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Archiv für September 30th, 2010

Puerta Oscura – Totenreise

Erstellt von Werner Karl am 30. September 2010

David Lozano Garbala
Puerta Oscura – Totenreise

Originaltitel: La Puerta Oscura – El Viajero
Loewe Verlag
ISBN 978-3-7855-6863-7
Jugendbuch / Fantasy
1. Auflage 2010
Aus dem Spanischen von Susanna Mende
Umschlagillustration: Alfonso Ruano, Pablo Nunes
Umschlaggestaltung: Christian Keller
Hardcover, 608 Seiten

www.loewe-verlag.de

Titel erhältlich by Buch24.de
Titel erhältlich by Booklooker.de

Zum Autor:

David Lozano Garbala wurde 1974 in Zaragoza geboren. Schon als Jugendlicher liebte er Fantasy- und Horrorfilme und er fing schon früh an, selbst zu schreiben. Er studierte Jura und arbeitete als Anwalt in seiner Heimatstadt, aber er hörte nie auf, Geschichten zu erzählen. Seit dem Erscheinen von Puerta Oscura in Spanien ist David Lozano Garbala dort zu einer Ikone der Jugendliteratur geworden.

Zum Buch:

Pass auf,
wenn du die Dunkle Pforte durchschreitest!
Du begibst dich direkt in die HÖLLE.
Du hast nur sieben Tage Zeit
In der Ewigkeit.
Dann schließt sich die Pforte wieder.
Für immer.

Diesen kurzen Hinweis auf „Totenreise“ gibt uns der Schutzumschlag des Buches auf seiner Rückseite und hat mich damit sogleich neugierig gemacht. Mit den vielen abgebildeten Skeletten und seiner schwarzen und weißen Gestaltung zieht der Schutzumschlag sofort die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich.

zum Inhalt:

Pascal ist verliebt in Michelle und er hat es ihr gesagt. Nun hofft er, dass Michelle diese Gefühle erwidert, aber bis heute wartet er auf eine Antwort. Er denkt diese Antwort  auf der Gothic Party zu bekommen zu der er sich mit Michelle und seinem im Rollstuhl sitzenden Freund Dominique verabredet hat. Die Party findet bei Jules Marceaux statt, einem Bekannten Michelles aus der Gothic Szene. Aber es kommt vollkommen anders. Pascal hat für die Party keine geeignete Verkleidung und so begibt er sich auf den Dachboden des Gastgebers wo er in einer alten Truhe nach passenden Bekleidungsstücken sucht. Diese Truhe ist jedoch mehr als ein Aufbewahrungsort. Sie ist die dunkle Pforte, die sich nur alle hundert Jahre für einen Wanderer aus der Menschenwelt öffnet. In dieser Nacht öffnet sie sich für Pascal und der junge Mann betritt die Welt der Toten. Er findet sich auf dem Friedhof „Montparnasse“ wieder, in einer anderen Dimension. Dort trifft er freundliche, hilfsbereite Tote aber auch böse Gestalten. Jedenfalls erfährt Pascal, dass er der Wanderer ist und nunmehr jederzeit die Möglichkeit hat die Welt der Toten zu betreten und zu verlassen, wenn er sich an gewisse Regeln hält.

Zeitgleich mit Pascals Übertritt in die Welt der Toten ist leider auch ein Geschöpf aus der Welt der Toten in die Welt der Lebenden geraten und nun treibt sich ein Vampir in Paris herum. Diesen gelüstet es zunächst einmal nach frischem Menschenblut, aber er will mehr. Die Herrschaft der Vampire über die Welt will er erreichen und so ist sein wichtigstes Ziel: Die Zerstörung der dunklen Pforte. Wird es Pascal gelingen den Vampir zu stoppen? Wer kann ihn im Kampf gegen das Böse unterstützen? Jedenfalls braucht er Hilfe, denn plötzlich ist Michelle verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Bald ist klar: Sie ist in die Hände des Vampirs gelangt und für diesen nur Mittel zur Umsetzung seiner Ziele. Mit den ersten Todesfällen nehmen die Ermittlerin Marguerite und der Gerichtmediziner Marcel die Untersuchung der Angelegenheit in der Welt der Lebenden auf. Dabei kreuzen sich mehr als einmal ihre Wege mit denen der Jugendlichen und der Wahrsagerin Daphne, die den Mächten des Bösen ebenfalls den Kampf  angesagt hat und viel zu wissen scheint über die Welt der Toten und Vampire.

Das Buch entführt den Leser in eine andere Dimension, in ein Zwischenreich. Größtenteils ist die Stimmung recht düster und schauerlich. Die Handlung wechselt auch innerhalb eines Kapitels recht häufig was einerseits einen etwas negativen Einfluss auf den Lesefluss hat, andererseits aber auch Tempo in die Handlung bringt. Die Grundidee der Geschichte jedoch ist herausragend. Pascal tritt eine Reise an durch die Welt der Toten, die mit großen Gefahren verbunden ist. Hier lässt der Autor durch die Erforderlichkeit von Zeitreisen viel Abwechslung in die Handlung einfließen. Auch in der Welt der Lebenden geht es spannend zu. Die Wahrsagerin Daphne und die Ermittlerin Marguerite sind immer wieder für Überraschungen gut. Wo ihre Absichten eigentlich relativ ähnlich sind, haben sie ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, wie sie ihr Ziel erreichen wollen.

