Metro 2033

cover_metro20333Dmitry Glukhovsky
Metro 2033

Heyne
Deutsche Erstausgabe 12/2008
Titel der Originalausgabe: METPO 2033
Übersetzung: David Drevs
Karten: Andreas Hancock
786 Seiten, ISBN 9783453532984

www.metro2033.org

Wer den viele Hundert Seiten starken Band mit dem unheilvoll rot-schwarzen Cover zum ersten Mal in die Hand nimmt wird sich gleich an Lukianenkos Wächer-Romane erinnern, die als weltweite Bestseller von Heyne in gleicher Aufmachung verlegt wurden. Tatsächlich haben wir es auch hier mit einem jungen russischen Autor zu tun, der mit seinem Debütroman 2007 ebenfalls einen Bestseller landete. Da ist es wohl kaum ein Zufall, dass Lukanienko auf dem Klappentext auch für die üblichen Lobeshymnen herhalten muss.

Metro 2033 gehört zu jenen Romanen, die irgendwo zwischen Horror und Science Fiction angesiedelt sind, aus denen vor dreißig Jahren wohl noch ein Cyberpunk-Roman geworden wäre. Dass Glukhovsky hier ganz andere Wege geht, lässt sich bereits erkennen, wenn man die Pläne der Moskauer U-Bahn studiert, die in die Innendeckel gedruckt sind. Neben Bezeichnungen wie Rote Linie, Arbat Konföderation und Viertes Reich sind dort auch zahlreiche Stationen mit Gefahrenhinweisen versehen. Radioaktive Gefahr, Mentale Gefahr oder gar „von Mutanten besetzt“ ist dort zu lesen. Was der Leser nach diesen ersten Hinweisen bereits ahnt, verdichtet sich auf den ersten Seiten schnell zu Gewissheit. Glukhovsky führt seinen Leser in ein Post-Doomsday Szenario mit Gruselfaktor. Nach einem verheerenden Krieg sind die Menschen von Angesicht der Erde verschwunden. Nur den engen Schächten der Untergrundbahn haben sie überlebt und fristen ein erbärmliches Dasein. Ein klaustrophobes Setting, dass alle Möglichkeiten des Genres bietet.

Die Geschichte selbst beginnt auch gleich mit einer grauenhaften Normalität. Der junge Artjom lebt in einer der abgelegenen Stationen, die immer wieder unter den Übergriffen seltsamer Humanoider zu leiden hat, die von den Bewohner der Metro einfach nur „Die Schwarzen“ genannt werden. Eine Kommunikation mit diesen Wesen ist scheinbar nicht möglich, ihre Motive unbekannt. Allein ihre destruktive Wirkung auf den menschlichen Geist ist den Bewohnern der WDNCh vollkommen klar. Als ein bewaffneter Fremder die Station erreicht und wenig später verschwindet, macht sich der junge Artjom auf den Weg ins Herz der Metro. Dort will er von den unheimlichen Vorgängen am Rand der Metro berichten und um Hilfe bitten.

Mit diesem Entschluss beginnt eine abenteuerliche Reise durch die Tunnel. Unter erschwerten Bedingungen schlägt sich der Protagonist von einer Station zur nächsten. Doch die fremdartigen und oftmals fremdenfeindlichen Gemeinschaften in den einzelnen Stationen sind gar nicht die größte Schwierigkeit. Das eigentliche Problem ist das namenlose Grauen in den Tunneln. Nicht umsonst bewacht nahezu jede Station ihre Ein- und Ausgänge, denn immer wieder verschwinden Menschen in den schwarzen Tunneln und bleiben unauffindbar. Auf diesem Wege gelingt dem Autor ein stetes An- und Abschwellen der Spannung. Verlassen die Figuren eine der sicheren Stationen dann können sie niemals sicher sein, was danach kommt. Selbst wer die namenlosen Gefahren der Dunkelheit überwindet kann nicht wissen, ob die nächste Station nicht von Verrückten besetzt ist, die nur zu dankbar für frisches Fleisch sind.

Auf seiner Reise durchwandert der junge Artjom eine Vielzahl von Stationen mit den unterschiedlichsten Kulturen. Halbverlassene Stationen wechseln sich ab mit Handelsposten. An einigen Stationen haben brutale Nazis ihr Viertes Reich errichtet, anderswo treiben Zeugen Jehovas oder Satanisten ihr Unwesen. Nie kann man sich sicher sein, dass der Wahnsinn nicht noch von einem anderen übertroffen wird. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit, aber unter wahrhaftig schicksalhaften Umständen gelangt der Protagonist schließlich an den Ort seiner Bestimmung und von dort aus sogar an die Oberfläche. Dort erwarten die Stalker, wie die Besucher der Oberfläche genannt werden, zwar keine missgünstigen Menschen, doch die mutierten Monstrositäten die Moskau nun bevölkern sind kaum besser.

Tatsächlich gelingt es Artjom scheinbar eine Lösung für die Bedrohung durch die Black Ones zu finden, auch wenn ein hoher Preis dafür gezahlt werden muss. Glukhovsky beschließt seinen Roman mit einem Knalleffekt, der eher dürrenmattsche Qualitäten hat und den Leser buchstäblich auf den letzten Seiten noch einmal den Atem anhalten lässt. Nach all den überstandenen Schickalsschlägen und Rettungen in letzter Minute wirkt die Auflösung des Finales hart und unversöhnlich. Doch letzten Endes bleibt Glukhovsky damit nur konsequent, bildet doch die destruktive Natur des Menschen erst die Basis für das gesamte Setting und zieht sich als Motiv durch den ganzen Roman.

Fazit

Mit seinem Erstling entführt Dmitry Glukhovsky den Leser in ein düsteres und bedrückendes Horror-Szenario. Interessanterweise sind es oftmals weniger die phantastischen Elemente, die das Grauen erzeugen, als vielmehr die nur zu menschlichen Begegnungen, die Artjom auf seiner Reise durch die Unterwelt erlebt. Die Geographie des Untergrundes dient ebenso einer gelungenen Unterhaltung, wie auch die sprachlichen Bilder die Plastizität der Erzählung fördern. Einige Moskauer werden nach dieser Lektüre ihre Metro mit anderen Augen sehen.

Für die Fans von Computerspielen dürfte auch das Spiel zum Buch interesssant sein, in dem sich die Geschichte des Protagonisten am Bildschirm nacherleben lässt.

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