Das schwarze Korps

Dominique Manotti
Das schwarze Korps

(sfbentry)

Argument Verlag 2012
Ariadne Kriminalroman 1206
Gebunden mit Schutzumschlag
Übersetzt von Andrea Stephani
ISBN 978-3-86754-206-7
288 Seiten, mit Lesebändchen

http://www.ariadnekrimis.de

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Manche Geschichten muss man erst einmal ein wenig sacken lassen, bevor sie gänzlich begriffen werden. Der Kriminalroman „Das Schwarze Korps“ aus der Feder von Dominique Manotti gehört eindeutig dazu, positioniert sich an der Spitze von Büchern mit Reflektionspotenzial. Es ist keine leichte Kost, die hier geboten wird. Doch die Schwergewichte der historischen Geschichte sind erst einmal verhüllt.

„Das Schwarze Korps“ stammt aus der Feder von Dominique Manotti. Ein Pseudonym, hinter dem sich eine Historikerin und Autorin verbirgt, die sich mit der Entscheidung für ein Pseudonym sicherlich etwas dachte und deren Wunsch deswegen respektiert wird. In der heutigen Zeit offenbart das Internet innerhalb weniger Sekunden die wahre Identität von Autoren – wer unbedingt möchte, der mag eine der vielen Suchmaschinen bemühen. Für die Kriminalgeschichte ist das ohne Belang, denn schlussendlich zählen keinesfalls die Lorbeeren der Vergangenheit, sondern die Substanz der Gegenwart.

Madame Manottis Roman spielt im Jahre 1944, von Anfang Juni bis Ende August, zeitlich gesehen zwischen der Landung der Alliierten und der Befreiung von Paris. Sie wählt dabei zwar ein bekanntes Thema, unterlässt aber die französische romantisierte Sichtweise, sondern zeigt auf, dass es die Abgründe der Menschlichkeit, die Gier, das Grauen, der Ekel und die Fassungslosigkeit auf allen Seiten gab. Die Deutschen gehören zu diesem Abschnitt der Historie dazu, sind aber keinesfalls Mittelpunkt der Geschichte. Nein, dass sind die Franzosen selbst, deren Geschichte hier erzählt wird, in einem realen historischem Kontext. Die Fiktion trifft auf die Realität, vermischt sich zu einer bedrückenden Einheit.

Die Geschichte selbst ist an sich ziemlich einfach gestrickt, gewinnt aber Dank der Kulisse an Rasanz und Brisanz. Vor der Hintergrund der deutschen Besatzer agieren Maulwürfe, Verräter, Desillusionierte, Folterer, Kriegsgewinnler und Idealisten. Ein jeder hat seine Schattenseiten, taucht ab ins das schwammige Grau des realen Wahnsinns, um darin sogar umzukommen. Dabei bedient sich Manotti eines harten, direkten und beinahe verstörenden Stils. Sie erzählt nicht in der Vergangenheitsform, sondern konfrontiert ihre Leserschaft mit einer Gegenwartserzählung. Das wirkt erst einmal verstörend, kalt, fremdartig. Aber dann, mit jedem weiteren Wort, mit jedem weiteren Satz, wird der Leser in die Geschichte hineingezogen und mutiert zum scheinbaren Zeitzeugen.

Dominique Manotti verzichtet darauf Gefühle vorzuschreiben, Gedanken zu leiten oder Geisteshaltungen zu definieren. Das alles überlässt sie ihren Lesern selbst. Sie legt knallharte Fakten auf den Tisch, nimmt kein Blatt vor den Mund, präsentiert eiskalt was geschieht. Die Eindrücke und Erlebnisse zu sortieren, zu schlussfolgern und den Irrsinn des Krieges zu begreifen, zu realisieren was für Menschen agieren, das wird dem jeweiligen Leser selbst überlassen. Und während sich die alles zusammenhaltende Kriminalgeschichte auf ihren Höhepunkt zubewegt, fallen die Puzzleteile an ihren Platz und zeigen ein gar schreckliches Bild auf. Manotti belehrt nicht, Manotti lehrt.

Das kann sie, auf Grund ihrer Ausbildung und ihres beruflichen Werdegangs (promovierte Historikerin), hervorragend. Vor allem die Vermischung von Fiktion und Realität, erfundenen und realen Personen, sind besonders reizvoll. Und jedes neue Kapitel schreitet in der Chronologie der Weltgeschichte voran, wird eingeleitet von kleinen Informationshäppchen. Der Wahnsinn in der Geschichte, der Wahnsinn in der Historie.

Auf den ersten Blick wirkt „Das schwarze Korps“ natürlich wie ein weiterer Ableger der Weltkriegsschwemme, die seit Jahren in allen Medien stetig ansteigt und Quantität vor Qualität stellt. Der Zweite Weltkrieg ist erschreckender weise zur Mode verkommen. Dokumentationen, Filme, Serien, Bildbände, Romane, Jugendbücher – Bücher und Geschichten die sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen, solche Bücher und Geschichten sind selten. „Das schwarze Korps“ besitzt eindeutig Qualität und gehört zu eben jenen seltenen Kostbarkeiten. Dabei dominiert der genaue historische Kontext zwar die spannende kriminalistische Erzählung, aber gerade das macht den Reiz aus.

Zudem ist das Buch schön aufgemacht. Die Stockart-Illustration auf dem Cover wirkt in ihrer Künstlichkeit zwar deplatziert, geht aber in Ordnung. Es ist vor allem die Handlichkeit des Covers, die Griffigkeit der Seiten und schlussendlich auch der Geruch nach Buch, der das Leseerlebnis gekonnt aufwertet. Das Buch fühlt sich einfach richtig an, absolut passend zur Geschichte die erzählt wird. Perfekt!

Titel erhältlich bei Buch 24.de
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