Balthasars Vermächtnis

Charlotte Otter
Balthasars Vermächtnis
Maggie Cloete 1

Balthasar’s Gift, GB, Originalausgabe, weltweite Erstveröffentlichung 09/2015
Argument Verlag, Hamburg, 07/2013
TB, Ariadne Krimi 1214, 9783867542142, 318/1300
Aus dem Englischen von B. Szelinski und Else Laudan
Titelgestaltung von Martin Grundmann

www.argument.de

www.ariadnekrimis.de

http://charlotteotter.com

www.martingrundmann.de

Balthasars Vermächtnis

Der AIDS-Aktivist Balthasar Meiring wird erschossen. Zuvor hatte er die Journalistin Maggie Cloete um ein Gespräch gebeten, doch sie hatte ihn abgewimmelt. Wenig später tritt ein Mädchen namens Mbali an Maggie heran und erzählt ihr, dass sie eines von Balthasars Kindern ist – genauer: Er hatte sich nach dem Tod von Mbalis Eltern ihrer und ihrer Geschwister, die teils an HIV erkrankt sind, angenommen. Für den Fall, dass ihm etwas zustieß, sollte Mbali Maggie um Hilfe bitten.

Reuig, weil Balthasar vielleicht noch am Leben wäre, wenn sie seinen Anruf ernst genommen hätte, kommt Maggie dieser Aufgabe nach. Aber jemand will nicht, dass sie Nachforschungen über Balthasar anstellt und Kontakt zu den Kindern hält. Sie wird bedroht, verfolgt, attackiert und beinahe entführt. Auch andere Personen, die mit Balthasar zusammengearbeitet haben, werden eingeschüchtert. Selbst ihr Chef will nicht, dass sie an der Sache dran bleibt.

Für Maggie heißt das: Jetzt erst recht! Endlich hat sie auch eine heiße Spur, denn Kriminelle machen einen Reibach mit wirkungslosen AIDS-Medikamenten. Und auch die Meirings haben anscheinend etwas zu verbergen.

Charlotte Otter entführt ihr Publikum nach Südafrika. Die Apartheit gilt als beendet, aber eine wirkliche Gleichstellung existiert immer noch nicht, dafür aber jede Menge Wut und Hass auf die jeweiligen gegnerischen Gruppen. Einige Menschen haben es geschafft, sich eine Existenz aufzubauen; die übrigen, insbesondere jene, die an alten Traditionen festhalten, leben weiterhin in Armut. Korruption und andere Verbrechen gehören zur Tagesordnung.

Ein besonders düsteres Kapitel ist die hohe Verbreitung von HIV und das lange Leugnen der Behörden, dass es diese Seuche überhaupt gibt. Die wenigen Menschen, die die Bevölkerung aufzuklären und den Erkrankten zu helfen versuchen, werden auf mannigfaltige Weise bei ihrer Arbeit behindert. Die Medikamente sind für die Armen zu teuer, und so glauben sie lieber einem Quacksalber, der ihnen für wenig Geld die baldige Heilung verspricht, statt den Ärzten, die die Krankheit lediglich im Zaum halten können.

Ihre Kritik lässt Charlotte Otter durch Maggie Cloetes Denken und Handeln einfließen. Man lernt die Hauptfigur als toughe Reporterin kennen, die auf Umwegen zu ihrem Job kam und seither als eine der besten gilt, obgleich die Vorgesetzten ihr immer wieder die Leine anlegen, da sie durch ihre Recherchen einflussreichen Personen auf die Zehen tritt. Nach und nach erfährt man mehr über sie, doch immer nur in Häppchen und nebenbei, wenn es vom Thema her zur laufenden Handlung passt:

Anders als Balthasar gehört Maggie nicht zu den Reichen, aber genauso wie er hat sie sich von ihren Eltern aus triftigen Gründen distanziert. Sie ist eine unabhängige, selbstbewusste Frau, die nicht vor Risiken zurückscheut, wodurch sie sich regelmäßig in Gefahr bringt. Hin und wieder geht sie eine mehr oder minder tiefe Beziehung ein, aber auch das bleibt eine Nebensächlichkeit. Im Vordergrund stehen der spannende Fall, die ungeschönten Milieuschilderungen und die Kritik an einem System, dem es immer noch nicht gelungen ist, alle Menschen am Wohlstand des Landes teilhaben zu lassen – mit allen hässlichen Konsequenzen.

Der Roman ist in sich abgeschlossen, ebenso der zweite Band der „Maggie Cloete“-Reihe, „Karloof Blue“, der einige Jahre später spielt und die Ereignisse aus „Balthasars Vermächtnis“ nur in Form von Randnoten und wiederkehrenden Charakteren streift.

Schätzt man realistisch inszenierte Krimis mit glaubwürdigen Protagonisten und einer guten Portion Gesellschaftskritik, wobei Einblicke in Länder gewährt werden, über die man kaum etwas weiß, da die Geschehnisse dort für die deutsche Medienlandschaft keine große Relevanz haben, kommt man von dem Buch erst los, nachdem die letzte Seite umgeblättert wurde. Charlotte Otter beschreibt Südafrika und seine Menschen mit einer beeindruckenden Intensität, sodass der Titel lang im Gedächtnis bleibt und neugierig auf die weiteren Bände macht.

Copyright © 2016 by Irene Salzmann (IS)

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