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neuauflage

Archiv für August, 2010

Der Kinderdieb

Erstellt von Werner Karl am 28. August 2010

Brom
Der Kinderdieb

Originaltitel: The Child Thief (2009)
Verlag: Pan
ISBN: 978-3-426-28329-5
Genre: Fantasy
Deutsche Erstausgabe: Februar 2010
Aus dem Amerikanischen von Jakob Schmidt
Coverillustration: Brom
Innenillustration: Brom
Hardcover mit Schutzumschlag 655 Seiten

www.pan-verlag.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zum Autor:

Brom wurde 1965 in Albany, Georgia; USA- geboren. Schon mit 21 Jahren arbeitete er als Illustrator bei Weltfirmen wie Coca Cola, IBM und Columbia Picture. Ein paar Jahre später zeichnete er die speziellen Welten Dark Sun und Forgotten Realms für das Rollenspiel Dungeons und Dragons. Weitere Illustrationen für Comics oder Computerspiele stammen aus seiner Feder. Vor gut 10 Jahren wurde Brom auch als Autor tätig. Sein Markenzeichen sind seine zahlreichen und ausführlichen Illustrationen für seine eigenen Werke. Brom lebt heute mit seiner Familie in Seattle.

Zum Buch:

Die Geschichte beginnt in der heutigen Zeit in Brooklyn/Manhatten, wo nur noch Gewalt und Gesetzesmissachtung herrscht. Den dort wohnenden Kindern und Jugendlichen fehlt es häufig an jeglicher Zukunftsperspektive. In diese Gegend musste Nick mit seiner Mutter aufgrund der finanziellen Not seit dem Tod seines Vaters in das Haus der Oma ziehen. Nick, ein 14-jähriger Junge, ist auf der Flucht. Auf der Flucht vor einer Bande gewalttätiger Jugendlicher, die auf der Suche nach ihm sind, da er ihnen aus Rache etwas gestohlen hat. Auf seiner Flucht durch Brooklyn kommt Nick nachts durch einen Park und fällt einem Bandenmitglied prompt in die Hände. Bevor ihm aber etwas angetan werden kann, steht ihm plötzlich ein seltsam komisch aussehender Junge zur Seite; goldene Augen, spitze Ohren und rote Haare. Er stellt sich später als Peter vor, und verspricht Nick, ihn an einen geheimen und vor allem sicheren Ort zu bringen. Einzige Bedingung, er muss sagen, dass er freiwillig mitkommt.

So kommt es, dass Nick von Peter durch einen undurchdringlichen Nebel in das geheimnisvolle Land namens Avalon geführt wird. Nick findet hier andere Kinder vor, die von Peter hierher gebracht wurden und hier scheint die Welt in Ordnung zu sein, hat er doch erst mal einen sicheren Unterschlupft. Nick begreift schnell, wie das Leben auf Avalon funktioniert und wird bald in Peters Gruppe  -Die Teufel- aufgenommen. Die Teufel, dass sind Kinder und Jugendliche mit einem ähnlichen Schicksal wie Nick, die teilweise vor Jahrzehnten von Peter nach Avalon gebracht wurden.

Aber die Kinder leben nicht allein auf Avalon. Auch Feen, Sumpfhexen und andere Fabelwesen sind hier beheimatet und leben unter dem Schutz der >weißen Dame<.
Aber Avalon droht zu zerfallen. So genannte Fleischfresser, die ungewollt auf Avalon strandeten, bedrohen das Eiland. Um dieses zu verlassen, fällen sie die Zauberbäume, das Lebenselixier von Avalon. Nick erkennt die Zusammenhänge und warum Peter die Kinder nach Avalon entführt und möchte wieder zurückkehren, zurück nach Hause. Als aber die Fleischfresser den >Lebensgarten der Dame< bedrohen, kämpft Nick an der Seite der Teufel gegen die Fleischfresser.

Fazit:

Broms Kinderdieb ist eine spannende Variante von Peter Pan, anders als die bisherigen. Der Autor hat aus der Originalversion die düsteren Stellen in sein Werk etwas härter übernommen und dementsprechend beschrieben. Gemischt mit verschiedenen Mythen und Legenden um Avalon hat er eine gute, aber auch sehr düstere Story erschaffen. Peter, eine gut gezeichnete Hauptcharaktere, kommt beim ?einfangen? von Opfern so charmant und witzig rüber, das der Leser die zweite Seite von ihm zuerst gar nicht wahr haben möchte: brutal, blutrünstig, und wenn es um seine Dame Modron geht, geht er sogar über Leichen, er würde alle seine ?Teufel? opfern, ohne mit der Wimper zu zucken. Broms Schilderungen werden häufig detailreich grausam und brutal dargelegt. Er beschreibt ungeschönt wohl die tatsächliche Art und Weise der damaligen Zeit. Aber das Buch vermittelt auch von Freundschaft und Treue, genauso wie von den fatalen Folgen von Verblendung und Sturheit und Fanatismus
.
Interessant sind auch die Bilder am jeweiligen Kapitelanfang, geben diese dem Leser einen kleinen Einblick in der kommenden Szenerie. Hat der Leser sich bis zur Buchmitte bereits die einzelnen Charaktere durch die lebendig und detailreich beschriebenen Hauptcharaktere gedanklich zusammengesetzt, erwarten Ihn in der Buchmitte fantastische farbige Illustrationen dieser. Es ist absolut unverkennbar, das diese Zeichnungen nur aus der Feder des Autors stammen können, denn wer sonst könnte seine Aktivisten so detailreich und treffsicher darstellen.

Der Kinderdieb ist ein spannendes, düsteres Buch, was von dem Leser einiges abverlangt, ihn aber auch mit interessanten Charakteren und magischen Momenten besticht. Aufgrund der detaillierten und grausamen, blutig beschriebenen Geschehnisse würde ich dieses Buch ab 16+ empfehlen.

