Vom Staupenschlag zum Henkerstrick – Authentische Wildererfälle aus preußischen Archiven

vom-staupenschlag-zum-henkerstrick-e28093-authentische-wildererfalle-aus-preusischen-archivenHelmut Suter
Vom Staupenschlag zum Henkerstrick – Authentische Wildererfälle aus preußischen Archiven

Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen, 10/2006
HC, Sachbuch, Geschichte, Gesellschaft, Politik, Jagdwesen
ISBN 9783788810993
Titelbild und Fotos aus diversen Archiven u. a. dem des Autors

www.neumann-neudamm.de

Die Heimatfilme und –dramen der Nachkriegszeit haben wohl das Bild der Wilderer als gewissenlose Schurken oder tragische Figuren am deutlichsten geprägt und ein romantisch-verklärtes Bild in den Köpfen der Menschen geschaffen, das mit der historischen Wirklichkeit im Grunde nur wenig zu tun hat. Helmut Suter versucht mit seinem Buch „Vom Staupenschlag zum Henkerstrick“ nun, diese Vorstellungen aufzuweichen und das vorzustellen, was wirklich geschehen ist. Anhand von Archivaufzeichnungen aus der Mark Brandenburg zeigt er, wie unterschiedlich die Vorgehensweisen und Motive der Wilderer waren (sind) und dass im Grunde kein Fall wie der andere ist und man so gut wie keine Kategorien schaffen kann.

Zunächst geht er der Frage nach, was Wilderei überhaupt ist. Wie und vor allem wann kam es dazu, dass das Wild nur noch von einer bestimmten Gruppe von Menschen gejagt werden sollte? Warum haben sich Bauern und einfache Leute doch darüber hinweg gesetzt? Wollten sie wirklich nur ihre Felder und ihr Vieh beschützen? Haben sie es aus reinem Hunger geschlossen, um endlich wieder Nahrung im Kochtopf zu haben, wenn die Ernten schlecht waren? Oder stecken dahinter sogar eine Art organisiertes Verbrechen und professionelle Diebe, die das irgendwann im Mittelalter eingeführte und später immer mehr verschärfte Vorrecht des Adels wissentlich brachen, weil sie ihre Abnehmer für das Fleisch hatten? Und wie viele Urteile wurden überhaupt gerecht gefällt? Waren manche Richter oder Schöffen nicht sogar bestechlich und hatten selbst etwas zu verbergen? Welche Rolle spielten die Amtmänner und Förster, die die Wilderei eindämmen und die Schuldigen stellen sollten? War der Beruf wirklich so achtbar und Wohlstand bringend, wie manche romantischen Geschichten behaupten?

Die zitierten Berichte verraten, dass das Leben als Wilderer und Jäger für keinen leicht war und genau so viele Verbrecher wie auch Gesetzeshüter ihr Leben lassen mussten, dazu noch ihre Familien mit in den Untergang rissen. Insgesamt wird die Zeit zwischen dem 17. Jahrhundert und den Jahren bis zum zweiten Weltkrieg abgedeckt. Selbst die Nazis benutzten die Wilderei noch zu Propagandazwecken. Das Buch beginnt recht spannend. Anschaulich, verständlich und lebendig beschreibt der Autor, wie es dazu kam, dass rechtschaffene Bauersleute plötzlich als Wilderer gebrandmarkt wurden, wann überhaupt das Adelsvorrecht so ernst genommen wurde, dass Strafen, die über Gefängnis, Verstümmlung bis hin zur Todesstrafe reichten, ausgesprochen wurden.

Es zeigt, dass sehr unterschiedlich geurteilt wurde. Soldaten kamen oft glimpflicher davon als Zivilisten, manch ein Richter musste seinen eigenen Lieferanten für den Sonntagsbraten mit einer Strafe belegen, und nicht zuletzt waren manchmal auch die Jäger und Förster selbst Wilderer. Langweiliger wird es, als es nur noch die ausgewählten Fälle vorstellt und unkommentiert stehen lässt, kaum Querverbindungen oder Vergleiche zieht oder gar mit allgemeinen Aussagen verknüpft. Hier fehlt ein wenig die Tiefe und die Bedeutung, die die einzelnen Beispiele für das Thema haben. Wer sich einen Überblick über das Thema ‚Wilderei in Deutschland’ verschaffen will, findet hier viele interessante Informationen und Beispiele. Allerdings ist „Vom Staupenschlag zum Henkerstrick“ nicht ganz so ausgereift, wie es hätte sein können, da der Autor am Ende zu sehr listet und zu wenig erklärt.

Christel Scheja (CS)

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