Day Men – Band Eins

Matt Gagnon, Michael Alan Nelson, Brian Steelfreeze
Day Men – Band Eins

Cross Cult (2015)
(Day Men 1–4, 2013/2014)
Geschrieben von Matt Gagnon und Michael Alan Nelson
Zeichnungen von Brian Steelfreeze
Redaktion Anne Thies
Übersetzung von Jacqueline Stumpf
16×24 cm, Hardcover, 144 Seiten, ISBN 978-3-86425-677-6

http://www.cross-cult.de/

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Der Titel “Day Men” klingt erst einmal ziemlich beschaulich nach Arbeiterklasse, aber bei Tageslicht betrachtet werden Knochen gebrochen, spritzt das Blut bis zur Decke hoch und fliegen wortwörtlich die Fetzen. Das, was auf den ersten Blick nach Mafiafamilienidylle aussieht, das ist blutiger Krieg.

Das beschauliche Erzähltempo, das “Day Men” zu Beginn an den Tag legt, rührt sicherlich von den gewählten Vorbildern her. Und die liegen offensichtlich im Bereich der Mafiageschichten. Immerhin sind es fünfzig Familien, die sich die ganze Welt untereinander aufgeteilt haben. Allerdings sind es fünfzig Vampirfamilien. Und um das Tagesgeschäft zu leiten, brauchen sie normale Mitarbeiter, die als Stellvertreter und Beschützer agieren. Das sind die sogenannten Day Men, nach denen auch die Comicreihe benannt ist.

Einer der Day Men ist David Reid. Er steht im Dienste der Familie Virgo und ist der Neuling. Einen Welpenschutz gibt es allerdings nicht. Und so muss David von Anfang an jeden der ihm aufgetragenen Jobs erledigen. Und zwar zu einhundert Prozent. Weniger geht nicht und wird mit dem Tod bestraft. Ein Drahtseilakt ist da sicherer.

Es ist natürlich klar, dass etwas schief geht, schief gehen muss. Der Comic erzählt nur ein paar Panels lang den normalen Arbeitsalltag, dann geht es richtig zur Sache. Sind es die Leute aus den eigenen Reihen, der Angriff einer anderen Familie, Zufälle oder Absicht? Es flammen sofort etliche spannende Fragen auf, die weitgehend eine Antwort finden. Besonders gelungen ist dabei, dass die Geschichte ihre Tiefe wie eine Zwiebel entfaltet und es immer wieder Überraschungen gibt. Diese werden gekonnt eingesetzt, was für passende Abwechslung sorgt. Sehr schnell wird die Leserschaft in den Bann der Geschichte gezogen, die sich zwar um David Reid dreht, aber auch genug Raum für andere Figuren lässt.

Obwohl die Texter von sich behaupten hier etwas ganz Neues auf die Beine gestellt zu haben, ist dem natürlich nicht so. Viele der Versatzstücke sind aus anderen genretypischen Produkten bekannt und auch, dass Vampire tagsüber ihre Lakaien brauchen, ist seit Dracula als gegeben gesetzt. Jenseits des Werbeblablas wird allerdings eines packende Geschichte mit glaubhaften Figuren erzählt.

David Reid ist als Protagonist natürlich stets im Rampenlicht. Man erfährt etwas über seinen Alltag, lernt ihn kennen und entwickelt zügig Sympathien. Klar, David ist schlussendlich ein brutaler Lakai der Virgos und wird von ihnen wie ein Werkzeug behandelt – aber der Day Man weiß sich Respekt zu verdienen. Und offensichtlich ist er kein offenes Buch, sondern kommt mit einigen Geheimnissen daher. Trotz seiner Entschlossenheit und Härte, ist er gleichzeitig verletzlich und emotional angreifbar. Was unter Umständen auch an seiner Menschlichkeit liegt. Einziges Manko an der Coolnes der Figur: David Reid musste als Waffe unbedingt mit einem Spazierstock ausgerüstet werden. Na ja, mal ehrlich, das ist ziemlich uncool. Wenn es wenigstens ein ordentlicher Shillelagh Fighting Stick wäre… Aber okay, der Stock wird durch die restlichen Stärken des Comics mehr als wett gemacht. Und vielleicht wirkt er irgendwann als Waffe auch nicht mehr so deplatziert.

Die Story ist spannend inszeniert, der Text klar und hart formuliert, auch die Übersetzung von Jacqueline Stumpf überzeugt auf ganzer Linie. Ebenso gelungen (und auch so wichtig wie die Story), sind die geerdeten und düsteren Zeichnungen von Brian Steelfreeze. Die stillen Szenen und Standbilder liegen ihm ebenso, wie die harte Dynamik und die liebe zum Detail. Seine wahre Stärke kommt allerdings in der abstrakten Gestaltung hervor, mit denen Kapitel enden und beginnen. Einfach gelungen! Zeichnerisch rangiert “Day Men – Band Eins” auf hohem Niveau.

Die deutsche Ausgabe von Cross Cult kommt in einem stabilen Hardcover daher und beinhaltet die ersten vier Bände der Reihe. Die Cover der Einzelcomics und dazugehörige Varianten finden sich im Anhang des Comicbuchs, ebenso wie gelungenes Bonusmaterial. Unter anderem Ausschnitte aus dem Script und vorläufige Skizzen, um den Werdegang einer Comicseite zu begleiten. Und es gibt auch Auszüge aus dem Skizzenbuch Brian Steelfreeze’, sowie ein Nachwort von Matt Gagnon. Ein gelungener Anhang zu einem gelungenem Comic. “Day Men – Band Eins” ist ein toller Auftakt und macht Lust auf mehr. Auf viel mehr.

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