Familie und andere Verbrechen – Caro & Nessie 2

Ulli Eike
Familie und andere Verbrechen
Caro & Nessie 2

Shaker Media, Aachen, 04/2009
TB, Mosel-Krimi, Drama, 9783868582529, 192/1490
Titelmotiv von Vincent van Gogh – Rundgang der Gefangenen (Ausschnitt; 1890, Puschkin-Museum, Moskau)

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Familie und andere Verbrechen 

Komtesse Caro Müller-Greifsheim bekommt allmählich ihr Leben wieder in den Griff. Nach einer unglücklichen Liebe ist ein anderer Mensch an ihre Seite getreten, doch das Problem ist, es handelt sich um eine Frau. Nesrin „Nessie“ Senel war einst eine Mitschülerin, mit der sie wenig zu tun hatte; seit einem zufälligen Wiedersehen hat sie die Rolle der besten Freundin inne. Um sich über ihre Gefühle klar zu werden, ist Caro jedoch erst einmal auf Distanz gegangen.

Ein Anruf ihrer Schwester Charlie veranlasst Caro, sofort nach Hause zurückzukehren: Nessie sitzt im Gefängnis! Man wirft ihr vor, einen Siebzehnjährigen umgebracht zu haben. Nessie kann sich angeblich an nichts erinnern, ist aber pikanterweise neben ihm im Bett erwacht. Sie leugnet die Tat und schweigt auch über die Identität einer weiteren Person, die sich in ihrer Wohnung aufgehalten hat.

Caro setzt den Anwalt ihrer Familie auf den Fall an und schafft es mit seiner und der Hilfe einiger Kampfsportexperten nachzuweisen, dass die Schläge nicht von Nessie sein können, woraufhin sie freigelassen wird. Um den wahren Täter zu finden, befragen Caro und Nessie das Umfeld des Toten. Die beiden sind überzeugt, dass jemand Nessie K.O.-Tropfen verabreicht hat, doch keiner will etwas gesehen haben oder weiß Näheres. Obwohl es um sie selbst geht, mauert auch Nessie, indem sie weiterhin den Namen der Unbekannten in ihrer Wohnung – eine neue Geliebte? – um keinen Preis verraten möchte.

Es gibt allerdings noch zwei Angelegenheiten, die Caro beschäftigen. Nicole Leberecht, die Ex-Verlobte ihres Bruders Frederic, ist von ihm schwanger und soll wegen des Mordes an einer Journalistin verurteilt werden. Sie bittet Caro, den Beweis zu erbringen, dass es keine vorsätzliche Tat war, denn die Strafe für Totschlag wäre milder, und sie würde nicht so viele gemeinsame Jahre mit dem Kind verlieren. Auch Caros frühere Freundin Kirsten, die Witwe von Conrad DeVries, dem geschäftlichen Rivalen der Müller-Greifsheims, und Langzeitgeliebte von Frederic, tritt an sie heran. Falls Caro das verborgene Testament ihres Mannes findet, ist sie zu einer Gegenleistung bereit.

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Obwohl „Blut ist dicker als Wein“, der erste Band der „Caro & Nessie“-Serie, in sich abgeschlossen ist, baut der Folgeroman „Familie und andere Verbrechen“ auf den zuvor geschilderten Ereignissen auf. Man kann zwar ohne Vorkenntnisse Buch 2 problemlos lesen, denn das, was man wissen muss, wird immer kurz in einem Nebensatz erwähnt – ausreichend für Neuleser; genau richtig dosiert für Kenner, die sich bei einer ‚Nacherzählung‘ natürlich langweilen würden -, dennoch bereitet die Lektüre viel mehr Vergnügen, wenn man mit den wiederkehrenden Figuren und ihren Konflikten vertraut ist.

Nachdem Caro schon einmal der Polizei bei Mordermittlungen erfolgreich unter die Arme greifen konnte, mischt sie sich erneut ein. Klar, sie würde Nessie niemals im Stich lassen und hat von Anfang an nicht die geringsten Zweifel an der Unschuld ihrer Freundin, obgleich diese es ihr alles andere als leicht macht: Nessie hütet allerlei Geheimnisse, mit denen sie nur häppchenweise herausrückt. Obendrein stellt sie Nachforschungen im Alleingang an und nutzt die Verliebtheit eines Polizeibeamten aus, um in ihrer Sache voranzukommen.

