Meer der Dunkelheit

James L. Cambias
Meer der Dunkelheit
Originaltitel: A Darkling Sea (2014).
Deutsche Übersetzung von Claudia Kern.
Ludwigsburg: Verlag Cross Cult 2016.
420 Seiten. 18 Euro.
Umschlaggestaltung: Martin Frei.
ISBN 978-3864258572

von Gunther Barnewald

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Der bekannte Autor Gregory Benford vergleicht den Roman seines Kollegen James L. Cambias mit den Werken prominenter Kollegen wie Hal Clement, Larry Niven oder Poul Anderson, was nicht von der Hand zu weisen ist, denn in vielem erinnert Meer der Dunkelheit an bekannte Vorgänger. Vor allem die zwei Bände von Hal Clement um die Meskliniden auf der Welt Mesklin (in Deutschland gesammelt als Unternehmen Schwerkraft), die auf einer Welt extremer Schwerkraft leben und trotzdem Intelligenz entwickelt haben und zu raumfahrenden Menschen Kontakt haben und auch Larry Nivens Serie um den “Known Space” (dt. “Ringweltuniversum”) sind wohl legitime Vorbilder für Cambias gewesen. Bei Larry Niven (zusammen mit Edward M. Lerner) gibt es sogar ein im Wasser lebendes intelligentes Volk namens Gw´oth (Seesternen ähnlich), aus deren Sicht die Geschichte immer wieder erzählt wird.

Und egal ob Meskliniden oder Gw´oth oder die wunderbaren Spezies, die Piers Anthony in seinem grandiosen Roman Thousandstar (dt. Tausendstern) beschreibt (vor allem die sogenannten HydrOs), allen gemeinsam ist diesen Schöpfungen die glaubhafte Fremdartigkeit des Denkens und Handelns dieser “Aliens”, die aber nur soweit von unserer eigenen Wahrnehmung abweichen, dass wir Menschen es noch nachvollziehen können.

Und genau hier liegt der Reiz von Cambias sehr unterhaltsamem, spannendem und gut geschriebenem Roman.

Die Unterwasserwelt der Ilmataraner erinnert zwar an hiesige Ozeane und die dortigen Einwohner dürften Ähnlichkeit mit irdischen Hummern haben, ihr Wahrnehmen und Denken, und damit auch ihre Zivilisation, unterscheidet sich jedoch von der unsrigen. Und ähnlich wie Niven reicht es Cambias nicht, eine Alienrasse glaubhaft zu beschreiben, nein, er führt mit den Sholen vom Planeten Shalina eine zweite sehr glaubhaft beschriebene Fremdrasse ein, die den Menschen technologisch leicht überlegen ist, und die verhindern möchte, dass die Menschheit durch ihren Einfluss auf Ilmatar die dortige Zivilisation “kontaminiert”.

Deshalb dürfen die Menschen dort nur heimlich Forschen, aber keinen Kontakt aufnehmen.

Ein arroganter und überheblicher Mensch namens Henri Kerlerec torpediert mit seinem unbedachten Vorgehen dieses Kontaktverbot; und auch wenn er seine Dummheit mit dem Leben bezahlt, die bald darauf herbeieilenden Sholen verstehen hier keinen Spaß, zumal einem der konservativen Anführer namens Irona die menschliche Neugier längst ein Dorn im Auge ist.

Die Sholen besetzen die Tiefseeforschungsstation der Menschen unter dem dicken Eismantel von Ilmatar und wollen die Forscher zum Abzug zwingen.

Von da an eskaliert die Situation zwischen den beiden Fremdrassen auf Ilmatar immer mehr. Was mit kindischen Streichen (vor allem von Seiten der Menschen) beginnt, wächst sich zum tödlichen Konflikt aus, in dem Kompromisse und die Vernunft über Bord geworfen werden. Der “Body Count” sowohl auf Seite der Menschen als auch der Sholen steigt.

Währenddessen hat ein Ureinwohner namens Breitschwanz die Fremden entdeckt und beginnt seinerseits, diese zu erforschen.

Als dann der Konflikt zwischen Menschen und Sholen eskaliert, wird klar, dass das Kontaktverbot längst Makulatur ist und es schnell nur noch um das blanke Überleben geht…

Cambias hat ein Händchen für eine glaubhafte Atmosphäre. Die Geschichte ist nicht völlig durchgängig spannend, aber meistens, die Sicht aller drei Spezies auf die Vorgänge ist glaubhaft dargestellt und die Charaktere überzeugen.

(VORSICHT: LEICHTE SPOILERGEFAHR IN FOLGENDEM SATZ): Einzig und allein das etwas schönfärberische Ende der Geschichte hinterlässt einen etwas faden Nachgeschmack, wird aber alle Leser begeistern, die auf Happy Endings stehen.

Meer der Dunkelheit ist herrliche Abenteuer-SF mit Niveau, intelligent erdacht, gut geschrieben und packend erzählt.

Ein Buch, das Lust auf mehr Lektüre von diesem Autor macht.

Copyright © 2016 by Gunther Barnewald

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