Rosa Luxemburg

Dietmar Dath:rosa
Rosa Luxemburg. Leben Werk Wirkung
Suhrkamp, 2010
Reihe Suhrkamp BasisBiographie sb 35


www.suhrkamp.de


Gelesen habe ich das Buch, weil es von Dietmar Dath geschrieben wurde. Zufällige Weise hat er sich in seiner biografischen Abhandlung einer Person gewidmet, der ich mich ebenfalls nicht verschließen kann, über die ich gerne mehr erfahren möchte.

Zufälliger Weise? Wahrscheinlich nicht, denn es ist kein Geheimnis, in welche politische Himmelsrichtung der Autor tendiert.

Insofern dürfte es auch keine Überraschung darstellen, wenn diese Biografie wohlwollend und sozusagen „Pro-Rosa“ ausfällt. Nichtsdestotrotz ist das Buch keine Lobhudelei, sondern zeigt auch Schwächen und Grenzen der bekannten und populären Protagonistin der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung auf.

Geschult in der DDR fühlte ich mich lange Zeit übersättigt von der Geschichte der Arbeiterbewegung. Aber schon damals galt: Je näher man sich mit der Materie beschäftigt, desto interessanter und vielseitiger ist sie. Als Schüler hing mir das Ganze bald zum Halse raus; auch wenn ich durchaus sehr geschichtlich interessiert war und auch in dieser Richtung mein Studium aufnahm. Doch erst während des Studiums konnte ich dem Stoff neue, interessante und spannende Seiten abgewinnen.

Doch klar ist, dass dieses Buch in der DDR so sicher nicht erschienen wäre – wobei, so eine Überlegung eher müßig ist. Aber leider waren ja auch Bücher westdeutscher Marxisten in der DDR eher rar gestreut.

Was bietet diese Buch?

Auf 150 kleinen Taschenbuch-Seiten findet der geneigte Leser eine Biografie Rosa Luxemburgs, eine Darstellung ihre Werk, wobei diese beiden Teile etwa gleichen Umfangs sind und eine kurze Darstellung ihrer Nachwirkung. Aber schon im übrigen Buch finden sich immer wieder Bezüge zur Gegenwart, was sehr erfrischend ist. Dath klärt einige Missverständnisse gerade auch der Linken seiner, unserer Zeit im Umgang mit dieser linken Ikone.

Für mich waren einige Aspekte auch tatsächlich neu und in der Darstellung Daths klar und prägnant. So macht Geschichte Spaß!

Für mich besonders interessant war die Darstellung ihrer Einschätzung Lenins und seiner strategischen Überlegungen; ihre Auseinandersetzung mit seinem Zentrismus.

Zu denken gab mir auch Daths Darstellung ihrer Haltung zum Internationalismus und entsprechende Kritik an nationalen Bewegungen („Sozialpatrioten“). Und er bietet Argumente gegen die Forderung nach staatlichen Kontrollmechanismen linker Befürworter etwa des Existenzgeldes (damit hat er sich schon in seinem Büchlein „Maschinenwinter“ befasst)

Besten Dank für diese Anregungen!

Sicher, man muss dieses Buch nicht lesen, wenn man ansonsten auch Dath-Fan ist, aber Fakt ist, dass man auch hier Diktion und Stil dieses deutschen Ausnahme-Schriftstellers sofort wieder erkennt, der sich nun eben auch einmal sehr unmittelbar mit einer seiner Ideenlieferanten auseinander setzte.

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