Nocturna – Die Nacht der gestohlenen Schatten

Bei Amazon.de anguckenJenni-Mai Nuyen
Nocturna – Die Nacht der gestohlenen Schatten

cbj-Verlag, München, 7/2007
HC, Jugendbuch, Fantasy, 978-3-570-13337-8, 544/1895
Titelillustration von Ferenc Regös
Vignetten von Jenni-Mai Nuyen
www.cbj-verlag.de
www.jenny-mai-nuyen.de/

Durch „Nijura – Das Erbe der Elfenkrone“ wurde Jenny-Mai Nuyen im Jahr 2006 zu einer der erfolgreichsten Newcomer-Autorinnen, die vor allem durch ihre Jugend Aufmerksamkeit erlangte. Mit „Nocturna – Die Nacht der gestohlenen Schatten“ verlässt sie zum ersten Mal die Gefilde der High Fantasy, denn der Roman entführt in ein Setting, das sehr stark an das zu Ende gehende viktorianische Zeitalter bis hin zur Belle Epoque erinnert.

Obwohl Apolonia Spiegelgold nach dem Tod der Mutter, dem Verlust der elterlichen Buchhandlung durch einen Brand und die Flucht ihres Vaters in den Wahnsinn vom Wohlwollen Verwandter abhängig ist, gehört sie noch zu den Privilegierten, die sich von einer Schar von Dienstboten umsorgen lassen können. Doch das Mädchen findet kein Vergnügen an diesem Leben. Mit ihrem Vater teilt sie die Liebe zu Büchern und vergräbt sich viel lieber in ihrem Zimmer um zu lesen, als sich zu seichten Vergnügungen verlocken zu lassen.

In ihr wühlt die Gewissheit, dass etwas in ihrer Umgebung ganz und gar nicht stimmt und sie dem auf den Grund gehen muss. Denn sie will einfach nicht glauben, dass ihr Vater den Brand gelegt hat, wie viele annehmen. Nicht zuletzt hat sie eine Gabe an sich entdeckt, die sonst keiner besitzt: Sie kann mit den Tieren sprechen. Und damit gehört sie zu den ‚Motten’, den Menschen, vor denen sich die Gesellschaft aufgrund ihrer Fähigkeiten fürchtet.

Der Botenjunge und Kleinganove Tigwid bringt sie schließlich auf den richtigen Weg, denn er scheint nach ihr gesucht zu haben. Durch ihn erfährt sie, welches dunkle und grausame Geheimnis hinter den schon über Jahre dauernden Entführungen von Kindern aus armen Verhältnissen steckt, von denen nur wenige wieder auftauchen, dann aber völlig verwirrt im Geist sind.

Eine Gruppe skrupelloser Männer raubt ihnen die Erinnerungen und schreibt sie in die so genannten Blutbücher, um Werke von magischer Schönheit und Tiefe zu schaffen. Auch Tigwid hat so seine Vergangenheit verloren. Apolonia ist der Schlüssel, um das Treiben der ‚Dichter’ zu beenden, aber noch ist sie skeptisch und weiß nicht, wie sie das anstellen soll.

Schon bald wird ihr Leben auf den Kopf gestellt, denn ihre ärgsten Feinde stehen ihr näher als sie denkt. Als sie schließlich zwischen die Fronten gerät und sich auf eine Seite stellen soll, hilft ihr die Freundschaft zu Tigwid und dem Vampirjungen Vampa, um die richtige Entscheidung zu treffen.

Mit „Nocturna – Die Nacht der gestohlenen Schatten“ weiß Jenny-Mai Nuyen mehrfach zu überraschen. Ihr gelingt es nicht nur, das relativ moderne Setting wesentlich lebendiger und atmosphärischer aufzubauen als die Hintergründe ihrer ersten Romane, auch die Handlung ist etwas komplexer als früher.

Die Geschehnisse reihen sich nicht mehr ganz so geradlinig ineinander – das, was passiert, scheint manchmal zunächst in keinen Zusammenhang zu stehen und fügt sich erst später sauber ineinander. Gerade zum Ende hin gelingt es ihr, mit einigen Wendungen zu verblüffen, auch wenn dennoch einige Fragen und Probleme offen bleiben und nicht weiter geklärt werden.

Man merkt deutlich, dass Jenny-Mai Nuyen dazu gelernt hat. Zwar bleiben die Charaktere, etwas distanzierter und oberflächlicher, aber das Mädchen Apolonia und ihr Freund Tigwid sind doch vielschichtiger als die Protagonisten ihrer früheren Romane. Die Nebenfiguren wirken weiterhin klischeehaft und manchmal sehr überzogen. Einzig der ‚Vampirjunge’ Vampa erhält etwas mehr Profil – aus gutem Grund, wie man im Verlauf der Handlung merkt.

Alles in allem präsentiert Jenny-Mai Nuyen mit „Nocturna“ einen in sich geschlossenen und durchweg spannenden Roman, durch den sie zeigt, dass sie sich nicht nur auf ihren Erfolgen ausruht, sondern sich auch an wesentlich vielschichtigere und komplexere Geschichten wagt und so durchaus einer gewissen Beachtung wert ist. (CS)

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