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Archiv für September, 2010

Puerta Oscura – Totenreise

Erstellt von Werner Karl am 30. September 2010

David Lozano Garbala
Puerta Oscura – Totenreise

Originaltitel: La Puerta Oscura – El Viajero
Loewe Verlag
ISBN 978-3-7855-6863-7
Jugendbuch / Fantasy
1. Auflage 2010
Aus dem Spanischen von Susanna Mende
Umschlagillustration: Alfonso Ruano, Pablo Nunes
Umschlaggestaltung: Christian Keller
Hardcover, 608 Seiten

www.loewe-verlag.de

Titel erhältlich by Buch24.de
Titel erhältlich by Booklooker.de

Zum Autor:

David Lozano Garbala wurde 1974 in Zaragoza geboren. Schon als Jugendlicher liebte er Fantasy- und Horrorfilme und er fing schon früh an, selbst zu schreiben. Er studierte Jura und arbeitete als Anwalt in seiner Heimatstadt, aber er hörte nie auf, Geschichten zu erzählen. Seit dem Erscheinen von Puerta Oscura in Spanien ist David Lozano Garbala dort zu einer Ikone der Jugendliteratur geworden.

Zum Buch:

Pass auf,
wenn du die Dunkle Pforte durchschreitest!
Du begibst dich direkt in die HÖLLE.
Du hast nur sieben Tage Zeit
In der Ewigkeit.
Dann schließt sich die Pforte wieder.
Für immer.

Diesen kurzen Hinweis auf „Totenreise“ gibt uns der Schutzumschlag des Buches auf seiner Rückseite und hat mich damit sogleich neugierig gemacht. Mit den vielen abgebildeten Skeletten und seiner schwarzen und weißen Gestaltung zieht der Schutzumschlag sofort die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich.

zum Inhalt:

Pascal ist verliebt in Michelle und er hat es ihr gesagt. Nun hofft er, dass Michelle diese Gefühle erwidert, aber bis heute wartet er auf eine Antwort. Er denkt diese Antwort  auf der Gothic Party zu bekommen zu der er sich mit Michelle und seinem im Rollstuhl sitzenden Freund Dominique verabredet hat. Die Party findet bei Jules Marceaux statt, einem Bekannten Michelles aus der Gothic Szene. Aber es kommt vollkommen anders. Pascal hat für die Party keine geeignete Verkleidung und so begibt er sich auf den Dachboden des Gastgebers wo er in einer alten Truhe nach passenden Bekleidungsstücken sucht. Diese Truhe ist jedoch mehr als ein Aufbewahrungsort. Sie ist die dunkle Pforte, die sich nur alle hundert Jahre für einen Wanderer aus der Menschenwelt öffnet. In dieser Nacht öffnet sie sich für Pascal und der junge Mann betritt die Welt der Toten. Er findet sich auf dem Friedhof „Montparnasse“ wieder, in einer anderen Dimension. Dort trifft er freundliche, hilfsbereite Tote aber auch böse Gestalten. Jedenfalls erfährt Pascal, dass er der Wanderer ist und nunmehr jederzeit die Möglichkeit hat die Welt der Toten zu betreten und zu verlassen, wenn er sich an gewisse Regeln hält.

Zeitgleich mit Pascals Übertritt in die Welt der Toten ist leider auch ein Geschöpf aus der Welt der Toten in die Welt der Lebenden geraten und nun treibt sich ein Vampir in Paris herum. Diesen gelüstet es zunächst einmal nach frischem Menschenblut, aber er will mehr. Die Herrschaft der Vampire über die Welt will er erreichen und so ist sein wichtigstes Ziel: Die Zerstörung der dunklen Pforte. Wird es Pascal gelingen den Vampir zu stoppen? Wer kann ihn im Kampf gegen das Böse unterstützen? Jedenfalls braucht er Hilfe, denn plötzlich ist Michelle verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Bald ist klar: Sie ist in die Hände des Vampirs gelangt und für diesen nur Mittel zur Umsetzung seiner Ziele. Mit den ersten Todesfällen nehmen die Ermittlerin Marguerite und der Gerichtmediziner Marcel die Untersuchung der Angelegenheit in der Welt der Lebenden auf. Dabei kreuzen sich mehr als einmal ihre Wege mit denen der Jugendlichen und der Wahrsagerin Daphne, die den Mächten des Bösen ebenfalls den Kampf  angesagt hat und viel zu wissen scheint über die Welt der Toten und Vampire.

Das Buch entführt den Leser in eine andere Dimension, in ein Zwischenreich. Größtenteils ist die Stimmung recht düster und schauerlich. Die Handlung wechselt auch innerhalb eines Kapitels recht häufig was einerseits einen etwas negativen Einfluss auf den Lesefluss hat, andererseits aber auch Tempo in die Handlung bringt. Die Grundidee der Geschichte jedoch ist herausragend. Pascal tritt eine Reise an durch die Welt der Toten, die mit großen Gefahren verbunden ist. Hier lässt der Autor durch die Erforderlichkeit von Zeitreisen viel Abwechslung in die Handlung einfließen. Auch in der Welt der Lebenden geht es spannend zu. Die Wahrsagerin Daphne und die Ermittlerin Marguerite sind immer wieder für Überraschungen gut. Wo ihre Absichten eigentlich relativ ähnlich sind, haben sie ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, wie sie ihr Ziel erreichen wollen.

Das Buch lebt von seiner interessanten Grundidee. Leider gibt es sehr viele Dinge, die nur sehr kurz angesprochen werden und auch im Gesamtverlauf der Geschichte nicht aufgeklärt werden. Da davon auszugehen ist, dass „Puerta Oscura – Totenreise“ nur der Beginn einer mehrteiligen Reihe ist, kann der Leser nur hoffen, dass offene Fragen noch in einem Fortsetzungsband aufgeklärt werden. Totenreise ist in seiner Darstellung schon recht gruselig und daher nicht unbedingt für ganz junge jugendliche Leser geeignet. Ich würde es ab ca. 14 Jahren empfehlen. Eine geniale Idee, spannend umgesetzt mit viel offenem Potential für zukünftiges Lesevergnügen.

Copyright © 2010 by Iris Gasper

… und noch eine Rezi zum Titel:

Pascal, Dominique und Michelle sind gut befreundet, aber Pascal empfindet für Michelle mittlerweile viel mehr als das. Er gesteht ihr seine Gefühle, aber Michelle lässt ihn noch zappeln und muss sich ihre Entscheidung überlegen. Auch Dominique ist über diesen Verlauf nicht sehr glücklich, er fühlt sich außen vor und seine Behinderung macht es nicht besser. Durch einen Besuch bei der Wahrsagerin Daphne hat diese dunkle Visionen über Pascals Zukunft, die sich niemand erklären kann. Als die drei zu einer Gothicparty eingeladen werden, verschwindet Pascal plötzlich. Auf der Suche nach einem geeigneten Kostüm auf dem Speicher fällt er in eine ominöse Truhe und versteht erst sehr langsam, in welche Welt er dort geraten ist: Er hat das Totenreich betreten! Er lernt hier diverse seltsame Wesen und Orte kennen und erhält die Erklärung zur seinem Übertritt auf dem Pariser Friedhof. Pascal ist der Auserwählte, der Wanderer, den es nur alle hundert Jahre gibt!

Er kann das Totenreich betreten und wieder verlassen, hat aber nur sieben Tage Zeit, bis sie sich die Pforte dorthin wieder 100 Jahre verschließt. Doch nachdem er diese überschritten hat, passieren in Paris seltsame bestialische Morde, auf die selbst die Polizei keinen Rat weiß. Diese Morde scheint keine menschliche Gestalt zu begehen und bald wird klar, dass dieses Wesen in Gestalt eines Menschen zeitgleich mit Pascals Übertritt ins Totenreich in die Gegenwart gelangt ist. Als Michelle plötzlich zudem spurlos verschwindet, weiht Pascale Dominique in seine Erlebnisse ein und sie begeben sich mit Hilfe von der Wahrsagerin Daphne auf die gefährliche Suche. Doch auch das Wesen wittert seine Chance, den Übertritt ins Totenreich mit deren Hilfe zu finden, um ihn zu zerstören und ist Ihnen auf der Spur, genauso wie die ermittelnde Polizei, die hier versucht, Zusammenhänge aufzudecken! Wird es dem Wesen gelingen, seine Macht auszuspielen und Pascale, Michelle aufzuspüren und vorher wieder in die Welt der Lebenden überzusiedeln? Denn wenn der Übergang zerstört wird, muss auch er im Totenreich bleiben…

Mein Fazit:

Die schwarze Umschlaggestaltung mit vielen kleinen weißen Skeletten vermittelt schon die richtige Stimmung für dieses Buch. Trotz einiger logischer Schwächen in dem Verlauf der Geschichte gefällt mir die Grundidee des Buches sehr gut. Man hätte die Personen noch besser ausbauen und die Gefühle dieser intensivieren können. Aber alleine die Beschreibung des Totenreiches mit den dort lauernden Gefahren, seltsamen Wesen und Landschaften haben mich schon sehr an die Geschichte gefesselt, dass mir der Verlauf in der Gegenwart schon fast unspektakulär vorkam. Doch auch hier treibt ja ein seltsames Wesen ? ein Vampir ? sein Unwesen, der durch die ungeduldige Suche nach der Pforte den Verlauf beschleunigt. Ich konnte dieses Buch, bis auf einige Anfangsschwierigkeiten, gut in einem Rutsch durchlesen!