Letztendlich muss sich Nessie dann doch Caro anvertrauen. Sie leidet an Multipler Sklerose, und ein neuer Krankheitsschub kommt ausgerechnet zur unpassendsten Zeit. Nun kann Caro beweisen, dass sie wirklich eine gute Freundin ist, denn sie akzeptiert Nessies Beweggründe, glaubt ihren Worten und steht ihr auch in der gesundheitlichen Krise bei.

Schließlich entpuppt sich die mysteriöse Frau als Zünglein an der Waage, und es gibt einige Überraschungen, die – man hat es nicht anders erwartet – zu einem versöhnlichen Ende führen, und das in vielerlei Hinsicht. Gleichzeitig nutzt der Autor die neuen Entwicklungen, um Aufhänger für weitere Abenteuer auszulegen. Mit „Sonne, Sand und Mond“ geht es weiter.

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Auch der zweite „Caro & Nessie“-Krimi bietet vergnügliche, spannende Lesestunden mit einer Prise Liebe.

Es mag sein, dass sich nicht jeder Leser auf Anhieb im Milieu der Adligen und Reichen wohlfühlt. Hier hat der Autor in die Trickkiste gegriffen, wie schon viele andere vor ihm. Dadurch, dass Caro einen Titel besitzt, hat sie viele Verbindungen, und es öffnet sich ihr so manche Tür. Ihr Beruf als Kunsthistorikerin und das Geld der Familie erlauben ihr das Reisen und sehr viel Unabhängigkeit. Davon profitiert sie stets bei ihren Recherchen und befindet sich in der guten Gesellschaft des Reporters Tim („Tim und Struppi“), des Millionärs Bruce Wayne („Batman“), der Millionäre Lord Brett Sinclair und Danny Wilde („Die Zwei“), Lord Peter Wimsey (von Dorothy L. Sayers) etc.

Immerhin liefert Nessie als ‚voll integrierte Türkin‘, die schrille Outfits liebt, bisexuell ist, eine schwierige Jugend hatte und nun mit ihrer Krankheit kämpft, das entsprechende Kontrastprogramm, das man als ebenso übertrieben erachten könnte. Allerdings ergänzt sie als Sporttherapeutin und Kampfsportlerin mit Kontakten zu den lower classes das Team durch Möglichkeiten, auf die Caro sonst bei den Nachforschungen verzichten müsste.

Dass sich die Freundschaft der beiden zu mehr weiterentwickelt, stellt nichts Besonderes dar. Schon Ende der 1980er Jahre erschienen beispielsweise im Argument Verlag in der Reihe „ariadne krimi“ zahlreiche sogenannte ‚Lesbenkrimis‘ (und einige ‚Schwulenkrimis‘), welche sich aufgrund der thoughen Heldinnen, die alte Klischees aufbrachen, rasch großer Beliebtheit erfreuten. Noch früher, in den 1970er Jahren, verfasste die britische Fantasy-Autorin Tanith Lee Romane mit Protagonisten, die sexuell in beide Richtungen schwangen, mitunter sogar das Geschlecht wechselten. Nicht vergessen sollte man die Girls Love- (und Boys Love-) Mangas/Animes/Dating Games aus Japan, ganz zu schweigen von der Slasher-Szene, einem Fandom, das sich intensiv mit homoerotischen Beziehungen befasst, Fanfiction schreibt und entsprechende Illustrationen anfertigt (z. B. Xena x Gabrielle, Spock x Kirk, Hutch x Starsky etc.).

Also, alles kein Problem.

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Hat man Spaß an Krimis mit Lokalkolorit, an klugen, gelegentlich auch schlagkräftigen Heldinnen, die Fälle im weiteren Familien-Milieu lösen, dann dürfte man sich gut von „Caro & Nessie“ unterhalten fühlen. Ulli Eike schreibt packend, trifft immer genau die richtigen Worte in der passenden Dosierung …, da möchte man gleich noch mehr von ihm lesen.

Copyright © 2016 by Irene Salzmann (IS)

Biografie

Ulli Eike, 1961 in Dortmund geboren, bestreitet seit 1985 schreibend seinen Lebensunterhalt. Zunächst verbrachte er zehn Jahre als Redakteur und später Chefredakteur bei verschiedenen Computerzeitschriften in München. Seit 1995 arbeitet er als freier Journalist und Buchautor. Aus seiner Feder stammen bislang fünf Krimi- und Thriller-Reihen. Website: www.ulli-eike.de Facebook: www.facebook.com/pages/Ulli-Eike-Autor/85832516711

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