich mit dem Versprechen spannender Unterhaltung locken, wenn sie ihr Lager dafür nicht verlassen muss. Mit einem Buch (und der Fähigkeit des Lesens) ist dies problemlos zu gewährleisten – und eine Herausforderung, die in der Frage liest, wie der Schriftsteller Aufmerksamkeit erregen kann.

Das Rätsel ist ein unfehlbares Lockmittel, wenn es denn interessant gestellt und gelöst wird, wobei diese beiden Partizipien gleichzeitig Beginn und Finale eines Romans oder einer Geschichte markieren. Der Mittelteil widmet sich der Auflösung des Rätsels, was anfängliche Irrtümer und Sackgassen beinhaltet, bis die richtige Spur gefunden ist und die Handlung beschleunigt dem erwähnten Finale entgegen strebt.

Clifford D. Simak geht mit „Shakespeares Planet“ einen anderen Weg, der sich mit dem alten Sinnspruch „Der Weg ist das Ziel“ am besten beschreiben lässt. Das Mysterium des namenlosen Planeten ist faktisch nur ein „MacGuffin“, wie Alfred Hitchcock es genannt hätte: Es gibt dem Geschehen eine Begründung und hält es in Gang, ohne letztlich von besonderer Bedeutung zu sein. Folgerichtig wird uns nur beschrieben, was auf dem Planeten vor sich geht, ohne dass uns der Verfasser über die tatsächliche Bedeutung aufklärt. Es bleibt bei Andeutungen, die der Leser letztlich selbst zu einem (möglichen) Bild zusammensetzen muss.

Ein Köder für die Bestie (= den Leser)

In der Tat ist das Rätsel von Shakespeares Planeten vom Verfasser primär als Köder für seine Leser gedacht. Eigentlich will Simak philosophisch werden und über die Zukunft des Menschen sinnieren. Diese wirft sicherlich spannende Fragen auf, deren Antworten womöglich nicht mit aus allen Rohren feuernden Raumschiffen oder Gehirne fressenden Weltraum-Monstern konkurrieren können. Als erfahrener Autor geht Simak deshalb auf Nummer Sicher: „Shakespeares Planet“ bietet Unterhaltung und Tiefsinn. Außerdem verteilt er die gewichtige Frage auf unterschiedliche Handlungsstränge und vermeidet es, uns mit der vollen Wucht seiner evolutionären Theorien zu konfrontieren.

Im Mittelpunkt steht Carter Horton, der gleichzeitig das lebende Bindeglied zwischen der ‚vergangenen‘ und der ‚zukünftigen‘ Menschheit darstellt. Horton hat sich in einer erdweiten Krisensituation bereiterklärt, auf eine Expedition zu gehen, die sich nunmehr als völlig sinnlos sowie vergessen herausstellt. Horton muss versuchen, sein Leben völlig neu zu orientieren. Die Ereignisse auf Shakespeares Planeten helfen ihm bei dieser ihm anfänglich unmöglich erscheinenden Aufgabe.

Unterstützung erfährt Horton durch die schriftlichen Aufzeichnungen Shakespeares. Sie bringt ihm zumindest im Umriss die tausend Jahre Menschheitsentwicklung näher, die er verschlafen hat. Unmittelbar mit dem ‚neuen‘ Menschen kommt Horton in Kontakt, als die Tunnelforscherin Elayne auf den Planeten gelangt. Nur in der Kombination der Informationen, die er auf diese Weisen erhält, kann sich Horton zusammenreimen, wie die Gegenwart beschaffen ist, in die es ihn verschlagen hat.

Dramen im Hintergrund

Während Horton, Nicodemus, „Fleischfresser“ und Elayne die Rätsel des Planeten ergründen wollen, spielt sich von ihnen unbemerkt ein ‚stilles‘ Drama ab: Das vor tausend Jahren auf der Erde gestartete Raumschiff ist keine reine Maschine. Es wird von drei Gehirnen gesteuert. Drei Menschen – eine Politikerin, ein Wissenschaftler und ein Mönch – haben ihre Körperlichkeit aufgegeben. Die Theorie kündigte an, dass sie ihre Individualität aufgeben und zu einem superintelligenten Über-Hirn zusammenfinden würden. Stattdessen sind die Gehirne Egos – und Egoisten – geblieben. Auch sie nutzen den Aufenthalt auf Shakespeares Planeten, indem sie in langen Diskussionen ihre Koexistenz auf eine neue Ebene stellen wollen: Das „Schiff“ sucht wie Horton einen Platz in der Gewaltigkeit des Universums. Die daraus resultierende Auseinandersetzung ist so intensiv, dass die drei Gehirne gar nicht bemerken, was auf dem Planeten vor sich geht.

„Fleischfressers“ sieht sich in einer ganz ähnlichen Notlage wie Horton gefangen. Ihm, dem Jäger, macht die Isolation des Planeten zu schaffen, die ihn seiner Bestimmung beraubt. Anders als Horton, das „Schiff“ und selbst Elayne macht sich „Fleischfresser“ wenig Gedanken um die Situation. Er konzentriert sich auf die Problemlösung, die hier in einer ‚Reparatur‘ des Tunnels bestünde. Shakespeare hat sich heimlich über ihn und seinen scheinbar simpel gestrickten Geist lustig gemacht, was „Fleischfresser“ durchaus bemerkt aber nicht geahndet hat. Er findet schließlich seine Erfüllung, als sich im planetaren Rätsel eine Nische für ihn auftut.

Einen weiteren ‚Gast‘ des Planeten lernt Horton im intelligenten „Teich“ kennen. Nach anfänglichen Missverständnissen gelingt zumindest eine oberflächliche Kommunikation zwischen zwei fremden Lebensformen. Die daraus gezogenen Erkenntnisse helfen Horton bei der Neuausrichtung seines Lebens.

Der Mensch und die Zukunft

Clifford D. Simak hat sich viele Gedanken über den zukünftigen Weg des Menschen gemacht und die in diesem Zusammenhang auftauchenden Fragen immer wieder als Schriftsteller thematisiert. Wohl am intensivsten ist ihm dies in seinem berühmten „City“-Zyklus gelungen, einer Sammlung von neun zwischen 1944 und 1973 entstandenen Erzählungen (dt. „Als es noch Menschen gab“), die chronologisch im ausgehenden 20. Jahrhundert einsetzen und Schlaglichter auf die Entwicklungen der nächsten Jahrzehntausende werfen.

„Shakespeares Planet“ geht quasi einen Schritt weiter. Der Mensch von Hortons Zukunft hat den eigenen Heimatplaneten hinter sich gelassen. Die Evolution hat ihn – womöglich zu früh – in einen Kosmos stürmen lassen, der ihn aufnahm und verschlang. Nun gibt es nicht „die Menschheit“ mehr, sondern nur mehr isolierte Menschengruppen, die voneinander in der Regel nichts mehr wissen. Diese Zersplitterung ist Schicksal und Möglichkeit gleichzeitig: In einer Welt, die sich selbst verloren hat, sind selbst in Zeit und Raum Verlorene wie Horton und das „Schiff“ ihres Glückes Schmiede.

Obwohl die Protagonisten von „Shakespeares Planet“ einander verlassen oder sogar sterben, wirkt dieser Ausklang sacht optimistisch. Simak ist kein Freund drastischer ‚Lösungen‘. Mit dem Ende des Romans haben sich die Probleme und Nöte seiner Figuren keinesfalls in Wohlgefallen aufgelöst. Aufgetan haben sich immerhin alternative Wege zu deren Bewältigung. In diesem Prozess liegt die eigentliche Spannung der Handlung. Deshalb kann Simak auf „Action“ konsequent verzichten und die Humanität in den Vordergrund stellen, um es vereinfachend auszudrücken.