Man muss sich darüber bewusst sein, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, dass ich aufgrund der Ausführungen aber erst im Alter ab 14-15 Jahren empfehlen würde. Mich hat es gut unterhalten, an einigen Stellen sogar schon geschüttelt, obwohl ich ansonsten auch die Lektüre von Thrillern durchaus gewohnt bin. Tolle Idee, ich bin auf Fortsetzungen hierzu gespannt!

Copyright © 2010 by Sandra Stockem

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Die Donnerstagswitwen

Erstellt von Werner Karl am 30. September 2010

Claudia Piñeiro
Die Donnerstagswitwen

Originaltitel: Las viudas de los jueves
Metro – Spannungsliteratur im Unionsverlag
ISBN 978-3-293-00417-7
Spannungsroman / Krimi
Erschienen 2010
Aus dem Spanischen von Peter Kultzen
Umschlaggestaltung: Peter Löffelholz, Zürich
Umschlagbild: alexey_ds (istockphoto.com)
Hardcover, 316 Seiten

www.unionsverlag.com

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Zur Autorin:

Claudia Piñeiro, Shootingstar der argentinischen Literatur, wurde 1960 in Buenos Aires geboren. Nach dem Wirtschaftsstudium wandte sie sich dem Schreiben zu, arbeitete als Journalistin, verfasste Theaterstücke, Kinder- und Jugendbücher und führte Regie fürs Fernsehen. Für Die Donnerstagswitwen erhielt sie 2005 den Premio Clarín, einen der wichtigsten argentinischen Literaturpreise. Alle ihre Romane sind auf den Bestsellerlisten zu finden und werden in viele Sprachen übersetzt.

Zum Buch:

„Wir wollten lieber eine Mauer. Das hält nicht bloß fremde Menschen fern. Wir brauchen auch nicht mehr zu sehen, was draußen los ist.“

„Die Donnerstagswitwen“ leben mit ihren Familien in Altos de la Cascada, einer in sich abgeschlossenen und eingezäunten Siedlung nahe Buenos Aires. Sie sind Donnerstagswitwen, da sich ihre Männer jeden Donnerstag ohne die Frauen treffen und dem Alkohol und Kartenspiel frönen. Eines Tages jedoch sind drei Frauen mehr als nur „Donnerstagswitwen“, denn die Leichen dreier Männer werden auf dem Grund eines Swimmingpools der Siedlung gefunden. An dieser Stelle beginnt die Autorin ihre Geschichte und entführt den Leser in Rückblicken in die Welt einer selbsternannten elitären Gesellschaft wie sie schauerlicher nicht sein könnte.

In Altos de la Cascada leben nur besondere Familien, die es sich leisten können in Sicherheit zu leben, Hauspersonal zu beschäftigen und Golf und Tennis zu spielen. Hier dreht sich alles nur um Luxus, Sport, Wirtschaft, den neuesten Klatsch und Tratsch. Frauen müssen hier nicht arbeiten, höchstens zum Vergnügen. Eine Ausnahme bildet Virginia, die als Immobilienmaklerin tätig ist und von deren Einkommen auch ihre Familie abhängig ist, nachdem ihr Mann Ronnie seine Arbeit verloren hat. Durch ihre Tätigkeit jedoch hat Virginia auch Einfluss darauf wer in Altos de la Cascada ein Haus erwerben kann. In der Gemeinschaft ist nämlich nicht jedermann gerne gesehen. Hautfarbe, Religion und andere Kriterien spielen hier durchaus eine Rolle.

Hinter der Fassade der einzelnen Familien der Siedlung sieht es meist anders aus als nach außen. Kinder sind nur nötig, weil man sie eben hat, Frauen werden geschlagen, die Sorgen und Nöte der Armen nur beachtet, weil man das eben als Pflicht ansieht. Der Schein trügt und als eine Wirtschaftskrise heraufzieht, geht es auch den Bewohnern des Countrys an die Tasche. Nun gilt es den Schein zu wahren, den Lebensstandard zu halten. Hierfür ist jedes Mittel recht. Man borgt sich untereinander Geld, tätigt Anschaffungen, die man sich eigentlich gar nicht leisten kann, fährt zur Arbeit, obwohl man eigentlich keine mehr hat und vieles mehr.

Die Autorin zeichnet hier ein Bild einer Gesellschaft, die nicht bereit ist Abstriche zu machen. Menschen, die in einer Realität weiterleben, die es gar nicht mehr gibt. Die Handlung und der Blick auf die Siedlung werden aus unterschiedlichen Perspektiven beschrieben. Zum einen erzählt Virginia aus ihrer Sicht und zum anderen berichten die Bewohner oder ein Teil der Bewohner des Countrys unter der Bezeichnung „Wir“. Die Erzählung ist detailliert und auf den Punkt gebracht und führt dazu, dass sich in den Augen des Lesers diese Gesellschaft selbst durch ihr Denken und Handeln bloßstellt. Und nach und nach führt die Handlung den Leser des Buches auch wieder zurück an den Anfang und damit zu den drei Leichen im Swimmingpool. Was sich hinter diesen Toten verbirgt ist dann der Gipfel der Oberflächlichkeit.

Die „Donnerstagswitwen“ ist ein gesellschaftskritisches Buch, dessen Handlung zwar in Argentinien spielt, sich aber so oder in ähnlicher Form überall in der Welt zutragen könnte. Man mag sich an die Sprichwörter „Hochmut kommt vor dem Fall“ und „ Wenn es dem Esel zu gut geht, geht er aufs Eis“ erinnert fühlen.

Copyright © 2010 by Iris Gasper

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Ephesos – Eine antike Metropole in Kleinasien

Erstellt von Werner Karl am 29. September 2010

Dr. Wolfram Letzner
Ephesos – Eine antike Metropole in Kleinasien
Türkei – Westküste

Verlag Philipp von Zabern, Mainz, 03/2010
PB mit Klappbroschur, Sachbuch
Kulturführer zur Geschichte und Archäologie, Reiseführer
ISBN 978-3-8053-4090-8
Titelgestaltung von Max Bartholl, b3K text und gestalt GbR,
Frankfurt am Main und Hamburg; Celsus – Bibliothek Ephesos
60 Farb- und 7 SW-Abbildungen vom Autor und aus verschiedenen Quellen

www.zabern.de
http://didaktik.textus.de/

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Dr. Wolfram Letzner studierte Klassische Archäologie, Alte Geschichte, Ur- und Frühgeschichte und ist gegenwärtig als Autor, Fotograf und Reiseleiter tätig. In „Ephesos – Eine antike Metropole in Kleinasien“ verbindet er Kenntnisse und erlebte Erfahrungen gelungen zu einem Buch, das geschichtliche Hintergrundinformationen, architektonische Erläuterungen und Besichtigungstipps bietet.

Ephesos liegt im Westen der Türkei. Funde weisen darauf hin, dass die Region bereits im 5. Jt. v. Chr. besiedelt war. Spuren griechischer Einwanderer finden sich erst im 14. Jh. v. Chr. Etwa im 11. Jh. v. Chr. begannen die Griechen im Zuge der Ionischen Wanderung, die einheimischen Kulturen zu verdrängen. Der Bezirk der Artemis, deren Tempel zu den sieben Weltwundern der Antike zählt und durch den Ephesos Berühmtheit erlangte, wurde im 9. Jh. v. Chr. angelegt, der Tempel im 7. Jh. v. Chr. von dem Tyrann Pythagoras gestiftet. Unter den Lydern wurde die Stadt zerstört und ebenso wie der Tempel neu aufgebaut. Ephesos bemühte sich um eine neutrale Politik, um nicht zwischen den Persern und den Griechen zermalmt zu werden und schloss sich erst nach der Schlacht bei Salamis, die den persischen Vormarsch stoppte, dem Delisch-Attischen Seebund an, wurde dann jedoch unter Dareios II im 5. Jh. v. Chr. ins Perserreich eingegliedert. In Konsequenz entwickelte sich die Stadt, die vor allem von Lydern, Griechen und Persern bewohnt wurde, zu einem multikulturellen Schmelztiegel.