Copyright by Walter Gasper 2010

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Freelancer Dynamics Invasion

Erstellt von Günther Lietz am 28. August 2010

Christian Lonsing
Freelancer Dynamics Invasion
Monaco Magic Monsterjäger
Freelancer Abenteuerband

(sfbentry)

Softcover von Ulisses Spiele (2010)
Redaktion, Text, Layout: Christian Lonsing
Illustrationen: Nadine Wewer
ISBN 978-3-86889-044-0

http://www.freelancer-rpg.de
http://www.ulisses-spiele.de

Basierend auf dem „Freelancer“-Regelwerk aus „Freelancer Hexxagon“ und mit dem „Freelancer Dynamics“-Quellenband im Rücken, schicken die Spieler ihr Ensemble aus Magiern unterschiedlicher Farben in den Kampf gegen das Böse. Dabei enthält „Freelancer Dynamics Invasion“ weder das Regelwerk (das auch von der begleitenden Freelancer-Homepage heruntergeladen werden kann) noch Sonderregeln. Für diese ist der Quellenband unbedingt nötig. Ohne „Freelancer Dynamics“ ist die Kampagne unspielbar. Beide Teile zusammen kommen auf beinahe einhundertzwanzig Seiten Heftklammerung und schlagen im Originalpreis jeweils mit beinahe fünfzehn Euro zu buche. Das ist für eine Kampagne mit denkbar miesem Regelwerk schon happig. Vor allem, in Anbetracht der Thematik, ist die Zielgruppe relativ klein. Und diese dürfte durch die Aufmachung und die Illustrationen der Publikationen teilweise abgeschreckt werden. Hier präsentiert sich ein Nischenprodukt in der Nische – und versteckt sich dabei noch. So jedenfalls der Eindruck. Doch Regelwerk und Aufmachung beiseite, schlussendlich muss die Kampagne „Freelancer Dynamics Invasion“ überzeugen. Und die ist einfach genial!

Die Spieler schlüpfen nun in die Rollen cooler Figuren, die im geheimen arkadische Magier sind und in ihren Rüstungen gegen das Böse kämpfen. Dabei kommen sie dunklen Geheimnissen auf die Spur, zu denen es auch noch eine persönliche Bindung gibt. Schlussendlich entscheidet ein furioser Endkampf über das Schicksal der Welt und der Freelancer. So viel jedenfalls in aller Kürze, ohne zu viel zu verraten.

Die Kampagne spielt in Monaco, wie der Untertitel „Monaco Magic Monsterjäger“ bereits verrät. Dabei sind die Charaktere keine Nobodys von der Straße, sondern gestandene Persönlichkeiten, die sich im Jet-Set auskennen. Als Operationsbasis dient natürlich eine schicke Villa, es gibt Partys, coole Leute, reiche Gönner und attraktive Menschen. Und immer wieder rücken die Charaktere aus, um die Eindringlinge aus dem mystischen Arkadien zurückzuschlagen.

Der Kampf gegen den Feind, das Aufdecken der Geheimnisse und auch der Alltag der Freelancer ist ziemlich gut verpackt und kommt mit sehr frischen – und auch aus dem TV bekannten – Ideen daher. Dem Autoren Christian Lonsing gelingt es wunderbar die Stimmung aus Serien wie „Power Rangers“ oder „Kamen Riders“ einzufangen. Dazu zählen die typischen Problemchen der Protagonisten, durchgestylte Kämpfe und typisch japanisch erscheinende Einlagen wie ein Karaoke-Song-Contest. Der macht übrigens besonderen Spaß, wenn er richtig ausgespielt wird.

Der Abenteuerband ist gut strukturiert, leidet aber unter der – für die Freelancer-Reihe üblichen – Platzverschwendung. Im Softcover gibt es erst einen Überblick über das Spiel, dann erklärende Worte zur Kampagne und deren Geheimnisse, die Hauptfiguren werden vorgestellt und es folgen die Werte zu Nichtspielercharakteren und Monstern. Ab Seite dreiundzwanzig beginnt dann die eigentliche Kampagne, die mit etlichen Überraschungen aufwartet. Langeweile sollte es hier keine geben.

Besonders prickelnd ist natürlich die persönliche Verwicklung der Charaktere. Einer von ihnen steht im direkten Bezug zur Handlung und das sorgt für besondere Spannung. Falls allerdings etwas schief geht, wartet Christian Lonsing mit Problemlösungen auf. Es wäre ja Schade, würde der involvierte Charakter aus dem Spiel genommen werden müssen.

Ebenfalls gelungen sind die Zwischenschnitte, die nach einigen Episoden kommen. Dabei handelt es sich um einen Vorlesetext, der einen kurzen Blick auf die Bösewichter wirft. Ebenfalls wie in den TV-Serien. Da hier keine merkwürdigen Fantasyfiguren als Henshin-Formen zur Verwandlung herhalten, sondern farbige Rüstungen (was im Grunde ja auf das Gleiche herauskommt, es ist aber trotzdem ein anderer Stil), wird der Serieneindruck nochmals verstärkt. Die Kampagne kommt am Ende sogar mit Riesenmonstern daher (Godzilla lässt grüßen). Beeindruckend!

Es gibt nur eine Sache, die den humorvollen und trotzdem spannenden Spielspaß empfindlich stört: Das Regelwerk. Es ist aber möglich damit zu spielen, trotz seiner Schwächen. Wer großzügig über kleine Mängel hinwegschauen mag, der ist damit gut bedient. Für alle anderen ist „Freelancer Dynamics Invasion“ nur eine Fundgrube an Ideen. Es gibt einfach bessere – und vor allem einfachere – Systeme. Somit gilt auch hier: Spiel und Abenteuerband sind nur was für Fans der Freelancer-Regeln! Und das ist Schade, denn das Abenteuer selbst ist klasse.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Freelancer Dynamics – Monaco Magic Monsterjäger

Erstellt von Günther Lietz am 28. August 2010

Christian Lonsing
Freelancer Dynamics – Monaco Magic Monsterjäger
Freelancer Quellenband

(sfbentry)

Softcover von Ulisses Spiele (2010)
Redaktion, Text, Layout: Christian Lonsing
Illustrationen: Nadine Wewer
ISBN 978-3-86889-043-3

http://www.freelancer-rpg.de
http://www.ulisses-spiele.de

„Freelancer Dynamics“ ist ein Quellenband zu dem deutschen Rollenspiel „Freelancer“, zu dem bereits „Freelancer – Hexxagon“ erschien. Der Quellenband kommt als geheftetes Softcover daher und stammt aus der Feder von Christian Lonsing, dem Mann hinter dem Projekt.

