Der Löwe Nubiens – Die Expedition 1

Richard Marazano
Der Löwe Nubiens
Die Expedition 1

L’expédition 1: Le lion de Nubie, Frankreich, 2012
Panini Comics, Stuttgart, 12/2015
HC, Adventure, 9783957984562, 60/1399
Aus dem Französischen von Barbara Wittmann
Titelillustration von Marcelo Frusin
Zeichnungen von Marcelo Frusin

www.paninishop.de
https://dl.dropboxusercontent.com/u/95286671/Marazano/index.html
http://marcelofrusin.blogspot.de/

Der Löwe Nubiens 

Theben, etwa 30 vor Christus und kurz nach der Eroberung des Lands durch die Römer. Am Nilufer wird eine Barke angeschwemmt, die neben einer dunkelhäutigen Leiche mit zahlreichen Tätowierungen eine erhebliche Anzahl kunstfertig gestalteter Schmuckstücke und wertvoller Waffen enthält. Der Fremde lässt sich keinem der bis dahin bekannten Völker Afrikas zuordnen, und Stadthalter Caius Bracca vermutet noch viel größerer Reichtümer in der Heimat des Toten.

So erhält der Anführer von Braccas Ehrengarde, Marcus Livius, den Auftrag, sich mit einer Handvoll Männer seiner Wahl bei Nacht und ohne großes Aufsehen auf den Weg den Nil hinauf zu machen, um dieses unbekannte Land zu finden. Offiziell gilt Livius von da an als Deserteur. Und so macht sich der zusammengewürfelte Trupp unterschiedlichster Männer auf einen entbehrungsreichen und gefährlichen Weg.

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„Die Expedition“ beginnt mit einer Rahmenhandlung, in der Marcus Livius Jahre nach dem Aufbruch der Abenteurer alleine wieder nach Theben zurückkehrt und sich vor dem neuen Stadthalter – Bracca ist inzwischen auf dem Schlachtfeld gefallen – als Deserteur verantworten muss.

So dauert es einige Seiten, bis man die Personen und Fakten richtig sortiert hat und die Handlung tatsächlich in Gang kommt. Sobald Livius jedoch beginnt, sich auf seine Mission vorzubereiten, entwickelt die Geschichte eine schleichende Zugkraft, die immer stärker fesselt.

Schon die Auswahl seiner Begleiter, die vom Halsabschneider und Tagelöhner aus einer Taverne bis zum sorgenvollen Vater reicht, der die versprochene Belohnung für die Umsiedlung seines Sohnes in ertragreicheres Ackerland benötigt, bietet einige gelungene Charaktermomente, die einen fruchtbaren Nährboden für die folgenden Ereignisse bilden. Kampfkraft, Ausdauer und Geschick sind gefragt in Livius Geheimtruppe aber auch Verschwiegenheit. So folgt ein hartes und gegebenenfalls auch tödliches Auswahlverfahren für die Anwärter.

Gleichzeitig versteht es Autor Richard Marzano („Pelikan Protokoll“, „Absolute Zero“, „Der Schimpansenkomplex“) hier, die emotionale Verbindung des Lesers zu den einzelnen Protagonisten zu stärken, ohne die Geschichte ins Stocken geraten zu lassen.

Der Weg der „Expedition“ beginnt in erwartungsvoller Aufbruchsstimmung, gleicht im Verlauf aber mehr und mehr einer Reise ins Unbekannte, gesäumt von Entbehrungen und unvorhersehbaren Gefahren, die erste Opfer fordern. Ein Vergleich mit „Herz der Finsternis/Apocalypse Now“ ist nicht allzu weit her geholt.

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Die Zeichnungen des Argentiniers Marcelo Frusin („Hellblazer“) passen hier wie die Faust aufs Auge. Auf den ersten Blick etwas verwaschen, offenbart sich bei näherem Hinsehen doch eine beeindruckende Detailtreue und eine bestechende Meisterschaft im Umgang mit Licht und Schatten. Dem Thema angemessen ist außerdem die antik wirkende Farbgebung, bei der Erdtöne dominierten.

In diesem Zusammenhang gefallen natürlich auch das große Albumformat und das hochwertige Papier, mit dem PaniniC omics den Band ausgestattet hat. Lediglich eine Info über die beiden Künstler wäre noch ganz nett gewesen.

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Auch wer Historiencomics nicht unbedingt etwas abgewinnen kann, sollte dem Band eine Chance geben. Ein brillanter Abenteuerauftakt, dicht geschrieben, mit fesselnden Charakteren.

Copyright © 2016 by Elmar Huber (EH)

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