Lykaons Erwachen

Ian Rolf Hill
Lykaons Erwachen
John Sinclair 1932

Bastei Lübbe AG, Köln, 07/2015
Romanheft, Horror, Action, keine ISBN (9783732514922 als ebook), 68/170
Titelmotiv von Timo Würz

www.bastei.de/

www.florian-hilleberg.net/

www.timowuerz.com/

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Der Name Lykos soll an Lykaon, den König der Arkadier aus der griechischen Mythologie, erinnern. Der von Zeus verflucht und zum Wolf gemacht wurde, weil Lykaon sich erdreistete, Zeus Menschenfleisch zu servieren.“

Egeas Demeter, Firmenchef von LykosOil, erhält in seiner Firmenzentrale in Griechenland Besuch von dem Bulgaren Boris Baranov. Dieser bittet um das Einverständnis, eine Höhle im arkadischen Gebirge zu besuchen, die auf dem Gelände der Ölgesellschaft liegt. Dort soll sich der Körper von Königs Lykaon befinden, der einst von Zeus zur Wolfsgestalt verflucht und nach einem Zweikampf um die Herrschaft über die Werwölfe von Fenris gebannt wurde. Ihm will Baranov erneut zu seinem verdienten Platz an der Spitze der Werwölfe verhelfen.

Fast gleichzeitig erhalten John Sinclair und Suko bei Scotland Yard den Besuch eines gewissen Edward Carroll. Ein weiterer Werwolf, der sich als Anhänger von Fenris und Morgana Layton zu erkennen gibt. Im Angesicht der neuen potentiellen Gefahr schlägt er dem Geisterjäger eine zeitweilige Partnerschaft vor, um Lykaons Erwachen zu verhindern.

Der dicke, muskulöse Leib erinnerte tatsächlich an einen Werwolf. Der Schädel mit der struppigen Mähne sah jedoch dem eins Löwen ähnlich. Der Schwanz ringelte sich zwischen den Hinterläufen zusammen und endete in dem flachen Kopf einer Schlange. Das Monster lag auf der Seite, und aus dem Rücken wuchs das Haupt eines gehörnten Ziegenbocks. Die Abscheulichkeit schien tatsächlich tot zu sein, und doch ging von seinem Anblick eine Faszination aus, die uns für Sekundenbruchteile ablenkte und lähmte.“

Meines Feindes Feind …“. Nicht zum ersten Mal muss John Sinclair mit Vertretern des Bösen paktieren, um größeres Übel zu verhindern. Doch tatsächlich wirken Fenris und seine Anhänger hier gar nicht wie ein bekämpfenswertes Übel. Ian Rolf Hill stellt den mächtigen Götterwolf überlegt und mit durchaus nachvollziehbaren Handlungsmotiven dar, wogegen die ‚neue Rasse‘ von Werwölfen wie marodierende und triebgesteuerte Halbstarke wirkt.

Lykaons Erwachen“ funktioniert als vorläufiger Abschuss von Ian Rolf Hills loser „Werwolf“-Trilogie, der mit „Arena der Werwölfe“ („JS 1914“) und „Werwolf-Vendetta“ („JS 1928“) vorbereitet wurde. Doch Nostalgiker Hill greift noch sehr vieltiefer in die „Sinclair“-Mottenkiste und aktiviert erneut einen Januskopf sowie zwei (Wer-) Harpyien. Bei Licht betrachtet muss man feststellen, dass diese Auftritte ausschließlichder der Action zuträglich und für die Handlung nicht weiter von Belang sind.

Weiterhin hat sich Hill(eberg) noch bei sich selbst bedient. Die tschechische Söldnertruppe, die Carroll und dem Sinclair-Team bei ihrem Auftrag zur Seite stehen soll, hat der Autor schon mal in seiner Kurzgeschichte „Die Knochenkirche“ (aus der gleichnamigen Anthologie, Fabylon Verlag, 2014) zum Einsatz gebracht. Damals freilich noch menschlich und nicht von Morgana Layton werwolfiziert.

Als Gegenpol zu dem Actionfeuerwerk, das in Griechenland abbrennt, gibt es noch einen ruhiger gestalteten Erzählstrang, der in Sibirien spielt wo Michail Chirianow(ebenfalls ein alter Bekannter) seine Berufung als Werwolf-Jäger wieder aufnehmen muss. Dort gerät er in die Fänge der Sippe um Morgana Layton, die gegen ihre verfeindeten Artgenossen aufrüsten. Wunderbar akzentuiert Hill mit diesem Gangartwechsel und mit der Wahl der konträren Schauplätze die Gegensätzlichkeit der Werwolf-Clans. Das heiße Arkadien für den impulsiven Lykaon und das eisige Sibirien für den überlegten Fenris.

Wie auch in Hills den Vorgängerromanen sind hier wieder einige überraschende Wendungen enthalten, die die Handlung heftig umbiegen und für gehörigen Drive sorgen. Beileibe keine Selbstverständlichkeit des Genres.

Trotz aller Actionlastigkeit muss man auch attestieren, dass hier alles Hand und Fuß hat und der Autor die „Sinclair“-Mythologie nicht nur gekonnt weiter spinnt, sondern auch überzeugend einen neuen Big Player einführt, von dem bestimmt noch öfter als einmal die Rede sein wird. Lykaon wird als leibhaftiger Ur-Vater der Werwolfsippe eingeführt, der auch die Petrovas angehören und die ihre Gestalt unabhängig vom Vollmond durch reine Willenskraft verändern können. Dazu stellt er dies durch die Lykaon-Episode aus der griechischen Mythologie auf hinreichend belastbare Beine. Denn tatsächlich ist dieser König, der der Sage nach von Zeus zu einer Wolfsgestalt verflucht wurde, der Pate des Wortes „Lykanthropie“.

Das Covermotiv von Timo Würz wurde offenbar speziell für den Roman angefertigt und zeigt die beiden Harpyien beim Angriff auf den Hubschrauber des Teams Sinclair.

Das vorläufige Ende der Storyline um die neue Art von Werwölfen endet mit einem Paukenschlag, der gleichzeitig einen neuen großen Gegner für John Sinclair im Gepäck hat.

Copyright © 2016 by Elmar Huber (EH)

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Arena der Werwölfe – John Sinclair 1914

Im Bann des Nachzehrers – John Sinclair 1945

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