Wie „Freelancer – Hexxagon“ bedient auch „Freelancer Dynamics“ das Genre der japanischen Tokusatsu-Serien, die in Deutschland durch Reihen wie „Power Rangers“ und „Kamen Riders“ bekannt wurden. Wie in diesen Serien können sich die Charaktere der Spieler in wahre Superhelden verwandeln, in sogenannte Henshin-Formen. Waren diese in „Freelancer – Hexxagon“ noch fantasylastig, so wird es diesmal richtig bunt und orientiert sich Lonsing mit „Freelancer Dynamics“ ganz bei „Power Ranger“ & Co. Sind die Fantasygestalten eher langweiliger Standard, so heben sich die Henshin-Formen diesmal schön ab.

Im Quellenband ist die Charaktererschaffung von „Freelancer“ nochmals enthalten. Es gibt keine Änderungen zu „Freelancer Hexxagon“, das benötigt wird, um die Grundregeln zu haben. Diese können auch auf der Freelancer-RPG-Homepage heruntergeladen werden. Da es keine Änderungen der Regeln gibt sind diese leider noch immer unausgegoren. Etwas besser gelungen sind die Fahrzeugregeln, die in „Freelancer Dynamics“ enthalten sind.

Die neuen Henshin-Formen sind jedoch sehr gut umgesetzt und die Charaktere müssen sich gar für bestimmte Farben entscheiden – ganz nach dem berühmten TV-Vorbild. Das hat Stil und macht auch Laune. Da es sich um Magier handelt, gibt es grüne, blaue, rote, weiße und andere Magier. Das Buch bietet insgesamt zwölf entsprechende Henshin-Formen. Außerdem werden einige neue Zauber und Ausrüstungsgegenstände geboten. Immerhin bedient „Freelancer Dynamics“ ein etwas anderes Thema als „Freelancer Hexxagon“. Abwechslung kommt dadurch in die Charaktererschaffung, dass ein Ensemble erstellt werden soll. Somit wird sichergegangen, dass für jede im Spiel vorkommende magische Farbe auch ein passender Charakter vorhanden ist.

Der Quellenband „Freelancer Dynamics“ dient als ergänzendes Regelwerk, um „ Freelancer Dynamics – Invasion“ zu spielen. Es handelt sich dabei um eine Kampagne, die in einem alternativen Monaco stattfindet. Entsprechend gibt es auch einen kleinen Abriss über den Stadtstaat.

„Freelancer Dynamics“ bedient eine gute Idee mit einem schlechten Regelwerk. Zwar ist der Quellenband auf die dazugehörige Kampagne abgestimmt, kann aber auch für eigene Abenteuer genutzt werden. Unter dem Strich ist es aber nervig, sich mit dem Regelsystem abzugeben. Spiel und Quellenband sind nur was für Fans!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Freelancer Hexxagon

Erstellt von Günther Lietz am 28. August 2010

Christian Lonsing
Freelancer Hexxagon
Grundregelwerk und Kampagne
(sfbentry)

Ulisses Spiele Hardcover (200)
Illustrationen: Nadine Wewer
160 Seiten, ISBN 978-3-86889-019-8

http://www.freelancer-rpg.de/

Aus dem Hause Ulisses stammt „Freelancer Hexxagon“, eine Kampagne zum deutschen Rollenspiel „Freelancer“ aus der Feder von Christian Lonsing. Dabei spricht „Freelancer“ die Liebhaber japanischer Zeichentrick- und Actionserien an. Denn, ähnlich wie in diesen Serien, können sich die Charaktere in mächtige Streiter des Guten verwandeln und sich so finsteren Schurken entgegenstellen.

„Freelancer Hexxagon“ ist nun die erste sogenannte Staffel des Spiels, eine Kampagne zum Rollenspiel, dessen Regeln im Buch enthalten sind. Somit bekommt der Spieler sofort alles was er braucht, um loszulegen. Christian Lonsing erhebt dabei den Anspruch ein einsteigerfreundliches und leicht zu erlernendes Spiel geschaffen zu haben. Eine Fehleinschätzung des Autoren, der ambitioniert an sein Werk herangeht.

Der erste Teil des Buch widmet sich den Spielregeln. Dazu gehört unter anderem die Charaktererschaffung, die ziemlich komplex ist. Zwar gibt es eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, dennoch werden die Zusammenhänge erst nach mehrmaligem lesen erkennbar. Die vielen Zahlen können auch leicht verwirren. „Einfach“ sieht anders aus.

Das schlägt sich dann auch in dem restlichen Regelwerk nieder, dass kein einheitliches System besitzt und seinem eigenen Anspruch nur wenig gerecht wird. So gibt es sehr viele Zusatzregeln, Schadenszustände und unnötig aufgesplittete Fertigkeiten. Zwar basiert „Freelancer“ auf einem W20-System das mit Mindestwürfen funktioniert, aber dieses System wird stellenweise aufgeweicht oder gar ignoriert. So gibt es Charaktere die mit Pokerkarten agieren statt zu würfeln und Regeln für „Hindernisparcours“, die einen Abstecher ins Jump’n'Run-Genre erlauben. Letzteres kann auch als Minispiel innerhalb des Rollenspiels ablaufen oder auch vom Rollenspiel losgelöst auf den Tisch kommen. Eine nette Idee, die zu einer Würfelorgie verkommt, da alleine für jedes Feld Bewegungsproben oder Aufenthaltsproben fällig werden. Grausig!

