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neuauflage

Archiv für April, 2011

Dead

Erstellt von Werner Karl am 30. April 2011

James Patterson
Dead
Alex Cross 13

(sfbentry)
Originaltitel: Double Cross
Blanvalet
ISBN  9783442372041
Krimi/Thriller
1. Auflage 2009
aus dem Amerikanischen übersetzt von Leo Strohm
Umschlaggestaltung Hilden Design, München
Taschenbuch, 382 Seiten

www.blanvalet.de
www.jamespatterson.com/books_alex_cross.php

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Patterson müsste man heißen. Das ist eine Standardantwort für eine Freundin, die sich hin und wieder nach meinen eigenen Verkaufszahlen erkundigt. Warum? Als ich 2010 den Artikel im Spiegel entdeckte, brannten sich mir die darin genannten Zahlen förmlich ein. Denn an dem 1949 geborenen, in New York aufgewachsenen und in Florida lebenden Autor James Patterson kommt in den USA seit Jahren vermutlich niemand in den Buchhandlungen vorbei. Und längst ist er nicht nur dort eine feste Größe auf dem Buchmarkt. In mehrere Sprachen übersetzt, finden seine Bücher weltweit reißenden Absatz. Laut Spiegel wurden mehr Patterson-Bücher verkauft als Brown, King und Grisham gemeinsam loswurden. Über 170 Millionen bedeuten umgerechnet, dass jeder siebzehnte verkaufte Roman in den Staaten von ihm stammt. Allein in Deutschland standen zwanzig seiner Bücher auf den Bestsellerlisten. Teilweise wurden sie bereits verfilmt, so etwa „Denn zum Küssen sind sie da“ und „Im Netz der Spinne“ in der Morgan Freeman den Polizeipsychologen und Profiler spielte.

Patterson, ehemaliger Kreativdirektor einer Werbeagentur hat stets mehrere Projekte gleichzeitig laufen. So umgeht er Schreibblockaden. Er bevorzugt das Krimi- und Thrillergenre, verfasst aber auch Kinder- oder Sachbücher. 2009 unterschrieb er einen Vertrag für siebzehn Bücher. Dieser Deal brachte und bringt nicht nur ihm Millionen ein, auch die Verlage leben gut damit. So verdiente die Hachette-Gruppe – der Mutterkonzern von Litte, Brown & Co. (Pattersons Verlag) allein mit seinen Titeln in zwei Jahren 500 Millionen Dollar. Dort gilt er längst als Verfasser, Produzent, Lektor, Agent und Werbeagentur der Marke, zu der er sich und seine Bücher gemacht hat. Wie gesagt: Patterson müsste man heißen.

Dabei stammt mittlerweile gar nicht mehr alles aus seiner eigenen Feder, wird teilweise nur von ihm abgehakt oder umgearbeitet, was von seinen Hilfsschreibern beigesteuert wird. Und Patterson war natürlich nicht immer Bestsellerautor. Anfangs plagten ihn die gleichen Probleme wie viele Autoren und er hatte Schwierigkeiten, seine Manuskripte unterzubringen. Sein 1976 entstandener Roman „The Thomas Berryman Number“ gewann den Edgar – einen Preis für Krimineulinge. Doch erst als er nach mehreren Einzelromanen die 1993 auf den Markt kommende Serie um Alex Cross begann, kam der Erfolg wirklich zu ihm und riss auch mit seiner zweiten Serie Women’s Murder Club nicht ab.

Ursprünglich als Alexis Cross angelegt, merkte Patterson beim Schreiben des ersten Bandes schnell, dass er die farbige weibliche Hauptfigur nicht authentisch schreiben konnte und funktionierte sie kurzerhand zu einem Mann um. Alex Cross, der Vater dreier Kinder kam 2009 in Dead zum bereits dreizehnten Mal zum Einsatz, obwohl er eigentlich mittlerweile seine Tätigkeit bei der Polizei längst aufgegeben hat und sich um seine Privatpraxis kümmern möchte. Statt um psychopathische Killer bemüht er sich dort fortan lieber um Patienten mit Angst vor Bakterien, Kriegstraumata, Einsamkeitsproblemen, etc..

Die einzelnen Bände um Alex Cross können – wie mir schnell klar wurde – separiert voneinander gelesen werden, da sie in sich abgeschlossen sind, selbst wenn man diverse Figuren in anderen Bänden wiederfindet. Der Nachteil dabei ist natürlich, dass bestimmte Figuren irgendwann blass und eher eindimensional daherkommen, wenn der Autor eingefleischte Fans nicht mit endlosen Wiederholungen ihrer Beschreibung langweilen will. Im Juli 2010 kam mit „Fire“ übrigens bereits der vierzehnte Band auf den deutschen Buchmarkt. Doch zurück zu Dead, zurück zu dem Buch, an das ich mit entsprechend großen Erwartungen herangegangen bin.

Ein psychopathischer Serienmörder macht Cross in Washington D. C. einen Strich durch die Rechnung und würfelt ihn mit seiner Freundin, Detective Bree Stone, und ihren Kollegen zu einem Team zusammen, das eine grauenvolle Mordserie beenden muss, während ihnen die Zeit davon läuft. Der Killer inszeniert seine Taten als öffentliche Hinrichtungen vor einem unfreiwilligen Livepublikum, richtet dafür zudem eine eigene Website ein, verhöhnt die ermittelnden Beamten, spielt Katz und Maus mit ihnen.

Parallel dazu taucht Kyle Craig, ein alter Bekannter von Cross (sein Vorgesetzter und Mentor – jedenfalls, bis ihm selbst einige Morde nachgewiesen wurden) wieder auf, der eigentlich in einer ausbruchsicheren Todeszelle auf seine Hinrichtung warten sollte. Ebenso parallel schwenkt Patterson zu der Beziehung zwischen Stone und Cross und zu den Sitzungen von Patienten, die Cross in seiner Privatpraxis behandelt.

Patterson erzählt also in gewohnter Manier aus verschiedenen Perspektiven. Mal berichtet Cross selbst (in Ich-Form), mal erfährt man alles aus Sicht des DCPK genannten Killers, mal von Craig, der es geschafft hat, sich aus seiner Todeszelle zu befreien (jedoch nicht von ihnen, sondern in dritter Person). Meist kommen mehrere Kapitel aus einer Perspektive hintereinander, bevor Patterson die Blickrichtung wechselt. Seltsamerweise erschien es mir während des Lesens so, dass der bzw. die Killer im Vordergrund stehen. Tatsächlich widmet der Autor jedoch Cross und dem mit ihm arbeitenden Team bzw. seiner Beziehung zu Stone mehr Aufmerksamkeit als dem DCPK oder dem entflohenen, nicht weniger gefährlichen Craig.

Bereits zu Anfang der Ermittlungen zeichnet sich ab, dass der DCPK will, dass Cross an dem Fall beteiligt wird und es ist auch relativ schnell klar, dass Craig etwas damit zu tun haben muss – was zweifelsohne an den erwähnten Perspektivwechseln liegt. Insoweit gibt es nicht wirklich überraschend, aber überraschend viel Vorhersehbarkeit in Dead, was unter anderem dazu führte, dass das Buch mich nicht wirklich gefesselt hat.

Vorwiegend lag es aber an verschiedenen anderen Schwachpunkten. Nehmen wir zunächst einmal Craig. Im Prolog, der aus zwei von ihm handelnden Kapiteln besteht, wird er gleich zu Anfang dazu verurteilt, den Rest seines Lebens in einem Hochsicherheitstrakt zu verbringen – ohne normale zwischenmenschliche Kontakte. Im zweiten Kapitel wird erneut beschrieben, dass die Gefangenen dieses Traktes dreiundzwanzig Stunden täglich in ihrer Zelle verbringen und nur Kontakt zum Wachpersonal und ihren Anwälten haben. Trotzdem hat Craig nicht nur Kontakt zu seinem Anwalt, der ihm letztlich zur Flucht verhilft. Auch zum DCPK gibt es eine Verbindung, die nicht nur in Form einer fatalen Verehrung eines Serienkillers besteht (welche im Übrigen auch die Komplizin des DCPK oder etwa auch Craigs Anwalt für diesen empfinden). Grundsätzlich ist dies nachvollziehbar, denn fatalerweise haben Gewaltverbrecher auch in der Realität eine seltsame Anziehungskraft auf bestimmte Personen. Und so begeht der DCPK die Morde quasi für Craig, eifert ihm nach, will ihn letztlich übertrumpfen. Ob das erste Opfer des DCPK ihren Kontakt zu Craig vor oder nach seiner Verurteilung geknüpft hat, wird nicht ganz klar, aber die Verbindung Killer-Killer-Opfer gibt es.

