Laufen

Jean Echonez
Laufen

Berlin Verlag
Umfang 132 Seiten
ISBN 978-3-8270-0863-3
Übersetzt von Schmidt-Henkel, Hinrich
Ein Biographischer Roman

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Laufen ist ein Roman über das Leben des Emil Zatopek, des Langstreckenläufers und Weltrekordhalters, der bekannt wurde als „Die tschechische Lokomotive“. Die vorliegende Erzählung verwendet die biographischen Daten des berühmten Sportlers und ist doch keine Biographie. Echonez erzählt eine Geschichte und Zatopek, von ihm nur Emil genannt, ist die Hauptfigur dieser Geschichte. Echonez Thema ist der Mensch Emil Zatopek und dessen Leben ist der Sport. Doch das ist noch nicht alles. Im Umfeld der Diktatur des Kommunismus und ihrer unmenschlichen Regeln gerät der Versuch ja das Streben nach einem normalen menschlichen Leben unversehens zur Groteske.

Laufen ist voller widersprüchlicher Momente, die eine fast schon unfreiwillige Komik bergen. So unpassend wie der unökonomische Stil zum besten Läufer seiner Zeit zu passen scheint, so unfreiwillig wird Emil Zatopek Teil der Tragödie, die sein Leben allzu oft bedeutet. Emil ist gefangen in den Widersprüchen eines menschenverachtenden Regimes, dass den Ausnahmesportler gleichermaßen fördern und für seine Siege belohnen will, jedoch keine Überschreitung der ungeschriebenen Regeln dulden kann. So kommt es immer wieder zu grotesken Situationen, die zum Lachen wären, würden sie nicht das Leben so vieler Menschen beeinträchtigen.

Echonez nutzt die Freiheit der Fiktion, um immer wieder in Details einzutauchen, welche die verschiedenen Ereignisse im Leben des Emil Zatopek von einer sehr emotionalen, sehr heiteren, manchmal auch melancholisch traurigen Seite beleuchten. Als einziger Teilnehmer der tschechischen Mannschaft gewinnt er Gold bei den Meisterschaften von … Der amerikanische Flaggenträger, vormals eher beschämt seiner Aufgabe nachgehend, zählt wohl den Abgang aus dem Stadion (?) zu den stolzesten Momenten seines Lebens. Nach abweichenden Äußerungen von den Kommunisten strafversetzt wird Emil als Müllmann in den Straßen von Prag(?) beklatscht

In seinem Stil zeigt sich Echonez weich, unaufgeregt manchmal fast einsilbig, wenn er in die kurzen Statements einer Telegramm-Mitteilung wechselt, um Stationen aus Emils Leben abzuhandeln. Er bringt dem Leser die Person des Emil Zatopek sehr nah, obwohl der Großteil dieser inneren Einsichten auf eben jener fiktionalen Erweiterung basiert, die über biographische Daten und Fakten hinausgeht. Durch die Verwendung des Vornamens, er nennt seine Protagonisten nur Emil, wird eine emotionale Nähe geschaffen, die Echonez Schreiben behutsam und sanft wirken lässt. Man beim Lesen vermag förmlich das Lächeln auf dem Gesicht des Mannes zu sehen, dessen Leben das Laufen war.

So ist Laufen mehr als nur ein Roman über das Leben des Läufers Emil Zatopek. Es ist die Geschichte eines Sportlers, vielleicht sogar des Sportes an sich, in den Zeiten des Kalten Krieges. Und immer wieder ist es auch ein Abbild der Unmenschlichkeit in der menschlichen Realität des Kommunismus. Es gelingt Echonez dies in der gleichen lockeren, doch niemals flapsigen Art zu inszenieren, in der er seinen ganzen Roman schreibt. Er berichtet ohne zu urteilen. Er veranschaulicht, ohne anzuklagen und gestattet dem Leser damit sein Urteil frei von jeglicher Ideologie zu fällen oder sich einfach nur treiben zu lassen, von dem was da kommen mag.

Copyright 2010 by Johannes Heck

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