Im Mittelpunkt des Spiels stehen die Verwandlungen der Charaktere. Diese können Henshin-Formen annehmen, die allesamt aus dem Fantasybereich stammen. Die Quelle dieser Macht wird im Laufe des Spiels enthüllt, ebenso das Geheimnis um die Verwandlungen. Die Henshin-Formen brechen das Regelgerüst nun weiterhin auf. Zudem befinden sie sich im Ungleichgewicht zueinander. So kommt der eine nur mit popeligen Verwandlungen daher, während der andere beinahe unsterblich durch die Welt hüpft. Das ist ziemlich tumb und freudlos.

Allgemein wirkt das das Regelwerk wie ein großes Stückwerk, als habe sich der Autor sich aus den Bereichen bedient, die ihm gerade einfielen. Die wenigsten Elemente werden konsequent umgesetzt und so ist auch eine klare Linie zu vermissen. Einziges wiederkehrendes Erkennungszeichen stellt die Verbindung zu den Tokusatsu-Serien dar, die in Deutschland durch Sendungen wie „Power Rangers“ und „Kamen Riders“ bekannt sind.

Diese Verbindung ist auch zentraler Bestandteil der Spielhintergrunds. So sind die Charaktere der Spieler sogenannte Emorpher, die von einer Organisation namens Corp angeheuert werden und sich dann später als Freelancer verdingen. Natürlich im Namen des Guten.Die Verbindung zum Corp bleibt dabei aktiv, denn nur so erhalten die Freelancer die Artefakte, durch die sie sich verwandeln können.

Das klingt erst einmal sehr kitschig und japanisch überzogen, was es schlussendlich auch ist und sich deswegen von den üblichen Rollenspielen abhebt. So misslungen das Spielsystem, so gelungen die Spielidee. Hier präsentiert Christian Lonsing einen neuen und frischen Stil, mit der auch junge Leute fern der klassischen Rollenspiele angesprochen werden. Zudem ist der Autor auch stark um neue Rollenspieler und Anfänger bemüht. So gibt er viele Tipps zum Spielen und zur Gestaltung des eigenen Spiels.

Auch die Kampagne ist erfrischend anders und weiß zu überzeugen. Sie spielt Morgen in einem Jahr und findet in Köln statt. Dabei gibt es natürlich einige starke Abweichung zu unserer Realität, was ebenfalls Teil der Kampagne ist. In dem zehnteiligen Abenteuer dreht sich alles um einen gewissen Hexxagon, der Köln in seinen Klauen hält und die Freelancer herausfordert. Was auf den ersten Blick an den Haaren herbeigezogen klingt, entpuppt sich während dem Spielen als sinnvolle Geschichte mit Tiefgang. Das macht große Laune.

Die Aufmachung des Buchs macht leider weniger Laune. Das Layout geht verschwenderisch mit dem Platz um und die Illustrationen sind eher durchschnittlich. Trotz dem gewählten Spielstil gibt es auch keinen echten Manga- oder Anime-Style. Das ist ebenfalls sehr bedauerlich. Es fehlt auch ein Charakterbogen und ein Index. Dadurch wird die Suche nach einem bestimmten Begriff oder einer Regel zum Geduldsspiel.

Unter dem Strich bleibt ein zweigeteiltes Gefühl. Da wäre zum Einen die hervorragende Idee und der Einsatz des Autoren, mit der dazugehörigen unterhaltsamen Kampagne in Köln. Zum Anderen gibt es aber das misslungene Regelwerk, dass den ganzen Spielspaß ausbremst. Somit ist „Freelancer Hexxagon“ nur etwas für Freunde des Genres, die sich des Styles wegen mit den Unzulänglichkeiten des Systems abgeben.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Herr der Maschinen

Erstellt von Werner Karl am 27. August 2010

Jean Dufaux (Text), Philippe Xavier (Zeichnungen) & Jean-Jacques Chagnaud (Farbe)
Herr der Maschinen
Kreuzzug 23

(sfbentry)
Croisade: Le maitre des machines, Frankreich, 2009
Splitter Verlag, Bielefeld, 1. Auflage: 01/2010
HC-Album, Fantasy, History, Adventure
ISBN 978-3-940864-39-0
Aus dem Französischen von Resel Rebiersch
Titelgestaltung von Dirk Schulz unter Verwendung eines Motivs von Philippe Xavier

www.splitter-verlag.de
http://lambiek.net/artist/d/dufaux_jean.htm
http://lambiek.net/artist/x/xavier_p.htm
www.indigo-online.de

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Robert von Tarent wurde zum Anführer der Kreuzfahrer gewählt, die Hierus Halem befreien und den Leichnam des heiligen X3 bergen wollen. Ihr Vormarsch wird jedoch vom Heer des Sultans Ab’Dul Rasim und durch den tödlichen Wüstenwind gestoppt. Um die Machtposition ihres Geliebten Robert zu sichern, schließt Eleonore, die Gemahlin von Gunther von Flandern, einen Pakt mit dem Herrn der Maschinen, der entgegen ihrer Wünsche diese Gelegenheit ergreift, um Robert, der nach einem Blick in den Spiegel der Sünderin Magdalena immer mehr seinen Ängsten und dem Wahn verfällt, durch ein Gottesurteil aus dem Weg zu räumen.

Unterdessen wird Eleonores Schwester Syria, die in Gunther verliebt ist, von Ab´Dul Rasim aus dem Harem des grausamen Sarek Pascha errettet. Obwohl ein Orakel ihn warnte, verliebt sich der Anführer der Muslime in die schöne Christin, und sie ist durchaus geneigt, sich ihm hinzugeben, aber dann erinnert sie sich an Gunther, über dessen Schicksal sie nichts weiß. Dieser hat mittlerweile Kontakt zu den Juden von Samarand aufgenommen und möchte sie um Unterstützung für die Kreuzfahrer bitten. Im Gegenzug will er sie vom Aar, dessen Hüter die Juden sind, befreien, doch müssen die mutigen Ritter, die das monströse Wesen in seinem unterirdischen Reich aufstöbern, einen hohen Preis zahlen.

