Angst über London

Jason Dark, Dennis Ehrhardt
Angst über London/Dark Symphonies
John Sinclair Edition 2000 Sonderedition 3

Lübbe Audio, Köln, 09/2012
1 Audio- + 1 Musik-CD im Jewel-Case
Horror
ISBN 978-3-78574-595-3
Laufzeit: ca. 62 + 79 Min.
Sprecher: Uli Krohm, Xavier Naidoo, Helmut Rellergerd, Henning Wehland, Katharina von Keller u. a.
Musik von Tocotronic, Nena, H-Blockx, Kreator, Die Söhne Mannheims, Marianne Rosenberg, Cain u. a.
Titelillustration von Timo Würz

www.luebbe-audio.de/
www.sinclair-hoerspiele.de/cms/hoerspiele
www.jason-dark.de
www.timowuerz.de 

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Als die medial veranlagte Miriam di Carlo eines Nachts erwacht, sieht sie am Firmament eine vermummte Gestalt mit dämonischen Augen, die durch die Löcher einer roten Henkerskapuze auf die Millionenstadt blicken. Wenige Stunden später liegt London in Trümmern. Flugzeuge stürzen ab, der Verkehrt kommt zum Erliegen, sämtliche Brücken sind eingebrochen. Miriams Weg führt sie in die ‚Atomic Bar‘, wo sie plötzlich von Zombies attackiert wird. Mit einem silbernen Dolch, der wie aus heiterem Himmel materialisiert, kann sie sich einen Untoten vom Hals halten, doch erst das Erscheinen eines blonden Mannes rettet ihr das Leben. Es handelt sich um keinen Geringeren als John Sinclair, der ebenfalls allein durch das Inferno irrt. Im Gegensatz zu Miriam ist der Geisterjäger aber alles andere als wehrlos, denn der Dolch ist ebenso schnell wieder verschwunden, wie er auftauchte. John Sinclair ist fieberhaft auf der Suche nach einem Dämon namens Destero, der sich für das anhaltende Chaos verantwortlich zeichnet. Seine Freunde Suko, Shao und Glenda Perkins erkennen John Sinclair plötzlich nicht wieder, und außer Plünderern und Untoten scheint es auch ansonsten keine Überlebenden in der Metropole mehr zu geben. Für John Sinclair und Miriam di Carlo beginnt eine Odyssee durch ein postapokalyptisches London …

Endlich ist die dritte Sonderedition da! Und natürlich haben die Hörer und Fans etwas ähnlich Bahnbrechendes erwartet, wie es seinerzeit „Der Anfang“ und „Der Pfähler“ für die Hörspielbranche darstellten. Eine extralange Laufzeit, bekannte Stimmen hochkarätiger Hollywood-Stars und eine Bonus-CD mit Soundtrack allein reichen da nicht mehr aus. So entschied man sich für ein ähnliches Projekt wie man es schon für die leider eingestellte Hörspielserie „Edgar Allan Poe“ unter dem Titel „Visionen“ ins Leben gerufen hatte. Und auch für „John Sinclair“ wurden namhafte deutsche Musiker und Bands gefunden, die bereit waren, dem Geisterjäger ihren Tribut zu zollen. Der doppeldeutige Titel „Dark Symphonies“ passt dazu wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge, denn er erinnert nicht nur an das düstere Setting der Abenteuer von „John Sinclair“, sondern auch an das bekannte Pseudonym ihres Autors Helmut Rellergerd alias Jason Dark. Zudem stellte sich die Frage, welche Storys sich „Sinclair“-Fans wohl sehnsüchtig als Vertonung wünschten. Die Wahl fiel letztendlich auf das erste Taschenbuch „Angst über London“, das mit seiner postapokalpytischen Story und den Zombies dem aktuellen Trend folgt. Allerdings bleibt sich Dennis Ehrhardt treu und hat auch bei dieser Produktion den Rotstift wirbeln lassen.

Als erstes wurde der Part von Asmodina gestrichen und durch Destero ersetzt, dessen Auftritte in der eigentlichen Serie bislang konsequent vermieden wurden. Offenbar war man der Ansicht, dass die Fans sich über einen etwas verspäteten Auftritt des Dämonenhenkers freuen würden. Allerdings wirft das die Frage auf, warum überhaupt diese Änderung vorgenommen wurde, denn die Sondereditionen folgen bekannter weise nicht der Chronologie. Man hätte die Geschichte also auch zu einer Zeit spielen lassen können, in der Asmodina noch existierte, oder aber man hätte Wikka als neue Despotin einsetzen können, denn leider bleibt Destero im vorliegenden Hörspiel recht blass und farblos, obwohl sich Uli Krohm jede Menge Mühe gibt, den Henker so bösartig und perfide darzustellen wie seine längst vernichtete Herrin. So ganz mag es ihm dann aber doch nicht gelingen, vielleicht hätte man seine Stimme ein wenig elektronisch verzerren sollen.