Statt jedoch gleich unmittelbar oder wenigstens später darauf oder auf die einzelnen Beweggründe dahinter näher einzugehen, schreibt Patterson lediglich, dass diese Verehrung besteht, und widmet sich lieber den wöchentlichen Anwaltsbesuchen von Craig. Wie er seinem Anwalt Woche für Woche, Jahr für Jahr acht gleiche Fragen stellt, ohne Antworten zu erwarten, bevor ein wenig Small Talk gemacht wird (der sich allerdings auch um Serienmörder drehen kann). Der Ausbruch ist perfekt geplant und verläuft ohne Probleme, sodass Craig – kaum draußen – natürlich gleich weitermorden kann, um seinem Serienkillerklischee zu entsprechen. Was hier wie oder warum wann von wem geplant wurde, steht in den Sternen – in Dead findet man es nicht, obwohl es der Geschichte gut getan hätte. Fast scheint es im Hinblick auf den letzten Satz im letzten Kapitel, dass dieser Handlungsstrang lediglich dazu dient, Craig in einem weiteren Alex-Cross-Band auftauchen zu lassen.

Doch das war es nicht allein. Wie bereits erwähnt, ergibt sich – sofern man einzelne Bände einer Reihe unabhängig von den anderen liest – das Problem, dass etwa Alex Cross bei aller Präsenz etwas schemenhaft dargestellt wird. Im Zusammenhang mit dem Protagonisten der Serie erscheint das durchaus nachvollziehbar, doch leider gilt es auch für neu hinzugekommene Antagonisten, wie etwa den DCPK in Dead. Da der Autor den Fokus auf seine Taten und Verwandlungskünste, und weniger auf die Person dahinter lenkt, bleibt auch er zu farblos, zu unscharf.

Und da gibt es auch die eigentlich sinnlose Aneinanderreihung grausam inszenierter Morde, die der Autor anschaulich beschreibt und für die der DCPK einen übertrieben wirkenden hohen Aufwand betreibt. Beides erscheint zwar grundsätzlich insofern logisch, dass Morde fatalerweise nicht zwangsläufig einen Sinn ergeben müssen und Täter bei weniger Aufwand vermutlich schneller gefasst würden bzw. sich der Wahnsinn passend darin spiegelt. Doch Dinge, wie das Bespielen und Löschen eines Videobandes, bevor ein Mord darauf festgehalten wird, damit die Ermittler nach einer Rekonstruktion der gelöschten Daten dadurch einen gewollten Hinweis auf den Mörder bekommen, erscheinen etwas übertrieben. Nachlässigkeit, weil der Täter Geld sparen und deshalb keine neue Videokassette verwenden wollte (ohne daran zu denken, dass ihm das zum Verhängnis werden könnte), hätte hier einen glaubwürdigeren Effekt erzielt.

Genauso benutzt der DCPK für jeden Mord eine andere Identität, verkleidet sich so meisterhaft, dass man – insbesondere auch Cross – nicht so schnell erkennt, dass es sich immer um die gleiche Person handelt. Dieses Problem hat der Leser durch die Perspektivwechsel natürlich nicht. Er beobachtet ja, wie der Killer für die Ermittler und sein Publikum in diese Rollen schlüpft, dass er sich für sich selbst sogar anders nennt. Der DCPK verwendet dazu – genau wie der entflohene und untergetauchte Craig oder dessen Fluchthelfer auch – unter anderem Gesichtsprothesen. Die bekommt man nicht wirklich an jeder Straßenecke, sie müssen genau angepasst werden, damit sie nicht auf den ersten Blick auffallen, und kosten darüber hinaus auch nicht gerade wenig. Vom enormen Zeitaufwand, den so ein Tarn-und-Täuschen-Spiel schlicht und ergreifend bedarf um echt zu wirken, ganz zu schweigen. Doch all das scheint für die Antagonisten der Geschichte absolut kein Problem darzustellen.

Hinzu kommt, dass Cross – genial, wie sich Profiler für gewöhnlich in TV-Serien, Filmen oder Romanen darstellen – rasend schnell Zusammenhänge erfasst, die für Otto-Normal-Verbraucher nicht erkennbar sind. So geht er bereits beim allerersten Hinrichtungsmord sofort von einem Serientäter aus. Immerhin sieht er Hinweise, die sonst niemand erkennt, kommt dafür aber erstaunlich langsam dahinter, was sie wirklich bedeuten, während der Leser wiederum paradoxerweise (ebenfalls dank der ständigen Perspektivwechsel) längst weiß, in welche Richtung es letztlich geht.

Auch der Aufklärungsdruck, der auf dem Ermittlerteam lastet, wirkt nur bedingt glaubwürdig. Cross wird zwar durch den Killer dazu gezwungen und von seiner Freundin Bree auch dazu aufgefordert, sich des Falles anzunehmen – seine Praxis schließt er dafür jedoch nicht. Genauso abgeklärt, man könnte es allerdings genauso gut oberflächlich nennen, wie er sich der sich im Zuge der Ermittlungen ergebenden Bedrohungssituation seiner Person oder seiner Familie stellt, widmet er sich ganz nebenbei seinen Patienten und Patterson lässt den Leser munter an diesen Sitzungen teilhaben. Dass der Profiler und Psychologe dabei trotz seiner Genialität bis zuletzt absolut keinen Zusammenhang zwischen dem DCPK, seiner Komplizin und zweier Patienten sieht, wirkt weder stimmig noch authentisch. Auch dieser Zusammenhang wird im Übrigen einfach präsentiert, ohne wirklich auf die Bedeutung einzugehen. Natürlich könnte man ihn einfach in einer Laune des Killers begründet sehen, doch bei einem Bestsellerautor wie Patterson sollte man hier mehr erwarten können.

Erschwerend kommt die Darstellung der Beziehung zwischen Stone und Cross hinzu. Die passt ebenfalls grundsätzlich in den Plot und so schwenkt der Autor (vermutlich mit einem Blick auf das schlagende Argument „sex sells“) auch immer wieder brav auf die Beiden. Überzeugen kann er allerdings auch damit nicht. Während im „realen“ Leben Ärzte, Ermittler und diverse andere Berufsgruppen eher Probleme mit ihrer Libido bekommen (sei es aus chronischer Überarbeitung oder einfach, weil das im Zusammenhang mit ihrer Arbeit stehende Geschehen um sie herum nicht sehr lustfördernd wirkt) merkt der Autor immer wieder an, wie scharf Cross auf seine Freundin ist oder wird. Die ihrer Ermittlungszeit mühsam abgeknapsten gemeinsamen Momente werden tatsächlich passend nicht explizit geschildert. Doch genau das, lässt die eben erwähnten ständigen Hinweise auf Cross Begehren, letztlich eher störend als unterhaltend wirken.

Positiv anzumerken ist, dass Patterson seine Hauptfigur nur einmal in eine rasante Verfolgungsjagd per Auto verwickelt. Dass nicht ständig etwas in die Luft fliegt oder der Täter nicht im Alleingang ein Waffenarsenal verschwendet, das für eine ganze Armee reichen würde. Oder dass der Autor seine Leser nicht mit ermittlungstechnischen Details überfrachtet. Doch im Bezug auf Letzteres gibt es gleich wieder ein Aber, denn die Ermittlungen selbst können nicht wirklich überzeugen. Sie stochern bei allen Geistesblitzen von Cross zu viel im Dunklen, hinken dem bzw. den Tätern bis zuletzt zu sehr hinter, leben eher von Zufällen als von erarbeiteten Erkenntnissen. Wäre der Täter nicht so selbstverliebt, könnte er Washington vermutlich entvölkern, ohne dass Cross und seine Leute ihn je dingfest machen könnten.

Fazit

Geschmäcker sind verschieden. Für die einen hat Pattersons Alex-Cross-Reihe Kultcharakter, andere begeistert sie eher weniger. Obwohl Patterson einen flüssigen, leicht zu lesenden Schreibstil pflegt, ziehen sich die kurz gehaltenen Kapitel. Der Autor verzettelt sich in Nebenschauplätzen. Obwohl die Handlungsfäden alle zu einem gewissen Ende gesponnen werden, werden sie nur bedingt schlüssig verwoben. Ob es nun an der Übersetzung, an der Dauer der Reihe oder Pattersons Stil liegt, kann ich nicht beurteilen. Dead war mein erster Roman von ihm und konnte mich nicht überzeugen, weshalb ich nur zwei Punkte von fünf Punkten dafür vergeben möchte.

Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)

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Was kostet der Tod?

Erstellt von Werner Karl am 30. April 2011

Leslie Parrish
Was kostet der Tod?
Black Cats 01

(sfbentry)
Originaltitel Black Cats 01: Fade to Black
LYX
ISBN 9783802583759
Romantic Thrill
Deutsche Erstausgabe 2011
aus dem Amerikanischen übersetzt von Heide Frank
Umschlaggestaltung büosüd°; München
Breitklappenbroschur, 360 Seiten

www.egmont-lyx.de
www.authorleslieparrish.com/black_cats_german.html

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Leslie Parrish hat drei Töchter, zwei Hunde und lebt mit ihnen und ihrem Ehemann Bruce in Maryland. Unter dem Namen Leslie Kelly hat sie bereits mehrere Liebesromane geschrieben, von denen bereits Übersetzungen in Deutschland bei Cora in der Tiffany-Reihe erschienen sind. 2006 erhielt sie für ihre Arbeit den Romantic Times Award und wurde für weitere Preise nominiert. Ihr erstes Buch erschien 1999, seitdem hat sie mehr als dreißig Liebesgeschichten mit frechen Dialogen und sexy Handlung für Harlequin geschrieben.

