Todesfalle Campus – Steinbacher & Hollermann 4

Dagmar Isabell Schmidbauer
Todesfalle Campus
Steinbacher & Hollermann 4

Edition Renumero, Passau, 03/2016
TB, Passau-Krimi, 9783943395037, 392/1280
Titelgestaltung von Christine Fuchs, Freyung unter Verwendung eines Fotos von sakkmesterke/fotolia und
Joyce van Stan/fotolia

www.renumero.de

www.der-Passau-Krimi.de

www.dagmar–schmidbauer.de

Todesfalle Campus

Auf dem Campus der Uni Passau wird die attraktive Studentin Vanessa Auerbach auf grausamste Weise ermordet aufgefunden. Die Kommissare Franziska Steinbacher und Hannes Hollermann sowie ihre Kollegen, die schon viel Schlimmes gesehen haben, sind zu tiefst erschüttert. Angeblich hat niemand etwas gehört oder beobachtet, obwohl in der Mordnacht auf dem Gelände gefeiert wurde, und es schaut ganz so aus, als habe die junge Frau ihren Mörder sogar erwartet.

Schon bald stoßen die Ermittler auf einen Verdächtigen: Tom Seibert. Stephanie Mittermeier, eine Freundin von Vanessa, belastet ihn, denn er soll zuvor schon eine andere Studentin vergewaltigt haben, wurde jedoch mangels Beweisen freigesprochen. Sehr zum Ärger der Polizei gibt Steffie ihr Wissen an die Presse weiter. Prompt taucht Tom, der zum DNA-Test bestellt wurde, unter. Kurz darauf sind auch Steffie und das Opfer Sandra Haider nicht mehr auffindbar.

Eine neue Spur führt zu einem Internet-Café, von dem aus die Einladung zu dem verhängnisvollen Stelldichein mit Vanessa verschickt wurde – und mehr als das. Aber auch die Entdeckung einer Gruppe um die engagierte Carola Weibl, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen zu helfen, die von Männern schikaniert werden, indem sie die Täter in der Öffentlichkeit bloßstellen, erweist sich als Sackgasse. Zwar geben die Beteiligten zu, Vanessa, die anderen die Freunde auszuspannen beliebte, in eine Falle gelockt zu haben, um sie durch kompromittierende Fotos zu bestrafen, doch zum Zeitpunkt des Mordes waren die Aktivistinnen bereits fort.

Der nächste Tipp lenkt den Fokus der Beamten auf einen der Professoren, der ein Verhältnis mit Vanessa gehabt hatte. Pikanterweise besuchte Franziska vor einigen Jahren die Vorlesungen des peniblen Klaus Markwart, und ihr Chef, Hauptkommissar Josef Schneidlinger, ist mit dem Verdächtigen und dessen Frau Christiane gut befreundet. Diese verhilft ihrem Mann zu einem Alibi, obwohl sie von seinen Affären weiß und alles andere als glücklich in ihrer Ehe ist.

Dann wird eine weitere Tote entdeckt. Einige junge Frauen melden sich, die vor dem Beginn der Mord-Serie von möglicherweise demselben Täter bedroht wurden. Ein Profiler-Team aus München rückt zur Unterstützung an und will, dass der Fall ganz anders angegangen wird. Die Presse und Schneidlingers Vorgesetze fordern endlich Resultate … Und die ganze Situation spitzt sich auf völlig unerwartete – und für Schneidlinger sehr persönliche – Weise zu.

Todesfalle Campus“ ist nach „Marionette des Teufels“, „Der Tote vom Oberhaus“ und „Und dann kam das Wasser“ der vierte in sich abgeschlossene Passau- bzw. „Steinbacher & Hollermann“-Krimi von Dagmar Isabell Schmidbauer. Wie man es bereits von ihr gewohnt ist, siedelt sie ihre spannende Handlung vor einer realen, nachprüfbaren Kulisse an und bindet aktuelles Zeitgeschehen ein.

Diesmal ist es die sogenannte „Flüchtlingskrise“, die seit gut einem Jahr die Menschen beschäftigt. Die Autorin vermeidet allerdings klugerweise, dem Thema mehr Raum zu geben, als unbedingt notwendig, denn es ist für die Geschehnisse nicht relevant. Auch widersteht sie der Versuchung, ihre eigene Meinung einfließen zu lassen, denn ein Shitstorm wäre ihr dann sicher; ganz egal, ob sie sich den sogenannten „Gutmenschen“ anschließen würde, die der Meinung sind, „dass das reiche Deutschland jeden, der hierher kommt, aufnehmen kann, es wegen seiner Geschichte auch sollte, und dass sich die Einheimischen den Lebensgewohnheiten der Neubürger anpassen müssen, um deren (religiöse) Gefühle nicht zu verletzen“; oder ob sie sich zu den sogenannten „Dunkeldeutschen“ bekennt, „die es richtig finden, politisch Verfolgten Asyl und Kriegsflüchtlingen eine temporäre Bleibe zu gewähren, aber nicht wünschen, dass jeder Wirtschaftsmigrant und überführte Straftäter von einem Sozialsystem profitiert, das bei steigenden Abgaben die Leistungen für Einheimischen immer mehr reduziert, und die erwarten, dass die Gäste/Einwanderer die Gesetze und gesellschaftlichen Regeln respektieren und sich integrieren wollen“.

