Kalt wie Stahl

Dan Simmons
Kalt wie Stahl

(sfbentry)
Joe Kurtz 3/Festa Crime 6
Hard as Nails, USA, 2003
Festa Verlag, Leipzig, dt. Erstausgabe: 05/2013
TB, Krimi
ISBN 978-3-86552-230-6
Aus dem Amerikanischen von Manfred Sanders
Titlebild von fotolia.com
www.Festa-Verlag.de

www.dansimmons.com

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„Kalt wie Stahl“, der dritte („Joe Kurtz“-) Kriminalroman des US-amerikanischen Autors Dan Simmons, wartet mit einer doppelten Überraschung auf: Das Buch ist umfangreicher als das vorangegangene. Und wird nicht vom Verlag – wie in den vorherigen Bänden „Eiskalt erwischt“ (Festa Crime 2, 2012) und „Bitterkalt“ (Festa Crime 4, 2013) – durch die schwarz-weiße Wiedergabe des Titelbildes vor jedem Kapitel (!) in die Länge gestreckt. Und das alles bei einem unveränderten Preis!

„Kalt wie Stahl“ ist der Abschluss der „Joe Kurtz“-Trilogie. Kurtz ist ein ehemaliger Privatdetektiv, der nach zwölf Jahren aus dem Gefängnis entlassen wurde (weil er den Mörder seiner Partnerin tötete) und nach Buffalo zurückkehrte. In „Eiskalt erwischt“ und „Bitterkalt“ mischt Kurtz in den Auseinandersetzungen der Mafia-Familien Farino und Gonzaga mit – brutal, skrupellos und leichenreich. „Kalt wie Stahl“ beginnt mit einem Attentat auf Kurtz und/oder seine Bewährungshelferin O’Toole, das beide ins Krankenhaus bringt. Überraschenderweise versuchen danach sowohl Angelina Farino und Toma Gonzaga ihn (inoffiziell natürlich) zu engagieren: Ein unbekannter Killer tötet ihre Kleindealer und Kunden. Kurtz hat also, gesundheitlich angeschlagen, zwei Fälle an den Füßen: zum einen die Aufklärung des Anschlages auf ihn und/oder seine im Koma liegende Bewährungshelferin, zum anderen die Suche nach dem Killer, der die Geschäfte der Farino- und Gonzaga-Clans stört.

Dan Simmons baut in „Kalt wie Stahl“ eine umfangreichere Handlung als in den vorangegangenen Bänden auf. Im Gegensatz zu „Bitterkalt“ arbeitet er zwar nur mit zwei anstelle von drei Handlungssträngen, die jedoch ausgedehnter und – was erfahrene (Krimi-) Leser nicht überraschen wird – miteinander verwoben sind. Kurtz stößt, als er einer Spur hinsichtlich des Attentats auf ihn und seine Bewährungshelferin nachgeht, auf eine dritte Partei, die die Farino- und Gonzaga-Clans auszuschalten zu versucht, weil sie offenbar auch angegriffen wird … Kurtz organisiert einen Gegenschlag, der einer militärischen Operation ähnelt. Dass er annimmt, er und seine Mitstreiter würden nach einer solchen Aktion dauerhaft als ihre Urheber verborgen bleiben, mutet schon absurd an: Eine Attacke mit Panzerfäusten, militärischem Sprengstoff, Scharfschützen- und automatischen Waffen dürfte einen Fahndungsdruck ohnegleichen auslösen – okay, zumindest in der Real-Welt, zugegeben. Mit dem tatsächlichen Urheber der Angriffe auf die Mafia-Clans – pardon, auf zwei Mafia-Clans und einen Rauschgiftring – bekommt es Kurtz erst gegen Ende des Romans zu tun. Der Plot von „Kalt wie Stahl“ ist schon etwas unsolide. Zwar lässt auch diesmal Simmons keine offenen Enden in der Handlung zurück, manche Zusammenhänge wirken jedoch konstruiert (wie beispielsweise die zweifache Verwicklung der Bewährungshelferin O’Toole in den Mafia-Krieg), andere Fragen werden erst gar nicht beantwortet: Der Agitator im Hintergrund verweigert schlicht die Erklärungen. Damit weicht Simmons von einem gängigen Handlungselement des Krimis ab, was einerseits legitim ist und es ihm andererseits ermöglicht, gewisse logische Löcher des Plots zu umgehen.

Meine Erwartung, die ich in meiner Besprechung zu „Bitterkalt“ äußerte, nämlich dass Kurtz in „Kalt wie Stahl“ den Tod findet, erfüllt sich übrigens nicht: Zum Schluss wird er sogar sentimental. Vorher blieb er sich treu und beging bzw. veranlasste zwei Morde (an einem Gangster und an dem Killer, womit Simmons das Gerechtigkeitsempfinden seiner Leser zu beschwichtigen versucht …?!).

„Kalt wie Stahl“ ist der beste Roman der „Joe Kurtz“-Trilogie. Der Autor nimmt sich den Raum, um den Plot zu entwickeln. Aber das ist kein Lob, da Simmons in anderen Genres deutlich komplexere Plots, die sich auch über mehrere Romane erstrecken, zu kreieren wusste. „Eiskalt erwischt“, „Bitterkalt“ und zum Abschluss „Kalt wie Stahl“ sind der Ausflug des (überwiegend) herausragenden Horror- und Science Fiction-Autors Dan Simmons in die Kriminalliteratur. Aber kein gelungener. Die Plots in den Romanen sind mehr oder minder zusammengeschustert, das inhaltliche Repertoire beschränkt sich auf blutige und leichenreiche Auseinandersetzungen zwischen (italienischen, natürlich) Mafia-Clans, in denen im dritten Band auch US-Amerikaner mitmischen, und der Protagonist ist ein zwielichtiger Charakter.

Nun mag ein bad detective durchaus seinen Reiz haben, und für einen souveränen Schriftsteller wie Dan Simmons wird die Herausforderung, die in solchen Darstellung liegt, sicherlich zu bewältigen sein, doch die Figur des Joe Kurtz reiht sich nahtlos in die Effekthascherei ein, die  „Eiskalt erwischt“, „Bitterkalt“ und „Kalt wie Stahl“ kennzeichnet. Nun, unterhaltsam ist das durchaus, das ist nicht zu bestreiten. In seinen Kriminalromanen bleibt Dan Simmons deutlich hinter seinen Möglichkeiten als Autor zurück, die er in zahlreichen anderen Büchern (in anderen Genres!) eindrucksvoll unter Beweis zu stellen vermochte.

Copyright © 2014 by Armin Möhle (armö)

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