Mit „Was kostet der Tod?“ – dem Auftaktroman der Black-Cats-Reihe und einem der Titel aus der Romantic-Thrill-Reihe von LYX – beschreitet sie neue Wege, um ihre etwas dunklere Seite als Schriftstellerin auszuleben. Zur deutlicheren Abgrenzung ihrer bisherigen Veröffentlichungen hat sie sich für das Pseudonym Leslie Parrish entschieden. Wer den gewohnt rasanten, sexy-frechen Stil in „Was kostet der Tod?“ erwartet, den man aus Kellys bisherigen Romanen gewohnt ist, wird vielleicht enttäuscht. Denjenigen, die auf die von LYX gewohnte Erotik setzen, wird eventuell auch etwas fehlen.

Dennoch lohnt es sich durchaus, das Buch zu lesen. Wie bereits in Susan Crandalls „Pitch Black” aus dem gleichen Verlagsprojekt, sind die romantischen Elemente in „Was kostet der Tod?“ eher dezent und weder mit erotischen Sequenzen überfrachtet, noch werden sie von gnadenloser Brutalität überdeckt, obwohl es durchaus um knallharte Verbrechen geht. Die sind übrigens härter als man unter Umständen bei einem romantischen Thriller erwartet, weshalb ausufernde Romantik bei dieser Thematik einfach unangebracht wäre. Doch kann man beides überhaupt in einen halbwegs harmonischen Einklang bringen?

Dass es tatsächlich geht, zeigt unter anderem auch Parrish alias Kelly in ihrer Black-Cats-Reihe. Bereits im Auftaktroman zeichnet sich ab, dass die einzelnen Romane in sich abgeschlossen sind und unabhängig voneinander gelesen werden können, da sie jeweils andere Paare behandeln. Der Folgeband „Im Netz des Todes“, in dem zwei Figuren aus dem ersten Teil weiter behandelt werden, soll im September 2011 in Deutschland erscheinen. In den Staaten ist bereits der dritte Band mit dem Titel „Black at heart“ erhältlich.

Die Geschichte selbst spielt in den Staaten der Gegenwart und wird in dritter Person erzählt. Das Cover der deutschen Ausgabe fällt durch seine Schlichtheit auf. LYX verzichtet auf einen, derzeit Verlag übergreifend gerne verwendeten muskelgestählten Oberkörper oder das ebenso gern verwendete ernste oder geheimnisvoll wirkende Frauen- oder Männergesicht und zeigt statt dessen eine verblühte, kopfüberhängende rosa Tulpe auf dunklem Hintergrund. Diese rosa Tulpe setzt sich übrigens Ton in Ton auf der Innenseite des Umschlages vorne wie hinten fort.

Was rein vom Umschlag her auf ersten Blick so harmlos wirkt, versetzt einem gleich darauf einen kleinen Schock. Bereits im Prolog taucht man in den ersten Mordfall und damit in das Geschehen ein, bevor es im ersten Kapitel siebzehn Monate später mit Aufnahme der Ermittlungen durch die CAT-Abteilung des FBI, die sich mit Internetkriminalität auseinandersetzt, weitergeht. „Was kostet der Tod?“ handelt von einem brutalen Killer, der seine Opfer in immer kürzeren Zeitabständen maßlos quält und tötet und seine Werke einem zahlenden, teilweise mitbestimmendem Publikum per Video im Internet präsentiert. Unabhängig davon und gleichzeitig eng mit einem der Opfer verwoben, geht es aber auch um Missbrauch und häusliche Gewalt. Hierbei ist es der Autorin gelungen, die Unfassbarkeit der Morde durch geschicktes Weglassen zu detaillierter Beschreibungen so gekonnt subtil zu umschreiben, dass die Fantasie des Lesers zwar durchaus für Gänsehaut sorgt, ihn jedoch nicht zwanghaft alle Fenster und Türen kontrollieren lässt, sobald er das Buch zur Seite legt.

Zugegebenermaßen: Ganz neu ist die Idee natürlich nicht – das muss sie aber auch nicht sein, solange die Umsetzung stimmt. Und während beispielsweise Katzenbach in „Der Professor“ als unterbrechende Nebenhandlung Halluzinationen und Gespräche seiner Hauptfigur mit verstorbenen Familienangehörigen einsetzt, baut Parrish die sich anbahnende Beziehung zwischen Stacey Rhodes, die als Sheriff der Kleinstadt Hope Valley tätig ist, und dem FBI-Agenten und Angehörigen der CAT-Einheit Dean Taggert ein. Beide haben eigentlich von großen und brutalen Verbrechen genug und sich bewusst für ihre momentane und bis zu diesem Zeitpunkt eher ruhigere Tätigkeit entschieden. Beide können jedoch nicht die Augen davor verschließen, dass es Verbrecher gibt, die unbedingt dingfest gemacht werden müssen, bevor noch mehr passiert, zumal Stacey eines der Opfer von klein auf kannte.

Als eine Spur das FBI-Team nach Hope Valley führt und Rhodes Taggert und seinen Kollegen helfen kann, zeigt sich gleichzeitig, dass Stacey und Dean auf einer Wellenlänge schwimmen. Unaufgeregt kommen sie einander näher. Stacey, selbstbewusst, autonom – eine Kleinstadtpflanze, die den Duft der Großstadt geschnuppert und sich wieder aufs Land zurückgezogen hat, geht offen auf Dean zu. Dean ist geschieden und durch seine Tätigkeit immer in Gefahr, das Umgangsrecht mit seinem Sohn zu verlieren. Dennoch stürzt er sich in seinen neuen Fall. Obwohl die Autorin hier fast in ihr bisheriges Genre abgerutscht wäre, tänzeln die Beiden letztlich nicht lange umeinander herum, gehen jedoch auch nicht wirklich zur Sache und ihre Liebesgeschichte ist, wie bereits erwähnt, eher dezent. Sie bildet den Hintergrund für die eigentliche Verbrecherjagd. Bietet sozusagen kleinere Entspannungsinseln, bevor es weitergeht bei der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen im Kampf gegen die Zeit. Geschickt lenkt die Autorin ihre Leser in verschiedene Richtungen, lässt Verdachtsmomente gegen mehrere der Figuren wachsen, bevor sie sie wieder auf die von ihr gelegte Spur zurücklotst. So bleibt bis zuletzt offen, wer der Täter ist.

Die Hauptcharaktere sind gut gelungen. Die Autorin taucht erzählend in ihre Vergangenheit ein und bringt ihre Motivation passend zum Ausdruck. Die Nebencharaktere weisen insoweit eine kleine Schwäche auf, als ihre Beschreibung das eine oder andere Mal zu einfach ausfällt, zu klischeehaft böse und schlecht. Der flüssige, leicht zu lesende Schreibstil und die übrige stilistische Handhabung der Autorin, die Dialoge und Erzählungen in einem ausgewogenen Verhältnis mischt, macht dieses Manko größtenteils wieder wett. Einen richtigen Minuspunkt, der die Auflösung des Falls betrifft, gibt es jedoch. Dieser Teil des Romans wirkt zu schnell abgehandelt. Da nutzt es auch nur bedingt etwas, dass die Lösung so klar und stimmig beschrieben wird, wie man sie sich erhofft. Um den Roman gekonnt abzurunden, fehlt einfach eine ausführlichere Betrachtung der Motivation des Täters.

Fazit

Gelungener Auftakt einer neuen Reihe trotz kleinerer Schwächen. Ich bin gespannt auf den Folgeband und vergebe vier Punkte von fünf Punkten.

Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)

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Die Sterne leuchten immer noch

Erstellt von Werner Karl am 29. April 2011

Sarah Ockler
Die Sterne leuchten immer noch

Originaltitel: Twenty Boy Summer
cbj
ISBN 9783570137499
Roman Jugendbuch 12 – 13 Jahre
1. Auflage 2011
aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernadette Ott
Umschlaggestaltung Zeichenpool, München
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 352 Seiten

www.cbj-verlag.de
http://sarahockler.com

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Was hat Steven Spielbergs „E.T.“ mit Sarah Ockler zu tun? Ganz einfach. Er brachte sie quasi zum Schreiben. Im zarten Alter von sechs Jahren schrieb und illustrierte sie ihr erstes Buch, das an eben diesen Film angelehnt war. Natürlich wurde es nie veröffentlicht. Ihre Eltern ermunterten sie stattdessen, eigene Ideen zu verwirklichen. Diesen Ratschlag hat Sarah Ockler beherzigt. Jahre später, genauer gesagt 2009, erschien ihr Debütroman „Twenty Boy Summer“, der von den Kritikern gefeiert und von cbj 2011 unter dem Titel Die Sterne leuchten immer noch auf den deutschen Buchmarkt gebracht wurde. Ende 2010 erschien in den USA ihr zweiter Roman unter dem Titel „Fixing Delilah“.

