Sleeper 4 – Das lange Erwachen

sleeper1Sleeper 4:  Das lange Erwachen
von Ed Brubaker (Text) und Sean Phillips (Zeichnungen)
A5,  Hardcover, vierfarbig, 144 Seiten
DC Comics 2005, dt. Ausgabe bei Cross Cult, 2009
ISBN 978-3-936480-74-0

www.cross-cult.de

Nach vier Bänden ist die Serie abgeschlossen. Damit dürfte dieses Werk also überschaubar sein und auch für Leute, die nicht unbedingt auf Endlosserien stehen, interessant sein.

In insgesamt 24 Kapiteln erzählt der bekannte Comic-Autor Es Brubaker und „sein“ Zeichner Sean Philips eine sehr seltsame Geschichte. Die Geschichte lässt sich kaum in ein gängiges Genre einordnen, d.h., seitdem es WATCHMEN gibt, vielleicht doch. Diese „grafische Novelle“ erinnert ihrem Wesen nach sehr an eine Mischung aus WATCHMEN und SIN CITY. Ich habe selten eine so düstere Story gelesen.

Die Düsterkeit kommt nicht nur aus dem Inhalt, sondern primär aus der einfach nur dunklen Farbgebung. In diesem letzten Band gibt es nur gnz, ganz zum Schluss eine Aufhellung: Sznen am Strand einer Urlaubs-Insel. Aber auch das entpuppt sich als Illusion, als Koma-Traum.

Hier wird nun die Geschichte um den Doppelagenten und Freak (man könnte auch Superheld sagen) Holden Carver zu Ende gebracht. Man darf raten, ob das Ganze gut ausgeht…

Die Welt ist seltsam. Ähnlich wie bei WATCHMEN gibt es besonders begabte Menschen, deren Fähigkeiten man auch als Superkräfte bezeichnen kann. Sie kleiden sich auch mitunter so zirkusartig wie man das von Superhelden gewöhnt ist, aber nicht immer; meistens sehen sie halt wie geheime Staatsbeamte oder Gangster wie du und ich aus…

Da gibt es z.B. Tripple-X-Ray, der kann Personen durch Wände hindurch aufspüren, ist aber ansonsten eher harmlos. Dann natürlich Gedankenleser; Holden selbst hat nach einem Kontakt mit einem außerirdischen Artefakt die Fähigkeit, keine Schmerzen mehr empfinden zu müssen, kann diese aber wie eine Batterie speichern und explosionsartig an einen Gegner abgeben, der unter diesem überwältigenden Eindruck stirbt.

Holden ist ja als Regierungs-Geheimagent in eine Verbrecherorganisation des Genies Tao eingeschleust worden; agiert nun sozusagen für beide geheimen Organisationen. Moral, ethische Fragen sind völlig außen vor. Er hat mir Monstren zu tun, arbeiten mit ihnen zusammen, gegen sie. Anders als Bei James Bond hat man hier überhaupt keinen Sinn für eine „gerechte Sache“ oder dergleichen. Damit wird dieser Geheimkrieg ad absurdum geführt.

Besonders seine Mitstreiterin Miss Misery ist eine wahre Ausgeburt der Hölle, die ihre Kraft aus dem Leiden und Sterben ihrer wahllosen Opfer zieht. Der Spaß am Quälen und Töten hat für sie essentiellen Sinn und ist für ihre Umwelt eine Plage ohnegleichen.

Unser Anti-Held zeigt aber in diesem Band auch Nerven. Da wird von seinem persönlichen Lieblingsfeind Tripple-X-Ray einfach so getötet. Dieser Akt sinnloser Mordlust hat nur den einen Zweck, Holden zu ärgern. Der springt auch glatt darauf an.

Wie die Story nun ausgeht, darf natürlich nicht verraten werden. Allerdings darf ich soviel sagen, dass das Ende genauso verrückt ist, wie die übrige Story; aber wahrscheinlich den Leser am Ende etwas enttäuscht, je nach der Erwartungshaltung, mit der man an die Lektüre geht…

Neben der Story ist die grafische Umsetzung für eine graphic novel on entscheidender Bedeutung.

Nun, ich denke der nüchterne, realistische Stil der Zeichnungen ist dem Stoff angemessen.

Zum einen wird sehr realistische (grafisch) erzählt; die Bilder sind quasi fotorealistische, aber so, als wären Fotos mit starken Kontrastfiltern nachbearbeitet worden.

Die Erdzählweise ist sehr dialoglastig. Damit ergeben sich oft lange Folgen aus kleinen ähnlichen Bildern mit viel Text. Hier störte mich wie so oft bei dem Format, dass die umfangreichen Textblasen grenzwertig klein sind; ist wohl mehr für ein junges Publikum gedacht das Ganze…

Was für meine Begriffe auch etwas das Lesen+Ansehen behindert, ist die die gleichförmig dunkle Gestaltungsweise, die hier natürlich zum Hauptinhalt der gesamten Story wurde. Aber sie lässt mitunter eine schnelle Differenzierung der Figuren nicht zu – insbesondere bei den Frauengestalten ist es mir aufgefallen.

Insgesamt macht SLEEPER einen bleibenden Eindruck, der den Leser deprimiert zurück lässt; harter Tobak!

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