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Archiv für August 31st, 2010

Shakespeares Planet

Erstellt von Michael Drewniok am 31. August 2010

Clifford D. Simak
Shakespeares Planet

(sfbentry)
Originaltitel: Shakespeare’s Planet (New York : Berkley/Putnam 1976)
Deutsche Erstausgabe: März 1978 (Wilhelm Goldmann Verlag/Goldmann Science Fiction 23273)
Übersetzung: Tony Westermayr
Cover: Olof Feindt
159 S.
ISBN-13: 978-3-443-23273-4

Titel bei Booklooker.de

Das geschieht:

Vor knapp einem Jahrtausend startete das „Schiff“, um nach Planeten zu suchen, die von Menschen besiedelt werden könnten. Vier Besatzungsmitglieder ließen sich in einen Kälteschlaf versetzen. Doch die Schlafkammern erlitten auf der langen Reise einen Defekt. Nur Carter Horton konnte vom „Schiff“ gerettet werden. Inzwischen ist die Mission auf der Erde in Vergessenheit geraten, und Horton muss sich der Einsamkeit stellen. An seiner Seite steht nur Nicodemus, ein Roboter.

Unbeirrt hat das „Schiff“ gesucht und endlich einen Planeten gefunden, der den Kriterien entspricht. Dort stößt man auf einen intelligenten Bewohner: „Fleischfresser“ stellt sich Horton im Englisch des Elisabethanischen Zeitalters vor. Er habe es von einem Menschen namens Shakespeare gelernt, der wie er vor Jahren über einen „Tunnel zwischen den Sternen“ auf den Planeten gekommen, nach einem Defekt dieses Transportmittels hier gestrandet und inzwischen gestorben sei. Außer „Fleischfresser“ existiert eine körperlose Macht, die in der abendlichen „Gottstunde“ auf die Gehirne der Planetenbewohner zugreift.

Horton studiert die hinterlassenen Aufzeichnungen Shakespeares. Dieser gehört zu einer Generation, die lange nach Horton geboren wurde. Die Menschen haben die „Tunnel“ entdeckt, die Erde verlassen und sich im unendlichen Weltall verstreut. Auf die Erbauer der Tunnel sind sie nie gestoßen. Diese müssen aber noch präsent sein, denn Nicodemus entdeckt, dass der transdimensionale Zugang künstlich gesperrt wurde. Offenbar haust auf dem Planeten etwas Gefährliches. Horton findet Verdächtige – einen lebendigen, intelligenten ‚Teich‘ und einen in der Zeit eingefrorenen Drachen –, aber da weder er noch die inzwischen ebenfalls auf dem Planeten eingetroffene Tunnel-Forscherin Elayne das Rätsel lüften, kann das Böse ungehindert erwachen …

Die Spannung des ungelösten Rätsels

Der Mensch ist eine wissbegierige Kreatur; selbst die berüchtigte Couch-Kartoffel lässt sich mit dem Versprechen spannender Unterhaltung locken, wenn sie ihr Lager dafür nicht verlassen muss. Mit einem Buch (und der Fähigkeit des Lesens) ist dies problemlos zu gewährleisten – und eine Herausforderung, die in der Frage liest, wie der Schriftsteller Aufmerksamkeit erregen kann.

Das Rätsel ist ein unfehlbares Lockmittel, wenn es denn interessant gestellt und gelöst wird, wobei diese beiden Partizipien gleichzeitig Beginn und Finale eines Romans oder einer Geschichte markieren. Der Mittelteil widmet sich der Auflösung des Rätsels, was anfängliche Irrtümer und Sackgassen beinhaltet, bis die richtige Spur gefunden ist und die Handlung beschleunigt dem erwähnten Finale entgegen strebt.

