Das Elixier – Ein Mystery-Marketing-Wellness-Roman

Francesco (Dr. med. Franz-Udo Piechotta-Flemming)
Das Elixier – Ein Mystery-Marketing-Wellness-Roman

Shaker Media, Aachen, 05/2008
TB, Mystery-Krimi, 9783868580075, 272/1690
Titelgestaltung von N. N.
Autorenfoto von N. N.

www.shaker-media.de

elixier.

Der Autor Dr. med. Franz-Udo Piechotta-Flemming, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, verfasste einige Sachbücher über seinen Tätigkeitsbereich und den vorliegenden Roman „Das Elixier“, der sich ebenfalls mit ewiger Jugend und Schönheit sowie deren Vermarktung auseinandersetzt.

Zum Thema passend ziert das Motiv eines Jungbrunnens den Band. Auf der Rückseite findet man einen der wohl längsten ‚Klappentexte‘, den der Leser je gesehen hat, leider in unglücklich kleiner, schwarzer Schrift auf dem mittelblauen, recht dunklen Hintergrund. Das zu entziffern, fällt schwer.

Beginnt man die Lektüre, stellt man rasch fest, dass bedauerlicherweise kein Wert auf ein übersichtliches und sinnvolles Layout des Textes gelegt wurde. Wie die Erlebnisaufsätze von Grundschülern, die i. d. R. auf Absätze verzichten, bilden wörtliche Rede und narrativer Teil einen Fließtext, der nur gelegentlich durch eine Leerzeile oder ein neues Kapitel unterbrochen wird, wenn Perspektive, Ort und Zeit wechseln. Um Hurenkinder und Schusterjungen zu vermeiden, finden sich auch auf vielen Seiten am Textende Leerzeilen. Vielleicht ist das gewollt, denn ein gefälliger Satzspiegel hätte wohl einige zusätzliche Seiten – und Kosten – beschert. Auch sehr viele Kommafehler und Leerzeichen in den Sätzen sind zu bemängeln.

Der Berliner Arzt und Journalist Francesco erhält mit der Post ein Buch: das „Thomas-Evangelium“ in Latein. Dieses zählt zu den apokryphen Schriften, die nicht Eingang in den „Bibel“-Kanon („Neues Testament“) fanden. Zwar wird der Jünger Thomas als Verfasser angegeben, doch sind die 114 Jesusworte (Logien) anderen Ursprungs. Man vermutet, dass das „Thomas-Evangelium“ um Mitte des 2. Jahrhunderts entstand, basierend auf älteren Quellen. Eine vollständige Fassung liegt als bearbeitete koptische Version aus dem Jahr 350 n. Chr. vor. Dass es sich um einen Text der Gnosis handelt, ist umstritten.

Kurz darauf quartieren sich zwei hübsche Frauen bei Francesco ein, die er vor einiger Zeit in Italien kennengelernt hatte. Laura und Gina sind nicht nur Mutter und Tochter, sondern auch erheblich älter, als sie aussehen. Den Schlüssel zu diesem Wunder birgt das „Thomas-Evangelium“, und die Angehörigen des Templer-Ordens befinden sich im Besitz des die Jugend erhaltenden Elixiers. Da Laura und Gina die Motive ihrer Glaubensbrüder infrage stellten, mussten sie fliehen und suchen nun Zuflucht bei Francesco.

Dank guter Freude kann er für die Sicherheit der Frauen sorgen. Nachdem es ihm gelang, die Formel für das Elixier zu entschlüsseln, schart er weitere Helfer um sich, um „das Elixier“ auf den Markt zu bringen. Prompt wird es für die Beteiligten gefährlich …

Das klingt alles viel spannender, als das Buch tatsächlich ist. Es reicht eben doch nicht, einige Themen zusammen zu werfen, für die sich eine größere Zahl Leser interessiert wie z. B. apokryphe Evangelien, Geheimbünde, alchemistische Experimente à la Cagliostro, die Mafia und andere Clans, der Traum von ewiger Schönheit und Jugend. Was alles eingebunden wird, bleibt an der Oberfläche, denn in der Summe ist es einfach zu viel des Guten. Weniger und insbesondere eine klare Linie wäre mehr gewesen. Hinzu kommt ein Personenreigen, der stetig erweitert wird, dem Leser aber trotz der kleinen Schrullen fremd bleibt und austauschbar erscheint.

Überdies wird extrem viel geredet, fabuliert und reflektiert nicht nur über Geschichte, Religion, Mystik etc., sondern auch über Marketingstrategien, und ab da liest sich der Roman wirklich trocken. Nebenbei wundert man sich, warum das Risiko eingegangen wird, durch das Elixier die Templer und andere, die gern ein großes Stück vom Kuchen abbekommen möchten, auf die Spur der abtrünnigen Frauen und ihrer Kameraden zu bringen, statt dass man den Reibach subtiler plant. Der Mystery- und der Krimi-Teil werden schnell abgehandelt zu Gunsten von viel Gerede und einer kleinen Romanze, die den Schlusspunkt setzt.

Der Autor ist redlich bemüht, von allem etwas zu bringen, doch statt sich auf zwei oder drei Punkte zu konzentrieren, sodass eine Linie verfolgt werden kann, wird alles bloß angeschnitten, bald von anderen Themen mehr oder minder abgelöst, sodass der Roman richtungslos wirkt und man nach der Lektüre enttäuscht ist, weil man mehr erwartet hat, beispielsweise das fast schon klassische Szenario, dass das Geheimnis eines apokryphen Evangeliums nach und nach gelüftet wird, ein Geheimbund, der das Wissen nicht teilen will, Jagd auf die Forscher macht und letztendlich aus Sicherheitsgründen auf die Herstellung des Elixiers verzichtet wird. In etwa läuft es schon so, aber eben nur ansatzweise und mit zu viel Drumherum, in dem dieser Kern untergeht.

Von daher kann man Lesern, die sich für die Themen interessieren und deren Neugierde auf ein Buch gerade durch eher nicht wohlwollende Meinungen geweckt wird, bloß empfehlen, vor dem Kauf ein wenig in dem Band zu blättern und die Leseprobe auf der Verlagsseite anzuschauen. „Marketing-Wellness-Roman“ trifft den Inhalt jedenfalls besser als die Bezeichnung Mystery-Thriller.

Copyright © 2016 by Irene Salzmann

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