Federwelt Nr. 105, April / Mai 2014 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

Federwelt Nr. 105, April / Mai 2014 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

(sfbentry)
Uschtrin Verlag, April / Mai 2014
Heft, 19 x 27 cm, 66 Seiten
Literatur
ISSN 1439-8362
Layout & Satz: Vogt und Boerboom
Titelbild/Collage: Carola Vogt und Peter Boerboom

www.federwelt.de
www.autorenwelt.de

Der wohl wichtigste Beitrag und die interessante Entwicklung für AutorInnen durfte die von Sandra Uschtrin initiierte Erschaffung einer neuen Welt sein: der Autorenwelt. Das Making-of hat sie denn auch – um im Bild zu bleiben – mit dem Urknall, der Ursuppe bis hin zum Weltaufgang im Leitartikel zur 105. Federwelt beschrieben. Was in der Autorenwelt passieren soll, welche „Lebewesen“ sich dort entwickeln, ansiedeln und fruchtbar verbreiten sollen, erfährt man sicher in den nächsten Federwelt-Ausgaben, sowie im Netz unter eingangs stehenden Links.

Nachdem weder von der Stiftung Warentest, noch vom ADAC (sorry, den Seitenhieb konnte ich mir nicht verkneifen) eine Übersicht der Selfpublishing-Dienstleister zu erwarten ist, hat sich Matthias Matting dieser Aufgabe gestellt und führt uns zunächst in die Begrifflichkeit der Angebote ein, bevor er die wichtigsten 14 Anbieter, bzw. deren Einzelaspekte in einer Tabelle gegenüberstellt. Wie ich finde, eine sehr schöne Arbeit, die er hier geleistet hat. Man könnte fast seufzen und sagen: „Ach, wie schön wäre es in diesen unruhigen Buchmarkt-Zeiten, wenn öfters solche Überblicke angeboten würden.“

Mit dem Beitrag „Vielschichtige Figuren entwickeln mit der Transaktionsanalyse“ von Andreas Wilhelm konnte ich so gar nichts anfangen. Was sicher nicht an dem Autor liegt, sondern an der Methode, die ein Werkzeug der Psychologie ist. Es mag aber durchaus AutorInnen geben, die hierin eine Hilfe entdecken, ihren Charakteren mehr Tiefe zu verleihen. Ich sehe aber mehr die Gefahr, sich in psychoanalytischen Forschungen zu verlieren (anstelle zu schreiben), als eine Figur sich auch selbständig entwickeln zu lassen. Lieber steht ein Protagonist hinter meinem Rücken und raunt mir Worte zu, anstatt ich ihm in Freudscher Manier auf die Couch zwinge und Stück für Stück auseinandernehme. Auch Protas brauchen eine gewisse Freiheit. Aber das ist nur meine Meinung.

Dagegen finde ich die „Heldenreise“ ein probates Mittel für einen Plotaufbau. Man muß ja nicht alle Stationen stur herunterbeten, das wäre langweilig. Aber als Gerüst hat sich die Heldenreise seit Jahrtausenden bewährt und dabei nichts von ihrer Ultramodernität verloren. Selbst Hollywood bedient sich ihrer, siehe Luke Skywalker, Harry Potter und andere neuzeitliche Helden wie z.B. Jake Sully in Avatar. Iris Leister bezeichnet sie denn auch konsequent und völlig richtig als ein Erfolgsrezept.

Oliver Uschmann behandelt in seiner „Werkstatt des Schriftstellers“ das Thema Programmplätze. Zitat: „Was die Verlage suchen, wechselt in einem Trendzyklus von zwei bis drei Jahren.“ Zitat Ende. Wenn man aber die zeitlichen Abläufe der Buchbranche – zumindest die bei den großen Publikumsverlagen – betrachtet, dann erscheint es mir wenig erfolgreich, irgendeinem Trend hinterherzuschreiben. Hat man sein Buch im angeblich ach so gefragten Genre endlich fertig, kann der Trend schon längst einem neuen gewichen sein. Für mich ein klarer (Teil)Punkt für die Misere am aktuellen Buchmarkt: Keiner der Verlage weiß, wie sich die Veränderungen (PoD, BoD, E-Book, SP usw.) entwickeln werden. Daher macht man das, was scheinbar um sich greift wie eine Epidemie: Man steckt den Kopf in den Sand und verhängt einen gewissen Aufnahmestopp und belauert sich gegenseitig.

Sehr gut gefallen hat mir Susanne Pavlovics Artikel „Geschlechterrollen in der Fantasy“, den ich aber auch für andere Genre verstanden wissen will. Denn Susanne Pavlovic hat völlig recht: Allzuleicht erfüllen weibliche Protagonistinnen nur die Helferrolle (z.B. Hermine Granger in Harry Potter) oder ziehen als schwertschwingende Amazone á la Xenia durch die Lande. Differenziertere Heldinnen, die nicht Ausnahmeerscheinungen sondern mal die Regel in einer Fantasy-Welt – und anderswo – darstellen, dürfte man immer noch mit der Lupe suchen. Was bin ich froh, daß meine Hauptfigur in dem SciFi-Roman, an dem ich aktuell schreibe, eine Frau ist: knallhart, keine Lesbe und wie selbstverständlich Mitglied der terranischen Raumstreitkräfte … und trotzdem kein Abklatsch der Figur Honor Harrington (gleichnamige Military-SciFi-Serie von David Weber).

Zum Schluß darf ich – wie immer – erwähnen, daß auch die Nr. 105 der Federwelt weit mehr zu bieten hat als o.g. Beiträge. Und auch wie immer, kann ich jeder/jedem Autor/in nur die Lektüre empfehlen.

Copyright © 2014 by Werner Karl
www.wernerkarl.org

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