Clifford D. Simak geht mit „Shakespeares Planet“ einen anderen Weg, der sich mit dem alten Sinnspruch „Der Weg ist das Ziel“ am besten beschreiben lässt. Das Mysterium des namenlosen Planeten ist faktisch nur ein „MacGuffin“, wie Alfred Hitchcock es genannt hätte: Es gibt dem Geschehen eine Begründung und hält es in Gang, ohne letztlich von besonderer Bedeutung zu sein. Folgerichtig wird uns nur beschrieben, was auf dem Planeten vor sich geht, ohne dass uns der Verfasser über die tatsächliche Bedeutung aufklärt. Es bleibt bei Andeutungen, die der Leser letztlich selbst zu einem (möglichen) Bild zusammensetzen muss.

Ein Köder für die Bestie (= den Leser)

In der Tat ist das Rätsel von Shakespeares Planeten vom Verfasser primär als Köder für seine Leser gedacht. Eigentlich will Simak philosophisch werden und über die Zukunft des Menschen sinnieren. Diese wirft sicherlich spannende Fragen auf, deren Antworten womöglich nicht mit aus allen Rohren feuernden Raumschiffen oder Gehirne fressenden Weltraum-Monstern konkurrieren können. Als erfahrener Autor geht Simak deshalb auf Nummer Sicher: „Shakespeares Planet“ bietet Unterhaltung und Tiefsinn. Außerdem verteilt er die gewichtige Frage auf unterschiedliche Handlungsstränge und vermeidet es, uns mit der vollen Wucht seiner evolutionären Theorien zu konfrontieren.

Im Mittelpunkt steht Carter Horton, der gleichzeitig das lebende Bindeglied zwischen der ‚vergangenen‘ und der ‚zukünftigen‘ Menschheit darstellt. Horton hat sich in einer erdweiten Krisensituation bereiterklärt, auf eine Expedition zu gehen, die sich nunmehr als völlig sinnlos sowie vergessen herausstellt. Horton muss versuchen, sein Leben völlig neu zu orientieren. Die Ereignisse auf Shakespeares Planeten helfen ihm bei dieser ihm anfänglich unmöglich erscheinenden Aufgabe.

Unterstützung erfährt Horton durch die schriftlichen Aufzeichnungen Shakespeares. Sie bringt ihm zumindest im Umriss die tausend Jahre Menschheitsentwicklung näher, die er verschlafen hat. Unmittelbar mit dem ‚neuen‘ Menschen kommt Horton in Kontakt, als die Tunnelforscherin Elayne auf den Planeten gelangt. Nur in der Kombination der Informationen, die er auf diese Weisen erhält, kann sich Horton zusammenreimen, wie die Gegenwart beschaffen ist, in die es ihn verschlagen hat.

Dramen im Hintergrund

Während Horton, Nicodemus, „Fleischfresser“ und Elayne die Rätsel des Planeten ergründen wollen, spielt sich von ihnen unbemerkt ein ‚stilles‘ Drama ab: Das vor tausend Jahren auf der Erde gestartete Raumschiff ist keine reine Maschine. Es wird von drei Gehirnen gesteuert. Drei Menschen – eine Politikerin, ein Wissenschaftler und ein Mönch – haben ihre Körperlichkeit aufgegeben. Die Theorie kündigte an, dass sie ihre Individualität aufgeben und zu einem superintelligenten Über-Hirn zusammenfinden würden. Stattdessen sind die Gehirne Egos – und Egoisten – geblieben. Auch sie nutzen den Aufenthalt auf Shakespeares Planeten, indem sie in langen Diskussionen ihre Koexistenz auf eine neue Ebene stellen wollen: Das „Schiff“ sucht wie Horton einen Platz in der Gewaltigkeit des Universums. Die daraus resultierende Auseinandersetzung ist so intensiv, dass die drei Gehirne gar nicht bemerken, was auf dem Planeten vor sich geht.