Die Geschichten und Bücher der Autorin sind vorrangig für Jugendliche geschrieben. Ihre Passion für diese Zielgruppe und All-Age-Leser wurde bei ihrer Arbeit im Lighthouse Writers Workshop Denver verstärkt. Sie unterrichtet dort junge Autoren. Begründet dürfte sie jedoch darin liegen, dass Ockler sich noch gut an ihre Highschool-Zeit erinnern kann. An gute und schlechte, an aufregende und langweilige Tage auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Die Autorin, die den Bachelor of Arts in Communication gemacht hat, verbringt neben dem Schreiben einen Teil ihrer freien Zeit in der Natur und fotografiert gerne diesbezügliche Motive oder Kinder oder geht mit ihrem Ehemann Bergsteigen.

Der Buchumschlag in nachtblau zeigt einen Sandstrand, im Hintergrund etwas Meer, im Vordergrund eine junge Frau bzw. ein junges Mädchen, das in einem weißen Kleid vom Wind umspielt mit ausgebreiteten Armen unter einem sternenklaren Himmel steht. Der Originaltitel passt genauso gut wie die deutsche Übersetzung. Während „Twenty Boy Summer“ an eine Wette angelehnt ist, die die weibliche Hauptfigur Anna mit ihrer Freundin abschließt, deutet der deutsche Titel gleichermaßen auf die Hilflosigkeit wie Hoffnung hin, die Anna empfindet.

Mit fünfzehn sollte man Kribbeln im Bauch spüren. Sich über Schulnoten und die Zukunft Gedanken machen, aber daneben auch über Mode, Make-up, Musik, etc. Sachen erleben, die einen zum Lachen bringen, beste Freunde haben, Träume ausmalen oder Schmetterlinge im Bauch spüren, die mit Verliebtsein oder gar der ersten Liebe einhergehen. Hormonell bedingt ist dieses Alter eine Zeit der emotionalen Tiefs und Hochs in rasanter Abfolge und genau genommen erlebt Anna all dies auch. Bis zu jenem Tag, an dem Trauer und Hilflosigkeit schlagartig überwiegen. Dass ausgerechnet Matt, ihr bester Freund, in den sie seit fünf Jahren verliebt ist, auch nicht erst seit Kurzem etwas für sie empfindet, lässt sie für eine kurze, wundervolle Zeit schweben – bis er völlig überraschend aus dem Leben gerissen wird.

Bevor sie irgendjemand von ihrer ersten Liebe berichten kann, endet die zart aufkeimende Beziehung zu dem Jungen, mit dem sie schon ihr ganzes Leben verbracht hat. Noch nicht einmal ihrer besten Freundin, Matts Schwester Frankie, kann sie davon erzählen, denn Matt wollte es seiner Schwester schonend beibringen. Sowohl er als auch Anna hegten die Befürchtung, dass ihre Freundschaft dadurch belastet werden könnte. Deshalb hat er ihr in diesem Zusammenhang das Versprechen abgenommen, niemandem etwas zu sagen, bevor er selbst mit Frankie gesprochen hat. Auch über seinen Tod hinaus fühlt die mittlerweile sechzehnjährige Anna sich an dieses Versprechen gebunden und übernimmt seine Beschützerrolle für seine Schwester. Sie trauert still. Statt selbst Trost zu empfangen, ist sie für Frankie und ihre Eltern da und begleitet sie ein Jahr nach Matts Tod zum ersten Mal an den Ort, an dem die Familie ihre Sommerurlaube verbrachte.

Ockler hat feinfühlig authentisch wirkende Charaktere geschaffen. Ob man nun selbst bereits einmal den Verlust einer nahestehender Person erlebt hat oder nicht – jeder dürfte sich relativ schnell und problemlos in Anna oder eine der anderen Figuren hineinversetzen können. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und locker, ohne flapsig oder aufgesetzt zu wirken. Ihre Darstellung der Gefühle der einzelnen Personen ist nicht überladen, doch geht bisweilen hart an die Grenze. Manchmal möchte man sowohl Frankie als auch Anna fast schütteln, oftmals in die Arme nehmen und trösten.

Die Sterne leuchten immer noch spielt in der Gegenwart und umfasst den Zeitraum von etwas mehr als einem Jahr, enthält jedoch auch einige länger zurückliegende Erinnerungen. Ein Teil spielt an der Ostküste, der andere an der Westküste der Vereinigten Staaten. Der Raum dazwischen könnte synonym für die Entwicklung der Geschichte stehen, für den Abgrund, der sich nach Matts Tod für seine Familie und Anna zum Rest der Welt aber auch zwischen ihnen auftut. Alles könnte jedoch auch zu einer anderen Zeit an einem völlig anderen Ort stattfinden, denn die Handlung richtet den Blick auf die Emotionen, weniger auf Zeit und Umgebung. Gleichzeitig sind gewisse Passagen enthalten, die typisch amerikanisch gehalten sind, und genau dadurch etwas zu oberflächlich oder lang wirken können. Nach Matts Tod geht jede der Figuren anders mit ihrer Trauer um, wobei die Autorin den Fokus auf Anna richtet, die die Geschichte in Ich-Form erzählt.

Frankie etwa wirkt in ihrem Schmerz egoistisch und oberflächlich, verstockt, kindisch und gleichermaßen verletzend wie verletzlich. Sie verfällt nach einer geschockten Starre in blinden Aktionismus. Zum einen lässt sie kaum jemanden an sich heran, zum anderen scheint ihr neues Leben aus Make-up, Partys und Jungs zu bestehen. In ihrem Schmerz bekommt sie gar nicht mit, dass die Ehe ihrer Eltern zu scheitern droht oder wie es Anna geht.

Annas Welt wird klein, erstarrt eher, während sie Matt durch briefartige Einträge in ihrem Tagebuch am Leben erhält oder erdachte Zwiegespräche mit ihm führt. Durch ihre Erinnerungen lernt man Matt näher kennen. Ockler animiert auch damit zum Nachdenken, zum Schmunzeln, lässt den Leser mitfühlen. Trotz der emotionsgeladenen Thematik schafft es die Autorin, nicht melodramatisch abzurutschen. Sie verbindet geschickt die Gefühle der Trauer und des Schmerzes, der Wut und Hoffnungslosigkeit, aber auch der Verliebtheit, der Hoffnung, der Neugierde und des Verzeihens.

Der gemeinsame Urlaub ist gleichermaßen eine Belastungsprobe für alle, wie auch der Versuch, ein normales Leben zu führen. In diesem Zusammenhang schließen Frankie und Anna vor ihrer Abreise einen Pakt. Die 20 Tage am Meer sollen zum A.B.S.A.Z (absolut bester Sommer aller Zeiten) werden und die Mädchen wollen sie nutzen, jeden Tag einen anderen Jungen kennenzulernen. Einer wird – nach Frankies Ansicht – schon dabei sein, der Anna um ihre Jungfräulichkeit bringt. Was sich keineswegs einfach gestaltet. Matt ist trotz seines Todes omnipräsent in den Erinnerungen und Gefühlen Annas. Sie trauert nach wie vor und hegt Schuldgefühle, weil sie ihrer Freundin nicht die Wahrheit sagen kann. Den Pakt ist sie nur halbherzig eingegangen, um Frankie aufzumuntern. An eine neue Liebe glaubt sie nicht wirklich; der Gedanke jagt ihr beklemmende Gefühle ein, weil sie glaubt, Matt dadurch zu verraten. Tatsächlich machen sich aber doch Schmetterlinge in ihrem Bauch bemerkbar, als sie Sam kennenlernt. Die Gefühle für ihn, erinnern natürlich an die für Matt, doch gleichzeitig wird deutlich, dass sie andersgeartet sind, weil ihnen eine gewisse Oberflächlichkeit innewohnt. Die Zeit, die sie mit ihm verbringt, und letztlich ihr Tagebuch sorgen jedoch auch dafür, dass ihre Freundschaft zu Frankie auf eine harte Probe gestellt wird.

Gleichwohl ist Ocklers Debütroman jedoch auch voller Hoffnung und, ja … auch Kraft. Zeigt nicht nur die traurige Seite – etwa durch Annas Erinnerungen. Zeigt, wie wichtig es ist, in solchen Phasen jemanden neben bzw. bei sich zu haben. Dass Schweigen viel zerstören kann und andererseits oft nur wenige Worte vieles aufwiegen. Dass ein kleiner Schritt zur Seite den Betrachtungswinkel verändert. Zeigt, wie wichtig die einzelnen Phasen der Trauer sind. Wie unendlich kostbar Erinnerungen sind und dass man durch Loslassen auch gewinnen kann.