Im Jahr 356 v. Chr. wurde das Arthemision durch Brandstiftung zerstört und befand sich noch zu Lebzeiten von Alexander des Großen im Wiederaufbau. Die Diadochenkriege und die Ausdehnung der Interessenssphäre Roms nach Osten sorgten für eine wechselvolle Geschichte, auf die erst unter Augustus eine neue Blütezeit für Ephesos folgte. Mitte des 1. Jh. n. Chr. war die Hauptstadt der Provinz Kleinasien die zweitgrößte Metropole des Orients. Im Laufe des 2. Jh. n. Chr. begann der Niedergang durch Seuchen, Erdbeben und die Versandung des Hafens, der vorübergehend aufgehalten wurde durch die Ansiedelung einer christlichen Gemeinde, deren Arbeit Ephesos zu einem wichtigen religiösen Zentrum machte. Nach vehementen Angriffen der Araber wurde die Stadt im 7. Jh. vom Byzanthinischen Reich aufgegeben, ihr endgültiger Untergang erfolgte im 11. Jh.

Die Blütezeiten und Wirren, die Ephesos über Jahrhunderte durchmachte, hinterließen auch am Artemision ihre Spuren. Die aktuellen Kenntnisse, die die Archäologen bei ihren Ausgrabungen und aus belegten Quellen gewinnen konnten, fasst der Autor hier zusammen. Darüber hinaus beschreibt er auch andere Baudenkmäler und Funde, die zu Unrecht im Schatten des Artemis-Tempels stehen. Dabei geht er nicht alphabetisch vor, sondern entschied sich bewusst für eine bei einer Besichtigung sinnvolle Reihenfolge.

Zitate, spezielle Informationen und Reisetipps sind blau unterlegt und heben sich dadurch von den allgemeinen Erklärungen ab. Ergänzt wird mit sehr vielen, wunderschönen Farbfotos der beschriebenen Bauwerke, Zeichnungen und Grundrisse. Hinzu kommen am Ende des Buchs ein Glossar und ein Literaturverzeichnis, das vor allem für jene interessant ist, die nach dieser Einführung ihr Wissen erweitern wollen.

„Ephesos – Eine antike Metropole in Kleinasien“ ist ein sehr schönes und informatives Buch, das durchaus schon Bildbandqualität erreicht. Es wendet sich an interessierte Laien, Schüler und Lehrer, Studenten und Fachkreise, sowie an Bildungsreisende. Wie schon die anderen Titel aus dieser Reihe des Verlags Philipp von Zabern ist der Band sehr zu empfehlen!

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Wie weckt man eine Elfe?

Erstellt von Werner Karl am 29. September 2010

Tanya Stewner
Wie weckt man eine Elfe?

Fischer Schatzinsel
ISBN 978-3-596-85418-9
Kinderbuch, Altersempfehlung ab 8 Jahre
Erschienen August 2010
Umschlaggestaltung: bilekjaeger
unter Verwendung einer Illustration von Nadine Jessler
Hardcover, 236 Seiten

www.fischerschatzinsel.de
www.tanyastewner.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zur Autorin:

Tanya Stewner, wurde 1974 im Bergischen Land geboren und begann bereits mit zehn Jahren, Geschichten zu schreiben. Sie studierte Literaturübersetzen, Englisch und Literaturwissenschaften in Düsseldorf, Wuppertal und London und arbeitete mehrere Jahre als Übersetzerin und Lektorin. Inzwischen widmet sich Tanya Stewner ganz der Schriftstellerei. Die Autorin lebt und arbeitet in Wuppertal.

Zur Illustratorin:

Nadine Jessler, geboren 1979, lebt und arbeitet in Nettetal am Niederrhein. Sie studierte Produkt-Design mit Schwerpunkt Illustration an der Hochschule Niederrhein in Krefeld. Seit 2007 ist sie als freie Illustratorin für verschiedene Verlage tätig.

Zum Buch:

Florentine und Pauline Buchmacher sind Zwillingsschwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie leben gemeinsam mit ihren Eltern in einem kleinen windschiefen Fachwerkhaus, dem Spatzenwinkel, in dem es bereits seit Generationen auch einen Buchladen gibt, den derzeit Frau Buchmacher betreibt. Florentine ist ein Kind der Natur. Sie ist gerne im nahe gelegenen Wald unterwegs und liebt es abends gemeinsam mit ihrer Mutter in dem alten Elfenbuch zu lesen, das wohl ihrer Großmutter gehörte und das sie in einem Regal versteckt im Buchladen ihrer Mutter gefunden hat. Pauline ist ein ganz anderer Charakter. Sie denkt sich gerne Geschichten aus und schreibt diese nieder. Hiervon ist Herr Buchmacher total begeistert und so treibt er seine Tochter immer weiter an neue Geschichten zu schreiben. In Wahrheit aber ist jede der Schwestern auf die andere eifersüchtig ohne es wirklich zu merken und mit ihrer jeweils eigenen Situation höchst unzufrieden.

Eines Morgens versucht Florentine zum wiederholten Male das Ritual auszuführen, das im Elfenbuch der Großmutter erwähnt wird, ein Ritual mit dem man Elfen wirklich sehen kann. Florentine sucht eine Lichtung auf und lässt sich vor einem großen Kastanienbaum nieder. Sie konzentriert sich vollkommen auf die Natur und nachdem sie die Worte:

„Ich glaube an Elfen, und ich bin bereit sie zu sehen. Ich bitte euch, zeigt euch mir!“,

ausgesprochen hat, entdeckt sie die kleine Elfe Hummelbi, eine tollpatschige, pummelige kleine Elfe mit Zahnlücke, die nach eigenen Angaben so ca. vierhundert oder fünfhundert Jahre alt ist und sich um Hummeln kümmert. Hummelbi ist die Elfe, die auch bereits im Elfenbuch von Florentines Großmutter erwähnt wird. Hummelbi erzählt Florentine, dass es viel mehr Elfen gibt, aber alle in einen tiefen Schlaf gefallen sind, weil über sie nicht mehr gesprochen wird und nichts mehr über sie gelesen wird. Die Menschen kennen nur noch die hübschen Feen, aber Elfen sind vollkommen in Vergessenheit geraten. Nur durch neue Energie kann es gelingen die Elfen zu wecken. Nachdem es Florentine gelingt nach und nach mehr Elfen kennen zu lernen, wie z. B. Sockimo, eine für Socken zuständige Elfe und Funkelux, eine für Technik zuständige Elfe, wird es immer schwieriger für das junge Mädchen alleine den übrigen Elfen zu helfen. Und so kommt es, dass Florentine und ihre Zwillingsschwester Pauline gemeinsam einen Weg finden müssen und wollen, den Elfen zu helfen.

Mit diesem Buch erschafft die Autorin eine zauberhaft bunte Elfenwelt in der nicht nur Elfen, sondern auch Menschen helfen und sich zwei Schwestern, die einander fremd geworden sind, wieder finden. Fantasievolle Namen, Geschichten aus dem Alltag, traumhafte Illustrationen und fantastische Ideen machen diese Geschichte zu einem wirklichen Leseerlebnis nicht nur für ganz junge Leser, sondern auch für jung gebliebene Erwachsene.

Wer träumt nicht davon einmal einer kleinen Elfe zu begegnen? Wer dieses Buch gelesen hat, könnte diesem Traum jedenfalls schon ein Stückchen näher gekommen sein.

Copyright © 2010 by Iris Gasper

….und eine weitere Rezension zum gleichen Buch:

Von Amelie, 7 Jahre:

Hauptperson des Buches ist Florentine. Sie ist zehn Jahre alt. Sie hat eine Zwillingsschwester, die Pauline heißt. Florentine entdeckt, dass es tatsächlich Elfen gibt, weil sie in einem Buch über Elfen von ihrer Großmutter gelesen hat. Hummelbi ist die erste Elfe, die Florentine kennen lernt. Hummelbi sieht lustig aus. Sie ist sehr klein, hat grüne Haare und eine Zahnlücke. Sie kümmert sich um die Hummeln. Florentine lernt, dass die Elfen Lebenskraft gewinnen, wenn man in Büchern über sie liest. So lernt sie auch noch Sockimo, Funkelux, Wurfmucki und Trillisums kennen. Elfen können tolle Sachen. Funkelux zum Beispiel kann mit einem Handfeger einen Laptop reparieren. Hummelbi bittet Florentine und Pauline ein Buch über Elfen zu schreiben, das viele Menschen lesen können. Die beiden sind einverstanden. Pauline schreibt den Text, Florentine malt die Bilder dazu. Das Buch wird im Verlag ihres Vaters veröffentlicht. Viele tausend Kinder können es lesen.

