Federwelt Nr. 113, August / September 2015 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

Federwelt Nr. 113, August / September 2015 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

(sfbentry)
Uschtrin Verlag, August / September 2015
Heft, 19 x 27 cm, 66 Seiten
Literatur
ISSN 1439-8362
Layout & Satz: Vogt und Boerboom
Titelbild: Glasmalerei von Alfred Charles Handel in der anglikanischen Apostel Johannes Kirche, Ash-field, New South Wales, Australien: „Jesus als der gute Hirte“, Wikimedia Commons

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Natürlich ist die Glasmalerei von Alfred Charles Handel als Titelbild der FEDERWELT ein Eyecatcher par excellence. Sie unterstützt einen der Hauptartikel der 113. Ausgabe: „Christliche Belletristik oder: Die entspannte Suche nach dem Sinn“ von Sandra Binder. Ich muss gestehen, der Artikel hat mir ein wenig die Augen geöffnet. Nie im Leben wäre mir eingefallen, mich in einer Buchhandlung dem Regal für diese Nischenliteratur zu nähern, geschweige denn, eines der Bücher auch nur überhaupt in die Hand zu nehmen. Aber was da scheinbar möglich ist, vom Publikum und den entsprechenden Verlagen akzeptiert wird, ist mehr als erstaunlich.

„Fast alles über Literaturwettbewerbe“ von Angelika Lonnermann dürfte wohl so jede/n AutorIn ansprechen. Denn wer will sich nicht erste Meriten und ein Feedback für seine Texte zunächst mit kleinen Arbeiten holen? Jeder fragt sich doch: Bin ich auf dem richtigen Weg? Halten meine Texte der brutalen Öffentlichkeit stand? Worin muss ich mich noch verbessern? Da sind die mannigfaltigen Wettbewerbe das probate Mittel dazu. Und wenn es dafür auch noch kleinen Lohn gibt: umso besser. Aber aufgepasst: Ist ein Text einmal veröffentlicht, egal ob „nur“ im Internet oder in einer Anthologie, ist er sozusagen „verbrannt“. Man kann ihn nicht noch einmal für einen anderen Wettbewerb anmelden; er gilt als bereits publiziert. Dies – und noch ein paar weitere Dinge mehr – sollte man also wissen, wenn man sich aus den jährlich ca. 600 (!) Wettbewerben* diejenigen aussucht, für die man einen passenden Text zu haben glaubt.

„Tolinos Selfpublishing-Portal – Was AutorInnen dazu wissen sollten“ von Matthias Matting. Von wem anderem als vom Selfpublishing-Papst darf man solch gelungene Beiträge erwarten? 2 ½ Seiten, die Klarheit schaffen und vielen wohl eine neue Schiene eröffnen, auf der sie ihre Titel verbreiten können. Herzlichen Dank, lieber Matthias! Ich werde das Portal ganz sicher in Angriff nehmen.

„Selbstmanagement für Autorinnen und Autoren – Erfolgreich an mehreren (Schreib-)Projekten arbeiten mit der LöhnMethode“ von Wolfgang Ehrhardt Heinold. Ja, strukturiert, diszipliniert und zielorientiert arbeiten ist ganz bestimmt ein Ding, das konträr zum Selbstverständnis von vielen Künstlern steht. Doch wer wie ich aus der bösen, harten, realen Geschäftswelt kommt, kennt es ohnehin nicht anders. Gerade in Zeiten von vielfältigen Ablenkungen durch nervende Kollegen, piepsenden Smartphones, Sie-haben-Post-Klingeltönen Ihres E-Mail-Postfaches und dem täglichen Telefonterror an sich, ist es eine schöne Übung am Tag, sich solcher Angriffe mittels eingangs erwähnter Softskills zu erwehren. Da erinnere ich mich an das gute alte TimeSystem, dass in den 80er Jahren ein must-have für alle termingeplagten Menschen war und sicher auch heute noch ist. Ich benutze es nicht mehr. Aber ich habe mir seitdem eine Arbeitsweise angewöhnt, die mich eben effektiv arbeiten lässt. Und sorry, da brauche ich keine LöhnMethode oder sonst was. Disziplin fängt immer bei einem selbst an. Mag jeder selbst für sich entscheiden, ob er sich in den Kürzel- und Definitionswahn (DL-Blatt, PK-Blatt, TA-Blatt, ZA, PA und noch einem Dutzend weiteren Buchstaben) erschöpfen will oder ob er sich einfach hinsetzt und schreibt.

„Tantiemen: Wie viel die Prozent tatsächlich wert sind“ von Kerstin Brömer. Wirklich etwas für ALLE der Zunft. Vor allem für die, die sich dafür bislang nicht interessiert haben, es auf ihren Agenten verlagerten oder vor den Untiefen der Definitionen – z. B. Nettoladenpreis und Nettoverlagserlös – zurückgezuckt sind … und die Abrechnung ihres Verlages oder Anbieters nicht verstehen. Sehr lesenswert, am besten mit der letzten eigenen Abrechnung und einem Taschenrechner.

„Science-Fiction schreiben – Bin ich ein Spinner oder Realist?“ von … äh … mir. Naturgemäß und mit gebotener Zurückhaltung sage ich hier nichts dazu. Außer, dass ich mich geehrt fühle, damit meinen ersten Beitrag für die FEDERWELT bringen zu dürfen. Ich freue mich auf Ihr Feedback.

Noch im Heft:
–    „Reiseführer schreiben: So kann es gehen“ von Sandra Pixberg.
–    „Erzählökonomie: Was Prosa-AutorInnen von Drehbuch-AutorInnen lernen können“ von Ron Kellermann.
–    „Literarisches Schreiben, Teil 1: Welche Art zu schreiben ist denn überhaupt literarisch?“ von Jan Decker.
–    „Die Textküche – mit Gasch & Co., Folge 22: Gefühlsecht schreiben“ Lesenswert, aber der Titel? Auweia, hätte ich mich nicht getraut. Bei gefühlsecht denken wohl viele spontan an etwas ganz anderes … 😉
–    Wie immer dazu passend „Die Zutatenliste“, dieses Mal von Stephan Waldscheidt.
–    *Terminkalender … mit zumindest 9 der o. e. 600 Wettbewerbe in diesem Jahr.
–    „Vorlesen für Fortgeschrittene; Folge 53: Die Kleidung“ von Michael Rossié. Ja, das hat mir schon Kopfzerbrechen bereitet. Leider ein wenig kurz …
–    „Biografie-Arbeit als Hilfe bei der Stoffsuche“ von Michaela Frölich.
–    „Dichten lernen, Baustein 1: Die lyrische Sprache – ein Kapitel für sich“ von Michaela Didyk.
und noch viel mehr …

Fazit: Eine schöne gemischte Ausgabe, die – zumindest mir – wieder zwei konkrete Punkte beschert hat, an denen ich arbeiten kann. So langsam stellt sich ein gewisser Suchtfaktor ein: mehr FEDERWELT! 😉

Copyright © 2015 by Werner Karl
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