Die Story orientiert sich an realen Geschehnissen und historischen Persönlichkeiten (dazu gibt es auch ein Vorwort des Autors, ergänzt durch einige Abbildungen), wobei es den Künstlern gelingt, die unheilvolle Atmosphäre des Konflikts einzufangen, das Denken und Handeln der Protagonisten, die Kinder ihrer Zeit sind, glaubwürdig darzustellen und alles durch eine Portion Magie zu einer phantastischen Abenteuererzählung auszubauen, die vertraut und fremd zugleich erscheint. Bd. 1 der vierteiligen Serie „Kreuzzug“ stellte das Setting, die Akteure und die Problematik vor. Im zweiten Album wurden die Intrigen vorangetrieben und weitere Charaktere eingeführt. Im dritten Teil stehen die Hauptfiguren an einem Scheideweg: Sie müssen eine Wahl, die ihr Leben nachhaltig beeinflussen wird, treffen, mit Verlusten, hässlichen Wahrheiten und den Folgen ihres Tuns fertig werden.

Genauso wie die Christen untereinander zerstritten sind und über ihre Machtkämpfe den eigentlichen Grund ihres Hierseins fast vergessen haben – natürlich geht es den Kreuzfahrern in erster Linie um Ruhm und Reichtümer, und ihre Gier legitimieren sie durch den Auftrag ihrer religiösen Führer, die ebenfalls weltliche Interessen haben -, gibt es auch in den Reihen der Muslime Personen, die eigene Ziele verfolgen und keine Skrupel kennen. Als dritte Kraft halten sich die Juden bislang im Hintergrund. Welche Konsequenzen sich aus den jüngsten Bündnissen und Entwicklungen für alle Parteien ergeben, ist noch offen, und so bleibt die Spannung nach reichlichen Appetithäppchen gewahrt. Die Geschichte wird in wunderschönen, detailreichen Bildern wiedergegeben, klammert aber auch die grausigen Seiten von Verrat und Krieg nicht aus.

Die Sinnlosigkeit der Gräuel, die auf einige Fanatiker zurückgehen, wird deutlich gezeigt und steht in einem schockierenden Kontrast zu den wenigen ruhigen Szenen, die vage hoffen lassen, dass eine Verständigung trotzdem möglich ist und weitere Blutbäder vermieden werden können. Als Bonbon gibt es wieder zwei aufklappbare Seiten, die das tragische Schicksal von Robert von Tarent schildern, der zu viel wollte und einen schwerwiegenden Fehler beging. „Kreuzzug“ ist eine großartige Reihe, die es mit Titeln wie „Einhorn“, „Die Druiden“ und „Silbermond über Providence“ aufnehmen kann. Die Story ist spannend und voller Überraschungen, die Charaktere und menschlichen Tragödien können überzeugen, und die Illustrationen sind eine wahre Augenweide. Sammlern schöner Comic-Alben und den Freunden des historisch-phantastischen Genres kann man die Serie nur wärmstens empfehlen!

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

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Wohin die Ströme fließen

Erstellt von Werner Karl am 27. August 2010

Manuel Bichebois (Text) & Didier Poli (Zeichnungen)
Wohin die Ströme fließen
Kind des Blitzes 3

(sfbentry)
L’enfant de l’orage: Oú portent les courants, Frankreich, 2009
Splitter Verlag, Bielefeld, 1. Auflage: 03/2009
HC-Album, Comic, Fantasy
ISBN 978-3-940864-27-7
Aus dem Französischen von Resel Rebiersch
Titelgestaltung von Dirk Schulz unter Verwendung einer Illustration von Didier Poli

www.splitter-verlag.de
http://lambiek.net/artists/p/poli_didier.htm
www.indigo-online.de

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Das Findelkind Laith überrascht und ängstigt seine Freunde vom Stamm der Dafows, als er durch die Kraft des Blitzes einen verunglückten Spielkameraden ins Leben zurückholt. Diese Fähigkeit erregt schnell das Interesse anderer, die Laith für ihre Pläne missbrauchen wollen, und der Junge muss fliehen. Auf der Suche nach Hinweisen, wer seine Mutter war und wieso er über diese mysteriöse Kraft verfügt, gerät er schließlich in Gefangenschaft. Man nimmt ihm die Blutseine, das einzige Andenken an die Tote, ab und zwingt ihn, als Taucher zu arbeiten. Zufällig stößt er erneut auf den Arzt Dalun, der sich in derselben Stadt niedergelassen hat. Gemeinsam entdecken sie ein geheimes Labor, und die tragische Geschichte von Laith und seiner Mutter wird enthüllt …

„Kind des Blitzes“ fing recht viel versprechend an, ließ mit Bd. 2 jedoch etwas nach, da die Handlung durch mehrere Handlungsebenen und Zeitsprünge zerfaserte und es kaum relevante Informationen gab, die des Lesers Neugierde hätten wach halten können. Wer trotzdem dem dritten Teil eine Chance gibt, wird nach einem zähen Beginn mit einer deutlichen Steigerung belohnt. Ab dem Aufeinandertreffen von Hauptfigur Laith und Dalun erfährt man endlich mehr über die Blutsteine, die Herkunft von Laiths Mutter und welche Bewandtnis es mit der seltsamen Fähigkeit des Jungen, Blitze zu kontrollieren, auf sich hat.

Nach diesen Enthüllungen und der Wiedervereinigung mit den Freunden aus dem Dorf hätte die Geschichte vielleicht mit einem Happy End abgeschlossen werden können, aber nein: Auf diesen ersten Zyklus soll ein weiterer folgen. Tatsächlich verläuft die Begegnung mit den anderen Jugendlichen überhaupt nicht gut, und nach einer neuerlichen Tragödie hadert Laith nicht nur mit dem, was er ist, sondern auch die Freunde stehen ihm zwiespältig gegenüber. Ein glückliches Ende scheint ferner denn je. In Folge wurden mit den Antworten, die man erhielt, neue Fragen aufgeworfen: Kann sich Laith mit dem, was er erfuhr, arrangieren und sich eine friedliche Zukunft aufbauen? Werden ihm die Freunde Verständnis entgegen bringen? Holt der Krieg alle früher oder später ein? Was wird dann aus Laith, dessen Geheimnis einigen machtlüsternen Kriegstreibern bekannt ist? Welche Rolle wird Dalun künftig innehaben?