Das Buch „Wie weckt man eine Elfe?“ hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte ist schön erzählt. Es gibt viele schöne Zeichnungen in diesem Buch. Ich möchte auch gerne einmal einen Laptop mit einem Handfeger reparieren können. Ich finde es eine gute Idee ein Buch über Elfen zu schreiben.

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Planet zu verkaufen

Erstellt von Michael Drewniok am 28. September 2010

Clifford D. Simak
Planet zu verkaufen

(sfbentry)
Originaltitel: The Walked Like Men (Garden City/New York: Doubleday 1962)
Deutsche Erstausgabe: 1966 (Arthur Moewig Verlag/Terra Sonderband 113)
Übersetzung: N. N.
Cover: Karl Stephan
158 S.
[keine ISBN]
ASIN: B0000BUPAR

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Das geschieht:

Parker Graves, Journalist für eine mittelgroße Zeitung in einer ebensolchen Stadt, stolpert eines späten Abends beinahe in eine bizarre Falle: Vor seiner Wohnungstür hat jemand ein Loch ausgehoben und ein Fangeisen darin verborgen. Als Graves die Installation überprüfen will, faltet sich die Falle zu einer Kugel zusammen, rollt aus dem Haus und verschwindet.

Graves zweifelt nicht an seinem Verstand, kann aber keine Beweise für sein Erlebnis vorlegen. So schweigt er, bis ihm weitere Seltsamkeiten auffallen: Eine mit unendlichen Geldmitteln ausgestattete Scheinfirma kauft in der Stadt sämtliche Geschäfte und Wohnhäuser auf, um sie zu schließen, die Mitarbeiter zu entlassen und die Mieter auf die Straße zu setzen. Als Graves sich heimlich Einlass in das Büro dieser Firma verschafft, stößt er auf ein Loch in der Wand, das direkt zu den Sternen führt, und findet täuschend ähnliche Puppen von ‚Menschen‘, die ihm lebensgroß in der Stadt begegnen. Dass eine Invasion der besonders tückischen Art im Gang ist, bestätigt ihm ein sprechender Hund, der sich ebenfalls als außerirdisch outet: Die ‚anderen‘ Aliens erobern die Erde nicht, sie kaufen sie. Was mit den Menschen geschehen wird, ist ihnen gleichgültig; der Weiterverkauf des Planeten an den galaktisch Meistbietenden steht bereits fest.

Nachdem man ihnen auf die Schliche gekommen ist, versuchen die Invasoren Graves durch Bestechung ruhig zu halten. Zum Schein geht er darauf ein, während er nach einer Möglichkeit sucht, die Menschheit zu warnen. Niemand hört ihn an, und die Aliens sind dem „Verräter“ bereits hart und mordlüstern auf den Fersen, als Graves zufällig ihre Achillesferse entdeckt, die ausgerechnet Stinktiergestalt besitzt …

Invasion mit dickem Geldbeutel

Wer sich in der Science-Fiction-Literatur ein wenig auskennt, wird nicht überrascht sein, dass Clifford D. Simak ‚seine‘ Außerirdischen die Erde nicht mit waffenstarrenden Raumschiffen und in Gestalt der berühmt-berüchtigten „bug eyed monster“ erobern lässt. Diese Aliens ziehen ein raffinierteres, auf ihre Opfer abgestimmtes Vorgehen vor. Sie haben die Menschen aufmerksam studiert und handeln nach einem alten Sprichwort: „Geld regiert die Welt!“. Auf diese Weise müssen sie gar nicht mit Gewalt vorgehen. Die Aliens beschaffen sich das nötige Kleingeld und kaufen die Erde, die ihnen auf diese Weise auch noch völlig unbeschädigt in die Hände (bzw. Tentakel) fällt.

Mit der ihm eigenen milden Ironie schildert Simak, wie reibungslos diese spezielle Invasion funktioniert. Nicht mit der Androhung von Blut und Mord, sondern mit einer Vertragsklausel verwandeln die Aliens ihre Opfer in willfährige Komplizen: Sie zahlen gut und fordern Schweigen über das jeweils abgeschlossene Geschäft. Ein kluger Schachzug, können sie doch auf die Gier ihrer ‚Kundschaft‘ zählen: Niemand will sich einen Handel verderben, der viel Geld einbringt. Bis die Betroffenen endlich registrieren, dass ihre Mitmenschen ebenso handeln, ist es zu spät: Die Außerirdischen haben das Sagen, und sie haben es sich legal und juristisch wasserdicht erworben.

Große Ereignisse in kleiner Stadt

Simak beschränkt sich auf einen kleinen Ausschnitt, wenn er die Eroberung der Erde beschreibt. Die kleine, namenlos bleibende Stadt, die er als Muster-Schauplatz dessen wählt, was überall auf der Welt vor sich geht, kennt er aus eigener Erfahrung. Parker Graves ist ein der Handlung angepasstes Alter Ego des Verfassers, der über drei Jahrzehnte als Journalist tätig war. Folglich muss man die Stadt irgendwo im US-Mittelwesten vermuten. Dort bildet sie einen in sich geschlossenen Mikrokosmos, denn die Globalisierung war zum Zeitpunkt unserer Geschichte noch unvorstellbarer als eine Invasion aus dem Weltall.

Nur unter dieser Prämisse lässt sich Simaks Geschichte wirklich begreifen, denn der heutige Leser versteht nicht mehr, wieso der Ausverkauf örtlicher Geschäfte und Wohnhäuser einer Gemeinschaft buchstäblich den Boden unter den Füßen fortziehen kann: 1962 war (nicht nur) der US-Bürger des Mittelwestens deutlich heimatverbundener, und zur Heimat zählte auch der Arbeitsplatz, den man nicht selten das gesamte Berufsleben innehatte.

Die Invasion profitieren zusätzlich von einer Gesellschaft, die auch medial in quasi isolierte Einzelzellen zerfällt. In der namenlosen Stadt kommen Neuigkeiten aus der großen Welt nur gefiltert an, denn die Medien sind noch längst nicht so präsent wie heute. Nachrichten werden zur Kenntnis genommen aber nicht verinnerlicht, wenn sie nicht das heimische Umfeld betreffen.

Gegenmaßnahmen mit Köpfchen

Der ‚Krieg‘ gegen die Eindringlinge fällt bei Simak aus. Zwar kann der Mensch nicht auf den Faktor Verständigung setzen, denn die Aliens sind weder fähig, die Regeln des irdischen Zusammenlebens zu verstehen, noch interessieren sie sich dafür. Aber nicht Unwissenheit und Gleichgültigkeit werden ihr Verderben, denn die Menschen sind umgekehrt außerstande, eine Invasion durch Ausverkauf zu begreifen. Als die Zahl der arbeits- und heimatlos gewordenen Bürger steigt, wird nicht die Ursache der Krise hinterfragt. Stattdessen ist sich jeder egoistisch selbst der Nächste, und die ersten Überlebenskünstler decken sich mit Schusswaffen ein: Die vielbeschworene Solidarität ist vor allem Mundpropaganda.

So bleibt es wie so oft dem Individuum überlassen, altruistisch über den Schatten springend und gegen den allgemeinen Strom schwimmend die Rettung einzuleiten. Parker Graves ist alles andere als ein Supermann. Er irrt sich, gerät in Sackgassen, zeigt sich allzu begriffsstutzig dort, wo sogar der Leser längst erfasst hat, wie der Hase läuft (bzw. die Alien-Kugel rollt). Dennoch bleibt Graves bodenständiger US-Pionier genug, um notfalls selbst zum Gewehr zu greifen und sich seiner Gegner im Namen der Menschheit zu erwehren.

In einem Punkt endet die zeitlose Konventionsfreiheit unserer Geschichte: Zwar stellt Simak der männlichen Hauptfigur eine Frau an die Seite, doch diese verhält sich entstehungszeitkonform ‚weiblich‘: Stets nennt man Joy „Mädel“, und obwohl sie notfalls ihren Kampfgeist unter Beweis stellt, schickt sie Graves immer wieder in die Etappe zurück: Ein wahrer Mann kämpft allein und beschützt ‚seine‘ Frau!