„Fleischfressers“ sieht sich in einer ganz ähnlichen Notlage wie Horton gefangen. Ihm, dem Jäger, macht die Isolation des Planeten zu schaffen, die ihn seiner Bestimmung beraubt. Anders als Horton, das „Schiff“ und selbst Elayne macht sich „Fleischfresser“ wenig Gedanken um die Situation. Er konzentriert sich auf die Problemlösung, die hier in einer ‚Reparatur‘ des Tunnels bestünde. Shakespeare hat sich heimlich über ihn und seinen scheinbar simpel gestrickten Geist lustig gemacht, was „Fleischfresser“ durchaus bemerkt aber nicht geahndet hat. Er findet schließlich seine Erfüllung, als sich im planetaren Rätsel eine Nische für ihn auftut.

Einen weiteren ‚Gast‘ des Planeten lernt Horton im intelligenten „Teich“ kennen. Nach anfänglichen Missverständnissen gelingt zumindest eine oberflächliche Kommunikation zwischen zwei fremden Lebensformen. Die daraus gezogenen Erkenntnisse helfen Horton bei der Neuausrichtung seines Lebens.

Der Mensch und die Zukunft

Clifford D. Simak hat sich viele Gedanken über den zukünftigen Weg des Menschen gemacht und die in diesem Zusammenhang auftauchenden Fragen immer wieder als Schriftsteller thematisiert. Wohl am intensivsten ist ihm dies in seinem berühmten „City“-Zyklus gelungen, einer Sammlung von neun zwischen 1944 und 1973 entstandenen Erzählungen (dt. „Als es noch Menschen gab“), die chronologisch im ausgehenden 20. Jahrhundert einsetzen und Schlaglichter auf die Entwicklungen der nächsten Jahrzehntausende werfen.

„Shakespeares Planet“ geht quasi einen Schritt weiter. Der Mensch von Hortons Zukunft hat den eigenen Heimatplaneten hinter sich gelassen. Die Evolution hat ihn – womöglich zu früh – in einen Kosmos stürmen lassen, der ihn aufnahm und verschlang. Nun gibt es nicht „die Menschheit“ mehr, sondern nur mehr isolierte Menschengruppen, die voneinander in der Regel nichts mehr wissen. Diese Zersplitterung ist Schicksal und Möglichkeit gleichzeitig: In einer Welt, die sich selbst verloren hat, sind selbst in Zeit und Raum Verlorene wie Horton und das „Schiff“ ihres Glückes Schmiede.

Obwohl die Protagonisten von „Shakespeares Planet“ einander verlassen oder sogar sterben, wirkt dieser Ausklang sacht optimistisch. Simak ist kein Freund drastischer ‚Lösungen‘. Mit dem Ende des Romans haben sich die Probleme und Nöte seiner Figuren keinesfalls in Wohlgefallen aufgelöst. Aufgetan haben sich immerhin alternative Wege zu deren Bewältigung. In diesem Prozess liegt die eigentliche Spannung der Handlung. Deshalb kann Simak auf „Action“ konsequent verzichten und die Humanität in den Vordergrund stellen, um es vereinfachend auszudrücken.

Er geht damit ein Risiko ein. „Shakespeares Planet“ gilt auch der Kritik als spätes ‚Nebenwerk‘. Tatsächlich gelingt dem Verfasser die Kombination von Unterhaltung und Gedankentiefe nicht so perfekt wie z. B. 1963 in „Way Station“ (dt. „Raumstation auf der Erde“). Der grundsätzliche Tenor wird dennoch deutlich. Der typisch simaksche, d. h. einfache aber keineswegs simple Erzählstil trägt zur Lesbarkeit beträchtlich bei. Zudem walzt der Verfasser – angenehm puristisch in der Frage nach der Tragfähigkeit einer Plot-Idee – seine Geschichte nicht über Gebühr aus, sondern kommt nach 160 Seiten zu einem angemessenen Ende.