Fazit

Ein Roman über Freundschaft, Liebe, Trauer, Schmerz und das Erwachsenwerden. Hier passt der deutsche Titel perfekt. Die Sterne leuchten immer noch – manchmal muss man nur einfach den Kopf heben. Ein Debüt, das berührt und für das ich trotz kleinerer Längen fünf Punkte von fünf Punkten vergeben möchte.

Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)

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Victorianisch

Erstellt von Werner Karl am 29. April 2011

Victoria-Louise Seifried
Victorianisch

periplaneta
ISBN 9783940767615
Kurzgeschichten, Slam
Originalausgabe 2010
Broschiert, 90 Seiten mit CD

www.periplaneta.de

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Mundwerk …

Hinter diesem Wort verbirgt sich so einiges. Gibt man es bei einem bekannten Internetsuchdienst ein, so erfährt man beispielsweise, dass es eine Vereinigung von Kieferorthopäden gibt, die sich so nennt, oder auch ein internationales Filmcatering für Kino – Fernsehen – Werbung – Musikproduktionen und Tourneeservice mit mobilem Aufenthaltsraum. Ein deutschsprachiges A-Cappella-Comedy-Ensemble findet sich ebenso wie ein Theater gleichen Namens.

Kürzlich fand ich das Wort bei einem Titel aus dem Programm des Verlages periplaneta, der immer wieder für positive Überraschungen in meinem Bücherregal bzw. beim Lesen der Bücher, bevor sie in besagtes Regal wandern, sorgt. Das Buch aus der Edition Mundwerk (die sich mit Bühnentexten, Comedy, Kabarett und Slam beschäftigt) ist mit seinen 13,5 x 13,5 cm und 90 Seiten ein eher kleiner Vertreter seiner Sorte, doch kann es Victorianisch inhaltlich betrachtet durchaus mit den größeren aufnehmen. Ergänzend sind die Buchtexte mit einer CD versehen. Alles wurde von der Autorin Seifried verfasst und gesprochen. Einige Titel auf der CD kann man im Buch nachlesen, sie sind gegenüber denen, die sich nicht dort finden, bis auf die letzte Nummer mit der Musik von „Big Plaice in the Desert“ untermalt. Interessierte können übrigens Hörproben auf der periplaneta-Seite finden.

Das Buch selbst ist – nicht nur auf dem Umschlag – mit Fotos versehen, die die Autorin zusammen mit dem Shar Pei Pucca harmonisch auf einem Sofa zeigen. Während außen Hochglanz und Farbe wirken, verblassen innen die Motive in ihrer Schwarz-Weiß-Optik keineswegs (allein die Schuhe würden mich nach dem Buch greifen lassen….).

Seifrieds Seite bei myslam.net verrät, dass die junge Studentin der Psychologie, Philosophie und Politikwissenschaften sich seit 2007 im Bereich Poetry- oder Saal-Slam engagiert und gleich im ersten Jahr Berlinmeisterin wurde. Neben zahlreichen Auftritten bei Kulturprojekten, Wettbewerben und Lesungen kann man sie neben YouTube auch seit 2008 wöchentlich im Fernsehen bei Lettra TV finden. Und wer den Quatsch Commedy Club kennt, der weiß vielleicht auch, dass sie sich dort im Wettbewerb so gut durchgesetzt hat, dass sie diesen Monat im Finale für den Titel Quatsch Comedy Talent 2011 kämpft.

2010 unterschrieb sie bei periplaneta und in diesem Zusammenhang kam Ende des vergangenen Jahres das Buch mit CD in der Edition Mundwerk heraus, das momentan vor mir liegt, bzw. gerade auch aus den Lautsprechern um mich herum schallt. In ihren kurzen Prosa-Texten und Gedichten widmet sich die junge, vielversprechende Autorin querbeet Themen in unserer Gesellschaft.  Dingen, die ihr im Alltag begegnen. Ihren Namen zum Programm machend, nutzt sie dabei ihre Sprache – Viktorianisch. Das ist für sie nämlich nicht einfach nur ein Zeitalter oder eine Modeerscheinung, wie sie gleich eingangs erklärt. Gleichzeitig kann man aber auch erkennen, dass es nicht nur eine Sprache, sondern auch eine Lebenseinstellung ist.

Wer mit offenen Augen, einer gesunden Portion Neugier und auch mit der Tendenz sich für gewisse Dinge mal in die Nesseln zu setzen, durchs Leben geht, der kann wie Seifried mit einem witzigen und selbstironischen Augenzwinkern und bisweilen auch mit biestiger Eloquenz in konzentrierten Pointen so profane Dinge wie Eiscreme und Schokolade, das seltsame Verhalten an Heiligabend oder gesperrte Kreditkarten thematisieren. Gleichzeitig aber auch Missstände (wie etwa in Viitourol începe), Ängste und andere Emotionen ansprechen und dabei den erhobenen Zeigefinger aufrüttelnd und nachdenklich machend, nicht aber hochmütig belehrend wirken lassen. Die von Seifried beschriebenen und/oder gesprochenen Episoden gehen bei aller Kürze unter die Haut. Sie fesseln durch Humor und Besinnung, durch Wortwahl wie durch Betonung.

Fazit

Buch und CD überzeugen, machen förmlich Lust auf mehr und bekommen fünf Punkte von fünf Punkten.

Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Quofum

Erstellt von Werner Karl am 28. April 2011

Alan Dean Foster
Quofum

Originaltitel: Quofum (2009)
Aus dem Amerikanischen von Kerstin Fricke
Köln: Bastei Verlag G. H. Lübbe 2011
Bastei Lübbe Taschenbuch 20509
350 Seiten
ISBN 978-3-404-20509-7
Science Fiction

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Quofum spielt, wie viele andere Romane Fosters, im sogenannten Homanx-Commonwealth, einem von Menschen (Hominiden) und insektoiden Thranx gemeinsam erschaffenen galaktischen Planetenbund, den diese beiden Rassen und noch einige andere demokratisch betreiben. Im vorliegenden Buch wird von einer Weltraumforschungssonde ein seltsamer Planet entdeckt, der zwar einerseits irdische Lebensbedingungen aufzuweisen scheint, andererseits jedoch immer wieder für längere Zeiträume im Nichts zu verschwinden scheint.

Drei menschliche und ein Thranxforscher machen sich zusammen mit einem Raumschiffkommandanten und einem Techniker auf, um den merkwürdigen, Quofum genannten Planeten zu erforschen. Auf Quofum erwartet die Reisenden eine große Überraschung, denn mehrere intelligente Rassen scheinen hier auf nur einem einzigen Planeten zu Hause zu sein. Als sich dann noch herausstellt, dass einer der Protagonisten ein Killer ist, wird die Lage für alle anderen scheinbar aussichtslos…

Quofum ist ein recht seltsames Buch, denn einerseits weckt Foster mit ihm gewisse Erwartungen (Erforschung der fremden Flora und Fauna und Lösung des Mysteriums vieler verschiedener intelligenter Rassen), die er dann selbst teilweise grausam enttäuscht, dadurch, dass er eine völlig andere Handlung aus dem Hut zaubert (Kampf gegen den Mörder), um dann die Handlung wieder in etwas Drittes, bedeutungsschwer ”Galaktisches” übergehen zu lassen.

Dank der wenigen Seiten und des ständig wechselnden Sujets gerät die Geschichte zumindest lesbar und leidlich spannend, und prinzipiell könnten enttäuschte Lesererwartungen ja auch mal Überraschung und Staunen auslösen….was im vorliegenden Fall aber leider kaum passiert, da Fosters Variationen viel zu einfallslos geraten sind (sieht man mal von der Szene ab, in welcher der Protagonist…, aber mehr soll hier nicht verraten werden, wer Seite 193/194 erreicht, wird es selbst merken!).

Am Ende des Romans ahnt der Leser, dass bezüglich des anstehenden großen interstellaren Konflikts, den Flinx (Protagonist vieler anderer Romane Fosters aus dem Homanx-Commonwealth) und einige Eingeweihte auf sich zu kommen sehen, dieses Buch sicherlich eine Schlüsselstellung einnehmen dürfte, dies ist jedoch für den Leser nicht wirklich befriedigend, denn das allzu offene Ende nervt ebenfalls.

Wer jedoch die ganze Geschichte des Homanx-Commonwealth verstehen will, der wird wohl um Quofum nicht herum kommen, aber pures Lesevergnügen sieht anders aus! Und warum man bei Bastei das fehlerhaft übersetzte Zitat wieder aus dem Archiv kramt (“Mit Witz, Spannung und Originalität schlägt Foster den Leser von der ersten Seite in Bann”) wird dann auch deutlich, denn der clevere Leser hat sich wohl schon nach der Lektüre der ersten Seite verabschiedet, hat die zweite gar nicht mehr erreicht, da die flachen Protagonisten, die nicht ausgearbeitete exotische Atmosphäre und die bedienten Klischees Quofum wirklich zu einer argen Enttäuschung für alle macht, die Besseres gewohnt sind vom Autor.