Tatsächlich gelingt es der Autorin, die Fallstricke geschickt zu umgehen und bei einigen nüchternen Sätzen zu bleiben, welche die Situation in Passau treffend beschreiben und in denen einerseits das Engagement der ehrenamtlichen und freiwilligen Helfer gewürdigt wird, die den Kriegsflüchtlingen das Gefühl vermitteln wollen, dass sie hier in Sicherheit sind, die andererseits aber auch kritisieren, dass sich der jahrelange Personalabbau bei der Polizei nun rächt, da die Beamten zur Bewältigung dieser neuen Aufgaben herangezogen werden und in Konsequenz ihre eigentliche Arbeit, die Verbrechensbekämpfung, bloß noch eingeschränkt erledigen können, sodass bei sogenannten „Bagatelldelikten“ gar nicht mehr ermittelt wird.

Ebenfalls nur am Rande erwähnt werden die persönlichen Beziehungen der Hauptfiguren Franziska Steinbacher und Hannes Hollermann mit ihren jeweiligen Partnern, weil dieser Aspekt gleichfalls nichts zur Handlung beiträgt und ein Zuviel an Romantik den Krimi verwässern würde. Weit mehr im Fokus stehen die sich entwickelnde Freundschaft von Josef Schneidlinger und einer Studentin, die Konflikte des Ehepaars Markwart und die Bedürfnisse des lange namenlos bleibenden Täters, dessen Identität und seine Motivation erst am Ende enthüllt werden.

Auch das ist charakteristisch für die Romane von Dagmar Isabell Schmidbauer: Ihre Polizisten ermitteln in alle Richtungen, folgen Spuren, die sich als Sackgasse erweisen, finden aus dieser dank neuer Hinweise wieder heraus, kommen dem Gesuchten, ohne es zu ahnen, sehr nahe und fügen erst am Schluss die wichtigsten Puzzleteile an die richtigen Stellen, was zur Ergreifung des Verbrechers führt.

Im Rahmen dieses Handlungsverlaufs begegnen die wiederkehrenden Protagonisten allerlei schrulligen Personen, die ihnen im Wechsel die Arbeit schwer machen oder durch ihr Wissen die Untersuchung voranbringen. Die kleinen Details werden wohl dosiert eingesetzt, um den Figuren Individualität und Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Meist werden die Geschehnisse aus der Sicht von Franziska Steinbacher geschildert; selten wechselt die Perspektive zu anderen Charakteren, hier insbesondere zu jenen, die mehr über die Morde wissen, als sie zugeben, zum Täter sowie zu Josef Schneidlinger, den der Fall persönlich betrifft. Auf diese Weise werden wichtige Fakten frühzeitig und ganz nebenbei eingebunden, die später zur logischen Auflösung beitragen, und Schneidlinger, der noch nicht lang in Passau ist, wirkt dadurch menschlicher und endlich wie ein Teil des Teams.

Nach einer langen und doch kurzweiligen Schnitzeljagd wird der Mörder gefasst. Wieder schafft es die Autorin, nicht zu urteilen und dies dem Leser zu überlassen. Weder stellt sie den Täter als bösartigen Psychopathen hin, noch entschuldigt sie seine Vergehen durch seine traumatische Kindheit. Es sind nüchterne Fakten, die eine Erklärung zu liefern versuchen, weshalb ein Mensch sich zu solchen Grausamkeiten hat hinreißen lassen können.

Fasziniert folgt man der Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite, da man unbedingt wissen möchte, wer warum hinter den Morden steckt und ob weitere Untaten verhindert werden können. Die Protagonisten erfüllen vor einer realen Kulisse ihre Rollen auf überzeugende Weise, sind sympathisch, neutral oder eher unsympathisch, wie es gerade passt. Man kann sich in seiner Fantasie jede Figur problemlos vorstellen. Von daher werden sich die Freunde des Krimis mit Lokalkolorit von „Todesfalle Campus“ bestens unterhalten fühlen.

Die Gestaltung des Titels mit einem Fotomotiv und leuchtendem Foliendruck, diesmal in Grün, sorgen für ein schnelles Wiedererkennen der Reihe.

Übrigens würde sich die „Steinbacher & Hollermann“-Krimis auch für eine Verfilmung sehr gut eignen – wie z. B. auch der „Kluftinger“ von Michael Kobr und Volker Klüpfel oder die Fälle des „Franz Eberhofer“ von Rita Falk.

Todesfalle Campus“ ist ein packender Krimi, der nicht nur den Passau-Kennern und Bayern unter den Genre-Fans einige kurzweilige Lesestunden bescheren wird. Ein Top-Titel!

Copyright © 2016 by Irene Salzmann (IS)

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Author. Old School Writer

Author. Old School Writer

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