Er geht damit ein Risiko ein. „Shakespeares Planet“ gilt auch der Kritik als spätes ‚Nebenwerk‘. Tatsächlich gelingt dem Verfasser die Kombination von Unterhaltung und Gedankentiefe nicht so perfekt wie z. B. 1963 in „Way Station“ (dt. „Raumstation auf der Erde“). Der grundsätzliche Tenor wird dennoch deutlich. Der typisch simaksche, d. h. einfache aber keineswegs simple Erzählstil trägt zur Lesbarkeit beträchtlich bei. Zudem walzt der Verfasser – angenehm puristisch in der Frage nach der Tragfähigkeit einer Plot-Idee – seine Geschichte nicht über Gebühr aus, sondern kommt nach 160 Seiten zu einem angemessenen Ende.

Autor

Clifford Donald Simak wurde am 3. August 1904 in Mil(l)ville, einem Städtchen im Südwesten des US-Staates Wisconsin, geboren. Naturwissenschaft und Journalismus waren seine frühe und lebenslange Leidenschaft. Simak studierte an der Universität von Wisconsin und wurde 1922 zunächst Lehrer. 1929 wagte er den Absprung und wurde für diverse Zeitungen des Mittelwestens tätig. Ab 1939 war er fest beim „Minneapolis Star“ angestellt, wo er bis 1976 blieb und u. a. die Wissenschaftsbeilage betreute.

Der junge Simak war von den Science-Fiction-Magazinen fasziniert, die in den 1920er Jahre erschienen. Er wurde bald selbst schriftstellerisch aktiv. Eine erste Kurzgeschichte erschien 1931 in Hugo Gernsbacks „Wonder Stories“. 1938 wechselte Simak als Autor zu „Astounding Science Fiction“. Unter dem charismatischen Herausgeber John W. Campbell jr. (1910-1971) begann er seine eigene Stimme zu finden. In den nächsten Jahren entstanden jene Storys, die 1952 zum „City“-Zyklus zusammengefasst wurden.

Obwohl Simak zu den Gründervätern der Science Fiction gezählt wird, begann seine eigentliche Karriere erst nach dem II. Weltkrieg. Der Autor sperrte sich gegen aktuelle Modeströmungen und blieb ‚seiner‘ SF treu. Einfache Männer bilden seine Hauptfiguren: Handwerker, Journalisten, Lehrer, oft am Rande der Gesellschaft lebend, etwas verschroben aber aufgeschlossen, tolerant und neugierig (sowie in der Regel begleitet von einem Hund). Gern lässt Simak das Fremde in den vertrauten Landschaften des Mittelwestens auftauchen, wo außerhalb der großen, anonymen Städte Männer und Frauen in übersichtlichen Gemeinschaften leben und gesunder Menschenverstand allemal über weltfremdes Spezialistentum gestellt wird.

Mit seinen ‚pastoralen‘ SF-Werken schuf sich Simak eine literarische Nische, in der er sich behaglich einrichtete. Selbst die eifrigen und manchmal eifernden Vertreter der „New Wave“, die Ende der 1960er Jahre der SF grundlegende neue Impulse gaben, ließen ihn in Ruhe. Schon 1973 wurde Simak in die „Science Fiction Hall of Fame“ aufgenommen. In den 1970er Jahren erweiterte er sein Repertoire und verfasste erfolgreiche Fantasy-Romane. Erst sein Tod am 25. April 1988 in Minneapolis setzte dieser erstaunlichen, fast sechs Jahrzehnte umspannenden Karriere ein Ende.

[md]

Titel bei Booklooker.de

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Star Trek: Nero

Erstellt von Werner Karl am 31. August 2010

Robert Orci, Alex Kurtzman, Mike Johnson, Tim Jones
Star Trek: Nero

Star Trek: Nero, Paramount, USA, 2009
Cross Cult, Ludwigsburg, 05/2010
SC, Comic, SF, Action
ISBN 978-3-941248-48-9
Aus dem Amerikanischen von Christian Langenhagen
Titelillustration und Zeichnungen von David Messina

www.cross-cult.de
www.startrek.com
http://davidmessinart.blogspot.com/

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Begleitend zum neuen „Star Trek“-Film, der das Franchise nachhaltig verändern sollte, sind auch eine ganze Reihe von Comics erschienen. Während „Countdown“ die Vorgeschichte erzählt, widmete sich „Spock“ den letzten Jahren des Halbvulkaniers, der noch einmal aktiv in die Geschichte eingriff. „Nero“ beschäftigt sich nun mit der Zeit, die der Romulaner zusammen mit seiner Besatzung in der Vergangenheit verbrachte, um auf die Rückkehr von Spock zu erwarten.

Nach dem Kampf mit der U.S.S. Kelvin und dem Kamikazeflug von George Kirk hat auch Neros Schiff schwere Schäden davon getragen. Die Überlegung ist nun, den Racheplan weiter zu verfolgen oder aufzugeben und nach Romulus zurückzukehren, um dort im Verborgenen die Katastrophe aufzuhalten. Zum Reparieren des Schiffes kommen sie allerdings nicht, da kurz nach der Schlacht bereits Klingonen-Kreuzer auftauchen und das kampf- und relativ manövrierunfähige Schiff aufbringen. Auch Gegenwehr nutzt nicht viel, da die Männer viel zu geschwächt und geschockt von dem sind, was sie durchgemacht haben. Nero und seine Crew werden nach Rura Penthe gebracht. Man foltert sie, um mehr über die Geheimnisse des weit fortentwickelten Schiffes zu erfahren, doch niemand verrät wirklich etwas, vor allem nicht der Kommandant. Mehr als zwanzig Jahre werden die Romulaner gefoltert und gedemütigt. Aber getreu dem Sprichwort, dass alles, was einen nicht umbringt, umso stärker macht, geben sie sich nicht auf. Schließlich gelingt ihnen mit einem menschlichen Gefangenen die Flucht auf ihr Schiff. Doch können sie wirklich entkommen …?

„Nero“ ist der Versuch, auch dem Bösewicht des Films einen Hintergrund zu geben und damit seine Handlungsweise plausibler zu machen. Allerdings gelingt das nur bedingt. Man kann zwar seinen Schmerz über den Verlust von Frau und Kind nachempfinden und die unbändige Wut verstehen, die ihn am Leben erhält, aber das ganze bleibt recht oberflächlich und wirkt ziemlich aufgesetzt. Die Autoren gehen bei der ganzen Sache nicht über gängige Klischees hinaus und füllen die Seiten lieber mit fruchtlosen Drohungen seitens der Klingonen, um wenigstens etwas Spannung in die Geschichte zu bringen. Letztendlich ist man nach der Lektüre nur in einem schlauer und versteht nun, warum die Romulaner nicht schon früher die Macht ihres Schiffes eingesetzt und sich so lange still verhalten haben und warum sie nur noch Rache und Vergeltung wollen, aber im Grunde dann doch nicht mehr weiter leben.

„Nero“ füllt damit zwar einige Lücken aus dem Film, aber wirklich befriedigend ist die Geschichte nicht, zumal es auch einige kleine Logikfehler gibt. Wenn die Klingonen das Schiff gut zwanzig Jahre in ihren Klauen hatten, warum sind dann keine Spuren von ihnen auf dem Schiff zu finden? Warum haben sie nicht alles, was nicht niet- und nagelfest war, entfernt?

Insgesamt erweist sich „Nero“ als wenig überzeugender Zusatz zum Film. Dem Comic fehlt es vor allem an Tiefe, an weiteren Hintergründen, die man sich nicht schon selbst denken kann, und lässt zudem auch ein wenig Spannung vermissen. Eingefleischte Fans werden sich sicherlich freuen, viele andere aber enttäuscht sein, dass der Band nicht wirklich neue Informationen enthüllt.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

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Die Gesellschaft des Abendsterns

Erstellt von Werner Karl am 31. August 2010

Brandon Mull
Fabelheim – Die Gesellschaft des Abendsterns

(sfbentry)
Originaltitel: Rise of the Evening Star (2008)
Ins Deutsche übertragen von Hans Link
München: Verlagsgruppe Random House 2010
Penhaligon Tradepaperback
445 Umfang Seiten
ISBN 978-3-764-53035-8

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Der vorliegende Roman ist der zweite, in sich abgeschlossene Roman um die Abenteuer der Geschwister Kendra und Seth, die vor kurzem entdeckt haben, dass auf dem riesigen Gut, auf dem ihre Großeltern leben, Fabelwesen zu Hause sind und dass Magie tatsächlich funktioniert.