Will man wissen, wie es weitergeht, muss man schon die nächsten Bände abwarten. Die detailreichen, stimmungsvoll kolorierten Illustrationen machen Lust auf mehr. Auch die ungewöhnlichen Figuren, die teils menschlich, teils tierisch erscheinen, sind mal etwas anderes, wird die Fantasy doch meist von Menschen, Elfen, Zwergen u. ä. Standardvölkern dominiert. Ihre Konflikte sind reizvoller als die Machtkämpfe und Kriegswirren an anderen Orten.

„Kind des Blitzes“ ist eine bislang dreiteilige Serie, die ein zwiespältiges Gefühl hinterlässt. Einerseits spielen die Künstler mit bekannten Motiven des Genres, und die Story wirkt mitunter etwas konfus, doch die Charaktere sind interessant, die Illustrationen gefällig, es gibt interessante Ansätze, und das Ende macht neugierig auf das Kommende. Es empfiehlt sich, ein wenig in den Bänden zu blättern, bevor man sich für oder gegen den Kauf entscheidet.

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

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Hellgate London

Erstellt von Werner Karl am 26. August 2010

Ian Edginton
Hellgate London

Hellgate London 1 – 4, Dark Horse, USA, 2007
Panini Comics, Stuttgart, 08/2007
PB, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat auf Kunstdruckpapier
Horror, Action
ISBN 978-3-86607-479-8
Aus dem Amerikanischen von Jonah Tabeh
Titelillustration von Aleksi Briclot
Zeichnungen von Steve Pugh

www.paninicomics.de
www.stevepugh.com/
http://www.aneyeoni.com/

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

In London öffnet sich im Jahr 2020 das Tor zur Hölle, und einzig die Mitglieder des längst aus den Augen der Öffentlichkeit verschwundenen Tempelritterordens sind darauf vorbereitet. Als Armageddon beginnt und die Stunden der Menschheit gezählt zu sein scheinen, stellen sich die Templer zwischen Dämonen und Menschen. Aber gegen die Übermacht des Bösen haben auch die Tempelritter kaum eine Chance. 2038 wird in einem alten Folianten eine Geheimnachricht entdeckt. Nur wenn sich die bisher verbliebenen Kämpfer zusammentun, wird die Menschheit überleben können. So finden sich ein Templer, ein Jäger und ein Kabbalist zusammen, um ein Siegel zu suchen und zu brechen. Die drei Kämpfertypen repräsentieren die Figuren die auch im PC-Spiel genutzt werden können. Im Comic wird sowohl der Templer als auch der Kabbalist jeweils von einer Frau besetzt.

Die Zeichnungen sind mit kräftigen Farben und sehr plakativ gestaltet. Hintergründe oder feinere Strukturen sind Mangelware. Die Geschichte ist sehr actionlastig und somit auch auf die Personen fokussiert. Das zerstörte London erscheint im Comic nicht; es könnte sich beim Handlungsort auch um jede andere Großstadt handeln. Der Action tut das ganze keinen Abbruch, die Kämpfe sind, auch durch eine nichtlineare Panelgestaltung, gut dargestellt und beherrschen teils mehrere Seiten. Dialoge sind Mangelware, für den Fortgang des Geschehens aber ausreichend genug, um dem Leser jederzeit die Lage deutlich zu machen. Leider wird ausgiebig mit ‚lautsprachlichen‘ Elementen gearbeitet, so dass es viel „Grahh!!”, „Gnam-Gnam!” oder auch „Hgrrrr…” zu lesen gibt. Das ist nicht unbedingt störend, in der Masse nur überflüssig. Die Bilder zeigen genug und müssten nicht durch diese ‚Lautmalerei‘ erklärt werden.

Insgesamt handelt es sich hier um eine hervorragend gezeichnete und flott erzählte Geschichte, die von Action dominiert wird, aber trotzdem den Handlungsfaden nicht verliert. Sicher nicht nur für Fans des PC-Spiels interessant!

Copyright © 2010 by Thomas Folgmann (ft)

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

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Guy Ritchie’s Gamekeeper

Erstellt von Werner Karl am 26. August 2010

Guy Ritchie, Andy Diggle
Guy Ritchie’s Gamekeeper

Gamekeeper 1 – 5, Virgin Comics, USA, 2007
Panini Comics, Stuttgart, 03/2008
PB mit Klappbroschur, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat auf Kunstdruckpapier
Action, Thriller
ISBN 978-3-86607-591-7
Aus dem Amerikanischen von Bernd Kronsbein
Titelillustration John Cassaday
Zeichnungen Mukesh Singh

www.paninicomics.de
www.andydiggle.com/
www.johncassaday.com/

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

Auf einem abgelegenen Gut in Schottland greift der tschetschenische Wildhüter einen Jugendlichen in der Wildnis auf und bringt ihn auf den Hof. Damit wird eine Vergangenheit wachgerufen, die nur vermeintlich schon längst vergessen worden war. Brock, der Wildhüter, muss sich dieser – seiner – Vergangenheit stellen und die mittlerweile so vertraute Natur gegen die großstädtische Unterwelt tauschen. Um die Quelle der Gewalt, der gegenwärtigen wie der vergangenen, zu finden, muss es zu dem werden, was er sonst selbst vor der Flinte hatte: zum Raubtier.

So plakativ und simpel die Geschichte klingt, so gradlinig ist sie auch gezeichnet. Hintergründe lassen sich mehr erahnen, als dass sie dem Leser gezeigt werden. Stimmung und aktuelles Umfeld des Protagonisten wird durch jeweils dominierende Farbgebung erzeugt: Das friedliche Leben auf dem schottischen Gut ist z. B. in hellem, freundlichem Grün und Blau gezeichnet. Die Vergangenheit Brocks in tristem Schwarz-Weiß.