Autor

Clifford Donald Simak wurde am 3. August 1904 in Mil(l)ville, einem Städtchen im Südwesten des US-Staates Wisconsin, geboren. Naturwissenschaft und Journalismus waren seine frühe und lebenslange Leidenschaft. Simak studierte an der Universität von Wisconsin und wurde 1922 zunächst Lehrer. 1929 wagte er den Absprung und wurde für diverse Zeitungen des Mittelwestens tätig. Ab 1939 war er fest beim „Minneapolis Star“ angestellt, wo er bis 1976 blieb und u. a. die Wissenschaftsbeilage betreute.

Der junge Simak war von den Science-Fiction-Magazinen fasziniert, die in den 1920er Jahre erschienen. Er wurde bald selbst schriftstellerisch aktiv. Eine erste Kurzgeschichte erschien 1931 in Hugo Gernsbacks „Wonder Stories“. 1938 wechselte Simak als Autor zu „Astounding Science Fiction“. Unter dem charismatischen Herausgeber John W. Campbell jr. (1910-1971) begann er seine eigene Stimme zu finden. In den nächsten Jahren entstanden jene Storys, die 1952 zum „City“-Zyklus zusammengefasst wurden.

Obwohl Simak zu den Gründervätern der Science Fiction gezählt wird, begann seine eigentliche Karriere erst nach dem II. Weltkrieg. Der Autor sperrte sich gegen aktuelle Modeströmungen und blieb ‚seiner‘ SF treu. Einfache Männer bilden seine Hauptfiguren: Handwerker, Journalisten, Lehrer, oft am Rande der Gesellschaft lebend, etwas verschroben aber aufgeschlossen, tolerant und neugierig (sowie in der Regel begleitet von einem Hund). Gern lässt Simak das Fremde in den vertrauten Landschaften des Mittelwestens auftauchen, wo außerhalb der großen, anonymen Städte Männer und Frauen in übersichtlichen Gemeinschaften leben und gesunder Menschenverstand allemal über weltfremdes Spezialistentum gestellt wird.

Mit seinen ‚pastoralen‘ SF-Werken schuf sich Simak eine literarische Nische, in der er sich behaglich einrichtete. Selbst die eifrigen und manchmal eifernden Vertreter der „New Wave“, die Ende der 1960er Jahre der SF grundlegende neue Impulse gaben, ließen ihn in Ruhe. Schon 1973 wurde Simak in die „Science Fiction Hall of Fame“ aufgenommen. In den 1970er Jahren erweiterte er sein Repertoire und verfasste erfolgreiche Fantasy-Romane. Erst sein Tod am 25. April 1988 in Minneapolis setzte dieser erstaunlichen, fast sechs Jahrzehnte umspannenden Karriere ein Ende.

[md]

Titel bei Booklooker.de

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Star Trek: Nero

Erstellt von Werner Karl am 31. August 2010

Robert Orci, Alex Kurtzman, Mike Johnson, Tim Jones
Star Trek: Nero

Star Trek: Nero, Paramount, USA, 2009
Cross Cult, Ludwigsburg, 05/2010
SC, Comic, SF, Action
ISBN 978-3-941248-48-9
Aus dem Amerikanischen von Christian Langenhagen
Titelillustration und Zeichnungen von David Messina

www.cross-cult.de
www.startrek.com
http://davidmessinart.blogspot.com/

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Begleitend zum neuen „Star Trek“-Film, der das Franchise nachhaltig verändern sollte, sind auch eine ganze Reihe von Comics erschienen. Während „Countdown“ die Vorgeschichte erzählt, widmete sich „Spock“ den letzten Jahren des Halbvulkaniers, der noch einmal aktiv in die Geschichte eingriff. „Nero“ beschäftigt sich nun mit der Zeit, die der Romulaner zusammen mit seiner Besatzung in der Vergangenheit verbrachte, um auf die Rückkehr von Spock zu erwarten.

