Der Schwarm

Frank Schätzing
Der Schwarm

(sfbentry)
Kiepenheuer & Witsch
Umfang 1.012 Seiten
ISBN 9783462033743

www.kiwi-verlag.de

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Das Meer gilt allgemein als weniger gut erforscht, als die Weiten des Weltraums. Die lichtlosen Tiefen der See haben schon immer die Phantasie des Menschen beflügelt und so spricht Frank Schätzing eine der menschlichen Urängste an, wenn er die Kreaturen des Meeres auf den landbewohnenden Menschen hetzt. Denn genau das ist der Ausgangspunkt des Romans Der Schwarm. Zunächst sind es die hoch entwickelten Meeressäuger, die den Aufstand gegen die Menschen proben. Als Wale und Delphine eine regelrechte Jagd auf die Boote der Whale-Watcher beginnen, sieht es zunächst nach einem kuriosen „Die Natur schlägt zurück“ Phänomen aus. Doch die Wahrheit ist weit bedrohlicher.

Während der Walforscher Leon Anawak sich noch den Kopf zerbricht, was mit seinen Tieren geschehen ist, werden in der norwegischen See seltsame Würmer gefunden, die sich aggressiv in den methanhaltigen Boden bohren. Als die Angriffe sich weltweit häufen und immer mehr Todesopfer fordern, beginnt die verzweifelte Suche nach einem Feind. Als die Küsten von seuchenbringenden Schalentieren überrannt werden und Skandinavien von einem gewaltigen Tsunami verheert wird steht die Menschheit mit dem Rücken zur Wand.

In den vereinigten Staaten werden die besten Wissenschaftler der Welt versammelt, um eine Lösung zu finden. Doch während der Chef der CIA an eine islamistische Verschwörung glauben will, haben die Forscher um den Schweden Johanson und die SETI-Mitglied Crowe längst eine eigene Theorie entwickelt. Die Außerirdischen leben im Meer, so die paradoxe Erkenntnis. Fieberhaft beginnt das Team auf einer marinen Plattform die Vorbereitung des ersten Kontaktes. Während ringsum die Welt im Chaos versinkt, bilden die Forscher scheinbar die letzte Hoffnung der Menschheit.

Frank Schätzing liefert ein packendes Finale und ein wenngleich unbefriedigendes, so doch zumindest halbwegs glaubhaftes Ende. Bedauerlich, dass er die theologischen Folgen, die das Erscheinen einer zweiten intelligenten Rasse auf unserem Planeten haben könnte, von Schätzing nur im Epilog angerissen werden. Dies ist insofern eine vergebene Chance, da das Thema in kaum einem Roman der Science-Fiction intensiver thematisiert wird. Vermutlich wäre es aber auch zu viel verlangt, das sich der Thriller-Autor in seinem Werk mit solch tiefgreifenden theologischen Themen auseinandersetzt.

Mit über 1000 Seite ist Der Schwarm schon ein ordentliches Stück Buch im Regal. Leider kann Schätzing dem Roman nicht über die gesamte Länge eine entsprechende Dichte verleihen. Längen ergeben immer wieder dann, wenn er sich in wissenschaftlichen Details verliert, deren unmittelbare Relevanz für die Geschichte nicht erkennbar ist. Man gewinnt fast den Eindruck Schätzing wolle seine zweifellos intensiven Recherchen an den Mann bringen.

Die Suche nach dem unsichtbaren Feind reichert der Autor mit verschiedenen Elementen an. Neben einer umfangreichen Entwicklung seiner beiden Protagonisten Sigur Johanson und Leon Anawak wird auch der Verschwörung in der amerikanischen Militärführung zunehmend Raum eingeräumt. Schätzing ist sich hier auch für eine recht klischeehafte Ausgestaltung der menschlichen Antagonisten nicht zu schade. Die doch recht vorhersehbaren Konflikte gegen Ende des Romans fielen weniger unangenehm auf, wenn die Positionen der Bösewichte nicht so überzogen wirkten.

Fazit

Schätzing liefert mit Der Schwarm einen Roman ab, der den Leser über lange Strecken gut zu unterhalten vermag. Dennoch werden manche Passagen dem ungeübten Leser einige Ausdauer abverlangen. Die intensive Charakterentwicklung der Protagonisten steht für mich etwas im Gegensatz zu der simplen Darstellung wichtiger Gegenspieler und schließlich lässt der Schluss den Leser etwas desorientiert zurück. Eine zentrale Erkenntnis lässt sich hier nicht ohne weiteres finden. So bietet Der Schwarm einen guten Thriller, aber nur mittelmäßige Science-Fiction.

Copyright 2008 by Johannes Heck

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