Copyright © 2011 by Gunther Barnewald 

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Gott’sacker

Erstellt von Werner Karl am 28. April 2011

Michael Boenke
Gott’sacker
Ein Oberschwaben Krimi

Gmeiner Verlag
ISBN 978-3-8392-1046-8
Kriminalroman
Erschienen Februar 2010
Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgart
unter Verwendung eines Fotos von Michael Boenke
Taschenbuch, 275 Seiten

www.gmeiner-verlag.de

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Der Autor:

Michael Boenke wurde 1958 in Sigmaringen geboren und lebt heute im Oberschwäbischen Bad Saulgau. Er absolvierte ein Studium der Germanistik und Katholischen Theologie. Von 2002 bis 2010 war er am Institut für berufsorientierte Religionspädagogik an der Universität Tübingen und als Schulbuchautor tätig. Seit September 2010 unterrichtet er am Berufsschulzentrum in Bad Saulgau. Nach Veröffentlichungen als Schulbuch-, Sachbuch- und Kinderbuchautor gibt der begeisterte Harley-Fahrer mit dem Krimi Gott’sacker sein Romandebüt.

Das Buch:

Daniel Bönle, leidenschaftlicher Fahrer einer Harley Davidson und „Mädchen für alles“ in der Kirchengemeinde seines Heimatdorfes am Rande des Pfrunger-Burgweiler Rieds, entdeckt bei einem Motorradausflug in einer nahe gelegenen Kapelle eine Leiche. Kurz darauf wird im Dorf der Schäferhund seines Nachbarn Müller tot aufgefunden, zur Hälfte in der Erde verscharrt. Die Gemeinsamkeit bei beiden Leichen: Ein Kreuz.

Es kommt wie es kommen muss: In einen kleinen Dorf kennt jeder jeden und eigentlich kann es jeder oder keiner gewesen sein und so ermitteln die gerufenen Polizeibeamten, vor allem das blonde Polizisten Fräulein mit dem grünen VW Beetle, in alle Richtungen. Auch Daniel wird verhört und gerät aufgrund der von ihm gemachten und zunächst verheimlichten Fotos auch selbst unter Verdacht. Ebenso zum Verhör müssen die Dorfwirtin Frieda und der neue Pfarrer des Ortes Deodonatus Ngumba aus Afrika, der schon wegen seiner Hautfarbe im Ländle auffällt und durch seine eigenwillige Sprache und seine Eigenarten besonders hervorsticht. Aber im Dorf gibt es noch mehr sonderbare Charaktere.

Als dann noch ein Toter gefunden wird und Daniels heiß geliebte Freundin Cäci, die Tochter der Dorfwirtin, am Tag der Beerdigungen spurlos verschwindet, ist das Chaos komplett und endlich beschließt auch Daniel sich etwas mehr in die Suche und die Ermittlungen einzubringen.

Die Haupthandlung schildert in erster Linie die Gepflogenheiten und Lebensumstände der Dorfbewohner, vor allem die der Hauptcharaktere. Hier steht weniger die Krimihandlung im Vordergrund als vielmehr die Darstellung der Personen. Die Beschreibungen sind stellenweise lustig und vor allem sehr detailliert. In Zwischenkapiteln wird der Täter beschrieben, der seine Taten plant. Allerdings klärt sich erst wirklich zum Schluss auf, wer der Täter ist und welches Motiv hinter seinen Taten steckt. Ein Buch mit kriminalistischer Handlung aber auch recht lustiger lockerer Seite. Nichts für solche Krimileser, der hier viel Blut und Ermittlungsarbeit erwarten. Mehr etwas für den Leser leichter Krimi Kost, der auch Wortspielereien mag. Aus der Sicht von Pfarrer Deonatus Ngumba würde ich jetzt sagen: Mußta nicht gelesa haba, aber wenn, dann ista wirklich guta.

Eine Geschichte mit wenig Tiefgang, viel kühlem Bier, Erklärungen über die Vorzüge und Nachteile des weiblichen Geschlechtes und einer Menge Heimatgefühl für den Leser, der so etwas mag.

Copyright © 2011 by Iris Gasper

Titel erhältlich bei Buch24.de
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PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Michael Boenke – Gott’sacker (Ein Oberschwaben Krimi)

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Red Sonja – Savage Tales

Erstellt von Werner Karl am 27. April 2011

Ron Marz, Christos Gage, Joshua Ortega, Vito Delsante, Mike Leib, Michael Avon Oeming
Red Sonja – Savage Tales
Red Sonja Special 5

Savage Tales 1 – 8 + 10, Giant-Size Red Sonja 1 + 2,
Red Sonja Annual 1 + 2, Dynamite Entertainment, USA, 2010
Nach Robert E. Howard, mit redaktioneller Beratung durch Luke und Arthur Liebermann
Panini Comics, Stuttgart, 02/2011
PB mit Klappbroschur, vollfarbige Graphic Novel im Comic-Format auf Kunstdruckpapier, Fantasy
ISBN 978-3-86607-746-1
Aus dem Amerikanischen von Claudia Fliege
Titelillustration von Arthur Suydam
Zeichnungen von Adriano Batista, Walter Geovani, Lui Antonio, Diego Bernard, Ron Adrian, Stephen Sadowski, Pablo Marcos; Farben von Caesar Rodriguez, Will Murai, Inlight Studios, Frank Martin Jr., Gil Vincent

www.paninicomics.de
http://ronmarz.com/
http://web.mac.com/christosgage/iWeb/christosgage.com/Welcome.html
www.joshuaortega.com/
www.incogvito.com/
www.michaeloeming.com/
www.arthursuydam.com/
http://adrianohq.deviantart.com/
www.glasshousegraphics.com/creators/pencilers/Walter%20Geovani/index.htm
www.glasshousegraphics.com/creators/pencilers/luiantonio/index.htm
www.glasshousegraphics.com/creators/pencilers/Diego%20Bernard/index.htm
www.glasshousegraphics.com/creators/pencilers/Ron%20Adrian/index.htm
http://lambiek.net/artists/s/sadowski_stephen.htm
www.pablomarcosart.com/
www.caesartist.com/
www.willmurai.com/
http://whmurai.deviantart.com/
www.myspace.com/risanove
http://nebezial.deviantart.com/
www.glasshousegraphics.com/creators/pencilers/fabianoneves/
http://fabianoneves.deviantart.com/
www.edgarsalazar.com/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Auch das fünfte „Red Sonja Special“ verlässt die Kontinuität der Serienhandlung von „Red Sonja – She-Devil with a Sword“ und präsentiert in sich abgeschlossene Einzelgeschichten aus den „Savage Tales“, den „Giant Size“-Bänden und „Annuals“. Für Quereinsteiger eine ideale Gelegenheit, die Titelheldin und ihre phantastischen Abenteuer kennen zu lernen! Obwohl mehrere Autoren und Zeichner an dem Band gewirkt haben, sind die Geschichten stilistisch recht homogen; es gibt keinen Ausreißer nach unten.

Neun Geschichten, in denen sich Red Sonja vielen Gefahren stellen muss, erwarten den Leser:

In „Das Ebenbild der Hexe“ rettet sie eine junge Frau, die ihre Dankbarkeit auf sehr unerfreuliche Weise zeigt. Ein monströser Kämpfer hat „Macht“ über ein ganzes Dorf und besudelte die Ehre eines Mädchens, die Red Sonja wieder herzustellen versucht. Männer sind „wunderschöne Geschöpfe“, aber nur wenn sie ihre Hände von Red Sonja lassen; anderenfalls verlieren sie leicht ihren Kopf. „Memento Mori“ schildert, wie die Heldin einem alten Freund zu Hilfe eilt und feststellt, dass sie beide hereingelegt wurden. Ein alternder Krieger will mit Sonjas Unterstützung ein mysteriöses Medaillon bergen, und sie lässt „Alter vor Schönheit“ nicht gelten, nachdem sie ihren Begleiter durchschaut hat. Red Sonja beflügelt als Vorbild viele Frauen in „Masken“. „Crimson Katherine“ erlitt ein ähnliches Schicksal wie Red Sonja, doch gibt es Unterschiede, die aus Freundinnen Feindinnen machen.