Aktuell steht das Ende des Schuljahrs an und Kendra bereitet sich darauf vor, in die High School zu wechseln, während der zwei Jahre jüngere Seth sich gerade in der Middle Scholl etabliert hat. Wenige Tage vor Schuljahresende wird plötzlich ein neuer Schüler in Kendras Klasse versetzt, den das Mädchen schnell als Fabelwesen identifiziert, denn während sie einen hässlichen, entstellten Gnom wahrnimmt, verlieben sich ihre Freundinnen gleich in den gutaussehenden Neuen. Auch Seth meint einen ganz normalen Mitschüler wahrzunehmen, da Kendra jedoch in ihrem ersten Abenteuer in Fabelheim von den Feen berührt wurde, kann der Zauber des Neuen sie nicht täuschen.

Doch der neue Mitschüler erweist sich bald als Gefahr für ihre Freundinnen, so dass Kendra, Seth und ein älterer Magier, der sich als Freund des Großvaters vorstellt, etwas gegen ihn unternehmen wollen. Doch der neue Magierfreund erweist sich bald als Mitglied der intriganten Gesellschaft des Abendsterns, welche alle bösen Dämonen befreien und für sich nutzen möchte und die zudem die Zerstörung aller magischen Enklaven anstrebt. Bevor die Geschwister wissen was ihnen passiert, lastet ein schwerer Fluch auf Seth und den beiden gelingt nur mit Mühe die Flucht nach Fabelheim. Doch auch hier ist ein Verräter am Werk und bald ist die Existenz von Fabelheim akut gefährdet, wenn es den beiden Jugendlichen nicht gelingt, sowohl Seths Fluch als auch den eines schauerlichen Widergängers zu lösen, der bei allen Lebewesen extremste Ängste und Entsetzen auslöst…

Auch der zweite Band der Serie ist unterhaltsam, abenteuerlich und geschickt konstruiert, was jedoch nicht darüber hinweg täuscht, dass die Geschichte etwas zu lang geraten ist. So gelingt es dem Autor leider nicht, die Spannung durchgängig aufrecht zu erhalten und gerade am Ende des ersten Drittels hat der Roman erhebliche Längen. Etwas enttäuschend ist auch die fehlende Weiterentwicklung der Charaktere. Die neu eingeführten Figuren bleiben blaß und klischeehaft, die bekannten Protagonisten verharren auf dem Stand des ersten Abenteuers, und speziell in diesem Punkt hätte man vom Autor etwas mehr Mut und Initiative erwarten dürfen. Dass trotzdem Spannung aufkommt, liegt an einigen guten Ideen des Autors, so sind vor allem die beschriebenen Zaubertränke oder auch das Auftauchen des gruseligen Widergängers Highlights der Geschichte.

Der etwas übertriebene Showdown am Ende des Buchs ist dagegen Geschmackssache. Jugendliche Leser werden wahrscheinlich begeistert sein über die Action, wer sich jedoch im Genre auskennt wird wohl eher zurückhaltend auf die völlig überzogene und unglaubwürdige Zurschaustellung martialischer Klischees reagieren. Hier macht sich dann eher Enttäuschung breit.

Insgesamt ist der zweite Roman um Fabelheim leider nicht ganz so gut und gelungen wie der erste Band. Trotzdem ist Fabelheim – Die Gesellschaft des Abendsterns noch immer gut lesbar und meistenteils auch spannend, so dass die Lektüre empfohlen werden kann. Es bleibt jedoch zu hoffen, dass dem Autor Brandon Mull in seinem dritten Band der Serie wieder mehr einfallen wird, er auch den Figuren wieder mehr Zeit und Energie widmet, um Längen besser zu überbrücken und das Niveau anzuheben. 

Copyright © 2010 by Gunther Barnewald

Titel erhältlich bei buch24.de
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Worldshaker

Erstellt von Günther Lietz am 30. August 2010

Richard Harland
Worldshaker

(sfbentry)

Jacoby & Stuart, Hardcover (2010)
Aus dem australischen Englisch übersetzt von Werner Leonhard
Titelillustration von Hans Baltzer
397 Seiten, ab 13 Jahren
ISBN 978-3-941787-07-0

http://jacobystuart.de
http://www.richardharland.net/

In einer alternativen Gegenwart haben sich die großen Nationen der alten Welt in sogenannte Juggernauts geflüchtet. Diese Weltenschiffe befahren unaufhörlich die Erde. Einer dieser Juggernauts ist der britische Worldshaker, der seit Generationen von der Familie Porpentine kommandiert wird. An Bord herrscht eine strenge viktotorianisch imperialistische Weltordnung. Dieser von Dampfkraft angetriebene mobile Staat folgt seiner eigenen Gesellschaftsnorm. Oben lebt die Elite, unten hausen die Arbeiter, sogenannte Dreckige, denen ein Recht auf Leben und Entscheidungsfreiheit genommen wird.

Col ist der Enkel des amtierenden Kommandanten und sieht einer aufregenden Zukunft entgegen. Er ist mit seinen sechzehn Jahren jung und idealistisch, glaubt an hehre Grundsätze, Moral und Ethik. Da poltert eines Nachts die Dreckige Riff in sein Zimmer, gerade mal vierzehn Jahre alt, aber wild, entschlossen und um vieles reifer als Col. Der versteckt Riff wider besseren Wissens und so beginnt eine merkwürdige und gefährliche Bekanntschaft, die vor allem Cols Leben radikal verändert. Durch die Pläne seiner Familie, seine Ausbildung und schlussendlich auch Riff, blickt er hinter den Spiegel der herrschenden Gesellschaft und erkennt die bittere Wahrheit, die den Juggernaut antreibt …

Mit „Worldshaker“ hat der in England geborene und in Australien lebende Autor Richard Harland 2009 einen Jugendroman geschrieben, der bereits von der ersten Seite an die Leser in seinen Bann zieht. Bereits 2010 präsentiert der Berliner Verlag Jacoby & Stuart eine gelungene Übersetzung des Buchs.

Im Zentrum der Geschichte stehen Col und Riff, zwei junge Leute. Es handelt sich um sehr gegensätzliche Persönlichkeiten, die sich trotzdem zueinander hingezogen fühlen. Das sind natürlich klassische Elemente der Literatur. Und ebenso klassisch sind auch die grundlegenden Probleme der beiden Jugendlichen. Col ist älter als Riff und auf dem Sprung ins Erwachsenwerden. Zuerst ist das für ihn sehr verführerisch, doch dann sieht und fürchtet er die dunklen Geheimnisse, die damit verbunden sind. Er kommt aus einer heilen Welt, ist wohlbehütet und muss nun die Erwartungen erfüllen, die mit ihm verbunden sind. Auf der anderen Seite steht nun Riff, rebellisch, verführerisch – um einiges erwachsener – und mit dem Apfel der Erkenntnis in der Hand. Ja, denn schlussendlich präsentiert Harland hier die Geschichte von Adam und Eva, nur sehr geschickt verpackt.

Wie Adam seiner Eva, so unterliegt Col seiner Riff, nascht vom Apfel und zieht den Zorn Gottes auf sich – mit allen damit verbundenen Konsequenzen. Die grundlegenden Züge der Geschichte sind also bekannt, elementar und beschäftigen Heranwachsende seit Menschengedenken. So ist es nachvollziehbar, dass sich die Leserschaft in den Helden wiedererkennt. Die Jugend steckt mitten in einem solchen Wandel, die Älteren werden sich erinnern. So ist „Worldshaker“ zwar ein Jugendbuch, funktioniert aber generationsübergreifend.

