Liebe in den Zeiten der Römer – Archäologie der Liebe in der römischen Provinz

Günther Emerich Thüry
Liebe in den Zeiten der Römer – Archäologie der Liebe in der römischen Provinz

Nünnerich-Asmus Verlag, Mainz, 11/2015
HC, Sachbuch, Geschichte & Archäologie, Erotik, 9783945751138, 144/2490
Titelgestaltung von Sebastian Ristow unter Verwendung eines Motivs von © Museum Lauriacum, Enns. Römisches Deckenfresko aus Enns, Oberösterreich. „Passend zu einer Raumdecke, öffnet sich hier der Blick in den Himmel, an dem Frühlingswind Zephyr und seine Geliebte Chloris vorüberfliegen.“ Museum Lauiacum, Enns.
94 Abbildungen im Innenteil aus verschiedenen Quellen

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 Liebe in den Zeiten der Römer

 

Der Titel nimmt vorweg, dass nicht – wie in den meisten anderen Büchern – das ‚ausschweifende‘ Rom im Mittelpunkt der Ausführungen steht, sondern dass der Schwerpunkt auf die Sinnlichkeit und Erotik gelegt wird, die durch Funde aus den Provinzen belegt ist.

Das Thema an sich wurde lange tabuisiert und erst im Laufe des 20. Jahrhunderts ‚gesellschaftsfein‘. Das Christentum als eher körper- und lustfeindliche Religion trug ihren Teil dazu bei, dass entsprechende ‚heidnische‘ Bildnisse beschädigt oder zerstört wurden, die angepassten Künstler irgendwann das Feigenblatt entdeckten und die Archäologen die Erkenntnisse im Bereich der Liebe in der Antike ausklammerten oder nur einem ausgewählten Publikum zugänglich machten.

Mittlerweile wird auch auf diesem Sektor geforscht, und viele interessante Entdeckungen wurden dokumentiert. Beispielsweise war die Antike gar nicht so ‚ausschweifend und sittenlos‘, wie aufgrund diverser Quellen über die Orgien römischer Herrscher vermutet wurde, denn es gab sehr wohl einen Verhaltenskodex für zwischenmenschliche Beziehungen und Strafen bei Zuwiderhandlung. Natürlich sind die Regeln nicht völlig in Einklang mit dem, was heute als legal bzw. verboten gilt (wobei es auch hier zwischen den verschiedenen Kulturräumen Abweichungen gibt), doch finden sich sehr viele Übereinstimmungen.

Bedingt durch die Körperbejahung, die durchaus in künstlerischen Übertreibungen gipfeln konnte, finden sich nicht nur erotische Statuen und Fresken oder Mosaike, sondern auch Gebrauchsgegenstände wie Kerzenständer und Schalen, die mit entsprechenden Motiven verziert oder in eine Form gebracht wurden, welche man den Genitalien nachempfunden oder mit diesen ausgestattet hat. Selbst auf Grab- und Gedenksteinen, Schmuckstücken o. ä. wurden anzügliche Worte, Liebesschwüre oder Einladungen zu einer Liebesnacht verewigt.

Ob man sich dann bei Licht oder im Dunkeln liebte, mehr oder minder bekleidet, entschieden die persönlichen Vorlieben. Ein interessantes Detail ist, dass Frauen mitunter ein BH-ähnliches Kleidungstück anbehielten, allerdings nicht aus Scham, sondern aus modischen Gründen, da eine üppige Oberweite nicht als Ideal angesehen wurde.

 

Über diese und andere reizvolle Aspekte berichtet der Autor informativ und unterhaltsam. Sogenannte ‚schlüpfrige‘ Beschreibungen gibt es nicht; alles ist sehr seriös erläutert.

Die Texte werden von 94 passend ausgewählten Abbildungen in Farbe und Schwarz/Weiß aufgelockert, die wenigstens die Größe einer Kreditkarte haben und maximal eine Seite einnehmen. Die Motive sind sehr vielfältig und veranschaulichen auch, wie das Leben und die Kunst mit der Erotik harmonierten. Es gibt sowohl ästhetisch-romantische als auch ‚deftigere‘, symbolhafte Objekte.

Eigentlich sind es nur rund 115 Seiten mit Ausführungen und Fotos zum Thema. Der 30-seitige Anhang wartet mit zahlreichen detaillierten Anmerkungen, Leseempfehlungen, Literaturabkürzungen, Bildnachweisen und einem Register auf.

Das macht deutlich, dass der Titel weniger an Laien adressiert ist als an Leute vom Fach, die nach dieser Einführung zu bestimmten Themen gern weiterforschen möchten. Allerdings ist das Buch kurzweilig und verständlich genug, um es auch für Hobby-Historiker interessant zu machen, die tatsächlich an diesem Aspekt des römischen Lebens und der Kunst interessiert sind und eben nicht bloß an ‚delikaten‘ Schilderungen.

Copyright © 2016 by Irene Salzmann (IS)

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