Genetica

Lewis Feynman
Genetica

Shaker Media, Aachen, 05/2009
TB, Thriller, 9783868582147, 320/995
Titelgestaltung von N. N.

www.shaker-media.de

www.lewis-feynman.com

GENETICA

Jason Steinberg gehört zu jenen erlauchten Doktoranden, die ihre Dissertation in Princeton bei dem namhaften Molekularbiologen Professor Richard D. Price schreiben dürfen. Nach und nach erfährt er, woran sein Doktorvater und die beiden anderen Doktoranden Walter Bishop und Michael Woodward unter strikter Schweigepflicht arbeiten: an einer Möglichkeit, Leben zu verlängern. Sie sind mit ihren Forschungen sogar erheblich weiter, als Jason in seinen kühnsten Träumen angenommen hätte. Er ist fasziniert, gleichzeitig aber auch voller Skepsis, ob die Wissenschaft wirklich alles darf, ohne dass jemand Grenzen setzt.

Überraschend wird Price ermordet in seiner Wohnung aufgefunden. Erst stellt die Polizei, dann das FBI Nachforschungen an, denn es gab einen weiteren Todesfall, und zwischen beiden besteht eine Verbindung. Als Michael seine Emails abruft, entdeckt er eine codierte Nachricht von Price, von der er glaubt, dass sie die Antwort auf die Frage enthält, warum zwei Männer sterben mussten. Prompt jagt nun das FBI die drei Doktoranden, doch auch andere sind hinter ihnen her – und hinter Price‘ Vermächtnis.

Eine kurze Notiz gibt Auskunft darüber, dass Lewis Feynman promovierter Naturwissenschaftler ist, aber es vorzog, eine Karriere als Schriftsteller anzustreben, statt in die Forschung zu gehen oder zu lehren. Recherchiert man ihn im Internet, stößt man auf seine Homepage und erfährt weiter, dass „Genetica“ sein Debütroman ist und er an einem neuen Projekt arbeitet.

Nun, für ein Erstlingswerk kann man „Genetica“ als außerordentlich gelungen bezeichnen. Der Roman ist spannend, die Hauptfiguren sind – fast schon zu – sympathisch und binnen kürzester Zeit beste Freunde und Vertraute, und dank eines Netzwerks an Beziehungen finden Jason, Walter und Michael relativ problemlos jedes Puzzlestück, das zur Enträtselung des Falls notwendig ist. Damit das Ganze dann doch nicht zu glatt und unrealistisch abläuft, gibt es Verfolgungsjagden und einen weiteren Toten, diesmal unter jenen, die wissen wollen, warum Price sterben musste.

Die Handlung siedelt der Autor in dem für ihn vertrauten Milieu der Forschung an, ein Setting, das sich schon lang einer großen Beliebtheit erfreut, im Prinzip auf Mary Shelleys „Frankenstein“ zurückgeht. Stellenweise sehr ausführlich wird die Arbeit von Price und seinen Doktoranden erläutert, dass Für und Wider ihrer Experimente den Protagonisten in den Mund gelegt. Hier spürt man richtig Lewis Feynmans Begeisterung für die Thematik, und man erkennt natürlich auch sein tiefes Hintergrundwissen. Dabei schafft er es, die komplizierte Balance zu wahren zwischen seinem Bedürfnis, über die nützlichen und kritikwürdigen Aspekte der Genmanipulation zu referieren, und dem, was für die Story bzw. für das Verständnis des Lesers wichtig ist.

Neben der dramatischen Haupthandlung entwickelt sich eine kleine Romanze, die weniger dazu dient, dass die Geschehnisse aufgelockert werden, sondern vor allem einen Teil dazu beiträgt, dass Jason, der die Nachforschungen auch dann nicht abbricht, als es für ihn und andere immer gefährlicher wird, den Verfolgern immer wieder ein Schnippchen schlagen kann und Informationen erhält, die nur wenigen zugänglich sind. Durch die plausibel erklärte Hilfsbereitschaft der Studentin Kate Bromfield und weiterer Unterstützer umgeht der Autor Auftritte von deus ex machina.

Lewis Feynman schreibt flüssig und unterhaltsam, sodass man seine Figuren vor dem Hintergrund eines umstrittenen Themas gern auf der Suche nach der Wahrheit begleitet. Er überlässt es den Lesern zu entscheiden, ob der Segen, den die Forschung darstellen kann, alle fragwürdigen Experimente heiligt, oder ob die Wissenschaftler sich selbst nach ethischen Prinzipien Grenzen setzen sollten. Mitunter wirken die Charaktere etwas zu glatt, spult sich die Handlung zu problemlos ab, doch insgesamt hat man viel Spaß an dem packenden Thriller.

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