Die eher altbackene Geschichte von Col und Riff wäre an sich langweilig, doch Richard Harland steckt seine Protagonisten in eine äußerst ansprechende Kulisse, die der ganzen Sache die richtige Würze gibt und selbst zum Spannungsträger wird. So sorgen die gesellschaftlichen Normen an Bord der Worldshaker bereits für Konfliktpotenzial. Sehr authentisch beschreibt Harland die Vorgänge auf dem Juggernaut, das Denken, Handeln und die Motivation seiner Figuren. Das Ganze ist sehr schlüssig umgesetzt und läuft erst zum Ende hin ein wenig aus dem Ruder.

Neben den Figuren punktet der Autor auch mit der Umgebung. Seine Alternativwelt steckt voller Geheimnisse, dunkler Ecken und Merkwürdigkeiten. Überall dampft und zischt es, betont Harland aber auch den Kontrast zwischen Oben und Unten, zwischen Sauber und Dreckig. Eine der Nebenfiguren hat gar eine Obsession gegen das Dreckige in der Welt. Auch die Vorstellung von solch gigantischen Weltenschiffen ist ebenso atemberaubend wie aberwitzig. Vor allem der gereifte Leser wird die Unmöglichkeit der Existenz solcher Juggernauts rasch erkennen, doch zuliebe der wunderbaren Geschichte beiseite schieben.

Der Stil Harlands ist sehr gelungen. Der Text liest sich mit ernstem, aber trotzdem jugendlichen Ton. Die Handlung ist äußerst spannend und hervorragend konstruiert. Sämtliche Krisen der beiden Hauptfiguren sind gut pointiert und es gibt einen hervorragenden Wechsel in der Dramatik, die sich zum Ende hin natürlich zuspitzt. Im Finale beginnt Harland ein wenig zu schwächeln, jedenfalls auf der literarischen Seite. Zum großen Ende hin überzeichnet er einige seiner Figuren, nimmt ihnen gar den subtilen Horror ihrer Handlungen. Das ist sicherlich ebenfalls im Aufbau der Geschichte begründet, der sehr durchdacht ist und sich hervorragend für eine spätere Verfilmung eignet – inklusive dem furiosen Abgang, der leider schwächelt und – nach Reflektion der Ereignisse – Col als unreifen Helfershelfer dastehen lässt. Schrieb Harland bis zum Finale vorausschauend und nachhaltig, so verschob er den Fokus zum Ende hin.

Dennoch ist „Woldshaker“ ein spannender und unterhaltsamer Jugendroman, der eine sehr eindringliche und atemberaubende Atmosphäre besitzt. Die deutsche Übersetzung von Werner Leonhard ist hervorragend und wird dem Stoff gerecht. Vor allem in Anbetracht einiger kniffligen Stellen wie dem Leseunterricht. Die Aufmachung des Hardcovers ist ebenfalls gelungen, was vor allem an der Titelillustration von Hans Baltzer liegt, und neben dem Inneren des düsteren Juggernauts auch die beiden Helden als Schattenriss zeigt. Sehr schick!

Jacoby & Stuart gibt für den Romane eine Altersempfehlung ab dreizehn Jahren an. Lesbar ist „Worldshaker“ damit allemal, doch das Verständnis der gesellschaftlichen Stellungen – und der sexuellen Anspielungen in diesem Kontext -, entfaltet sich erst ein wenig später. Ab fünfzehn Jahren wäre angemessen, um die Geschichte in ihrer ganzen Bedeutung zu verstehen, zumal in diesem Alter auch eine entsprechende historische Vorbildung durch die Schule stattfand. Auch die Altersproblematik der beiden Hauptfiguren wird dann verständlicher.

Schlussendlich ist „Worldshaker“ ein gelungener Roman mit nur kleinen Schwächen, über die getrost hinweggelesen werden kann. Eine klare Empfehlung!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Titel bei Buch24.de

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Glaub mir, es muss Liebe sein

Erstellt von Werner Karl am 30. August 2010

Gabriele Diechler
Glaub mir, es muss Liebe sein

Gmeiner Verlag
ISBN 978-3-8392-1107-6
(Frauen) Roman
1.Auflage 12.07.2010
Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgart
Umfang: 276 Seiten, Paperback

www.gmeiner-verlag.de
www.gabriele-diechler.at

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Zur Autorin:

Gabriele Diechler wurde 1961 in Köln geboren und lebt heute als erfolgreiche Drehbuchautorin in Seewalchen am Attersee. Neben ihrer Arbeit für ARD und ORF schreibt sie seit vielen Jahren Kinderbücher. Mit “Glaub mir, es muss Liebe sein” veröffentlicht sie ihren 2.Roman im Gmeiner-Verlag.

Zur Handlung:

Franziska verlässt mit ihrer 12-jährigen Tochter ihren Ehemann Thomas, der Ihr Vertrauen durch zwei Affären missbraucht hat. Sie kommt bei ihrem ehemaligen Schulfreund David unter, der zurück gezogen in einem Haus am Tegernsee lebt. Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, beginnt Franziska zu schreiben und erhält Aufträge für Drehbücher. Erfolgreich in ihrem Job, bereist sie mehrere Städte, um geeignete Plätze zu finden oder die Stimmungen in den entsprechenden Orten zu ihrer Inspiration auf sich wirken zu lassen.

So, wie sie in ihrem Job auf der Suche ist, sucht sie parallel immer wieder sehnsüchtig und rastlos für sich nach der Liebe und lernt hierbei einen Mann nach dem nächsten kennen. Doch Franziska erkennt meist schnell, dass diese  allesamt meist nicht für ihre Vorstellungen der Partnerschaft geeignet sind. Ihre Bekanntschaften unterscheiden sich sehr in ihrem Wesen, teils gerät sie an sehr verkorkste Existenzen und problembehaftete Einzelgänger, die Franziska letztendlich nicht das geben können, wonach sie sucht: Die große Liebe…

Mein Fazit:

Bisher kenne ich nur ein Buch von Gabriele Diechler aus dem Bereich Krimi. Hier wird jetzt von der Autorin ein bekanntes Thema aus einem anderen Genre aufgegriffen: Das Suchen und Finden der (großen) Liebe. Das Suchen scheint einfach, Finden ist jedoch ? wie könnte es auch anders sein ? schon einiges problematischer. Die Geschichte von Franziska ist eigentlich sehr melancholisch, denn man stellt sich des Öfteren die Frage, was die große Liebe wirklich ausmacht. Gibt es sie überhaupt? Die Schreibweise ist einfühlsam und sensibel, aber vermittelt mit Verlauf der Affären und des Kennenlernens männlicher Wesen auch ein wenig Hoffnungslosigkeit, bevor Franziska erkennt, was ihr selbst wichtig sein muss und fehlt, und worauf es hierbei wirklich ankommt. Die zahlreichen sehnsüchtigen Abenteuer von Franziska scheinen sie ihrem Ziel jedoch näher zu führen, ohne dass sie es selbst zunächst merkt. Denn die eigene Einsicht ist das größte Gut im Leben…

Für mich ist dieses Buch ein richtiger Frauenroman, liebevoll erzählt, aber auch den “Tatsachen ins Auge blickend”. Im Resümee ist es wirklich so, dass man erst sich selbst finden und kennen lernen muss, um glücklich sein. Sonst bleibt die Suche hoffnungslos. Doch wer hat dazu schon die Zeit und Muße? Daher musste ich an vielen Stellen doch schmunzeln, auch die Beschreibung und Charaktere von Franziskas zahlreichen Bekanntschaften sind sehr außer- und ungewöhnlich, aber auch leider erschreckend realistisch.

