KellerLeichen – Lutetia Stubbs 1

Matthias Czarnetzki
KellerLeichen
Lutetia Stubbs 1

Shaker Media, Aachen, 02/2009
TB, Cosy-Krimi, Comedy/Satire, 9783868582116, 312/1890
Titelgestaltung und –foto von Matthias Czarnetzki

www.shaker-media.de

www.MCarnetzki.de

www.LutetiaStubbs.de

KellerLeichen

Der Mathematiker Harold Stubbs zieht mit seinen 17-jährigen Kindern Marx und Lutetia in eine alte Burg nahe dem kleinen englischen Ort Borough. Dort möchte er sich ungestört seiner Arbeit widmen, während sich die Zwillinge mehr oder minder um sich selbst und den Haushalt zu kümmern haben. Genauso ungern, wie die beiden einer Zukunft in dem verschlafenen Nest entgegenblicken, heißen dessen Bewohner, jedenfalls einige davon, die Neuankömmlinge willkommen.

Dass dies seine Gründe hat, wird deutlich, als Marx auf der Suche nach einem geeigneten Versteck für seine Hanfpflanzen in einem abgetrennten Kellerraum auf ein Skelett stößt und sich weder Polizeichief Murdok McDuff noch der ermittelnde Beamte Richard Jury vom CID – zufälligerweise gibt es eine Romanfigur gleichen Namens … – als wirklich kompetent erweisen. Obendrein benimmt sich die neue Haushälterin Brenda Stetson, die von McDuff vermittelt wurde, sehr auffällig, doch noch auffälliger ist das Interesse der ältlichen Jungfer an Harold.

Einzig Lutetia ahnt, dass etwas faul ist, denn im Gegensatz zu Harold und Marx beobachtet sie ihr Umfeld sehr aufmerksam und nimmt Dinge wahr, die allen anderen entgehen. Die Bestätigung, dass sie und ihre Familie auf der Abschussliste stehen, lässt nicht lange auf sich warten. McDuff und seine Mitwisser fürchten, dass mehr als nur ‚ein Skelett‘ auftauchen könnte. Zum Glück lernt Lutetia den mysteriösen George kennen, der auf dem Friedhof arbeitet, mehr als nur verschroben scheint, aber über eine Menge Wissen und noch mehr erstaunliche Talente verfügt.

#

Längst liegen zwei weitere Bücher der „Lutetia Stubbs“-Reihe vor, doch leider nur als Ebook, wobei man die Wahl hat zwischen den einzelnen Teilen und einem Sammelband. Auch die meisten anderen Titel von Matthias Czarnetzki sind fast ausschließlich als Ebook erhältlich. Schade, denn zumindest „Lutetia Stubbs“ ist eine äußerst unterhaltsame und dabei sprachlich niveauvolle Lektüre, für die sich die Print-Medien (die ausgewählte erfolgreiche Ebooks in gedruckter Form offerieren) interessieren sollten.

Denn vom ersten Moment an wird man als Leser in die spannend-makabere Geschichte hineingezogen, die wie eine Mischung aus Hitchcocks „Immer Ärger mit Harry“ und Alan Bradleys „Flavia de Luce“ wirkt. Wie in dem Film-Klassiker taucht immer wieder ein Skelett auf und sorgt für allerlei Probleme, und Lutetia geht genauso tatkräftig und altklug wie Flavia vor, um herauszufinden, um wen es sich bei dem Toten handelt, wer an diesem und anderen Verbrechen beteiligt war – und um sich und ihre Angehörigen zu retten.

Schnell schließt man die herrlich schrulligen Stubbs ins Herz, obwohl sie ausnahmslos eigenbrötlerische Egoisten sind. Doch wenn es hart auf hart kommt, halten sie zusammen gegen jene, die der Familie Schaden zufügen wollen: Hauptfigur Lutetia, das in beiderlei Sinne des Wortes schlagfertige Grufti-Mädchen, der schwerfällige Marx, der von lukrativen Geschäften mit illegalen Erzeugnissen aus heimischer Produktion träumt, und der weltfremde Harold, der Zahlen über alles liebt und die Frau, die ihn über Zahlen erobern kann und ihm zeigt, wo es langgeht.

Doch auch die übrigen Charaktere besetzen interessante Rollen. George, der immer wieder für eine Überraschung gut ist, wird schließlich sogar zur Schlüsselfigur. Brenda und die Swanson-Schwestern erweisen sich als nicht das, was man zunächst vermutet hat. Ferner gibt es die schräge Clique um McDuff und einen ‚Kollateralschaden‘. Mehr möchte man nicht verraten, um nicht zu viel vorwegzunehmen.

Was vor Jahren geschehen ist und seine Folgen hatte, wird Stück für Stück durch die Recherchen von Lutetia und dem Polizisten Henry Wilson, aber auch durch die Andeutungen in den Dialogen derjenigen, die an den Geschehnissen ihren Anteil hatten, sowie durch Georges Wissen enthüllt, bis am Schluss die Auflösung, die man so kaum erwartet hätte, präsentiert wird. Sehr schön ist, wie der Autor dabei regelmäßig die Perspektiven wechselt.

Dabei bedient er sich einer gehobenen Sprache, die hervorragend zu dem bösartig-witzigen Krimi passt. Vor allem die Fußnoten sind ein Stilmittel, das bisher wohl eher selten auf vergleichbare und dabei humorige Weise eingesetzt wurde.

Es gibt nur wenige, belanglose Schönheitsfehler, die gewiss nicht jedem auffallen werden, darunter die Zeichensetzung (Kommas), die Groß- und Kleinschreibung, gelegentlich auch überflüssige Leerzeichen, die ein Lektor oder Korrektor hätte sehen müssen. Das ist aber auch schon das Einzige, bei dem nachgebessert werden könnte.

#

„KellerLeichen“, der erste von drei „Lutetia Stubbs“-Bänden, ist ein sehr empfehlenswerter Krimi für all jene, die makaberen Humor zu schätzen wissen, kleine, böse Fälle in der ehrenwerten Nachbarschaft den ‚wir retten mit Links die ganze Welt vor dem Super-Psychopath‘-Szenarien vorziehen und außerdem Wert auf eine ausgereifte sprachliche Umsetzung legen. Schade, dass Shaker Media nicht auch die weiteren Abenteuer der Familie Stubbs in sein Programm aufgenommen hat, da, wenn man Feuer gefangen hat, in Konsequenz bloß die Ebooks bleiben.

Copyright © 2016 by Irene Salzmann (IS)

Titel bei Amazon.de
.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.