Himmelstrand

John Ajvide Lindqvist:
Himmelstrand

Originaltitel: Himmelstrand (2014).
Aus dem Schwedischen von Thorsten Alms.
Köln: Bastei Verlag G. H. Lübbe 2016.
Bastei Lübbe Taschenbuch 17316.
492 Seiten. 12,99 Euro.
Titelillustration © Arcangels Images: Jill Battaglia; © shutterstock: robert_s I Ursa Major I Nicholas 852.
ISBN 978-3-404-17316-7

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Der Roman des schwedischen Schriftstellers John Ajvide Lindqvist besticht durch den prägnanten Stil des Autors und die glaubhaft gestalteten Charaktere. Wenn dann auch noch gute Ideen dazu kommen, dann ist der Vergleich zu Lindqvists Kollege Stephen King (auch wenn sich der schwedische Autor diesen Vergleich nicht gerne hört) nicht weit hergeholt, denn ähnlich wie der us-amerikanische Bestsellerautor kann auch sein schwedisches Pendant den Leser völlig in den Bann ziehen. Wie King in seinen besten Werken überzeugt Lindqvist durch eine sorgsam gestaltete Atmosphäre und Protagonisten, die unglaublich lebendig und lebensecht wirken.

Erzählt wird die Geschichte einiger Campingurlauber, die eines morgens erwachen, und sich auf einer sich scheinbar ins Endlose ausdehnenden Grasfläche wiederfinden. Der Campingplatz und die anderen Gäste sind verschwunden. Genauso wie die Realität unserer Welt. Navigationsgeräte zeigen unsinnige Routen, Handys haben keinen Empfang (oder wenn kann man, in dem einen gelungenen Fall eines Kontaktes, einen verstorbenen Menschen damit erreichen). Im einzigen Radiosender werden ständig schwedische Schlager gespielt, die alle vom 1999 verstorbenen Peter Himmelstrand geschrieben wurden.

Nur vier Autos mit den jeweiligen Wohnwagen und den vormals schlafenden Besitzern haben diesen Transit erfahren; acht Erwachsenen, zwei Kinder von etwa sechs Jahren, eine Hund und eine Katze.

Sie alle finden sich nach dem Erwachen in einer auf den ersten Blick friedlichen Welt wieder, die sich aber mehr und mehr in ein Hölle verwandelt, je länger diese Lebewesen dort weilen. Und während sich der Hund Benny nach anfänglichen Feindseligkeiten mit der Katze Maud anfreundet und auch die beiden Landwirte Lennart und Olof immer enger zusammenrücken, scheinen vor allem mit der kleinen Molly und ihrer Mutter Isabelle Sundberg immer unheimlichere Veränderungen vor sich zu gehen.

Als dann auch noch Donald Gustafsson seine Leidensgenossen mit dem Gewehr bedroht, weil er davon ausgeht, dass alles nur ein bizarrer Alptraum ist und alle um ihn herum nur Traumgestalten sind, eskaliert die Situation immer mehr.

Zumal sich unheimliche Wesen nähern, in denen jeder etwas anderes zu erkennen scheint…

Lindqvist nimmt sich viel Zeit, alle Protagonisten ausführlich vorzustellen und damit zum Leben zu erwecken. Sogar Beagle Bennys Sicht wird dargelegt.

Leider ist die Geschichte, trotz wunderbar gruseliger Einfälle und grotesker Wendungen, etwas zu seitenreich ausgefallen. Gerade zwischen den Seiten 150 und 300 hätte eine Straffung der Erzählung Wunder gewirkt und die Spannung deutlich erhöht.

Trotzdem gelingt dem schwedischen Autor ein herrlich phantasievolles Werk, dessen kryptisches Ende allerdings den ein oder anderen Leser irritieren dürfte.

Besonders stark ist Lindqvist immer dann, wenn er die Dämonen aus der Vergangenheit seiner Protagonisten aktiviert. Egal ob Carinas furchtbare Jugend in der Drogenszene und deren glückliche Rettung durch ihren biederen späteren Ehemann Stefan, der entsetzliche Tod von Donald Gustafssons Vater im Sägewerk oder Peter Sundbergs nicht immer einfache Vergangenheit als Profifußballer, meist gelingt es dem Autor, die jeweiligen Schrecken der Biographien seiner Figuren plastisch und emotional erschütternd zu vermitteln.

Mit besonderem Lob sollte man die hier ersonnenen Horrorelemente erwähnen, die dem Autor vorzüglich gelungen sind (vor allem gegen Ende der Geschichte).

Ein insgesamt gut lesbarer, interessanter und unterhaltsamer Gruselroman, der sicherlich noch die ein oder andere Schwäche aufweist, aber dem Leser durch sein ungewöhnliches Sujet genug Vergnügen bereiten kann, um ihn interessierten Horrorgenrelesern unbedingt zu empfehlen.

Copyright © 2016 by Gunther Barnewald

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