Weitere bisher erschienene Bücher im Gmeiner Verlag:
Engpass (Elsa Wegeners erster Fall) im Genre Kriminalroman, erschienen im Februar 2010 (3xPRT)

Copyright © 2010 by Sandra Stockem

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

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Götter der Nacht

Erstellt von Werner Karl am 30. August 2010

David Mack
Götter der Nacht
Star Trek Destiny 1

Cross Cult Verlag, 2010
Originaltitel: Star Trek – Destiny: Gods of night (2008)
Science Fiction, Taschenbuch
ISBN 978-3-941248-83-0
Umfang: 418 Seiten
Übersetzerin: Stephanie Pannen
Cover Artwork: Martin Freitag

www.cross-cult.de
www.startrekromane.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Vorwort:

Star-Trek-Romane gibt es mittlerweile in einer Vielzahl, welche es selbst eingefleischten Fans schwer macht, da den Überblick zu behalten. Da auch noch die Buchrechte zu einem Wanderpokal geworden sind, sei hier – zumindest für den Verlag Cross Cult – eine kleine Übersicht gestattet:
Star Trek – The Next Generation: aktuell 5 Romane; ab Band 1: „Tod im Winter“
Star Trek – Deep Space Nine: aktuell 5 Romane; ab Band 1: „Offenbarung, Buch I“
Star Trek – Vanguard: aktuell 5 Romane; ab Band 1: „Der Vorbote“
Star Trek – Titan: aktuell 4 Romane; ab Band 1: „Eine neue Ära“
…und schließlich nun: Star Trek – Destiny startet mit diesem Roman. (Esri Dax hat seltsamerweise auf meinem Buch eine andere Frisur?!)

Entgegen anderen Verlagen prangt auf dem Buchrücken deutlich eine 1 und der Klappentext weist ebenfalls auf die Minireihe und die Bandnummer hin. Dafür schon mal vielen Dank. Die Vorgehensweise anderer Verlage solche Serien-Bezeichnungen schon fast schamhaft zu verschweigen, gar zu verstecken, gründet auf der Angst, der ratlose Buchkäufer würde sich durch eben dieser Bezeichnung vom Kauf abhalten lassen. Ich sage: Das Gegenteil ist der Fall (siehe hierzu auch). Doch was tun, wenn Langzeitserien – eben wie Star Trek – Seiteneinsteiger überfordern? Cross Cult liefert hier anschaulich – und angenehm – die Antwort: Miniserien. Destiny ist als Trilogie konzipiert, zumindest behauptet das der Autor in seiner Danksagung und ich hoffe, es bleibt auch dabei. Nicht wegen der Qualität der Geschichte – die ist gut, so viel sei schon vorweg genommen -, sondern wegen eben o.g. Unübersichtlichkeit und erschwertem Einstieg.

Zum Buch:

Im Jahr 2381 steht die Föderation im Krieg. Eine neue Invasion des Borg-Kollektivs rollt an und noch immer hat die Menschheit als Gesamtes keine wirksame Abwehr gegen die riesigen Borg-Kuben, die eine Welt nach der anderen ansteuern und vernichten. Einzig die ENTERPRISE unter dem Kommando von Jean-Luc Picard verfügt über Transphasentorpedos, welche die mittlerweile verstorbene Admiralin Kathrin Janeway aus einer alternativen Zukunft der Föderation zugänglich gemacht hatte.

Doch die Führung der Sternenflotte hat allergrößte Bedenken, diese Technologie in allen Kampfschiffen der Föderation zu installieren. Die erschreckende und rasend schnelle Fähigkeit der Borg zur Assimilation fremder Technologie, würde diese einzig erfolgreiche Waffe rasch stumpf machen. Und so fällt eine Welt nach der anderen, Föderationsschiffe begehen verzweifelt Selbstmord, um wenigstens mit einem Kamikazemanöver das eine oder andere Borgschiff zu vernichten.

Über 200 Jahre zuvor – im Jahr 2156 – hat das Raumschiff COLUMBIA unter dem Kommando von Captain Erika Hernandez einen ganz anderen Kampf zu bestehen. Ein halbes Dutzend romulanischer Kriegsschiffe bedroht einen Konvoi, dessen einziger Schutz die COLUMBIA ist. Doch gleich zu Beginn wird die COLUMBIA durch ein romulanisches Computervirus dazu gebracht, den eigenen Konvoi samt hunderten Besatzungsmitgliedern vollständig zu vernichten. Die einzige Möglichkeit, der eigenen Zerstörung zu entgehen, ist ein unkontrollierter Warpsprung, der sie nur 1 Lichtjahr vom Kampfplatz wegbringen soll. Doch der Sprung schlägt fehl und die COLUMBIA landet in einer ganz anderen Region des Universums…

Und dort stoßen sie auf eine Welt mit einer haushoch überlegenen Intelligenz. Diese Caeliar beherrschen die Transwarptechnologie in einem Maße, wie die Menschheit es sich nicht vorstellen kann. Dumm nur, dass die Caeliar überhaupt nichts mit den jungen, barbarischen Völkern zu tun haben wollen, die gerade erst seit einigen Jahrhunderten Raumfahrt betreiben.

Picard, Riker, Hernandez und Ezri Dax, die Kommandantin der AVENTINE, kämpfen jeder in seiner Zeit gegen die Vernichtung der Menschheit durch die Borg. Und die Caeliar haben allen Grund, aggressive Primitivvölker zu meiden. Doch ein Teil eines Außenteams der COLUMBIA meutert und beschwört eine wirklich stellare Katastrophe herauf…

Fazit:

Mittlerweile sind auch bei Star Trek Zeitreisen und verschiedene Zeitebenen fester Bestandteil der Handlungen. Und gerade das ist ein weiterer Grund, solche Romane in der richtigen Reihefolge zu lesen. Ich habe „Götter der Nacht“ fast in einem Rutsch gelesen und es genossen.

Copyright © 2010 by Werner Karl (WK)

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Gift

Erstellt von Michael Drewniok am 29. August 2010

William C. Gordon
Gift

Originaltitel: The King of the Bottom; Erstveröffentlichung als: El rey de los bajos fondos (Barcelona : Ediciones El Anden 2008)
Übersetzung: Sepp Leeb
Deutsche Erstausgabe (Klappenbroschur): April 2009 (Verlag Hoffmann und Campe)
301 S.
ISBN-13: 978-3-455-40148-6

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Das geschieht:

Am Bogen über der Einfahrt zur eigenen Müllkippe hängt Armand Hapogian – tot, kastriert und mit vier in den Anzug gestopften Cola-Flaschen, die gefährliche Chemikalien enthalten. In diesem Jahr 1961 und in der Bay Area des US-Bundesstaates Kalifornien sind die Bestimmungen in Sachen Umwelt- und Arbeiterschutz nur rudimentär, weshalb diverse Müllmänner, die offen mit brisanten Giftabfällen hantieren mussten, unfruchtbar geworden sind oder ihre Kinder Geburtsschäden davontrugen.

Detective Lieutenant Bernardi vom Morddezernat des Richmond Police Departments übernimmt den Fall. Rasch schaltet sich Earl „Deadeye“ Graves ein. Der ehrgeizige Staatsanwalt will sich profilieren. Vier illegale mexikanische Arbeiter, die Hapogian gefeuert hatte, gelten aufgrund diverser Indizien als Hauptverdächtige. Für Graves stehen sie als Mörder fest, die er in die Gaskammer bringen will.

Doch Bernardi hält die ‚Beweise‘ für gefälscht. Während Graves ihm die Hände binden kann, stellen sich der idealistische Anwalt Janak Marachak und der Journalist Samuel Hamilton auf die Seite der Mexikaner. Sie recherchieren die Herkunftsgeschichte der Familie Hapogian, die nach dem I. Weltkrieg vor dem Völkermord der Türken und Kurden an den Armeniern flüchten mussten. Dabei finden sich Hinweise auf eine sorgfältig geheim gehaltene Geschichte von Verrat und Rache, der nun auch Joseph Hagopian, Armands Cousin, ähnlich grausig zum Opfer fällt.

