Schwarzes Gold – Commissaire Daquin 0 (bzw. 4)

Dominique Manotti
Schwarzes Gold
Commissaire Daquin 0 (bzw. 4)

Or noir, Frankreich, 2015
Argument Verlag, Hamburg, dt. Erstausgabe: 04/2016
HC im Taschenbuchformat mit Schutzumschlag, Ariadne Krimi 1213, 9783867542135, 380/1900
Aus dem Französischen von Iris Konopik
Titelgestaltung von Martin Grundmann unter Verwendung des Motivs „Ölleck“ von Manuela Heins, Fotolia.com
Autorenfoto von Les Petits Cestes Opale

www.argument.de

www.dominiquemanotti.com

www.martingrundmann.de

Schwarzes Gold

Obschon „Schwarzes Gold“ bereits der vierte in sich abgeschlossene Band der „Commissaire Daquin“-Serie ist, kann man ihn als die chronologische Nr. 0 bezeichnen, denn die Handlung spielt im Jahr 1973, nach Daquins Rückkehr aus dem Nahen Osten nach Marseille in Frankreich, quasi die Vorgeschichte der laufenden Reihe. Es folgen die Titel „Hartes Pflaster“, „Zügellos“ und „Abpfiff“.

Théodore Daquin hat seinen ihn zu sehr vereinnahmenden Lover verlassen und ist fest entschlossen, in seiner Heimat Frankreich als Polizist zu arbeiten. Kaum einer ist erfreut, dass ausgerechnet ein Pariser, der die Seilschaften in Marseille nicht kennt, die Ermittlungen in einem Fall führen soll, für dessen Lösung es lediglich ein kleines Zeitfenster gibt, da gewisse Kreise gar nicht wünschen, dass der oder die Schuldigen überführt werden.

Mit viel Feingespür gelingt es Daquin, die beiden Beamten, die ihm zugeteilt wurden, auf seine Seite zu ziehen, denn er ist offen für ihre Ratschläge und zollt ihren Leistungen Anerkennung. Infolgedessen und aufgrund seiner eigenen Verbindungen öffnen sich ihm weitere Türen, sodass er den gerissenen Mördern des Unternehmers Maxime Pieri, der nicht die einzige Leiche bleibt, schon bald auf der Spur ist.

Schließlich glaubt Daquin, die Geschichte entwirren zu können, doch die Personen, die hinter allem stecken, sind zu mächtig, haben Frankreich längst verlassen und sich auf diese Weise der Gerichtsbarkeit entzogen.

Wie man es von Dominique Manotti gewohnt ist, legt sie großen Wert auf den historischen Hintergrund, vor dem der Kriminalfall abläuft. Der Titel deutet es schon an: Es geht um Öl – genauer: um Marktmanipulationen im Vorfeld der Ölkrise. Diejenigen, die ihre Finger im Spiel haben, scheuen nicht vor Mord an Mitarbeitern und Mitwissern zurück, die ihnen gefährlich werden oder der Gewinnoptimierung im Weg stehen könnten.

Daquin ist mehrmals ganz dicht an den Zielpersonen dran, ohne es zu wissen, doch er folgt den Regeln, um die Täter durch eindeutige Beweise – vielleicht – überführen und festnehmen zu können, wobei er diese Regeln großzügig auslegt, denn oftmals kommt auch die Polizei nur durch Bestechung, Erpressung und Drohungen weiter.

Insbesondere der mysteriöse Pieri interessiert Daquin. Es gelingt ihm, einige Informationen auszugraben, nicht aber, den Mensch, der hinter dem Namen steckt, zu erfassen. Gleichzeitig fühlt er sich ihm nah und vermutet, dass sie sich viel zu sagen gehabt hätten. Und dann ist es sogar der Tote selbst, der einen entscheidenden Hinweis liefert, welcher Daquin hilft, die letzten Puzzlestücke an die richtigen Stellen zu legen.

So nüchtern, wie die Autorin das Buch aufgebaut hat, so nüchtern endet es. Ganz wie in der Realität gibt es kein echtes Happy End, denn die Haie schwimmen stets davon, nachdem sie die kleinen Fischlein geopfert haben (die jüngste Politik in Deutschland kennt so manches entsprechende Beispiel, demnach ein hochrangiger Politiker lediglich eine Geldstrafe zahlen muss, um der Verurteilung zu entkommen, und schon wenig später sorgen seine Parteifreunde dafür, dass er wieder zu Amt und Würde gelangt, wohingegen der normale Bürger mit großer Wahrscheinlichkeit für das gleiche Vergehen weitaus härter bestraft worden wäre).

Einige Zeilen werden dem Liebesleben von Daquin und anderen gewidmet, allerdings nur im Rahmen dessen, was nachvollziehbar ist, ohne das es den Krimi verwässert, aber auch als Mittel zum Zweck, um Informationen zu erhalten. Daquin schätzt Männer und muss diskret sein, denn Homosexualität ist in den 1970er Jahren verpönt (trotz ihrer Legalisierung in Frankreich bereits im Jahr 1791, in Deutschland erst 1969!). In Details wird nicht gegangen, denn das würde nicht zu der geradlinigen Handlung passen.

Die Autorin bedient sich kurzer Sätze sowie der Aufzählung, ihre Sprache ist schnörkellos, wodurch die Nüchternheit der Story unterstrichen wird. In den verschiedenen Kapiteln schildert sie die Geschehnisse aus der Sicht der jeweiligen Akteuren, wobei sie – was bei anderen wie ein Stilbruch wirken würde – durchaus auch innerhalb eines Kapitels zwischen mehreren Personen hin und her springt. So vermittelt sie dem Leser umgehend die Motive der Beteiligten, was an späterer Stelle unpassend und wie nachträglich eingefügt erscheinen würde. Infolgedessen ist der Leser stets mit dabei und auf dem aktuellen Stand; er weiß mehr als die Ermittler, deren Bemühungen er gebannt verfolgt.

So ist auch „Schwarzes Gold“ wieder ein ‚typischer Manotti‘, der jeden Leser, der mehr als nur einen Spannungslektüre sucht, von der ersten bis zur letzten Seite in den Bann zieht – wieder ein Highlight des Argument Verlags.

Copyright © 2016 by Irene Salzmann (IS)

Titel bei Amazon.de
Titel bei Buch24.de
Titel bei eBook.de
Titel bei Booklooker.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.