Rettung ohne Feuer und Flammen

Die Rettung kommt – auch dies ist typisch Simak – nicht aus dem Hightech-Standort Stadt. Das Land bzw. die Natur selbst bietet ein Anti-Alien-Mittel an; der Mensch muss es nur zu entdecken wissen. Schon H. G. Wells fand so die überraschende und logische Auflösung für seinen „Krieg der Welten“. Dieses Mal sind es keine Bazillen, die den Invasoren den Tod bringen. Ihre Rettung verdankt die Menschheit dem oft verschmähten Stinktier, dessen Odeur eine unkontrollierbare Verlockung auf die Außerirdischen ausübt.

Den Freunden der „military science fiction“ werden ob solch slapstickhafter Anti-Militanz die Tränen kommen, doch Simak lehnt die Gewalt als logisches aber einfallsloses Mittel zum Zweck ab – ohne ihre Existenz übrigens zu verleugnen: Die US-Regierung plant rachsüchtig die atomare Vernichtung der hilflos gewordenen Aliens, was Parkes Graves als unnötig erkennt, ohne es vermutlich ändern zu können.

Simak klammert aus, was geschieht, nachdem die Invasoren ihre Macht verloren haben: Es ist für diejenige Geschichte, die er erzählen wollte, nicht mehr wichtig – eine auch sonst geübte erzählerische Ökonomie, die zu bewundern ist und der Handlung ein sauberes Ende beschert, ohne sie ad infinitum auszuwalzen. Schade, dass die deutschen Leser dies aufgrund der Veröffentlichungsgeschichte nur schwer genießen können: Während die meisten Simak-Romane in den Verlagen Goldmann und Heyne erschienen, wurde „Planet zu verkaufen“ in die „Terra-Taschenbuch“-Reihe des Moewig-Verlags aufgenommen, dabei auf das dort übliche 160-Seiten-Schema zurechtgestutzt und nie wieder aufgelegt.

Autor

Clifford Donald Simak wurde am 3. August 1904 in Mil(l)ville, einem Städtchen im Südwesten des US-Staates Wisconsin, geboren. Naturwissenschaft und Journalismus waren seine frühe und lebenslange Leidenschaft. Simak studierte an der Universität von Wisconsin und wurde 1922 zunächst Lehrer. 1929 wagte er den Absprung und wurde für diverse Zeitungen des Mittelwestens tätig. Ab 1939 war er fest beim Minneapolis Star angestellt, wo er bis 1976 blieb und u. a. die Wissenschaftsbeilage betreute.

Der junge Simak war von den Science-Fiction-Magazinen fasziniert, die in den 1920er Jahre erschienen. Er wurde bald selbst schriftstellerisch aktiv. Eine erste Kurzgeschichte erschien 1931 in Hugo Gernsbacks Wonder Stories. 1938 wechselte Simak als Autor zu Astounding Science Fiction. Unter dem charismatischen Herausgeber John W. Campbell jr. (1910-1971) begann er seine eigene Stimme zu finden. In den nächsten Jahren entstanden jene Storys, die 1952 zum City-Zyklus zusammengefasst wurden.

Obwohl Simak zu den Gründervätern der Science Fiction gezählt wird, begann seine eigentliche Karriere erst nach dem II. Weltkrieg. Der Autor sperrte sich gegen aktuelle Modeströmungen und blieb ‚seiner‘ SF treu. Einfache Männer bilden seine Hauptfiguren: Handwerker, Journalisten, Lehrer, oft am Rande der Gesellschaft lebend, etwas verschroben aber aufgeschlossen, tolerant und neugierig (sowie in der Regel begleitet von einem Hund). Gern lässt Simak das Fremde in den vertrauten Landschaften des Mittelwestens auftauchen, wo außerhalb der großen, anonymen Städte Männer und Frauen in übersichtlichen Gemeinschaften leben und gesunder Menschenverstand allemal über weltfremdes Spezialistentum gestellt wird.

Mit seinen ‚pastoralen‘ SF-Werken schuf sich Simak eine literarische Nische, in der er sich behaglich einrichtete. Selbst die eifrigen und manchmal eifernden Vertreter der „New Wave“, die Ende der 1960er Jahre der SF grundlegende neue Impulse gaben, ließen ihn in Ruhe. Schon 1973 wurde Simak in die Science Fiction Hall of Fame aufgenommen. In den 1970er Jahren erweiterte er sein Repertoire und verfasste erfolgreiche Fantasy-Romane. Erst sein Tod am 25. April 1988 in Minneapolis setzte dieser erstaunlichen, fast sechs Jahrzehnte umspannenden Karriere ein Ende.

[md]

Titel bei Booklooker.de
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Der Feind im Schatten

Erstellt von Werner Karl am 28. September 2010

Henning Mankell
Der Feind im Schatten
Wallander 10

Den orolige mannen, Schweden, 2009
Zsolnay Verlag, Wien, dt. Erstausgabe: 04/2010
HC mit Schutzumschlag, Krimi
ISBN 978-3-552-05496-7
Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt
Titelgestaltung von David Hauptmann unter Verwendung einer Fotografie der Medusa Rondanini

www.zsolnay.at
www.mankell.de
www.wallander-web.de/

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Mit „Der Feind im Schatten“ legt Henning Mankell den zehnten (die Kurzgeschichtensammlung „Wallanders erster Fall“ [u. a. dtv-TB 20700] mitgezählt) und letzten „Wallander“-Roman vor. Der schwedische Kommissar ist inzwischen sechzig und hat sich einen lang gehegten Traum erfüllt, nämlich sich ein eigenes Haus gekauft – und einen Hund. In „Der Feind im Schatten“ wird er in einen Fall verwickelt, der sich in seiner Familie abspielt. Zwar wurde Wallander bereits in diversen früheren Romanen zum Ziel von Mördern, doch diese unmittelbare Betroffenheit ist für ihn neu (auch wenn sie im Genre natürlich ein gängiges Motiv ist – die US-amerikanische Autorin Sara Paretsky ist mit ihrer Privatdetektivin Vic Warshwaski ein schönes Beispiel).

Wallander wird zum Empfang anlässlich des 75. Geburtstages des pensionierten Korvettenkapitäns Håkan van Enke eingeladen, des Großvaters seiner Enkelin, die Wallanders Tochter Linda vor wenigen Wochen zur Welt brachte. Während des Empfanges berichtet van Enke von einer Episode aus seiner militärischen Laufbahn, nämlich von der Jagd auf fremde U-Boote, die Anfang der achtziger Jahre in die schwedischen Hoheitsgewässer eindrangen. Van Enke erhielt dabei den Befehl, die Suche abzubrechen – ein Vorgang, der ihn sein weiteres Leben beschäftigen sollte. Ein paar Tage verschwindet Håkan van Enke spurlos. Auf die Bitte seiner Frau nimmt Wallander (inoffiziell) die Ermittlungen auf und beginnt, das Leben des Ehepaares van Enkes aufzurollen.

„Der Feind im Schatten“ ist, was die Kriminalhandlung angeht, ein typischer „Wallander“-Roman. Wallander präsentiert sich erneut als leicht depressiver Ermittler mit einer pessimistischen Weltsicht, dessen Hartnäckigkeit, Detailversessenheit und Intuition ihn letztendlich das Geheimnis Håkan van Enkes lüften lässt, selbst wenn er zuvor – auch das ist nicht untypisch für Wallander – auf eine falsche Spur gelockt wurde. Genau wie in dem zweiten „Wallander“-Roman, „Die weiße Löwin“ (u. a. dtv-TB 20150), greift Mankell ein politisches Ereignis auf und benutzt es als Ausgangspunkt des Romans. Es mutet zwar etwas zufällig an, als sich Wallander an die Bekanntschaft mit einem ehemaligen Stasi-Offizier erinnert, der in Schweden politisches Asyl erhalten hat, doch weder der Autor noch die Leser dürften sämtliche Details aus dem Leben des schwedischen Kommissars kennen.

Mankell lässt in „Der Feind im Schatten“ auch das Leben Wallanders Revue passieren, wobei sein Privatleben verständlicherweise größeren Raum einnimmt als die Kriminalfälle, die er löste. Dabei wird der Roman etwas rührselig. Wallander begegnet Baiba wieder, der Frau, die er in „Die Hunde von Riga“ (u. a. dtv-TB 20194) liebte, die an Krebs erkrankt ist und in wenigen Monaten sterben wird, doch bereits nach wenigen Tagen bei einem Autounfall ums Lebens kommt. Wallander dichtet Mankell eine beginnende Alzheimererkrankung an (was bereits in dem Alter, das der Kommissar erreicht hat, nicht auszuschließen ist). Und hier leistet sich Mankell den nächsten unwahrscheinlichen Zufall, als Wallanders Haus nur deshalb der völligen Zerstörung entgeht, weil seine Tochter Linda einen Rauchmelder installieren und mit der Feuerwehrzentrale verbinden ließ – als hätte der Verlust von Wallanders Dienstwaffe in einem Restaurant zu Beginn des Romans nicht bereits ausgereicht …!

