Theomachie

Jakub Wasilewski, Adam Kwapinski, Tomasz Bylina
Theomachie

(sfbentry)

Spieler: 2-4
Alter: Ab 10 Jahre
Spieldauer: ca. 30 bis 75 Minuten
Autoren: Jakub Wasilewski, Adam Kwapinski, Tomasz Bylina
Verlag: Historical Games Factory
Sprache: Deutsch

Inhalt des Spiels:
24 Elementkarten
120 Gebetskarten
20 Mythenkarten aus 4 Mythologien
12 Gottheitenkarten
4 Verzweiflungskarten
4 Übersichtskarten
95 Geistlichenmarker
12 Siegmarker
13 Wundmarker
1 Spielanleitung

Prometheus Games: http://www.prometheusgames.de/

“Theomachie” ist ein Kartenspiel von polnischen Machern (Historical Games Factory), das durch ein sogenanntes Crowdfundig realisiert wurde. Grob gesagt bittet dabei jemand mit einer Idee die Spielergemeinde um Geld, als Gegenleistung gibt es dafür später das Produkt. Allerdings ohne Garantie. Somit sind die Geldgeber an sich Risikoinvestoren, jedoch ohne Gewinnbeteiligung. So ähnlich ist auch die Finanzierung von “Theomachie” zustande gekommen. Und am Ende ist ein schönes Kartenspiel entstanden, dass, unter der Verlagsflagge von Prometheus Games, auch für die deutsche Spielergemeinde zur Verfügung steht.

Im Spiel geht es darum, dass zwei bis vier Spieler in die Rolle von altertümlichen Gottheiten schlüpfen (Odin, Thor, Loki, Ishtar, Tiamat, Marduk, Poseidon, Ares, Morrigan, Cernunnos, Danu und Athene) und ihre Priesterschaft um Gläubige kämpfen lassen. Ziel des Spiels ist es den Mitspielern alle Geistlichen (Propheten, Priester, Gläubige) zu rauben und deren Gottheiten somit zu vergessenen Göttern zu degradieren.

Das klingt schon mal sehr spannend und zeigt an, dass es hier um Konflikte geht. Kein Kuscheln mit den lieben Mitspielern, sondern eiskaltes Gegeneinander. Um das zu bewerkstelligen, bedient sich “Theomachie” an der Pokervariante Texas Hold’em. Somit liegt in Grundzüge bereits ein funktionierender und spannender Mechanismus vor, der Bieten und Bluffen beinhaltet. Stellt sich die Frage, wie gut die Autoren Jakub Wasilewski, Adam Kwapinski und Tomasz Bylina die Pokervariante adaptieren.

Eine Runde Theomachie läuft so ab, dass die Spieler ihre Handkarten ziehen und auf den Tisch Gemeinschaftskarten legen. Zu Beginn der Runde sind nur drei dieser Gemeinschaftskarten einsehbar. Sie bestehen übrigens aus Elementkarten, die unterschiedliche Sphären darstellen. Zusätzlich sind die Elemente noch mit schwarzen oder weißen Markierungen versehen, um Ordnung und Chaos zu symbolisieren.

Während der Runde (die aus drei Bietrunden besteht) werde Wetteinsätze in Form von Geistlichen getätigt. Die Spieler können, ähnlich wie beim Pokern, mitgehen, aussteigen oder erhöhen. Und es ist sogar möglich Effekte auszuspielen. Dazu müssen aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.

Sind nach dem Bieten mindestens zwei Spieler übrig, müssen diese gegeneinander “kämpfen”. Der Gewinner bekommt neue Geistliche, die Besiegten verlieren ihren Einsatz. Ist die Runde beendet, dann können für die nächste Runde neue Gebete und Mythen gekauft werden, bevor alles von vorne losgeht. Das Spiel endet erst, sobald nur noch ein Spieler über Geistliche verfügt. So läuft, kurz erklärt, eine Partie “Theomachie” ab.

Die Regeln sind an sich am Tisch auch schnell erklärt und nachvollziehbar. Allerdings sollte man sich das Spiel von einem erfahrenen Spieler zeigen lassen, denn die Anleitung ist einfach schlecht geschrieben. Es dauert seine Zeit, bis man versteht wie alles genau funktioniert. Zusätzlich gibt es im Regelheft noch einige Fehler und einige Stellen lassen unterschiedliche Interpretationen zu. Bis die Sache am Ende rund läuft, das kann dann schon etwas dauern und für Frust sorgen. Sobald die Hürde namens “Anleitung” aber genommen wurde, macht das Spielsystem richtig Spaß. Jedenfalls für Spieler, die mit Poker und seinen Eigenheiten etwas anfangen können.

Das Spiel richtet sich eindeutig an erfahrene Spieler, die eine ordentliche Portion Zufall in ihren Spielen mögen. Der Glücksfaktor in “Theomachie” ist noch um einiges größer als in “Texas Hold’em”, da mehr Karten und Effekte im Spiel sind. Dadurch ist zwar jede Runde anders und kaum vorhersehbar, aber schlussendlich können vor allem Strategen wenig mit dem System anfangen. Trotz Risikomanagement handelt es sich halt um ein Glücksspiel. Gelegenheitsspieler werden dagegen ihre Probleme mit der Anleitung, aber auch mit der trockenen Aufmachung haben.

“Theomachie” ist auf den ersten Blick nett anzusehen, aber im Grunde ein sehr düsteres Spiel. Alles ist in dunklen Tönen gehalten. Das drückt auch die Stimmung bei den Illustrationen. Die sind zwar durchweg ansehnlich und wissen zu gefallen, aber weitgehend ist es halt dunkel auf dunkel. Das wäre noch in Ordnung, wären die Karten an sich nicht so trocken und eintönig gestaltet. Sie beinhalten neben den Illustrationen nur Regelelemente. Also Symbole und Regeltexte. Es gibt keinen Hintergrundtext (auch “Flufftext” genannt), der für Atmosphäre sorgt und vor dem inneren Auge eine lebendige Spielwelt aufbaut. Das ist sehr Schade, denn es wäre genug Platz für solche Texte gewesen.

Das Spielmaterial sieht an sich schick aus und ist auch gut gefertigt. Es gibt sehr viele Karten und Marker. Letztere müssen noch herausgedrückt werden. Ärgerlich ist allerdings, dass es in der Schachtel keine Raumtrenner oder wenigstens ein paar Plastikbeutel gibt. Dadurch fliegt alles in der Schachtel herum. Hier ist angeraten, sich im Vorfeld mit Zippobeuteln einzudecken. Desweiteren ist die Verpackung größer, als sie eigentlich sein muss. Eine kleinere Schachtel und das Spiel wäre toll als Mitnehmespiel geeignet.

“Theomachie” macht unter dem Strich großen Spaß, vorausgesetzt man kann mit dieser Art von Spiel etwas anfangen. Am besten ist es, irgendwo zwei oder drei Partien bei jemandem Probe zu spielen. Dann lernt man auch sofort die Regeln und muss sich nicht mit der Anleitung abmühen.

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