Die Magier von Montparnasse

Oliver Plaschka:magier
Die Magier von Montparnasse
Klett Cotta, 2010, 430 Seiten
978-3608938746

Klett-Cotta Verlag

Homepage des Autors

Die Idee ist nicht übel: Angesiedelt im Paris in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts existiert eine Gesellschaft von echten Magiern, die eifersüchtig über ihr Zauberei-Monopol wacht. Magisch Begabte, die außerhalb ihrer Gesellschaft Magie praktizieren, werden überwacht und verfolgt.

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Die Helden der Geschichte sind ein charmantes Varietee-Zauber-Pärchen, die mit der ihrem Bühnenprogramm die Aufmerksamkeit der Agenten der Société Silenciense (Stille Gesellschaft) auf sich ziehen, erleben nun mehrmals immer wieder denselben Tag mit leichten Veränderungen.

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Wo der Autor mit seinem Erstlingswerk, „Fairwater“, erschienen im Verlag Feder & Schwert, ausgezeichnet mit dem Deutschen Phantastik Preis 2008, hindeutet, kann er hier weiter ausbauen. Der erste Roman spielte ja vornehmlich in den 80er Jahren des 20. Jahrhundert, zugegebener Maßen vor einer phantastischen Kulisse, doch dem Stil des Textes merkte man an, dass der Autor sich eher älteren Epochen verpflichtet fühlt und hier den Leser vergessen lässt, in welcher (gegenwärtigen) Zeit der Roman eigentlich spielt.

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Nun hat er also konsequent seinen Plot in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts verlegt, wo er gerne auch seiner Vorliebe für ausgefeilte Wortwahl und antiquierter Erdzählweise frönen kann. Da muss man als Leser zunächst schon einmal mögen.

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Leider verdeckt dieser Stil – bereits auch schon in „Fairwater“ – den Plot gänzlich. Mir ist es so ergangen, dass ich beim Lesen von einer, zwei Seiten mich fragte, was ich denn da gelesen habe. Vor lauter Formulierungswut wurde für meine Begriffe der zu vermittelnde Inhalt nicht transportiert. Im genannten Erstlingswerk wechselten sich Passagen langer Innerlichkeit mit wirklichen Handlungs-Teilen ab, so dass man immer wieder zum Weiterlesen animiert wurde. Leider fiel mir hier die Lektüre tatsächlich noch schwerer, zumal das Erzählte sich aufgrund des Plots (also der sich immer wiederholende Ablauf desselben Tages mit leichten Nuancen) dem noch Vorschub leistete. Das fordert die Geduld des Lesers heraus. Anfänglich verwirrend, dann aber eigentlich nicht mehr so schlimm ist, dass jedes Kapitel aus der Sicht einer von 7 Hauptpersonen geschildert wird, alles Kapitel in der Ich-Form verfasst.

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Diese allerdings sehr feine und wohl gesetzte Sprache kann auch faszinieren. Es gibt Sätze, die ins Poesiealbum gehören. Das macht dann auch Sapß, keine Frage. Doch sollte man als potentieller Leser dafür eine Ader haben und keine „knallharte“ Action erwarten. Dagegen bietet der Roman absynthgeschwängerte Bohème-Atmosphäre

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Das Setting, die Figuren sind durchaus sehr phantastisch und befördern einen Eskapismus, der in den letzten Jahren nach dem Erfolg von „Harry Potter“ durch die Neuerfindung den phantastischen Genres große Leserschaften (und sicher noch mehr Kinogänger) begeistert. Wo „Harry Potter“ doch eher auf ein jüngeres Publikum zielt, hat diese spezielle Phantastik auch das erwachsene Publikum erreicht; exemplarisch möchte ich da „Jonathon Strange und Mr. Morrell“ von Susannah Clarke und den tollen Film „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ nennen. In diese Linie findet sich auch der vorliegende Roman wieder. Ach ja, sehr erinnerte er mich auch an „Prestige. Die Meister der Magie“ von Christopher Priest (ebenfalls brillant verfilmt).

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Ja, der Autor gehört zu den deutschen Neuendeckungen der Phantasik-Szene. Es ist einfach toll, was hier möglich ist – neben Endlos-Sagas um Trolle und Zwerge oder „romantische“ Vampire! So kann Phantastik auch sein, auch wenn sie wahrscheinlich am Ende nicht so eine große Verbreitung finden wird. Ich kann dem Autor nur die Daumen drücken (und mir wünschen, dass er das nächste Mal mehr am Plot bleibt).
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