„Drachen“ gelten als ausgestorben, aber ein Magier kennt ihre geheime Zuflucht und möchte sie mit Red Sonjas Hilfe vor einem machthungrigen Krieger bewahren. Allen Geschichten wohnt the sense of wonder inne. Sie sind phantastisch, spannend – typische Sword & Sorcery bester Güte. Red Sonja wird als intelligente, wehrhafte Frau beschrieben, die durchaus Spaß versteht und mitunter sehr menschlich, sogar verletzlich sein kann. Sie weiß, was sie will und wie sie es bekommt. Oft hilft sie Menschen in Not, ohne eine Belohnung zu erwarten. Wird sie hereingelegt, rächt sie sich. Die Regeln sind einfach und nachvollziehbar; die Autoren begehen nicht den Fehler, die Figuren nach modernen Maßstäben handeln zu lassen. Nur eine Geschichte, „Masken“, weicht etwas ab, denn hier spielt die Titelheldin nicht wirklich die Hauptrolle, sondern inspiriert andere Frauen, die vom Schicksal gebeutelt wurden, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich von den sie unterdrückenden Männern zu befreien.

Alles in allem überzeugt der Band von der ersten bis zur letzten Seite und weiß durch beeindruckende Illustrationen, die vor allem Red Sonja reizvoll in Szene setzen, zu gefallen. Für Fantasy- und Comic-Fans, für Sammler und Neulinge eine großartige Sammlung packender Geschichten!

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

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Der Duft des Unsichtbaren

Erstellt von Werner Karl am 27. April 2011

Milo Manara
Der Duft des Unsichtbaren
Manara Werkausgabe 3

Il Profumo dell´invisibile, Frankreich/Italien, 1983
Panini Comics, Stuttgart, 03/2010
HC mit Schutzumschlag auf Kunstdruckpapier
Comic, Mystery, Erotik
ISBN 978-386607-978-6
Aus dem Italienischen von Michael Leimer
Titelbild und Zeichnungen von Milo Manara
Bilder aus dem „Giacomo Casanova“-Portfolio
Leseempfehlung: Ab 18 Jahre!

www.paninicomics.de
www.milomanara.com/

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„Der Duft des Unsichtbaren“ ist eine zweibändige, wenn auch ziemlich freie Adaption von H. G. Wells 1895 erschienener Novelle „Der Unsichtbare“. Der erste Band erschien 1983 in seinem Heimatland und wurde 1997 sogar verfilmt. Es gilt als eines seiner erotischen Hauptwerke. Die Geschichte selbst ist schnell erzählt: Ein Wissenschaftler verliebt sich in eine berühmte Ballerina, die ihn böse abblitzen lässt. Da er dennoch nicht von ihr lassen kann und ihr irgendwie nahe sein möchte, entwickelt er eine Salbe, die ihn unsichtbar macht, wenn auch nicht seine Kleidung. Als Bindemittel benutzt er Karamellcreme, was ihn auch noch sehr wohlriechend duften lässt.

Zu seiner Mitverschwörerin wird Honey, die ebenso kecke wie frivole Sekretärin der Ballerina. Sie sorgt dafür, dass der Wissenschaftler seinem Schwarm nahe kommen kann, allerdings nicht ganz uneigennützig. Denn ihr Mitleid für den liebenswerten, wenn auch nicht sonderlich hübschen Mann ist längst in eine gewisse Leidenschaft umgeschlagen. Sie hofft nun, dass sich seine Schwärmerei bald ins Gegenteil kehrt, wenn er erkennt, wie hinterhältig und gemein die Primadonna wirklich ist, und er sich lieber ihr zuwendet. Außerdem kommt sie auch ziemlich in Fahrt, da sie kein Kind von Traurigkeit ist und genau weiß, wie viel Spaß man auch mit einem Unsichtbaren haben kann.

In der zweiten Geschichte versucht eine Gruppe von Terroristen, die Creme an sich zu bringen, um so unbemerkt in eine Botschaft einzudringen und ein Attentat zu begehen. Wieder sind es Honey und der Unsichtbare, die ihren Teil dazu tun, um das Verbrechen aufzuhalten, auch wenn die junge Sekretärin dabei in größte Schwierigkeiten gerät und feststellen muss, dass man die Creme auch zu ganz unangenehmen Zwecken verwenden kann. Zur Ergänzung gibt es noch einige Bilder aus einem Portfolio des Künstlers, die mit der Geschichte selbst nicht viel zu tun haben.

Derb und ein wenig vulgär, aber immer noch geschmackvoll setzt Milo Manara die phantasievolle Geschichte in Szene, in der die Handlung in erster Linie dazu dient, die hübschen Frauen und frivolen Situationen darzustellen. Alles kreist um Liebe und Leidenschaft und knisternde Erotik, die aber nie in einen technischen Akt ausartet, sondern dem Leser viel Spielraum für die eigene Phantasie lässt. Es geht Manara nicht darum, möglichst viele Sex-Szenen unterzubringen. Er deutet lieber an, um den Leser selbst anzuregen, auch wenn er nicht gerade subtil ist, er nutzt Klischees und Archetypen, um die Helden in immer mehr verrückte Situationen wie in einer Komödie von Billy Wilder schliddern zu lassen.

Dementsprechend wenig ernst sollte man die Ereignisse nehmen, da sie die meisten Gegebenheiten eh nur auf die Schippe nehmen und nicht wirklich dramatisch werden. Selbst in der letzten Geschichte verläuft die Gefangenschaft von Honey glücklicherweise harmlos, auch wenn sie sich eine Menge gefallen lassen muss. Die Story funktioniert tatsächlich, wenn man sich auf die eher subtilen Töne einlassen kann und manchmal auch ein wenig zwischen den Zeilen liest. Die Bilder aus dem „Giacomo Casanova“-Portfolio zeigen nicht nur erotische, sondern auch Szenen aus dem opulenten Leben des italienischen Barock.

Alles in allem kann man in „Der Duft des Unsichtbaren“, dem dritten Band der „Manara-Werkausgabe“, sehr gut feststellen, warum der Künstler und seine Werke zu Klassikern des erotischen Genres wurden. Fans der Phantastik können sich köstlich über die Interpretation eines der wichtigen Werke der Science Fiction amüsieren, wenn sie einen Sinn für frech-frivole Liebesgeschichten, in denen die Hemmungen schnell fallen, haben.

Copyright © 2011 by Christel Scheja (CS)

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Die neuen Abenteuer von Nihal

Erstellt von Werner Karl am 26. April 2011

Licia Troisi (Romanvorlage) & Roberto Recchioni (Skript)
Die neuen Abenteuer von Nihal
Die Drachenkämpferin 1

Le Cronache del Mondo Emerso 1 – 4, Italien, 2009
Panini, Stuttgart, 11/2010
PB mit Klappbrochur, vollfarbige Graphic Novel im Comicformat auf Kunstdruckpapier, High Fantasy
ISBN 978-3-86201-022-6
Aus dem Italienischen von Ulrike Schimming
Titelgestaltung von Paolo Barbieri
Zeichnungen von Massimo Dall’Oglio & Gianluca Gugliotta, Farbe von Christopher Possenti, Bruno Olivieri

www.paninicomics.de/
www.licia-troisi.de/
www.liciatroisi.it/
http://prontoallaresa.blogspot.com/
www.paolobarbieriarts.com/
www.karmaspazio.it/Home.html
www.gianlucagugliotta.it/
http://christopherpossenti.blogspot.com/
www.brunoolivieri.com/

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Viele Jahre herrscht bereits Krieg in den Aufgetauchten Reichen, denn der grausame kindliche Tyrann und Magier trachtet nach der Weltherrschaft und wird erst dann ruhen, wenn auch das letzte Land sich seiner Macht gebeugt hat. Einer alten Prophezeiung nach, hat nur ein Held aus den Reihen der Halbelfen die Kraft, ihn zu bezwingen; doch diese wurden alle von ihm vernichtet, waren die ersten Opfer seiner Kriegstreiberei. Und so scheint ein Sieg für die letzten freien Völker fast aussichtslos. Nur einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es noch; denn Nihal, eine letzte Überlebende der Halbelfen, hat es geschafft, acht der alten Edelsteine in einem Amulett zusammenzufügen, um durch ihre Magie die Macht des Tyrannen zu brechen. Und so ist es an ihr, die letzte Schlacht um die Aufgetauchten Reiche zu schlagen. Doch der Weg zur Feste des Tyrannen ist voller Gefahren. Angst und Hass und die Sorgen um ihre Gefährten erweisen sich als ebenso gefährliche Feinde, wie der Tyrann selbst.

„Die Drachenkämpferin 1: Die neuen Abenteuer von Nihal“ ist die Comicadaption der erfolgreichen „Drachenkämpferin“-Trilogie der italienischen Fantasy-Autorin und Astrophysikerin Licia Troisi. Das von Panini Deutschland herausgegebene Paperback vereint die vier Einzelbände des Italienischen Originals und konzentriert sich vor allem auf die Vergangenheit der kämpferischen Halbelfe Nihal und ihrer Gefährten Sennar, Soana und Fen. Eingeleitet wird der Band durch eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse, die es den Lesern, welche die Romane Licia Troisis nicht gelesen haben, erleichtern soll, die Ereignisse um die junge Drachenkämpferin zu verstehen. Und diese Einleitung ist auch nötig, denn schon die erste Seite versetzt den Leser direkt auf die Schlachtfelder der Aufgetauchten Reiche, hinein in den Krieg gegen den kindlichen Tyrann.