Während Marachak den skrupellosen Graves mit Geschick und ein wenig List ausmanövrieren kann, bleiben die Morde ungeklärt, bis der Anwalt und der Journalist auch in dieser Sache weiterkommen und eine tragische Familienfehde aufdecken, die vor vielen Jahren und in einem fremden, fernen Land ihren Anfang nahm …

Andere Zeiten, ähnliche (Un-) Sitten

Zum zweiten Mal werden die ungleichen Freunde Janak Marachak und Samuel Hamilton im Großraum San Francisco der 1960er Jahre im Dienste der Gerechtigkeit aktiv. So lässt sich ihre Tätigkeit wohl am besten umschreiben, denn ‚richtige‘ Krimis bietet die 2007 vom William C. Gordon gestartete Reihe eigentlich nicht. Liegt es daran, dass der Verfasser daran scheitert, seine Geschichte/n glaubhaft in einer Vergangenheit zu verankern, deren naiven Geist er gleichzeitig (unfreiwillig) wiederauferstehen lässt?

Die hier anklingende Kritik richtet sich nicht gegen den Plot. Dieser ist nicht gerade raffiniert, was jedoch kein Nachteil sein muss. Allerdings tut Gordon des (nicht so) Guten deutlich zu viel: Er erzählt absolut eindimensional. Überrascht wird der Leser selten und höchstens, wenn die Story sich einer offenen Frage nähert, die ausführlich beantwortet wird, bevor es betulich weitergeht.

Stilistisch bleibt Gordon ebenfalls schlicht. Auch dies ist bis zu einem gewissen Grad kein Minus-Argument. Wäre „Gift“ ein Roman-Erstling, würde man dem Verfasser die eleganzfreie Handlungsstruktur, den unvollständigen Spannungsbogen und den hoch aber ungeschickt erhobenen Zeigefinger nachsehen. Doch dies ist Gordons zweites Werk. Er hätte es besser wissen und können müssen.

Bilderbuch-Helden und –Bösewichte

Die Vergangenheit wird dort, wo sich keine Kriege, Hungersnöte und andere menschgemachte Katastrophen orten lassen, gern als ‚unschuldigere‘ Zeit glorifiziert. Gordon schwelgt zwar in pädagogisch wertvollen Anklagen gegen Rassismus, Chauvinismus oder soziale Ungerechtigkeit, bleibt dabei jedoch erzählerisch einem Niveau verhaftet, das ihn als politisch korrekten Gutmenschen karikiert, der er sicherlich nicht sein möchte: Wenn ‚nichtweiße Minderheiten‘ – Armenier, Mexikaner, Chinesen – auftreten, schließt sich garantiert ein humanitärer Vortrag an, dem unsere Helden beschämt folgen, denn irgendetwas ethnografisch Unkorrektes haben sie stellvertretend für die Leser bestimmt ausgefressen!

Dabei sind sie faktisch viel zu gut, um wahr zu sein. Egal ob Anwalt, Journalist oder Polizist, sie gehen in ihrem jeweiligen Job auf, zahlen notfalls für Dienstreisen u. a. im Dienste der Wahrheit erforderliche Spesen selbst, die vernagelte Vorgesetzte und Redakteure nicht übernehmen wollen, und arbeiten rund um die Uhr, um verängstigte Mexikaner dem Würgegriff des erbarmungslosen Systems zu entreißen. Privat sind Hamilton, Marachak und Bernardi sensible Familienmenschen und rührend schüchtern im Umgang mit der holden aber starken Weiblichkeit.

Entsprechend – also kindlich – grimmig überzeichnet Gordon die Bösen in seiner Geschichte. Primär Earl „Deadeye“ Graves gerinnt ihm zur Witzfigur, die der Leser keine Sekunde ernst nehmen kann. Er sieht aus wie ein Trottel, spricht wie ein Zeichentrick-Schurke, und als er vor Gericht endlich gefährlich werden könnte, nimmt ihn Marachak nach allen Regeln der Kunst auseinander. Graves ist nie Gegner, und als er, der bisher das Geschehen entscheidend mitbestimmt hat, sein Pulver verschossen hat, nimmt Gordon ihn sang- und klanglos aus der Handlung.

„Und was nun?“ betitelt der Autor das neunte Kapitel, das der Gerichtsverhandlung folgt. Gute Frage, denn der tückische Staatsanwalt ist weg vom Fenster, die zu Unrecht angeklagten Arbeiter sind frei. Die Ereignisse stocken und nehmen dann einen gänzlich neuen Verlauf. Damit möchte Gordon offensichtlich Spannung generieren. Stattdessen verliert der Leser endgültig den Boden unter den Füßen.

In der ungeschickt angestückelter Auflösung der Hapogian-Morde zaubert der Autor die Täter förmlich aus dem Hut. Sie gehörten nie zu den Verdächtigen. Mit keiner Silbe fanden sie bisher Erwähnung. Folglich lassen ihre (zudem denkbar unspektakuläre) Entlarvung und die Erklärung für ihr mörderisches Tun kalt. Es kommt noch schlimmer: Nachträglich denunziert Gordon Armand Hapogian als kaltherzigen Sadisten, der sein Schicksal verdient hat. Auf diese Weise versucht er, Mitleid und Verständnis für die Täter zu wecken. Dies scheint ihm in letzter Sekunde eingefallen zu sein, und so wirkt dieses Ende auch: plump angeflanscht.

Historienkrimi außerhalb der Zeit

„Gift“ spielt 1961. Fände dieses Datum nicht mehrfach Erwähnung, würde es der Leser vergessen, denn Zeitkolorit geht dieser Geschichte völlig ab – eine Todsünde für einen Historienroman! Wieso geht Gordon in die Vergangenheit zurück, wenn er diese nie als handlungsimmanenten Faktor und nicht einmal als simple Kulisse einsetzt? Man benutzt keine Handys und recherchiert nicht per Internet. Ansonsten fallen dem Leser zwischen der Welt von 1961, wie Gordon sie beschreibt, und der Gegenwart keine besonderen Unterschiede auf.

Hin und wieder scheint der Verfasser selbst zu merken, dass er den Zeitpunkt des Geschehens markieren muss. Dann nennt er einige Preise von Gestern oder weist gleich mehrfach darauf hin, dass Fotografen Blitzlichtwürfel verwenden. Der Plot führt ebenfalls keine Wende herbei. Der Auslöser für die beschriebene Fehde liegt bereits 1961 so viele Jahre zurück, dass sie den beteiligten Familien, die längst erfolgreich auf den „American Way of Life“ eingebogen sind, herzlich gleichgültig geworden sein dürfte. So ergeht es auch dem Leser, der zu allem Überfluss letztlich feststellen muss, wie dämlich der umständlich eingefädelte Mordplan im Grunde ist, der hier für Krimispannung sorgen soll.

Wieso erscheint in Deutschland der nur wohlwollend als mittelmäßig zu klassifizierender Roman eines nur bedingt talentierten Verfassers in repräsentativer Klappenbroschur, während so viele wirklich gute Krimis nicht übersetzt werden oder unveröffentlicht bleiben? Darüber können nur Vermutungen angestellt werden. Fakt ist dagegen der begründbare Ärger über ein Buch, dessen unterhaltsamen Qualitäten zu wünschen übrig lassen. Gordon sieht dies naturgemäß anders. Er schreibt bereits am vierten Band seiner Serie …

Autor

William C. Gordon wurde 1937 in Südkalifornien geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters wuchs er im Osten von Los Angeles in einem überwiegend mexikanisch geprägten Umfeld auf; Spanisch ist deshalb quasi Gordons zweite Muttersprache.

An der University of California in Berkeley studierte Gordon Englische Literatur. Nach seiner Militärzeit begab er sich auf eine einjährige Weltreise Anschließend nahm er am Hastings College of Law in San Francisco ein Jurastudium auf. Nach seinem Abschluss ließ sich Gordon 1965 als Anwalt nieder. Er spezialisierte sich auf Arbeitsrecht, vertrat vor allem Klienten hispanischer Herkunft und praktizierte bis 2002.