Nach dem Kampf mit der U.S.S. Kelvin und dem Kamikazeflug von George Kirk hat auch Neros Schiff schwere Schäden davon getragen. Die Überlegung ist nun, den Racheplan weiter zu verfolgen oder aufzugeben und nach Romulus zurückzukehren, um dort im Verborgenen die Katastrophe aufzuhalten. Zum Reparieren des Schiffes kommen sie allerdings nicht, da kurz nach der Schlacht bereits Klingonen-Kreuzer auftauchen und das kampf- und relativ manövrierunfähige Schiff aufbringen. Auch Gegenwehr nutzt nicht viel, da die Männer viel zu geschwächt und geschockt von dem sind, was sie durchgemacht haben. Nero und seine Crew werden nach Rura Penthe gebracht. Man foltert sie, um mehr über die Geheimnisse des weit fortentwickelten Schiffes zu erfahren, doch niemand verrät wirklich etwas, vor allem nicht der Kommandant. Mehr als zwanzig Jahre werden die Romulaner gefoltert und gedemütigt. Aber getreu dem Sprichwort, dass alles, was einen nicht umbringt, umso stärker macht, geben sie sich nicht auf. Schließlich gelingt ihnen mit einem menschlichen Gefangenen die Flucht auf ihr Schiff. Doch können sie wirklich entkommen …?

„Nero“ ist der Versuch, auch dem Bösewicht des Films einen Hintergrund zu geben und damit seine Handlungsweise plausibler zu machen. Allerdings gelingt das nur bedingt. Man kann zwar seinen Schmerz über den Verlust von Frau und Kind nachempfinden und die unbändige Wut verstehen, die ihn am Leben erhält, aber das ganze bleibt recht oberflächlich und wirkt ziemlich aufgesetzt. Die Autoren gehen bei der ganzen Sache nicht über gängige Klischees hinaus und füllen die Seiten lieber mit fruchtlosen Drohungen seitens der Klingonen, um wenigstens etwas Spannung in die Geschichte zu bringen. Letztendlich ist man nach der Lektüre nur in einem schlauer und versteht nun, warum die Romulaner nicht schon früher die Macht ihres Schiffes eingesetzt und sich so lange still verhalten haben und warum sie nur noch Rache und Vergeltung wollen, aber im Grunde dann doch nicht mehr weiter leben.

„Nero“ füllt damit zwar einige Lücken aus dem Film, aber wirklich befriedigend ist die Geschichte nicht, zumal es auch einige kleine Logikfehler gibt. Wenn die Klingonen das Schiff gut zwanzig Jahre in ihren Klauen hatten, warum sind dann keine Spuren von ihnen auf dem Schiff zu finden? Warum haben sie nicht alles, was nicht niet- und nagelfest war, entfernt?

Insgesamt erweist sich „Nero“ als wenig überzeugender Zusatz zum Film. Dem Comic fehlt es vor allem an Tiefe, an weiteren Hintergründen, die man sich nicht schon selbst denken kann, und lässt zudem auch ein wenig Spannung vermissen. Eingefleischte Fans werden sich sicherlich freuen, viele andere aber enttäuscht sein, dass der Band nicht wirklich neue Informationen enthüllt.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

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Die Gesellschaft des Abendsterns

Erstellt von Werner Karl am 31. August 2010

Brandon Mull
Fabelheim – Die Gesellschaft des Abendsterns

(sfbentry)
Originaltitel: Rise of the Evening Star (2008)
Ins Deutsche übertragen von Hans Link
München: Verlagsgruppe Random House 2010
Penhaligon Tradepaperback
445 Umfang Seiten
ISBN 978-3-764-53035-8

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Der vorliegende Roman ist der zweite, in sich abgeschlossene Roman um die Abenteuer der Geschwister Kendra und Seth, die vor kurzem entdeckt haben, dass auf dem riesigen Gut, auf dem ihre Großeltern leben, Fabelwesen zu Hause sind und dass Magie tatsächlich funktioniert.