Wenig dynamische Panel-Anordnungen, sparsame Texte und Dialoge fallen beim ersten Durchblättern auf. Aber die Dynamik entsteht gerade auch durch die klaren Linien, die ausdrucksstarken Gesichter und die, sogar in den Rückblenden, einfach spannend erzählte Geschichte. Kein Wort zu viel, kein Bild zu wenig. Die Kunst des Weglassens, Zwischentöne der Phantasie des Lesers zu überlassen, das wurde hier gekonnt ins Medium Comic gepackt.

Wer sich an einer teils sehr brutalen, actionreichen, ‚üblichen‘ Rachegeschichte nicht stört, findet hier ein Album, welches zum mehrfachen Durchlesen und Anschauen einlädt. (1xPRT)

Copyright © 2010 by Thomas Folgmann (ft)

Titel erhältlich bei buch24.de
Titel erhältlich bei booklooker.de

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Das Schattenkönigreich

Erstellt von Werner Karl am 25. August 2010

Arvid Nelson
Das Schattenkönigreich
Kull 1

Kull 1 – 6, Dark Horse, USA, 2009
Panini Comics, Stuttgart, 05/2010
PB, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat mit Klappbroschur auf Kunstdruckpapier
Fantasy, Horror
ISBN 978-3-86607-367-8
Aus dem Amerikanischen von Bernd Kronsbein
Titelillustration von Will Conrad und Andy Brase
Zeichnungen von Will Conrad, Farbe von José Villarrubia

www.paninicomics.de
www.arvidland.com/
www.willconradart.com/
www.myspace.com/brazart
www.myspace.com/josevillarrubia

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Kull ist eine Figur des Autors Robert E. Howard – wie auch der sehr viel bekanntere Conan, sein weibliches Pendant Red Sonja (die erst von den Comic-Künstlern zu seiner Zeitgenossin gemacht wurde), Solomon Kane u. a. Er wurde bereits 1929 erschaffen, erlebte aber nur wenige Abenteuer in „Weird Tales“ und machte schnell Platz für Conan (tatsächlich wurde eines von Kulls Abenteuer, das der Verleger abgelehnt hatte, umgearbeitet zur ersten „Conan“-Story). In den 1970er Jahren erlebte Kull im Zuge des breiten Interesses an „Conan“-Comics eine Wiedergeburt, bei der er jedoch weiterhin im Schatten des anderen Helden stand. Nach drei Anläufen wurde der Titel wieder eingestellt (1989). Erst 2008 erinnerten sich die Comic-Autoren und -Zeichner ein weiteres Mal dieser Figur, und auch Dark Horse präsentiert die neuen Abenteuer im Kielwasser der erfolgreichen „Conan“-Graphic Novels. Das vorliegende Paperback beinhaltet die Episoden „Kull 1 – 6 (Vol. 4)“, basierend auf Howards Klassiker „Das Schattenkönigreich“. Autor der Adaption ist Arvid Nelson („Rex Mundi“, „Red Sonja“), die Illustrationen stammen von Will Conrad („Serenity“, „Conan“).

Viele, viele Generationen vor dem hyborischen Zeitalter war Atlantis ein hochzivilisiertes Großreich. Doch seine Blüte ist nun vorbei, die Atlanter sind in die Barbarei zurückgefallen, und die Herrscher jüngerer Völker bestimmen die Geschicke der bekannten Welt. Trotz ihres Wissens und ihrer starken Armeen haben sie Kull von Atlantis dennoch nichts entgegenzusetzen. Er unterwirft das mächtige Valusien und krönt sich zum König. Die meisten Überlebenden hassen den Usurpator, da sie befürchten, dass er das tyrannische Regime seiner Vorgänger fortsetzen will. Tatsächlich bemüht sich Kull, die Bräuche seiner neuen Heimat anzunehmen, Diplomatie und Milde walten zu lassen und nur mit dem Schwert zu regieren, wenn es kein anderes Mittel gibt.

Trotz aller Vorsicht wäre Kulls Herrschaft bereits nach wenigen Tagen beinahe vorbei gewesen, denn Feinde, die nicht vor dem Einsatz von Gift und Magie zurückscheuen, haben längst die Festung infiltriert und die Getreuen des Atlanters unterwandert. Hilfe erhält Kull ausgerechnet von den Picten, den Erzfeinden seines Volkes, da Ka-Nu, der Oberste Ratgeber des Picten-Königs, Kull für das kleinere Übel als den Schlangenkult hält und anerkennt, dass der neue Herrscher Valusiens ein besserer Verbündeter sein wird als jene, die vor ihm auf dem Thron saßen. Ka-Nu entsendet Brule, einen seiner Krieger, um Kull zu warnen und ihm zur Seite zu stehen – und das keinen Moment zu früh, denn die Anhänger der Schlange sind bereits unterwegs, um Kull zu ermorden und ihn durch einen der ihren zu ersetzen …

Wer „Conan“ und „Red Sonja“ schätzt, wird an „Kull“ ebenfalls viel Freude haben. Auch der Atlanter ist ein kerniger Barbar, der einerseits ein guter, zivilisierter König sein möchte, andererseits aber genau weiß, wann er zum Schwert greifen muss. Immer wieder finden sich kleine Szenen, die seine Einstellung und seine Gratwanderung zwischen Gewalt und Diplomatie beschreiben, was ihm eine individuelle Note verleiht, durch die er sich von anderen Sword & Sorcery-Helden (insbesondere Conan) unterscheidet. Kämpfe und Action sind dennoch reichlich vorhanden, ohne zum Selbstzweck zu verkommen, denn Kull weiß Probleme auch durch Verstand und List zu lösen. Seine Gegner sind – in diesen Episoden – weniger die unzufriedenen Fürsten, die er unterworfen hat, sondern die Anhänger des Schlangenkultes, eine einflussreiche Religion und ein uralter Mythos zugleich, über den Kull mehr und mehr erfährt, aber nicht so viel, dass alle Fragen beantwortet würden.