Nach zwei gescheiterten Ehen lernte Gordon 1987 die chilenische Schriftstellerin Isabel Allende kennen. Im folgenden Jahr heiratete das Paar. Allende war es, die Gordon ermunterte, als dieser als Ruheständler selbst Ambitionen als Autor entwickelte. Ein „Coming-of-Age“-Roman blieb unveröffentlicht. Gordon versuchte sich an einem Krimi und stützte sich dabei auf seine frühen beruflichen Erfahrungen. „The Chinese Jars“ (dt. „Der Tote im Smoking“) erschien 2008 in spanischer Sprache als „Duelo en Chinatown“ und wurde zum ersten Teil einer Serie um den Journalisten Samuel Hamilton im San Francisco der 1960er Jahre.

Hier findet man die Autoren-Website.

[md]

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Mystisches Pendeln

Erstellt von Werner Karl am 29. August 2010

Mystisches Pendeln – Set
Regula Elizabeth Fiechter

Königsfurt-Urania Verlag GmbH 04/2010
ISBN 978-3-868-26721-1
Esoterik, Kartenlegen, Pendeln
Set im stabilen Umkarton bestehend aus:
Buch, 128 Seiten 12 x 17 cm
je 36 Pendeltafeln und Mystic Lenormand-Karten
1 Pendel

www.koenigsfurt-urania.com
www.regula-elizabeth-fiechter.ch

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Zur Autorin:

Regula Fiechter wurde 1958 in Bern geboren und wuchs auch dort auf. Sie lebt heute noch in der Schweiz, arbeitet als Malerin und Medium und beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Wahrsagekarten. Nach ihren Vorgaben fertigte Urban Trösch in Eitempara-Technik das zu dem Set gehörenden Mystic Lenormand-Kartendeck und gestaltete auch das beigefügte Buch mit.

Zum Set:

Ich muss gestehen, dass dieses Set nicht das erste ist, das ich aus dem Hause Königsfurt-Urania erhalten habe. Deshalb hat mich die liebevolle und gute Ausführung nicht im Mindesten überrascht.

Doch zum Inhalt: Das messingfarbene Pendel liegt sehr gut in der Hand. Wer öfter mal mit Pendeln zu tun hat, weiß, dass dies bei Pendeln im Allgemeinen durchaus nicht immer der Fall ist. Kartendeck und Pendeltafen weisen dieselben, von der Autorin gestalteten, und von Trösch umgesetzten Motive, auf. Wobei das Motiv an sich bei den Tafeln natürlich etwas in den Hintergrund tritt, damit die eigentlichen Aussagen darauf klarer ersichtlich sind. Karten und Tafeln sind links oben von 1 bis 36 nummeriert. Rechts oben sind astrologische Hinweise eingearbeitet, die ebenfalls als Deutungshilfe herangezogen werden können.

Die Rückseiten von Karten und Pendeltafeln zeigen das Motiv, welches bereits auf dem Umkarton zu sehen ist. Die einzelnen Motive sind sehr detailliert und liebevoll ausgestaltet – Neugierige sollten wirklich eine Lupe in die Hand nehmen und sie sich einmal genauer betrachten. Mit dem Buch selbst verweist Fiechter zuerst auf die Ursprünge des Lenormand und führt Neulinge dann Schritt für Schritt ans Kartenlegen heran. Die Hinweise zur Deutung werden mit den ebenfalls im Buch enthaltenen Erläuterungen zu jeder der 36 Karten erleichtert. Danach folgt eine Heranführung ans Pendeln bzw. das Auspendeln der Karten mithilfe der Pendeltafeln. Was, in dieser Kombination, nicht allzu gewöhnlich ist und das Set zu etwas Besonderem macht.

Das Buch beschränkt sich auf das Wesentliche – dies dafür aber klar verständlich und leicht nachvollziehbar. Die Erfahrung von Fiechter, die sich bereits seit langer Zeit mit Lenormand beschäftigt, fließt sehr gut darin ein.

Meine Meinung:

Lohnt sich die Anschaffung? Ja – sowohl für Neulinge in diesem Bereich, als auch für diejenigen, die sich schon mit Kartenlegen und Pendeln beschäftigt haben. Wer sich von welchen Kartendecks angesprochen fühlt, ist ja immer eine recht persönliche Angelegenheit. Gleiches gilt natürlich für Pendel. Mich hat das Set angesprochen. Und – da sowohl Kartenlegen als auch Pendeln wunderbare Instrumente sind, sich selbst oder anderen bei der einen oder anderen Frage zu helfen bzw. Dinge klarer zu sehen, die man vorher so nicht sieht, aber doch schon im Inneren weiß, freue ich mich bereits darauf, das Set ausgiebig zu nutzen.

Copyright © 2010 by Antje Jürgens (AJ)

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Die Unschuld des Wassers

Erstellt von Werner Karl am 29. August 2010

Die Unschuld des Wassers
Ruth Rendell

(sfbentry)
Originaltitel: “The Water’s Lovely” (Century Hutchinson 2006)
Übersetzung Eva L. Wahser
Deutsche Erstausgabe Juni 2010 (blanvalet Verlag)
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 384 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN-13: 978-3-764-50268-3

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Zum Buch:

Zitatanfang>>Immer wieder hat Ismay den gleichen Traum: Sie und ihre Mutter folgen Ismays Schwester Heather die Treppe hinauf in einen riesigen Raum, in dessen Mitte sich ein See mit einer Oberfläche wie aus Glas befindet. Darin treibt mit dem Gesicht nach unten eine weiße Gestalt. Vor neun Jahren ist Ismays Stiefvater Guy in der Badewanne ertrunken. Neun Jahre, in denen Ismay und Heather niemals miteinander über jenen Tag gesprochen haben. Doch egal, wie sehr sie sich bemühen, das Geschehene zu verleugnen und alle Erinnerungen zu unterdrücken – die schreckliche Wahrheit drängt unerbittlich ans Tageslicht …<<Zitatende

Meine Meinung:

Durch diesen Text wird man ja schon neugierig und Rendell-Fans dürfen sich auch auf eine Geschichte freuen – die sich, wie so oft bei Rendell – nicht nur um die darin angesprochenen Personen oder Vorfälle dreht. Rendell gelingt es auch in diesem Roman, die einzelnen Figuren sehr nachdrücklich herauszuarbeiten. Menschen, die direkt in unserer Nachbarschaft leben könnten. Banal normal und doch hat jeder seine größeren und kleineren Sorgen, ein Geheimnis oder eine symbolische Leiche im Keller.

Da sind Heather und Ismay, die ein schreckliches Geheimnis genauso verbindet wie die Sorge um ihre schizophrene Mutter, um die sie sich zusammen mit deren Schwester kümmern. Da ist ihre Tante, allein, bindungsunfähig, die in ihrer Einsamkeit über eine Dating-Agentur jemanden sucht und einen hohen Preis dafür bezahlen muss. Da sind Edmund und Andrew, die sich für Heather bzw. Ismay interessieren und grundverschieden sind. Andrew, der nicht nur Heather an die Vergangenheit erinnert und dafür sorgt, das Ismay sich in einem Albtraum gefangen fühlt. Edmund, der eigentlich nur mit Heather ausgeht, weil er seiner dominanten Mutter entfliehen möchte und dabei auf jemanden trifft, der wie für ihn geschaffen scheint. Seine Mutter, die von Marion gepflegt wird. Marion, die sich, nicht ganz uneigennützig, auch um andere alte Menschen kümmert und darüber nachdenkt, deren Ableben notfalls zu beschleunigen, um an ihr Ziel zu kommen. Marion, die skrupellos genug ist, Ismay zu erpressen, als sie durch einen dummen Zufall hinter ihr Geheimnis kommt. Und plötzlich feststellen muss, dass sie selbst erpressbar ist.