„Der Feind im Schatten“ ist ein typischer, empfehlenswerter Wallander-Roman und trotz aller Einwände ein würdiger Abschluss der Reihe. Es bot sich in der Tat an, den Roman im familiären Umwelt Wallanders anzusiedeln. Dass es Mankell nicht genügte, seinen Kommissar schlicht und mit dem einen oder dem anderen Schicksalsschlag weniger in Pension gehen zu lassen, werden seine Leser akzeptieren müssen (und können).

Copyright © 2010 by Armin Möhle (armö)

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Bubble Bath Girls

Erstellt von Günther Lietz am 28. September 2010

Andrew Einhorn
Bubble Bath Girls
amateur series

(sfbentry)

GOLIATH Verlagsgesellschaft, Gebundene Ausgabe (2005)
ISBN-13: 978-3936709155, 367 Seiten
Sprache: Englisch
Vorwort: Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch
Größe: 19 cm x 14 cm
345 Farbfotos

http://www.goliathbooks.de/

Was auf den ersten Blick wie eine Serie von Schnappschüssen eines Amateurs wirkt, lässt auf den zweiten Blick die erfahrene Hand eines Profis erkennen. Andrew Einhorn hat in seinem handlichen Bildband beinahe dreißig Hobby-Modelle versammelt, die – trotz ihrer unterschiedlichen ethnischen Herkunft – allesamt aus New York stammen. Thema des Buchs ist dabei das Badezimmer als zentrale Kulisse, doch gewährt Einhorn den jungen Mädels auch Ausflüge in Flur, Schlafzimmer und Küche. Er übt keinen Zwang aus, leitet nur an, führt mit sanfter Hand, die Kamera stets bereit.

Jedem einzelnen Modell wird ein kleines Kapitel gewidmet, die Blätter jeweils uniform in einer anderen Farbe arrangiert, so dass die einzelnen  Kapitel leicht zu erkennen sind, ebenfalls als Stilmittel dienen und den Betrachter auf die abgebildete Frau einstimmt. Natürliches Grün, ein mokkafarbenes Braun, mädchenhaftes Rosa – all das dient den Motiven, den Modellen.

“Bubble Bath Girls” ist mit seinen gerade einmal neunzehn mal vierzehn Zentimetern sehr handlich, liegt gut in der Hand und bietet den beinahe dreihunderfünfzig Fotos genug Spielraum, um sich zu entfalten und die Girls ordentlich zu präsentieren. Die Anzahl der Seiten pro Modell sind unterschiedlich und auf jeder Seite befinden sich ein bis vier Fotos. Das Buch ist auch hervorragend verarbeitet und ziemlich strapazierfähig. Doch wichtiger als die Verarbeitung, sind natürlich die Modelle.

Andrew Einhorn hat die Mädels auf der Straße angesprochen, sie aus seinem Bekanntenkreis rekrutiert oder durch Mundpropaganda auf sich aufmerksam gemacht. Das dürfte einer der Gründe sein, warum “Bubble Bath Girls” mit so vielen unterschiedlichen Hautfarben, Körperformen und Texturen aufwartet. Durch den Einsatz von Nässe und Trockenheit, Wärme und Kälte, leeren Flächen und dekorierten Bereichen, sorgt Einhorn für große Abwechslung und somit auch Spannung. Offensichtlich hat sich Einhorn auch große Mühe gegeben, Frauen mit dunkler Haut für sein Projekt zu gewinnen. Das spricht er in seinem Vorwort auch an, das in mehreren Sprachen vorliegt.

Farbvielfalt, Sprachvielfalt, Vielfalt in all ihren Formen und Ausprägungen, das macht “Bubble Bath Girls” aus. Hier tragen die Girls auch mal nasse Feinrippunterhemden, liebkosen ihre Brustwarzen mit fruchtigroten Melonenvierteln, räkeln sich auf durchwühlten Bettlaken oder schmiegen sich an eine starre Gitarre, die zwischen ihren bloßen Schenkeln steht. Überhaupt spielen Requisiten eine große Rolle auf den Bildern. Viele stammen aus dem Besitz der Frauen, die von Andrew Einhorn dazu animiert wurden. Das steigert die Individualität der Girls um Einiges, denn in der Auswahl der Requisiten und dem Spiel damit, spiegeln sich auch die mannigfaltigen Charakterzüge der Mädels wieder. Und die Mädels selbst sind von ausgesuchter, natürlicher Schönheit.

Das Spiel im Badezimmer, das Spiel mit dem Wasser, der auf der Haut liegenden Feuchte, verbietet natürlich den exzessiven Einsatz von Make-up. Schminke wird also nur marginal und dezent eingesetzt, oftmals gänzlich weggelassen. Dadurch präsentieren sich die Girls natürlich, wirken authentisch. Andrew Einhorn weiß unaufdringlich zu fotografieren, den Mädels freien Lauf zu lassen und sie zum Lachen zu bringen. Lachen, das sieht man die Frauen oft. Ihnen sitzt der Schalk im Nacken, in ihren Augen glitzert pure Lebensfreude und Spaß am Shooting. Das führt zu  einer entspannenden Lockerheit, die sich ebenfalls auf den Betrachter überträgt.

Fast dreißig Girls sorgen dafür, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Mädels mit dunkler Haut, junge Asiatinnen, blasse Girls mit jüdischem Hintergrund und schaumige Schönheiten indischer Abstammung. Hier wird einiges geboten. Pralle Brüste die sich geck in den Himmel recken, Brüste die geschwollen der Schwerkraft folgen und wie reife Früchte in der Luft baumeln, Brustwarzen die feucht und hart um Aufmerksam bitten, wohlgeformte Hintern, lange Beine, buschige Schöße und karg bewachsene Intimbereiche. Da sind Brüste, die bondangegleich von einem breiten Lederriemen gefesselt werden und an den Seiten hervorquellen, blanke, vom Wasser raue Fußsohlen die sich ins Bild drücken, Haare, so lang, dass sie beinahe bis in den Schoß fallen, Slips, bis zu den Knien heruntergezogen, spitze Münder, die einem Kuss gleich Seifenblasen erzeugen und noch vieles mehr. “Bubble Bath Girls” lädt zum Betrachten, zum Entdecken und zum Staunen ein.

Das liegt vor allem an den Umwelteinflüssen, denen die Girls beim Fotografieren ausgesetzt waren. Wie die Brüste von Katherine, die erst etwas hängen und deren Brustwarzen sich ein wenig in die Sicherheit der Warzenhöfe zurückgezogen haben. Doch im Laufe des Bades schwellen die Brüste sichtbar an, beginnen der Schwerkraft zu trotzen und Dank der kühlen Luft spannen sich die Warzenhöfe an und recken sich die Brustwarzen hart und mutig hervor. Innerhalb eines Shootings, mit nur einem Girl alleine, kommt es bereits zu so viel Veränderungen und Überraschungen, dass jede Seite neue Spannung aufbaut.

Und in diesem Stil geht es weiter, ist das ganze Buch gehalten. Obwohl die meisten Einstellungen und Modelle zu überzeugen wissen, gibt es auch den ein oder anderen speziellen Fall. Hier muss als extremes Beispiel Aaza dienen, ein dunkelhäutiges Mädel, dass Andrew Einhorn selbst als vom Aussehen her als sehr jungen und hübschen Michael Jackson beschreibt. Als Opener zu Aazas Kapitel wählt Einhorn dann eine Einstellung, in der das Girl nackt auf der Toilette sitzt und in die Kamera blickt, das Feuerzeug auf dem Boden liegend, vielleicht als Beleg für ein großes Geschäft. Das Motiv ist provokant, eindeutig kein Massengeschmack, bildet aber einen Kontrast zu den darauffolgenden Bildern, die in dunklen Tönen gehalten sind, umrahmt von einem freundlichen, hellen braun, um daraufhin einen noch stärkeren Kontrast mit Iris zu bilden, dem hellhäutigen Mädel mit den verschlafenen Augen und dem angenehmen Lächeln. Einhorn macht im Einleitungstext zurecht auf ihren durchtrainierten Körper aufmerksam, die schönen Füße und die lange Beine. Der Blick des Betrachters folgt ihrem gebogenen Körper, der sich auf den hellen Fließen zwischen den eng beieinanderstehenden Küchenmöbeln windet, erfreut sich an ihren kleinen und spitzen Brüsten, erkennt, dass das Girl in ihren weißroten Klamotten noch erotischer wirkt, betrachtet ihren dicht bewachsenen Schoß, die Haare, schwerelos, wie Algen gleich, im Wasser treibend; bewundert die Formen ihres Pos und genießt die tiefen Einblicke, die Iris hier gewährt.

