Sherlock Holmes und die Farben des Verbrechens

Rolf Krohn:

Sherlock Holmes und die Farben des Verbrechens

 

Windeck: Blitz- Verlag 2017.

174 Seiten. 12,95 Euro.

Umschlaggestaltung: Mark Freier.

(Als Printversion nur über den Verlag zu beziehen; keine ISBN; auch als E-Book und Hörbuch erhältlich)

von Gunther BarnewaldB01LZYKQ0M

Rolf Krohn ist wahrscheinlich der letzte noch lebende Phantastikautor der DDR, der heute immer noch relativ regelmäßig Geschichten publiziert (meist in Form von Storybänden).

Krohn, wegen seines leichten und phasenweise poetischen Stils manchmal an Ray Bradbury erinnernd, legt mit dem vorliegenden Band (der nur über den Verlag als gedruckte Version für 12,95 zu beziehen ist, ansonsten als E-Book oder Hörbuch angeboten wird) vier wunderbar authentisch wirkende Sherlock Holmes Geschichten vor, die vor allem jene Zeit beleuchten sollen, in welcher der berühmte Detektiv tot gewähnt worden war, nachdem er mit seinem Erzfeind Moriarty den Reichenbach-Wasserfall heruntergestürzt war.

Wie Kenner wissen, entschloss sich der überdrüssige Autor Arthur Conan Doyle damals, seinen Helden sterben zu lassen, knickte aber nach vehementen Leserprotesten wieder ein und belebte die literarische Figur nach einiger Zeit neu und ließ Holmes wieder auferstehen.

Krohn zeigt nun seinerseits, zu welchen Reisen der berühmte Detektiv die Zeit, in der er als verstorben galt, nutzte.

So bereiste er Deutschland (Halle an der Saale und Dresden) und auch Österreich (Salzburg).

Doch zuerst erzählt der Autor in “Das blaue Licht” von einer Begebenheit, welche angeblich erklären könnte, warum Holmes dem Kokain verfiel, denn bei der Aufklärung eines Bankraubs auf der Britischen Insel wird Holmes mit einem seltsamen, altertümlichen technischen Gerät konfrontiert, welches aus der Zeit uralter Götter zu stammen scheint. Und während Arthur Machen und H. P. Lovecraft fleißig grüßen (oder Dank Krohn hier eine Hommage erfahren), gelingt Holmes mit seinem Helfer nur mühevoll die Flucht vor der explosiven Zerstörung der mysteriösen Maschine…

“Der rote Edelstein” zeigt, wie Holmes den Dieb eines wertvollen roten Diamanten entlarvt. Dieser Fall trägt sich in der Heimatstadt des Autors Rolf Krohn (Halle an der Saale) zu. Getarnt als Musiker aus Norwegen (welches damals noch zu Schweden gehörte), erschleicht sich Holmes jedoch das Vertrauen des Diebs und kann ihn überrumpeln…

In “Der grüne Dunst” werden Holmes und ein junger Dresdener Student, der aus Leipzig stammt, nach dem Besuch des Grünen Gewölbes in Dresden festgenommen, da ein Wachmann tot in der Ausstellung liegt und einige Pretiosen durch Fälschungen ersetzt worden waren. Der Student und der angebliche norwegischen Geiger werden zuerst selbst verdächtigt, den Diebstahl durchgeführt zu haben. Doch Holmes Fähigkeiten lassen den wahren Tathergang, so kurios dieser auch erscheint, bald offensichtlich werden…

Zuletzt darf der Leser noch in “Der gelbe Tropfen” in der beschaulichen Opernatmosphäre von Salzburg schwelgen. Vor allem gibt es jedoch ein Wiedersehen mit Holmes großer Liebe Irene Adler, der einzigen Frau, die Holmes jemals ebenbürtig war. Diese ist als große Sängerin in Salzburg engagiert worden, zwar nur für kurze Zeit, wird hier jedoch fast von einem Meuchelmörder getötet. Nur ihr Geschick im Umgang mit Waffen rettet sie. Holmes gelingt es, unterstützt von Adler, die wahren Hintergründe des Falles offenzulegen und einen Hochverrat in höchsten Adelskreisen aufzudecken…

Alle vier Erzählungen (alle zwischen 30 und 55 Seiten lang, so dass die kleine Druckversion immerhin auf 174 Seiten kommt) sind vergnüglich zu lesen, bestechen durch gefälligen Stil und des Autors fabelhaftes Gespür für die spezielle Atmosphäre der Geschichten um Sherlock Holmes.

Schön, dass der große Detektiv auch dereinst seinen Weg nach Deutschland fand, dass er sich sogar einmal des Grüne Gewölbe anschaute. Begebenheiten, die der ursprüngliche Autor Dr. Watson natürlich nicht erzählen konnte, das er den angeblich toten Holmes ja nicht begleiten konnte, selbst dachte, der Meister sei zusammen mit Moriarty umgekommen. Wie gut, dass es Rolf Krohn gibt, denn so erfahren wir mehr über den berühmten Sherlock Holmes, zumal auch die hiesigen vier Erzähler zum Glück dem guten Dr. Watson in puncto Erzählkunst in nichts nachstehen.

Copyright © 2017 by Gunther Barnewald

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