Madoffs Traum

Dominique Manotti
Madoffs Traum

Le rêve de Madoff, Frankreich, 2013
Literaturbibliothek im Argument Verlag, Hamburg, dt. Erstausgabe: 08/2014
HC im Taschenbuchformat, Novelle, Biografie, Zeitgeschichte, 9783867544016, 60/800
Aus dem Französischen von Iris Konopik
Titelgestaltung von Martin Grundmann

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Madoffs Traum

Die Historikerin Dominique Manotti selbst nennt im Vorwort die Novelle „Madoffs Traum“ „eine moralische Erzählung“ und einen fiktiven inneren „Monolog“. Dieses kleine Büchlein zu schreiben, verrät sie weiter, war ihr ein besonderes Anliegen und eine Möglichkeit, ihrem Zorn ein Ventil zu verleihen – ihrem Zorn über das ausbeuterische Finanzsystem (nicht nur) in den USA, das wenigen Milliardären zu noch mehr Geld verhilft und Kleinanleger bei Fehlspekulationen in die Armut treibt, und wenn doch mal ein Reicher zu den Verlierern zählt, sind „unsere Medien […] voll mit Anekdoten und ergreifenden Porträts der unglücklichen Opfer“, wohingegen über alle anderen kein einziges Wort verloren wird.

Der ehemalige Finanz- und Börsenmakler Bernard Lawrence Madoff, geb. 1938 in Brooklyn, New York, legte eine wahre Bilderbuchkarriere hin und war der Vorsitzende der Technologiebörse NASDAQ, bevor er 2008 wegen Betrugs verhaftet und zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Während er im Garten des Gefängnis‘ sitzt und praktisch auf seinen Tod wartet, erinnert er sich, wie alles begann, wie die Gier, noch mehr zu erreichen, mit jedem Erfolg größer wurde und jegliche Skrupel immer kleiner. Die Politik begünstigte Bankengeschäfte am Rande der Legalität, und wer erwischt wurde, der kam mit einer geringen Strafe davon. Das erhoffte sich auch Madoff, als man ihm auf die Schliche kam, doch an ihm statuierte die Justiz ein Exempel.

Die Autorin lässt Madoff seine Geschichte erzählen, wie er sie vielleicht auch in Wirklichkeit erzählt hätte. Die Schilderungen sind nüchtern und ganz aus seinem Blickwinkel, wodurch seine Skrupellosigkeit und seine Distanz zu den ‚normalen Bürgern‘ unterstrichen wird.

Es geht ihm nur darum, viel Geld zu verdienen und immer weiter nach oben zu gelangen, wobei er es genießt, das System bestens zu kennen und jegliche Spielräume geschickter auszunutzen als seine Kollegen. Die Menschen, die er durch seine Geschäfte zerstört, sind ihm keinen Gedanken wert, denn die Regierung unter Reagan stellte gewissermaßen einen Freibrief aus, denn sie verlangte einen wirtschaftlichen Aufschwung und ein Aufpolieren des nach den desaströsen Kriegen in Korea und Vietnam beschädigten amerikanischen Images, egal mit welchen Mitteln. Zwar verlässt am Schluss das Glück Madoff, und er wird bestraft, aber leider gibt es immer noch zu viele wie ihn, die andere ins Unglück stürzen, um selber den Reibach zu machen.

Eine kurze, eindringliche Novelle, die vor allem geschichtlich, wirtschaftlich und politisch interessierte Leser ansprechen dürfte.

Copyright © 2016 by Irene Salzmann (IS)

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