In einer anderen Szene wird dies schließlich auch getan, obwohl es da recht übertrieben wirkt. Über Destero erfährt man leider nur wenig, und vor allem im Finale wurde sehr viel Potenzial verschenkt. Man wundert sich ja schon, dass man während Asmodinas Amtszeit nie etwas von Destero hörte, immerhin scheint er ja über eine immens starke Magie zu verfügen. Bis auf die Rahmenhandlung hat das Hörspiel nicht mehr viel mit dem Taschenbuch gemein, was schade ist, denn dadurch verliert die Geschichte viel an Atmosphäre. So macht sich John keinerlei Gedanken über die Conollys, und der Part von Myxin fiel komplett der Schere zum Opfer. Miriams sonderbare Fähigkeit, Gegenstände verschwinden oder materialisieren zu lassen, wirkt auch sehr bemüht und wie deus ex machina. Genauso wird sie dann auch eingesetzt und hinterlässt einen bitteren Beigeschmack, zumal am Ende nicht mal alle offenen Fragen geklärt werden.

Doch so schlecht wie es sich hier anhören mag, ist das Hörspiel dann doch nicht. Neben einem tollen Soundtrack und den gewohnt filmreifen Effekten, besitzt es unheimlich viel Tempo und Action. Außerdem haben viele der Musiker, die an „Dark Symphonies“ mitgewirkt haben, eine Gastrolle bekommen. Xaiver Naidoo beispielsweise ist als Börsenhai zu hören und macht seine Sache ebenso gut wie Marianne Rosenberg als Stewardess oder Henning Wehland von H-Blockx in der Rolle als Hugh Townsend. Miriam di Carlo wird sehr leidenschaftlich von Katharina von Keller gesprochen und vielleicht wird sie in Zukunft noch das eine oder andere Mal mit von der Partie sein. Nur ihr ständiges „meine Fresse“ geht einem irgendwann auf die Nerven. Für die Serienchronologie ist das Hörspiel nicht wirklich wichtig, so dass der Fan selber entscheiden darf, ob er die Sonderedition in seine Sammlung aufnehmen möchte oder nicht.

Die Musik-CD „Dark Symphonies“ vereint die Tribute von insgesamt 20 Musikern und Bands, die dem berühmten Geisterjäger in dieser Sonderedition ihre Aufwartung machen. Dabei sind so klangvolle Namen wie Tocotronic, Nena, H-Blockx, Kreator, Die Söhne Mannheims, Marianne Rosenberg und natürlich Cain, die bereits für die erste Staffel den genialen Bonus-Song „Age of Darkness“ beisteuerten. Selbst Autor Jason Dark ist mit der musikalisch unterlegten Rezitierung des Gedichtes „Der Vampir“ zu hören, und entgegen seiner eher schwachen Leistung als Sprecher macht er seine Sache ziemlich gut. Auch der neue Titelsong findet sich als Instrumentalversion auf der CD. Das, was „Dark Symphonies“ so besonders macht, ist jedoch zugleich auch ihr größtes Manko, denn Namen wie Marianne Rosenberg und Nena dürften die Hörer von H-Blockx, Motorjesus oder Kreator kaum zu Begeisterungsstürmen hinreißen und umgekehrt. Wirklich großartig ist der Song von Betontod, obwohl sich der gesungenen Text deutlich von dem im Booklet unterscheidet. Tatsächlich beinhaltet „Dark Symphonies“ einige gelungene Ohrwürmer, wobei man sich bei anderen Beiträgen unweigerlich fragt, was sie eigentlich mit „John Sinclair“ zu tun haben. 

Auch die dritte Sonderedition präsentiert sich im schmucken Pappschuber mit Prägung des Titelschriftzugs. Im umfangreichen Booklet finden sich neben einem ausführlichen Vorwort, Fotos der Interpreten und Künstler, sowie die Texte zu den einzelnen Songs. Auf der Hörspiel-CD ist außerdem eine stimmungsvolle Illustration von Timo Würz verewigt. Die dritte Sonderedition hat viele gute Ideen und immens viel Potenzial, das leider nur unzureichend genutzt wurde. Ein wenig mehr Nähe zum literarischen Original und mehr Laufzeit hätten dem Hörspiel gutgetan. Die Musik-CD „Dark Symphonies“ hat einige Ohrwürmer zu bieten, doch die vielen unterschiedlichen Musikrichtungen machen die Kompilation zu einem Nischenprodukt.

Copyright © 2013 by Florian Hilleberg (FH)

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