Tal des Schweigens – Emmanuel Cooper 3

Malla Nunn
Tal des Schweigens
Emmanuel Cooper 3

Silent Valley, Australien/Blessed are the Dead, USA + GB, 2012
Argument Verlag, Hamburg, 02/2016
TB, ariadne krimi 1207, 9783867542074, 318/1300
Aus dem Englischen von Else Laudan und Katharina Szelinski
Titelgestaltung von Martin Grundmann unter Verwendung eines Fotos von Thomas Shellberg, unsplash.com

www.argument.de

www.martingrundmann.de

Tal des Schweigens

Tal des Schweigens“ ist nach „Ein schöner Ort zu sterben“ und „Lass die Toten ruhen“ (beide Rütten & Loening, Berlin, 2009 und 2011) der dritte in sich abgeschlossene Krimivon Malla Nunn mit Detective Emmanuel Cooper, diesmal publiziert im Argument Verlag. Dort soll in Kürze ein vierter Band, „Present Darkness“, auf Deutsch erscheinen.

Die Handlung spielt in den 1950er Jahren in Südafrika vor dem Hintergrund der Apartheitspolitik, die Schwarze und Weiße trennte und ihr Zusammenleben strikt reglementierte.

Detective Emmanuel Cooper und der Zulu-Constable Shabalala werden in die abgelegene Ortschaft Roselet bei den Drakensbergen geschickt. Die schöne Amahle, Tochter des Zulu-Chiefs, wurde ermordet, wodurch der Fall zwar nicht so wichtig ist, wie es der Mord an einer Weißen gewesen wäre, doch brisant genug, dass eine Aufklärung als notwendig erachtet wird, um Unruhen zu vermeiden.

Die beiden Ermittler stoßen auf Mauern des Schweigens, denn was auch immer enthüllt wird, die Menschen von Roselet müssen, anders als die Polizisten, weiterhin in der Nachbarschaft der Zulus leben, die auf Rache sinnen. Kurz darauf wird eine zweite Leiche entdeckt. Sowohl Cooper als auch Shabalala benötigen sehr viel Fingerspitzengefühl, um nach und nach einige Hinweise zusammenzutragen. Als sich endlich das Gesamtbild zu zeigen beginnt, sollen sie die abschließenden Untersuchungen einem anderen Team überlassen.

So kurz vor dem Ziel will Cooper jedoch nicht, dass zwei unfähige Kollegen die Sache in den Sand setzen und riskiert darum seine Karriere, indem er die Anweisungen von oben umgeht und Shabalala davon überzeugt, entgegen der Hierarchie als leitender Beamter in der wenigen verbleibenden Zeit den Täter zu überführen.

Obwohl die Geschichte vor rund 60 Jahren spielt, hat man nicht den Eindruck, in die Vergangenheit einzutauchen. Zwar wurde das Apartheitsregime abgelöst, doch auch im heutigen Südafrika sind die alten Traditionen und Konflikte noch immer lebendig, nicht jeder hat wirklich von der Veränderung profitiert, die Generationen währende Trennung von Schwarz und Weiß muss in einem langwierigen Prozess aufgearbeitet werden (siehe Charlotte Otter: „Balthasars Vermächtnis“ und „Karkloof Blue“, beide Argument Verlag, 2013 und 2015, Krimis, deren Setting Südafrika nach der Apartheit ist).

Emmanuel Cooper ist für seine Zeit ein sehr aufgeschlossener weißer Polizist, der wenig von der Apartheitspolitik hält, aber in diesem Kontext aufgewachsen ist und sich an die Regeln hält, schon aus Rücksicht auf seine Mitmenschen, egal von welcher Hautfarbe, die bei Verstößen gegen offizielle und inoffizielle Gesetze dafür büßen müssten. Tatsächlich bedauert er immer wieder, dass seine und Shabalalas Freundschaft über einen bestimmten Punkt nie hinaus gelangen kann und es für seinen fähigen Kollegen keinen beruflichen Aufstieg geben und dieser immer ein Mensch zweiter Klasse bleiben wird.

Doch die komplexe Gesellschaft Südafrikas trennt und grenzt noch viele weitere Gruppen aus. Beispielsweise halten sich die Engländer für den Afrikaans überlegen, Juden werden abgelehnt, Frauen müssen sich den Männern unterordnen und haben nicht dieselben Rechte, Homosexualität wird strafrechtlich verfolgt usw. Auch das sind alles Hürden, welche die beiden Ermittler bei ihren Recherchen berücksichtigen müssen.

Malla Nunn vermeidet es, mit dem moralisch erhobenen Zeigefinger auf die Intoleranz der Weißen zu deuten, denn auch unter den Schwarzen gibt es Menschen, die ihre Position missbrauchen und Schwächere unterdrücken bzw. finden sich offene, vernünftige Personen auf beiden Seiten. Sie ist um ein neutrales Bild der damaligen Zeit bemüht, in der die Menschen keine andere Wahl hatten, als sich an die Regeln zu halten, dabei Freundschaft und Respekt nur im Rahmen des Erlaubten zu zeigen.

All die mit der Apartheit verbundenen Probleme fließen ganz selbstverständlich in den spannenden Kriminalfall ein, ohne dass es wie eine Lektion wenig bekannter Geschichte wirkt. Vielmehr wird auf diese Weise eine beeindruckende und vor allem bedrückende Kulisse geschaffen, denn jeder weiß ganz genau, ohne diese Schranken wäre vieles einfacher und besser, könnte auch der Mörder von Amahle schneller aufgespürt werden.

Cooper und Shabalala zeigen vorbildlich, wie das funktioniert. Jeder von ihnen hat bei den Ermittlungen seine Bereiche, die der andere akzeptiert und anerkennt. Für Cooper ist es kein Problem, sich auch einmal unterzuordnen, während es Shabalala schwer fällt, ausnahmsweise die Rolle des leitenden Beamten zu übernehmen, denn auch wenn der Kollege die Schuld auf sich nehmen will, sollte es misslingt, den Täter zu fassen, so muss er dennoch Repressalien befürchten, da seine Rechte eingeschränkt sind. Beide wagen sehr viel und werden zur Freude des Lesers für ihren Mut belohnt.

Die Ermittlungsarbeit ist kompliziert, mitreißend und voller überraschender Wendungen. Das Buch ist keinen Moment langweilig, da das Setting fasziniert, die Protagonisten individuell gezeichnet und sehr interessant sind, der Schreibstil flüssig ist – und das Ganze den Krimifreund vom ersten Moment an packt. Von daher darf man „Tal des Schweigens“ gern als weiteres Highlight des Argument Verlags bezeichnen.

Copyright © 2016 by Irene Salzmann (IS)

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