Und dann sind da noch die beiden Morde. Einer der bereits 13 Jahre zurückliegt und Ismay neben ihren Träumen auch einen Gewissenskonflikt beschert. Der Tathergang war anders, als die Ermittlungen damals ergaben. Und obwohl sie nichts genaues weiß, weckt ein weiterer, aktueller Mord einen schrecklichen Verdacht in Ismay. Das Geheimnis, das die beiden Schwestern verbindet, ja förmlich aneinander fesselt, spielt trotz seiner ursächlichen Wirkung trotz allem nur eine eher untergeordnete Rolle. Dennoch fordert die Wahrheit zunehmend ausgesprochen zu werden, was den beiden Schwestern erst am Ende des Romans gelingt und für eine weitere kleine rendellmäßige Überraschung sorgt. Und so wie mit Wasser und Tod alles beginnt, endet es auch.

Rendell-Neulingen könnte die Fülle an Figuren anfangs Schwierigkeiten bereiten. Doch werden auch sie feststellen, dass die Autorin einen geschickt gesponnenen roten Faden in Händen hält, der Leser flüssig und ohne Probleme durch die Geschichte führt. Eine Geschichte, die sich weniger mit den Morden als mehr mit dem Leben der Protagonisten beschäftigt. Ein Leben, das so einfach, so normal, so komfortabel ist – oder sein könnte, wenn, ja wenn da nicht die Geheimnisse und Probleme wären, die jeder von ihnen mit sich herumträgt.

Ein Buch zur Entspannung? Ja, denn es lässt sich wie alle Rendell-Romane leicht lesen. Ein Buch ohne Spannung? Mit Sicherheit nein. Obwohl Rendell weder auf blut- oder gewalttriefende Einzelheiten noch ermüdend detaillierte Ermittlungsdetails zurückgreift. Die Spannung baut sich rein aus Rendells Erzählstil auf. „Die Unschuld des Wassers“ spricht  auch sozialkritische Themen an, die gerne unter dem Deckmäntelchen der Normalität unter den Teppich gekehrt werden. Pädophilie etwa, sexueller Missbrauch oder auch Obdachlosigkeit finden in der Geschichte einen Platz. Ohne Bigotterie, aber auch ohne den Unterhaltungswert des Buches zu stören.

Und gerade weil der Alltag der Figuren so wohltuend normal, ja stellenweise banal dargestellt wird, können vermutlich viele Leser jemanden aus ihrem Umfeld oder gar sich selbst in der einen oder anderen Person wiederfinden. Und die Vorstellung, dass der eine Schritt, der die Normalität in einen Albtraum verwandeln kann, so klein ist, dürfte mit einem kleinen Schauer für das Umblättern der Seiten sorgen. Ein Buch zum Weiterempfehlen? Ja. Rendell kann und wird mit diesem Roman garantiert weitere Fans des Genres gewinnen.

Zur Autorin:

Ruth Rendell oder auch Barbara Vine. Der eine Name steht für Krimis, der andere für Thriller. Hinter beiden verbirgt sich die 1930 als Tochter eines Lehrerehepaares in einem Londoner Vorort geborene Ruth Barbara Graseman und von Königin Elizabeth in den Adelstand erhobene Baroness Rendell of Babergh. 1964, zehn Jahre nach der Geburt ihres Sohnes, begann die frühere Journalistin einer kleinen Wochenzeitschrift, ihre Liebe zur Schriftstellerei auszuleben, indem sie den ersten Krimi um Detective Inspector Wexford schrieb. Neben 21 Wexford-Romanen verfasste Rendell über zwei Dutzend weitere Kriminalromane und begann darüber hinaus Mitte der 1980er-Jahre Psychothriller unter ihrem Pseudonym Barbara Vine zu veröffentlichen. Sie erhielt für ihre Werke verschiedene Auszeichnungen. Darunter 3x den „Edgar-Allen-Poe-Preis“, 2x den „Golden Dagger Award“ und 1997 den „Grand Masters Award“ der Crime Writers Association of Amerika. Letzerer gilt als der Krimipreis schlechthin. Die heute in Suffolk lebende Autorin steht mit ihren Romanen seit Jahrzehnten auf den Beststellerlisten.

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Hammer und Kreuz

Erstellt von Werner Karl am 28. August 2010

Brian Wood
Northlanders 2: Hammer und Kreuz

Northlanders 11 – 16, USA, 2008/09
Panini Comics, Stuttgart, 02/2010
PB mit Klappbroschur, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat
Action, Abenteuer
ISBN 978-3-86607-928-1
Titelbild und Zeichnungen von Ryan Kelly, Farben von Dave McCaig
Aus dem Amerikanischen von Bernd Kronsbein

www.paninicomics.de
www.brianwood.com
www.funrama.blogspot.com
www.dave-co.com/

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Der 1972 geborene Brian Wood ist seit Abschluss seiner Ausbildung im Jahr 1997 Zeichner und Autor von Comics. Vor allem die Reihe „DMZ“ wurde zum Erfolg. Mit „Northlanders“ versucht er nun, ein ebenso spannendes wie vielschichtiges Bild eines Volkes zu schaffen, das schon immer für actionreiche Geschichten gut war: die Wikinger. Händler und Eroberer, wilde Piraten, wagemutige Entdecker und treue Beschützer – das sind nur einige der vielen Gesichter, die die Bewohner Skandinaviens zwischen dem 7. und dem 12. Jahrhundert an den Tag legten.

Zu den Ländern, die zeitweise unter ihre Herrschaft fielen, gehörte auch Irland. Im Jahr 1014 ist die Herrschaft an die Wikinger gefallen, die nach und nach den Adel entmachten und sich selbst als neue Herren des Landes aufspielen. Wer sich ihnen unterwirft, wird in Ruhe gelassen und in die Gesellschaft integriert. Nur die, die sich weiterhin weigern, die Eroberer anzuerkennen, müssen damit rechnen, von ihnen gejagt zu werden. Einer von diesem Rebellen ist ein Hüne, der sich Magnus nennt. Er wütet wie eine Ein-Mann-Armee unter den Männern, die sich auf den verlassenen Gehöften eingerichtet haben und nun versuchen, sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Er verschont die Männer, Frauen und Kinder seines eigenen Volkes, metzelt aber alle Eindringlinge, derer er habhaft werden kann, aus dem Hinterhalt nieder.

Lord Ragnar Ragnarson erfährt von den Angriffen und setzt sich auf die Spur des geheimnisvollen Attentäters. Sehr schnell findet er heraus, dass Magnus nicht alleine ist, sondern bei seinen Angriffen von einem Mädchen begleitet wird, das er um jeden Preis zu schützen versucht. Auch wenn er immer wieder Fehlschläge einstecken muss und dabei Männer und Hunde verliert, Ragnar gibt doch nicht einfach auf, sondern hofft auf eine Gelegenheit, seinen Gegner in die Falle zu locken – und wenn es durch dessen eigene Tochter sein muss. Wer ist nun gut und wer böse? Der Ire Magnus, der sich auf einen Rachefeldzug eingelassen hat und dabei immer mehr zu einer wahnsinnige Bestie wird – oder der Lord, der allein seine Pflicht tut und den Killer zur Strecke bringen will, der seine Landsleute ermordet, die allerdings selbst die Einheimischen von ihren Gehöften vertrieben oder gar ermordet haben?

Bei all der Action, den Auseinandersetzungen und Kämpfen stellt der Comic auch diese Frage und lässt letztendlich offen, wer von den beiden den gerechteren Feldzug führt. Interessanterweise liegt der Fokus zunächst auf dem Iren und seiner Tochter. Nach und nach verschiebt sich aber der Blickwinkel und lässt einige Dinge in einem anderen Licht erscheinen. Das ist raffiniert gemacht und hält die Spannung bis zum Ende der Geschichte aufrecht. Die Zeichnungen sind so, wie man sie von einem klassischen Abenteuer-Comic erwartet – detailreich in den Hintergründen und dynamisch in den Kampfszenen, aber auch ordentlich recherchiert. Heraus kommt ein historischer Abenteuer-Comic, der eine in sich geschlossene Geschichte erzählt und vor allem den Lesern gefallen dürfte, die auch „Conan“ und „Red Sonja“ mögen.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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