Aktuell steht das Ende des Schuljahrs an und Kendra bereitet sich darauf vor, in die High School zu wechseln, während der zwei Jahre jüngere Seth sich gerade in der Middle Scholl etabliert hat. Wenige Tage vor Schuljahresende wird plötzlich ein neuer Schüler in Kendras Klasse versetzt, den das Mädchen schnell als Fabelwesen identifiziert, denn während sie einen hässlichen, entstellten Gnom wahrnimmt, verlieben sich ihre Freundinnen gleich in den gutaussehenden Neuen. Auch Seth meint einen ganz normalen Mitschüler wahrzunehmen, da Kendra jedoch in ihrem ersten Abenteuer in Fabelheim von den Feen berührt wurde, kann der Zauber des Neuen sie nicht täuschen.

Doch der neue Mitschüler erweist sich bald als Gefahr für ihre Freundinnen, so dass Kendra, Seth und ein älterer Magier, der sich als Freund des Großvaters vorstellt, etwas gegen ihn unternehmen wollen. Doch der neue Magierfreund erweist sich bald als Mitglied der intriganten Gesellschaft des Abendsterns, welche alle bösen Dämonen befreien und für sich nutzen möchte und die zudem die Zerstörung aller magischen Enklaven anstrebt. Bevor die Geschwister wissen was ihnen passiert, lastet ein schwerer Fluch auf Seth und den beiden gelingt nur mit Mühe die Flucht nach Fabelheim. Doch auch hier ist ein Verräter am Werk und bald ist die Existenz von Fabelheim akut gefährdet, wenn es den beiden Jugendlichen nicht gelingt, sowohl Seths Fluch als auch den eines schauerlichen Widergängers zu lösen, der bei allen Lebewesen extremste Ängste und Entsetzen auslöst…

Auch der zweite Band der Serie ist unterhaltsam, abenteuerlich und geschickt konstruiert, was jedoch nicht darüber hinweg täuscht, dass die Geschichte etwas zu lang geraten ist. So gelingt es dem Autor leider nicht, die Spannung durchgängig aufrecht zu erhalten und gerade am Ende des ersten Drittels hat der Roman erhebliche Längen. Etwas enttäuschend ist auch die fehlende Weiterentwicklung der Charaktere. Die neu eingeführten Figuren bleiben blaß und klischeehaft, die bekannten Protagonisten verharren auf dem Stand des ersten Abenteuers, und speziell in diesem Punkt hätte man vom Autor etwas mehr Mut und Initiative erwarten dürfen. Dass trotzdem Spannung aufkommt, liegt an einigen guten Ideen des Autors, so sind vor allem die beschriebenen Zaubertränke oder auch das Auftauchen des gruseligen Widergängers Highlights der Geschichte.

Der etwas übertriebene Showdown am Ende des Buchs ist dagegen Geschmackssache. Jugendliche Leser werden wahrscheinlich begeistert sein über die Action, wer sich jedoch im Genre auskennt wird wohl eher zurückhaltend auf die völlig überzogene und unglaubwürdige Zurschaustellung martialischer Klischees reagieren. Hier macht sich dann eher Enttäuschung breit.

Insgesamt ist der zweite Roman um Fabelheim leider nicht ganz so gut und gelungen wie der erste Band. Trotzdem ist Fabelheim – Die Gesellschaft des Abendsterns noch immer gut lesbar und meistenteils auch spannend, so dass die Lektüre empfohlen werden kann. Es bleibt jedoch zu hoffen, dass dem Autor Brandon Mull in seinem dritten Band der Serie wieder mehr einfallen wird, er auch den Figuren wieder mehr Zeit und Energie widmet, um Längen besser zu überbrücken und das Niveau anzuheben. 

Copyright © 2010 by Gunther Barnewald

Titel erhältlich bei buch24.de
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