Das Buch lebt von seiner interessanten Grundidee. Leider gibt es sehr viele Dinge, die nur sehr kurz angesprochen werden und auch im Gesamtverlauf der Geschichte nicht aufgeklärt werden. Da davon auszugehen ist, dass „Puerta Oscura – Totenreise“ nur der Beginn einer mehrteiligen Reihe ist, kann der Leser nur hoffen, dass offene Fragen noch in einem Fortsetzungsband aufgeklärt werden. Totenreise ist in seiner Darstellung schon recht gruselig und daher nicht unbedingt für ganz junge jugendliche Leser geeignet. Ich würde es ab ca. 14 Jahren empfehlen. Eine geniale Idee, spannend umgesetzt mit viel offenem Potential für zukünftiges Lesevergnügen.

Copyright © 2010 by Iris Gasper

… und noch eine Rezi zum Titel:

Pascal, Dominique und Michelle sind gut befreundet, aber Pascal empfindet für Michelle mittlerweile viel mehr als das. Er gesteht ihr seine Gefühle, aber Michelle lässt ihn noch zappeln und muss sich ihre Entscheidung überlegen. Auch Dominique ist über diesen Verlauf nicht sehr glücklich, er fühlt sich außen vor und seine Behinderung macht es nicht besser. Durch einen Besuch bei der Wahrsagerin Daphne hat diese dunkle Visionen über Pascals Zukunft, die sich niemand erklären kann. Als die drei zu einer Gothicparty eingeladen werden, verschwindet Pascal plötzlich. Auf der Suche nach einem geeigneten Kostüm auf dem Speicher fällt er in eine ominöse Truhe und versteht erst sehr langsam, in welche Welt er dort geraten ist: Er hat das Totenreich betreten! Er lernt hier diverse seltsame Wesen und Orte kennen und erhält die Erklärung zur seinem Übertritt auf dem Pariser Friedhof. Pascal ist der Auserwählte, der Wanderer, den es nur alle hundert Jahre gibt!

Er kann das Totenreich betreten und wieder verlassen, hat aber nur sieben Tage Zeit, bis sie sich die Pforte dorthin wieder 100 Jahre verschließt. Doch nachdem er diese überschritten hat, passieren in Paris seltsame bestialische Morde, auf die selbst die Polizei keinen Rat weiß. Diese Morde scheint keine menschliche Gestalt zu begehen und bald wird klar, dass dieses Wesen in Gestalt eines Menschen zeitgleich mit Pascals Übertritt ins Totenreich in die Gegenwart gelangt ist. Als Michelle plötzlich zudem spurlos verschwindet, weiht Pascale Dominique in seine Erlebnisse ein und sie begeben sich mit Hilfe von der Wahrsagerin Daphne auf die gefährliche Suche. Doch auch das Wesen wittert seine Chance, den Übertritt ins Totenreich mit deren Hilfe zu finden, um ihn zu zerstören und ist Ihnen auf der Spur, genauso wie die ermittelnde Polizei, die hier versucht, Zusammenhänge aufzudecken! Wird es dem Wesen gelingen, seine Macht auszuspielen und Pascale, Michelle aufzuspüren und vorher wieder in die Welt der Lebenden überzusiedeln? Denn wenn der Übergang zerstört wird, muss auch er im Totenreich bleiben…

Mein Fazit:

Die schwarze Umschlaggestaltung mit vielen kleinen weißen Skeletten vermittelt schon die richtige Stimmung für dieses Buch. Trotz einiger logischer Schwächen in dem Verlauf der Geschichte gefällt mir die Grundidee des Buches sehr gut. Man hätte die Personen noch besser ausbauen und die Gefühle dieser intensivieren können. Aber alleine die Beschreibung des Totenreiches mit den dort lauernden Gefahren, seltsamen Wesen und Landschaften haben mich schon sehr an die Geschichte gefesselt, dass mir der Verlauf in der Gegenwart schon fast unspektakulär vorkam. Doch auch hier treibt ja ein seltsames Wesen ? ein Vampir ? sein Unwesen, der durch die ungeduldige Suche nach der Pforte den Verlauf beschleunigt. Ich konnte dieses Buch, bis auf einige Anfangsschwierigkeiten, gut in einem Rutsch durchlesen!

Man muss sich darüber bewusst sein, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, dass ich aufgrund der Ausführungen aber erst im Alter ab 14-15 Jahren empfehlen würde. Mich hat es gut unterhalten, an einigen Stellen sogar schon geschüttelt, obwohl ich ansonsten auch die Lektüre von Thrillern durchaus gewohnt bin. Tolle Idee, ich bin auf Fortsetzungen hierzu gespannt!