In wuchtigen, bunten Momentaufnahmen erzählen die Zeichner Massimo Dall’Oglio und Gianluca Gugliotta die momentanen Ereignisse um Nihal, die nicht nur gegen die feindlichen Truppen kämpfen muss, sondern auch gegen die Ängste und Zweifel, die sie von innen heraus zerfressen. Als Kontrast zu den bunten, detailreich ausgearbeiteten Bilden der Gegenwart, sind die Erinnerungen und Gedanken Nihals und Sennars in leicht verwaschenen Braun- und Grautönen gehalten, die Zeichnungen selbst auf oft skizzenhafte Szenen im Mangastil reduziert. Dies kommt unerwartet, ist aber eine schöne Darstellungsidee für die verschiedenen Zeit- und Handlungsebenen. Auch die inhaltliche Abgrenzung der vier einzelnen Teile ist interessant gemacht: Angst, Rache, Verzweiflung und Hass sind die eigentlichen Gegner der Helden, und jeder der früheren Einzelbände war einem dieser Gefühle gewidmet.

Ergänzt wird der Sammelband durch eine Einleitung und ein Schlusswort Licia Troisis, in denen sie über die Entstehung der Comicadaption berichtet und die Leser einiges über die Hintergründe und Motivation der Charaktere Fen und Nihal erfahren. Zusätzlich gibt es eine Bilderserie mit ursprünglichen Entwürfen der Zeichner Barbieri, Olivieri und Dall’Oglio, und auch die ursprünglichen Cover der vier italienischen Ausgaben wurden mit eingebunden. „Die Drachenkämpferin“ ist also keine leichte Kost für Nebenher, sondern ein Comic, dem man schnell anmerkt, dass sich eine Menge Leute Gedanken gemacht und viel Arbeit investiert haben, um ein intelligentes, eigenständiges Werk zu erschaffen. Für Fans der Bücher ist er auf jeden Fall eine schöne Ergänzung zu den Romanen, und auch all jene, die anspruchsvolle Graphic Novels mögen, sollten dem Comic einmal eine Chance geben.

Copyright © 2011 by Birgit Scherpe (BS)

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Für uns gekocht! – Das Familienkochbuch

Erstellt von Werner Karl am 26. April 2011

Marlisa Szwillus
Für uns gekocht! – Das Familienkochbuch

Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart, 03/2011
PB mit Lesebändchen, Sachbuch, Essen & Trinken
ISBN 978-3-440-12582-3
Titelgestaltung von Gramisci Editorialdesign, München unter Verwendung eines Fotos von Alexander Walter
183 Farbfotos im Innenteil von Alexander Walter
Foodstyling von Sven Dittmann
Arrangements von Monica Liebetanz
Assistenz von Maria Gilg

www.kosmos.de
www.kosmos.de/gut-gekocht
www.alexander-walter.com/
http://foodstyling-svendittmann.com/de/imp.htm

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Das Angebot an Kochbüchern ist riesengroß. Zu nahezu allen Themen findet man wenigstens einen Titel und zu denen, die gerade ‚in‘ sind, entsprechend viele Bücher mehr. Aber will man wirklich immer neue exotische Genüsse kennen lernen, für die man Zutaten benötigt, die man nur schwer bekommt? Oder Großmutters Leibspeisen nachkochen, die vom Fett-, Zucker- und Cholesteringehalt sowie von der Zubereitungsdauer (Energie- und Zeitbedarf) her nicht mehr dem Gesundheitsgedanke entsprechen? Oder die xte Variante bekannter Gerichte ausprobieren, die ein beliebter TV-Koch bloß unnötig verkomplizierte?

Folglich wächst das Interesse an Speisen, die schmackhaft und gesund sind, die man schnell und mit gängigen Mitteln zubereiten kann – und die alle mögen: die Familie, bestehend Eltern und Kinder, dazu gelegentliche Gäste. Diese Gruppe wünscht sich Rezepte, die ohne unnötigen Schnickschnack auskommen, sich schnell und problemlos kochen und backen lassen, auch ein Aufwärmen nicht übel nehmen und die Verwertung von Resten ermöglichen. „Für uns gekocht!“ möchte auf diese Bedürfnisse von Hausfrauen und Hausmännern und Kindern, die auch mal im Haushalt mit anpacken, eingehen und stellt 225 Rezepte vor, die Varianten für Erwachsene und Kinder berücksichtigen, so dass vielleicht mal Schluss mit dem Gemäkel von unzufriedenen Essern ist.

Übersichtlich sind die Vorschläge in den Rubriken „Frühstück“, „Kleinigkeiten“, „Mittags & Abends“, „Süßes“, „Günstig kochen“ und „Eventküche“ – darunter fallen passende Rezepte für die „Kindergruppe“, „Kinderfeste“, „Outdoorküche“ und „Sicher Grillen“ – angeordnet. Am Ende folgen Hinweise zum Einkauf, Transport und der Aufbewahrung sowie ein Stichwortregister, das ein schnelleres Finden der Rezepte erlaubt. Es gibt Anleitungen für „Obstspalten mit Mandel-Hirse“, „Selleriesalat mit Walnüssen“, „Gemüseauflauf mit Käse-Polenta-Sauce“, „Ricotta-Kirschtorte mit Marmorkuchenboden“, „Rotbarsch mit Tomaten-Joghurt-Sauce“, „Fleisch-Gemüse-Spieße mediterran gewürzt“ u. v. m. Stets wird mit Portionsangabe eine Zutatenliste aufgeführt. Daneben steht die übersichtliche, nachvollziehbare Schritt für Schritt-Anleitung, oft ergänzt durch Produktinformationen, zusätzliche Tipps oder Kombiniervorschläge etc. Auch eine Variante wurde bedacht, falls jemand das Gericht in dieser Form wirklich nicht mag. Unter „Das ist wirklich wichtig“ werden bestimmte Arbeitsschritte in Wort und Bild erklärt, die für das Gelingen essentiell sind. Dank dieser Hinweise darf man sich auch an Rezepte wagen, die einem immer zu kompliziert erschienen oder die bisher misslungen sind.

Die appetitlichen Fotos von Zutaten, Arbeitsvorgängen und fertigen Speisen haben wenigstens Dia-Größe, können sich aber auch über zwei Seiten ziehen und dabei Texte unterlegen. Die Rezepte bieten Vertrautes, dem eventuell durch einzelne Zutaten neuer Pfiff verliehen wurde, und auch das eine oder andere aus der Urlaubsküche, aber nichts wirklich Ausgefallenes oder übertrieben Kompliziertes. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Der Schwerpunkt liegt auf den Hauptgerichten, die unter „Mittags & Abends“ vorgestellt werden.

Für das „Kräuterbrathähnchen mit Zitronenfüllung“ (2 – 3 Portionen) benötigt man ein küchenfertiges Hähnchen. Nach dem Waschen und Trockentupfen schiebt man eine Mischung aus der abgeriebenen Schale von 1 Zitrone und den gehackten Blättern von je 4 Stängeln Petersilie und Salbei unter die Haut. Das Hähnchen von innen und außen mit Salz und Pfeffer würzen. Die Zitrone in Viertel schneiden, diese ins Hähnchen legen. Abstehende Teile mit Küchengarn am Körper fixieren. 3 EL Olivenöl mit Salz und Pfeffer verrühren, Hähnchen damit einpinseln. Hähnchen in den auf 180°C vorgeheizten Ofen mit der Brust nach unten auf den Rost legen, Fettpfanne darunter schieben. Hähnchen ca. 30 min braten und gelegentlich mit dem Würzöl bepinseln. Hähnchen umdrehen, es weitere 30 – 35 min braten und immer wieder mit Öl einpinseln. Wenn das Hähnchen gar und die Haut knusprig ist, nimmt man es aus dem Ofen und befreit es vom Garn. Den Bratensatz in der Fettpfanne mit 150 ml Hühnerbrühe lösen, durch ein Sieb geben und als klare Sauce reichen. Vor dem Servieren das Hähnchen in Stücke teilen und mit Weißbrot und Blattsalat zu Tisch bringen.

Die Variante schlägt „Curry-Brathähnchen“ vor, das mit etwas anderen Gewürzen auf ähnliche Weise zubereitet wird. „Für uns gekocht!“ bietet viele leckere Rezepte, die anschaulich erklärt werden, so dass auch Anfänger wenige Probleme haben werden. Ob wirklich alles schmeckt und das Gemäkel ausbleibt, sei dahin gestellt. Jedoch spricht nichts dagegen, das Kochbuch mit der Familie zusammen durchzuschauen, gemeinsam zu planen und die Arbeiten zu teilen – dann entwickeln sicher auch die größten Meckerer eine ganz andere Einstellung zum Kochen und Backen und lernen so manches dazu.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

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