Die Geschichte ist zwar in sich abgeschlossen, doch das Thema wird voraussichtlich auch die weiteren Bände beherrschen und sicherlich noch für einige Überraschungen gut sein: Was verbirgt der Nuntius hinter seiner Maske? Welche Bewandtnis hat es mit dem ‚Auge des Schreckens‘, das sich nun in Kulls Besitz befindet? Obwohl sich die Handlung um eine zentrale Figur, um Kull, rankt, ist dieser nicht übermächtig, sondern auf die Hilfe anderer angewiesen, und er nutzt auch die Kenntnisse seiner Verbündeten. Zwar bleiben diese mit Ausnahme von Brule weitgehend im Hintergrund, aber sie bereichern die Geschehnisse sinnvoll und unaufdringlich. Auf unnötige Details wird verzichtet, und doch ist die Handlung komplex, packend und reizvoll. Ansprechende, realistische und dynamische Illustrationen runden den Comic gelungen ab. Es gelingt Will Conrad, Kull als Kämpfer und als Taktiker überzeugend darzustellen.

Besonders erfreuen die vielen Feinheiten, mit denen die Hintergründe und opulenten Gewänder versehen sind. „Kull 1“ ist ein viel versprechender Auftaktband zu einer neuen Fantasy-Serie, die sich durchaus mit „Conan“ und „Red Sonja“ messen kann. Auch die Gestaltung des Bandes – Paperback mit Klappbroschur, Kunstdruckpapier, Cover-Galerie, Hintergrundinformationen, rund 150 Seiten für knapp EUR 17.-, ein in sich abgeschlossenes Abenteuer, das keine Vorkenntnisse verlangt – ist sehr gefällig, entspricht sie doch der der anderen Graphic Novels. (2xPRT)

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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Im Reich des Donnerdrachen

Erstellt von Werner Karl am 25. August 2010

Henk Kuijpers
Im Reich des Donnerdrachen
Franka 8

(sfbentry)
De ondergang van de donderdraak, Niederlande, 1986/2007
EPSILON Verlag, Pinneberg, 05/2009
SC-Album, Comic, Fantasy, Krimi, Funny
ISBN 978-3-932578-68-7
Aus dem Holländischen von N. N.
Titelillustration und Zeichnungen von Henk Kuijpers

www.epsilongrafix.de/
www.franka.nl/

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Zufällig entdeckt Franka bei einem Antiquitätenhändler den Unterkiefer eines – wie sie später erfährt – Mixosauriers. Die Chinesin Mai Mai lässt nichts unversucht, um das Artefakt an sich zu bringen. Um ihr zu entkommen und das Rätsel um das mysteriöse Fossil zu lösen, das nicht annähernd so alt ist, wie es sein sollte, flogt Franka zusammen mit der Forscherin Ava Adler einer alten Spur bis zu einer Philippinen-Insel. Dort verschlägt es die drei in eine eigentümliche Welt am Grunde eines Kraters, die von Dinosauriern dominiert wird. Um zu überleben und wieder nach draußen zu finden, müssen die jungen Frauen ihre Konflikte vergessen und am selben Strang ziehen. Während Franka nur nach Hause will, dokumentiert Ava, von Ruhm träumend, die archaische Flora und Fauna – und was hat Mai Mai im Sinn?

„Im Reich des Donnerdrachen“ ist der 8. „Franka“-Band und zugleich die Fortsetzung bzw. der abschließende Teil von „Die Zähne des Drachen“. Man sollte diesen gelesen haben, um zu wissen, aus welchem Grund sich die Titelheldin zusammen mit einer Wissenschaftlerin auf der Suche nach vielleicht noch lebenden Dinosauriern befindet und welche Animositäten zwischen ihr und der Verfolgerin bestehen. Natürlich geraten Franka und Ava, schließlich auch Mai Mai in ein Abenteuer, das ihre kühnsten Erwartungen weit übertrifft. Man fühlt sich dabei an Sir Arthur Conan Doyles „The Lost World“ und ähnliche Klassiker erinnert, in denen eine zusammengewürfelte Gruppe einen isolierten Ort entdeckt, an dem die Zeit stehen geblieben scheint und urweltliche Pflanzen und Tiere überdauert haben.

In Folge kann sich der Künstler so richtig austoben mit dem Entwurf einer phantastischen, farbenprächtigen Kulisse, vor der hübsche, knapp bekleidete Mädchen agieren. Obwohl Fantasy, Action und Spannung nicht zu kurz kommen, nimmt sich Henk Kuijpers Zeit, die unterschiedlichen Charaktere seine Protagonistinnen auszuarbeiten:
Franka wurde wider Willen in die Sache verwickelt und möchte Antworten haben. Sie ist die ideenreiche Pragmatikerin, die das Wesentliche – aus der Urwelt-Falle herauszukommen – nicht aus den Augen verliert. Ava verfügt über die notwendigen Mittel, die Expedition zu finanzieren, doch ist sie die typische, verbohrte Wissenschaftlerin, die nur an ihre Arbeit denkt. Prompt verliert sie sich in ihrem Wunsch, die Richtigkeit einer Theorie zu beweisen und die Anerkennung der Fachwelt zu erringen. Mai Mai bleibt undurchschaubar bis zum Schluss. Zwar arrangiert sie sich mit den anderen, aber werden die drei wirklich zu Freundinnen? Angesichts der unterschiedlichen Interessen dürfte klar sein, dass das Happy End nicht allzu schnell kommen wird, falls es überhaupt eines gibt. Tatsächlich vermag das Finale zu überzeugen.

Alles in allem ist „Im Reich der Donnerdrachen“ eines der schönsten „Franka“-Abenteuer, das Lust macht, auch die anderen Bände kennen zu lernen, sofern man sie noch nicht gelesen hat. Henk Kuijpers wartet mit einer spannenden Story um drei grundverschiedene Frauen auf, die ein Rätsel lösen wollen, und ergänzt mit ansprechenden Illustrationen. Der Mix aus Fantasy, Krimi und Funny ist wirklich gelungen!

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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