Copyright © 2010 by Sandra Stockem

Titel erhältlich by Buch24.de
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Die Donnerstagswitwen

Erstellt von Werner Karl am 30. September 2010

Claudia Piñeiro
Die Donnerstagswitwen

Originaltitel: Las viudas de los jueves
Metro – Spannungsliteratur im Unionsverlag
ISBN 978-3-293-00417-7
Spannungsroman / Krimi
Erschienen 2010
Aus dem Spanischen von Peter Kultzen
Umschlaggestaltung: Peter Löffelholz, Zürich
Umschlagbild: alexey_ds (istockphoto.com)
Hardcover, 316 Seiten

www.unionsverlag.com

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Zur Autorin:

Claudia Piñeiro, Shootingstar der argentinischen Literatur, wurde 1960 in Buenos Aires geboren. Nach dem Wirtschaftsstudium wandte sie sich dem Schreiben zu, arbeitete als Journalistin, verfasste Theaterstücke, Kinder- und Jugendbücher und führte Regie fürs Fernsehen. Für Die Donnerstagswitwen erhielt sie 2005 den Premio Clarín, einen der wichtigsten argentinischen Literaturpreise. Alle ihre Romane sind auf den Bestsellerlisten zu finden und werden in viele Sprachen übersetzt.

Zum Buch:

„Wir wollten lieber eine Mauer. Das hält nicht bloß fremde Menschen fern. Wir brauchen auch nicht mehr zu sehen, was draußen los ist.“

„Die Donnerstagswitwen“ leben mit ihren Familien in Altos de la Cascada, einer in sich abgeschlossenen und eingezäunten Siedlung nahe Buenos Aires. Sie sind Donnerstagswitwen, da sich ihre Männer jeden Donnerstag ohne die Frauen treffen und dem Alkohol und Kartenspiel frönen. Eines Tages jedoch sind drei Frauen mehr als nur „Donnerstagswitwen“, denn die Leichen dreier Männer werden auf dem Grund eines Swimmingpools der Siedlung gefunden. An dieser Stelle beginnt die Autorin ihre Geschichte und entführt den Leser in Rückblicken in die Welt einer selbsternannten elitären Gesellschaft wie sie schauerlicher nicht sein könnte.

In Altos de la Cascada leben nur besondere Familien, die es sich leisten können in Sicherheit zu leben, Hauspersonal zu beschäftigen und Golf und Tennis zu spielen. Hier dreht sich alles nur um Luxus, Sport, Wirtschaft, den neuesten Klatsch und Tratsch. Frauen müssen hier nicht arbeiten, höchstens zum Vergnügen. Eine Ausnahme bildet Virginia, die als Immobilienmaklerin tätig ist und von deren Einkommen auch ihre Familie abhängig ist, nachdem ihr Mann Ronnie seine Arbeit verloren hat. Durch ihre Tätigkeit jedoch hat Virginia auch Einfluss darauf wer in Altos de la Cascada ein Haus erwerben kann. In der Gemeinschaft ist nämlich nicht jedermann gerne gesehen. Hautfarbe, Religion und andere Kriterien spielen hier durchaus eine Rolle.

Hinter der Fassade der einzelnen Familien der Siedlung sieht es meist anders aus als nach außen. Kinder sind nur nötig, weil man sie eben hat, Frauen werden geschlagen, die Sorgen und Nöte der Armen nur beachtet, weil man das eben als Pflicht ansieht. Der Schein trügt und als eine Wirtschaftskrise heraufzieht, geht es auch den Bewohnern des Countrys an die Tasche. Nun gilt es den Schein zu wahren, den Lebensstandard zu halten. Hierfür ist jedes Mittel recht. Man borgt sich untereinander Geld, tätigt Anschaffungen, die man sich eigentlich gar nicht leisten kann, fährt zur Arbeit, obwohl man eigentlich keine mehr hat und vieles mehr.

Die Autorin zeichnet hier ein Bild einer Gesellschaft, die nicht bereit ist Abstriche zu machen. Menschen, die in einer Realität weiterleben, die es gar nicht mehr gibt. Die Handlung und der Blick auf die Siedlung werden aus unterschiedlichen Perspektiven beschrieben. Zum einen erzählt Virginia aus ihrer Sicht und zum anderen berichten die Bewohner oder ein Teil der Bewohner des Countrys unter der Bezeichnung „Wir“. Die Erzählung ist detailliert und auf den Punkt gebracht und führt dazu, dass sich in den Augen des Lesers diese Gesellschaft selbst durch ihr Denken und Handeln bloßstellt. Und nach und nach führt die Handlung den Leser des Buches auch wieder zurück an den Anfang und damit zu den drei Leichen im Swimmingpool. Was sich hinter diesen Toten verbirgt ist dann der Gipfel der Oberflächlichkeit.

Die „Donnerstagswitwen“ ist ein gesellschaftskritisches Buch, dessen Handlung zwar in Argentinien spielt, sich aber so oder in ähnlicher Form überall in der Welt zutragen könnte. Man mag sich an die Sprichwörter „Hochmut kommt vor dem Fall“ und „ Wenn es dem Esel zu gut geht, geht er aufs Eis“ erinnert fühlen.

Copyright © 2010 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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