Das ist überaus erotisch, ohne irgendwann in den Bereich des Pornos zu gleiten. Andrew Einhorn bewahrt Anstand und zeigt Respekt vor seinen Modellen. Er will überraschen, seinen Vorstellungsraum teilen, Spannung erzeugen, aufgeilen, aber keineswegs die Girls bloßstellen oder eine schnöde Vorlage zur Masturbation bieten. Nein, hier hat ein Künstler seine Hand im Spiel, weiß gefällige Bilder zu präsentieren und mit seinen Visionen zu überzeugen. Das hier ist Kunst auf hohem Niveau, gepaart mit Natürlichkeit und dem Hauch von Naivität und Unschuld. Naivität und Unschuld, das haftet auch Zephyr an, dem Girl, das Einhorn als schönstes Mädel des Buchs bezeichnet. Zephyr, eine exotische Schönheit mit orientalischem Flair, bezaubernd und geheimnisvoll, abweisend und anziehend zugleich, mit dem Körper eine Gazelle – worauf Andrew Einhorn ebenfalls hinweist und diese junge Frau auch entsprechend ablichtet. Erneut wird deutlich, wie nah der Fotograf seinen Modellen ist. Und genau das ist jedem einzelnen Foto anzumerken.

“Bubble Bath Girls” ist ein erstklassiger Bildband, mit einem tollen Thema, anregenden und spannenden Fotografien. Erstklassig!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Wenn die grauen Falter fliegen

Erstellt von Werner Karl am 28. September 2010

Marion Foster
Wenn die grauen Falter fliegen

The Monarchs are Flying, USA, 1986
Argument Verlag, Hamburg, 06/2007
TB im Kleinformat, ariadne classic 001, Krimi
ISBN 978-3-86754-001-8
Aus dem Amerikanischen von Andrea Krug
Titelgestaltung von Martin Grundmann unter Verwendung eines Fotos von DLTbluefrog

www.argument.de
www.fantasticfiction.co.uk/s/shirley-shea/
www.martingrundmann.de

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Nahezu jeder größere Verlag wartet mit einem Krimi-Programm auf. So auch Argument mit seinen ariadne Krimis. Das Besondere an diesen ist, dass sie nicht dem Mainstream folgen und darin auch keine coolen „James Bond“-Verschnitte an exotischen Schauplätzen die ganze Welt retten. Stattdessen handelt es sich bei den Ermittlern, egal ob sie beruflich an einen Schauplatz des Verbrechens gerufen werden oder zufällig in einen Konflikt hinein schliddern und aus Neugierde ein wenig schnüffeln, um Durchschnittstypen, mit denen sich der Leser leicht identifizieren kann. Entweder wühlen sie in der unmittelbaren Nachbarschaft im spießbürgerlichen Schmutz (Lisa Kuppler: „Tödlichs Blechle“), zeigen sich politisch und feministisch (Barbara Ahrens: „Operation Schönheit“) oder sind Außenseiter der Gesellschaft durch ihre sexuelle Orientierung (Joseph Hansen: „Nachtarbeit“, Christine Lehmann: „Teufelsg‟walt“) – oder alles zusammen.

Die Autorinnen und Autoren vermeiden es, mit dem moralisch erhobenen Zeigefinger auf Probleme und Tabus zu zeigen, vielmehr informieren sie im Rahmen einer spannenden, dramatischen Geschichte und fordern den Leser auf, nachzudenken und sich eine eigene Meinung zu bilden. Marion Foster ist das Pseudonym der kanadischen Autorin Shirley Shea (1924 – 1997). Ihr Krimi „Wenn die grauen Falter fliegen“ stammt von 1986, doch die Themen haben nichts an Aktualität eingebüßt, denn immer noch haben Frauen in vielen Regionen weniger Rechte als Männer, werden aufgrund ihres politischen und sozialen Engagements, ihrer sexuellen Orientierung etc. ausgegrenzt, sogar verfolgt und der Willkür einer reaktionären Gesellschaft und Justiz ausgeliefert. Die Journalistin Leslie Taylor wird eines Tages zu einer Routinebefragung auf die Polizeistation von Spruce Falls gebeten. Marcie Denton, eine ehemalige Geliebte, wurde in einem Motel misshandelt und ermordet aufgefunden, und die wenigen Hinweise lassen den Schluss zu, dass Leslie die Letzte war, die Marcie lebend gesehen hat. Obwohl es keine konkreten Beweise gibt, wird Leslie verhaftet.

Die Beamten spielen ‚guter Cop, böser Cop„, um sie zu zermürben und ihr Informationen zu entlocken, die sich gegen sie verwenden lassen. Der Verteidiger, der ihr empfohlen wurde, drängt sie, sich schuldig zu bekennen, um das Verfahren abzukürzen, die Staatskasse somit zu entlasten und ein saftiges Honorar für wenig Arbeit einzustreichen. Es kommt aber noch schlimmer: Marcies Mann will Leslie den Mord um jeden Preis in die Schuhe schieben und setzt eine ihm bekannte Staranwältin auf den Fall an. Harriet Fordham-Croft kann ihren Klienten nicht sonderlich leiden. Auch das miefige Spruce falls gefällt ihr überhaupt nicht. Schnell wird ihr klar, dass es nicht um Rechtsprechung geht, sondern eine Hexenjagd im Gang ist und das Opfer, das in der Vergangenheit durch ihre Recherchen einigen Leuten zu sehr auf die Zehen trat und nun auch noch als Lesbe geoutet wurde, keinerlei Chance auf einen fairen Prozess hat. Am Tatort entdeckt sie Spuren, die von der Polizei übersehen wurden. Plötzlich ist Harriets Gerechtigkeitssinn hellwach. Sie will die Wahrheit aufdecken und Leslie aus dem Gefängnis holen.

Schon nach wenigen Seiten ist man so von der Lektüre gefangen, dass man sie nicht mehr zur Seite legen will, bevor man die letzte Seite gelesen hat. Marion Foster schildert eindringlich und überzeugend einen wahren Albtraum, wie ihn keiner durchleiden möchte: Ohne genau zu wissen, worum es geht, begleitet eine junge Frau zwei Beamte und wird nach einem langwierigen Verhör, bei dem man ihr einen Mord unterstellt, um einen Zusammenbruch und ein Geständnis zu erzwingen, ins Gefängnis geworfen. Der angeblich verständnisvolle Beamte erweist sich als homophob und damit als noch gefährlicher als sein polternder, offen chauvinistischer Kollege. Im Frauengefängnis wird Leslie von der Wärterin bespitzelt und muss sich mit ihren rauen Mithäftlingen arrangieren, wobei sie Glück hat, dass sie von einer resoluten Frau unter die Fittiche genommen wird. Der Verteidiger, den Schuld und Unschuld gar nicht interessieren, steckt mit den Beamten unter einer Decke und erdreistet sich, Honorarforderungen für Leistungen, die er nicht erbrachte, an Leslies Eltern zu richten, nachdem sie ihn entlassen hatte.

Auch Marcies Mann, der seine ‚männliche Ehre„ verletzt sieht, weil die junge Frau ihn verlassen wollte und sich von ihrer Ex Hilfe erhoffte, will ein schnelles und hartes Urteil durchsetzen. Die Mittel, die er anwendet, erweisen sich als Leslies Glück, denn Harriet lässt sich nicht manipulieren und durchschaut das abgekartete Spiel. Es scheint, als gäbe es nun Hoffnung. Kann Harriet genug Beweise finden, die die Unschuld ihrer Mandantin belegen und den wahren Täter offenbaren? Man muss nicht einmal eine Feministin sein, um Sympathien für die beiden weiblichen Hauptfiguren zu entwickeln und die Männer als ‚die Bösen„ zu entlarven. Letzteres mag schon etwas plakativ erscheinen, aber wer kennt keine solchen Negativbeispiele, wer hat noch nicht durch die Medien von solchen Fällen gehört? Außerdem entdeckt man genügend männliche Charaktere, die es schaffen, sich von ihren überholten Denkschemata zu lösen (Leslies Vater), und die kein Problem damit haben, für eine Frau zu arbeiten (Clarence Crossley).

