Nachbars Reichtum

Peter Kersten
Nachbars Reichtum

Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen, 11/2007
HC, Krimi, 978-3-7888-1140-2, 160/1495
Titelillustration von N. N.
www.neumann-neudamm.de
www.krimi-forum.net/Datenbank/Autor/fa001906.html

Peter Kersten weiß, wovon er in seinem Thriller „Nachbars Reichtum“ schreibt, denn er hat selbst in der Bundeswehr gedient, nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften jahrelang als Berater gearbeitet, bis er sich als Farmer, Berufspilot und –jäger nach Afrika zurückgezogen hat. Dementsprechend genau kennt er Land und Leute an den Schauplätzen, zu denen er seine Helden führt und blickt in deren Psyche.

Etwas braut sich in Tanzania zusammen. Einige Männer bereiten ein Unternehmen vor, von dem sie noch nicht ahnen, wohin es sie führen wird. Sie wissen nur eines: Zunächst einmal müssen sie den deutschen Botschafter mitsamt seiner Familie entführen. Und sie kennen auch schon den Zeitpunkt.

Als der Coup geglückt ist, ziehen sie sich in ein hinterwäldlerisches Dorf zurück und zwingen die Bewohner, sie zu verstecken. Allerdings rechnen sie nicht damit, dass die Nachricht von der Entführung schneller nach außen dringt, als sie gedacht haben, denn ein vorbeikommender Pater erhält eine Botschaft zugesteckt und gibt sie sofort weiter.

Und so beginnt hinter den Kulissen fieberhaftes Arbeiten. Eine Sondereinheit des Bundesgrenzschutzes begibt sich nach Arusha und später auch Dar es Salaam. Sie erhalten zwar die volle Unterstützung der Regierung – aber unter der Auflage, möglichst unauffällig zu operieren.

Und so müssen sie sich voll und ganz auf die Männer verlassen, die sie unterstützen und Land und Leute genau kennen. Das ist auch nicht immer leicht, denn schon bald erweist sich, dass Verrat mit im Spiel ist…

Schlaglichtartig beleuchtet der Autor die Geschehnisse. Er wechselt in den sehr kurzen Kapiteln immer wieder von einem Schauplatz zum anderen und beschreibt in knappen und nüchternen Worten, was dort abläuft. Um die Unmittelbarkeit zu vertiefen, benutzt er durchweg die Gegenwartsform. Dabei verzichtet er allerdings ganz auf einen Einblick in die Psyche der Figuren. Diese kann man allein durch ihre Handlungen wahrnehmen.

Dadurch wirkt das Buch atemlos und gehetzt. Es konzentriert sich rein auf den Ablauf der Operation und nichts weiter. Dabei merkt man die große Sachkenntnis des Autors. Er vermittelt die Entwicklungen auch für den Laien verständlich, der keine oder nur wenig Ahnung von der Bundeswehr und dem Jägerwesen hat.

Aber eine wirkliche Bindung zu den Geschehnissen entsteht nicht. Dafür ist die Handlung selbst zu verdichtet in der Action und zu dünn in den ummantelnden Beschreibungen. Und bis zuletzt kann man die Motive der Entführer nur erahnen, sich aber nicht sicher sein, ob sie stimmen, dazu erfährt man zu wenig von deren Vorgeschichte.

Wer neben der reinen Action auch noch Innensichten der Figuren sucht, wird diese in „Nachbars Reichtum“ schwerlich finden. Das Buch wendet sich vor allem an Leser, die realistisch wirkende Beschreibungen einer gefährlichen Operation vor exotischer Kulisse schätzen und nicht so viel auf die Charakterisierung der Figuren geben, sondern sich das, was nötig ist, lieber selbst denken. (CS)

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