Vor allem als Leserin leidet man mit Leslie, die eine Menge durchmacht, und fiebert man mit Harriet, die systematische Recherchen anstellt und eine Strategie ausarbeitet, wie sie ihre Klientin vor Gericht vertreten will. Vorurteile, Homophobie und polizeiliche/juristische Willkür werden angeprangert, aber auf subtile Weise. Darüber wird der Mord von der Autorin bewusst in den Hintergrund gedrängt, um zu verdeutlichen, dass es den involvierten Personen weniger um die Aufklärung des Verbrechens geht als um die Verurteilung – um die Statuierung eines Exempels – einer unbequemen Person und die persönliche Befriedigung. „Wenn die grauen Falter fliegen“ ist ein Krimi, den man nicht so schnell vergisst. Der Roman beeindruckt durch realistische Charaktere und eine dramatische, glaubwürdige Handlung, in die die Gesellschaftskritik gelungen verpackt wurde. Zweifellos einer der Top-Titel von Argument, der zu Recht eine Neuauflage in der ariadne classic-Reihe erfuhr!

Copyright © 2010 by Irene Salzmann (IS)

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Flucht ins Verderben

Erstellt von Werner Karl am 27. September 2010

Erik Albrodt, John Baker
Flucht ins Verderben – Agent Smith 2
Dreamland Action 3

Dreamland Productions, Rüsselsheim, 11/2009
1 Audio-CD, Hörspiel, Mystery-Krimi, Horror, Action
ISBN 978-3-939066-83-5
Laufzeit: ca. 72 Min.
Sprecher: Wolfgang Rüter, Rainer Schmitt, Heidi Schaffrath,
Johanna Klein, Josia Jacobi, Tolo Schmitz, K.-D. Klebsch, Utz Richter u. a.
Musik von Tom Steinbrecher und Andreas Max
Titelillustration von Jole Stamencovic

www.ts-dreamland.de/index2.html
www.tom-steinbrecher.de
www.am-composition.de/
www.schoenhals.de/artist.php?id=55

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In der ersten Folge von „Dreamland Action“ klärte Topagent Larry Smith zusammen mit seiner selbstbewussten Kollegin Nina Anderson den Anschlag auf die Familie des Nobelpreisträgers und Genetikers Dr. Jeremy Higgins auf. Sie kamen hinter das volle Ausmaß der Intrige, konnten aber nicht verhindern, dass der eigentliche Drahtzieher hinter den Kulissen, Dr. Norman Huntingdon, mit den Formeln entkam und spurlos verschwand. Ihnen blieb nur noch die Aufgabe: sich um die junge Sandra zu kümmern, die als Einzige das Desaster überlebte – wenn auch nicht ganz unverändert.

Um sich von den Schrecken der letzten Monate zu erholen, reisen Larry, Nina und Sandra nach Las Vegas. Sie hören zwar von einem spektakulären Bankraub und der Flucht der Gangster aus San Francisco, die unter der Führung einer Frau standen, aber sie ahnen nicht, dass sie schon bald enger mit deren Schicksal verknüpft sein werden, als sie denken.

Nicht weit von der glitzernden Stadt des Glückspiels entfernt stürzen die Bankräuber in der Wüste ab, da ihr Helikopter beschädigt ist. Sie versuchen, in einer nahegelegenen Siedlung Ersatzteile oder eine Fahrmöglichkeit zu bekommen, werden aber plötzlich von schrecklich entstellten Kreaturen umringt, die sie nicht entkommen lassen. Denn im Untergrund der Geisterstadt befindet sich ein geheimes Labor und in ihm der verräterische Norman Huntingdon, der im Auftrag des Militärs weiter an dem Genetic Code gearbeitet hat, um einen Supersoldaten zu erschaffen. Doch dann folgen Larry und Nina der Bitten Sandras, die glaubt, eine telepathische Botschaft von ihrem Freund Billy aufgefangen zu haben, dem schwerkranken Jungen aus der Klinik, den sie eigentlich für tot gehalten haben …

„Flucht ins Verderben“ ist zwar die Fortsetzung von „Genetic Code“, erweist sich aber anders als die erste Folge weniger als Action-Thriller sondern mehr als Horror-Szenario. Das zeigt sich nicht nur an der Ausgangskonstellation: Ein verrückter Wissenschaftler führt grausame Experimente an Menschen durch, die zufällig der Stadt zu nahe gekommen sind und überlässt sie ihrem Schicksal als Zombies, wenn sie sich als Fehlschlag erweisen. Auch die Abenteuer der Helden, die sich schließlich nicht nur mit entstellten Kreaturen und Soldaten herumschlagen müssen, sind das, was man von einem deftigen Horror-Kracher erwartet. Erneut stimmt auch hier das Zusammenspiel von frechen, manchmal etwas derben Dialogen, einem gewissen Witz, der Interaktion der Sprecher und nicht zuletzt der passenden Geräuschkulisse.

Wieder kann man die Augen schließen und das Kino im Kopf genüsslich laufen lassen, auch wenn die Geschichte selbst nicht besonders neu ist. Langweilig ist das Geschehen jedoch nicht, da immer wieder Aspekte aus dem ersten Teil aufgegriffen, aber auch neue Elemente in den Raum gestellt werden, die eine Fortsetzung geradewegs herausfordern. Damit erweist sich „Flucht ins Verderben“ als würdiger Nachfolger von „Genetic Code“ und damit als knackiger Thriller im Stil von „Akte X“, zu dem diesmal ein ordentlicher Schuss Horror kommt.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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Das Haus des Richters

Erstellt von Werner Karl am 27. September 2010

Bram Stoker & Mark Gruppe (Script)
Das Haus des Richters
Gruselkabinett 43

Titania Medien, Leverkusen/Lübbe Audio, Köln, 05/2010
1 CD, Grusel/Mystery-Hörspiel
ISBN 978-3-7857-4270-9
Laufzeit: ca. 56 Min.
Sprecher: Hasso Zorn, Timmo Niesner, Wilfried Herbst, Ursula Sieg,
Christel Merian, Norbert Langer, Otto Mellies. Marcel Colle und Robin Kahnmeyer
Cover von Firuz Askin

www.titania-medien.de
www.firuzaskin.com/

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Das Werk, das Bram Stoker (1847 – 1912) berühmt gemacht hat, ist natürlich „Dracula“. Den wenigsten ist aber bekannt, dass er noch einiges mehr geschrieben hat, auch ganz klassische Geistergeschichten um rachsüchtige und grausame Seelen der Vergangenheit und verfluchte Häuser, so wie in „Das Haus des Richters“.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert zieht sich der Student Malcolm Malcolmson aufs Land zurück, um dort in der Abgeschiedenheit des kleinen Städtchens Benchurch für seine Abschlussprüfungen zu lernen. Ein altes Haus, das ein wenig abseits steht, erscheint ihm gerade richtig, und er freut sich, als er es auch noch zu einem günstigen Preis mieten kann, obwohl ihn einige Einheimische warnen und ihm raten, dort nicht einzuziehen. Denn vor gut zweihundert Jahren war es im Besitz eines Richters, der mit gnadenloser Härte und Grausamkeit immer wieder Menschen zum Tode verurteilt hat, obwohl sie unschuldig waren. Sein Geist soll noch immer in dem Gemäuer spuken. Malcolm lacht nur darüber, denn als rationaler Geistesmensch glaubt er nicht an Geister und Flüche. Doch schon bald wird er eines Besseren belehrt, denn er sind nicht nur Mäuse und Ratten, die durch das Gebälk kriechen …

„Das Haus des Richters“ greift ein bekanntes Sujet auf und setzt es genau so um, wie man es erwartet. Da ist der moderne und aufgeklärte Mann des Wissens, der vom Aberglauben nicht viel hält und anfangs nur darüber lacht. Als er zu glauben beginnt, könnte es bereits zu spät sein. Genau das ist auch die Spannung, die die Geschichte zusammen hält – und nicht viel anderes. Musik und Geräusche erzeugen im Hörspiel die passende Atmosphäre, die Beklemmung und Angst, die den Studenten nach und nach einholt. Man merkt aber auch, dass die Geschichte eher zur Unterhaltung inszeniert wurde, denn gerade der Richter agiert sehr theatralisch und übertrieben. Das tut dem Hörspiel aber keinen Abbruch, denn die Sprecher sind in ihrem Element und bringen das Kopfkino zum Laufen hat man doch nicht ohne Grund die Kulissen vieler ‚Hammer„-Filme im Kopf.

Auf jeden Fall stimmt alles, auch die Länge des Hörspiels, so dass man nach knapp einer Stunde schon traurig ist, dass der Hörgenuss zu Ende ist. Es geht sehr actionreich zu; gerade zum Ende hin überstürzen sich die Ereignisse und sorgen für atemlose Spannung. Vielleicht ist „Das Haus des Richters“ nicht ganz so literarisch wie die vorhergehenden Hörspiele, aber gerade das bringt ein wenig Abwechslung hinein, die beweist, dass die Macher von „Gruselkabinett“ immer noch ein Händchen für die richtige Mischung an Geschichten und Umsetzungen haben.

Copyright © 2010 by Christel Scheja (CS)

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